Tag Archive: Intelligenz


Verwechslungsgefahr

Der Vorübergehende sagte zu seinem Begleiter: “Verwechsle niemals die im Zeugnis bewertete Schullaufbahn mit Bildung, verwechsle niemals eine gute Bildung mit Intelligenz und verwechsle niemals eine ausgeprägte und tatkräftige Intelligenz mit Güte, Menschlichkeit, Fähigkeit und Weisheit. Und. Wisse in jeder Situation, was darin das Wichtigste von diesen dreien ist”!

Immer ein trefflich Wort

Wer — wie ein Journalist oder ein Politiker — zu allem etwas zu sagen weiß, der wird zu nichts etwas intelligentes zu sagen wissen. Den mit Intelligenz und Wissen erkennt man daran, dass er weiß und sagt, was er nicht weiß und sich nicht daran stört, dass er von den Anhängern der Idiotie an den Stammtischen verspottet wird.

Fragestellende

Die Intelligenz eines Menschen zeigt sich nicht darin, dass er auf jede Frage antworten kann, sondern darin, was für Fragen er stellt. Diejenigen, die auf jede sich ihnen aufdrängende Frage schnell eine Antwort wissen und diese wie auf Knopfdruck herausplappern können, sind nicht die Hellsten.

PISA-Test für Erwachsene

Aus dem Text: “Bitte sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind bis 10 Uhr hier ist.”

Frage: Um welche Uhrzeit sollten die Kinder spätestens im Kindergarten eintreffen?

Aus dem PISA-Test für Erwachsene

Kein Wunder, dass Menschen bei solchen Tests nicht gut abschneiden, dass sie ihre Konzentration zurückfahren, weil das Testverfahren mit jeder dummen Frage ihre Intelligenz offen beleidigt und verachtet. Genau das wird nämlich in Wirklichkeit dabei getestet: Wie sehr sich jemand als Menschenmaterial, als Batterie für den betrieblichen Produktionsprozess, eignet; wie gut er als ein gewünschtes Produkt eines staatlichen Bildungssystems dazu imstande ist, diszipliniert und gewissenhaft auch noch die geisttotesten Aufgaben abzuarbeiten.

Erstaunlich eigentlich, dass diese “Bildung” noch in Punkten angegeben wird. Und. Nicht in Watt.

Zur Biologisierung der Intelligenz

Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.

Bertold Brecht

Das Problem bei der plumpen genetischen Betrachtung der menschlichen Intelligenz ists, dass es sich bei der menschlichen Denkfähigkeit (und nicht nur bei dieser) um eine komplexe, systemische Erscheinung handelt, die weder in ihrem Wesen noch in ihrer Beschaffenheit vollständig verstanden ist — das Denken trifft doch auf Schwierigkeiten, wenn es selbstbezüglich über das Denken nachzudenken trachtet. Gewiss wird es einen gewissen Anteil genetisch erworbener Fertigkeit im Denken geben, doch schon der Versuch einer Messung dieses Anteiles ist diee Idee, einen nummerischen Maßstab für eine eher intuitiv erfasste Größe zu finden, oder genauer, diesen zu erfinden. Der so genannte “Intelligenzquotient” ist recht grob und misst vor allem funktionale Subsysteme der Intelligenzleistung, und diese Messung orientiert sich daran, wie gut ein Mensch in einem technokratisch-industriellen Produktionsprozesse verwendbar ist. (Die Rolle der ebenfalls kaum zu fassenden Kreativität bei der Entwicklung oder Abwandlung von Strategien zur Lösung neuer Probleme kommt in diesem von Militärs erfundenen Verfahren gar nicht vor.) Nicht nur, dass sich einige Anforderungen derartiger “Intelligenztests” leicht durch ein Computerprogramm bewältigen lassen — etwa die Ergänzung von Zahlenreihen durch das Verfahren der finiten Differenzen — und dass wohl niemand bezweifelt, dass ein Computerprogramm nicht als intelligent betrachtet werden kann; auch werden schon bei diesen scheinbar objektiven Verfahren Leistungen gemessen, die bereits eine deutliche sozial erworbene Komponente haben. Bei einer Untersuchung einer größeren Gruppe Menschen wird sich wohl schnell herausstellen, dass Kinder schlecht bewerteter Eltern ebenfalls schlechte Ergebnisse erbringen, diese Korrelation spiegelt jedoch die behauptete Erblichkeit der Intelligenz nicht wider, sondern entsteht in einem übergeordneten sozialen Prozess, in dem die betrachteten Menschen als soziale Wesen verflochten sind. Die volkswissenschaftlichen — also unwissenschaftlichen und am Stammtisch erblühenden — biologischen Analogien verwirren bei solchem Zahlenwerk den Sinn. Es ist zwar wahr, dass aus der geschlechtlichen Vereinigung zweier Eintagsfliegen keine Spinne entstehen oder dass kein Hamster als Kind zweier Mäuse geboren wird; allerdings kann die Kind zweier Menschen, die bei Intelligenztests nur durchschnittlich oder auch schlecht abschneiden, sehr wohl ein Genie sein oder doch wenigstens deutlich bessere Zahlen erzielen. Ein solches Kind bedürfte hierzu vor allem der Bildung und lustvoller Anreize zur Benutzung seiner intellektuellen Fähigkeiten.

