Tag Archive: Psyche


Ich prophezeie: Wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte der Coronaseuche in den nächsten Tagen zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, um den Menschen in Gebieten mit geringem Infektionsrisiko keine unverhältnismäßigen Einschränkungen aufzuerlegen, dann wird es in diese Gebiete einen (von der dortigen Wirtschaft mit offenen Armen und Kassen begrüßten) „Lockerungstourismus“ geben, der dazu führt, dass es schnell wieder vorbei ist mit der geringen Inzidenz.

Und wenn die regional überproportional sinkenden Inzidenzwerte nicht zum Anlass für regionale Lockerungen genommen werden, ist das auch schlecht.

Dummheit ist ein viel größeres Problem als Corona. Auf allen Ebenen.

Narzissmus und Vernunft

Im Auto eines Zeitgenossen mitfahrend sagte der Vorübergehende schließlich: „Der ungezügelte, sich selbst zum Gott machende Narzissmus hat das Gaspedal und die Hupe erfunden, aber die Vernunft zum Ausgleich die Bremse“.

Offensichtlichkeit und Entlarvung

Mit nichts anderem entlarven Menschen meist so unfreiwillig und doch so deutlich ihren Standpunkt und ihre irrationale Glaubenswelt als in der Mitteilung ihrer Wahrnehmung, ihrer stets sehr selektiven Wahrnehmung. Ein Mensch glaubt nicht etwa an etwas anderes, weil er etwas gesehen hat, sondern er sieht genau das viel besser, woran er vorher schon glaubte.

Verwirklichen

„Wenn du deine Träume verwirklichen willst“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „dann ist es vor allem anderen erforderlich, dass du aufwachst und damit aufhörst, deine Träume nur zu träumen“.

Marktkonforme Psyche

Von einem Zeitgenossen auf die kommende Klimakatastrophe angesprochen, sagte der Vorübergehende: „Die kalte kalte Psyche des Menschen ist nicht zur Bescheidenheit und Selbstbeschränkung fähig und fühlt sich bei jeder derartigen Forderung tief gekränkt, und der Verstand des Menschen wäre markt- und wachstumsfeindlich, wenn er nur die Entscheidungen des Lebens träfe. Deshalb wird von der Politik und Reklame überall der Ablasshandel des 21. Jahrhunderts eingeführt, und es geht weiter wie gehabt, im dummen psychischen Vollrausch weiter wie gehabt, und das ist alles. Mach dir keine Sorgen, mein Bruder im Staub, wenn die Menschheit an ihrer selbsterwählten und wohlkultivierten Dummheit schließlich bis an den Rand des Aussterbens scheitert, sondern freu dich der guten Zeiten, die du erleben durftest und begrüße die Evolution“!

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Bevorzugung

Die Menschen verstehen wohl, dass man durch Schaden klüger werden kann, aber sie bevorzugen es, durch Glück dümmer zu werden… und der Schaden, den sie dabei erleiden, macht sie nicht klüger.

Unterschiebsel

Wer im Gespräche seine Standpunkte, Ideen und Auffassungen nicht begründet, sondern stattdessen in einem billigen rhetorischen Trick seinem jeweiligen Gesprächsparter immer wieder Desinteresse in der abwertenden Phrase des „das interessiert dich ja sowieso nicht, das willst du ja sowieso gar nicht wissen“ unterstellt, ist in Wirklichkeit an einem Gespräch gar nicht interessiert, sondern will nur für seine Ideologie missionieren. Das „Gespräch“ ist genau so „sinnvoll“ wie das Gespräch mit einem religiösen Fanatiker auf Mission. Es führt zu keinerlei Veränderung, Fortschritt, Einsicht in falsche Betrachtungen oder neuen Gedanken. Es ist Lebenszeitverschwendung, und zudem unerfreulich und in seiner dummen psychomechanischen Monotonie wenig unterhaltsam.

