Category: Endtexte


Die Zerstörung des Journalismus

Ich verspreche es, ja, ich gebe sogar mein Ehrenwort, ich wiederhole, mein Ehrenwort: Dies ist meine letzte kommentarhafte Anmerkung zu Rezo, und auch meine längste.

Eigentlich sollte es zu den vornehmsten Aufgaben eines Journalisten gehören, im Vorfeld einer Wahl ins Archiv zu schauen und eine Bewertung der bisherigen politischen Arbeit von Politikern und Parteien im Lichte der aktuellen Wahlversprechungen, Wahlversprecher, Wahlprogramme und sonstigen Reklamelügen vorzunehmen, damit jeder Mensch dazu ermächtigt wird, eine vernünftige und kluge Wahlentscheidung zu treffen.

Diese Aufgabe wird von Journalisten und journalistischen Produkten durchgehend nicht mehr angegangen. Stattdessen setzen diese mit der ganzen Kälte und Dummheit der Psyche die politische Reklame durch weitere Emotionaliserung und Deintellektualisierung fort, bis hin zur politisch vollständig irrelevanten und selbstverständlich menschlich niemals ehrlich beantworteten Frage „Wie fühlen sie sich?“ im Interview.

Die immer weiter und gefährlicher um sich greifende Neigung zur Irrationalität, Faktenflucht, Entintellektualisierung und Kurzsichtigkeit in der Politik ist die direkte Folge einer journalistischen Tagespraxis, die aus der Einsicht heraus, dass ihr eigentliches Geschäft die Vermarktung von Reklameplätzen ist, selbst schon seit Jahrzehnten Ton, Stil, Dummheit, Methodik und psychische Manipulation der Reklame auf- und angenommen hat, um die für das eigentliche Geschäft zentralen Reklameplätze um so besser und nahtloser einbinden zu können (und sich zugleich darüber verwundert und verbittert, dass niemand mehr für diese wie Reklame aussehende, kollektive contentindustrielle Leistungsverweigerung bezahlen will). Dies wird ergänzt um einen Strom der „Breaking News“, der alles Geschehene im Strom des aufgeregten Noch-Neueren mit sich ins Vergessen fortreißt, damit es keine Spuren und Erfahrungen bei Lesern und Zuschauern hinterlasse — bei einem rein psychischen Eindruck des Informiert-Seins, versteht sich.

Wenn ein junger und betont jugendlich aussehender YouTuber dann diese an sich journalistische Leistung erbringt, die von Journalisten seit Jahren verweigert wird [Archivversion gegen den gesetzlich erzwungenen Depublikationszwang des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in der BRD] und damit ein mittelgroßes Erdbeben im Wahlergebnis auslöst, weil er es geschafft hat, eine ganze Generation zu politisieren, dann zeigt er damit auch auf, wie wichtig diese an sich journalistische Leistung in den vergangenen zwanzig bis dreißig Jahren gewesen wäre und wie sehr es das Gefüge der Gesellschaft verändert hätte, wären Menschen nur dazu ermächtigt worden, auf Grundlage eines journalistisch aufbereiteten Archivs informierte Entscheidungen zu treffen.

Was die „Zerstörung der CDU“ unbeabsichtigt mit in den Fokus gerückt hat, ist die längst geschehene und doch immer weiter voranschreitende Zerstörung des Journalismus in Presse und Glotze, die schon jetzt eine leistungsschutzrechtgeschützte Ruine hinter den abbröckelnden Fassaden früherer Herrlichkeit und Unentbehrlichkeit hinterlassen hat. Dass Rezo bei diesem einen, auch für seine Verhältnisse außerordentlich erfolgreichen Video sowohl auf die Monetarisierung durch YouTube als auch auf Reklame verzichtet hat, obwohl auch er von Monetarisierung und Reklame lebt, ist eine durchaus fiese, unterschwellige Botschaft, an deren Zufälligkeit ich in einem wochenlang durch Recherche vorbereiteten Video nicht glauben kann und deren Sprengkraft zurzeit kaum ein Journalist wahrzunehmen willens oder imstande ist. Die von Rezo direkt angesprochene Generation ist indessen sehr wohl willens und imstande, diese unterschwellige Botschaft mindestens halbbewusst wahrzunehmen, und dort wird sie möglicherweise einen weit bleibenderen Eindruck als das kurzfristige tagesaktuelle Feuerwerk hinterlassen.

