Tag Archive: Kunst


Hannover (Symbolfoto)

Zu Hannover, dieser Welthauptstadt der Depression, vortrefflich passendes Kunstwerk in der Innenstadt, Nähe Kröpcke

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Die Baukunst des Abrisses

Foto eines Gebäudes, das gerade abgerissen wird. Davor ein Transparent am Bauzaun mit der Werbung 'Baukunst'.

Die Hannoveraner (Symbolfoto)

Skulptur eines Mannes und einer Frau, voneinander abgewandt, entschlossen ins Nichts starrend, missmutig und mit eingesunkener Körperhaltung eine Zigarette rauchend, vorm Regionshaus in Hannover. Eine treffliche Illustration für die Welthauptstadt der Depression

Leider verloren

Wenn man darüber nachdenkt, wieviel Kunst- und Kulturförderung aus den Einnahmen des staatlichen Zahlenlottos und der staatlichen Lotterien finanziert werden, ist es gar kein Wunder mehr, dass so viele Menschen in Deutschland kulturell und künstlerisch betrachtet immer und immer wieder die Niete ziehen…

Der Kunstunterricht

Wenn Menschen nach einigen Jahren Kunstunterricht an der Schule genau so viel Kunstfertigkeit und Kunstgeschmack entwickelt haben, wie sie nach ein paar Jahren Englischunterricht an der Schule Sprachfertigkeit und Geschmack in der englischen Sprache oder wie sie nach ein paar Jahren Mathematikunterricht an der Schule Rechenfertigkeit und Geschmack an logischen Strukutren entwickelt haben… ja, dann ist der Kunstunterricht (und ebenso der Musikunterricht) an der Schule wohl die schärfste und tödlichste Waffe gegen jede tiefere Kultur, die man sich nur vorstellen kann.

Im Bilde sein: Adam und Eva

Dass das ungeborene, direkt von einem im Matsch spielenden Gott geformte Menschenpaar Adam und Eva in allen künstlerischen Darstellungen des Christentums mit einem Bauchnabel dargestellt wird, ganz so, als wäre es doch geboren worden und wären die beiden auch über ihre Nabelschnur mit der Plazenta verbunden gewesen, ist ein Spiegelbild der Tatsache, dass auch früher niemand die alten Mythen wörtlich glaubte, wenn er seinen Geist ehrlich befragte.

Fassade und Zerfall

Werk: Fassade und Zerfall

Glückshut

Das sind die Produkte für die kommende Zeit:

Der Glückshut

Ein tragbares Gerät zur Konditionierung, das ermittelt, ob sie lächeln und für schmerzhaftes Feedback sorgt, wenn sie es nicht tun. Ein Stirnrunzeln verursacht starke Schmerzen, aber mit einem breiten Lächeln bleiben sie schmerzfrei. Das erste einer Reihe von Hilfsmitteln für die verbesserte soziale Interaktion.

Ein zugehöriger Krümmungssensor legt sich an die Wange und vermisst die Breite des Lächelns, ein Servomotor bewegt einen Metalldorn in den Kopf, und dies umgekehrt proportional zum Ausmaß des Lächelns. Durch fortgesetzte Anwendung dieses Werkzeuges zur Konditionierung können sie ihr Gehirn darin üben, unentwegt zu lächeln.

Lauren McCarthy hat den herrschenden Zeitgeist in schmerzhafte und sehr entlarvende Kunst verwandelt.

Wie Kunst bei YouTube verschwindet

Mein kleiner YouTube-Kanal liegt ja weitgehend brach, ich veröffentliche dort nur in seltenen Ausnahmefällen etwas. Das meiste sind kleine, gerenderte Videos, die oft nicht mehr sind als technische Experimente, seltsame Kunst, skurrile Wahnbilder, unmögliche Lebewesen oder dadaistische Direktdeutungen deutscher Wörter wie etwa beim Wort „Mondbahn“. Kurz: Es handelt sich vor allem um Kunst, die ich irgendwann einmal am Computer erstellt habe. Es gibt Menschen, denen so etwas gefällt, und es gibt Menschen, denen so etwas nicht gefällt. Nicht zu erwarten ist allerdings, dass jemand ein Problem damit haben könnte.

Eines dieser kleinen Werke wurde gestern von YouTube entfernt. Dies geschah unter Bezugnahme auf die Community-Richtlinen von YouTube, gegen die ich angeblich mit diesem Video verstoßen hätte. Dies ging einher mit dem recht drastischen Hinweis, dass bei einem weiteren Verstoß mein Konto gesperrt würde.

