Tag Archive: Ideologie


Wissenschaftsfeinde

Jene, die die offene Wissenschaftsfeindlichkeit eines Donald Trump noch bemerken, werden zum Ausgleich völlig uneinsichtig, wenn es um die Irrationalität ihrer eigenen Ideologien geht. Sie werden auf den Schwingen der Dummheit durch ihre Tage getragen, ihr eingebildetes Adlerauge schwebt blind über eine Welt des Erkennes, Wissens und Könnens und sie. Sind voll der Verachtung für alles, was sie nicht sehen können.

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Die Heiligen der „Linken“

Jene, die am lautesten überall die maximale Diversität einfordern, üben sich darin, im von ihnen beherrschten Umfeld eine strikte, unhinterfragbare und für heilig erklärte intellektuelle Monokultur durchzusetzen. Darin spiegeln sie wider, dass sich nicht das Herrschaftssystem überwinden, sondern erhalten, stärken und darin die Herrschaft übernehmen wollen.

Forsch, forsch…

Politiker, Journalisten und Ideologen fördern und bejubeln am liebsten diejenige Art der „Forschung“, deren Ergebnisse bereits vor dem Beginn jeglicher Untersuchung feststehen. Es war schon immer die goldene Regel der Kunst und der Wissenschaft, dass derjenige, der das Gold hat, auch die Regel macht — und dort, wo diese Regel auch noch die einzige Regel zu werden im Begriffe ist, dort sind Verödung und Verblödung gewiss.

Die Erben der Religion

Die Regierung, Partei oder Ideologie, die von den Menschen festen Glauben fordert, die alles tut, jeden Keim eines Zweifels zu ersticken, die auf Abweichler und schon einfache Fragen mit rigorostmöglichen Maßnahmen (im Falle entsprechender Machtfülle: bis hin zur Ermordung) reagiert, ganz so, wie einst die Kirche auf den Ketzer — diese Regierung, Partei oder Ideologie belegt in solchem Fordern und Tun, dass sie das Erbe der Religion angetreten hat und aus dem gleichen verwerfenswürdigen psychischen Material gestrickt wurde.

Der Kern der Religion ist nicht ein Gott, sondern die Psyche des Menschen.

Anal-Lyse

Wer mit aller Arroganz der Ohnmacht in großer, überheblicher Geste jeden Ausdruck der Lebensfreude ablehnt und dementsprechende Forderungen für das Miteinander der Menschen aufstellt, ist nicht etwa p’litisch, anayltisch oder radikal, sondern will nur im hoffnungslosen Glauben an Erleichterung seine persönliche Neurose in die gesamte Welt externalisieren. Nichts ist kälter und dümmer als die Psyche.

Gleichstellung

Wo ist eigentlich die Sorgerechtsquote für geschiedene Männer geblieben?

Die neue Straßenverkehrsordnung

Der Vorübergehende sagte zu seiner Zeitgenossin auf dem Fahrrad: „Stell dir nur vor, in Sachen Straßenverkehr würden die gleichen politischen Prinzipien angewendet wie in der Wirtschaftspolitik. Stell dir nur vor, der Staat würde sich aus dem Treiben der Straße heraushalten, würde davon ausgehen, dass der möglichst weitgehend unreglementierte Egoismus jedes Verkehrsteilnehmers sich nur frei entfalten muss, damit eine ‚unsichtbare Hand‘ für alle den bestmöglichen Verkehr hervorbringt. In der Folge dieser Idee würde nach und nach jede Verkehrsregel abgeschafft, um die freie Entfaltung des Straßenverkehrs nicht zu behindern. Ausnahmen von der immer weiter vorangetriebenen Deregulierung machte der Staat nur, wenn einmal ein besonders PS-starker Verkehrsteilnehmer einen schweren Unfall baute, um die Folgen für ihn abzumildern; ansonsten wäre jeder auf sich gestellt. Da säßest du aber nicht mehr so gern auf deinem Fahrrad“.