⫬A ⇒ B ∧ ⫬A ⇒ ⫬B

Das Hauptproblem aller Menschen, die in einer Ideologie oder in einer Religion gefangen sind, ist die innere Logik der Idelogie oder der Religion, die den Verstand verblendet und das Denken vernebelt, obwohl sie von außen lächerlich und durchschaubar wirkt. Tatsächlich kann man aus falschen Annahmen logisch korrekt jeden beliebigen Schluss und stets auch sein Gegenteil ableiten, und alles an diesem Erschließungsprozess wirkt wie eine echte gedankliche Tätigkeit, die vollwertige Erkenntnis hervorbringt: Ein wahrer und klarer Gedanke, belegbar und ja, sogar logisch erklärbar, obwohl es sich dabei immer nur um die Auswahl dessen handelt, was der Psyche am besten und kuschligsten behagt und den Geist nicht mit allzu derben kognitiven Dissonanzen belastet. Wer klar denken will, statt sich in der lustgetriebenen Mechanik seiner Psyche zu verlaufen, sieht zu, die Grundlagen seines Denkens zu sichern, noch bevor er Schlüsse daraus zieht, auf dass seine Erkenntnisse auch gültig werden. Das ist eine Tätigkeit, die im Lande der Psyche nur wenige ausüben, und beinahe kein Politiker befleißigt sich dieser Mühe.

Gruß an F. B.

Zwei Verwandte

Zwei Dinge machen erwachsene Menschen in erheblichem Maße kindisch, dumm und albern: Ein von Genussdrogen ausgelöster Rausch und akute Anfälle sexueller Lust in Gegenwart eines Partners. Und von beidem können erwachsene Menschen gar nicht genug bekommen… ja, einige würden sogar für diese paradiesische Kindischkeit töten.

Kein Wunder, dass jedes religiöse oder ideologische Neurosenregiment, das allen Menschen vorzuschreiben sucht, wie sie zu leben haben und diese Vorschrift im Zweifelsfall mit Gewalt bis hin zum Staatsmord durchsetzt, gleichermaßen die Sexualität und die Nutzung von Rauschmitteln unterdrücken muss, um den Menschen jegliche diesseitige Freude zu nehmen. Das Maß der Freiheit einer Gesellschaft erkennt man immer auch daran, ob es absurde Gesetze gibt, die Drogengebrauch oder gewaltfrei-verspielt ausgelebte Sexualität erwachsener Menschen kriminalisieren, obwohl es bei diesen „Verbrechen“ keine Geschädigten gibt. Denn alle Erwartungen sollen ja auf ferne, im eigenen Leben unerreichbare Ziele ausgerichtet werden, und alles andere wird mit künstlichem neurotischem Ekel überschüttet, der nur notdürftig rationalisiert werden kann.

Vom Freiheitswillen der Unfreien

„Die Unfreien wollen in Wirklichkeit gar nicht frei werden“, sagte der Vorübergehende zum Gebundenen in seinen unsichtbaren Ketten, „sondern sie begnügen sich damit, wenn sie Aufseher über die Unfreien werden können. Und an dieser wuchtigen, impulsfressenden Trägheit der psychischen Sklaverei ist bis jetzt noch jede Revolution gescheitert und noch ungleich häufiger der Wunsch Einzelner nach einem neuen, anderen, besseren Leben. Lass einen Verschuldeten, der unter Schuld und Zinseszinsen ächzt, an Geld kommen! Sofort will er alles, was er nicht für die Zahlung seiner Schuld aufbraucht, mit möglichst hohem Zins an seine Bank verleihen, sollen doch die anderen schwitzen“.

Reziprok

Moderne Journalisten erkennt man daran, daß sie schreiben können, aber nicht denken.

Karl Schwarzer

„Je mehr Daten es über COVID-19 gibt und je mehr Erkenntnis über diese gefährliche und sehr ansteckende Krankheit gewonnen wird“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „desto weniger wird in Glotze und Presse davon berichtet, obwohl es doch so viel zu berichten gäbe. Für jene Feinde der Vernunft, die sich als Journalisten dazu entschlossen haben, von der Vermarktung von Reklameplätzen zu leben, ist ein psychisch empörender rassistischer Mord durch einen Polizeibeamten nebst großen Demonstrationen und Ausschreitungen in den fernen Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika wegen der geilen Bilder nun einmal ein besserer Wurm an der Reklameangel als nüchterne Informationen, die das Leben der Menschen direkt und existenziell betreffen. Da ist es kein Wunder, dass die Demonstrationen der Menschen, deren billige Psychen sich allzuleicht von professionellen Werbeplatzvermarktern aufkochen lassen, zu regelrechten Coronaparties geraten — und niemand, der vor ein paar Wochen noch vor den so genannten ‚Hygienedemos‘ mit teils hysterischem Unterton gewarnt hat, sieht darin ein Problem“.