Dass — plump zusammengefasst — Deutschland auf “biologischem Wege” verblöde, weil sich dümmere Menschen besser fortpflanzten, ist keine Aussage, die auf besondere intellektuelle Schärfe schließen lässt. Die Menschen in Deutschland verblöden auf “sozialem Wege” — in den kalten sozialen Menschenprägwerken der Schule, der Contentindustrie und einer Arbeitswelt, die mitdenkende Mitarbeiter tendenziell ausgrenzt und bestraft.

Von der Größe

Alles Große, Erhebene, Wunderbare in der Geschichte der menschlichen Kultur entstand nur, weil gewisse Menschen aus reiner Lust an diesem Tun mehr getan haben, als sie in ihrer Lebenssituation hätten tun müssen. Aber alljenes, das nicht in erster Linie groß ist, aber aller Menschen Alltag erleichtert und ihnen mühsame Arbeit erspart, entstand aus der anderen, nur scheinbar entgegengesetzten psychischen Strebung heraus, aus der so oft verunglimpften und doch kulturell so fruchtbaren Faulheit. Die wirklich großen Menschen sind immer jene gewesen, die allzu genau um ihre eigenen Schranken wussten und sich nicht in süßen narzisstischen Tagträumen eingebildeter Allmacht verloren; die es — entgegen allem Unverständnis und aller Kritik ihrer Zeitgenossen — verstanden, bei den leidigen Tätigkeit kreativ faul zu sein, um aus ihrer Lust heraus kreativ tätig zu sein. Sie waren jene, die ihr Hirn nicht nur wie eine lächerliche Krone auf ihrer Evolution trugen, sondern es auch benutzten.

Vom intelligenten Schauen

Sir Arthur Conan Doyle, ein Schriftsteller, der übrigens allen Ernstes von den recht dürftigen Darbietungen der Spiritisten seiner Zeit überzeugt wurde und allein deshalb nicht selbst als ein Mensch von besonderer intellektueller Disziplin gelten kann, hat die immer noch recht populäre literarische Figur des “intellektuellen” Detektives Sherlock Holmes erfunden und in etlichen Kurzgeschichten und einer Handvoll Romanen ausgebreitet. Sherlock Holmes ist auch heute noch eine Ikone der Massenkultur, eine Figur, die zum Inbegriff des nüchternen, logischen Beurteilens der Fakten zum Auffinden einer hinter den Fakten versteckten und interessanten Wahrheit geworden ist.

Dabei ist Holmes’ zumeist angewendete “Schlussmethode” völlig ungeeignet und funktioniert in dieser Form nur im Sandkasten einer fiktiven Romanwelt. Die “Methode” des Detektives besteht nach seinen “eigenen” Aussagen darin, alle Möglichkeiten auszuschließen, so dass das Verbleibende, so unwahrscheinlich es auch anmuten mag, die Wahrheit sein muss. Diese “Methode” ist schon deshalb absurd, weil sie voraussetzt, dass ihr Anwender sich aller Möglichkeiten auch gewahr ist, dass er also über eine vollständige Kenntnis des Kosmos verfügt. Eine solche Annahme mag dem Größenwahn munden, der sich nur dürftig verlarvt hinter dem Narzissmus des Menschen verbirgt, für die ernsthafte geistige Tätigkeit ist sie ein lähmendes Gift, das jedes Voranschreiten unmöglich macht.

Es bringt wesentlich bessere Ergebnisse, die Vielzahl der in einer vernünftigen Betrachtung eines Themas aufkommenden Vermutungen direkt zu überprüfen, als sie in der von Doyle propagierten Form indirekt zu behandeln.

