Tag Archive: Twitter


Der passende Leitspruch für Twitter

Ein Vergleich, der nicht hinkt, ist eine Diskriminierung von Gehbehinderten.

Werbeanzeigen

Der Zensor liest

Ich komme mir zensiert vor, von einer Maschine halbautomatisch aussortiert

Sebastian Bäumer [Archivversion]

Der mechanische Zensor aus dem braunen, kalten Traum des Technokraten und des Innenpolitikers, er sucht nur Stellen, er kann deinen Satz ja nicht und niemals lesen.

Doch wer dann immer noch die Welt darum bittet, den mechanischen Zensor anzuschreiben und um Gnade zu winseln, weil die Sehn-Sucht nach der täglich verabreichten Social-Media-Droge auch nach gehörigen Demütigungen und schmerzhaften Psychostrafen noch erhalten bleibt, sollte gründlich über einen Wechsel des Rauschmittels nachdenken. Verglichen damit. Ist ja Heroin noch würdevoller!

Wie in der CDU argumentiert wird

Tweet von @HHirte, verifizierter Account von Heribert Hirte (CDU) vom 25. Februar, inzwischen gelöscht: Natürlich #Artikel13 - der im Übrigen auch die User schützt. Plattformen sollen sich mit Künstler über Lizenzen einigen. Gelingt dies nicht, schafft #Urheberrechtsreform nun Wege für fairen Ausgleich zwischen Plattformen und Kreativen #GeistigesEigentum -- Erwiderung von @Angriffsmacht: Und wie finden sie heraus, wer der Künstler ist? Wie finden Sie heraus, ob der Inhalt lizenziert ist oder nicht? Geben Sie doch einfach zu… SIE haben keinerlei Ahnung davon. Treten sie bei Seite (sic!) und lassen Sie einfach die nächste Generation ran! -- Antwort von @HHirte: Nur dass ich mehr Follower habe als Sie...

Der peinliche Tweet wurde von Heribert Hirte (CDU) inzwischen gelöscht und wird hier nur gegen das Vergessen im Internet als Screenshot erhalten — wäre ja schade, wenn in Vergessenheit geriete, mit welchen „Argumenten“ eine datenschutz-, nutzer-, künstler und kulturfeindliche privatwirtschaftliche Vorzensur im Internet zum gesetzlichen Zwang gemacht werden soll.

Übrigens, Herr Hirte: Ich habe mehr Musikstücke komponiert, arrangiert und aufgeführt als Sie. Wer „geistiges Eigentum“ haben möchte, behält es am besten schön privat in seinem Köpfchen, und genau das hätten Sie besser mit ihrer dümmlichen Erwiderung getan.

Twittervorleser

Ein Tagesschau-Journalismus in den letzten Zuckungen der Zehner Jahre, der mit ernstestem Tonfall in den 20:00-Uhr-Nachrichten ein „Präsident Trump teilte über Twitter mit…“ über die Lippen bringt, um dann ihren Zuschauern den Tweet in indirekter Rede wiederzugeben, kann gepflegt sterben gehen.

Der Börsenwert

Der so genannte „Börsenwert“ ist so weitgehend von der wirtschaftlichen Wirklichkeit der damit an einem Wettzettelmarkt bewerteten Unternehmungen entkoppelt, dass ein einziger Tweet reicht, um ihn zu manipulieren und um elf Prozent zu verschieben. [Archivversion] Das hindert Journalisten aber nicht daran, die Zahlen und Entwicklungen zu vermelden, als handele es sich dabei um richtige Nachrichten.

Wer ungefilterte und unzensierte Kommunikation im Internet haben möchte, darf halt keine Dienste benutzen, die willkürlich einsetzbare Filter- und Zensurmöglichkeiten haben. Die meisten Menschen sollten doch immer noch etwas mehr Gehirn haben als der gegenwärtige Präsident der USA.

