Tag Archive: Zensur


Problem

Ich habe ein Problem mit Politikern, die ein Problem damit haben, dass es Internetdienste gibt, die beinahe keine Inhalte löschen.

Diejenigen Herrschenden, die am liebsten die selbstständige Denk- und Urteilsfähigkeit eines jeden Menschen mit Gewalt auslöschen würden, damit sie nicht mehr ihren Ambitionen im Wege steht, an diesem ersten Ziel aber trotz aller ihrer Versuche und Propaganda scheitern, diese verbrennen dann irgendwann als Ersatzhandlung Bücher, zensieren das Internet, überwachen die Kommunikation, verbieten Wörter und kriminalisieren mit Willkürgesetzen Äußerungen; und sie haben dafür stets hunderte von angeführten Gründen, die nicht nach Gewalt, sondern nach Schutz und Fürsorge für höhere „Güter“ als individuelle Freiheiten klingen.

Befähigung

Der, der da steht und diktieren will, was geschrieben wird, während alle schreiben, der ist der Analphabet.

Kunst macht frei

Als ich jung war, habe ich strikt widersprochen, wenn irgendwelche tiefspießigen Sittenwächter darüber entscheiden wollten, was als Kunst erlaubt sein sollte und was nicht als Kunst erlaubt sein sollte. Ich wurde dafür als „Linker“ bezeichnet. Dreieinhalb Jahrzehnte später habe ich diese Haltung immer noch, aber inzwischen sind die bourgeoisen „Sittenwächter:innen“ so genannte „Linke“ und ich werde für die gleiche Haltung als „Rechter“ bezeichnet oder gar als Nazi beschimpft.

Streicheleinheit

„Dieser Hund“, sagte der Vorübergehende zu seiner Zeitgenossin, „wurde so lange bespielt, gelobt und gestreichelt, bis sein Maulkorb fertig war“.

„Facebook kann mit seiner automatisierten Zensur zwar gegen Brüste, aber nicht gegen Neonazis vorgehen“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „denn eine angelernte ‚künstliche Intelligenz‘, die Neonazis erkennt und automatisch löscht, würde auch einen Großteil der politischen Agitation republikanischer Politiker in den USA löschen. Bei einer automatischen Zensur von Brüsten kann das nicht passieren“.

Meinungsfreiheitsermöglichungsmaßnahmen

Die Zensoren für das Internet werden, von ihren PR-Agenturen beraten, schon in Kürze davon zu sprechen beginnen, dass sie nicht die Meinungsfreiheit unterdrücken, sondern sie durch ihre Schutzmaßnahmen ganz im Gegenteile erst ermöglichen und dass sie damit die eigentlichen Helden und Verwirklicher der Demokratie sind.

Der Zensor liest

Ich komme mir zensiert vor, von einer Maschine halbautomatisch aussortiert

Sebastian Bäumer [Archivversion]

Der mechanische Zensor aus dem braunen, kalten Traum des Technokraten und des Innenpolitikers, er sucht nur Stellen, er kann deinen Satz ja nicht und niemals lesen.

Doch wer dann immer noch die Welt darum bittet, den mechanischen Zensor anzuschreiben und um Gnade zu winseln, weil die Sehn-Sucht nach der täglich verabreichten Social-Media-Droge auch nach gehörigen Demütigungen und schmerzhaften Psychostrafen noch erhalten bleibt, sollte gründlich über einen Wechsel des Rauschmittels nachdenken. Verglichen damit. Ist ja Heroin noch würdevoller!

Wortkraft und Zensur

Erst, wenn Menschen lernen, zu hören und über das Gehörte gründlich nachzudenken, weil es ja sein könnte, dass ein anderer Mensch richtig beobachtet, deutet und denkt, können Worte Kraft entfalten. Solange dieser Zustand nicht erreicht ist, steckt die Kraft nur in den Fäusten, Knüppeln, Messern und Gewehren.

Der Versuch, eine „Demokratie“ durch Zensur zu schützen, wird wie ein Kräuterlikör gegen Alkoholismus wirken.

Wer ungefilterte und unzensierte Kommunikation im Internet haben möchte, darf halt keine Dienste benutzen, die willkürlich einsetzbare Filter- und Zensurmöglichkeiten haben. Die meisten Menschen sollten doch immer noch etwas mehr Gehirn haben als der gegenwärtige Präsident der USA.

Erstickter Aufruf

Heute könnte niemand mehr im Internet zur Revolution aufrufen, weil die als Vorzensur zur Bekämpfung von „Hate Speech“ eingerichteten, „künstlich intelligenten“ Zensurfilter den Ruf erstickten, bevor er irgendwo vernehmbar würde. Was den Nutzern von social media bleibt, das ist die Reklame, die Unterhaltung und das Belanglose.

Hate Speech

Nachdem die Menschen sich daran gewöhnt haben, jeden Widerspruch und jedes nicht ganz stubenreine Wort des Diskurses als „Hass“ zu bezeichnen, wundern sie sich darüber, wo der ganze „Hass“ herkommt — und die wirklichen Hasser können sich hinter klaren Meinungsfreiheiten verschanzen, gegen jede Zensur aussprechen und mit der hinter ihrem Rücken versteckten Benzinflasche neben den Brand stellen um die Harmlosen zu spielen. Selten nur war politischer Aktivismus so dumm, so kontraproduktiv, so brandstiftend, so ein perfektes Spiegelbild.