Tag Archive: Zensur


Todesursache: „Fake News“

Es sind sehr viel mehr Menschen an den „Fake News“ aus der Reklame in den Tageszeitungen und Wochenmagazinen gestorben als an den „Fake News“ aus dem Internet, und angesichts der großen und immer noch anhaltenen Lügen in der Tabak-, Alkohol- und Autowerbung ist davon auszugehen, dass das auch Jahrhunderte nach der Insolvenz des letzten journalistischen Produktes so bleiben wird. Die ständig als Vorwand für Internetzensurbestrebungen dargestellte Gefahr der „Fake News“ aus dem Internet ist lächerlich und leicht zu durchschauen, zumindest für Menschen, die keine Journalisten sind.

Zur Einigung von YouTube und GEMA…

Animation, die anhand zweier Screenshots zeigt, dass ein Video mit einer C64-Demo in der BRD gesperrt ist, in den Niederlanden jedoch nicht. So so, YouTube hat sich also mit der GEMA 'geeinigt' und es gibt in der BRD keine Sperrtafeln mehr... Außer für C64-Demos. Mit tollem 8Bit-Sound.

Die beiden Screenshots vom bundesdeutschen und vom niederländischen YouTube habe ich vor rd. dreißig Minuten angefertigt, sie spiegeln also den gegenwärtigen Stand bei YouTube wider. Natürlich habe ich das niederländische YouTube über einen Proxyserver in den Niederlanden abgerufen, Daten reisen nun einmal schneller und müheloser als mein träger Kadaver.

Egal, was Journalisten und andere Feinde dir auch fortan für heitere Beruhigungsmittel ins Bewusstsein texten, auch weiterhin gilt für die gesamte BRD: Die Verwendung eines Proxyservers im Internet ist das neue Westfernsehen. Wer das nicht hinbekommt, bekommt zensiertes Internet. Zuweilen sogar absurd weitgehend zensiertes Internet.

Auswertiges Denken

Wer gegen „Hasskommentare“ ist und selbst entscheiden möchte, was „Hass“ ist, muss automatisch auch Erdogan gegen Böhmermann recht geben

Burkhard Schröde

Bücherverbrennung

In einer Zeit, deren Menschen das Wissen nicht mehr in erster Linie aus Büchern erwerben, gleicht die Löschung von Inhalten aus dem Web einer Bücherverbrennung. Und eine solche. Hatte bislang immer „gute Gründe“.

Hass und Hetze im Internet

Wie aufgewühlt die Mitglieder der classe politique doch sind, mit wie großem Aktionismus sie jetzt eine Zensurschnittstelle für von Hass und Hetzerei erfüllte Postings auf Social-Medial-Sites durchsetzen wollen — nur, weil genau jene Ressentiments sich aus dem neblig-klebigen Bierdunst des deutschen Stammtisches in die offene Sichtbarkeit des Internet aufgemacht haben, die dazu führen, dass eine bürgerliche Partei der BRD überhaupt erst gewählt wird, erst wählbar ist.

Screenshot von YouTube: 70th Anniversary of the Liberation of Auschwitz, January 27, 2015 -- On January 27, 2015 we will commemorate the 70th anniversary of the liberation of Nazi German concentraction and extermination camp Auschwitz. On this day the whole world will be listening to the voices of Auschwitz. On this day we will meet at the authentic site of the former camp as the sign of our remembrance. -- The whole commemoration event will be streamed on-line on January 27, 2015. More information: http://70.auschwitz.org -- Dazu der Text im Videoplayer: 'Live Streaming ist wegen Rechteproblemen in Deutschland leider nicht möglich. Das tut uns leid.

Nachtrag: Diese Inhaltesperrung im Rechtsraum der BRD wurde ihnen präsentiert von der GEMA. [via Fefe]

Westfernsehen

In der DDR haben viele Menschen, die die Möglichkeit dazu hatten, das „Westfernsehen“, das Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland geschaut. Die „Internet-Version des Westfernseh-Guckens“ ist für viele Intenetnutzer aus der BRD inzwischen geworden, dass sie Youtube über einen Proxy aufrufen, um nicht mehr von immer häufigeren und immer willkürlicher anmutenden Sperren belästigt zu werden.