Es sind nicht nur die Zeit und das Geschäft der gerontokratischen Volksparteien, die gezählt sind und die sich auch mit Zensurforderungen — notdürftigst als „Regulierung der Meinungsfreiheit“ getarnt — nicht mehr lange erhalten können, wenn diese Parteien so weitermachen. Es ist auch die Zeit und das Geschäft der journalistisch tätigen Contentindustrie, die abgelaufen ist, weil niemand mehr ihre Reklame und Leistungsverweigerung braucht.

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Zur hochnotfeierlichen Feier der sich zum „Geburtstag“ des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland selbst feiernden Classe politique wurde der erste Artikel dieses Grundgesetzes leider nicht eingeladen. Da dies aber „nur“ die Opfer der Jobcenter und die Hungerrentner des staatlich subventionierten Billiglohns, die Ausgelieferten der Pflegeverbrechen und die von einer seit vier Jahrzehnten unterlassenen Wohnungsbaupolitik zu Pennern gemachten Menschen mitbekommen, interessiert dieses Fehlen aber weder die feiernden Amtsträger noch die festberichterstattenden Journalisten in ihrer Parallelwelt.

No matter how nasty a statement is, censorship is nastier.

Richard Stallman

Irgendwann, in nicht mehr allzuferner Zeit
Werden die von euch erwählten
Mit Amt und Würden wohlgeschmückten
Und reich mit euerm Geld versorgten
Freunde der vorgeschobnen Gerechtigkeit
Mit riesigen Maschinen, die zum Preis
Von nur noch fünf gelösten Welthungerproblemen
In den Weltenraum geschossen wurden
Die Sonne wie mit dickem Sack verdunkeln.
Damit endlich auch die Blinden
Den Sehenden gleichgestellt sind.

Bis dahin freilich
Gibt es „nur“ Genetikquoten,
Kinder in schulischer Gehirnwäsche
Und erzwungene Genderkunstsprache.
Zur leichteren Gewöhnung
An die Sozialgenetik derer
Die nicht für „Rechte“ sich halten
Sondern für „Aufrechte“. Sind sie
Doch ein wohlgetreues Spiegelbild der „Rechten“.

Denn Reflexion hat zweierlei Bedeutung.
Gute Nacht.

Der Mondtourist

Ich wünsche mir von ganzem Herzen und mit ganzem Gehirne, dass der gewiss schwerreiche Mensch — er wird sicherlich mehr Geld zur Verfügung haben, als er während seiner Lebensspanne ausgeben kann, aber er mag nichts davon verschenken, denn vom Schenken hat er es ja nicht — der in Kürze eine touristische Visite um den Erdmond herum machen wird, bei dieser Reise tödlich verunglückt.

Dieser Wunsch ist völlig frei von jedem Hass und wird auch nicht durch Neid angetrieben.

Deshalb soll es dabei auch gar nicht zu unnützem Leiden kommen. Wer immer dieser obszön reiche Mondtourist ist, er möge hoch hinaufsteigen und luzifergleich in die Nacht hinein leuchten, wenn sein Leib vaporisiert, noch bevor eine scheußliche Vorstellung wie die des Todes oder auch „nur“ des Schmerzes sein Gehirn erreicht. Ja, so lange er noch in der zerbrechlichen, künstlich nachgemachten Erdatmosphäre seines Raumfahrzeuges lebt, möge er sich über seine sicherlich nicht billige, aber aus seiner Sicht den Preis wohl werte Reise freuen.

Als eines der teuersten Feuerwerke der bisherigen Menschheitsgeschichte möge er zusammen mit den flüssigen und verdampfenden Metallteilchen seiner Raumkapsel kurz und unübersehbar das Firmament erleuchten, um grell und schrecklich in die Finsternis der Menschheit hineinzustrahlen und so gründlich vernichtst zu werden, dass die anschließende „Bestattung“ zur reinen Farce wird; da helfen dann auch nicht mehr die scharf gestellten Fernsehkameras für die voyeuristischen Massen in ihrem niederträchtigen Versuch, Tränen und Gefühle einzufangen.

