Tag Archive: Rant


Berlin (dpa). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat vor dem Hintergrund deutlich steigender Corona-Infektionszahlen erneut an die Bürger appelliert, durch weniger Kontakte bei der Eindämmung der Pandemie mitzuhelfen. „Wir sind nicht machtlos gegen das Virus, unser Verhalten entscheidet, wie stark und wie schnell es sich ausbreitet. Und das Gebot der Stunde heißt für uns alle: Kontakte reduzieren. Viel weniger Menschen treffen“, sagte sie in ihrem Videopodcast.

(Nein, Herr Presseverleger, für so ein direktes Übernehmen von dpa-Meldungen gibt es keine Links von mir. Sie hätten ja doch nur so viel Wert wie eine Postwurfsendung mit Reklame.)

Während Angela Merkel uns in ihrer wöchentlichen Jahresendansprache erklärt, was das Gebot der Stunde ist, läuft in Hannover im Niedersachsenstadion (aktuell als „HDI-Arena“ vermarktet) das Zweitligaspiel Hannover 96 gegen Fortuna Düsseldorf vor genehmigterweise bis zu 9.800 Zuschauern, die sich auf ihrem Weg in Richtung Stadion und beim Warten am Einlass nicht so fern voneinander halten konnten, wie sie dann im Stadion auseinandergesetzt wurden. Während Angela Merkel uns in ihrem schlechten Theater erzählt, dass wir viel weniger Menschen treffen sollen, läuft auf dem hannöverschen Schützenplatz das hannöversche Oktoberfest, ein Prosit der Gemütlichkeit. Während die Presseagenturen und die Reklamevermarktung des Presseverlegerwesens melden, dass wir mit unserem Verhalten darüber entscheiden sollen, wie schnell sich Corona ausbreitet, wurde in Hannover-Laatzen auf dem Messegelände gerade die Infa beendet.

Sowohl Infa als auch Fußball als auch Oktoberfest sind hier behördlich abgenommen und genehmigt worden. Schließlich wird dabei ja auch Geld umgesetzt, viel viel Geld. Wenn heute in Hannover drei Menschen in Nachbarschaftshilfe anlässlich eines Umzuges in einer Wohnung die Wände streichen, ist das hingegen illegal und wird mit einem gesalzenen Bußgeld bestraft, wenn sich diese Menschen beim Ausüben ihrer Menschlichkeit von der Polizei erwischen lassen. Egal, wie gut die dabei lüften, wie sorgsam sie das Mund-Nasen-Wärmtuch über Mund und Nase ziehen und wie angemessen vorsichtig sie sind.

Frau Merkel, sie vielbestiegen duftendes Lustmädchen der Wirtschaft und der Mafia, sie von Pastoren und FDJ geschultes und völlig empathie- und schambefreites Lügenmaul mit ihrem Mund voller schillernder Sprechbläschen mit luftigsten Inhalt und sie korrupte Politdarstellerin mit ihren Händen, die vor lauter empfangenen Zuwendungen und Festhalten an der politischen Macht nicht mehr handeln können: Sie und ihre ganzen Schergen und Speichellecker können mich mal gepflegt im Arsche lecken! Ihre furzwarmen Worte aus ihrer selbstverherrlichend-verlogenen Internetbewochenschauung können sie sich gern in diejenige Leibespforte zurückstecken, aus der sie ihnen entfleucht sind.

Seuchenbekämpfung ist übrigens Bundessache, die folglich auch durch ein Bundesgesetz geregelt ist. Wenn sie mir das nicht glauben, Frau Merkel, weil ich nur so ein dahergelaufener Blogger in diesem Neuland voller fake news und hate speech bin, dann fragen sie einfach mal den Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages, der ihnen unentgeltlich zur Verfügung steht. Leider gibt es Wichtigeres für ihre aus Seilschaften und Korruption bestehende Bundesregierung als die Gesundheit und körperliche Unversehrtheit der Bewohner der Bundesrepublik Deutschland, und das merkt man als Bewohner der Bundesrepublik Deutschland.

Die schlimmsten und gefährlichsten Coronaleugner sind nicht irgendwelche in der Lupe des miesen Jornalismus bizarr vergrößerten Demonstranten, sondern die Coronaleugner in Politik und Verwaltung. Die zweite Welle ist politisch mindestens inkauf genommen, wenn nicht gar planvoll politisch gewollt und herbeigeführt. Was ein logistisches Wachstum — in seiner frühen Phase kaum von einer Exponentialfunktion zu unterscheiden — ist, das sollte der ehemaligen Naturwissenschaftlerin Angela Merkel noch sehr bewusst sein, denn sie hat es im Studium gelernt.

Treten sie zurück, Frau Merkel! Wegen ihrer Verbrechen vor ein Gericht gestellt werden sie ja leider nicht in ihrer Bundesrepublik Bananistan, und sollte es doch so weit kommen, wiederholen sie einfach die „Ehrenwort“-Nummer ihres CDU-Vorgängers Helmut Kohl. Gefängnisse sind hier leider nur für Schwarzfahrer, Cannabis-Raucher und Hartz-IV-Containerlebensmitteldiebe vorgesehen, nicht für eiskalte Schreibtischmörderinnen wie sie.

Ableismus

Gegen wen ich denke? Gegen diejenigen, die es mir verbieten.