Twitter-Revolutionen?

Never a revolution will be twittered again - ZENSOR

Twitter-Revolutionen? Nein, so etwas wird es niemals mehr geben

Frau Ursula von der Leyen!

Ich würde so ein Stück lichtscheues Gesindel wie Sie es sind, gar nicht weiter der Erwähnung für würdig erachten, aber das folgende indirekte Zitat aus Stellungnahme der gegenwärtigen Bundesregierung — sie gehören dieser ja selbst noch an — zur heutigen Aufhebung ihres Internetzensurgesetzes hat mich noch einmal intensiv an Sie denken lassen:

Die Bundesregierung begründet den endgültigen Rückzieher nun damit, dass die Sperren umgangen werden können. Es sei im Interesse der Opfer, strafbare Inhalte durch „konsequentes Löschen“ aus dem Netz zu verbannen. […] Darstellungen des Missbrauchs von Kindern seien vor allem in Staaten mit ausgebauter Internetinfrastruktur zu finden, hieß es weiter. Dort sei es grundsätzlich rechtlich möglich, diese schnell löschen zu lassen.

Ja, Frau von der Leyen, hier stellt die Bundesregierung fest, dass sie eine schamlose Lügnerin sind und einen politischen Kindesmissbrauch zu Wahlkampfzwecken begangen haben.

Wie die gleiche Bundesregierung ihre Gegenwart in derselben aushält, gehört freilich zu jenen Geheimnissen des ethisch verrotteten, lichtscheuen Gesindels, die einem Denkenden und Fühlenden nur indirekt erschließbar sind.

Kleiner Rückblick: Meine letzte Erklärung an die classe politique vom 22. Juni 2009

Die Bundesministerin

Ein drittes Problem war, daß das Ministerium, wie soll ich das jetzt formulieren, sehr „neo-industrie-feministisch” aufgestellt war. Es gibt so einen neuen Typ Karriere-Frau, den man schon äußerlich und am Auftreten erkennt. Teure Designer-Beton-Frisur, 40-60% zuviel Make-Up, immer derselbe Gesichtsausdruck, aggressive Gestik, Hosenanzug, den Blazer dabei meist eigentlich zu eng, weil’s figurbetont rüberkommen soll, hohe Absätze, Busines-Auftreten [sic!]. Aggressive Sprechweise, rüpelhaftes Auftreten, muß die Nummer Eins spielen. Permanente Besserwisserei, sagt jedem, was er zu tun hat, hört aber niemandem zu. Kommunikation als Einbahnstraße. Hält die Frau für das überlegene Wesen und duldet Männer nur als niedere Gehilfen und Arbeiter. Ist fest davon überzeugt, daß sie allein schon als Frau und durch ihr hartes Auftreten einen Karriereanspruch hat, betrachtet es aber als Zeitverschwendung und Tätigkeit für Waschlappen, sich sachkundig zu machen. Hat damit Erfolg, ist unglaublich eingebildet, kommt sich ganz toll vor, hat aber eigentlich keine Ahnung wovon sie redet und merkt vor lauter Erfolgsbesoffenheit und Eigenbegeisterung nicht, wie lächerlich sie sich macht, weil sie den letzten Mist daherredet. Funktioniert meistens aber, weil sie ein Publikum um sich versammelt, das es überwiegend auch nicht merkt (oder sogar gut findet). Ursula von der Leyen ist ein Prachtexemplar dieser Gattung, aber ihre Mitarbeiterin, die diese Gruppe geleitet hat, war darin auch nicht schlecht. Man sich diese Art des Auftretens mal bewußt machen um zu verstehen, warum gerade aus von der Leyens Ecke die Forderung nach einer Frauenquote kommt. Das paßt ganz exakt zu der Sichtweise, daß Frausein, Businessfrisur, Hosenanzug und hartes Auftreten doch ausreichen müssen, um es ganz nach oben zu schaffen, in den Vorstand, ohne dabei irgendwelche hard-skills beherrschen zu müssen. Zuzugeben ist, daß man mit sowas durchaus Bundesministerin werden kann.

