Tag Archive: Kälte


Handvoll

„Viele Beziehungen scheitern daran“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „dass Menschen allen Ernstes daran glauben, dass sie mit den zwei Handvoll Liebe, die sich ab und an einander geben können, für ihr gesamtes Leben in der kalten Welt haushalten können müssten, statt sich eine andere Lebenswirktlichkeit zu suchen oder zu schaffen“.

Apparat

Es ist dem Kosmos gleichgültig, ob ein Mensch die verborgenen Gründe und Methoden seines Seins und Werdens verstehen kann oder nicht, und ebenso gleichgültig ist es ihm, ob das einem Menschen gefällt. Menschen sind es, die das Problem mit ihrem dummen Narzissmus haben und überall ihr eigenes Spiegelbild zu erkennen vermeinen; vorübergehende Erscheinungen, die wieder entschwinden werden, kaum der Rede wert.

Le jardin de la prison

„Nein“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „ich will deinen Kleingarten in einem dieser Vereine nicht; nicht einmal geschenkt würde ich ihn haben wollen. Ich weiß jetzt schon, dass ich es nicht übers Herz bringen würde, das ganze ‚Unkraut‘ wegzumachen, in dem immer so viele Hummeln, Schmetterlinge und Bienen sind, und ich weiß, wie meine grobspießigen Alkoholiker von Nachbarn auf diese Störung in ihrem synthetischen Paradies aus den Träumen der Bambi-Naturliebhaber reagieren werden, und ich habe schon vor einem halben Jahrhundert als Schüler gelernt, was ein Leben voll täglichen Mobbings und regelmäßiger Gewalt ist. Lass mich bitte in Würde sterben!“

Wo das Frauenbild herkommt

„Es gab in meinem Leben eine Phase, in der ich eine Menge Geld verdient habe“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „und in dieser Phase wurde ich auch von Frauen als viel attraktiver wahrgenommen, ja, sogar manchesmal scharf und mit äußerst kecken Fingern angegangen, in einer Weise, die, wenn sie umgekehrt von einem Mann ausginge, klar als sexuelle Belästigung betrachtet würde. Ich war kein anderer Mensch als heute, ich habe nicht besser ausgesehen, wenn ich auch aus beruflichen Gründen oft einen feinen Zwirn tragen musste, ich hatte keine anderen Interessen, ich hatte nur Geld. Das reicht, damit die Säfte in die Möse fließen. Und jedesmal, wenn ich über mein Leben und meine Gedanken zu diesem Leben sprach, trat mir eine kalte, professionell anmutende Empathiesimulation gegenüber, die den Rest der durchaus überzeugend aufgeführten weiblichen Darbietung so deutlich entlarvte, dass ich mich davor zu ekeln begann“.

Bitte parken Sie nicht in zweiter Reihe... -- ...im Kurvenbereich Raimundstraße/Mozartstraße -- ...im Kurvenbereich Siemensstraße/Mozartstraße -- ...gegenüber der Einfahrt. Halten Sie hier bitte die Einfahrt frei

Der hannöversche Aldi-Markt an der Ecke Siemensstraße/Mozartstraße (Südstadt) bittet die Anwohner, dass sie beim Abstellen ihrer Autos doch die Verkehrsregeln einhalten mögen. Nein, nicht aus Solidarität mit Rollstuhlfahrern, Gehbehinderten und generell Menschen, sondern weil zurzeit noch eine Baustelle hinzukommt, so dass die Liefereinfahrt regelmäßig nicht mehr mit LKW erreicht werden kann. Denn der Autofahrer in seiner wahnhaften Sucht sagt sich nur: „Sicher, Lebensmittel sind wichtig, aber Parken ist doch auch wichtig“ und parkt asozial und behindernd. Nicht nur ein Autofahrer, sondern im Zweifelsfall jeder. Der Polizei und dem Ordnungsamt der „autofreundlichen Stadt“ Hannover, der Hauptstadt eines Bundeslandes der Bundesrepublik Deutschland, dessen bananenaffiner Ministerpräsident Stephan Weil sich seine Regierungserklärung vor dem Vortrag in der Bütt des Landtages auch mal von VW korrekturlesen lässt, damit VW auch ja nicht darüber verärgert ist, sind die Zustände schon seit Jahrzehnten völlig gleichgültig. Selbst dann noch, wenn in der dritten Reihe geparkt wird. Und die Autos, zunehmend in der modernen Ausführung als SUV-Volkspanzer, werden größer und raumfressender und raumfressender und größer.

Falschparker

Ein asozial und behindernd abgestelltes Auto wird völlig kompromisslos und zuweilen sehr schnell abgeschleppt, wenn es andere Fahrzeuge behindert. Wenn es „nur“ Menschen behindert, kann es tagelang stehenbleiben.

Mensch und Kosmos

Wer in den Kosmos schaut, findet Kälte und Leere, weiträumig genug, um einem Menschen als unendlich und absurd zu erscheinen, nur unterbrochen von geradezu mikroskopischen Einsprengseln aus Substanz und Wärme. Wir Menschen, die wir uns selbst für essentiell halten, wir sind für den kalten, leeren Kosmos hinfällig. Wir scheinen kurz als fernliegende und unwahrscheinliche Option einer geregelten Struktur von Kälte und Leere in Raum und Zeit auf, um sogleich wieder zu Kälte und Leere zu werden. Und genau das ist der Grund, weshalb wir einander niemals gleichgültig sein sollten.