Stanisław Jerzy Lec, ᛉ 6. März 1909, ᛣ 7. Mai 1966

Schlag den Geist tot, und hau auf die Leiche noch einmal mit der größten Keule drauf, die du mit dem Muskel deiner dürftig getarnten Zerstörungslust hauen kannst, damit sie auch wirklich liegen bleibt! Sieh zu, dass jede denkbare Zivilisation und jede Spur von Kultur reglos und kalt danebenliegt! Schreiben ist übler Ableismus, der Analphabeten und Schwachsinnige ausgrenzt, und Sprechen ist nicht besser, werden damit doch alle ausgegrenzt, die deine Sprache nicht verstehen. Liebes Genosse Mitmensch, mit deinem zur Rechtfertigung und Heiligsprechung eigener Dummheit und Unfähigkeit vorgeschobenen Schutz von Minderheiten und Schwachen, mit dem du Intelligenz, Können, Kraft und Fähigkeit zu einer Art bekämpfenswerten „Faschismus“ erklären willst, ohne diese kranke Idee auch nur ein einziges Mal zu Ende gedacht zu haben, weil du immer nur von der Tapete bis zur Wand denkst: Begib dich schweigend, höchstens noch tierhaft affektgetriebene Grunzlaute von dir gebend ins Erdloch zu deiner von dir so innig geliebten kulturlosen Natur des kalten, apparathaft psychischen Fressens und Gefressenwerdens und hab dort ein schönes Leben in einer Welt von Dummheit, Not, Hunger und Angst, in der jeder Schwache und Langsame nichts anderes als eine Kalorien- und Proteinquelle ist! Aber was du nicht bist, das will ich dir vorher noch sagen: Du bist nicht eine Spur intellektuell, politisch, kritisch oder analytisch, sondern ganz im Gegenteil. Dass das, wohin du gehst, nicht das Paradies und nicht das Schlaraffenland ist, wirst du schon selbst bemerken.

Die Lüge vom Klimaschutz

„Erspar mir die Lüge vom Klimaschutz“, sagte der Vorübergehende in einem selten genervten, ja, beinahe aggressiven Tonfall, „denn die Menschheit hat längst beschlossen, alles zu verbrennen, was brennbar ist! Und. Sie setzt diesen Beschluss mit eisernem Willen, stählernen Maschinen und gnadenloser Profitgier um. Und. Die Menschheit hat beschlossen, wirklich jeden halbwegs brennbaren Stoff mit Gewalt aus dem Planeten rauszuquetschen und anzuzünden, sei er auch noch so gefährlich, giftig oder minderwertig. Und alle. Machen mit. Wenn in diesem Kontext allmedial von einem angeblichen Klimaschutz und von einer erforderlichen Reduktion des Kohlendioxids in der Erdatmosphäre gelogen wird, dann hat das nur einen einzigen Sinn: Die propagandistische Vorbereitung darauf, dass man demnächst Klimaschutzsteuern einführt, die am Ende über gestiegene Verbrauchspreise ausschließlich von jenen Menschen bezahlt werden, die am wenigsten besitzen, ohne dass sich etwas am Verbrennen ändert. Vielleicht gibt es ergänzend sogar Klimaschutzlotterien, damit man auch noch freiwillig Steuern zahlen kann und ein paar emsige Speichellecker der Classe politique ein gutdotiertes Pöstchen bekommen können, mit integrierter Wohltäterpose in der Samstagabend-Fernsehgala, versteht sich. Begrab deine Erde im Hambacher Forst, du dummer Staats- und Mediengläubiger im unreflektierten Strom der immer neuen Nachrichten! Längst ist es beschlossen: Die ‚Autos der Zukunft‘ fahren nicht mehr mit Benzin, sondern mit Braunkohle“.

March for Science

So lange es der universitäre Betrieb hinnimmt, dass an den Hochschulen mit reicher staatlicher Subventionierung Fächer gelehrt werden, deren Kern in der unverholenen Leugnung von biologischen und medizinischen Tatsachen besteht, die breit mit naturwissenschaftlicher Methodik belegt und gesichert wurden, so lange bleibt jeder „March for Science“ lächerlich. Geht an eure Universitäten zurück und schmeißt dort die Gender Studies raus, bevor ihr auf die Straße geht und damit den Menschen und Politikern den Unterschied zwischen Fakten und Meinungen erklären wollt, ihr Fachidioten! Der Schoß, der den sprudelnden, jeden Verstand mit sich reißenden Bullshit gebiert, hat sich auch längst in eurer Mitte geöffnet.

Werte Frau Nocun…

Werte Frau Nocun, nicht Facebook muss seine Mauern einreißen — warum sollten die das auch tun, ihr Geschäft scheint ja prächtig zu laufen — sondern jene Menschen, die unzensiert, dezentral und über standardisierte Protokolle miteinander kommunizieren wollen, sollten sich unbedingt einmal überlegen, ob es dafür nicht schon seit vielen Jahren eine bewährte, einfacn zu verwendende und überdem zensurresistente Lösung gibt. Wir hatten damals ja so etwas, was sich USENET nannte. Inzwischen, nachdem die ganzen diskussionsunfähigen Barbaren trampelnd zum Fratzenbuch¹ rübermarschiert sind und den Ewigen September vom USENET ins Web getragen haben, könnte es dort auch wieder recht erträglich sein.

