Tag Archive: Rückblick


Zu leicht

Die Menschen aus der Generation, in der ein Facharbeiter verheiratet war, zwei Kinder hatte, die Raten für sein Eigenheim abbezahlen konnte, mindestens ein Auto für die Familie hatte und bei alledem noch jeden Monat Geld zurücklegen konnte, ohwohl keine existenzielle Bedrohung ihn dazu zwang — das alles wohlgemerkt, ohne dass seine Frau arbeiten musste, um etwas dazuzuverdienen (sie konnte das durchaus, wenn sie es wollte) — die Menschen aus dieser Generation sagen mit erschreckend jetztvergessener Leichtigkeit, dass es die heutigen Jugendlichen im heruntergewirtschafteten Hartz-IV-Staat BRD überall viel zu leicht haben.

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Giftgas

„Nenn mich einen Verschwörungstheoretiker oder etwas unfeiner gleich einen Geisteskranken mit Realitätsverlusten“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „aber als das letzte Mal in allen Medien vom Giftgas die Rede war, haben verschwörerische Kriegsverbrecher aus Großbritannien und USA mit diesem Hebel einen verbrecherischen Angriffskrieg gegen den Irak propagandistisch vorbereitet, vor dessen Trümmern heute die ganze Welt steht. Nur sehr dumme Kinder. Fassen die heiße Herdplatte mehr als einmal mit ihren Patschehändchen an“.

Und nun etwas Musik

Erinnert euch! Bitte erinnert euch!

Der letzte Kanzlerkandidat der SPD, der von den von Milliardären für ihr Schreiben entlohnten Journalisten aus Presse und Glotze so einhellig bejubelt, mit Aufmerksamkeit verwöhnt und hochgeschrieben wurde wie zurzeit der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz, war Gerhard „Hartz IV“ Schröder.

„Fake News“ im Wandel der Zeit

Die New York Times verbreitete 2002 die Interpretation, die Minarette der Umm-al-Qura-Moschee in Bagdad seien dem Lauf einer AK-47 bzw. Scud-Raketen nachempfunden. Der Architekturkritiker Deyan Sudjic bezeichnete dies als Kriegspropaganda, die zur Legitimierung des Kriegseintritt der USA beitrug

Wikipedia, Lemma „Kalaschnikow“

Damals klang das alles etwas anders

Eine Partei kann nach dem Gesagten auch dann verfassungswidrig im Sinne des Art. 21 Abs. 2 GG sein, wenn nach menschlichem Ermessen keine Aussicht darauf besteht, daß sie ihre verfassungswidrige Absicht in absehbarer Zukunft werde verwirklichen können

Das Bundesverfassungsgericht in seiner Begründung des KPD-Verbotes

Blüte

Die Landschaften, sie blühen. Und. Die Seelen jener Menschen, die inmitten dieser Landschaften ihr Leben fristen, sie sind so welk und braun geworden.

Siebzehnter Juni

„Hach ja, damals“, sagte der Vorübergehende zu seinem verdummten Zeitgenossen, „als eine Arbeitsnormerhöhung um zehn Prozent zu einem Volksaufstand in der DDR führte. Heute machen die Angehörigen der Classe politique so etwas zwar in der gleichen Größenordnung, aber in viel geschickterer Verpackung: Sie erhöhen das Renteneintrittsalter. Und es funktioniert so verpackt ganz hervorragend. Die Menschen arbeiten rd. zehn Prozent mehr, ohne einen persönlichen Vorteil dadurch zu haben; ja, einige sind dabei sogar froh, Arbeit zu haben und nicht auf Hartz fear im rechtsfreien Raum des Sozialsystems angewiesen zu sein. Nichts ist so wirksam wie die Kombination aus Angst und Propaganda“.

Theodor W. Adorno zur Brüllball-Europameisterschaft

Wird eine Fußballweltmeisterschaft vom Radio übertragen, deren jeweiligen Stand die gesamte Bevölkerung aus allen Fenstern und durch die dünnen Wände der Neubauten hindurch zur Kenntnis zu nehmen gezwungen ist, so mögen selbst spektakulär verschlampte Gammler und wohl situierte Bürger in ihren Sakkos einträchtig um Kofferradios auf dem Bürgersteig sich scharen. Für zwei Stunden schweißt der große Anlass die gesteuerte und kommerzialisierte Solidarität der Fußballinteressenten zur Volksgemeinschaft zusammen. Der kaum verdeckte Nationalismus solcher scheinbar unpolitischen Anlässe von Integration verstärkt den Verdacht ihres destruktiven Wesens.

Theodor W. Adorno, im Jahr 1963

Gehkaffee

„Damals, vor fünfzehn Jahren“, sagte der Vorübergehende zu seinem bewusstlosen Zeitgenossen, „gipfelte die Ungemütlichkeit in der Gastronomie im unerfreulichen Wort vom ‚Stehcafé‘, aber inzwischen reicht das Nichtsitzen, Nichtverweilen, Nichtpausieren der Konsumierenden nicht mehr, und die Werber haben sich folgerichtig den Begriff ‚Coffee to go‘ einfallen lassen“.

Blasse Erinnerung

Wer sich in einer Streitfrage auf die Autorität beruft, gebraucht nicht die Vernunft, sondern eher das Gedächnis

Leonardo da Vinci

Die heutigen parawissenschaftlichen Ideen des Feminismus, dass das Geschlecht nicht genetisch durch meiotische Auswürfelung im 23. Chromosomenpaar determiniert, sondern in erster Linie dem Individuum aufsozialisiert sei, nannte man zu meiner Zeit Lyssenkoismus — und dieser war zu seiner Zeit breit „belegt“ durch eine „Forschung“, die nicht in gezielten Experimenten die Wirklichkeit befragte, sondern die vorher feststehenden Antworten in die Wirklichkeit hineininterpretierte.

Dreißig Jahre und das gleiche Lügen

Was man bei all den Rückblicken dreißig Jahre nach der Reaktorkatastrofe von Tschernobyl niemals vergessen sollte, ist, wie damals die Classe politique und nahezu der gesamte Journalismus reflexartig mit einer schweren Krise umgegangen sind: Sie haben so lange versucht, die Menschen niederträchtig zu belügen¹, bis die Lüge im Fortlauf der Ereignisse nicht mehr aufrechtzuerhalten war — warum auch hätten sie Menschen in einer solchen Situation anders behandeln sollen, als sie es auch außerhalb von Krisenzeiten jeden Tag zu tun pflegen.

Diese Erinnerung bewahrt davor, auf die Lügen der Classe politique zu den heutigen Krisen hereinzufallen.

¹Lügen: Vorsätzlich die Unwahrheit sagen. Jeder Politiker und Großbeamte, der in diesem Video zu hören ist, weiß während des Sprechens, dass er die Unwahrheit sagt.

Wasser, Malz, Hopfen und Glyphosat…

„Ach, die Grenzwerte“, sagte der Vorübergehende zu seinem leicht beeinflussbaren Zeitgenossen, „die immer noch eingehaltenen Grenzwerte sind doch kein Argument. Ich werde niemals vergessen, wie nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl die Grenzwerte für radioaktive Isotope in der Nahrung angehoben, ja teilweise vertausendfacht worden, um überhaupt noch etwas verkaufen zu können. Das sind ja keine medizinischen oder wissenschaftlichen Zahlen, es sind politische Zahlen, und sie kommen genau so lobbyistisch zustande und sind genau so menschenverachtend wie die Politik“.