Wie ungeeignet diese indirekte “Methode” für den Erkenntnisgewinn wirklich ist, lässt sich am trefflichsten am Beispiel einer Alltagssituation aufzeigen. Wenn jemand seinen Wohnungsschlüssel nicht findet, könnte er ihn suchen, indem er in dummer Blindheit alle denkbaren Orte durchsucht, an denen dieser liegen könnte. Für die in den Romanen als so überlegen dargelegte Doyle-Methode müssten hierbei auch völlig ungeeignete Orte in Erwägung gezogen werden, etwa der Kühlschrank, das Gehäuse des Fernsehers oder die Kaffeekanne. Jeder wird wohl zustimmen, dass diese Form der “Suche” nicht das Potenzial in sich trägt, schnell zum Ziele zu führen oder auch nur eine brauchbare Einsicht in den gegenwärtigen Ort des Schlüssels zu liefern. Da tröstet dann auch nicht der “Erkenntnisgewinn” nach Doyle, dass, wenn alle Orte bis auf einen Ort durchsucht worden sind, doch wenigstens Gewissheit darüber erlangt wurde, dass sich der Schlüssel an diesem Orte befinden müsse; eine intellektuelle Gewissheit, die ihre stolze “Größe” dadurch beweist, dass sie gar nicht mehr nachschauen muss — als ob das etwas hülfe, wenn man auf der Suche nach einem Schlüssel ist!

Ein vernünftiger Mensch wird eben anders herum vorgehen. Er wird sich darüber bewusst sein, dass er nicht alles weiß, sonst brauchte er den Schlüssel ja gar nicht zu suchen. Also wird er darüber nachdenken, wo der Schlüssel sein könnte. Im Zuge dieser geistigen Tätigkeit wird er sich zu erinnern versuchen, wie er in die Wohnung gegangen ist, welche Orte in der Wohnung er aufgesucht hat und was er dort getan hat, um auf diese Weise Hypothesen zu bilden, wo er den “verdammten Schlüssel” hingelegt haben könnte. (Er kann ja in Abhängigkeit von den Umständen des Verlegens durchaus einmal im Kühlschrank oder gar in der Kaffeekanne sein, und auch noch an ganz anderen, vielleicht noch absurderen Orten. Aber die Regel ist das eben nicht.) Die durch geistige Tätigkeit gebildeten Hypothesen werden dann auf eine direkte und einfache Weise durch schlichtes Nachschauen überprüft und dabei werden so lange Hypothesen widerlegt, bis sich die richtige zusammen mit dem Schlüssel findet. Die direkte Suche unter Verwendung des Verstandes ist der indirekten nicht nur deshalb überlegen, weil sie im Gegensatz zu jener durchführbar ist, sondern auch, weil sie einen intellektuellen Prozess voranträgt, der die Suche unterstützen hilft. Die in der geistigen Beschäftigung mit dem Thema aufkommenden Gedanken sind dazu geeignet, weitere sinnvolle Gedanken hervorzubringen. So wird etwa schnell eine Erinnerung daran aufkommen, wann das letzte Mal in einer ähnlichen Situation der Schlüssel verlegt oder verloren wurde und wo sich dieser dann schließlich fand — zum Beispiel unterm Sessel, weil er beim Ausziehen und Ablegen der Hose aus der etwas zu weiten Hosentasche herausgerutscht ist. Wenn etwa dieses Mal die gleiche Hose getragen wurde, können solche im Denkprozess aufkommenden Assoziationen den Vorgang der Suche erheblich abkürzen. Sie sind eben ein Zeichen vernünftiger Beschäftigung mit einem noch unbekannten Sachverhalt.

Die “Doyle-Methode” ist vor allem dort sehr beliebt, wo dem Irrationalismus ein intellektueller oder gar wissenschaftlicher Anstrich gegeben werden soll. Ihr erster Glaubenssatz lautet: “Es kann nicht widerlegt werden, also muss es wahr sein”. Bei dieser “Argumentation” verschiebt sich der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit vom Wissen auf das Unwissen, und es nimmt nicht wunders, dass bei einer derart ausgerichteten Aufmerksamkeit nur wenig neues Wissen gefunden wird, aber dafür vieles, was mangels harter Belege geglaubt werden soll. Auf diesem Hintergrund ist es auch gar nicht erstaunlich, dass Doyle selbst ein Anhänger des Spiritismus war, denn dieser geschäftlich interessante und von allerlei Betrug geprägte Aberglaube passt zu einer solchen Auffassung. Es ist nun leicht möglich, die Postulate des Spiritismus zu “belegen”, indem eine beeindruckende Menge alternativer Erklärungen für die darin auftretenden Phänomene in mehr oder weniger überzeugender Form widerlegt werden und anschließend behauptet wird, dass die spiritistische Erklärung noch am besten passt. Und es ist völlig unmöglich, ein beliebiges Postulat zu widerlegen, denn hierfür müsste eine unendliche Reihe von Überprüfungen durchgeführt werden.