Hadmut Danisch: Wie die deutsche Internet-Kinderpornosperre zustande kam — und zugrunde ging

Der mit diesen Worten eines Zeugen charakterisierte Entseelungsrest eines Menschen ist übrigens zurzeit in der BRD für die Sozialpolitik zuständig.

Die deutschsprachige Wikipedia

Mit unabweislicher Macht drängt sich Ihnen auf, durch welche Entwicklungen, Verdrängungen, Sublimierungen und Reaktionsbildungen aus dem ganz anders beanlagten Kind der sogenannt normale Mensch, der Träger und zum Teil das Opfer der mühsam errungenen Kultur, hervorgeht.

Sigmund Freud, Fünf Vorlesungen

Sinnlosigkeit — Ich habe länger darüber nachgedacht, ob ich zum jetzt — dank Fefe — erstmals in ein breiteres Bewusstsein gelangten Löschwahnsinn in der deutschsprachigen Wikipedia* noch einen vernünftigen Text schreiben will. Der selbstbezügliche Irrsinn, der sich in der deutschsprachigen Wikipedia breit gemacht hat, lässt die Vernunft als Verschwendung erscheinen und macht für den, der nicht schweigen will, die ätzende Ironie zum angemessenen und einzig ökonomisch vertretbaren Mittel der Mitteilung. Für die gegenwärtig tonangebenden Kräfte in der deutschsprachigen Wikipedia brauche ich nichts zu schreiben, diese haben an sich selbst offenbar genug und sind längst schon bereit, ohne die völlig irrelevante Außenwelt weiterzumachen. Irgendeine Stellungnahme zum Gegeneinander so genannter „Exklusionisten“ und so genannter „Inklusionisten“ und ihrer Argumentationen, zum Sinn und Unsinn der so genannten „Relevanzkriterien“ oder zum gleichermaßen elitären wie prolligen Umgangston einiger engagierter Wikipedianer betritt eine geistige und geistlose Parallelwelt, die den meisten Menschen zumglück ferner liegt als die erdabgewandte Seite des Mondes — einzig die verursachten Tiden dieses steinkalten Fernkörpers, die hinweggespülten und vernichteten Inhalte, sie werden schmerzlich bemerkt. Wie es sich für eine richtige Parallelgesellschaft gehört, wird innerhalb der deutschsprachigen Wikipedia auch nicht für gültig befunden, was außerhalb ihrer Kreise einen festen Platz im Wertekanon vieler Menschen hat; wem etwas nicht passt, der soll sich gefälligst zur Mitteilung seines Missmutes ausgerechnet in jenes intellektuelle Ghetto begeben, in dem das Ärgernis seinen Ausgang nimmt; ganz so, als ob Menschen gern in eine schlagene Faust rennten. Der Zustand lässt sich zwar noch mit Worten beschreiben, aber die darin verfangenen Menschen lassen sich nicht mehr durch Worte erreichen. Dieser ganze Text ist sinnlos und nur meinem Bedürfnis nach seelischer Hygiene geschuldet, und eben darin ist dieser Text auch ein Spiegelbild der deutschsprachigen Wikipedia. Wo der alltägliche Wahnsinn nicht mehr als pathologisch und als etwas zu Überwindendes erachtet wird, sondern längst ein Halt des Lebens geworden ist — und auch gemäßigtere Menschen in der deutschsprachigen Wikipedia erwecken durchaus diesen Eindruck — da findet die Kommunikation und das Miteinander ein graues, gruftkaltes, ein gruseliges Ende. Was verbleibt. Ist der seelengrimme Frost.

