Tag Archive: Frage


Die Schwarze Null

Nach vier Dekaden neoliberaler Wirtschaftspolitik muss gefragt werden, warum der keynesianische Staat mit seinen enormen Ausgaben für den Aufbau des Wohlfahrtstaates und den Wiederaufbau der Infrastruktur nach der flächendeckenden Zerstörung durch den zweiten Weltkrieg mit einer signifikant niedrigeren Schuldenquote auskam als der neoliberale Staat, der den Schuldenabbau auf seine Fahne schrieb und einen drastischen Sozialabbau betrieben hat?

Norbert Häring

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Zeitglück

Man sagt, dass Schaden klug mache.
Aber macht im Spiegelbild das Glück die Menschen dumm?
Wenn ja,
Kommen bald schlauere Zeiten.

Gleichstellung

Wo ist eigentlich die Sorgerechtsquote für geschiedene Männer geblieben?

Adblocker

Wie viele von den Journalisten, die trotz ihrer ausbeuterisch miesen Bezahlung durch Verlagsmilliardäre immer wieder einmal schreiben, dass die Adblocker für Webbrowser den Journalismus zerstören, weil sie seine Finanzierung verhindern, werden wohl selbst bei jeder Recherche im Internet Adblocker benutzen, einfach nur, um schnell und unabgelenkt lesen zu können, was sie lesen wollen oder müssen?

Abendlandsverteidiger

Wieviele von denen, die zurzeit das „christliche Abendland“ so bedroht sehen, dass sie deswegen auf Demonstrationen gehen, wohl jeden Sonntag in die Kirche gehen…

Akteneinsicht

Wo kann ich in der BRD eigentlich beantragen, mir einmal in aller Ruhe die Akte anzuschauen, die der BRD-Inlandsgeheimdienst „Verfassungsschutz“ über mich angelegt hat?

Von morgen

Ob wir wohl die Neandertaler von morgen sind, oder doch eher die Dinosaurier?

Nasse Mauer

Ob Frontex in seinen beinahe zehn Jahren Mittelmeer-Meucheln wohl schon mehr Menschen in ein nasses Grab geschickt hat, als DDR-Grenzsoldaten — unter großem Aufschrei der Springerpresse und des Staatsfernsehen für jeden Einzelfall, damit auch jeder das mörderische Unrecht mitbekomme — über gut drei Jahrzehnte hinweg DDR-Fluchtwillige erschossen haben?

Beim ersten Blick auf die „Huffington Post“

Kann diese von unbezahlten Ausbeutlings-Autoren zusammengestellte, kommerzielle Müllhalde dieses „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ für sich in Anspruch nehmen?

Wie diese ganzen „Apps“ entstanden sind?

Wie viele „Apps“ für Wischofone und Wischopads wohl nur deshalb entstanden sind, weil am Mittwochmorgen ein latent psychopathischer Manager ohne vertiefte technische Kenntnisse, aber dafür mit Sehnsucht nach einer noch höheren Gehaltsklasse in einem übermüdeten Meeting sinngemäß folgendes sagte: „Ich habe jetzt ein iPad, und da kann man ‚Apps‘ draufmachen, und deshalb brauchen wir jetzt eine ‚App‘!“?

Übers Bloggen (21): Wie viele Blogger…

Wie viele Blogger sind wegen PRISM von Facebook weggegangen? Wie viele von Twitter? Oder von Google Plus? Oder von einem ähnlichen „kostenlosen“ Web-Angebot, das aus der Sicht seiner Betreiber dafür da ist, menschliche Kommunikation in einen sozial optimierten Geschäftsvorfall zu verwandeln? Das also nicht in erster Linie zum Nutzen der Menschen da ist, sondern um ein fragwürdiges Geschäftsmodell zu ermöglichen?

Wie viele von denen, die sich in schwärmerischen, feuchten Träumen für eine „digitale Elite“ halten (und sich von der Scheißpresse und von den Scheißwerbern gern den extraklebrigen Honig ums Maul schmieren lassen, sie seien digital natives), nur, weil sie Blogs dank einer fertigen, leicht benutzbaren Blogsoftware auf dem Niveau pubertärer Poesiealben mit „Inhalten“ füllen können, haben innerhalb der letzten vier, fünf Wochen irgendeine Konsequenz für ihre Internetnutzung gezogen? Wie viele haben mit jedem Versuch aufgehört, möglichst viele ihrer Leser zu Anbietern wie Twitter, Google, Facebook, etc. mitzunehmen, um dort große Zahlen von „Followern“ zu haben, sich selbst zum Schwanzvergleich, und den Geheimdiensten zur sehr interessanten Offenlegung menschlicher Beziehungen und konvergierender Interessen von Menschen.

Wie viele haben nur den JavaScript-Tracking-Schnippsel von Google Analytics entfernt; eine Vorrichtung, die ihnen nur ein paar Zahlen gibt, also nicht einmal eine Spur von wirklichem Wert?