Nimm zwei

Als die esoterisch angehauchte Zeitgenossin zum Vorübergehenden sagte, dass er sich die Freiheit nehmen müsse, weil sie ihm nicht gegeben werde, antwortete der Vorübergehende: „Aber du würdest doch wohl niemanden sagen, dass er sich das Leben nehmen müsse, weil es ihm nicht gegeben werde, weil dann sogar dir die Absurdität darin auffiele. Es gibt kein Leben im Tode, und es gibt keine Freiheit in einem Umfeld voller ständiger existenzieller Drohung, psychischer Eiseskälte und Barbarei, staatlich gewollter und vorangetriebener Massenverarmung, gedanklicher Unterdrückung, von ‚den Märkten‘ erwünschter und mit hohem Aufwand betriebener Menschenverdummung und ständiger Propaganda der Privilegierten für den Erhalt des Bestehenden und damit aller ihrer zusammengeraubten Güter und erbeuteten Privilegien, egal, wer dabei alles draufgeht; eine allmediale, alltägliche, alldurchwaltende Allgegenwart, von deren Monströsität man als Ausgesetzter nur noch Bruchteile erkennen kann, während sich das Leben jetzt und jetzt und jetzt darin auflöst. Und du stellst dich hin und weist denen, die diesem Wahnsinn ausgesetzt sind, auch noch im besten faschistischen Duktus der Siebziger-Jahre-Esoterik die Schuld an ihrer Unfreiheit zu, weil du hirnlos deiner Psychomechanik folgst und dich als ausgeliefertes Opfer mit dem Täter identifizierst. Deine psychische Dummheit. Ekelt. Mich. An“.

Sterbewahrscheinlichkeit

Es ist in der tristen, herzkalten BRD auch mitten in der laufenden Corona-Pandemie wahrscheinlicher, dass ein Mensch durch Selbstmord stirbt, als dass er an Corona stirbt. Und auch bei dieser selbst gewählten, aber nicht immer frei gewählten Todesart haben ältere Menschen ein höheres Todesrisiko als jüngere, und Männer haben ein rd. drei Mal so hohes Todesrisiko wie Frauen, es sieht also alles in allem ähnlich aus wie bei Corona.

Das läuft nur deshalb nicht jeden Abend in der Tagesschau des Parteienstaatsfernsehens einer „marktkonformen Demokratie“ (A. Merkel), weil irgendwelche pharmaindustriellen Aktiengesellschaften keine Impfstoffe gegen den Selbstmord entwickeln und verkaufen können, um ihren Aktionären riesige Dividenden vom dadurch erzielten Reibach auszuschütten. Dafür müsste im Land der Kälte das menschliche Miteinander anders werden, und das geht nicht, weil ganze Geschäftsmodelle zusammenbrächen, die auf dem objektiven Unglück und der persönlichen Aussichtslosigkeit der Mehrheit der Menschen aufgebaut sind. Deshalb hat Corona für den Journalismus in Presse und Glotze mehr Relevanz als Selbstmord.

Dass die gleichen Autokonzerne, die eben gerade noch ihren Aktionären Dividenden ausgeschüttet haben, jetzt im kalten Lande Alzheim schon wieder um Subventionen wegen der Folgen der Corona-Pandemie betteln und in den Dunkelkammern des Reichstages lobbyieren, ist ja auch so eine Tatsache, die in Presse und Glotze nicht erzählt wird. Wenn die verachtenswerte Gier zur Grundlage des Miteinanders werden soll — und genau das ist der so genannte „Kapitalismus“ — dann folgt ihr die Kälte auf dem Fuß. Selbstmord ist ein Tod, der durch menschliche Kälte verursacht oder erheblich mitverursacht wird.

Krankheit

Die gesamte Krankheit der gegenwärtig reichen Zivilisationen besteht in ihrer traurigen und deprimierenden Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.

Denkdochmal

„Denk doch mal an die armen Kinder, die armen Frauen, das ausgebeutete Personal der Krankenhäuser, die Obdachlosen, die psychisch Kranken“ — diese ganzen Leute aus Politik, Aktivismus und Journalismus, die ihre Empathie immer nur dann entdecken, wenn sie etwas zur Emotionalisierung des Politischen und zur psychischen Manipulation der Massen taugt, demonstrieren im Spiegelbild dieser Haltung ihren abstoßenden, kalten, ekelhaften, empathielosen, ja, asozial-psychopathischen Charakter. Ein halbwegs erfreuliches, zivilisiert menschliches Miteinander wird erst möglich werden, wenn niemand mehr auf diese schamlosen Politikspammer und ihre journalistischen Relaisstationen hereinfällt.

Triebkraft

Was die menschliche Kultur, Technik und Zivilisation vorangebracht und in erfreuliche Richtung gelenkt hat, war niemals der Glaube und das ergeben-passive Hinnehmen aller vorgefundenen Erscheinungen, sondern der Zweifel und eine Neugier, die jedes Ding zerlegen, erforschen und verstehen will. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das sich jemals ändern wird, aber schier unerschöpfliche Belege aus Vergangenheit und Gegenwart, die aufzeigen, dass jede Rückkehr zur infantil-psychischen Glaubenshaltung alles Erstrebenswerte in der Zivilisation unter Erbietung einer gewaltigen heiligen Kälte zu zerstören droht. Die Hölle, vor der ein Religiöser warnt, ist seiner Religion dermaßen inhärent, dass sie im Spiegelbild der Religion sichtbar wird.