Die Freiheit der Beute

Was an der „neoliberalen“ — in Anführungszeichen, weil weder neu noch liberal — Ideologie der alles von allein regelnden und deshalb unreguliert zu sein habenden Märkte falsch ist, lässt sich in dem stets unausgesprochenen Glaubenssatz zusammenfassen: „Die Beute hat doch die Freiheit, selbst darüber zu entscheiden, ob sie sich fressen lässt.“

Lobotomie

Die Psychochirurgie erreicht ihre Erfolge, indem sie die Phantasie zerschmettert, die Gefühle abstumpft, das abstrakte Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum erschafft.

Walter Freeman, Psychiater, über seine eigene Arbeit

Wer wissen will, was die so genannten „Menschenrechte“ und das Gefasel von der so genannten „menschlichen Würde“ in irgendwelchen Sonntagsreden wert sind, der braucht sich nur anzuschauen, wie unverbindlich derartige Werte dort werden, wo sich Menschen nicht mehr verwirtschaften lassen und keinen Widerstand gegen das zu leisten vermögen, was ihnen zwangsweise widerfahren gemacht wird.

Das heute vielen jüngeren Menschen eher unbekannte Wort „Lobotomie“ bezeichnet einen chirurgischen Eingriff in das Gehirn eines Menschen, bei dem die Nervenbahnen zwischen dem Thalamus und dem Stirnhirn zusammen mit Teilen der grauen Substanz zerstört werden. Bei diesem gleichermaßen recht schnell und einfach durchzuführenden und auf andererseits irreversibel tiefen Eingriff kommt es zu einer Veränderung der Persönlichkeit bei gleichzeitiger Vernichtung der Emotionalität und jeglichen Antriebes. Das Verfahren wird heute nicht mehr angewendet. (Denn es gibt heute andere, reversiblere Verfahren mit einem ähnlichen Effekt, aber dazu später etwas mehr.) Als jedoch in den 1940er Jahren der Psychiater und Leiter der Psychiatrischen Klinik zu Washington D.C., Walter Freeman, ein einfach anzuwendendes chirurgisches Verfahren für die Lobotomie entwickelte, da wurde dieses zu einer Standardtechnik der Psychiatrie, das bis zur Mitte der 1950er Jahre vor allem in den englischsprachigen Staaten, aber auch in vielen anderen Staaten sehr häufig an solchen Menschen durchgeführt wurde, die man für psychisch krank hielt. Es wird geschätzt, dass das Freeman-Verfahren weltweit an einer Million Menschen angewendet wurde — genaue Daten sind nicht ermittelbar, weil sie niemals erfasst wurden.

Dies ist im Zusammenhang damit zu sehen, dass es infolge der Wirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges mit seinen psychischen Traumatisierungen zu einem plötzlichen Anstieg psychischer Erkrankungen kam, die damals nicht medizinisch behandelt werden konnten. Die übliche „Behandlung“ bestand darin, dass die Patienten zwangsweise aus der menschlichen Gemeinschaft herausgenommen, weggesperrt, in engen Zimmern zusammengepfercht wurden und Elektroschocks erhielten.

Als der Yale-Absolvent Walter Freeman aus durchaus humanitären Gründen nach einer Therapie für diese medizinischen „Fälle“ suchte, stieß er auf eine Arbeit des portugiesischen Arztes Egaz Moniz, der für seine darin dargelegte Idee und die Entwicklung eines ersten Verfahrens übrigens im Jahre 1949 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekam, und der in ebendieser Arbeit die Auffassung vertrat, dass man viele psychische Krankheiten heilen könnte, indem man im Gehirn die Nervenstränge vom Stirnlappen zum Thalamus durchtrennt. Offenbar war die Zeit für diese Form der „Behandlung“ psychischer Krankheiten so „reif“, dass es jahrzehntelang niemandem auffiel, dass es keine Studien über die Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Wirkungen eines solchen Verfahrens gab.