Ein Signal soll es sein, kurz und lautlos und unübersehbar.

Ein Signal an alle anderen überaus reichen Menschen, die so viel mehr haben, als sie während ihrer beschränkten Lebenszeit sinnvoll ausgeben können.

Ein Signal, das ihnen unverdrängbar klarmacht, dass sie die Erde nicht so leicht verlassen können. Ein Signal, das ihnen aufzeigt, dass der Weg zu den Sternen gefahrvoller und schwieriger als jeder Weg auf der Erde ist, selbst, wenn man, anders als der größte Teil der Menschheit, über Geld nicht nachdenken muss. Ein Signal, das ihnen Zeugnis davon ablegt, dass ihr psychisches Paralleluniversum eine dumme, lulle und klebrige Illusion ist; dass es auch für sie keine zweite Erde gibt, für welche man die alte Erde wegwerfen kann, nachdem sie für einen Berg Geldes vollständig ausgebeutet, ausgelutscht und verbrannt wurde.

Ein Signal, dass sie so nicht unbegrenzt weitermachen können, weil sie im gleichen Boot wie der Rest der Menschen sitzen.

Nur, wenn dieses Signal durch ein gnädiges technisches Versagen oder vermittels einer weise vorgenommenen Sabotage gegeben wird und — der ebenfalls schwierig wie die leeren, schwarzen Weiten des Weltraumes überwindbaren psychopathischen Abwehr zum Trotze — bei den anderen, so überaus reichen Menschen ankommt, nur dann wird die Reise des ersten Mondtouristen sinnvoll für andere, wird sie zu mehr als etwas Content, mit dem Presseverleger Werbeplätze vermarkten und eine Fußnote in den künftigen Büchern, die Technik- und Raumfahrtgeschichte dokumentieren.

Nur, wenn jene wenigen Menschen, die den Großteil der Güter der Erde ihr Eigentum nennen und doch nicht mit einer gütigen Geste Armut und Elend so weit es Menschen möglich ist vom Antlitz der Erde verschwinden lassen, ohne dafür auch nur auf etwas verzichten zu müssen, sondern ihr Eigentum immer mehr zu mehren trachten, bemerken müssen, dass ihr zynisches, oft menschenverachtendes Monopoly-Spiel spätestens die Grenzen ihres Planeten als Grenze hat, eröffnet sich eine ganz leise Chance auf einen Wandel.

Auch, wenn diese Chance wahrscheinlich nicht ergriffen wird; auch, wenn der Nebel der Verdrängung und die Macht der Gewohnheit, diese beiden zivilisatorischen Feinde in der Psyche des Menschen, für ein schnelles Vergessen sorgt: Diese Chance ist immer noch mehr als das Nichts, das ein „Erfolg“ dieser „Mission“ für die Menschen auf der Erde bereithielte.

Und deshalb wünsche ich mir ein schreckliches, tödliches Unglück für einen anderen Menschen.

Ohne Neid auf diesen Menschen.

Ohne Hass gegen diesen Menschen.

Und eigentlich auch völlig ohne Hoffnung.

Der Schlüssel

Für einige Menschen — viele waren es nicht, aber es waren auch nicht ignorierbar wenige, die man wie geübt und gewohnt dem leicht auszulösenden Spott überantworten konnte — wurde das Internet wie ein Schlüssel, mit dem sie die Türen zu den unsichtbaren Gefängniszellen der ihnen vermittelten Werte- und Überzeugungssysteme aufsperren und einen Blick nach draußen, in das heitere, lebendige Licht, werfen konnten und eine Luft inhalierten, in welcher der Geist wieder aufatmen konnte. Nur die wenigsten von ihnen sind daraufhin in ihren Stall zurückgekehrt, um in zwar öder und miefig riechender, aber doch vertrauter Umgebung auf ihre Verwurstung zu warten; wer einmal nur den Blick nach draußen wagte, war so gut wie weg.

Es ist eine Geschichte im „Es war einmal“.