Ach, so etwas wie das olle USENET kennt man beim „Chaos Computer Club“ nicht mehr und holt sich deshalb Redner_innen mit Parteipolitikhintergrund, die wie in einer Wahlkrampfrede heiter Bullshit und Gewaltforderungen an Staaten (in der Geschmackrichtung: Unternehmen zu etwas zwingen) in die Mikrofone reden? Weil man beim CCC inzwischen keinen Wert mehr darauf legt, dass Menschen mit Wissen und Werkzeug dazu befähigt werden, sich selbst zu ermächtigen? Auch gut. Dann können diese ganzen Zuhörer, die etwas gegen „Gated Communities“ haben, ja eifrig nach ihrem enteignenden Smartphone mit Apfellogo greifen, um das der Welt mitzuteilen. Ich wünsche dem „Chaos Computer Club“, der sich immer weiter gleichzeitig parteipolitisiert und damit entpolitisiert sowie von fachlicher Kompetenz abwendet, auch weiterhin viel Spaß an der Ersatzhaltestelle. Wenn das Internet im Handy ist, ists Gehirn im Arsch.

¹Von mir gern verwendeter Kosename für „Facebook“.

Demonstration der Dummheit

Wer auf die Straßen geht, „für den Frieden“ demonstriert und dabei zum Zeichen seiner ganz besonderen Friedensliebe ausgerechnet die Flagge eines Staates oder einer Organisation in die fahle Brise hält, der oder die mit aller barbarischer Mordgewalt den Krieg führt, ist ein dummer Lügner, der demonstriert, dass er Staaten und Organisationen für wichtiger als jene Menschen nimmt, die zum Vorwand seines Demonstrierens herhalten müssen und so durch den Demonstranten noch einmal zum Opfer gemacht werden. Er sollte unbedingt bei ein paar Monaten ohne Propaganda in aller Ruhe über seine Manipulierbarkeit reflektieren.

Die „Staatskrise“

Eine Journaille, die erst dann bemerkt, was für ein Staat die USA sind, wenn die Geheimdienste der USA zur Abwechslung auch einmal das tun, was alle Geheimdienste dieser Welt tun: An möglicherweise interessanten Stellen Informationen beschaffen. Eine Journaille, die nicht bemerkt, was für ein Staat die USA sind, wenn die Geheimdienste der USA das tun, was man sonst vor allem von den dienstbeflissenen Schergen mörderischer Regimes der jüngeren Vergangenheit kennt: Möglichst jeden Menschen anlasslos und permanent überwachen — und weils die USA sind, dieser staatgewordene Götze des Planeten, über dessen Haupt zum Hohn ein Banner der Freiheit in den kalten Lüften hängt, damit die zertrampelten Leichen unter den Füßen nicht mehr so leicht gesehen werden, dies eben auf der ganzen Welt. Und. Journalisten im Brote der Verlagsmilliardäre, die möglichst viele bedeutungsschwere Wörter zu erstaunlich dunklen Texten aufbauschen, in denen von schweren Staats- und Vertrauenskrisen die Rede ist, weil die Spione zur Abwechslung mal althergebracht spionieren, statt einfach nur jeden verdammten Menschen auf diesem Überwachungsplaneten durch möglichst lückenlose Überwachung jeder Kommunikation unter Kontrolle zu halten.

Tja, wer diese intelligenzverachtenden Pressemachwerke auch noch kauft und sich seine politische Deinung daran bildet, der hat wahrlich seine Freiheit nicht verdient: Zeitungsleser! Geh auf deinen Hundeplatz! Morgen schon kommen deine Borgimplantate…

Netzpolitik. Ein Rant.

Netzpolitik. Ist. Bullshit. Punkt.

Menschenrechte. Müssen. Unteilbar. Sein. Oder sie sind nicht. Punkt.

Was geschähe wohl, wenn ein bestimmtes Menschenrecht — sagen wir mal, um nichts von diesem ominösen „Netz“ zu sagen, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit — in einem bestimmten Bereich der von diesem Recht gemaßregelten Gemeinschaft nicht gälte? Was würde ein Staat tun — wir wissen oder wenigstens ahnen ja hoffentlich alle, dass der Staat, in dem wir gerade leben, genau in diesem Moment lauter Dinge tut, von denen uns glauben gemacht werden soll, dass sie nur von anderen Staaten getan werden — wenn es in diesem einen Bereich das Schutzrecht der Menschen gegen den Staat nicht gäbe? Oder wenn es niemanden interessierte, dass es dieses Recht dort gibt, so dass es in der Praxis der Staatsgewaltausübung keine Wirkung hätte? Unter solchen Umständen wüsste ich genau, wo die vom Staat verantworteten Leichen herumlägen, wo gefoltert würde, wo genötigt würde, wo den Menschen existenzielle Angst eingeflößt würde, um sie gefügig zu machen — und wo man es auch mal in Kauf nähme, das eine oder andere empfindsame Seelchen mit wohldosiertem Druck in den Freitod zu treiben.

In der Bundesrepublik Deutschland ist dieser Ort zum Beispiel das „Jobcenter“ gleich bei ihnen um die Ecke. Seit über zehn Jahren. „Jobs“ hat es nicht so viele. Der rechtsfreie Raum ist dafür umso größer. Und? Fordert jetzt jemand eine „Jobcenterpolitik“? Interessiert sich überhaupt jemand dafür?