Die besondere Leistung Freemans bestand darin, ein sehr einfach anzuwendendes Verfahren zur Durchführung dieses Eingriffes zu finden und dieses Verfahren zu propagieren und in mehreren tausend Fällen selbst anzuwenden. Das Propagieren Freemans war dermaßen beflissen, dass er Operationen nach dem Freeman-Verfahren in Hörsälen und sogar im Fernsehen vorführte, um seine „optimale Behandlungsform“ zu demonstrieren und mit einem Wohnwagen, den er als „Lobomobil“ bezeichnete, von Klinik zu Klinik fuhr, um dort zu „operieren“ und sein Verfahren zu lehren. Das Verfahren war in seiner Durchführung dermaßen einfach, dass Freeman zwei Dutzend Menschen am Tag lobotomieren konnte. Dieses offensive Auftreten führte dazu, dass die damaligen Zeitungen voll mit den Berichten über die „Wunderheilungen“ Freemans waren — offenbar deckte sich der „Erfolg“ der Freeman-Methode mit den Vorstellungen und Wünschen jener Menschen, die ihre verquarzte Gedankenwelt mittels einer Rotationsmaschine auf tote Bäume stempeln konnten und können und so zur Deinung der Massen machen konnten und können.

Beim Freeman-Verfahren der Lobotomie wird keine spezielle neurochirurgische Qualifikation benötigt. Auch die erforderlichen Instrumente sind preisgünstig und stellen keine besonderen Anforderungen an ihre Fertigung; Freeman verwendete anfangs einen Eispickel, später ein speziell gefertigtes Instrument, das einem Eispickel nachempfunden war. Dieses Instrument, welches man in solcher Verwendung eher in einer mittelalterlichen Folterkammer als in einen Operationsaal vermuten würde, wurde unter meist lokaler Anästhesie am Auge vorbei geführt, um mit einem leichten Stoß den dünnen Knochen im oberen Bereich der Augenhöhle zu durchstoßen und so in das Innere des Schädels, in das Gehirn eingeführt werden zu können. Hierzu musste nur ein Augenlid angehoben werden, um die Spitze des „chirurgischen Instrumentes“ am Auge vorbeiführen zu können. War auf diese Weise der Weg in das Gehirn gebahnt, so wurde nach dem Erreichen einer vom Arzt subjektiv bewerteten, „richtigen“ Eindringtiefe durch strokelnde, rotierende Bewegungen der „kranke“ Teil des Gehirnes zerstört. Dieser Eingriff war nicht nur so einfach, dass er auch von Menschen ohne chirurgische Ausbildung ausgeführt werden konnte und auch ausgeführt wurde, er galt überdem als besonders schonend, musste doch nicht eigens der Schädel von oben geöffnet werden. Es blieb nicht einmal eine Narbe zurück, nur ein Bluterguss am Auge legte für einige Wochen Zeugnis davon ab, dass ein Eingriff in das Gehirn vorgenommen wurde. Und. Natürlich auch die irreversibel vernichtete Persönlichkeit des so „operierten“ Menschen.

Kaum war ein solches, billig, einfach und am Fließband anzuwendendes Verfahren verfügbar, schon fanden sich auch viele „Krankheiten“, die damit „behandelt“ werden konnten. Mit einer Lobotomie wurden immer wieder auch ganz bestimmte „Krankheiten“ „geheilt“, wie etwa Kommunismus, Homosexualität, „asoziales Verhalten“ oder auch einfach nur eine Unwilligkeit oder Unfähigkeit, den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen Genüge zu tun. In der Tat lösten sich diese „Krankheiten“ oft in Nichts auf, wenn aus einer lebhaften Persönlichkeit ein emotionsloser, sedierter und zu keiner eigenen Lebensäußerung mehr fähiger Funktionsmensch gemacht wurde. Und auf die gleiche Weise lösten sich auch alljene Krankheiten auf, die man heute noch als Krankheiten bezeichnen würde, etwa bestimmte Formen der Depression, Zwangsstörung und des posttraumatischen Belastungssyndroms. Sie verschwanden einfach zusammen mit der erkrankten Persönlichkeit, während die entkernte Hülle eines Menschen als noch verwertbares Formfleisch zurückblieb. Dass die so behandelten Menschen nicht gerade um Erlaubnis befragt wurden, sondern durch die Verfügung anderer Menschen der als Wissenschaft und Medizin getarnten Barbarei überantwortet wurden, versteht sich von selbst. Niemand, der noch bei Troste ist, lässt das. Mit sich machen.