Index — Was vielen Beteiligten gar nicht recht klar zu sein scheint, ist die Tatsache, dass Menschen der Hilfsmittel bedürfen, um in der Vielfalt des Wissens, der Einfalt des Halbwissens und im psychologischen Treibsand des Unfugs im Internet und in den etablierten, zentral organisierten Medien eine Möglichkeit zur eigenen, hoffentlich vernünftig erworbenen Orientierung zu finden. Unter unzähligen Millionen Websites von sehr schwankender Qualität ist es hoffnungslos schwierig, ohne Hilfsmittel fündig zu werden. Ein frühes derartiges Hilfsmittel sind die diversen Suchmaschinen gewesen, deren Schwächen wohl jeder kennt, der einmal mit ihrer Hilfe nach Informationen (und nicht nach dem massenhaft hervorgespülten Halbwissen, der Werbung oder dem ganz wirrem Zeug) gesucht hat. Mittlerweile hat Google eine gewisse Monopolstellung unter den Anbietern einer Internet-Suche, die nicht darin begründet ist, dass Google diese Aufgabe besonders gut löst, sondern darin, dass Google zu einer gewissen, sehr entscheidenen Zeit diese Aufgabe weniger schlecht als die anderen damals verfügbaren Angebote gelöst hat. (Das lag übrigens auch an der vorbildlichen, selbst für Laien sofort durchschaubaren Benutzerschnittstelle und keineswegs nur an der hohen Qualität der Sortierung der Suchergebnisse. Die Benutzerschnittstelle ist auch ein Wikipedia-Thema, und die gegenwärtige Gestaltung derselben ein technisches Spiegelbild der elitären Abschottung ihrer Macher.) Als Monopolist ist Google so etwas wie ein Index für das Internet geworden, die Anlaufstelle, bei welcher die Menschen etwas nachzuschlagen suchen und zu finden hoffen. Wer oder was in Google nicht existiert, hat keine wirkmächtige Existenz im Internet, entschwindet in die völlige Unbeachtlichkeit. Diese Indexfunktion der Google-Suche für das Internet weckt allerlei Begehrlichkeiten nach Manipulation und Zensur und damit nach Kontrolle über das für Menschen zugreifbare Wissen, und leider erweist sich Google gegenüber staatlichen Zensurbestrebungen als nicht besonders widerstandswillig. (Wenigstens geht Google ein wenig gegen jene Form der Manipulation vor, die sich hinter dem Kürzel SEO versteckt, aber in Wirklichkeit eine zunächst auf Suchmaschinen gerichtete Form der Spamseuche ist, die ihre Wirkung bei den Menschen auf diesem Wege mittelbar zu erreichen trachtet.) In etwas schwächerer, aber immer noch sehr bedeutsamer Weise dient auch die Wikipedia vielen Menschen als ein Index für das Internet, da sich zu jedem Thema Quellen und auch weiter führende Links finden — und was in der Wikipedia nicht existiert, verliert auch an Existenz im Internet. Auf diesem Hintergrund sind Löschungen eine Form der Gewalt, die zwar durchaus angemessen sein kann, aber vernünftig und weise begründet sein will, zumal, wenn dabei wie im Falle des MOGIS ein deutlicher und kaum abzustreifender Eindruck entsteht, dass die in der Löschdiskussion vorgeschobenen „Argumente“ nur eine politische Absicht verbergen sollten.

Internet (Eins) — Wenn ein Internet-Angebot aufgebaut wird, das von einer Gemeinschaft im Internet über eine Internet-Schnittstelle gepflegt und durchdiskutiert wird und innerhalb der „Relevanzkriterien“ dieses Angebotes so getan wird, als handele es sich beim Internet um ein größtenteils unbeachtliches, für jede Informationsgewinnung unbrauchbares Etwas, denn ist dies ein unfreiwilliger Witz, der eines dadaistischen, an den Zen-Buddhismus gemahnenden Humores nicht entbehrt — und dass dieser Witz sich selbst dermaßen ernst nimmt, verstärkt noch seine komische Wirkung. Es ist doch recht schade, dass die Witzfiguren so wenig über sich selbst lachen können.

