Tag Archive: Manipulation


Begierde

Kaum jemand würde unbedingt etwas haben wollen, wenn der das Objekt seiner Begierde vorher nur vollständig kennte. Werbung und Verpackung stellen nicht nur einseitig die Vorzüge dar, sondern versuchen ebenso einseitig die weniger wünschenswerten Eigenschaften und langfristigen Folgen eines Erwerbs zu verbergen — egal, ob es sich um ein industrielles Produkt oder einen Lebensgefährten handelt.

Denkdochmal

„Denk doch mal an die armen Kinder, die armen Frauen, das ausgebeutete Personal der Krankenhäuser, die Obdachlosen, die psychisch Kranken“ — diese ganzen Leute aus Politik, Aktivismus und Journalismus, die ihre Empathie immer nur dann entdecken, wenn sie etwas zur Emotionalisierung des Politischen und zur psychischen Manipulation der Massen taugt, demonstrieren im Spiegelbild dieser Haltung ihren abstoßenden, kalten, ekelhaften, empathielosen, ja, asozial-psychopathischen Charakter. Ein halbwegs erfreuliches, zivilisiert menschliches Miteinander wird erst möglich werden, wenn niemand mehr auf diese schamlosen Politikspammer und ihre journalistischen Relaisstationen hereinfällt.

Interesse

„Nachdem man einem Menschen einen Knebel in den Mund gesteckt hat“, sagte der Vorübergehende, „kann man ihn gefahrlos nach seiner ehrlichen Meinung fragen und Interesse daran heucheln. Die verfeinerte Form dieses Knebels ist übrigens die Umfrage, die viele Antworten gar nicht erst vorsieht“.

Bild

Ein Bild lügt wirksamer und nachhaltiger als tausend Worte.

Wenn man Journalist ist und den Menschen aus dieser Position die Welt erklären will, dann kann man so etwas wie Organisierte Kriminalität zusammen mit massenhaftem und gewerbsmäßigem Betrug zum Schaden der eigenen Kunden und Steuerhinterziehung natürlich auch mit einem geradezu frivol anmutenden Wort wie „Affäre“ bezeichnen.

Das ist nicht verboten. Und irgendwie muss man es ja nennen, wenn man nicht zu so einem völlig angemessenen Wort wie „Kriminalität“ greifen mag.

Wenn man ein fühlender und denkender Mensch ist und diese gewollt unterschwelligen, aber in der Tat offensichtlichen und intelligenzverachtenden Bezeichnungen Organisierter Kriminalität durch Journalisten wahrnimmt, stellt man dabei allerdings fest, dass der Journalist seine Leser und Hörer mit vorsätzlich manipulativer Wortwahl beeinflussen, verblenden und letztlich belügen will — und dass sich die großformatigen Anzeigen in den journalistischen Produkten auf die ekelhaftest denkbare Weise völlig nahtlos in den redaktionellen Teil einfügen und ein Produkt aus einem Guss ergeben.

Jene, die das Wort „Lügenpresse“ so energisch zurückgewiesen haben, sind keine Wahrheitspresse.

Politische Berufsrhetoriker

Politische Berufsrhetoriker schießen mit intellektuellen Platzpatronen, die zwar einen beachtlichen Knall verursachen können, aber niemals ein anderes Ziel als die Psyche der Zuhörer treffen.

Selbstsprecher

Ungewohnt laut warf der Vorübergehende in einem Gespräch ein: „Meine Meinung sage ich immer noch selbst. Ich bin Selbstsprecher. Wer manipulativ im ‚wir‘ für mich spricht, ist mein Feind“.

Sachlich

Jeder Herrschende und Besitzende fordert in seiner Propaganda von den Ohnmächtigen und Veramten mehr „Sachlichkeit“ ein, wenn er ihnen in Wirklichkeit das Wort verbieten möchte und ihre Lebenswirklichkeit schon vor jeder Kommunikation für bedeutungsleer und kaumexistent erklären will.

Die Partei „Die PARTEI“…

Werter Journalist,

anders, als du es zurzeit so gern in die Presse und Glotze hinein tintenkleckst, ist die zur Bundestagswahl antretende Partei „Die PARTEI“ keine „Spaßpartei“. Kitzeln kann man auch den Traurigen und Verzweifelten, und ist die Gewalt nur groß genug, ertönt sogar ein widerwilliges, erzwungenes Lachen, das dem Lachenden keinen Spaß bereitet.

Dein dein Geschreibsel „genießender“
Nachtwächter

Das „Wüten“ des Hurrikans

Screenshot tagesschau.de -- 'Irma' wütet in Florida: Wind lässt nach - Gefahr bleibt

Dass die veröffentlichte Sprache von Journalisten immer wieder schreckliche, aber völlig emotionslose Naturereignisse „wüten“ lässt, doch auf der anderen Seite so viele Euphemismen für die psychisch-selbstsüchtigen, rücksichtslosen, asozialen und oft kriminellen Taten und Untaten der Menschen aus der herrschenden und besitzenden Klasse erfindet, sagt alles über die Journalisten.