Nun, ich habe diese Richtlinien daraufhin genau gelesen und mir überlegt, gegen welche ich wohl verstoßen haben könnte. Das Video war nicht einmal ansatzweise sexuell, geschweige denn pornografisch. Es zeigte keine Misshandlung eines Tieres, keinen Drogengebrauch und schon gar nicht eine Anleitung zum Bau einer Bombe, und es hat auch nicht zu so etwas aufgefordert. Keine Gewalt und keine schockierenden Bilder. Es wurde von mir selbst gerendet und verletzt kein fremdes Urheberrecht, nicht einmal in Ansätzen. Es enthielt auch keine sexistische, rassistische oder in anderer Weise menschenverachtende Hassrede, zumal ich so etwas gar nicht überzeugend hinbekäme. Ich verband damit kein rücksichtsloses Verhalten, ich gab niemandes Daten preis, bedrohte niemanden, verletzte keine Privatsphäre. Und Spam war es auch nicht. Übrigens: Wenn ich einmal durch die bildvollen und geistleeren virtuellen Hallen bei YouTube wandele, denn sehe ich dort fast alles, was in diesen hier kurz angedeuteten Richtlinien völlig sinnvollerweise unterbunden werden soll, vor allem sehe ich Verletzungen des Urheberrechtes. Ich mache so etwas nicht, und zwar niemals — was ich bei YouTube hochlade, ist von mir selbst oder ich habe den Rechteinhaber um Erlaubnis gefragt.

Es war einfach nur ein kleines Kunstwerk. Mehr nicht. Es war eines dieser Videos, die jene Menschen langweilig finden müssen, die nach Unterhaltung suchen. Es zeigte nur eine einzige Szene, ohne jeden Ton dazu. Es zeigte eine im Wind flatternde Flagge. Diese Flagge hatte in der Farbgebung eine beabsichtigte Ähnlichkeit zur Flagge des Deutschen Reiches unter der Diktatur Adolf Hitlers, allerdings habe ich die Swastika gegen ein anderes, in seiner „Ästhetik“ verblüffend ähnliches Symbol ausgetauscht, um dieses Symbol auf diese Weise satirisch zu verfremden und damit etwas offensichtlich zu machen. Wie das ausgesehen hat, kann man dem folgenden Standbild entnehmen:

Standbild aus dem satirischen Video: Die Flagge des Vierten Reiches

Der satirische Charakter und die zu seiner Erzielung angewendeten Stilmittel sollten aus diesem einen Bild heraus völlig offensichtlich sein. Die Verfremdung einer allzu vertrauten grafischen Gestaltung aus der für viele Menschen sehr bedrückenden Wirklichkeit der heutigen Bundesrepublik Deutschland, die durch eine andere Farbgebung satirisch offen gelegte Ähnlichkeit einer Ikonografie, die für die staatliche Bundesanstalt für Arbeit erstellt wurde, mit einer Ikonografie, die sich mit einem finsteren, unmenschlichen, barbarischen und mörderischen Zeitabschnitt der deutschen Geschichte verbindet, sie lag dabei völlig in meiner künstlerischen Absicht. Dass ich dies mit dem gedanklichen Hintergrund getan habe, dass es in der Verherrlichung der Arbeit um jeden Preis eine in meinen Augen ungesunde Kontinuität in Deutschland gibt und dass ich die jüngeren Entwicklungen der Arbeitsmarktpolitk, insbesondere den unter einer rot-grünen Regierung geschaffenen, staatlich subventionierten Arbeitsmarkt für nicht-existenzsichernde Elendsarbeit im Zustand der größtmöglichen Abhängigkeit von behördlicher Willkür, auf diesem Hintergrund sehr kritisch sehe, wird — meiner Meinung nach — wohl jedem Denkenden beim Betrachten des Werkes selbst auffallen und bedarf keiner weiteren Erläuterung. Es ist dies ein Werk, das sich eigentlich nicht falsch interpretieren lässt; es lässt aber — wie jedes Werk — sehr wohl zu, dass sich ein Mensch daran reibt, dass er nicht damit einverstanden ist, dass er es kritisieren will, dass er es ob seiner Schärfe relativieren will. Ja, es kann sogar auf dem durchscheinenden Hintergrund als völlig geschmacklos, zynisch und widerwärtig verworfen werden, sonst wäre es ja auch keine gute Satire.