Internet (Zwei) — Was das Internet trotz seiner vielen rauen Kanten zum medialen Erfolgsmodell gemacht hat, ist seine technische Struktur, die in besonderer Weise geeignet ist, den Menschen und Nutzern des Internet zu dienen. Es ist ein dezentrales Netzwerk prinzipiell gleich berechtigter Computer, das gut geeignet ist, den Menschen zu dienen. Diese technische Struktur ist an sich revolutionär, sie ist das völlig Neue, bislang nicht Dagewesene — und es liegt in der Verantwortung der Menschen, von diesen neuen Möglichkeiten weisen Gebrauch zu machen, um sich aus ihrer Ohnmacht zu befreien. Der Mangel an zentralen Strukturen macht es schwierig, das Internet als ganzes zu manipulieren, um staatliche, religiös begründete oder wirtschaftlich motivierte Zensurwünsche durchzusetzen. In der Berichterstattung der etablierten Medien über das Internet wird dieser eine Aspekt regelmäßig gar nicht beachtet; er wird wohl auch gern von dieser Seite verdrängt, weil er die historisch gewachsene Relevanz der Meinungs- und Deutungshoheit eines Oligopols im Besitze einer Kopierinfrastruktur für Information anknabbert und damit eine Gefährdung für das Geschäft dieses Oligopoles ist. Bisherige Zensurversuche setzen dort an, wo der Zugang zur Information im Internet noch an relativ zentrale und damit durch Macht kontrollierbare Institutionen gebunden ist; sei es bei den Zugangs- und Hostingprovidern, beim DNS oder bei jenen Strukturen, die dem Nutznießer des Internet einen Index des Wissens zur Verfügung stellen, also die Suchmaschinen und. Auch Wikipedia als ein hinzugewachsener Index zum Internet. Übrigens sind alle Versuche, im Internet ein Geschäft zu errichten, Versuche, viele Menschen im Internet an kontrollierbare, zentral organisierte Dienste zu binden und das ganze so genannte „Web Zwo Null“ als Versuch des Marketings mit seinen bunten Müllhalden für die Analphabeten des Internet zeigt sich dem Betrachter als ein solches Unterfangen, und bei solcher Betrachtung zeigt sich auch das kommende Scheitern dieser am Wesen des Netzes vorbeigehenden Ideen. Jede zentrale Struktur ist für das eigentliche Internet als dezentrale Kopiermaschine für Information prinzipiell entbehrlich, und dort, wo die Menschen dies bemerken und nutzen, etwa beim Filesharing, erleidet die bisherige Content- und Kopierindustrie ihre gefürchtesten Kontrollverluste und demaskiert sich in ihrer — technisch idiotischen, aber psychologisch verständlichen — Abwehrhaltung gegen diese Kontrollverluste als restriktiv und gemeinfeindlich. Tatsächlich ist auch Wikipedia eine zentrale Struktur, an der sich scheinbare Macht bindet, die manchen Beteiligten nicht gut zu bekommen scheint, wie man an ihrem politbürohaften Gehabe sehen kann, in dem sie ideologisch motivierte Zensur mit fadenscheinigen Begründungen durchsetzen. Viele der jüngeren Entgleisungen in der deutschsprachigen Wikipedia legen davon ein deutliches Zeugnis ab, und der arrogante Unwille der Gestalter der deutschsprachigen Wikipedia, die äußeren Reaktionen im Internet auch nur wahr- und ernstzunehmen, macht deutlich, dass man sich die eigenen Platz an einer unnatürlich zentralen Struktur schon sehr verinnerlicht hat, dass man bereits ein Parallelnetz zum Internet geworden ist. Für ein Printmedium oder eine Rundfunkanstalt mit einer starken Wirksamkeit außerhalb des Netzes wäre eine solche Haltung noch verständlich, für eine Struktur, die keine Existenz außerhalb des Internet hat, ist diese Haltung unfassbar dumm. Sie ist ein Sägen am Aste, auf dem man sitzt.

