Tag Archive: Intelligenz


Gleichgültigkeit

Es ist allen Erscheinungen im Kosmos — und darin inbegriffen auch allen Erscheinungen auf der Erde — völlig gleichgültig, was wir von ihnen glauben und was wir uns erhoffen. Intelligenz zeigt sich nicht im Glauben, nicht im Hoffen, nicht in der Sucht, nicht in der Gier und nicht im Narzissmus, der überall nur Spiegelbilder seiner selbst sehen kann, Intelligenz zeigt sich darin, die Dinge sein zu lassen, wie sie sind, sie zu betrachten und sie zu verstehen.

Werbeanzeigen

Wortkraft und Zensur

Erst, wenn Menschen lernen, zu hören und über das Gehörte gründlich nachzudenken, weil es ja sein könnte, dass ein anderer Mensch richtig beobachtet, deutet und denkt, können Worte Kraft entfalten. Solange dieser Zustand nicht erreicht ist, steckt die Kraft nur in den Fäusten, Knüppeln, Messern und Gewehren.

Der Versuch, eine „Demokratie“ durch Zensur zu schützen, wird wie ein Kräuterlikör gegen Alkoholismus wirken.

Skepsis

„Ein Skeptiker“, sagte der Vorübergehende zum Esoteriker, „ist einfach nur ein Mensch, der alles für möglich hält, statt sein Deutungsschema und Vorurteil an jede Erfahrung und jedes Geschehnis anzulegen und das Ergebnis dieser Messung für unzweifelhaft ‚wahr‘ zu halten. Niemand ist so offen wie ein ernsthafter Skeptiker“.

Freunde

„Die, die dir auch dann noch bleiben“, sagte der Vorübergehende zu einem, der sich seiner vielen Freunde in social media rühmte, „wenn du in ihrer Gegenwart laut denkst, die sind deine Freunde. Sonst. Niemand. Je weniger einer denkt und seine Gedanken äußert, desto weniger Anstrengungen der Selbstzurückhaltung hat er mit seinem großen Freundeskreis. Beliebtheit ist ein Indikator für Dummheit, und den scharfen Denker mit seiner Lust an der Einsicht betrachten die meisten Menschen lieber aus einem Abstand, der nicht in die eigene Persönlichkeit ragt“.

Spiegel

Die Frauen stellen sich viel häufiger vorm Spiegel und versuchen, sich so schön wie möglich zu machen, statt dass sie sich in eine Bücherei stellten und versuchten, sich so intelligent wie möglich zu machen — denn sie lernen schnell und früh, dass es unter den Männern viel mehr Dummköpfe als Blinde gibt.

Ausrichtung

„Erstaunlich“, sagte der Vorübergehende, „dass alle diese Instrumente, mit denen man intelligentes Leben im Universum entdecken will, von der Erde weggerichtet sind“.

Intelligenz

Dass einige Menschen, deren Stimmen wegen der Reklameabhängigkeit des Presse- und Medienapparates von journalistischen Betrieb gern millionenlaut verstärkt werden, in ihren geäußerten Ansichten von der „künstlichen Intelligenz“ allerlei Weltveränderung erwarten, sagt im kecken Spiegelbild alles über die Auffassung dieser Menschen von der menschlichen und damit auch von ihrer eigenen Intelligenz. Man müsste schon sehr dumm sein, um jemanden mit einer solchen Selbsteinschätzung ernst zu nehmen.

Verwechslungsgefahr

Der Vorübergehende sagte zu seinem Begleiter: „Verwechsle niemals die im Zeugnis bewertete Schullaufbahn mit Bildung, verwechsle niemals eine gute Bildung mit Intelligenz und verwechsle niemals eine ausgeprägte und tatkräftige Intelligenz mit Güte, Menschlichkeit, Fähigkeit und Weisheit. Und. Wisse in jeder Situation, was darin das Wichtigste von diesen dreien ist“!

Immer ein trefflich Wort

Wer — wie ein Journalist oder ein Politiker — zu allem etwas zu sagen weiß, der wird zu nichts etwas intelligentes zu sagen wissen. Den mit Intelligenz und Wissen erkennt man daran, dass er weiß und sagt, was er nicht weiß und sich nicht daran stört, dass er von den Anhängern der Idiotie an den Stammtischen verspottet wird.

Fragestellende

Die Intelligenz eines Menschen zeigt sich nicht darin, dass er auf jede Frage antworten kann, sondern darin, was für Fragen er stellt. Diejenigen, die auf jede sich ihnen aufdrängende Frage schnell eine Antwort wissen und diese wie auf Knopfdruck herausplappern können, sind nicht die Hellsten.