Den Gefängniswärtern der unsichtbaren Gefängnisse — seien es Staaten, seien es Religionen, seien es Unternehmen in beliebiger Kombination konvergierender Interessen — hat das nicht gefallen, und inzwischen ist dem Internet als Ort freien, ungezwungenen Gedankenaustausches der Vernichtungskrieg erklärt worden, während das Internet als Ort der Indoktrination, der Menschenmanipulation, der Menschenüberwachung, der Lüge und des Krämertums erhalten und ausgebaut bleiben soll.

Selbst denen, die jeden Sonntag und jeden Wahlkampf säuselsirr von der „Freiheit“ sprechen, als wäre das unter den Bedingungen der Freiheit erforderlich, ist kein Mittel grobschlächtig genug, und ihr Erfolg scheint kaum noch aufzuhalten. Aus dem Schlüssel, die Türen unsichtbarer Gefängnisse zu öffnen, wird ein neues unsichtbares Gefängnis geschmiedet, doppelt so schlimm wie das vorherige. Der miefige Geruch ist jetzt schon erstickend geworden.

Wohl denen, die sich im Sekundenglanz dieses Frühlings ein wenig technisches Verständnis erworben haben. Den anderen. Kann man nur noch viel Spaß mit Google, Facebook, Smartphones, Twitter, Online-Werbung, Onlinejournalismus, Amazon und dergleichen Angeboten mehr wünschen. Die Verwurstung wird für jene jetzt digital. Und. Sie wird wieder allgegenwärtig und unentrinnbar, als wäre es niemals anders gewesen.

Werte Journalisten…

Werte Journalisten,

seit einigen Monaten beobachte ich mit einer Mischung aus Erheiterung und Kopfschütteln, wie ihr versucht, den gegenwärtigen Kanzlerkandidaten der SPD, Martin Schulz, „nach oben zu schreiben“ und was für lustige Wörter ihr euch dafür ausgedacht habt.

„Schulz-Effekt“. Das klingt schon ungesund. „Schulz-Zug“. Ist der etwa entgleist? Und der Schulz hier, und der Schulz dort… so manchen Bundesminister habt ihr deutlich seltener mit eurer Tintenkleckserei in „Erinnerung“ gebracht.

Was euch, werte Journalisten, mangels Einsichtsfähigkeit allerdings nicht klar zu sein scheint, ist eine an sich sehr simple Tatsache: Ihr habt schon einmal so gleichtönend und gleichtuend auf allen euren stinkenden Kanälen einen Kanzlerkandidaten der SPD nach oben schreiben wollen, und bei diesem Ansinnen wart ihr deutlich erfolgreicher. Gerhard Schröder — so etwas wie der Donald Trump der Bundesrepublik Deutschland, zwar eine etwas kleinere Ausgabe, aber dafür mit genau so großer narzisstischer Persönlichkeitsstörung¹ — ist tatsächlich Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland geworden. Und in dieser Position hat er in einer Mischung aus Machtwort, kriminellem Kumpelkreis, Bier her, Bild, BamS und Glotze den sozialen Frieden in der BRD zerstört, einen staatlich subventionierten Billigarbeitsstrich in der BRD eingeführt, die Ausdehnung der als „Zeitarbeit“ bezeichneten modernen Sklaverei vorangetrieben und begrüßt, die Hartz-IV-Armut und den erzwungenen Sklavenjob über viele Menschen in der BRD gebracht, die solidarische Rentenversicherung abgeschafft und jede Illusion, dass das Wort „Sozialdemokratie“ etwas mit „sozial“ oder „demokratisch“ zu tun haben könnte, nachhaltig und bis heute nachwirkend zerstört. All dies, werte Journalisten, mit eurer bemerkenswert verständnisvollen Unterstützung.

Jeder Mensch, der um die dreißig Jahre alt oder älter ist und nur einen Funken politischen Bewusstseins hat, weiß das noch. Und damit weiß er, was von SPD-Kanzlerkandidaten, die von euch, werte Journalisten, hochgejazzt werden, zu halten ist: Sie sind genau so Feinde, wie ihr, werte Journalisten, es seid. (Was für eine Regierung ein Kanzler Martin Schulz wohl eingesetzt hätte? Die Frage habt ihr niemals aufgeworfen, werte Journalisten, denn die Antworten sind zum Gruseln. Und dieses Gruseln wolltet ihr halt nicht. Das mit der Propaganda könnt ihr ganz gut, werte Journalisten.)