Internet (Drei) — Wenn es jemals ein Internet jenseits der Wüsten des „Web Zwo Null“ und irgendwelcher virtueller Versandhauskataloge geben wird, wenn es ein technisches Netzwerk bleiben soll, das über das Potenzial verfügt, Menschen zusammenzubringen, denn wird dieses Internet frei von zentralen und allzu leicht manipulierbaren Strukturen sein, und es wird durch starke Verschlüsselung und auf der Basis realen, menschlichen Vertrauens gegen manipulative Begehrlichkeiten und die alles erstickende Seuche der Spam geschützt werden. Die technischen Grundlagen für einen solchen Aufbau sind längst vorhanden, sie könnten mit einem wenig Mühe für ein alternatives, dezentrales System der Namensauflösung, der Suche oder — deutlich schwieriger in der technischen Umsetzung, aber nicht unmöglich — einer verteilten, kollektiv erstellten Datenbank des Weltwissens verwendet werden. Es ist schon jetzt so gut wie sicher, dass ein derartiger, von zentralen Strukturen befreiter Aufbau des Internet unterdrückt und kriminalisiert werden würde, da er wirtschaftliche und politische Kontrolle erschwerte — einen Vorgeschmack der kommenden gesellschaftlichen Kämpfe haben wir bereits jetzt, er zergeht auch dort bitter auf der Zunge, wo gesellschaftlich durchaus bedeutsame Lemmata wie „MOGIS“ und „Schäublone“ aus der deutschsprachigen Wikipedia gelöscht werden, während die Vertreter jener Wikipedia gern öffentlich und in der Geste des selbstlosen Wohltäters davon sprechen, dass sie das große Werk doch nur von Schmiereien wie „Karl ist schwul“ befreiten. (Das sie solch geistlose Dinge regelmäßig tun müssen, glaube ich ihnen unbenommen; die Dummheit der Canaille Mensch scheint unendlich.) Der Kindergarten der Parallelwelt Wikipedia spiegelt hier bereits die zukünftige Parallelwelt der classe politique wider.

Benutzerschnittstelle — Der Technik hat die Aufgabe beschieden zu sein, den Menschen zu dienen; und. Es sollte niemals umgekehrt sein! Wer die Benutzerschnittstelle einer Software so gestaltet, dass sie den Menschen nicht durchlässt, der setzt darin einen Schwerpunkt, der zu denken geben sollte. Auch. Über die Frage, was es wohl für ein Schlag von Menschen sein wird, der mit einer solchen Zumutung zu arbeiten und zu leben bereit ist und welche Menschen wohl aus welchen Gründen von einer solchen Zumutung abgeschreckt werden, obwohl ihnen ein „Sei mutig“ zugerufen wird, damit sie schon vorher eine Ahnung von den erforderlichen Kämpfen bekommen. Wenn eine derartige Software sogar zur wichtigsten Grundlage einer Gemeinschaft von Menschen wird, die mittels dieser Software an einem großen, gemeinsamen Projekt zu arbeiten gedenken, denn stellt sich die nächste Frage, welche Strukturen des menschlichen Miteinanders durch diese Software gefördert werden, und welche Strukturen des menschlichen Miteinanders von dieser Software unterbunden werden — vieles von der apparathaften Kälte in der deutschsprachigen Wikipedia erklärt sich auch aus der verwendeten Software. Das Mit-Ein-Ander der Menschen ist schwierig genug, es sollte nicht unnötig technisch erschwert werden. Wo dies dennoch geschieht, erweckt die verwendete Technik den Eindruck der Absicht.