Letzteres gilt übrigens auch für so gesichertes Wissen wie das Gravitationsgesetz, das sich mit Leichtigkeit dadurch widerlegen ließe, dass man auch nur an einem einzigen Ort im Kosmos seine wenigstens zeitweilige Ungültigkeit aufzeigt. Wer damit anfangen will, stelle sich irgendwo mit einem Stein hin und lasse ihn immer wieder fallen und warte darauf, dass er einmal schweben bleibt oder gar nach oben fällt! Das Scheitern dieses mühsamen und zeitaufwändigen Ansinnens belegt mikroskopisch wenig und widerlegt nichts. Kein geistig gesunder Mensch käme auf die Idee, einen solchen Versuch ernsthaft zu unternehmen. Und. Die meisten Menschen begnügen sich in dieser Sache mit der einfachen Beschreibung eines nummerischen Zusammenhanges, der von den beteiligten Massen und vom Quadrat ihrer Entfernung abhängig ist, und der immer und immer wieder in allen Größenordnungen beobachtbar ist. Dass dieser Zusammenhang nicht beweisbar ist, nehmen sie hin, weil sie wissen, dass sie nicht alles wissen können.

Anders hingegen die Vertreter der Irrationalität. Diese postulieren Thesen über gewisse Bereiche der Wirklichkeit, die ohne Kenntnis der Thesen gar nicht beobachtbar wären, und sie schließen aus der Unmöglichkeit, diese zu widerlegen, auf die Korrektheit ihrer Thesen. Ob es sich bei den Thesen um Geisterglauben, UFOs, große Verschwörungen oder die gegenwärtigen pseudowissenschaftlichen Theorien des menschlichen Wirtschaftens geht, immer gibt es einen beachtlichen Mangel an harten stützenden Daten und Beobachtungen*, immer wird den wenigen gesicherten Fakten eine einseitige Behandlung zuteil, immer wird darauf verzichtet, Aussagen großer Tragweite direkt zu belegen.

So lange dies jemand nur für seinen eigenen Trost täte, wäre es dumm und harmlos. Wenn jemand meint, dass Jesus Christus ihm tief im Herzen berühre oder das er geistigen Kontakt zu seiner verstorbenen Großmutter erhalten habe, will ich ihm das nicht nehmen, obwohl ich angesichts solchen Futters für den Narzissmus starke Bedenken bekomme. Das Problem fängt dort an, wo daraus weitreichende Folgerungen für andere Menschen abgeleitet werden, wo gar gesellschaftliche Konsequenzen gefordert und mit psychischer oder staatlicher Gewalt durchgesetzt werden, die tief in das Leben anderer Menschen einschneiden. Ob es sich hier um die Idioten handelt, die unter dem irreführenden Wort vom “Kreationismus” ihre Religion in den Rang einer Wissenschaft erheben wollen, oder ob es sich um die ungleich gefährlicheren Idioten handelt, die von einer Wissenschaft des Wirtschaftens sprechen und aus dieser Sicht den Umbau ganzer Gesellschaften fordern, die Vorgehensweise ist immer gleich. Es gibt keinen direkten Beleg für ihre Thesen, nur im Sinne der Religion oder Ideologie ausgedeutete, indirekte Belege, die sich in erster Linie gegen andere Erklärungsmodelle richten. Diese Ausrichtung gegen andere Modelle verbindet sich meist mit einem gehörigen Maß Polemik. Der Schaden, der aus solchem notdürftig rationalisierten Denkverzicht über die Menschen in den gegenwärtigen Gesellschaften gegossen wird, ist gewaltig.

* Weder hat sich ein Trümmerteil eines abgestürzten UFOs angefunden, das klar als außerirdisch indentifiziert werden konnte, noch hat ein Spiritist oder “mental begabter” Mensch seine Darbietungen unter scharfen Laborbedingungen erbringen können, noch existieren irgendwo über das bloße, von Koinzidenzen erzeugte Unbehangen hinaus gehende Belege für riesige Verschwörungen. Die jüngsten Ideen der Wirtschaftswissenschaft für den Umbau der Gesellschaften sind vor aller Augen gründlich gescheitert, und die Grundlage dieser Forderungen bestand vor allem in der ideologischen Interpretation statistisch ermittelter Daten. Es ist alles Mumpitz.

Klug wie Brot

Ár var alda, þar er Ýmir bygði,
vara sandr né sær, né svalar unnir,
jörð fannsk æva, né upphiminn,
gap var ginnunga, en gras hvergi.