Ihr seid bedeutungslos geworden, werte Journalisten. Oder, um es mit einem bei euch sonst sehr beliebten Fremdwort zu sagen: irrelevant. Oder, um es genau so zu sagen, wie es mir auf der Zunge liegt: zum Glück für die Menschen in der BRD seid ihr irrelevant geworden.

Das Resultat eurer — als Aufforderungen zum Personenkult direkt an die dumme Psyche adressierten — Manipulationsversuche bleibt inzwischen unterhalb der Wirkungsschwelle. Der „Schulz-Effekt“ bei der heutigen Landtagswahl in Schleswig-Holstein klingt bei der ARD-Tagesschau etwa so: CDU siegt im Norden – Schlappe für SPD.

Eure Parallelgesellschaft wechselwirkt nicht mehr stark genug mit der richtigen Gesellschaft. Ihr habt euch endlich entkoppelt. Manchmal wundert ihr euch bestimmt, dass euch keiner eurer Leser mehr Geld für eure journalistische Tätig- und Tätlichkeit geben will. Auf die politische und lebenspraktische Irrelevanz (oder gar Gefährlichkeit) des Journalismus für die meisten Menschen folgt halt, dass diese Menschen euch die Irrelevanz gern zurückgeben. Ihr habt nichts mehr mit den Menschen zu tun. Und jeder Mensch kann das an eurem schmierigen Geschmiere bemerken, wenn er einfach nur hinschaut.

Hört ihr das Tappsen aus der Ferne, das da täglich näher kommt? Das ist der Insolvenzverwalter auf dem Weg zu euch. Werte Journalisten, das von euch aktiv und vorsätzlich herbeigeschriebene Hartz IV, das werdet ihr bald selbst „genießen“ dürfen. Vielleicht lernt ihr sogar mal unfreiwillig das Leben eines Bauhelfers für achtfuffzich kennen. Und wisst ihr was: Das freut mich für euch Schreibtischtäter.

Euer euer Treiben bald nicht mehr ertragen müssender
Nachtwächter

PS: Eure Versuche, das Internet zensieren zu lassen, werden fruchtlos bleiben, aber vielen Menschen zusätzlich die Augen öffnen, was für ein widerliches Geschmeiß ihr seid.

¹Er hat sogar ein Gerichtsverfahren wegen seiner Haarfarbe geführt.

Mit jedem deiner Mordanschläge zeigst du mir und dem Rest der Welt nur eines: Dein Gott ist klein. Er kann nichts mehr. Von ihm ist nichts mehr zu erwarten. Er ist wohl vom Schöpfen immer noch erschöpft.

Das sage nicht ich, das sagst du, denn du erzählst der Welt durch das blutige Wort deiner Mordtat, dass dein Gott sich nicht selbst zu helfen weiß, so dass du ihm ein wenig aushelfen musst. Weil deine Hand stärker ist als seine. Er, von dem du sagst, dass er doch den ganzen Kosmos gemacht habe, bekommt es nicht einmal mehr hin, als kleines Zeichen ein paar Leute umzubringen.

Das ist deine Predigt, du Idiot: Der Gott, an den du glaubst, ist müde, winzig und unfähig. Er ist tot. Das von dir vergossene Blut ist das Siegel auf dem Totenschein, den du selbst und mit eigener Hand für deinen Gott ausgestellt hast.

So oft kannst du gar nicht „Gott ist größer“ von den Türmen schreien lassen, dass deine lästerliche und lächerliche Proklamation des Todes Gottes davon übertönt werden könnte.

Stell dir nur einmal vor, du blutbesoffener Todesanbeter: Der Gott, von dem du mit deinen Worten sagst, dass er lebe und wirke, und von dem du mit deinen Taten sagst, dass er tot und kraftlos ist… dieser Gott würde dich beurteilen! Was erhoffst du da für ein Urteil zu empfangen?

Es ist dir gleichgültig. Du bist frei von Furcht und Sorge, weil du deinen Gott schon längst für tot erklärt hast und von Hass auf alles Lebende erfüllt bist.

Alles ist dir gleichgültig, weil du ein dummer, gottloser, todesanbetender Idiot bist, der seinen Todeskult, seine Dummheit und seine Gottlosigkeit hinter einer formell frommen Maske verbirgt. Du bist alles, wovor deine Profeten gewarnt haben.