Nein, ich habe kein Interesse daran, wenn technisch Ahnungslose und gescheiterte Narrengoldschürfer auf einer Veranstaltung namens re:publica ihren Bullshit in Mikrofone furzen. Vor einer Zuhörerschaft aus Idioten, die ein paar Tage lang unter dem wehen Banner der „Netzpolitik“ von Freiheit, Unüberwachtheit und menschlichem Miteinander (sowie neuen unseriösen Geschäftsmodellen zum Einsammeln von Risikokapital) träumen und dazu ihre als Telefon getarnten Tracking-Wanzen streicheln, die Datensammelsite Twitter mit einem Strom von Kürzsttexten und Geodaten fluten und auf Facebook für eine Handvoll geklickter Daumenhoch-Sinnbilder schreiben, wie toll es doch ist und welche wichtigen Aufgaben der „Netzpolitik“ bevorstehen. Diese Daumenhochs, die Glasperlen des digitalen Zeitalters, für die gar nicht so wenige Menschen alles hergeben. Nächstes, spätestens übernächstes Jahr — ich wage als mieser Profet eine Zeitangabe, das ist immer ein Fehler — werden die ersten schon mit einem autonomen Auto von Google hinfahren, das ganz nebenbei ein vollständiges Bewegungsprofil erstellt, und vermutlich hat sich dazu schon in diesem Jahr eine Google-Datenbrille auf irgendein Nüsternpaar an einen hohlen Kopf geklemmt. Oh, wie geil das doch alles ist!

Ob unter denen, die laut aus den Lautsprechern die „Netzneutralität“ einfordern, wohl auch fünf bis zehn Arschlöcher sind, die ihren verachtenswerten Kunden das Geld dafür abnehmen, dass sie als so genannter „SEO“ dauerhafte Spam auf Googles Algorithmen schmeißen, auf dass Menschen mit der Suchmaschine Google nicht mehr finden, was sie suchen, sondern, was solche Suchmaschinen-Spammer sie finden lassen wollen? Oder gar ein paar mehr davon?

Ob unter denen, die laut das „Ende der Überwachung“ einfordern, wohl auch fünfzig bis hundert schamgefühlbefreite Entseelungsreste sind, die ihre Websites für eine paar Klimpergroschen mit den Tracking-Skripten der Reklameindustrie — übrigens ein „Gewerbe“, das noch am trefflichsten als „gewerbsmäßiges Belügen und Manipulieren von Menschen“ charakterisiert wird — fluten? Und mit an sich gemeinfreien Fonts, die ohne Not nicht lokal vorgehalten, sondern „bequem“ von Google eingebettet werden, damit auch noch Google die Besucher der Websites verfolgen kann, dieses Google, das recht enge Beziehungen zu den mutmaßlich unmenschlichsten Menschen-Überwachern dieser Welt unterhält? Und mit YouTube-Videos? Von diesem Leservermarktungsgehilfen und Menschenzähldienst „Google Analytics“ gar nicht erst zu reden. Kleine widerwärtige, bückgeistige Schergen des Großen Bruders, die ein Ende der großen Bebruderung einfordern, während sie ohne besondere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspähmaschine verwandeln. Ein Bild für die Götter! Oder sind es dort vielleicht sogar mehr als hundert von diesen dienstbeflissenen Big-Brother-Schergen? Wo ist mein Antiemetikum?!

Ob unter denen, die die hübschen Fotos von Edward Snowden wie eine Ikone ihrer eigenen Blödheit vor sich hertragen, auch nur einer ist, der irgendeine persönliche Konsequenz daraus gezogen hat? Irgendeine? Also eine andere, als ein „Ende der staatlichen Überwachung einzufordern“? Leute, dieser Keks ist sowas von gefrühstückt! Diese Überwachung hört nicht mehr auf. Niemand wird die ganzen dafür aufgebauten Anlagen verschrotten oder die Großrechner der NSA der Wissenschaft zur Verfügung stellen oder sie einer Horde Einhörner zur besseren Verwendung überlassen. Festzustellen, dass das, was die abgekoppelten überpersonal-psychologischen Gebilde der Staaten und die mit diesem Instrument Herrschenden mit Menschen machen — und nein, nicht nur die USA und das blutsaufende Unterdrückerregime, das gerade aus politischer Opportunität von der Journaille der Herrschenden vor euren medial entsetztgemachten Augen aufgeblasen wird — überwiegend unmenschliche Scheiße ist, ist keine besondere Intelligenzleistung. Und die Staaten — am besten tief und demütig gebückt mit der hündischen Bettelei der Petitionen — dazu aufzufordern, wenigstens eine weniger unmenschliche Scheiße zu machen, ist beinahe nur eine Größenordnung dümmer. Was Staaten mit Menschen tun, ist Gewalt. Gewalt macht aus einem Gegenüber von Menschen oder Gemeinschaften eine erzwungene Beziehung aus Täter und Opfer, und dem Opfer — und ja, das bist du, das bin ich, das sind die meisten — stehen nur noch drei Optionen fürs Handeln zur Verfügung: Sich bücken und hoffen, dass der Täter mit seiner Gewalt nachlässt und die Situation erträglich wird; einen im Regelfall riskanten, zuweilen existenziell gefährlichen Kampf aufnehmen oder die Flucht ergreifen. Daran ändern auch diese einflusslosen Kaffeekränzchen von „Netzpolitikern“ in den unterdrückerischen politischen Parteien nichts, die als Feigenblatt dazu dienen sollten, angesichts der damaligen Erfolge der Piratenpartei nicht ganz so nackt dazustehen. Vergesst es! Aber: Statt es zu vergessen — und zu schauen, was noch geht — stellen sich „netzpolitisch“ Engagierte lieber in einen hübschen Tätschelkreis auf und klopfen sich für ihre „Einsichten“ gegenseitig die Schulter wund. Mit einer politischen Außenwirkung wie der umgefallene Sack Reis. Bäh, mir ist so speiübel, wenn ich an dieses Pack nur denke, dessen Vertreter in erster Linie Karrieremöglichkeiten und Pfründe vor Augen haben — und immer wieder mal ein hübsches Rednerhonorar bei irgendwelchen Veranstaltungen, wo man unter sich ist und über „Netzpolitik“ redet. Es. Gibt. Keinen. Frieden. Mit denen, die auf der Seite der Gewaltausübung stehen. Niemals. Und im Regelfall noch nicht einmal einen „Frieden“.

