Tag Archive: Kälte


Sterbewahrscheinlichkeit

Es ist in der tristen, herzkalten BRD auch mitten in der laufenden Corona-Pandemie wahrscheinlicher, dass ein Mensch durch Selbstmord stirbt, als dass er an Corona stirbt. Und auch bei dieser selbst gewählten, aber nicht immer frei gewählten Todesart haben ältere Menschen ein höheres Todesrisiko als jüngere, und Männer haben ein rd. drei Mal so hohes Todesrisiko wie Frauen, es sieht also alles in allem ähnlich aus wie bei Corona.

Das läuft nur deshalb nicht jeden Abend in der Tagesschau des Parteienstaatsfernsehens einer „marktkonformen Demokratie“ (A. Merkel), weil irgendwelche pharmaindustriellen Aktiengesellschaften keine Impfstoffe gegen den Selbstmord entwickeln und verkaufen können, um ihren Aktionären riesige Dividenden vom dadurch erzielten Reibach auszuschütten. Dafür müsste im Land der Kälte das menschliche Miteinander anders werden, und das geht nicht, weil ganze Geschäftsmodelle zusammenbrächen, die auf dem objektiven Unglück und der persönlichen Aussichtslosigkeit der Mehrheit der Menschen aufgebaut sind. Deshalb hat Corona für den Journalismus in Presse und Glotze mehr Relevanz als Selbstmord.

Dass die gleichen Autokonzerne, die eben gerade noch ihren Aktionären Dividenden ausgeschüttet haben, jetzt im kalten Lande Alzheim schon wieder um Subventionen wegen der Folgen der Corona-Pandemie betteln und in den Dunkelkammern des Reichstages lobbyieren, ist ja auch so eine Tatsache, die in Presse und Glotze nicht erzählt wird. Wenn die verachtenswerte Gier zur Grundlage des Miteinanders werden soll — und genau das ist der so genannte „Kapitalismus“ — dann folgt ihr die Kälte auf dem Fuß. Selbstmord ist ein Tod, der durch menschliche Kälte verursacht oder erheblich mitverursacht wird.

Krankheit

Die gesamte Krankheit der gegenwärtig reichen Zivilisationen besteht in ihrer traurigen und deprimierenden Unfähigkeit, menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen.

Denkdochmal

„Denk doch mal an die armen Kinder, die armen Frauen, das ausgebeutete Personal der Krankenhäuser, die Obdachlosen, die psychisch Kranken“ — diese ganzen Leute aus Politik, Aktivismus und Journalismus, die ihre Empathie immer nur dann entdecken, wenn sie etwas zur Emotionalisierung des Politischen und zur psychischen Manipulation der Massen taugt, demonstrieren im Spiegelbild dieser Haltung ihren abstoßenden, kalten, ekelhaften, empathielosen, ja, asozial-psychopathischen Charakter. Ein halbwegs erfreuliches, zivilisiert menschliches Miteinander wird erst möglich werden, wenn niemand mehr auf diese schamlosen Politikspammer und ihre journalistischen Relaisstationen hereinfällt.

Triebkraft

Was die menschliche Kultur, Technik und Zivilisation vorangebracht und in erfreuliche Richtung gelenkt hat, war niemals der Glaube und das ergeben-passive Hinnehmen aller vorgefundenen Erscheinungen, sondern der Zweifel und eine Neugier, die jedes Ding zerlegen, erforschen und verstehen will. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass das sich jemals ändern wird, aber schier unerschöpfliche Belege aus Vergangenheit und Gegenwart, die aufzeigen, dass jede Rückkehr zur infantil-psychischen Glaubenshaltung alles Erstrebenswerte in der Zivilisation unter Erbietung einer gewaltigen heiligen Kälte zu zerstören droht. Die Hölle, vor der ein Religiöser warnt, ist seiner Religion dermaßen inhärent, dass sie im Spiegelbild der Religion sichtbar wird.

Ball und Börse

Die Journalisten aus dem Sport- und Börsencasinoressorts scheinen gerade wenig zu tun zu haben und haben sich diversifiziert, so dass die (völlig unseriös erhobene und deshalb unzuverlässige) Anzahl der Corona-Infektionen und der Corona-Toten jeden Tag gemeldet wird, gern auch mit Ländervergleich, ganz so, als handele es sich um den DAX oder die Bundesliga-Ergebnisse. Beim Genuss dieses kalten, contentindustriellen Stiles fragt man sich unwillkürlich, ob man auf diese Zahlen auch schon wetten kann.

Die falscheste Religion

Die Behauptung, dass jeder Mensch alles erreichen könne, nebst der zugehörigen, meist nicht unterschwellig bleibenden Schuldzuweisung für alle jene Menschen, die krank oder in ihrem Leben gescheitert sind, ist die falscheste und vielleicht sogar die kälteste „Religion“ von allen. Sie ist leider auch zu einer tragenden Säule des Kapitalismus geworden.