Über ein Jahrzehnt lang konnte Walter Freeman seine Methode der Lobotomie anwenden und lehren, ohne dass es von medizinischer Seite, von staatlicher Seite oder von der Journaille und anderen Massenmedien zu einem Versuch kam, ihn daran zu hindern. Es gab keine Studien über die Erfolge und mögliche unerwünschte Auswirkungen des Verfahrens, nur subjektiv gefärbte Erfolgsberichte, die vor allem von Befürwortern und Praktizierenden der Lobotomie gesammelt wurden; es gab keine Spur von einer Wissenschaft, die diesen Namen verdient hätte. Es war einfach nur barbarische Willkür, ein am Fließband betriebener Mord am Kern der Persönlichkeit mit der Absicht, den Körper dabei möglichst in einem eher mechanischen Sinn lebendig, also weiterhin funktionsfähig und verwertbar zu halten.

Das eingangs gegebene Zitat Freemans ist übrigens frei von jeder Selbstkritik, er hat seine „medizinischen“ „Erfolge“ wirklich so gesehen, wie sie waren. Und. Genau in dieser Form für gut befunden.

Die massenhafte Lobotomie hörte erst in der Mitte der 1950er Jahre auf, als mit dem Neuroleptikum Chlorpromazin unter dem Markennamen Thorazine das erste wirksame Psychopharmakon in den USA verfügbar wurde — und seitdem werden hinter den Mauern, an denen die so genannten „Grundrechte“ enden, in den psychiatrischen Kliniken, auch immer wieder schwer in den Stoffwechsel des Gehirnes eingreifende Medikamente verabreicht, um Menschen auf diese Weise sediert und gefügig zu halten. Es ist bitter, dass man diesen Medikamentenmissbrauch durch Ärzte als einen Fortschritt betrachten muss, wenn man nur ein paar Jahrzehnte zurückschaut.

Doch auch nach der Erfindung der Psychopharmaka wurde von US-amerikanischen Ärzten immer wieder die Lobotomie als eine günstige „Lösung“ bestimmter Probleme vorgeschlagen.

Als es im Jahre 1967 in Detroit (Michigan) nicht nur das Henry-Ford-Museum, das Labor von Thomas Edison und die alte Werkstatt der Gebrüder Wright gab, sondern auch vorübergehende, aber schwere Rassenunruhen, da wurde im Journal of the American Medical Association ein Leserbrief der nicht nur am Kittel weißen Harvard-Autoren V. Mark, F. Ervin und W. Sweet abgedruckt. Diese sahen eine „fokale Gehirnstörung“ als Ursache der Ausstände, und um weitere Unruhen zu verhindern, sollte es nach Meinung dieser Ärzte völlig ausreichen, diese „Ursache“ operativ zu entfernen. Zwei dieser Autoren, Mark und Ervin, veröffentlichten im Jahre 1970 ihr Buch Violence and the Brain, in welchem sie die Lobotomie als final solution (!) für das Gewaltproblem vorschlugen, zum Beispiel zur Behandlung von Häftlingen, die sich nicht resozialisieren lassen. Auch, wenn dies nicht explizit erwähnt wurde, ist wohl nicht davon auszugehen, dass nach Meinung dieser ganz besonderen Menschenfreunde die so zu verkrüppelnden Menschen vorher um Erlaubnis gefragt werden sollten. Wo die Humanität das ärztliche Eingreifen erfordert, muss der von solchen Ideen besessene Arzt eben tätig und tätlich werden — das ist, um es mit den Worten des Psychiaters L. G. West zu dieser faschistoiden Idee zu sagen, eben ein „biosozialer Humanismus“. Später wurden solche „Argumentationen“ — dem sich ändernden Zeitgeist entsprechend — noch um wirtschaftliche Betrachtungen angereichert; als etwa im Jahre 1979 der Psychiater H. Brown die Lobotomie zur „Rehabilitation“ jugendlicher Straftäter empfahl, da wurde dieser Vorschlag unter besonderer Betrachtung der Tatsache diskutiert, dass eine solche „Wiedereingliederung in die Gesellschaft“ doch mit einem Aufwand von 6.000 Dollar wesentlich kostengünstiger sei als eine lebenslange „Verwahrung“, die im Schnitt 100.000 Dollar kostet.