Ob unter denen, die voller Pathos von den gesellschaftsverändernden Potenzialen freier Inhalte schwärmen und in einem Hinterkopfnebenraum gerade ihr neues Album fertigmachen oder ihr neues Buch schreiben, auch nur einer ist, der seine Werke wirklich frei veröffentlichen will? Spätestens, wenn sie wie eine Verheißung fürs Bankkonto aussieht, ist die Content- und Rechteverwertungs-Industrie für die meisten Geldsklaven gar nicht mehr so schlecht. „Da kann warten, wer will: Um zwölf kommt Beton“ (Einstürzende Neubauten, Haus der Lüge). Noch schlimmer, als die Menschen, die in ihrer Scheinheiligkeit die Wut erwecken sind jene, die in ihrer Geldscheinheiligkeit nur noch zum Ekel reizen.

Ich habe mir übrigens flüstern lassen, dass auf dieser re:pups-ich-da, diesem Zirkus von selbstbezüglichen „Netz“-Bewegten im Stillstandsmodus, ein von Medienbildsucht nach einem Gesicht des Internet aufgepumpter Netznanoprominenter mit Pseudopunk-Frisur (der sich inzwischens mutmaßlich gut fürs Schreiben in der Journaille der Herrschenden und Besitzenden bezahlen lässt) in seiner Rede unter anderem dazu aufgefordert habe, man möge doch einfach Geld für diese „Netzpolitik“ ausgeben. Das passt so prächtig zu seinen noch 2009 plakativ breitgespreizten Reklamebeinen für die dienstbeflissenen Zensursula-Schergen von Vodafone, der würde für Geld vermutlich alles machen. Da kann ich mir so richtig vorstellen, was da entstehen soll. Tja, diese Blogmonetarisierungsversuche Marke „Adnation/Adical“ sind ja doch eher gescheitert. Oh, wie ich mir hundert Münder wünschte, um angesichts solcher Leute unentwegt speien zu können!

Netzpolitik. Ist. Bullshit. Punkt.

Übrigens: Die Telefone, die hier allesamt mit abgehört werden, werden von niemanden als „Netz“ empfunden. Da, wo die Menschen direkt betroffen sind, da, wo die Überwachung in ihr Leben reinragt und mit dem technokratischen Ohr des Großen Bruders nach nicht nachvollziehbaren Maßstäben das Gespräch mit dem sterbenden Vater und der alkoholkranken Tochter automatisch belauscht, gesprächsnotiert, verdatet und langfristig speichert, da schweigt ihr „netzpolitisch“ Bewegten. Das ist nicht euer geiles glitzes Spielzeug.

Es geht um unteilbare Menschenrechte. Zum Beispiel auch das Recht, sich von Polizeien und Geheimdiensten unbeobachtet und unverdatet bewegen zu können. Aber auch um das — immer noch eine Spur wichtigere — Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrheit; um das Recht, keine Zwangsarbeit verrichten zu müssen, um das Recht, sich aus frei verfügbaren Quellen informieren zu können und daraus eine Meinung zu bilden (und sei sie auch noch so doof), die man mitteilen darf. Rechte, die man hat, weil man ein Mensch ist. Von denen steht eigentlich auch etwas in diesem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Leider ist dieses Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland gerade dort, wo es um Schutzrechte des Menschen gegen den Staat geht, schrittweise und salamitaktisch außer Kraft gesetzt und durch etwas anderes ersetzt worden, ohne dass das für die so vorgehenden Verbrecher irgendeine Folge gehabt hätte. Und wenn in zehn Jahren auf die durch den technischen Fortschritt weiter ansteigende Arbeitslosigkeit — diese wäre eigentlich ja ein Segen! — reagiert wird, indem die Produktion grüner Kekse hochgefahren wird, wird sich das nicht dadurch mildern, dass auf der re:pups-ich-da-25 die ersten early adopter davon berichten, dass die Google-Borg-Implantate in dieser Beta-Version noch ganz schön jucken, aber HD-3D-Filme über das direct brain interface doch schon ein sehr beeindruckendes Erlebnis sind.

Und jetzt streichelt weiter eure als Telefone getarnten Träcking- und Abhörwanzen auf der re:pups-ich-da! Und nicht vergessen, das nächste Modell zu kaufen, noch besser, schneller, bunter, hochauflösender und so weiter. Und klatscht begeistert in die Hände, wenn ihr eurer großes Gemeinschaftserlebnis vor euren großen Idolen mit dem großen „Durchblick“ und dem meist eher kleinen technischen Verständnis habt! Ihr. Seid. Der. Bullshit.

Punkt.

Schade, dass es keine Petitionen gab…

S’ils n’ont pas de pain, qu’ils mangent de la brioche.

