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Spießers Paradies

Die „Paradiesvorstellungen“ der Spießer sind gruseligere und vor allem kältere Höllen als alles, was zwei Jahrtausende Christentum an neurotischen Höllenvisionen heiliggesprochen haben. Wer in solchen Höllen leben muss, hat allen Grund, die Toten zu beneiden.

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Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes

Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.

Die Lenkung der Gedanken durch flutartig verabreichten journalistischen Input für den Denkapparat der Menschen ist vollends gelungen: Alle reden vom mörderischen Extremismus und Terrorismus der Religion (außer der eigenen) und viele haben richtiggehend Furcht davor, aber niemand redet vom mörderischen Extremismus und Terrorismus des gegenwärtigen Kapitalismus, der nichts weiter als eine kalt-quasireligiöse Vergötzung der Gier ist, und niemand entsetzt sich ob seiner angerichteten Schrecken an allen Fronten, die den Terrorismus als eine Betätigung im Kindergarten erscheinen lassen.

Es sind 45 Personen, Menschen mag ich sie nicht nennen, weil Menschen ja soziale Wesen sind, denen die Hälfte des Geldes und der Güter in der BRD gehört — unterdessen verarmt der größte Teil der Bevölkerung schleichend, zerfällt die Infrastruktur, erstickt jeder Wunsch und Wille einer Gestaltung unter den bleiernen „Sachzwängen“, die von diesem Pack und seinen Speichelleckern geschaffen werden. Über allen eine Raute und die steintote Angst der Menschen vor jeder Veränderung.

Journalist, du Schreibtischmörder, der du nicht wie ein Söldner wegen des guten Geldes, sondern wegen der Tätigkeit tätig bist, das ist dein Werk, dein täglich Werk, es ist, wofür du morgens aufstehst, wofür du deinen Tag lebst, woran du deinen Stolz fütterst, wenn du Feierabend hast, und deshalb bist du ein Feind! Und sonst gar nichts.

Focus

„Ach, der Focus“, sagte der Vorübergehende einem Mitmenschen, der angstvoll wiedergab, was die gelesenen Nachrichten ihm in den Kopf pflanzten, „das ist doch diese Burda-Zeitschrift, die nur deshalb ihre sinkenden Verkaufszahlen überlebt, weil sie überall in den Wartezimmern der Arztpraxen ausgelegt wird, um dort den Patienten vor der Behandlung den Rest zu geben“.

Malvertising

Die von Werbegeldern für die Schaffung attraktiver Werbeplätze bezahlten Journalisten sprechen vom Malvertising, als ob es jemals ein Goodvertising gegeben hätte.

Montag

Es ist nicht der Montag, der so scheußlich ist. Es ist deine Arbeit.

Augenschlaraffen

„Es wird als großer gesellschaftlicher Erfolg angepriesen und sieht aus wie im Schlaraffenland“, sagte der Vorübergehende, „aber es hängt überall ein Preisschild dran, und die meisten Menschen müssen sich mit dem Anschauen begnügen“.

»Fake News« und NetzDG

Politiker, die mit schwer strafandrohnenden Vorzensurforderungsgesetzen für bestimmte Websitebetreiber gegen die gesellschaftlichen Auswirkungen von öffentlich geäußerten Unwahrheiten vorzugehen vorgeben, wären in diesem Tun viel weniger empörend und lächerlich, wenn sie nicht gewohnheitsmäßig in jedes hingehaltene Mikrofon und in jede laufende Kamera hineinlügen würden.

Bildung

Bildung zeigt sich darin, dass ein Mensch in den Erscheinungen und Ereignissen Ähnlichkeiten und Gleichartigkeiten erkennen kann, die über der wahrgenommenen Unmittelbarkeit Muster und Strukturen formen. Wer dumm oder unwissend geblieben ist, glaubt zwar, immer wieder etwas Neues zu erleben, versteht aber aus all seinem Erleben heraus nichts und hat deshalb auch kaum Möglichkeiten des Ausdrucks seines Erlebens oder gar der selbstverantwortlichen Gestaltung seines Lebens.

Gelegenheit

„Schau dir die Menschen an“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen mit einem leicht seufzenden Unterton, „sie wäre doch alle so gern ehrlich, freundlich und gut, und niemals haben sie eine Gelegenheit dazu“.

Mode

„Spätestens, wenn eine bestimmte Idee, Betrachtungsweise oder Redeweise zur Mode geworden ist und beinahe allgegenwärtig in Politik und Alltagskultur übernommen wird“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „solltest du damit beginnen, sie anzuzweifeln und sie gründlich auf Inhalt und Substanz abzuklopfen. Nichts ist so ein zuverlässiger Indikator für schlechte Qualität und Falschheit wie der Massengeschmack“.

Werd erwachsen!

Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt sie nicht ab! Die Herrschaft Gottes ist für Menschen wie sie.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Lk.18:16

Der Vorübergehende hörte, wie die Mutter ihr Kind dazu aufforderte, „endlich erwachsener zu werden“, und er dachte sich dabei, dass der Kern dieser Aufforderung darin zu bestehen scheint, dass ihr Kind endlich still und ohne jede Äußerung eigener Wünsche und Widersprüche die Dinge so hinnehmen soll, wie sie sind, dass es also möglichst schnell genau so stumpf wie seine Mutter werden soll.