Tag Archive: S/M


Lauter kleine Kreuzroboter

Wenn ich lese und höre, wie im Moment im agenturzentral gleichlautenden und deshalb in seinem Fehlen sichtbarer individueller Recherche- und Denktätigkeit wie gleichgeschaltet anmutenden Journalismus immer wieder geäußert wird, dass die Facebook-Manipulationen von Cambridge Analytica alle möglichen Wahlen und die Brexit-Abstimmung beeinflusst hätten, dann frage ich mich, ob es wohl eine bessere propagandistische Vorbereitung zur baldigen Abschaffung der letzten Reste Demokratie in der so genannten „repräsentativen Demokratie“ geben könnte. An der früheren massiven Beeinflussung der Wahlentscheidungen von Menschen durch allgegenwärtige Lügenreklame und manipulativen Journalismus aus Glotze, Radio und jedem Käseblatt hat sich jedenfalls niemand vernehmbar gestört.

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Paradies erreicht

Mit diesem üblen zynischen Tonfall und diesem Grinsen sagte der Vorübergehende beim Betrachten der Nachrichtensendung des BRD-Parteienstaatsfernsehens: „Eine Welt, in der es eine Tagesschau-Meldung wird, dass jemand (Elon Musk) seinen Facebook-Account löscht, muss eine wunderbare Welt sein, die keine schweren Probleme, keinen Hunger, keine Armut und keinen Krieg mehr kennt“.

Neubenennung

Unternehmen, die Geld damit verdienen, dass sie in die Einzelheiten gehende Akten über das private Leben von Menschen ansammeln und verkaufen, wurden früher in aller Deutlichkeit als „Überwachungsunternehmen“ bezeichnet. Ihre Neubenennung als „social media“ ist die erfolgreichste Irreführung seit das Kriegsministerium zum Verteidigungsministerium geworden ist.

Edward Snowden, Übelsetzung von mir

Bei der Kampagnenmanagerin gelandet…

Screenshot aus dem ORF-Fernsehen, Katharina Nocun, in der 'Bauchbinde' ist eingeblendet: Kampagnenmanagerin und Bloggerin

Er sagte, er sei nur im dezentralen Diaspora-Netzwerk gelandet, weil er vor zwei Jahren beim 32C3 einen großartigen Vortrag von Katharina Nocun gehört habe — aber, so setzte er fort, Frau Nocun scheint im Diaspora-Netzwerk seit über einem Jahr nicht mehr aktiv zu sein, dafür um so mehr auf Twitter…

„Social Media“

Es gibt kein richtiges Internet im falschen.

Freunde

„Die, die dir auch dann noch bleiben“, sagte der Vorübergehende zu einem, der sich seiner vielen Freunde in social media rühmte, „wenn du in ihrer Gegenwart laut denkst, die sind deine Freunde. Sonst. Niemand. Je weniger einer denkt und seine Gedanken äußert, desto weniger Anstrengungen der Selbstzurückhaltung hat er mit seinem großen Freundeskreis. Beliebtheit ist ein Indikator für Dummheit, und den scharfen Denker mit seiner Lust an der Einsicht betrachten die meisten Menschen lieber aus einem Abstand, der nicht in die eigene Persönlichkeit ragt“.

Die bösen Bots

Wenn Politiker befürchten und um jeden Preis — einschließlich der Beschränkung von Menschenrechten — verhindern wollen, dass bevorstehende Wahlen durch Einsatz von Social-Media-Bots manipuliert werden könnten, dann liegt das auch daran, dass diese Politiker selbst seit langem in der medialen „Öffentlichkeit“ als recht einfach programmierte manipulative Bots auftreten, die mit schlichten rhetorischen Tricksereien und unter ständiger Wiederholung von Fake News und gelegentlichen Einstreuseln von Hate Speech millionenfach in Presse und Glotze reproduziert werden, um die Wahlberechtigten zu manipulieren. Es ist also gar nicht erstaunlich, dass die Classe politique es so unverdrängbar und gruslig mit der Angst zu tun bekommt, wenn sie sich selbst in diesem Spiegel betrachten muss.

Wie der Hass ins Netz kommt

„Wie der Hass ins Netz kommt, ist einfach zu verstehen.“, sagte der Vorübergehende zu einem Mobbingopfer. „Wer gerade knutscht, der twittert nicht, und was da twittert, das ist der enttäuschte Rest“.

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Screenshot der mobilen Website des Stern -- Feldarbeit und Co.: Wie Flüchtlingskinder in der Türkei als billige Arbeitskräfte missbraucht werden -- Jetzt Facebook-Fan werden

Screenshot via @benediktg@gnusocial.de.

Die Datennackten

Leute, die Gardinen und des Abends Vorhänge vor ihre Fenster ziehen, damit man nicht so leicht in ihr Wahnzimmer hineinschauen kann, aber auf die Datensammlung Facebooks, Googles, Twitters und Konsorten sowie die immer mehr ausgeweitete staatliche Überwachung angesprochen, schnell und ohne jeglichen Umweg ihrer Worte über das Gehirn versichern, dass sie doch nichts zu verbergen hätten; Leute, die sich nicht einen Moment in ihrem Leben daran stören, das börsennotierte Wirtschaftsunternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell mehr über sie, ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Ideen, ihre Vorlieben und ihre Tagesabläufe wissen als der Nachbar, mit dem sie immerhin das gleiche Haus teilen und dem sie doch im Zweifelsfall nicht recht vertrauen würden – kurz: Leute, die mit ihrem täglichen Tun die unablässige Überwachung zur Norm erheben, die sich dabei noch persönlich ermächtigt fühlen, die alles dafür tun, dass jede Form der Privatheit zum Verdachtsmoment oder doch mindestens zur befremdlichen, eigenbrötlerisch anmutenden Verschrobenheit gerät, über die man Witze machen kann, diese Leute sind es, die freiwillig und aktiv mit ihrer gewohnheitsmäßigen Entblößung vor den Borgköniginnen individuumsverneinender Kollektive, welche sich zum tieferen Hohn für dieses Wort als „sozial“ bezeichnen, dafür Sorge tragen, dass der neue Faschismus komme. Dass auf den Selbstentblößungssites dieser Leute in technokratisch-neurotischer Manie jegliche Form oder auch nur Andeutung der körperlichen Nacktheit zensiert wird, ist ebenso ein treffliches Spiegelbild der dort geforderten intellektuellen, psychischen und ästhetischen Nacktheit wie die weitgehende Unempfindlichkeit derartiger Selbstentblößungssites gegenüber hetzerisch die Psyche aufkochenden Lynchmobinhalten ein Spiegelbild des dort geforderten und geförderten, neubourgeoisen Faschismus ist.

Biedermeier 2.0

„Social Media“, ein idealer Nährboden für den digitalen Biedermeier des beginnenden 21. Jahrhunderts.

It’s the same constant, unremitting spew of people talking without speaking and listening without hearing. There is no conversation. Just contests over who can shout the loudest and score the most points.

Das psychisch motivierte, in seinem narzisstischen Irresein zuweilen wie verhungert anmutende Betteln und Schreien um Aufmerksamkeit und technisch verabreichte Zuwendungsäquivalente über irgendwelche Social-Media-Dienste ist schlicht mit der Idee der Privatsphäre so inkompatibel, wie es auch mit jeder anderen zivilisierten Idee inkompatibel ist. Die Orwellness ist eine psychische Suhle, in welcher der Verstand erstickt.