Tag Archive: Psyche


Munddenker

Die Welt ist voller Menschen, die nicht wissen, was sie denken, bevor sie nicht einige Male gehört haben, was sie sagen.

Schicksalssklave

Ein allein von den Regungen seiner Psyche abhängiger Mensch, der seiner Psyche kein Bewusstsein entgegensetzt, ist nichts weniger als ein für Dritte leicht beeinflussbarer Sklave seines Schicksals. Die gesamte Tätigkeit von Werbern, Journalisten, Politikern und Propagandisten besteht darin, jeden Menschen so psychisch und unbewusst wie nur irgend möglich zu machen. Sie tun niemals etwas anderes. Sie sind Feinde.

Gut und logisch

„Natürlich gehst du davon aus, dass dein sorgsam ausformulierter Standpunkt der beste und logischste ist“, sagte der Vorübergehende zu seinem politisch agitierenden Zeitgenossen, „und genau das hast du mit jedem AFD-Wähler gemeinsam“.

Psychische Quelle

Beinahe alles Schlechte in der gegenwärtigen Welt kommt daher, dass sich die Menschen nach der zivilisatorisch abgesicherten Befriedigung ihrer existenziellen Bedürfnisse nicht einfach in stiller Freude hinsetzen können, um ihr sorgloses Leben zu genießen und sich erfreulicheren Dingen als dem Kampf ums Dasein zuzuwenden, sondern sich vom akuten Unlustgefühl der Langeweile angetrieben in gleichermaßen sinnlose wie mörderische Kämpfe um Bedeutungslosigkeiten stürzen. Das Schlaraffenland. Ist für einen sich selbst mit seiner Psyche identifizierenden Menschen nichts anderes als die Hölle.

Wissenschaftsfeinde

Jene, die die offene Wissenschaftsfeindlichkeit eines Donald Trump noch bemerken, werden zum Ausgleich völlig uneinsichtig, wenn es um die Irrationalität ihrer eigenen Ideologien geht. Sie werden auf den Schwingen der Dummheit durch ihre Tage getragen, ihr eingebildetes Adlerauge schwebt blind über eine Welt des Erkennes, Wissens und Könnens und sie. Sind voll der Verachtung für alles, was sie nicht sehen können.

Triumph des Unwillens

Taten entstehen nicht aus dem Willen, sondern aus dem Tun. Wie viel Mieses doch schon durch jene überwältigend vielen, vielen Menschen entstanden ist, die taten und tun, was dem ihnen mit allerlei Mitteln aufgeprägten oder aufgezwungenen Willen anderer Menschen entspringt! Überall stehen die Denkmäler für diese psychisch programmierten, biologischen Roboter, die unwillens sind, ihr eigenes Leben zu verleben und im Zweifelsfall jeden anderen umbringen würden, der auf sein eigenes Leben Wert legt.

Populismus (2)

„Je stumpfer und aussichtsloser die Menschen ihre Leben zu verleben haben, desto schärfer müssen die psychischen Reize werden, mit denen sie sich ihre Zeit auf Erträglichkeit würzen“, dachte sich der Vorübergehende, als ihm jemand die AfD als „Alternative“ nahelegte. Nichts ist kälter als die Psyche.

Der Gelandete

Gar nicht auszudenken, wenn der erste Außerirdische einer fortgeschrittenen technischen und raumfahrenden Zivilisation schon längst auf der Erde gelande wäre. Nachdem er ein paar Jahrzehnte lang — wegen seiner Lebenserwartung hat er ja andere Zeitbegriffe als Menschen — anhand des menschlichen Rundfunks und Fernsehens die irdische Zivilisation eingehend studiert hat, nahm er auch ein nützliches Geschenk zur Begrüßung der Menschen mit: Wirksame Tabletten gegen die Angst und die Traurigkeit; genug für alle Menschen, den rasenden, mörderischen Irrsinn auf der Erde zu beenden. Doch sein Geschenk ist nicht angekommen. Sofort wurde er verhaftet und wird seitdem in einem Kellerloch in der Area 51 gefangengehalten, aus Gründen der nationalen Sicherheit und um ihn mit Folterbefragungen mögliche neue Waffensysteme zu entlocken. Den Tablettenvorrat, von dem kein Mensch, mit dem er es jemals zu tun hatte, auch nur probieren wollte, hat er inzwischen selbst aufgegessen, um die fressende Verzweiflung in der Gewaltherrschaft der Dummheit ertragen zu können, und vor ihm liegt die wahre Trostlosigkeit: Der tierhafte Ernst der menschlichen Psyche, kalt und bitter und von jeglicher Vernunft unerhellt.

