Tag Archive: Narzissmus


Unsicherheit

Die Menschen verlangen deshalb so sehnsüchtig, ja, suchtartig nach Achtung und Beachtung durch andere Menschen, weil sie sich so unsicher darin sind, ob sie diese überhaupt verdienen. Im Spiegelbild jedes Blenders und Selbstdarstellers von Donald Trump bis hin zum „Klaus Kinski für die Dorfdisko“, im Spiegelbild jedes Genießers eines Personenkultes zeigt sich immer noch ein narzisstisch schwer gekränktes Kind, das seine Kränkung niemals überwand und den Geschmack der Bitterkeit überdecken will.

Die Frage, warum aufmerksamkeitsvermarktende Internetideen wie „Social Media“ immer etwas unübersehbares Infantiles an sich haben, beantwortet sich aus dieser Beobachtung von allein.

Das Denken vorm Spieglein

Viele Menschen, und auffallend viele davon sind Frauen, denken vor allem darüber nach, was andere Menschen über sie denken werden.

Die Suche

Wissenschaft ist nicht „Wahrheit“, sondern die Suche danach. Wer „Wahrheit“ haben will, muss sich für dieses narzisstische „Bedürfnis“ schon von der Wissenschaft abwenden und zur Religion hinwenden; zur Religion oder zu ihrer kecken Bastardschwester, der Ideologie. Und selbst dann wird das befriedigende Gefühl, auch wirklich im Besitze der „Wahrheit“ zu sein, nur erreicht, wenn man sich die Lust an jeder weiteren Suche abtrainiert, oft mühsam abtrainiert, bis zur Verblödung abtrainiert. Doch ein Problem wird daraus nicht: Unter Seinesgleichen stört die Dummheit eines Tiefgläubigen selten.

Schmeichelfalle

Die Wahrheit widerspricht unserer Natur, der Irrtum nicht, und zwar aus einem sehr einfachen Grunde: Die Wahrheit erfordert, dass wir uns für beschränkt erkennen sollen; der Irrtum schmeichelt uns, wir seien auf ein oder die andere Weise unbegrenzt.

Johann Wolfgang v. Goethe, Maximen und Reflektionen, Nr. 447

Fehler

Gefragt, was er denn gegen eventuelle Fehler im Denken, Beschreiben und Benennen mache, antwortete der Vorübergehende: „Nichts kann ich gegen Fehler machen, in denen sich die Beschränktheit meiner Einsicht spiegelt, aber ich kann etwas mit ihnen machen: Ich kann sie bewusst wahrnehmen und daraus lernen. Dabei werden zwar leider die Fehler nicht spürbar weniger, aber immerhin das Gelernte spürbar mehr. Schade, dass so wenige Menschen bereit sind, diese Haltung einzunehmen; schade, dass so viele sich auf dem humorlosen Altar ihres Narzissmus selbst zum Unfehlbaren machen“.

Erfolgreiche Selbstemanzipation

Die Politik und der Journalismus sind voller Menschen, die sich so sehr von sich selbst emanzipiert haben, dass sie sich bei ihren dummen Untaten, intelligenzverachtenden Lügen und halbseidenen Machenschaften nicht mehr schämen müssen, sondern ganz allgemein und persönlich völlig unverbindlich über die Schwäche der menschlichen Natur klagen können — ohne die geringste Dämpfung ihres grenzenlosen Narzissmus.

Scheinbare Dummheit

Die Intelligenz, die so mühelos, leicht und klar die Dummheit in den Fehlern anderer Menschen erkennen kann, ist oft erstaunlich erstaunlich blind, wenn es um die Dummheit der eigenen Fehler geht. Der größte eigene Fehler ist übrigens das viel zu geringe Bewusstsein dieser narzisstischen Wahrnehmungsverzerrung.

Unwissen

Die meisten Menschen zeigen ihr Unwissen am deutlichsten und unübersehbarsten darin, dass sie alles zu wissen glauben.

Zufallsdeutung

„Ein wirklich religiöser Mensch hat ein psychologisch interessantes Deutungsverfahren implementiert.“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin. „Wann immer ihn ein Zufall seines Lebens sehr gelegen kommt, hält er ihn für gottgegeben, und wann immer ihn ein Zufall seines Lebens ungelegen kommt, kommt dieser Zufall von einem Widersacher Gottes, der erforderlich ist, um diese narzisstische Kränkung erträglicher zu machen. Was an solcher geistiger Primitivität interessant ist? Dass der so Deutende nicht einen Moment lang bemerkt, wie wahnhaft er die Zufälle nachträglich ausdeutet, um sein Deutungsverfahren mit Erfahrungen und Erlebnissen zu belegen und zu verfestigen; dass ihm nicht eine Sekunde lang klar wird, dass sein Gott nichts anderes als ein anderer Name für seinen dummen Narzissmus ist“.

Kalk

So viele Menschen, die glauben, dass sie zu Denkmälern würden, während sie in Wirklichkeit einfach nur verkalken.

Wider die Vernunftlähmung

Als sein Zeitgenosse „Lasst uns vernünftig bleiben, auch wenn unsere Gegner es nicht sind“ sagte, antwortete der Vorübergehende etwas lauter als gewohnt: „Nein. Genau das ist der dumme, narzisstische Weg, angetrieben von der süßen Illusion endloser Kräfte, Zeit und Möglichkeiten, auf dem man nichts erreicht und alle seine begrenzte Kraft in einen aussichtslosen Scheinkampf steckt — bis man schließlich erschöpft feststellt, verloren zu haben, obwohl man die besseren Argumente hatte. Wenn du dich mit einem Schwein im Schlamm raufst, wirst du dabei zwei Dinge feststellen: Dass ihr euch beide dabei dreckig macht, es dem Schwein aber gefällt“. Und der Vorübergehende setzte fort: „Wenn jemand unvernünftig ist und dir damit Kraft rauben will, sag es ihm und beantworte auch gern Rückfragen, damit Vernunft einziehen kann! Wenn er dir gegenüber auf seiner Unvernunft beharrt und in seinem Versuch, deine Kraft auszulutschen, nicht nachlässt, bitte ihn freundlich, sachlich und erklärungsbereit, damit aufzuhören! Für sich selbst mag er gern unvernünftig sein, es ist ein Freier Mensch. Und wenn er dann immer noch nicht aufhört, vernichte ihn, so unvernünftig das auch sein mag! Es ist kein Gegner, sondern ein Feind; ein Mensch mit dem kein Frieden möglich ist, weil er keinen Frieden will“.

„Das klingt brutal“, sagte der Zeitgenosse.

„Es ist vernünftig, so lange du dabei vernünftig bleibst„, antwortete der Vorübergehende lächelnd.

Frage an ein Ebenbild Gottes

Wenn G’tt dich nach seinem Vorbilde geschaffen hat, warum bist du dann nicht genau so unsichtbar wie G’tt?