Völuspá, 3

Aus der Sicht der Erbsubstanz betrachtet — und eine andere Sicht ist evolutionär eher fragwürdig — muss es für eine Art gar nicht so schlecht sein, wenn ihre Individuuen dem Menschen schmecken, vorausgesetzt, dieser Art gelingt es auch, vom Menschen gezüchtet zu werden. Weder die Kühe, noch die Hühner, noch die vielen als Getreide kultivierten Grasarten sind vom Aussterben bedroht, ganz im Gegensatz zu den vielen vielen Lebensformen, die dem Menschen nicht so munden. Würde ein außenstehender Beobachter mit einem fortschrittlichen Raumfahrzeug vorbeischauen und das Treiben auf der Erde betrachten, so könnte er leicht zu Auffassungen kommen, die dem größten Teil der Menschen absurd vorkämen. Er könnte zum Beispiel die großen Mühen und den technischen Aufwand des Ackerbaues sehen und auf die Idee kommen, dass diese seltsamen, mit so viel primitiver Technik den ganzen Planeten verbrennenden Zweibeiner ihrerseits von angepassten, parasitären Gräsern ausgebeutet würden, deren Erbsubstanz sie eigens zu diesem Zweck zum Nahrungsmittel der Zweibeiner gemacht hat. Und. Er könnte die Gräser für die eigentlichen Herrscher und die dominierende Lebensform auf der Erde halten. Dass ein solcher außenstehender Beobachter aber den Menschen irgendeine Form der Intelligenz zutraute — so sehr mich dies als Mensch auch schmerzt — erscheint mir angesichts der Gesamtheit der menschlichen Zivilisation unvorstellbar.

Und wer jetzt meint, dass dieses Phänomen des sommerlichen Englands mit seinen heiteren Lügnerclubs, diese Kornkreise, vielleicht eine Kommunikation der Außerirdischen mit dem Gras ist, dem kann ich auch nicht mehr helfen…

Kreuz-Weise? Kreuzweise!

Mensch Jesus, bleib oben,
Sonst schlagn die dich tot!

Bettina Wegener

Jesus aus Nazaret starb nicht am Galgen auf Golgata.

Er starb und stirbt Tausende und Tausende der Tode. (Und gar mancher dieser Tode ist schlimmer und grausamer als das barbarische römische Justizmorden.)

Er — der übrigens nur wenig von formeller Religion gehalten haben soll — starb das erste Mal, als Saulus auf dem Wege nach Damaskus seine historisch gewordenen Hirnblitze ( Apg. 9 ) sah und darin einen nützlichen Leichnam für seinen gekränkten Narzissmus halluzinierte und aus diesem Kadaver eine Religion zimmerte.

Er — der übrigens niemals selbst auch nur einzige Zeile niedergeschrieben hat, die sich bis heute erhalten hätte und der deshalb offenbar nichts von einer auf ihn basierenden Schriftreligion hielt — starb bei allen gläubigen Empfängern der Briefe, die dieser Saulus lieber unter seinem neuen Namen Paulus verfasst hat, um der Welt zu erzählen, dass seine Halluzination der neue und einzige Gott für alle sei. Dass dieser sich Paulus nennende Saulus einer jüdischen Sekte angehörte, deren bis zur Neurose perfektionistische Form der Religionsausübung von Jesus immer wieder in ätzender Form kritisiert wurde, ist offenbar niemandem aufgefallen, und es schert sich bis heute keiner darum. Schon Paulus hat sich einen Dreck für die wirkliche Person hinter diesem Jesus interessiert und fand seine eigenen Trugbilder viel attraktiver — und genau so geht es bis heute den Judasfreunden, die diesen ganzen Unfug glauben und die sich Christen nennen.

Er — der einmal gesagt haben soll: “Ich lebe, und ihr sollt auch leben” — starb, als die paulusgläubigen römischen Sklaven singend und schafdoof in den Tod gingen und damit das System der Sklaverei erhielten. Ganz so. Wie es Paulus gefiel, damit er auch weiter Gefallen an seinem Sklaven hat. Er stirbt bis heute, wenn Christen in einem bekannten Danklied den Satz “Danke für meine Arbeitsstelle” singen und damit die heutige Form der abstrakten Arbeit heilig sprechen, den Armen zur Knechtschaft und den Besitzenden zum sprudelnden Reichtum und zum Wohlgefallen.

Er — nach Aussagen seiner frommen Gegner ein “Fresser und Weinsäufer und Freund aller Sünder” — starb, als Menschen ihre Sexualität von sich abspalteten und sich deshalb psychisch und körperlich selbst zerfleischten. Bis heute stirbt er in jeder Neurose, in jeder Bulimie, in jeder Unfähigkeit zur Liebe. Und. Alle diese Krankheiten sind nur moderne Bastardkinder der älteren Krankheit der Askese, der sinnlichen Selbsttötung als Lebensentwurf.