Die Nachkämpfer_innen

Wenn einige Vorkämpfer für die Rechte der Menschen gegen erheblichen gesellschaftlichen Widerstand und unter oft physischem wie psychischem Schmerz so weitgehend ihre Erfolge errungen haben, dass ihre Forderungen längst genannt werden dürfen, ohne lächerlich zu wirken und ohne auf offenen Hass zu stoßen, ja, dass sie bereits zum festen, nicht mehr hinterfragten Bestandteil der bourgeoisen Politik und ihrer journalistischen Ausdeutung geworden sind, dann kommen die Nachkämpfer_innen wie ein Krebsgeschwür der einst not-wendigen Bewegung: All diese Unterstützer_innen, die mit ihrer Unterstützung inzwischen nichts mehr zu verlieren haben, weil es weitgehend ungefährlich geworden ist, sich für die Rechte der Menschen zu engagieren. Da es bei den Nachkämpfer_innen wegen des von ihnen gewählten Zeitpunktes keine wirklich drängende existenzielle Not mehr gibt, die von ihnen bekämpft wird, kämpfen sie freilich auf Außenstehende absurd wirkende Scheingefechte mit auf Außenstehenden absurd wirkenden Mitteln; dabei selbst gut finanziell abgesichert, mit allen von ihren Vorkämpfern kaum erträumbaren Möglichkeiten ausgestattet und oft in den von ihnen dabei offen verachteten bourgeoisen Institutionen reich alimentiert. Sie übernehmen von den mittlerweile gesellschaftlich akzeptierten Vorkämpfern den aggressiven, einst einem not-wendigen Kampf geschuldeten Tonfall und die um Aufmerksamkeit und billiges Gefühl schreiende populistische Methodik, doch ihr Feind ist eine in paraanalytischer Sprache verpackte, untereinander wie die heilige Erkenntnis mitgeteilte Leere, in deren zum Hass freigegebenen Hohlraum im Zweifelsfall jeder Mensch auch aus geringsten Anlässen untergebracht und vor einem aufgeheizten Mob für die Kühlung des Mutes präsentiert werden kann, ohne dass ein davon betroffener Mensch sich dagegen mit Mitteln der halbwegs zivilisierten Auseinandersetzung wehren könnte. Das Ziel beinahe aller Tätig- und Tätlichkeiten der Nachkämpfer_innen ist nicht die Herstellung von Menschenrecht, sondern möglichst bequem zu erreichende persönliche psychische Abfuhr für allerlei individuelles Ungemach der Vergangenheit; die grundsätzliche Haltung, die alle Nachkämpfer_innen in ihrer Verschiedenheit eint, ist eine manisch-depressive Verantwortungslosigkeit, der es nicht gelingt, mit den von den Vorkämpfern errungenen Möglichkeiten, Rechten und Freiheiten etwas wahrhaft Konstruktives mit gesellschaftlicher Strahlkraft für ein besseres Leben anzufangen. Unterdessen. Produziert der weiter über die Gesellschaft ablaufende Prozess seine zwangsläufige Not und Ungerechtigkeit für Viele, die mit den aufgesetzten Scheuklappen der Nachkämpfer_innen nicht sichtbar sind. Zu schlechter Letzt gelingt es den Nachkämpfer_innen gar, dass der Zustand vor den Erfolgen der Vorkämpfer von vielen Zeitgenossen als ein besserer Zustand denn der ablaufende Irrsinn wahrgenommen wird, weil sie die verschwenderische psychische Albernheit und das ziellose Hassgerase der Nachkämpfer_innen der offen von bourgeoisen Medien transportierten Propaganda ebendieser Nachkämpfer_innen folgend mit den Zielen der Vorkämpfer identifizieren, so dass das Krebsgeschwür der Nachkämpfer_innen schließlich den an sich begrüßenswerten gesellschaftlichen Fortschritt auffrisst. Nichts hat so rettungslos verloren wie eine innerhalb des bourgeoisen Gesellschaftssystems erfolgreiche emanzipatorische Bewegung.

Mit warmem Gruß an R. G. und meine anderen Hasser_innen!

Den Anderen hassen

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen: „Ich kann dich gar nicht hassen. Wofür sollte ich auch? Dafür etwa, dass du nicht bist wie ich? Hasste ich dich dafür, würde ich ja genau so wie du werden“.

Die Erben der Religion

Die Regierung, Partei oder Ideologie, die von den Menschen festen Glauben fordert, die alles tut, jeden Keim eines Zweifels zu ersticken, die auf Abweichler und schon einfache Fragen mit rigorostmöglichen Maßnahmen (im Falle entsprechender Machtfülle: bis hin zur Ermordung) reagiert, ganz so, wie einst die Kirche auf den Ketzer — diese Regierung, Partei oder Ideologie belegt in solchem Fordern und Tun, dass sie das Erbe der Religion angetreten hat und aus dem gleichen verwerfenswürdigen psychischen Material gestrickt wurde.

Der Kern der Religion ist nicht ein Gott, sondern die Psyche des Menschen.

Ich verstehe es nicht…

Die Dinge sind nicht schwerverständlich, weil es an intellektueller Fähigkeit fehlte, sie zu verstehen¹ — sie sind schwerverständlich, weil sich das Verstehen und damit Bewusstwerden gegen einen starken psychischen Widerstand vollzieht. Jegliche Einsicht in die Wirklichkeit widerspricht dem gesamten von der Psyche aufrechterhaltenen Selbstbild und lässt den Narzissmus darben. So manches, ja, sogar beinahe alles, was von außen flugs betrachtet wie eine Dummheit aussieht, ist bei näherer Betrachtung eine Art „narzisstischer Allergie“, eine Abwehr starker Unlustgefühle. Wer Einsicht benötigt oder sich an ihr erfreuen möchte, muss zunächst mit der aktiven, wenn auch selten bewussten Tätigkeit aufhören, sein eigenes Selbst mit dem lustgetriebenen Apparat der Psyche zu identifizieren, um die Unlust der Bewusstwerdung nicht zu einer Festung um die mögliche Weisheit werden zu lassen.

¹Auch, wenn man das im Alltag kaum glauben mag: Die meisten Menschen sind nicht dumm.