Tag Archive: Narzissmus


Die selbe Sackgasse

Ein intelligenter Mensch hat oft genau so große Probleme, den Erkenntnisprozess eines Dummkopfes zu verstehen, wie der Dummkopf Probleme hat, die Gedankengänge und Folgerungen eines intelligenten und wissenden Menschen zu verstehen. Wer aneinander vorbei redet, lernt nichts und bewirkt noch weniger. Geschwätzig, spottend und überheblich läuft der Idiot zusammen mit dem Denkenden und Verstehenden in die selbe Sackgasse, und beide sonnen sich in der narzisstischen Erhabenheit ihres Weges ohne Ziel und Ankunft, laufen erregt und doch nicht angeregt gegen die selbe Wand — und die Welt und der Prozess, der über die Gesellschaften abläuft, gehen einfach weiter, auch ohne diese beiden geht es einfach weiter.

Der Blick nach unten

Wer dumm ist, schaut sich gern noch Dümmere an, um über ihre Dummheit zu lachen, um sich daran zu erheitern, um zu sehen, wie sie wegen ihrer Dummheit gedemütigt werden und um mit diesem nährstofflosen Fraß seinen Narzissmus zu ernähren — es gibt ganze Showformate bei den Trashsendern im Fernsehen, die nur diesen Mechanismus bedienen. Wer klug ist, ist nur noch traurig über das ungenutzte Potenzial der vielen brachliegenden Gehirne und kann sich bestenfalls mit Zynismus vor der Depression bewahren…

Wahrheitssucher

Das größte Problem fast aller Menschen, die nach „der Wahrheit“ suchen, ist, dass sie in Wirklichkeit nach einer Bestätigung dessen suchen, was sie schon zu wissen glauben. Eine mindestens leicht verzerrte Wahrnehmung stellt sich dann von ganz alleine ein.

Destruktiv geisteskranke Menschen

„Destruktiv geisteskranke Menschen in ihrer unerschütterlichen Selbstliebe“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „bringen dich mit ausgefeilter psychischer Manipulation dazu, dass du deine Gedanken und deine Reaktion für das Problem hältst, und nicht ihr asoziales bis offen kriminelles Verhalten. Damit kann man es weit bringen. Die Politik ist genau so voll davon wie die Führung der großen Wirtschaftsunternehmen“.

Menschlich…

„Ja, irren ist menschlich“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „aber die Menschen fühlen sich dabei immer sehr göttlich“.

Unlogik

„Es gibt kein unlogisches Denken“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „alles, was darlegen kann, wie man aus bekannten Tatsachen zu Schlüssen gekommen ist, ist auch Logik. Selbst, wenn die Logik Abkürzungen, Schummeleien, Fehler und Bullshit enthält. Sie kann von denkenden und fühlenden Menschen leicht erklärt, kritisiert, korrigiert und erweitert werden. Es gibt aber viele Menschen, die ihre Wünsche, Träume und Ängste für eine Form des Denkens halten. Mit diesen Menschen ist das Gespräch nahezu immer fruchtlos, denn sie wissen in ihrem von der Wirklichkeit losgekoppelten Narzissmus nicht einmal, was Denktätigkeit ist. Wenn es am Kopf juckt, ist das noch kein Gedanke“.

Moderne Empfindsamkeit

Der Vorübergehende notierte zu einigen längst Abwesenden: „Sie wären gern empfindsam geworden, aber sie wurden nur immer empfindlicher“.

Verrannt

Der Vorübergehende sagte zum Lachenden: „Ich kann verstehen, dass du lachen musst, wenn du jemanden liest oder hörst, der sich so völlig in eine Idee verrannt hat, dass es aussieht, als könne er gar nicht mehr klar denken; ich kann verstehen, dass du es erheiternd findest, wenn sich Scharfsinn und Dummheit auf das Allerköstlichste kombinieren, um die absonderlichsten Bezüge herzustellen und darzulegen — aber übe dich in Demut! Jedesmal, wenn du jemanden des Wahnes bezichtigst, hilft dir das auch dabei, deine eigenen Narzissmus zu füttern und dabei deine eigene Verranntheit zu vergessen, die allen deinen Wahrnehmungen deine verrannten Deutungsmuster auferlegt. Wer weise geworden ist, lacht jedesmal auch über sich selbst im Spiegelbilde, wenn er die offenbare Dummheit anderer auslacht. Die Wirklichkeit. Ist sehr konkret und spottet in ihrem Wirken allen einfachen Mustern“.

Narzissmus und Vernunft

Im Auto eines Zeitgenossen mitfahrend sagte der Vorübergehende schließlich: „Der ungezügelte, sich selbst zum Gott machende Narzissmus hat das Gaspedal und die Hupe erfunden, aber die Vernunft zum Ausgleich die Bremse“.

Unveränderlich und unbelehrbar

Bei Menschen, die niemals ihre Meinung ändern, ist der dumme Narzissmus stärker ausgeprägt als die Wahrheitsliebe.

Hassquell

Es lässt sich in leider in jeder gesellschaftlichen Schicht beobachten, aber deutlich und unverkleidet bei den Armen und Ausländern: Menschen, die sich aus nachvollziehbaren Gründen wünschen, dass man sie respektiert, aber dabei nicht wissen, dass jeder Respekt vor allem in der Persönlichkeit und Leistung des Respektierten wurzelt, sorgen beim Ausbleiben des Respektes leider oft dafür, dass man ersatzweise wenigstens Angst vor ihnen hat — und werden deshalb von anderen Menschen gehasst und nicht respektiert.

Unsicherheit

Die Menschen verlangen deshalb so sehnsüchtig, ja, suchtartig nach Achtung und Beachtung durch andere Menschen, weil sie sich so unsicher darin sind, ob sie diese überhaupt verdienen. Im Spiegelbild jedes Blenders und Selbstdarstellers von Donald Trump bis hin zum „Klaus Kinski für die Dorfdisko“, im Spiegelbild jedes Genießers eines Personenkultes zeigt sich immer noch ein narzisstisch schwer gekränktes Kind, das seine Kränkung niemals überwand und den Geschmack der Bitterkeit überdecken will.

Die Frage, warum aufmerksamkeitsvermarktende Internetideen wie „Social Media“ immer etwas unübersehbares Infantiles an sich haben, beantwortet sich aus dieser Beobachtung von allein.