Tag Archive: Psyche


„Zurück zur Normalität“

Das „zurück zur Normalität“, das von Gegnern der Maßnahmen zur Seuchenbekämpfung eingefordert wird, ist eine völlig unreflektiete Forderung, in der sich allerdings eine Tatsache sehr deutlich widerspiegelt: „Normalität“ ist ein Durchschnittswert des Verhaltens, mehr nicht. Und so wandelbar ist die „Normalität“ auch. Unter den Bedingungen der Coronaseuche ist es zum Glück normal geworden, dass die meisten Menschen ein hoffentlich vernünftiges und wirksames persönliches Risikomanagement betreiben, um ihr individuelles Risiko zu senken; und es ist auch normal, dass sie Rücksicht auf ihre Mitmenschen nehmen, damit diese als mögliche Seuchenherde andere weder der Gefahr noch der Furcht vor einer Infektion aussetzen. Nur völlig asoziale Menschen, viele von ihnen mit einem bereits sichtbar werdenden Alkoholproblem, entziehen sich dieser Normalität. Wenn es die Coronaseuche nicht gäbe, wären die Vorkehrungen des persönlichen Risikomanagemens und der angemessenen Rücksichtnahme nicht nötig. Die Forderung nach „Normalität“ ist in Wirklichkeit eine Forderung des dummen, psychischen und antizivilisatorischen Bedürfnisses nach einer zügellosen Rücksichtslosigkeit, und genau so sehen die von Polizeien ungewöhnlich weich behätschelten Demonstrationen dieser Forderer auch aus. Noch in der Behätschelung dieser Fordernden durch die Polizei — die im Kontext von mit Wasserwerfern ausgeschossenen Augen bei friedlichen S21-Gegendemonstranten wie eine Liebeserklärung anmutet — zeigt sich ein Spiegelbild. In dieser ungewöhnlichen Milde der unmittelbar und sonst auch recht grob die Herrschaftsgewalt ausübenden Beamten spiegelt sich, dass die Forderung der Demonstranten nach unendlicher Rücksichtslosigkeit und Verantwortungslosigkeit ganz genau der Grundpfeiler jener notdürftig verlarvten rücksichtslosen Gier ist, die als so genannter „Kapitalismus“ nach Auffassung der Herrschenden und Besitzenden das gesamte Miteinander der Menschen durchwalten soll und die sich ebenfalls in der praktisch wirkungslosen und manifest irrsinnigen „marktkonformen Seuchenbekämpfung“ von Politik und Verwaltung widerspiegelt.

Minderwertigkeitskomplexe

Das größte Problem bei Minderwertigkeitskomplexen ist es vermutlich, dass es meistens die falschen Menschen sind, die welche haben.

Sein und Fühlen

Während einige sagen „Ich denke, also bin ich“, sagen immer noch die meisten „Ich bin dumm, und ich fühle mich gut“.

Ich prophezeie: Wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte der Coronaseuche in den nächsten Tagen zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, um den Menschen in Gebieten mit geringem Infektionsrisiko keine unverhältnismäßigen Einschränkungen aufzuerlegen, dann wird es in diese Gebiete einen (von der dortigen Wirtschaft mit offenen Armen und Kassen begrüßten) „Lockerungstourismus“ geben, der dazu führt, dass es schnell wieder vorbei ist mit der geringen Inzidenz.

Und wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte nicht zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, ist das auch schlecht.

Dummheit ist ein viel größeres Problem als Corona. Auf allen Ebenen.

Narzissmus und Vernunft

Im Auto eines Zeitgenossen mitfahrend sagte der Vorübergehende schließlich: „Der ungezügelte, sich selbst zum Gott machende Narzissmus hat das Gaspedal und die Hupe erfunden, aber die Vernunft zum Ausgleich die Bremse“.