Marie Antoinette zugeschrieben

Wie schade, dass es damals keine Petitionen gab. Wenn die Menschen nur brav und bückgeistig bei seiner Hoheit Louis XVI ihre Petitionen vorgetragen hätten, hätte er ihnen doch ganz sicher ein wenig Brot gegeben — und den Menschen etwas von dem zurückgegeben, was der Adel ihnen einige Generationen zuvor mit Gewalt geraubt hat. Manche gehen ja auch gläubig in die Kirche und glauben ernsthaft an Besserung durch das Sprechen ins Nichts, nur, weil sie dieses Nichts zum allschlächtigen Gott der Betrüger, Besitzenden und Blutsäufer ernennen. Damit nicht noch einmal die Guillotine so viel auf den Marktplätzen zu tun bekommt, haben die Herrschenden und Besitzenden in einem schlauen Moment jener sorgsam instutionell aufdressierten Angst, die fast jedes Einstehen für ein Lebensrecht verstummen lässt, eine Scheintat gegeben, damit sich ununterdrückbare Restenergie eine harmlose Bahn brechen kann, ganz so wie im Ventil eines Schnellkochtopfes… das Palavern der Petanten ist beinahe so wertvoll wie eine Wahl.

Nein, P., ich verlinke diese Hartz-IV-Sanktionen-abschaffen-Petition, für die man beim Deutschen Bundestag auch noch einen Datenstriptease hinlegen muss, hier nicht! Versuchs mal mit einem Aufruf zum wirksamen Widerstand!

Bückbürger

Nachrichtengläubige, die sich niemals an den Lichtjahren zwischen Meldungstext und ihrem Leben stören; Kinderwachsene, die eine harte, kalte Mutter mit löchelnder Maske zum Gestalter ihres gemeinsamen Daseins erküren und sich insgeheim über die Karlshure freuen, die dem Anspruch dieser Eisherzfrau Grenzen setzt; Smalltalkshowzuschauer, die ihre billige Psyche an künstlichen Affekten aufheizen und das für ein politisches Interesse halten; Eingeschlossene im brennenden Haus, die nicht nach Löschmöglichkeiten und Alarm schauen, sondern sich sagen, dass das Feuer noch fern sei und sich selbst mit der Vorstellung „es wird schon nicht so schlimm werden“ beruhigen; gläubige Bückbürger, die kein Diazepam mehr brauchen, die sich allein schon davon sedieren lassen, dass ihnen ein mieser Schauspieler und gnadenloser Lügner in der richtigen Pose sagt, dass doch niemand die Absicht habe, eine Mauer zu bauen… Deutsche eben.

Der große Kindermord

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr gehet nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Mt. 23, 13

In einem Traktat, das mir ein Zeitgenosse beim Betteln an Stelle eines Brotes vor seinem eiligen Weitergehen mit leicht mechanischer Geste in die Hand drückte, weil er wohl mehr um mein Seelenheil als um meinen Bauch besorgt war, stehen unter anderem die folgenden Worte zum durchaus beachtlichen Thema des gesellschaftlichen Werteverlustes:

In früheren Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass in Deutschland jährlich etwa 130.000 ungeborene Kinder getötet werden.

In der Tat, das wäre in früheren Jahren unvorstellbar gewesen, da hat der (mutmaßlich männliche und übrigens keinen Deut katholische) Autor dieser Beschwörung der „guten alten Zeit“ völlig recht. Da hat man die Kinder noch geboren, bevor man sie totschlug und in einen Grabstein mit einem Engel drauf verwandelte — und wo man sie nicht totschlug, da konnten sie in elenden Zuständen zum höheren Lobe Gottes verhungern oder ihre weichen Knochen in harter, ungerecht entlohnter Arbeit zerschleißen, auf dass sie nach Möglichkeit schon mit dreißig unter unerträglichen Schmerzen stürben. Kein Gott und kein Vertreter des Christentumes hat ihnen geholfen, alles hat das Pfaffengeschmeiß dafür getan, dass es so bleibt, dass es für immer immer so bleibt.

Schnell vergessen, die „gute alte Zeit“, nicht? Die Zeit in der keine ungeborenen Kinder getötet wurden, sondern als ausgewachsene, oft völlig unerwünschte Menschen ein Leben voller Leid und Elend vor sich hatten, ganz so, wie es der grausame, höllenkalte Gott der Christen will und wollte. Dafür gabs auch immer fein Nachschub von „Menschenmaterial“ für die heiligen, gerechten Kriege der Besitzenden, gegen die noch kein Gläubiger dieses Gottes etwas hatte. Nein, alles wurde getan, um gesellschaftliche Zustände zu schaffen und zu erhalten, in denen ausgewachsene Menschen massenhaft elend im feldgrauen Hemd auf dem „Feld der Ehre“ verreckten — und immer noch verrecken, ohne dass das so einen Traktatschreiber oder einen anderen Kirchenvertreter irgendwie stört. Hauptsache, der Militärgeistliche hat die Waffen gesegnet, Helm ab und Hirn aus zum Gebet!

Nein, schützen muss man das ungeborene Leben, das noch gar nicht richtig leiden kann, das von der Struktur seines Zentralnervensystemes ungefähr auf dem Entwicklungsstand jenes Fisches steht, den die Christen des Freitages essen. Das ausgewachsene Leben, das eine deutlich ausgeprägtere Fähigkeit zum Leiden erworben hat, bedarf des Schutzes nicht mehr. Das kann ruhig krepieren — aber bitte so, dass dabei die Besitzenden noch reicher gemacht werden.