Über tausend Herzchen…

Tweet von @PolizeiMuenchen, verifizierter Account: Eine traurige Nachricht: Die Zahl der Toten steigt auf 8. #Schießerei #oez #münchen -- Gefällt: 1083

Twittermatrix

Menschen sitzen vor ihrer Twitter-Timeline (oder haben sie im Telefon) und schauen drauf, als blickten sie mit leeren Augen in die Matrix — nur getröstet durch die klebrige Illusion, dass sie externe Beobachter der Matrix seien.

Social Media

„Social Media“, sagte der Vorübergehende, „diese sozialprostitutive Infantilsierungs- und Verdummungsmaschine, in der selbst die aufmerksameren Menschen erst ein Stubserchen mit dem Presslufthammer bekommen müssen, bis sie kurz bemerken, was es wirklich ist: eine Stasi-Akte zum Selberschreiben. Aber keine Sorge, schnell schnell wird es wieder verdrängt und vergessen, denn das Buhlen um Aufmerksamkeit und mechanisch-nekrophile Technokuscheleien in Herzchen- und Däumchenform auf den S/M-Websites¹ verträgt sich gar nicht mit der auch nur leisesten Idee von menschlicher Würde und von Privatsphäre“.

¹S/M ist meine Abk. für „Social Media“. Aus Gründen.

Was am Ende herauskommt

Twitter, dieses „Licht“ am Enddarm des Internet.

Tweet von Hans-Jörg Vehlewald, Chefreporter für Politik bei der Bildzeitung: '#70.auschwitz.org TV-Reporter im Schnee (Felljacke,Winterstiefel), beginnen zu verstehen, wie Überlebende vor 70 J. im Häftlingshemd litten'

Werter „Qualitätsjournalist“!

Ich möchte dich nur darauf hinweisen, dass ich die von dir seit Monaten gelieferten Artikel nicht benötige, in denen du deinen Lesern erzählen willst, was „das Netz“ über irgendein Ereignis „denkt“. Ja, genau so drückst du dich wirklich aus. Es ist für mich — und vermutlich für beinahe jeden deiner Leser — völlig verzichtbar und nicht das Verständnis bereichernd, dass du ein paar ausgewählte Textstummel vom — wie du das auch immer so wortblendend pseudosachlich nennst, ohne damit der Sache auch nur entfernt gerecht zu werden — „Kurznachrichtendienst Twitter“ zitierst, diese als „Denken des Netzes“ bezeichnest und mit ein paar entbehrlichen, durchaus mit Übung, aber dafür ohne Geist geschriebenen und professionell glatten Worten ausstopfst, um sie zu einem schnell verfassten und recht inhaltslosen 800-Wort-Artikel auf deiner „qualitätsjournalistischen“ Website aufzubauschen. Ich weiß nicht, ob es dir klar ist, aber die Menschen, die diese „qualitätsjournalistische“ Website betrachten können, können auch Twitter betrachten oder sogar aktiv mitbenutzen, und die Verwendung einer offen sichtbaren Suchfunktion stellt kaum jemanden vor eine so hohe Hürde, dass du dich als Berichterstatter des Nonsens hinstellen müsstest, um ein paar Ergebnisse deines „qualitätsjournalistischen“ Suchens zu einem Thema abzuschreiben.

Eine Frage allerdings, werter Qualitätsjournalist, die will mir einfach nicht aus dem Kopf: Wie viel Geld bezahlt dir und deinen Kollegen eigentlich diese Klitsche ohne seriöses Geschäftsmodell¹ namens „Twitter“ dafür, dass du ihren Webdienst immer und immer wieder als das „Denken des Netzes“ vor die Augen deiner von dir verachteten und zum spiegelnden Ausgleich von deiner Tintenkleckserei zu Tode gelangweilten Leser stellst und zitierst? Oder bist du etwa so dumm und machst derartig aufdringliche Schleichwerbung im redaktionellen Teil kostenlos?

Wenn du schon nicht damit aufhörst, wäre es nett, wenn du wenigstens diese Frage beantworten könntest. Keine Antwort ist übrigens auch eine…

Dein dein Geschreibe „genießender“
Nachtwächter

¹Davon leben zu wollen, dass man die Kommunikation der Menschen mit unerwünschter Reklame vergällt, ist kein seriöses Geschäftsmodell und letztlich zum Scheitern verurteilt.