S/M — Wer einmal am eigenen Leibe erfahren möchte, wie geisteskrank die deutschsprachige Wikipedia wirklich geworden ist, braucht hierzu nur eines zu probieren: Als Neuling der Wikipedia etwas zu einem Thema schreiben, in dem er wirkliche Kenntnisse hat. Die kalte, technokratisch aus Textbausteinen zusammengesetzte Form, in der anschließend von einem meist fachfremden Menschen „begründet“ wird, warum dieser Beitrag wieder aus der deutschsprachigen Wikipedia entfernt und die mit dem Schreiben verbundene Mühe entwertet wird, sie ist bestenfalls für Masochisten ein Ansporn, weiter zur Wikipedia beizutragen; ein Mensch ohne derartige Neigungen, aber mit einem Einblick in die Beschränktheit seiner Lebenszeit und Kraft wird auf diesen idiotischen virtuellen Ringkampf mit aufgeblähten Giganten gern verzichten. Jene „Giganten“ aber, sie sind ja selbst einmal durch diese intellektuell phrenophile Schule der Disziplinierung und Demütigung gegangen, sie leiten aus dem einst Erlittenen den Anspruch ab, sich ihrerseits als geistige Zuchtmeister aufführen zu können. Die Parallelgesellschaft der deutschsprachigen Wikipedia hat als überpersonaler Prozess ein sadomasochistisches Gepräge, das mit einer starken psychischen Kraft zum Selbsterhalt ausgestattet ist. So lange dieser Prozess nicht bewusst wird — und jedes Bewusstsein wird mit zurzeit aller Kraft abgewehrt — wird sich an dieser Krankheit namens Wikipedia nichts verändern, bestenfalls werden die augenfälligsten und grellsten Symptome der kollektiven Krankheit mit einigen neuen Formalien verziert und damit wieder der Verdrängung durch Rationalisierung zugänglich gemacht. Wer nicht gerade den Namen Sisyphos trägt oder mit einer besonderen Leidenslust ausgestattet ist, wird seine begrenzte Energie in sinnvolleren Kämpfen als im internen Theater der deutschsprachigen Wikipedia zu verwenden wissen.

Plonk — Erfreulich ists, dass es ein großes und buntes Internet jenseits der Wikipedia gibt und dass niemand gezwungen ist, seinem Dasein diese Krankheit hinzuzufügen oder ihre Ausbreitung sogar noch zu fördern. Auch Geld ist eine beschränkte Resource, und selbst ein Euro ist zu viel für die Wischopedia.

* Ich schreibe etwas umständlich „deutschsprachige Wikipedia“, weil ich nicht der Meinung bin, dass die Menschen deutscher Zunge in Östereich, der Schweiz, Norditalien, Belgien und im südlichen Dänemark als Deutsche betrachtet werden wollen oder sollten — vor allem auf dem Hintergrund der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts wäre das ein Problem. Der deutsche Sprach- und Kulturraum ist nun einmal nicht an nationale Grenzen gebunden, und dass es an einem griffigen, von nationalen Grenzen befreiten Adjektiv zur Beschreibung dieser Tatsache fehlt, spiegelt wider, dass es viel zu wenig allgemeines Bewusstsein für diesen Sachverhalt gibt. Der vereinsmeierische Unfug, der zurzeit die deutschsprachige Wikipedia zu ersticken droht, ist allerdings typisch deutsch und trägt leider auch außerhalb der Wikipedia seine Blüten.

Wirtschaftliche Zensur

Die Pressefreiheit endet da, wo der Selbstmord beginnt […]

[…] Dieser Zensor aus dem Geist des Kapitalismus ist viel geschickter und viel subtiler als die Zensoren in den Diktaturen gewesen sind. Dieser Zensor verbietet nichts, steckt niemanden ins Gefängnis, foltert nicht, droht kaum, dieser Zensor etabliert nur neue, harmlos klingende Kriterien für die Presse. Diese Kriterien werden noch nicht einmal öffentlich oder heimlich ausgesprochen oder gar schriftlich fixiert. Sie werden einfach nur angewendet. Der Zensor belohnt diejenigen mit Geld, sprich Werbung, die sich seinen Kriterien fügen. Wer sich nicht fügt, wird nicht etwa bestraft, sondern kriegt halt nur kein Geld. Das hat im Lauf der Jahre dazu geführt, dass immer größere Teile des Werbekuchens in den der Werbung genehmen Sendern, Verlagen und Redaktionen gelandet sind. […]

Wer noch an so etwas wie eine „unabhängige Presse“ und „freie Berichterstattung“ glaubt, der schaue mal bei Konsumpf vorbei und lasse die dort angebotenen Materialen auf sich wirken.