Tag Archive: Weltuntergang


Gewohnheitstier

Als der aufdringliche Sektierer ein Vollbad in seiner Psyche nahm und gleichermaßen freudig wie angstvoll erzählte, dass doch jetzt demnächst die Welt untergehe, sagte der Vorübergehende heiter: „Ach, so ein Weltuntergang ist doch auch nicht weiter schlimm, ich habe schon mehrere erlebt„.

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Weltuntergang ausgefallen, Erlösung auch

Dem gleichermaßen kindischen wie psychisch so wirkmächtigen angstvollen Glauben vieler Menschen, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergehen würde, weil ein längst nicht mehr benutzter Kalender „ablaufe“, ihm ging mehr als ein Jahrtausend einer jedes Miteinander prägenden christlichen Vergötzung des Kalenders in Form des „Kirchenjahres“ voraus, ein theo-verlogenes Instrument, das darüber hinwegtrösten musste und muss, dass bei den Religionsanhängern die täglich gefühlte Erlösung ausblieb und ausbleibt. Die schrillbunten Blüten des Bullshits sind so hoch gewachsen durch die Düngung auf dem Mist der Religion. Frohe Weihnachten.

Nach dem Weltuntergang

Es ist Christus Jesus, der die sieben Siegel öffnet und dadurch beweist, daß kein Mensch die Prophezeiungen erschließen kann, sondern daß Gott seine Menschen die Prophezeiungen verstehen läßt, nachdem die Siegel geöffnet sind. Hieraus folgt nicht notwendigerweise, daß man die Prophezeiungen sogleich verstehen würde, nachdem die Siegel geöffnet worden sind. Man kann nun sehen, daß die in Verbindung mit den ersten fünf Siegeln dargestellten Ereignisse sich von 1914 bis 1918 erfüllt haben; aber deren Bedeutung konnte man nicht verstehen, bevor der Herr zu seinem Tempel gekommen war. Vor dieser Zeit hatte Gottes Versammlung die Prophezeiung von Matthäus 24 auf die Geschehnisse von 1874 bis 1914 angewandt.

Nichts macht diese kindische Idiotie, diese bei ausgewachsenen Menschen gar nicht anziehend wirkende, verantwortungslose Haltung Pippi Langstrumpfs „Ich mache mir die Welt, so wie sie mir gefällt“ dieser ganzen Sektierer, Angstverkäufer und Weltuntergangsprofeten deutlicher als die hingestammelten Texte, die diese Leute veröffentlichen, wenn der irgendwie errechnete oder „geoffenbarte“ Termin für das Weltende verstrichen ist und die Welt sich nicht um Datum und Uhrzeit gekümmert hat und unberührt von den wuchtigen Worten fröhlich weiterexistiert. Und. Um für jeden Sehenden zu belegen, wie wichtig die Angst vor dem Ende für den Aufbau ihrer Sekte ist, lassen die Angstredner dann einen kleinen Teppich Gras über ihr Scheitern wachsen und gehen danach mit einem neuen Termin und frisch aus der Druckerei strömenden Traktaten paarweis von Tür zu Tür und sähen ohne einen Blick zurück, die Scheuklappe der Heiligen Schrift fest auf ihre Augen gepatscht, Hirnlosigkeit und Weltflucht unter jenen, die wegen ihres beschädigten Daseins besser zum Einfordern ihres angefochtenen Daseinsrechts erzogen werden sollten. Die Religion — selbst noch jene, die sich in einer vom Staate zuberaumten Nische gegen das „böse System der Dinge“ stellt, das der Staat ist — sie ist eine heilig sprechende Stütze genau dieses Staates und atmet genau die gleiche Angst und Gewaltdrohung wie dieser.

Frohe Pfingsten! Möge der Geist die Geistlosigkeit hinfortspülen!

Zeugen Jehovas!

Berechnet eure Daten für das Weltende und die zugehörigen Ereignisse doch zur Abwechslung einmal korrekt aus der Offenbarung des Johannes und aus den Proportionen der Pyramiden zu Gizeh. Dann können nämlich auch eure „Beweise“ besser überzeugen und außerdem ist der Satan nicht immer so verwirrt von euren Schriften voller Rechenfehler. :mrgreen:

Quelle des Scans: „Licht“, Publikation der Zeugen Jehovas, 1922.
Man sollte Weltuntergangsprofeten übrigens immer ein paar Jahre nach Ablauf ihrer vorherigen Daten lesen, um so richtig genießen zu können, wie sie ihre vorherigen Fehler umdeuten und rechtfertigen, nur um noch einmal zu scheitern.