Wer angesichts dieses Rückblickes glaubt, dass die heutige Medizin frei von Barbarei sei, ist ein Traumtänzer — wie kommenden Generationen die jetzigen Zustände in der so genannten „Pflege“; in der (meist nicht stattfindenden) Palliativmedizin bei Sterbenden, die sich darauf beschränkt, die Menschen in ihrem angstvollen und ungelindert schmerzhaften Verrecken bis zum letzten Atemzug zu verwirtschaften; oder auch immer noch in der Psychiatrie erscheinen werden, das kann man heute schon sehen, wenn man einfach nur hinschaut.

Was es wohl bedeuten mag, dass nach einem Bericht des „Spiegel“ (im Artikel „Abschied vom Kettenhemd“ der Ausgabe 52/2002) die meisten Ärzte ihren Verwandten keine hochpotenten Neuroleptika verordnen würden, kann sich jeder selbst denken; vielleicht hilft solches Denken auch, anderen ärztlichen Verordnungen gegenüber angemessen kritisch zu sein und sich stets selbst zu informieren. Dass es zur Wirkungsweise von Neuroleptika kaum Grundlagenforschung gibt und dass zudem beinahe die gesamte Forschung ausschließlich durch die Hersteller der Medikamente finanziert wird, erinnert angesichts der breiten Anwendung dieser Medikamente alarmierend genug an den „wissenschaftlichen“ Hintergrund bei der massenhaften Durchführung der Lobotomie.

Und wer wirklich glaubt, dass die so genannten „Menschenrechte“ auch für jene Menschen eine Bedeutung und Wirksamkeit hätten, die unter der direkten oder — wegen existenzieller wirtschaftlicher Abhängigkeit — mittelbaren Verfügungsgewalt anderer Menschen stehen, sollte einmal nachschauen, ob er nicht zwischendurch selbst das Opfer einer Lobotomie geworden ist. Das zeitgemäße Verfahren der „Lobotomie durch Fernsehen und Massenmedien“ scheint — wie ich immer wieder bei meinen Zeitgenossen feststellen muss — von verheerender Wirksamkeit zu sein.

Existenz

Existenz - Die Fachhochschule Hannover bietet in Kooperation mit hannoverimpuls Workshops zum Thema Existenzgrünung in den kommenden zwei Monaten vom...

Unter den vielen Bullshit-Wörtern des gegenwärtigen Neusprechs spiegelt wohl kein anderes so sehr die Tatsache wider, dass dem nicht völlig verwirtschafteten Leben eines Menschen jeglicher Anspruch auf ein Sein abgesprochen wird, wie dieses eine Wort „Existenzgründung“.

