Tag Archive: S/M


Freunde

„Die, die dir auch dann noch bleiben“, sagte der Vorübergehende zu einem, der sich seiner vielen Freunde in social media rühmte, „wenn du in ihrer Gegenwart laut denkst, die sind deine Freunde. Sonst. Niemand. Je weniger einer denkt und seine Gedanken äußert, desto weniger Anstrengungen der Selbstzurückhaltung hat er mit seinem großen Freundeskreis. Beliebtheit ist ein Indikator für Dummheit, und den scharfen Denker mit seiner Lust an der Einsicht betrachten die meisten Menschen lieber aus einem Abstand, der nicht in die eigene Persönlichkeit ragt“.

Die bösen Bots

Wenn Politiker befürchten und um jeden Preis — einschließlich der Beschränkung von Menschenrechten — verhindern wollen, dass bevorstehende Wahlen durch Einsatz von Social-Media-Bots manipuliert werden könnten, dann liegt das auch daran, dass diese Politiker selbst seit langem in der medialen „Öffentlichkeit“ als recht einfach programmierte manipulative Bots auftreten, die mit schlichten rhetorischen Tricksereien und unter ständiger Wiederholung von Fake News und gelegentlichen Einstreuseln von Hate Speech millionenfach in Presse und Glotze reproduziert werden, um die Wahlberechtigten zu manipulieren. Es ist also gar nicht erstaunlich, dass die Classe politique es so unverdrängbar und gruslig mit der Angst zu tun bekommt, wenn sie sich selbst in diesem Spiegel betrachten muss.

Wie der Hass ins Netz kommt

„Wie der Hass ins Netz kommt, ist einfach zu verstehen.“, sagte der Vorübergehende zu einem Mobbingopfer. „Wer gerade knutscht, der twittert nicht, und was da twittert, das ist der enttäuschte Rest“.

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Screenshot via @benediktg@gnusocial.de.

Die Datennackten

Leute, die Gardinen und des Abends Vorhänge vor ihre Fenster ziehen, damit man nicht so leicht in ihr Wahnzimmer hineinschauen kann, aber auf die Datensammlung Facebooks, Googles, Twitters und Konsorten sowie die immer mehr ausgeweitete staatliche Überwachung angesprochen, schnell und ohne jeglichen Umweg ihrer Worte über das Gehirn versichern, dass sie doch nichts zu verbergen hätten; Leute, die sich nicht einen Moment in ihrem Leben daran stören, das börsennotierte Wirtschaftsunternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell mehr über sie, ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Ideen, ihre Vorlieben und ihre Tagesabläufe wissen als der Nachbar, mit dem sie immerhin das gleiche Haus teilen und dem sie doch im Zweifelsfall nicht recht vertrauen würden – kurz: Leute, die mit ihrem täglichen Tun die unablässige Überwachung zur Norm erheben, die sich dabei noch persönlich ermächtigt fühlen, die alles dafür tun, dass jede Form der Privatheit zum Verdachtsmoment oder doch mindestens zur befremdlichen, eigenbrötlerisch anmutenden Verschrobenheit gerät, über die man Witze machen kann, diese Leute sind es, die freiwillig und aktiv mit ihrer gewohnheitsmäßigen Entblößung vor den Borgköniginnen individuumsverneinender Kollektive, welche sich zum tieferen Hohn für dieses Wort als „sozial“ bezeichnen, dafür Sorge tragen, dass der neue Faschismus komme. Dass auf den Selbstentblößungssites dieser Leute in technokratisch-neurotischer Manie jegliche Form oder auch nur Andeutung der körperlichen Nacktheit zensiert wird, ist ebenso ein treffliches Spiegelbild der dort geforderten intellektuellen, psychischen und ästhetischen Nacktheit wie die weitgehende Unempfindlichkeit derartiger Selbstentblößungssites gegenüber hetzerisch die Psyche aufkochenden Lynchmobinhalten ein Spiegelbild des dort geforderten und geförderten, neubourgeoisen Faschismus ist.

Biedermeier 2.0

„Social Media“, ein idealer Nährboden für den digitalen Biedermeier des beginnenden 21. Jahrhunderts.

It’s the same constant, unremitting spew of people talking without speaking and listening without hearing. There is no conversation. Just contests over who can shout the loudest and score the most points.

Das psychisch motivierte, in seinem narzisstischen Irresein zuweilen wie verhungert anmutende Betteln und Schreien um Aufmerksamkeit und technisch verabreichte Zuwendungsäquivalente über irgendwelche Social-Media-Dienste ist schlicht mit der Idee der Privatsphäre so inkompatibel, wie es auch mit jeder anderen zivilisierten Idee inkompatibel ist. Die Orwellness ist eine psychische Suhle, in welcher der Verstand erstickt.

Über tausend Herzchen…

Tweet von @PolizeiMuenchen, verifizierter Account: Eine traurige Nachricht: Die Zahl der Toten steigt auf 8. #Schießerei #oez #münchen -- Gefällt: 1083

Kaltes Zwitschern

Was man auf gar keinen Fall tun darf? Man darf auf gar keinen Fall, sei es absichtlich, sei es in Unkenntnis der Nachrichten versehentlich als fühlendes Wesen nach einem so genannten „Terroranschlag“ Twitter überfliegen. In der grimmigen Kälte zwischen sprachgefühllos ersonnenen Hashtags wie „NiceAttack“ und der sich opportunistisch in die medial geschaffenen Gefühle ergießenden neurechten Agitation, die sich genau so gibberig und geil auf jede Leiche stürzt wie das Arschloch Journalist, droht man zu ersticken.

Auswertiges Denken

Wer gegen „Hasskommentare“ ist und selbst entscheiden möchte, was „Hass“ ist, muss automatisch auch Erdogan gegen Böhmermann recht geben

Burkhard Schröde

Der Journalist liest vor

Ich hätte niemals geglaubt, dass ich auch nur die geringste Sehnsucht nach dem früheren Journalismus bekommen könnte, der vor allem Presseerklärungen von Parteien, Organisationen und Unternehmungen zunächst wiedergegeben und dann noch einmal mit eigenen Worten wiederholt hat, um diese Übung für schriftstellerisch Unbegabte mit Reklame und Reklame zu umstempeln, dem eigentlichen Daseinsgrund des Journalismus — aber inzwischen lesen die Journalisten immer häufiger „Twitter“ vor, ganz so, als hätten die Leser der journalistischen Elaborate noch gar kein Internet und könnten sich nicht selbst in diese Grube stürzen, wenn sie daran Interesse hätten.

Wisch und weg

„Die ‚Berühmtheit‘ bei Facebook oder einer anderen S/M-Site“, sagte der Vorübergehende im Vorübergehen zu Mitmensch Mediengläubig, „ist genau so viel wert wie der ‚Reichtum‘ beim Monopoly-Spielen. Nur Journalisten können darauf reinfallen“.