PISA-Test für Erwachsene

Aus dem Text: „Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind bis 10 Uhr hier ist.“

Frage: Um welche Uhrzeit sollten die Kinder spätestens im Kindergarten eintreffen?

Aus dem PISA-Test für Erwachsene

Kein Wunder, dass Menschen bei solchen Tests nicht gut abschneiden, dass sie ihre Konzentration zurückfahren, weil das Testverfahren mit jeder dummen Frage ihre Intelligenz offen beleidigt und verachtet. Genau das wird nämlich in Wirklichkeit dabei getestet: Wie sehr sich jemand als Menschenmaterial, als Batterie für den betrieblichen Produktionsprozess, eignet; wie gut er als ein gewünschtes Produkt eines staatlichen Bildungssystems dazu imstande ist, diszipliniert und gewissenhaft auch noch die geisttotesten Aufgaben abzuarbeiten.

Erstaunlich eigentlich, dass diese „Bildung“ noch in Punkten angegeben wird. Und. Nicht in Watt.

Zur Biologisierung der Intelligenz

Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.

Bertold Brecht

Das Problem bei der plumpen genetischen Betrachtung der menschlichen Intelligenz ists, dass es sich bei der menschlichen Denkfähigkeit (und nicht nur bei dieser) um eine komplexe, systemische Erscheinung handelt, die weder in ihrem Wesen noch in ihrer Beschaffenheit vollständig verstanden ist — das Denken trifft doch auf Schwierigkeiten, wenn es selbstbezüglich über das Denken nachzudenken trachtet. Gewiss wird es einen gewissen Anteil genetisch erworbener Fertigkeit im Denken geben, doch schon der Versuch einer Messung dieses Anteiles ist diee Idee, einen nummerischen Maßstab für eine eher intuitiv erfasste Größe zu finden, oder genauer, diesen zu erfinden. Der so genannte „Intelligenzquotient“ ist recht grob und misst vor allem funktionale Subsysteme der Intelligenzleistung, und diese Messung orientiert sich daran, wie gut ein Mensch in einem technokratisch-industriellen Produktionsprozesse verwendbar ist. (Die Rolle der ebenfalls kaum zu fassenden Kreativität bei der Entwicklung oder Abwandlung von Strategien zur Lösung neuer Probleme kommt in diesem von Militärs erfundenen Verfahren gar nicht vor.) Nicht nur, dass sich einige Anforderungen derartiger „Intelligenztests“ leicht durch ein Computerprogramm bewältigen lassen — etwa die Ergänzung von Zahlenreihen durch das Verfahren der finiten Differenzen — und dass wohl niemand bezweifelt, dass ein Computerprogramm nicht als intelligent betrachtet werden kann; auch werden schon bei diesen scheinbar objektiven Verfahren Leistungen gemessen, die bereits eine deutliche sozial erworbene Komponente haben. Bei einer Untersuchung einer größeren Gruppe Menschen wird sich wohl schnell herausstellen, dass Kinder schlecht bewerteter Eltern ebenfalls schlechte Ergebnisse erbringen, diese Korrelation spiegelt jedoch die behauptete Erblichkeit der Intelligenz nicht wider, sondern entsteht in einem übergeordneten sozialen Prozess, in dem die betrachteten Menschen als soziale Wesen verflochten sind. Die volkswissenschaftlichen — also unwissenschaftlichen und am Stammtisch erblühenden — biologischen Analogien verwirren bei solchem Zahlenwerk den Sinn. Es ist zwar wahr, dass aus der geschlechtlichen Vereinigung zweier Eintagsfliegen keine Spinne entstehen oder dass kein Hamster als Kind zweier Mäuse geboren wird; allerdings kann die Kind zweier Menschen, die bei Intelligenztests nur durchschnittlich oder auch schlecht abschneiden, sehr wohl ein Genie sein oder doch wenigstens deutlich bessere Zahlen erzielen. Ein solches Kind bedürfte hierzu vor allem der Bildung und lustvoller Anreize zur Benutzung seiner intellektuellen Fähigkeiten.

Dass — plump zusammengefasst — Deutschland auf „biologischem Wege“ verblöde, weil sich dümmere Menschen besser fortpflanzten, ist keine Aussage, die auf besondere intellektuelle Schärfe schließen lässt. Die Menschen in Deutschland verblöden auf „sozialem Wege“ — in den kalten sozialen Menschenprägwerken der Schule, der Contentindustrie und einer Arbeitswelt, die mitdenkende Mitarbeiter tendenziell ausgrenzt und bestraft.