Er — der auf die formelle Anrede eines Fragestellers einmal erwidert haben soll, dass er nicht “gut” genannt sein möchte, weil niemand als Gott allein gut sei — starb, als die Gläubigen des Paulus ein paar Jahrhunderte später erbost darüber stritten, ob ihr Jesus nun wesensähnlich oder wesensgleich zu Gott sei. Und. Als die Vertreter der letzteren Auffassung, die aus diesem Streit als Sieger hervorgingen, die Vertreter der ersteren Auffassung zu gottlosen Menschen erklärten, die für ewig in der Hölle zu brutzeln haben. Und. Genau So. Gilt es bis heute.

Er — der überliefert wurde als einer, der jede Form der Herrschaft durch Menschen über Menschen nicht für den Willen Gottes hielt — starb, als der heilige Hirnfurz des Paulus unter dem römischen Kaiser Konstantin zur neuen Staatsreligion des imperium romanum wurde. Als. Der von Paulus deformierte Jesus die staatliche Gewalt heiligen musste, so mörderisch sie auch wütete. Das tut dieser Jesus bis heute von seinem heiligen Galgen herab, dieser nützliche Kadaver der Herrschenden und Besitzenden und Großmörder aller Zeiten.

Er — der von der frommen Elite seiner Zeit gesagt haben soll, dass sie sich vor die Türe stelle, die in ein besseres Leben führt; dass sie dort selbst nicht hindurchgingen, aber auch niemanden anders hindurchließen — starb und stirbt am Petersplatz, wo sich ein Hurenbock nach dem anderen hinstellte und sich als “Heiliger Vater” anreden und als Stellvertreter Gottes betrachten ließ und lässt, ja, bis heute so anreden und betrachten lässt. Auch. Von den staatlichen und wirtschaftlichen Verdummungsanstalten in Form des Rundfunks und der Presse.

Er — der überliefert wird als einer, der gleich einem durchgeknallten, auf einem Trip hängengebliebenem Hippie jede Form der Gewalt in jeder Situation abgelehnt haben soll — starb und stirbt, wenn sich seine selbsternannten Verwalter gestikulierend vor die Waffen stellen und in “seinem” Namen ihre Zaubersprüche abmurmeln, damit diese Waffen auch ja ein gesegnetes Morden für die Wahrung der Besitzstände der Herrschenden und Besitzenden vollbringen. Er stirbt auch im “geistlichen Beistand” für die Soldaten, damit diese auch ja ein billiges und williges Kanonenfutter abgeben.

Er — der angeblich in den formellen Gottesdiensten seiner Zeit so viel Heuchelei erblickte und dies in derart trefflicher Form zum Ausdruck brachte, dass man ihn schließlich deswegen umbrachte — starb und stirbt auf den Schlachtfeldern der vielen vielen “heiligen” Kriege in “seinem” Namen, vom ersten Kreuzzug, über den Tag, an dem der Katholik Adolf Hitler die Worte “Wir werden in diesen Krieg ziehen wie in einen Gottesdienst” aus den Volksempfängern schallen ließ, bis hin zu den jüngsten crusades US-amerikanischer Präsidenten.

Er — der berichtet wird als einer, der in Bezug auf eine Ehebrecherin einmal die recht anzüglichen Worte “Ihr wird viel vergeben, denn sie hat viel geliebt” gesprochen haben soll — stirbt in jeder mit der politischen Macht der heutigen Paulusjünger, Galgenanbeter und Judasfreunde verhinderten Empfängnisverhütung oder Abtreibung, bei der ein Mensch draufgeht, lebenslang als Krüppel leidet oder — noch viel schlimmer — als unerwünschter Mensch (oft gar als Ergebnis einer Vergewaltigung) psychisch so deformiert wird, dass von einem Leben keine Rede mehr sein kann.

Er — der so viel von der Liebe erzählt haben soll — stirbt in jedem Entwurf einer kalten, körperlosen Form des Miteinanders, auf welchem die Gläubigen des Paulus den Stempel “Liebe” geprägt haben sollen, bis hin zum heutigen Geschäft mit der von unterbezahlten Elendsarbeitern ausgeübten “Pflege”, bei dem vor kirchennahe Organisationen ihren Schnitt machen. Und. Er stirbt in der Betrachtung des Geschlechtsverkehrs als “eheliche Pflicht”, die man zu erfüllen hat, fast so, wie den “Dienst am Vaterland”.