Keine geeignete Zielgruppe

Mein werter mormonischer Zeitgenosse,

der du irgendwie meine Mailadresse herausbekommen hast (es ist ja auch gar nicht so schwierig) und der du meinst, mich anschreiben zu müssen, weil es dir so gar nicht gefallen hat, dass dein toller Prophet Joseph Smith sich auch mal beim Termin für das Ende der Welt vertan hat.

[Falls du es in Ruhe nachlesen möchtest, du findest es in LuB 130:14-17, verfasst am 2. April 1843. Kurz darauf, am 6. April 1843, machte Joseph Smith auf der damaligen Generalkonferenz die zusätzliche Prophezeihung: „Es gibt Menschen in dieser heranwachsenden Generation, die werden den Tod nicht schmecken, bis Christus kommt“. LuB hast du ja sowieso herumliegen, und die Generalkonferenzen sind schriftlich festgehalten…]

Ich kann ja verstehen, dass dir so etwas nicht behagt und dass du deshalb allerlei gedankliche Konstruktionen machen möchtest, um die Worte deines großen Propheten in einer eher metaphorischen Weise zu deuteln. Sonst könnte es ja sein, dass die gesamte von deinem tollen Propheten geoffenbarte Religion mit ihren tollen freimaurerischen Geheimritualen, zaubermächtigen Amuletten in der permanent getragenen Unterwäsche und der Aussicht, selbst zu Gott zu werden, war Gott doch einst wie wir, dass das alles — na, ich sags mal auf deutlich deutsch — dass das alles fürn Arsch ist. Das ist keine angenehme Vorstellung; vor allem dann nicht, wenn man schon ein bisschen für diesen ganzen Nonsens Glauben gelebt hat, womöglich sogar als junger Mensch zwei Jahre Mission auf sich genommen hat und seine ganzen sozialen Beziehungen innerhalb dieser auf den tollen Propheten Joseph Smith zurückgehenden Gemeinschaft hat. Da sieht man sich schnell mit seinem inneren Auge vor einem ganz tiefen Abgrund stehen — und das nur, weil so ein „Seher, Prophet und Offenbarer“ einmal den unsäglich dummen Fehler gemacht hat, eine seiner Offenbarungen dadurch überprüfbar zu machen, dass er eine Zeit angab.

Aber tu doch jetzt bitte nicht so, als wäre das der einzige Fehler, den dein toller Prophet Joseph Smith nachweislich begangen hätte. Mir gefällt ja am besten das, was du in der Köstlichen Perle stehen hast, hinten, fast als ein Anhang zu LuB, diesem Buch mit der kompletten Zusammenfassen alldessen, was die Kirche deines tollen Propheten Joseph Smith zu einer Psychosekte ersten Kalibers macht. Da sind auch so ein paar tolle Zeichnungen drin, weil dein toller Prophet auch Hieroglyphen lesen konnte und ein Buch in die Hände bekam, dass von Abraham selbst in ägyptischer Sprache geschrieben wurde — so sagte er jedenfalls. Oder lesen wir doch einfach mal die Einleitung des Buches Abraham in der Köstlichen Perle:

Eine Übersetzung von alten Aufzeichnungen, die aus ägyptischen Grabstätten stammen und in unsere Hände gelangt sind. – Die Schriften Abrahams aus der Zeit, da er in Ägypten war, das Buch Abraham genannt, von ihm mit eigener Hand auf Papyrus geschrieben.

[Sollte sich der Text inzwischen mal wieder geändert haben — tut mir leid, meine Sammlung digitalisierter religiöser Quellentexte ist schon etwas betagter, und die LSD LDS-Kirche ändert öfter mal die „heiligen“ Schriften.]