Hauptsache ist es für diese christlichen Judasjünger doch, dass die Frau neun Monate an ihrem Kinde trägt, und sei es auch noch so unerwünscht und seien seine Lebensaussichten auch noch so düster, ja, und sei es das Produkt einer Vergewaltigung. Sie soll es als Strafe für die einzige Sünde tragen, die der geisteskranken christlichen Morallehre bekannt ist; als Strafe für die zweiarmige, körperliche Form der Liebe. Sie soll es mit Höllenangst vor dem grimmen Zorn des christlichen Mördergottes tragen, unter flehentlichem Betteln, dass sie doch nicht gebraten und in siedendes Öl getaucht, in schmerzempfindliche Scheiben geschnitten und zur weiteren ewigen Folter wieder zusammengesetzt werde. So eingeschüchtert, soll sie es als Segen empfinden, ihr kleines quengelndes Stück Fickstrafe, denn aus dieser Ambivalenz der Eltern entsteht jener an der Wurzel geknickte Nachwuchs, den Staat und Kirche zu allen Zeiten gebraucht haben.

Und wenn die Eltern nicht mehr klarkommen, gibt es noch die ganz tollen, von christlichen Organisationen betriebenen und mit staatlichen Zuwendungen geförderten Kinderheime voller betender und prügelnder Hände, bis auf den heutigen Tag.

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als man in der Schule gebetet hat.

Ja, gebetet für Volk, Führer (oder Kaiser) und Vaterland. Und für den ewigen Erhalt des gottgewollten, mörderischen Unrechts. Und welches unter den Kindern sich weigerte, bei dieser zwangsweise verordneten Blasphemie mitzumachen, das wurde geschlagen, bis es gefügig war, bis zum Halleluja gefügig. In milderer Form gibt es das bis heute. Die mildere Form bezieht sich nicht auf die Gewalt, mit der man Kinder gefügig macht, sondern auf die Inhalte der Zwangsgebete. Die Szenen lassen sich in jeder Sonderschule erleben, die an so ein christliches Kinderheim angeschlossen ist. Wohl dem, der reiche Eltern hat, die so etwas vermeiden können!

Es hat fast 15 Grad Celsius, aber mir ist eiskalt, wenn ich so etwas lese. Da hat sich mal wieder ein Christ so richtig die Brust aufgerissen und jene Kälte in die Welt gepustet, in der allein er gedeihen kann.

Oh Gott, lass doch bitte Hirn vom Himmel regnen!

Und schmeiß mich bitte bitte bald in diesen untersten Bereich der Hölle, in dem ich niemals mehr mit diesen deinen durch den Taufzauber vor der Hölle geimpften Dienern und Traktatschreibern zusammenkomme, die sich auf ewig in deiner Gegenwart wähnen!

Der esoterische Selbstbetrug

Oh, der Einfall war kindisch, aber göttlich schön.

Friedrich Schiller, „Don Carlos“

Manchmal, eigentlich sogar recht häufig, wollen einem Anhänger der modernen und am Markt recht erfolgreichen hybriden Religion namens „Esoterik“ anderen Menschen weis machen, dass die von ihnen auserkorene Irrationalität eine Vorwegnahme künftiger Wissenschaft sei. Um diese These zu „belegen“, greifen die so Redenden ein wenig in die bunte Kiste mit den Irrungen der Wissenschaftsgeschichte und greifen sich aus diesem fröhlichen Schatz eine Handvoll besonders eklatanter Beispiele der Ignoranz des wissenschaftlichen Etablissements heraus und verweisen darauf, dass „die Wissenschaft“ dann schließlich doch noch die Fakten anerkennen musste, sie sogar zu Gegenständen der Forschung machen musste. Und genau das gleiche erwarten sie von ihrem durch nichts belegbaren, gleichermaßen billigen wie nicht preiswerten Seelentrost voller Geschäft, Primitivität, Betrug und Angstabwehr.

Ein beliebtes Beispiel der so redenden und leider auch so denkenden Idioten sind — so sie nicht gleich von der scheibenförmigen Erde jener Zeit sprechen, in welcher eine Kaste von Pfaffen den Allheitsanspruch ihrer Religion mit Gewalt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit machen konnte — die Meteoriten. Sie verweisen darauf, dass die meisten Wissenschaftler von ihrem damaligen Modell des Sonnensystemes ausgehend, jeden Fund eines Meteoriten mit den ungefähren, recht autoritär dargebrachten und oft mit ätzender Polemik gewürzten Worten „Steine fallen nicht vom Himmel“ für unbeachtlich erklärten und sich mit der Wirklichkeit der Meteoriten nicht weiter beschäftigten, weil sie davon ausgingen, dass der Raum im Sonnensysteme nur mit größeren Körpern gefüllt sei. Ein anderes Beispiel, das von den Wirrgläubigen gern herausgepickt wird, sind die Kugelblitze, deren Natur übrigens bis heute unklar ist. Beides sind heute ganz selbstverständliche Gegenstände der Forschung und Theoriebildung, obwohl die Beschäftigung mit diesen Erscheinungen vor noch gar nicht so langer Zeit den Ruch des Abergläubischen und Irrationalen hatte, durchaus damit vergleichbar, wie in der heutigen Wissenschaft die so genannten „Parawissenschaften“ betrachtet werden.