Er — von dem die unbekannten antiken Autoren einen ganzen Stammbaum seines Vaters Josef überliefert haben — stirbt an der psychischen Kastration, die sich im Gefasel von der “unbefleckten Empfängnis Mariens” Bahn brach und bricht und darauf basierend einen Verzicht auf jeglichen Sexualgenuss fordert. Vieles von der Kälte in den heutigen Gesellschaften ist eine Spätfolge dieser christlichen Sexualverdammung und sich über Jahrhunderte erstreckenden religiösen Verschneidung der Gläubigen. Welchen Zweck. Der Stammbaum dieses Mannes da haben soll, kann einem auch der geschwätzigste Theolügner des Christentums nicht in einleuchtender Weise erläutern. Deshalb redet man in den Lügendiensten auch nicht so viel darüber, sondern fordert lieber die Menschen zur Enthaltsamkeit auf.

Er — der zwar kein Asket gewesen sein soll (vielleicht sogar ein kleines Wämplein hatte, so gut, wie er sich oft irgendwo einlud), aber zu einer allgemeinen Haltung der Sorglosigkeit in Fragen des Essens aufgerufen haben soll — stirbt in der Heiligung des Konsums. Und. Zwar genau so, wie er schon vorher in der so genannten “Eucharistie” starb, dem magischen Essen einer trockenen Hostie, die im faulen Zauber des “Gottesdienstes” als heilbringendes Opfer aus Menschenfleisch gedacht ist. Der Judas, auf dem ihr Christen euren mörderischen Judenhass basieren lasst, der hat ihn “nur” verraten und verkauft, aber ihr Christen esst ihn auch noch auf!

Er — der doch schon so lange tot ist, dass sich niemand sicher sein kann, dass er überhaupt einmal gelebt hat — starb und starb und stirbt und stirbt und wird immerfort gemordet. Und. Alle seine Mörder sind brave Christen, die dem Paulus jedes seiner eiskalten Worte abgekauft haben und sich deshalb einen Scheißdreck für Jesus interessieren. Weil. Sie sich auch sonst einen Scheißdreck für Menschen interessieren, jedenfalls für andere Menschen als sich selbst.

Und. Er — der so viele warme und noch viel mehr wirre Reden gehalten haben soll — kann doch gar nichts dafür, dass Paulus so einen tollen, goldenen Galgengötzen aus ihm geschnitzt hat. Niemand interessiert sich für seine Reden. Wenn sich die Christen für Jesus aus Nazaret interessierten, gäbe es weniger Christen. Die Christen interessieren sich mehr für Paulus, der ihren Narzissmus heiligt, für gutes Essen, dass ihnen alles andere ersetzen muss, für die Abwehr ihrer Angst, die sie in der Religion finden und für ein neues Auto und einen größeren Fernseher — auf wie viel und wessen Blut dieser “Segen” gedeiht, ist ihnen dabei recht gleichgültig. Und. Die Christen interessieren sich brennend für die Unterdrückung jeder Strebung, die ihren primitiven, barbarischen und narzisstischen Interessen zuwider läuft. Deshalb stört sich keine christliche Kirche jemals an einen Krieg oder an diesem brutalen Gemetzel an ganzen Völkern und Kulturen, das mit dem Wort von der “Globalisierung” bezeichnet wird. Sie. Stört sich auch niemals an der Indoktrination der Kinder in staatlichen Schulen und an der Unterdrückung von anders gläubigen Menschen, sondern macht aktiv mit.

Verstehst du, Schwester?

Das ist der Grund, weshalb ich kein Christ sein kann. Ich habe nicht nur die Gewalt des Christentums am eigenen Leibe gespürt, ich habe zu allem Überfluss auch noch die Bibel gelesen. Ich müsste mich selbst belügen, um Christ zu sein. Und? Wie soll ich das anstellen? Ich glaube diesem Paulus und allen seinen Nachfolgern nicht ein einziges, den Menschen mit heftig knallender Angstpeitsche eingepeitschtes Wort.

Das verstehst du nicht, Schwester?

Deine Dummheit, Schwester, ist selbstverschuldet. Habe den Mut, vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer zu werden, und du wirst ganz schnell verstehen, warum unter den vielen tausend Dankgebeten der christlichen Religion nicht einmal ein Dank für den Verstand des Menschen hörbar wird. Der Verstand muss in der Religion des Paulus und des Judas unterdrückt werden, denn er nimmt dieser psychischen Fessel ihre Kraft.