Mögest du in die Hölle fahren, die du anderen Menschen mit deinem tödlich dummen Dasein bereitet hast, du Feind der Menschen und du Feind deines eigenen Gottes!

Problemfrei

„Die Evolution“, sagte der Vorübergehende nach dem Überfliegen einer Tageszeitung voller Krieg, Gier und Dummheit, „hat kein Problem mit hässlichem und grausamen Geschehen“.

Die Nachkämpfer_innen

Wenn einige Vorkämpfer für die Rechte der Menschen gegen erheblichen gesellschaftlichen Widerstand und unter oft physischem wie psychischem Schmerz so weitgehend ihre Erfolge errungen haben, dass ihre Forderungen längst genannt werden dürfen, ohne lächerlich zu wirken und ohne auf offenen Hass zu stoßen, ja, dass sie bereits zum festen, nicht mehr hinterfragten Bestandteil der bourgeoisen Politik und ihrer journalistischen Ausdeutung geworden sind, dann kommen die Nachkämpfer_innen wie ein Krebsgeschwür der einst not-wendigen Bewegung: All diese Unterstützer_innen, die mit ihrer Unterstützung inzwischen nichts mehr zu verlieren haben, weil es weitgehend ungefährlich geworden ist, sich für die Rechte der Menschen zu engagieren. Da es bei den Nachkämpfer_innen wegen des von ihnen gewählten Zeitpunktes keine wirklich drängende existenzielle Not mehr gibt, die von ihnen bekämpft wird, kämpfen sie freilich auf Außenstehende absurd wirkende Scheingefechte mit auf Außenstehenden absurd wirkenden Mitteln; dabei selbst gut finanziell abgesichert, mit allen von ihren Vorkämpfern kaum erträumbaren Möglichkeiten ausgestattet und oft in den von ihnen dabei offen verachteten bourgeoisen Institutionen reich alimentiert. Sie übernehmen von den mittlerweile gesellschaftlich akzeptierten Vorkämpfern den aggressiven, einst einem not-wendigen Kampf geschuldeten Tonfall und die um Aufmerksamkeit und billiges Gefühl schreiende populistische Methodik, doch ihr Feind ist eine in paraanalytischer Sprache verpackte, untereinander wie die heilige Erkenntnis mitgeteilte Leere, in deren zum Hass freigegebenen Hohlraum im Zweifelsfall jeder Mensch auch aus geringsten Anlässen untergebracht und vor einem aufgeheizten Mob für die Kühlung des Mutes präsentiert werden kann, ohne dass ein davon betroffener Mensch sich dagegen mit Mitteln der halbwegs zivilisierten Auseinandersetzung wehren könnte. Das Ziel beinahe aller Tätig- und Tätlichkeiten der Nachkämpfer_innen ist nicht die Herstellung von Menschenrecht, sondern möglichst bequem zu erreichende persönliche psychische Abfuhr für allerlei individuelles Ungemach der Vergangenheit; die grundsätzliche Haltung, die alle Nachkämpfer_innen in ihrer Verschiedenheit eint, ist eine manisch-depressive Verantwortungslosigkeit, der es nicht gelingt, mit den von den Vorkämpfern errungenen Möglichkeiten, Rechten und Freiheiten etwas wahrhaft Konstruktives mit gesellschaftlicher Strahlkraft für ein besseres Leben anzufangen. Unterdessen. Produziert der weiter über die Gesellschaft ablaufende Prozess seine zwangsläufige Not und Ungerechtigkeit für Viele, die mit den aufgesetzten Scheuklappen der Nachkämpfer_innen nicht sichtbar sind. Zu schlechter Letzt gelingt es den Nachkämpfer_innen gar, dass der Zustand vor den Erfolgen der Vorkämpfer von vielen Zeitgenossen als ein besserer Zustand denn der ablaufende Irrsinn wahrgenommen wird, weil sie die verschwenderische psychische Albernheit und das ziellose Hassgerase der Nachkämpfer_innen der offen von bourgeoisen Medien transportierten Propaganda ebendieser Nachkämpfer_innen folgend mit den Zielen der Vorkämpfer identifizieren, so dass das Krebsgeschwür der Nachkämpfer_innen schließlich den an sich begrüßenswerten gesellschaftlichen Fortschritt auffrisst. Nichts hat so rettungslos verloren wie eine innerhalb des bourgeoisen Gesellschaftssystems erfolgreiche emanzipatorische Bewegung.