Offensichtlichkeit und Entlarvung

Mit nichts anderem entlarven Menschen meist so unfreiwillig und doch so deutlich ihren Standpunkt und ihre irrationale Glaubenswelt als in der Mitteilung ihrer Wahrnehmung, ihrer stets sehr selektiven Wahrnehmung. Ein Mensch glaubt nicht etwa an etwas anderes, weil er etwas gesehen hat, sondern er sieht genau das viel besser, woran er vorher schon glaubte.

Verwirklichen

„Wenn du deine Träume verwirklichen willst“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann ist es vor allem anderen erforderlich, dass du aufwachst und damit aufhörst, deine Träume nur zu träumen“.

Marktkonforme Psyche

Von einem Zeitgenossen auf die kommende Klimakatastrophe angesprochen, sagte der Vorübergehende: „Die kalte kalte Psyche des Menschen ist nicht zur Bescheidenheit und Selbstbeschränkung fähig und fühlt sich bei jeder derartigen Forderung tief gekränkt, und der Verstand des Menschen wäre markt- und wachstumsfeindlich, wenn er nur die Entscheidungen des Lebens träfe. Deshalb wird von der Politik und Reklame überall der Ablasshandel des 21. Jahrhunderts eingeführt, und es geht weiter wie gehabt, im dummen psychischen Vollrausch weiter wie gehabt, und das ist alles. Mach dir keine Sorgen, mein Bruder im Staub, wenn die Menschheit an ihrer selbsterwählten und wohlkultivierten Dummheit schließlich bis an den Rand des Aussterbens scheitert, sondern freu dich der guten Zeiten, die du erleben durftest und begrüße die Evolution“!

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Bevorzugung

Die Menschen verstehen wohl, dass man durch Schaden klüger werden kann, aber sie bevorzugen es, durch Glück dümmer zu werden… und der Schaden, den sie dabei erleiden, macht sie nicht klüger.

Unterschiebsel

Wer im Gespräche seine Standpunkte, Ideen und Auffassungen nicht begründet, sondern stattdessen in einem billigen rhetorischen Trick seinem jeweiligen Gesprächsparter immer wieder Desinteresse in der abwertenden Phrase des „das interessiert dich ja sowieso nicht, das willst du ja sowieso gar nicht wissen“ unterstellt, ist in Wirklichkeit an einem Gespräch gar nicht interessiert, sondern will nur für seine Ideologie missionieren. Das „Gespräch“ ist genau so „sinnvoll“ wie das Gespräch mit einem religiösen Fanatiker auf Mission. Es führt zu keinerlei Veränderung, Fortschritt, Einsicht in falsche Betrachtungen oder neuen Gedanken. Es ist Lebenszeitverschwendung, und zudem unerfreulich und in seiner dummen psychomechanischen Monotonie wenig unterhaltsam.

⫬A ⇒ B ∧ ⫬A ⇒ ⫬B

Das Hauptproblem aller Menschen, die in einer Ideologie oder in einer Religion gefangen sind, ist die innere Logik der Idelogie oder der Religion, die den Verstand verblendet und das Denken vernebelt, obwohl sie von außen lächerlich und durchschaubar wirkt. Tatsächlich kann man aus falschen Annahmen logisch korrekt jeden beliebigen Schluss und stets auch sein Gegenteil ableiten, und alles an diesem Erschließungsprozess wirkt wie eine echte gedankliche Tätigkeit, die vollwertige Erkenntnis hervorbringt: Ein wahrer und klarer Gedanke, belegbar und ja, sogar logisch erklärbar, obwohl es sich dabei immer nur um die Auswahl dessen handelt, was der Psyche am besten und kuschligsten behagt und den Geist nicht mit allzu derben kognitiven Dissonanzen belastet. Wer klar denken will, statt sich in der lustgetriebenen Mechanik seiner Psyche zu verlaufen, sieht zu, die Grundlagen seines Denkens zu sichern, noch bevor er Schlüsse daraus zieht, auf dass seine Erkenntnisse auch gültig werden. Das ist eine Tätigkeit, die im Lande der Psyche nur wenige ausüben, und beinahe kein Politiker befleißigt sich dieser Mühe.

Gruß an F. B.