Tag Archive: Narzissmus


Moderne Empfindsamkeit

Der Vorübergehende notierte zu einigen längst Abwesenden: „Sie wären gern empfindsam geworden, aber sie wurden nur immer empfindlicher“.

Verrannt

Der Vorübergehende sagte zum Lachenden: „Ich kann verstehen, dass du lachen musst, wenn du jemanden liest oder hörst, der sich so völlig in eine Idee verrannt hat, dass es aussieht, als könne er gar nicht mehr klar denken; ich kann verstehen, dass du es erheiternd findest, wenn sich Scharfsinn und Dummheit auf das Allerköstlichste kombinieren, um die absonderlichsten Bezüge herzustellen und darzulegen — aber übe dich in Demut! Jedesmal, wenn du jemanden des Wahnes bezichtigst, hilft dir das auch dabei, deine eigenen Narzissmus zu füttern und dabei deine eigene Verranntheit zu vergessen, die allen deinen Wahrnehmungen deine verrannten Deutungsmuster auferlegt. Wer weise geworden ist, lacht jedesmal auch über sich selbst im Spiegelbilde, wenn er die offenbare Dummheit anderer auslacht. Die Wirklichkeit. Ist sehr konkret und spottet in ihrem Wirken allen einfachen Mustern“.

Narzissmus und Vernunft

Im Auto eines Zeitgenossen mitfahrend sagte der Vorübergehende schließlich: „Der ungezügelte, sich selbst zum Gott machende Narzissmus hat das Gaspedal und die Hupe erfunden, aber die Vernunft zum Ausgleich die Bremse“.

Unveränderlich und unbelehrbar

Bei Menschen, die niemals ihre Meinung ändern, ist der dumme Narzissmus stärker ausgeprägt als die Wahrheitsliebe.

Hassquell

Es lässt sich in leider in jeder gesellschaftlichen Schicht beobachten, aber deutlich und unverkleidet bei den Armen und Ausländern: Menschen, die sich aus nachvollziehbaren Gründen wünschen, dass man sie respektiert, aber dabei nicht wissen, dass jeder Respekt vor allem in der Persönlichkeit und Leistung des Respektierten wurzelt, sorgen beim Ausbleiben des Respektes leider oft dafür, dass man ersatzweise wenigstens Angst vor ihnen hat — und werden deshalb von anderen Menschen gehasst und nicht respektiert.

Unsicherheit

Die Menschen verlangen deshalb so sehnsüchtig, ja, suchtartig nach Achtung und Beachtung durch andere Menschen, weil sie sich so unsicher darin sind, ob sie diese überhaupt verdienen. Im Spiegelbild jedes Blenders und Selbstdarstellers von Donald Trump bis hin zum „Klaus Kinski für die Dorfdisko“, im Spiegelbild jedes Genießers eines Personenkultes zeigt sich immer noch ein narzisstisch schwer gekränktes Kind, das seine Kränkung niemals überwand und den Geschmack der Bitterkeit überdecken will.

Die Frage, warum aufmerksamkeitsvermarktende Internetideen wie „Social Media“ immer etwas unübersehbares Infantiles an sich haben, beantwortet sich aus dieser Beobachtung von allein.

Das Denken vorm Spieglein

Viele Menschen, und auffallend viele davon sind Frauen, denken vor allem darüber nach, was andere Menschen über sie denken werden.

Die Suche

Wissenschaft ist nicht „Wahrheit“, sondern die Suche danach. Wer „Wahrheit“ haben will, muss sich für dieses narzisstische „Bedürfnis“ schon von der Wissenschaft abwenden und zur Religion hinwenden; zur Religion oder zu ihrer kecken Bastardschwester, der Ideologie. Und selbst dann wird das befriedigende Gefühl, auch wirklich im Besitze der „Wahrheit“ zu sein, nur erreicht, wenn man sich die Lust an jeder weiteren Suche abtrainiert, oft mühsam abtrainiert, bis zur Verblödung abtrainiert. Doch ein Problem wird daraus nicht: Unter Seinesgleichen stört die Dummheit eines Tiefgläubigen selten.

Schmeichelfalle

Die Wahrheit widerspricht unserer Natur, der Irrtum nicht, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: Die Wahrheit erfordert, dass wir uns für beschränkt erkennen sollen; der Irrtum schmeichelt uns, wir seien auf ein oder die andere Weise unbegrenzt.

Johann Wolfgang v. Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 447

Fehler

Gefragt, was er denn gegen eventuelle Fehler im Denken, Beschreiben und Benennen mache, antwortete der Vorübergehende: „Nichts kann ich gegen Fehler machen, in denen sich die Beschränktheit meiner Einsicht spiegelt, aber ich kann etwas mit ihnen machen: Ich kann sie bewusst wahrnehmen und daraus lernen. Dabei werden zwar leider die Fehler nicht spürbar weniger, aber immerhin das Gelernte spürbar mehr. Schade, dass so wenige Menschen bereit sind, diese Haltung einzunehmen; schade, dass so viele sich auf dem humorlosen Altar ihres Narzissmus selbst zum Unfehlbaren machen“.

Erfolgreiche Selbstemanzipation

Die Politik und der Journalismus sind voller Menschen, die sich so sehr von sich selbst emanzipiert haben, dass sie sich bei ihren dummen Untaten, intelligenzverachtenden Lügen und halbseidenen Machenschaften nicht mehr schämen müssen, sondern ganz allgemein und persönlich völlig unverbindlich über die Schwäche der menschlichen Natur klagen können — ohne die geringste Dämpfung ihres grenzenlosen Narzissmus.

Scheinbare Dummheit

Die Intelligenz, die so mühelos, leicht und klar die Dummheit in den Fehlern anderer Menschen erkennen kann, ist oft erstaunlich erstaunlich blind, wenn es um die Dummheit der eigenen Fehler geht. Der größte eigene Fehler ist übrigens das viel zu geringe Bewusstsein dieser narzisstischen Wahrnehmungsverzerrung.