Zeichen der Dummheit

Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Sigmund Freud

Wer es gewohnt ist, seine intellektuellen Fähigkeiten zu benutzen, der sieht mit Leichtigkeit das Gemeinsame in allen Religionen der Menschheit und zieht daraus mit ebensolcher Leichtigkeit den Schluss, dass sie aus dem gleichen psychischen Material gestrickt sind, dass sie ein Ausfluss der psychischen Bedingtheit des Menschen sind. Er sieht auch schnell das Gemeinsame in den modernen Para- und Ersatzreligionen, die als vielfältige Ideologien und sonstige Idiotien dem Miteinander der Menschen in den so genannten „aufgeklärten“ Gesellschaften ihren Stempel aufdrücken sollen — dies oft mit der gleichen Intensität der Gewalt, mit welcher in früheren Zeiten die Religion den Menschen in den „gläubigen“ Gesellschaften ihren Stempel eingepresst hat, und auch mit der gleichen, stumpfen Dummheit und Lebensverachtung. Er sieht auch das Gemeinsame zwischen Religion und Ideologie in ihrem psychischen Material, und er versteht, wieso derart ähnliche Pflänzchen aus diesem sumpfigen Boden erwachsen können, obwohl doch die formulierten Grundlagen so verschieden klingen. Er versteht daraus auch das Gemeinsame des Aberglaubens, sieht gar nicht mehr den großen Unterschied zwischen Marienerscheinungen, allerlei Wundern und Personenkulten gegenüber religiösen Führern auf der einen Seite und „unsichtbaren Händen“, abstruser statistischer Magie und Personenkulten gegenüber wirtschaftlichen und politischen Herrschern auf der anderen Seite. Und. Er kann daraus einen für ihn vernünftigen Schluss ziehen und danach leben, wenn es ihm in dieser feindseligen Umgebung auch oft sehr schwer fällt.

Nicht so der Dummkopf. Dieser. Sieht nicht die Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede, und er lässt sich mit Leichtigkeit und nur einem wenig losem Geschwätz dazu übertölpeln, diese kleinen Unterschiede zu riesigen Angelegenheiten aufzubauschen, ja, sie zur Grundlage eines irrationalen Hasses und eines geradezu existenziell wirkenden, mit Angst- und Hassreden transportierten Missionstriebes zu nehmen. Er belegt in diesem von seiner Dummheit hervorgebrachten Verhalten (es ist kein Handeln) nicht nur offen seine Dummheit, er wird auch zum nützlichen Deppen für jene Wenigen, die von der Unterdrückung des Geistes bei der Mehrzahl der Menschen profitieren.

Ideologie

Die Ideologie ist ein psychisches Bastardkind der Religion und hat die gesamte Schlechtigkeit der Religion geerbt. So jung die Idee ist, dass man Gesellschaften nicht mehr unter der althergebrachten Geistesknute einer Religion, sondern stattdessen unter der moderner und aufgeklärter eingewickelten Geistesknute einer Ideologie zusammenzuhalten sucht, so dick wäre das Schwarzbuch, das man mit den Barbareien im Namen irgendwelcher Ideologien — sei es der Kommunismus, sei es die Idee des Marktes als Grundlage des menschlichen Miteinanders oder sei es die vollends irrationale Idee eines unbegrenzten Wachtums auf der Grundlage begrenzter Ressourcen — auf tausenden bluttriefender Seiten mit Dokumenten des intellektuell begründeten Unmenschentums im Namen des Fortschrittes füllen könnte. Es stünde einem Schwarzbuch der Religion wohl in keinem Punkte nach, weder in seinem Umfang, noch in der mechanisch anmutenden, wahnhaften Kälte der darin dokumentierten Lebensverachtung. Zukünftige Generationen, so es sie überhaupt geben wird, werden es zu schreiben haben.  Und.  Sie werden sich vor die Aufgabe gestellt sehen, die psychischen Mechanismen, die Religion und die als Ideologie verpackte Parareligion hervorbringen zu überwinden, endgültig zu überwinden.  An die zurzeit existierende Menschheit zu glauben, käme einer Kapitulation des Intellektes gleich.