Wie reagiert man bei den Grünen darauf, wenn ein Mörder in Frankfurter Hauptbahnhof eine Mutter und ihr achtjähriges Kind vom Bahngleis vor dem einfahrenden Zug schubst und das Kind dabei stirbt?

Die Antwort gibt Eike Lengemann (Die Grünen), Beisitzer im Vorstand der Grünen Hannover, Volkswirt mit dem Schwerpunktthemen Verkehrswende und Energiewende. Ich bitte Menschen mit empfindlichem Magen darum, eine Speitüte bereit zu halten:

Tweet von @EikeLe, verifizierter Account, vom 30. Juli 2019, 18:44 Uhr: Im Autoverkehr streben jährlich mehr als 3.000 Personen - keine allzu großen Diskussionen. Im Bahnverkehr stirbt eine Person - Interview mit dem Chef eines Sicherheitsdienstes, Bundesminister unterbricht Urlaub.  Bitte immer die Verhältnismäßigkeit wahren, @HAZ & Hr. Seehofer.

Offenbar sind solche Morde für in Hannover kommunalpolitisch führende und politisch recht ambitionierte Mitglieder der Grünen bei ihren politischen Instrumentalisierungsversuchen auf dem Rücken eines toten Kindes und einer vermutlich lebenslang traumatisierten Mutter ganz gewöhnliche Vorfälle des „Bahnverkehrs“, grob vergleichbar mit einem Autounfall. Zumindest so lange der Täter kein „Nazi“ war… 😦

Ein widerwärtiges Geschmeiß ist das!

Wie man im Screenshot sehen kann, habe ich die Madsackpresse auf Twitter blockiert, und zwar aus Gründen. Halbmechanische Dampfzwitscherer, die mir voller contentindustrieller Beflissenheit hannover-bezügliche Hashtags mit ihrem reklamevermarktenden Infomüll oder gar Links hinter ihren Bezahlschranken vollspülen, gebe ich mir nicht freiwillig, sondern gehe mit ihnen um wie mit jedem anderem Feind und Spammer auch. Möge das Sterben der Zeitungen und Presseverlage ganz schnell gehen, und doch allen Beteiligten sehr weh tun! Karma is a bitch.

Vom Wegebau

„Es ist doch nur logisch, dass wir im Lande der Korruption und des neuen Feudalismus alle immer kälter werden“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „denn wir wollen allesamt vorankommen, doch nur eine möglichst frostige Kälte macht Schlamm als Weg nutzbar“.

Die Weite und die Kälte

Allein am Meer stehen wollte er.
Den Blick in uferlose Ferne richten
Bis der Kopf frei ist,
Um es in seinen Alltag mitzunehmen.

Es reichte nur für den Maschsee.
Ins Grau Hannovers fiel ein Niesel
Bis ihm langsam kalt wurde.
Und das. Nahm er in den Alltag mit.

Rastplatz (16)

Sitzgelegenheit vor dem HannoverServiceCenter am Schützenplatz.

Sitzbänke vor dem gerade erst neu gebauten HannoverServiceCenter in Hannover, die von einem dafür mit städtischen Mitteln sicherlich recht gut bezahlten Menschen vorsätzlich so entworfen oder ausgewählt wurden, dass man sich weder beim Sitzen anlehnen noch darauf legen kann, damit sie auch ja nicht von obdachlosen Menschen benutzt werden können. Für diese gibt es ja schließlich den Boden, der ist Dreck gewohnt…

Architektur

Ein Verwaltungsgebäude in Hannover (Waterlooplatz, frühere Bezirksregierung)

Gefragt, warum er so selten Menschen und so häufig Gebäude fotografiere, sagte der Vorübergehende: „Die Menschen gehen vorüber, und es sei ihr Recht, Vorübergehende zu sein, ohne dass man sie in ihren Vorübergehen auf Bildern festhält. Die Architektur hingegen, sie wird von Herrschenden und Besitzenden klotzmächtig in den öffentlichen Blickraum gestellt, transportiert die kalten, gierigen, faschistischen und menschenverachtenden Ideen ihrer Bauherren und ist vorsätzlich dafür gemacht, auf Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dem Raum für das menschliche Miteinander einen Stempel aufzudrücken, unter dessen Last sich noch jeder gebückt hat. Gern nehme ich diese Architektur auf, um sie gegen die Abstumpfung durch den immer wieder gleichen Sinnesreiz als das zu zeigen, was sie ist, damit sie auch möglichst oft als das gesehen werde, was sie ist“.

Schnell gegangen

„Nicht einmal zehn Jahre Reklame, Journalismus und weiter fortschreitende zwischenmenschliche Vereisung hat es gebraucht“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „den Menschen so wirksam einzureden, dass Smartphones und Facebook in ihrem Leben unverzichtbar seien, dass kaum noch jemand zweifelt. Und wer jetzt immer noch nicht daran glaubt, ist ein Sonderling; rückständig, dumm und potenziell gefährlich, besser nichts damit zu tun haben. Nicht einmal die totale Automobilmachung ist in Deutschland dermaßen schnell gewesen“.