Ich habe dafür durchaus Verständnis. Kein Verständnis habe ich hingegen dafür, dass dieses Werk von YouTube — übrigens, nachdem es dort weit über ein Jahr lang weit gehend unbeachtet in einem praktisch unbekannten Kanal herumlag — unter Verweis auf Community-Richtlinien gelöscht wurde, an deren Kriterien gemessen schlicht nichts daran auszusetzen ist. Es handelt sich um einen Akt der Willkür. Und mir bleibt angesichts dieses Aktes der Willkür, über dessen Begründung ich neben dem Verweis auf die „Community-Richtlinien“ keine weitere Information erhalten habe und zu dem ich keinerlei Möglichkeit einer eigenen Stellungnahme habe, nur eine einzige Interpretation: Es ist für die gegenwärtigen Betreiber von YouTube (das ist Google) völlig unerwünscht, dass sich jemand künstlerisch mit gegenwärtigen gesellschaftlichen Themen auseinandersetzt, und wo dieses doch einmal geschieht, wird dieser Ausdruck eines Menschen unterdrückt. Stattdessen sollen auf YouTube leicht verdauliche und unterhaltsame Inhalte präsentiert werden, selbst, wenn sich dieser Vorgang mit systematischen Verletzungen des Urheberrechtes verbindet — denn diese Form der „Kreativität“ passt wohl besser zum geschäftlichen Ziel, über eingeblendete Werbung Profit zu erzielen. Wer bei YouTube ein Video einstellt, sollte dies wissen und in Betracht ziehen, dass seine Inhalte einfach willkürlich entfernt werden können.

Ich betrachte diese Sperrung meines Videos auf YouTube jetzt als Bestandteil des Werkes — zeigt sie doch, dass auch die jetzige Gesellschaft über Strukturen verfügt, die gewisse Formen der Kommunikation gewaltsam unterdrücken. Gerade dadurch zeigt sich, wie groß der wahre Kern in der Satire wirklich war.

Henry de Toulouse-Lautrec

Wie aufmerksam er in diesem Fleischmarkt doch die Menschen betrachtet hat, ohne dem Treiben seinen faulen und doch wirksamen Zauber zu nehmen; wie zielsicher er mit  seinen oft etwas grob wirkenden Strichen die verletzliche Person noch hinter der glattesten Fassade einer Nutte herausgearbeitet hat; wie klar er selbst dort noch den Kern des in der täglichen Mühle steckenden Wesens gesehen hat, wo sich die Seele an liebsten schamvoll hinter dem Geschlecht versteckte! In fast jedem seiner Bilder wird mehr von dem fühlbar, was vom Falschgeld des Wortes „Menschenwürde“ angesichts eines beschädigten Daseins versprochen wird, als in allen vor aufgesetzter und unverbindlicher Ethik strotzenden politischen und religiösen Entwürfen in Predigten und sonstigen Sonntagsreden.

Konkrete Poesie

Dieses Video habe ich vor einigen Jahren für eine Veranstaltung der White Darkness gemacht. Es wurde im Rahmen einer Klangvernissage präsentiert, bei der wir einen DVD-Player zum Abspielen der einzelnen Tracks verwendeten. Bei den meisten Stücken wurde nur eine einfache Texttafel mit dem Namen des Künstlers und dem Titel des Werkes sichtbar, während ein wandernder Balken einen Anhaltspunkt gab, wie lange dieses Stück noch laufen wird. (Einen Eindruck dieser Präsentationsform kann man beim Anfang des Videos zum Manifest der hannoverschen Schule bekommen.) Meine Stücke liefen inmitten dieses recht langen Blocks, und bei einigen dieser Stücke wurden zur Überraschung des Publikums auch „richtige“ Videos eingeblendet. Das inhaltliche Niveau dieser Videos reichte von Dada bis „ambitioniert“, aber es war gerade das Video zu „Konkrete Poesie“, welches bei den meisten Besuchern den tiefsten Eindruck hinterließ, wie mir in den anschließenden Gesprächen zugetragen wurde.

YouTube-Direktlink auf Konkrete Poesie

Da ich gerade einen kleinen Rückblick auf die letzten Jahre meines Schaffens begonnen habe — manchmal muss man eben auch zur Besinnung kommen — drängt es mich, ein paar Worte zu diesem Video zu schreiben, von dessen Wirkung ich selbst überrascht wurde. Dies nicht zuletzt, weil ich immer noch gelegentlich Anfragen über Mail bekomme, „was ich mir eigentlich dabei gedacht habe“…  😉

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Das Licht und der See

Lichtkunst am Maschsee

Wie gut dieses Werk doch an den Maschsee passt, an einen künstlichen See inmitten Hannovers, der von der ebenso künstlichen, von der Reichsschrifttumsstelle diktierten Ästhetik des „Dritten Reiches“ geprägt ist! Die aus bemaltem und durchsichtigem Glas bestehenden Flächen sind zwar farbig, aber dabei doch nicht bunt, dafür jedoch in strikten Raster geradlinig angeordnet. Dahinter eine Phalanx von Leuchtstoffröhren, die dieses stillstehende Schauspiel des Nachts mit künstlichem Licht durchfluten soll. Und. Jede zweite dieser Röhren ist kaputt. Hinter dem Werk die Kälte und das Eis.

Wenn es so beabsichtigt war, ist es großartig!