Tag Archive: Kälte


Vom Wegebau

„Es ist doch nur logisch, dass wir im Lande der Korruption und des neuen Feudalismus alle immer kälter werden“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „denn wir wollen allesamt vorankommen, doch nur eine möglichst frostige Kälte macht Schlamm als Weg nutzbar“.

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Die Weite und die Kälte

Allein am Meer stehen wollte er.
Den Blick in uferlose Ferne richten
Bis der Kopf frei ist,
Um es in seinen Alltag mitzunehmen.

Es reichte nur für den Maschsee.
Ins Grau Hannovers fiel ein Niesel
Bis ihm langsam kalt wurde.
Und das. Nahm er in den Alltag mit.

Rastplatz (16)

Sitzgelegenheit vor dem HannoverServiceCenter am Schützenplatz.

Sitzbänke vor dem gerade erst neu gebauten HannoverServiceCenter in Hannover, die von einem dafür mit städtischen Mitteln sicherlich recht gut bezahlten Menschen vorsätzlich so entworfen oder ausgewählt wurden, dass man sich weder beim Sitzen anlehnen noch darauf legen kann, damit sie auch ja nicht von obdachlosen Menschen benutzt werden können. Für diese gibt es ja schließlich den Boden, der ist Dreck gewohnt…

Architektur

Ein Verwaltungsgebäude in Hannover (Waterlooplatz, frühere Bezirksregierung)

Gefragt, warum er so selten Menschen und so häufig Gebäude fotografiere, sagte der Vorübergehende: „Die Menschen gehen vorüber, und es sei ihr Recht, Vorübergehende zu sein, ohne dass man sie in ihren Vorübergehen auf Bildern festhält. Die Architektur hingegen, sie wird von Herrschenden und Besitzenden klotzmächtig in den öffentlichen Blickraum gestellt, transportiert die kalten, gierigen, faschistischen und menschenverachtenden Ideen ihrer Bauherren und ist vorsätzlich dafür gemacht, auf Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte dem Raum für das menschliche Miteinander einen Stempel aufzudrücken, unter dessen Last sich noch jeder gebückt hat. Gern nehme ich diese Architektur auf, um sie gegen die Abstumpfung durch den immer wieder gleichen Sinnesreiz als das zu zeigen, was sie ist, damit sie auch möglichst oft als das gesehen werde, was sie ist“.

Schnell gegangen

„Nicht einmal zehn Jahre Reklame, Journalismus und weiter fortschreitende zwischenmenschliche Vereisung hat es gebraucht“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „den Menschen so wirksam einzureden, dass Smartphones und Facebook in ihrem Leben unverzichtbar seien, dass kaum noch jemand zweifelt. Und wer jetzt immer noch nicht daran glaubt, ist ein Sonderling; rückständig, dumm und potenziell gefährlich, besser nichts damit zu tun haben. Nicht einmal die totale Automobilmachung ist in Deutschland dermaßen schnell gewesen“.

Das Schicksal der Radfahrer

Was für ein seltsames Schicksal diese Radfahrer aber auch haben, dass sie niemals von einem Autofahrer totgefahren, sondern stets nur von einem Auto erfasst werden. In der hirnfickenden Pseudoobjektivität der journalistischen Sprachgebräuche in Presse und Glotze spiegelt und bestärkt sich die eiskalte Menschengruppenverachtung der bürgerlichen Gesellschaft, die immer erst dann als Metastase des Faschismus erkannt und verworfen wird, wenn die verachteten Gruppen nach ihrer Herkunft, Sprache, Kultur oder Genetik benannt werden.

Wahnnorm

„Das Schlimmste an Menschen aus der Verwaltung, am deutlichsten noch an den beamteten zu beobachten“, sagte der Vorübergehende etwas erschöpft zu jemanden, der es gar nicht hören wollte, „ist diese kalte, empathielose, mechanische Gleichgültigkeit, mit der sie noch über das wahnhaftesten und kränkesten Zustände sprechen können, weil ihre Tätigkeit diese Stumpfheit jeden Tag von ihnen fordert. Immer, wenn ich das höre, ist mir zumute, als hallte irgendwo ganz leise im Tone mit, wie jemand beschreibt, wie er mit ganz sachlichen Maßnahmen die Öfen in einem nationalsozialistischen Menschenschlachthaus am Laufen hält und sich dabei schon auf seinen Feierabend mit seiner Familie freut“.

Spießers Paradies

Die „Paradiesvorstellungen“ der Spießer sind gruseligere und vor allem kältere Höllen als alles, was zwei Jahrtausende Christentum an neurotischen Höllenvisionen heiliggesprochen haben. Wer in solchen Höllen leben muss, hat allen Grund, die Toten zu beneiden.

Werd erwachsen!

Lasst die Kinder zu mir kommen, wehrt sie nicht ab! Die Herrschaft Gottes ist für Menschen wie sie.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Lk.18:16

Der Vorübergehende hörte, wie die Mutter ihr Kind dazu aufforderte, „endlich erwachsener zu werden“, und er dachte sich dabei, dass der Kern dieser Aufforderung darin zu bestehen scheint, dass ihr Kind endlich still und ohne jede Äußerung eigener Wünsche und Widersprüche die Dinge so hinnehmen soll, wie sie sind, dass es also möglichst schnell genau so stumpf wie seine Mutter werden soll.

Screenshot Twitter. @mazur2und3 zitert einen Tweet von @uestra: 'Hallo. Das die Haltestellen so gebaut wurden hat seine Gründe. Wäre der Schutz größer, könnten Sie ihn nicht nutzen weil er von Schläfern besetzt wäre. MfG^bp' und merkt dazu an: '@uestra @HAZde @neuepresse @hliebe Das is ziemlich zynisch... So eine Antwort'. @uestra antwortet darauf: 'Wir bedauern es, wenn Sie unsere sachliche Antwort, subjektiv als zynisch wahrnehmen. ^os'. Mein Text dazu: 'Pragmatischer Umgang mit Obdachlosigkeit -- Wird aus völlig unerklärlichen Gründen von einigen Menschen als übler Zynismus wahrgenommen, aber nur ganz subjektiv. Was für ein Jammer!

Quelle des im Screenshot zitierten Tweets

Die „üstra“ dankt…

Hinweisschild in einer hannöverschen Straßenbahn: Auf der Linie 1 kann an einzelnen Hochbahnsteigen die jeweils vorderste und hinterste Tür eines 3-Wagen-Zuges leider nicht geöffnet werden. Bitte benutzen Sie in diesen Fällen eine benachbarte Tür! Wir danken für ihr Verständnis, üstra -- Dazu mein Text: Übrigens 'üstra', dieses 'Verständnis' für Ihre Unfähigkeit, Zuglänge und Bahnsteiglänge zueinander passend zu machen, für das sie sich so 'höflich' bei mir 'bedanken', das habe ich gar nicht...

Türen

Türen am Ihmezentrum