Wie viele haben ein letztes Mal ihr blinke geiles Gadget gestreichelt und sich gesagt: „Es ist eine verdammte Trackingwanze, ein Trojaner, der nicht auf meinem Computer läuft, sondern inzwischen auf meinem ganzen Leben — und dabei war die Illuision doch gestern noch so schön“? Um dann einzusehen, dass eine Systemreinigung nötig ist; eine Systemreinigung nicht nur des Computers, sondern des ganzen Lebens, bei der auch etwas mittlerweile Liebgewonnenes (und auch etwas Teures) unrettbar verloren geht? Wie viele sind wenigstens von der wie eine Alarmglocke schrillenden Kombination wach geworden, dass die Google-Street-View-Wagen im Vorbeifahren alle WLANs gesnifft haben und dass die smart phones mit Googles Android-Betriebssystem bei ihrer Backup-Funktion unverschlüsselt WLAN-Passwörter an Google übertragen?

Wie viele wollen auch nur wissen, was zusammengeführte Daten in den Rechnenzentren der Allesüberwacher alles offenlegen? Und wie wenig darin noch verborgen bleibt?

Wie viele sind bereit, auszuprobieren, was der Preis der Privatsphäre ist? (Während ich das schreibe, habe ich nebenbei beim Kommunizieren meine kleinen Schmerzen mit GnuPG. Kryptografie ist weder einfach noch reibungslos. Auch für erfahrene Computernutzer nicht.) Wie viele sind bereit, reflektierend abzuwägen, wo sich dieser Preis lohnt? Und wofür er sich lohnt?

Wie viele haben so einen Gedanken auch nur laut gedacht? Bloggend, also mit Außenwirkung? Gedacht? Um zu helfen, dass andere diesen Gedanken mitdenken? Um wenigstens etwas geistige Tätigkeit vor der Resignation gegenüber dem big brother zu zeigen, wenn es schon nicht zu einer Umkehr kommt?

Unreflektierte Resignation. Ist keine besonders intelligente Haltung. (Und selbst die reflektierte Resignation kann dumm wirken, ich werde oft von Mitmenschen als „dumm“ bezeichnet.)

Wie viele Blogger aus der so genannten „Piratenpartei“ — die zumindest aus meiner etwas fernstehenden Sicht von einer ungut-naiven Technikverliebtheit geprägt ist — ja, wie viele von dieser kleinen Untergruppe der Bloggenden haben wenigstens einen dieser Gedanken verbloggt?

Und. Wie viele Blogger würden sich sofort eine Software des Verfassungsschutzes, der NSA oder des Geheimen Weltamtes für totale Unterdrückung installieren, wenn man ihnen nur erzählte, dass diese Software Besucher auf ihr Blog bringt; Besucher, die Werbeeinnahmen und gefühlte Bedeutung mit sich bringen? Wie viele Blogger dokumentieren im Moment nur ihre dumme Gleichgültigkeit, wenn sie ihr Blog zu einem Vehikel für die Reklameklickgroschen machen und diesem Zweck das Erfordernis weniger erfreulicher und weniger leicht verdaulicher Mitteilungen unterordnen.

Und. Wie viele dieser Blogger betrachten sich zu allem Überdruss auch noch als politisch?

Und. Warum wundern sie sich noch über ihre Bedeutungslosigkeit?

Geistige Eigentümlichkeit

In welcher Unternehmung wohl zu ersten Mal ein intellektuell etwas unbewaffneter Mitarbeiter auf die Idee gekommen ist, unter jeder Mail an die Kunden in einer Fußzeile mit einer Standardphrase das Copyright auf dem Inhalt der Mail zu deklarieren und sich alle Rechte an diesem zwar meist mechanisch erzeugten, aber doch unfassbar wertvollen „Geistigen Eigentum“ vorzubehalten? Und warum in dieser Unternehmung wohl die ganzen Jahre vorher kein Mensch auf die Idee gekommen ist, einen gleichermaßen absurden und lächerlichen Text unter die normale Papierpost stempeln zu lassen? Und welche merkwürdig gestrickten Menschen in den ganzen anderen im Internet geschäftemachenden Unternehmungen in der folgenden Zeit wohl auf die sinnfreie Idee gekommen sind, diese unpersönliche und nutzlose Zeile Textes in ihren elektronischen Schriftverkehr zu übernehmen? Ob sie dabei wohl geglaubt — vom Denken mag ich bei solchem Denkverzicht nicht sprechen — haben, dass eine E-Mail wichtiger klingt und seriöser wirkt, wenn sie um eine idiotische und von niemanden gelesene Phrase angereichert wird, die doch vor allem wie eine geistige Eigentümlichkeit klingt, und zwar wie eine höchst lächerliche? Oder ob sie sich einfach gar nichts geglaubt haben und in einer kindischen Geste irgendwelche Rechte deklarieren, weil es ja Internet ist… denn genau das ist ja der Eindruck, der von einer solchen Phrase recht zuverlässig erweckt wird, wenn man sie trotz ihrer Belanglosigkeit bewusst wahrnimmt und nur kurz darüber nachdenkt.

Wenn sich geschäftliche Kommunikation ins Internet verlagert, hat der Verstand einen schweren Stand.