Aber die blinden Gläubigen der Esoterik bemerken dabei nicht, dass sowohl die Existenz von Meteoriten als auch die Existenz von Kugelblitzen in psychischer Hinsicht neutral sind. Das Postulat, dass Steine außerirdischen Ursprunges vom Himmel fallen oder das Postulat, dass eine mutmaßlich elektrische Erscheinung in Form eines leuchtenden Plasmaballes auftreten kann, mag intellektuell interessant und kurios sein, aber es ist für das Seelenleben eines Menschen ungefähr so bedeutsam wie das Postulat, dass jede natürliche Zahl einen Nachfolger habe und dass man deshalb unbegrenzt zählen könne. Von daher gibt es zum Beispiel keine nennenswerte psychische Motivation, derartige Berichte zu erfinden oder Belege für diese Thesen zu fälschen — was bleibt, ist die Ungenauigkeit in den Mitteilungen episodischer, nicht-reproduzierbarer Erlebnisse, die der Skepsis gegenüber dem Mitgeteilten für so lange Zeit Futter gab.

Deshalb hat es auch niemals ein großes, psychisch motiviertes Geschäft mit dem Glauben an Meteoriten oder Kugelblitzen gegeben. Im schlimmsten Falle wurden und werden Sammlern ordinäre irdische Steine vulkanischen Ursprunges als meteoritisches Gestein verkauft.

Die von primitiver Magie, narzisstischer Seelenvergötzung und einem allgemeinen Konzept des Belebt- und Durchgeistert-Seins aller Erscheinungen des Kosmos geprägten Konzepte der Esoterik und der darauf basierenden Parawissenschaften sind aus einem völlig anderen psychischen Material gebaut, sie erfüllen dem in seinem Bedingt-Sein verhafteten Menschen Wünsche nach individueller Bedeutung, Einflussnahme, Unsterblichkeit und Sinnhaftigkeit, sie sind ein geiler Traum, der so alt ist wie die Einsicht in die kalte, gebieterische Wirklichkeit des Todes und der sogleich daran mit aufkommende Wunsch, diese Wirklichkeit möglichst umfänglich zu vergessen. Für solche Verdrängung existiert ein großer Markt; und die vielen Bereiche der Esoterik, sei es der Geisterglaube, der Spiritismus, die angenommene Möglichkeit telepathischen Austausch oder der telekinetischen Beeinflussung der Umwelt durch psychische Kräfte, sie sind schon immer Bereiche gewesen, in denen gefälscht wurde, in denen gelogen wurde und in denen den Gläubigen für ein bisschen Einlullung ihrer todgepeinigten Seele ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen werden konnte. Das gleiche gilt für eine recht junge (aber zum Glück schon wieder etwas in Vergessenheit geratene) Spielart dieses postmodernen Voodoo*, der UFO-Esoterik. Aus dem psychischen Gewinn, der sich mit diesen Konzepten verbindet, lässt sich also wirtschaftlicher Gewinn saugen, und dies geschah und geschieht immer wieder.

Nicht, dass ich jemanden um seine Selbsteinlullung bringen will, aber zum Thema der Wissenschaft wird sie hoffentlich niemals werden — und wenn doch einmal, dann am ehesten noch zum Thema der Psychopathologie. Wer sogar so blöd ist, dass er eine kommerziell vorgestanzte Form der seelischen Selbsteinlullung mit Individualität verwechselt, ist in diesem vollständigen Denkverzicht längst verloren — ein Denkender und Fühlender lullt sich wenigstens noch in eigener Verantwortung auf seine eigene Art ein. 😉

Nur eines sei hier noch zum Abschluss gesagt: Es gab genau zwei Erkenntnisse in der jüngeren Geschichte der Wissenschaft, die sich gegen große gesellschaftliche Widerstände durchsetzen mussten. Der Grund dieser Widerstände war (und ist) das psychische Unbehagen, das sich mit diesen Einsichten verband. Die erste Einsicht, die sich mit dem Namen Galileo Galilei verbindet, ist die Tatsache, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Kosmos ist. Diese Einsicht führte zur juristischen Verfolgung Galileis durch die Profiteure des psychischen Geschäftes im Vatikan, bei der belastende Beweise einfach gefälscht wurden. Eine Rehabilitation Galileis durch die juristischen Organe des Vatikans fand erst am 2. November 1992 statt. Die zweite Einsicht, die sich mit dem Namen Charles Darwin verbindet, ist die Tatsache, dass sich alles Leben auf der Erde unter völlig natürlichen, materialistisch erklärbaren Bedingungen entwickelt und diversifiziert hat. Diese Einsicht hatte für Darwin zwar keinen lebenslangen Hausarrest und die in der Luft liegende Drohung des Scheiterhaufens mehr zur Folge, aber sie wird bis heute massiv angefeindet, und wenn die meist religiösen Gegner dieser Einsicht nur die Macht hierzu hätten, denn würde sie auch mit Gewalt unterdrückt. Wer wirklich meint, dass sein narzisstisches Bedürfnis nach Todesverdrängung, Sinngebung und eingebildeter Allmacht in den Rang einer für alle Menschen verbindlichen Erkenntnisgrundlage gestellt werden sollte, der steht in dieser Meinung für derartige Unterdrückungen. Und. Belegt damit das barbarische, archaische Material unter der bunten Verpackung, in der eine jahrmarkthafte Esoterik-Industrie den seelischen Ausverkauf betreibt.

* Anhänger der ebenfalls hybriden, aber wenigstens mit Tradition ausgestatteten Religion Voodoo mögen mir diesen Vergleich mit einer reinen, als Spiritualität getarnten Geschäftemacherei verzeihen.