Wenn du bei deiner Dummheit bleibst, überrascht mich das nicht. Du reihst dich in eine lange Reihe von dummen Menschen durch die Zeiten ein und glaubst dabei den Beistand eines Jesus zu haben, der gesagt haben soll: “Der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sinds, die auf ihm gehen. Aber der Weg ins Leben ist eng, und nur wenige gehen darauf.”

Wenn du mich nicht verstehst, wenn du mich als einen Ungläubigen, Gottlosen, vom Teufel Besessenen ansiehst, denn reihst du dich in diese lange lange Reihe durch die Zeiten ein. Und längs dieser Reihe stehen die rauchenden Scheiterhaufen und die von Raben umflatterten Galgen und die mit Schmerz umflochtenen Räder und die Folterkammern und die Bordelle des Vatikans und legen ein zum Himmel schreiendes Zeugnis von den Zeiten ab, in denen die christliche Religion Grundlage der Gesellschaft war. Der Gott, an den du glaubst, der Gott, für den Zeit keine Bedeutung hat, wird die Geschichte genau so sehen — und deine Position darin. Und das. Ist der Platz den du selbst im Geschehen einnimmst, meine stinkende Schwester. Augen und Ohren und einen Kopf hast du: Zu den Risiken und Nebenwirkungen deiner Haltung schlage ein beliebiges Geschichtsbuch auf, und zu Jesus aus Nazaret schlage deine Bibel auf und vergiss mal für eine Woche den Paulus!

Und wenn du denn immer noch nicht verstehst, meine kindische Schwester, denn ist das dein Problem. Ich bin dafür nicht zuständig, lass mich bitte damit in Ruhe. Und wenn du es irgendwann, wenn die Barbarei sich wieder ausbreitet, zu meinem Problem machen willst und mich in meiner Andersgläubigkeit — es gibt keinen Menschen, der ungläubig wäre — bedrängst und verfolgst, denn wisse, dass ich dir nicht eine andere Backe hinhalten werde, sondern für das Recht auf mein verdammtes, von Geistarmen wie dir ständig angeknabbertes Dasein einstehen werde. Wenn es wirklich sein muss, auch in einem Kampf auf Leben und Tod. Jesusse, die wie ein blökendes Schaf freiwillig zum Metzger trotten, hatte diese ganze Geschichte schon genug. Die halten sich alle für so weise durch das Kreuz, aber sie können mich mal kreuzweise.

Und jetzt geh, Schwester! Du hast noch etwas zu lesen…

Wer sich hier angesprochen fühlt, ist gemeint. Wer männlichen Geschlechtes ist, lese einfach Bruder. Wer kopfschüttelnd und voller Unverständnis diesen langen Text gelesen hat, verzeihe mir bitte, aber nach diesem Gespräch mit einer christlichen Fundamentalistin musste es einfach raus, mir wäre sonst die Gallenblase explodiert — deshalb ist vieles auch ein bisschen roh formuliert.

Wofür Christen nicht danken

Die Gesangbücher der christlichen Kirchen sind ja voll des Dankes, der dem christlichen, dreigespaltenen Gott für alles Mögliche im Leben eines Menschen entgegengeplärrt wird. Ja, es gibt sogar Lieder, die sich für die Mühe der Arbeit, für Krankheit und für Armut bedanken. Nur für eines bedankt sich keines der vielen Liedchen, die in der Kirche gesungen werden, um die Singenden zu hypnotisieren und für die irrationale Botschaft des Pfäffchens zu “öffnen”, und das ist ausgerechnet die Intelligenz.  :mrgreen:

Relative Intelligenz

Computer sind (noch) nicht intelligent. Aber sie sind jetzt schon um einiges intelligenter als jene Menschen, die sie jetzt schon für intelligent halten.

Vom Interesse

Was den Dummkopf von einem denkenden, reflektieren und fühlenden Menschen unterscheidet, ist vor allem die Ausrichtung seines Interesses. Der Dummkopf ist fasziniert vom Grellen, Ungewöhnlichen, Aufwühlenden und kann diesem mühelos seine ganze Aufmerksamkeit zuwenden und sich allein deshalb schon für “informiert” halten — und eine ganze Contentindustrie steht bereit, um diesen happsenden Hunger der Augen und Ohren täglich neu mit recht künstlichen Produkten abzustopfen. Anders hingegen der Denkende, Reflektierende, Fühlende: Er ist fasziniert vom Gewöhnlichen, Alltäglichen, allzu Vertrauten und deshalb sensibel für die ebenfalls sehr gewöhnliche Stumpfheit der Wahrnehmung gegenüber diesen Erscheinungen, die leicht jede tiefere Einsicht in die Zusammenhänge verhindert, wenn ihr nachgegeben wird.

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