Mit warmem Gruß an R. G. und meine anderen Hasser_innen!

Zum Gedenktag am 11. September

Zum Gedenktag am 11. September wird wieder — natürlich breit in Presse und Glotze gewürdigt — mit obszönen Aufwand, abgespielten Nationalhymnen, uniformierten dressierten Menschen und Fähnchengewinke an die 2.996 politisch so überaus „nützlichen“ Menschen gedacht werden, die bei den Mordanschlägen vom 11. September 2001 ermordet wurden. Und. Niemand wird an die geschätzt über 1,4 Millionen Menschen aus dem Irak denken, die anschließend von US-Soldaten im Auftrage und nach dem Willen der Regierung der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika in einem völkerrechtswidrigen Krieg mit frei erfundenen „Kriegsgründen“ für etwas abgeschlachtet wurden, was sie gar nicht, nein, nicht einmal in der indirektesten denkbaren Weise durch die völkerrechtliche Sippenhaft der Staatsangehörigkeit, getan haben. Nicht gedacht soll der Opfer werden, wenn die Mörder sich nach ihrem Blutbesäufnis in gespielter Trauer rechtfertigen und feiern… und deine Feinde, die von Milliardären dafür bezahlten Journalisten, sie feiern mit.

Die Flüchtlinge, die hier als „Problem“ betrachtet werden, sind übrigens kein zufälliges Ereignis, sondern das nachhaltige Ergebnis dieser Politik.

Ohrfeige

Egal, ob es ein religiös oder ideologisch verblendeter Mensch ist, der so redet; gleich, ob es ein Therapeut, Sozialarbeiter, Arzt, Werber, Journalist, Politiker oder Nachbar ist, der sich zu derartiger Unverschämtheit hinreißen lässt: So lange die Menschen es nicht gelernt haben, auf die Ansage „Ich weiß besser als du selbst, was für dich gut ist, und deshalb solltest/musst du…“ mit einer spontanen Ohrfeige oder doch wenigstens angemessen ätzender Ironie zu reagieren, so lange besteht keinerlei Aussicht auf ein Ende der Herrschaft von Verantwortungslosigkeit, Verblendung und Dummheit. Die kleine Geste der Kleingeistigkeit ist schon längst zur großen Menschenverachtung der Großkopferten herangewachsen, ohne dass sich jemand so sehr daran störte, dass die Obszönität untragbar zu werden drohte; niemand nimmt mehr deutlich fühlbar Anstoß daran, wenn korrupte Kurprinzen aus einer Parteienoligarchie, die mit einem monatlichen Einkommen von über 9.000 Euro versorgt sind (Abgeordnete des Deutschen Bundestages) sich darüber einig werden, dass anderen Menschen 404 Euro im Monat (Hartz IV) zum Leben ausreichen. Menschen. Die sich die Fremdbestimmung widerstandslos bieten lassen, haben die ihnen zum Schein angebotene Freiheit schon längst für eine Handvoll Bequemlichkeit, Angstabwehr und Sicherheit veräußert und sind, wenn sie nur ihre persönliche Verantwortung für die von ihnen geschaffenen Zustände gut genug verdrängen können, allzugern bereit, ganz ohne oder zu geringwertigem Lohn daran mitzuarbeiten, dass jeder immer noch unbeugsame Mensch zu dieser Selbstveräußerung gezwungen werde, und sei es mit grober, mit mörderischer Gewalt. Über der Pforte, die in die Freiheitsvernichtungslager des modernen Faschismus führt, stehen die gleichermaßen hehr tönenden wie leer seienden Worte „Sozial ist, was Fremdbestimmung schafft“ geschrieben, und. Wer durch diese Pforte eingeht, lasse alle Hoffnung fahren!

Gruß an N.

Gute Geister

Verpackung billiger alkoholhaltiger Pralinen. Aufdruck 'Gute Geister -- in Nuss'. Darunter Schnapsgläser, in denen Früchte hängen.