Aus der Schweiz betrachtet

Dem Wutbürger im Internet tritt in manchen Leitmedien ein Wutjournalismus gegenüber, der Schimpfen, Weghören und Kommunikationsverweigerung zu Tugenden erklärt

Neue Zürcher Zeitung — Journalismus im Kampfmodus: Hetzer, Idioten und Dumpfbacken

Werte Journalisten…

Werte Journalisten,

seit einigen Monaten beobachte ich mit einer Mischung aus Erheiterung und Kopfschütteln, wie ihr versucht, den gegenwärtigen Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, „nach oben zu schreiben“ und was für lustige Wörter ihr euch dafür ausgedacht habt.

„Schulz-Effekt“. Das klingt schon ungesund. „Schulz-Zug“. Ist der etwa entgleist? Und der Schulz hier, und der Schulz dort… so manchen Bundesminister habt ihr deutlich seltener mit eurer Tintenkleckserei in „Erinnerung“ gebracht.

Was euch, werte Journalisten, mangels Einsichtsfähigkeit allerdings nicht klar zu sein scheint, ist eine an sich sehr simple Tatsache: Ihr habt schon einmal so gleichtönend und gleichtuend auf allen euren stinkenden Kanälen einen Kanzlerkandidaten der SPD nach oben schreiben wollen, und bei diesem Ansinnen wart ihr deutlich erfolgreicher. Gerhard Schröder — so etwas wie der Donald Trump der Bundesrepublik Deutschland, zwar eine etwas kleinere Ausgabe, aber dafür mit genau so großer narzisstischer Persönlichkeitsstörung¹ — ist tatsächlich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und in dieser Position hat er in einer Mischung aus Machtwort, kriminellem Kumpelkreis, Bier her, Bild, BamS und Glotze den sozialen Frieden in der BRD zerstört, einen staatlich subventionierten Billigarbeitsstrich in der BRD eingeführt, die Ausdehnung der als „Zeitarbeit“ bezeichneten modernen Sklaverei vorangetrieben und begrüßt, die Hartz-IV-Armut und den erzwungenen Sklavenjob über viele Menschen in der BRD gebracht, die solidarische Rentenversicherung abgeschafft und jede Illusion, dass das Wort „Sozialdemokratie“ etwas mit „sozial“ oder „demokratisch“ zu tun haben könnte, nachhaltig und bis heute nachwirkend zerstört. All dies, werte Journalisten, mit eurer bemerkenswert verständnisvollen Unterstützung.

Jeder Mensch, der um die dreißig Jahre alt oder älter ist und nur einen Funken politischen Bewusstseins hat, weiß das noch. Und damit weiß er, was von SPD-Kanzlerkandidaten, die von euch, werte Journalisten, hochgejazzt werden, zu halten ist: Sie sind genau so Feinde, wie ihr, werte Journalisten, es seid. (Was für eine Regierung ein Kanzler Martin Schulz wohl eingesetzt hätte? Die Frage habt ihr niemals aufgeworfen, werte Journalisten, denn die Antworten sind zum Gruseln. Und dieses Gruseln wolltet ihr halt nicht. Das mit der Propaganda könnt ihr ganz gut, werte Journalisten.)

Ihr seid bedeutungslos geworden, werte Journalisten. Oder, um es mit einem bei euch sonst sehr beliebten Fremdwort zu sagen: irrelevant. Oder, um es genau so zu sagen, wie es mir auf der Zunge liegt: zum Glück für die Menschen in der BRD seid ihr irrelevant geworden.

Das Resultat eurer — als Aufforderungen zum Personenkult direkt an die dumme Psyche adressierten — Manipulationsversuche bleibt inzwischen unterhalb der Wirkungsschwelle. Der „Schulz-Effekt“ bei der heutigen Landtagswahl in Schleswig-Holstein klingt bei der ARD-Tagesschau etwa so: CDU siegt im Norden – Schlappe für SPD.

Eure Parallelgesellschaft wechselwirkt nicht mehr stark genug mit der richtigen Gesellschaft. Ihr habt euch endlich entkoppelt. Manchmal wundert ihr euch bestimmt, dass euch keiner eurer Leser mehr Geld für eure journalistische Tätig- und Tätlichkeit geben will. Auf die politische und lebenspraktische Irrelevanz (oder gar Gefährlichkeit) des Journalismus für die meisten Menschen folgt halt, dass diese Menschen euch die Irrelevanz gern zurückgeben. Ihr habt nichts mehr mit den Menschen zu tun. Und jeder Mensch kann das an eurem schmierigen Geschmiere bemerken, wenn er einfach nur hinschaut.

Hört ihr das Tappsen aus der Ferne, das da täglich näher kommt? Das ist der Insolvenzverwalter auf dem Weg zu euch. Werte Journalisten, das von euch aktiv und vorsätzlich herbeigeschriebene Hartz IV, das werdet ihr bald selbst „genießen“ dürfen. Vielleicht lernt ihr sogar mal unfreiwillig das Leben eines Bauhelfers für achtfuffzich kennen. Und wisst ihr was: Das freut mich für euch Schreibtischtäter.

Euer euer Treiben bald nicht mehr ertragen müssender
Nachtwächter

PS: Eure Versuche, das Internet zensieren zu lassen, werden fruchtlos bleiben, aber vielen Menschen zusätzlich die Augen öffnen, was für ein widerliches Geschmeiß ihr seid.

¹Er hat sogar ein Gerichtsverfahren wegen seiner Haarfarbe geführt.