Nicht, du weißt als echter LSD LDS auch, dass das so richtig „heilige Schrift“ ist. Da hängen sogar ein paar Glaubenssätze dran, die sonst nur auf Joseph Smith zurückgehen würden, zum Beispiel die Lehre von der Präexistenz, die Lehre vom Priestertum und die Lehre vom Ewigen Fortschritt [Für Nicht-Mormonen: Das ist kein Witz!]. Wie praktisch für deinen tollen Propheten Joseph Smith, dass da ein persönlich von Abraham mit eigener Hand geschriebener Text auftauchte, den er nur noch „übersetzen“ musste, sonst hätte ihm womöglich niemand seine tollen Offenbarungen abgekauft. Aber so ein Papyrus zur rechten Zeit, in dem sogar tolle ägyptische Zeichnungen sind, die zwar ein bisschen beschädigt sind, die man aber doch ganz gut ergänzen kann…

Faksimile aus dem Buch Abraham, mit Ergänzungen der beschädigten Zeichnung durch den Propheten Joseph Smith

…damit die tolle Geschichte, die man darin übersetzt, die tolle Geschichte von einem Abraham, der beinahe auf einem Altar für die Götzen geopfert worden wäre, aber doch von Jehova gerettet wurde, auch so richtig zur Geltung kommt. Ist ja wichtig, denn der Rest muss ja auch sitzen, und so erfährt der Leser auch gleich, dass Abraham das Priestertum kannte und von Jehova persönlich erzählt und gezeigt bekommen hat, auf welchem Planeten Jehova so lebt.

Nun, dein toller Prophet Joseph Smith hat leider auch hier einen kleinen technischen Fehler gemacht, denn das von ihm „übersetzte“ Papyrus existiert noch, und inzwischen gibt es auch genug Leute, die Altagyptisch ganz gut lesen können und nur wenig Mühe damit haben, den darauf geschriebenen, religiösen Text zu deuten, der sich übrigens recht zwanglos in die gesamte altägyptische Religiosität einbettet — schau es dir doch einfach einmal an und jaul mich bitte nicht länger mit deinem tollen Propheten voll!

Wie, das kann doch alles gar nicht stimmen, denn das hat man dir in deiner Kirche alles gar nicht erzählt? Das wundert mich — ganz ehrlich gesagt — nicht weiter. Von Lügnern erwarte ich nur Lüge und sonst gar nichts. Wenn du nichts anderes kennenlernst als diese Lügen, denn ist das deine Verantwortung, nicht meine.

Und jetzt lass mich bitte in Ruhe. Wenn man mich mit Bullshit belästigst, werde ich einfach ein bisschen renitent, und ich bin weißgott die falsche Zielgruppe für den missionarischen Eifer irgendwelcher Anhänger irgendwelcher Bullshit-Propheten. Wenn dir mein Geschreibe nicht gefällt, mach irgendwo ein Blog auf und schreib dort was anderes und erzähl nicht mir, was ich schreiben soll! Das Internet ist groß. Ich habe dich nicht zum Lesen gezwungen.

Deine Mails landen jetzt übrigens dort, wo auch Viagra, Roleximitate und Betrugscasinos landen. In gewisser Weise folgst du deinem tollen Propheten wirklich gut, du kannst das ja mal bei nächster Gelegenheit als Zeugnis geben.

Manchmal gehst du doch bestimmt zu diesen LDS-Schulungen, wo auf allen Schulungsunterlagen dieser Bienenstock draufgedruckt ist, unter dem der Text „Die Schönheit Gottes ist Intelligenz“ steht. Lass du dich weiter verdummen, ich nutze mein Gehirn! :mrgreen:

Geh sterben in dein celestiales Reich!

Elias

Manchmal möchte man aber auch…

Das Ende der Welt

Ich […] richtete mein Herz, zu suchen und zu forschen weislich alles, was man unter dem Himmel tut. Solche unselige Mühe hat Gott den Menschenkindern gegeben, daß sie sich darin müssen quälen.

Pred. 1, 12-13, zitiert nach dem 1912er-Luthertext

Im Moment erwarten (erhoffen?) einige Menschen das Ende der Welt, weil im Jahre 2012 der Kalender der Maya-Zivilisation in allen seinen nummerischen Stellen überläuft — und die entsprechenden Sachbücher verkaufen sich gut. Der Weltuntergang war schon immer ein gutes Geschäft, nicht nur für die Emmerichs dieser Welt.

Ja, schon immer, denn die (sehnliche?) Erwartung des Weltunterganges ist nichts neues. Die folgende Liste vergangener Erwartungen und Prophezeihungen des Weltendes ist mit Sicherheit sehr unvollständig. Die Mehrzahl der Menschen lässt sich viel zu gern durch die Erwartung eines Weltendes aus ihrer Verantwortung für das Weltgeschehen entlassen, als dass es nicht immer wieder zu derartigen Vorhersagen gekommen wäre. Natürlich sind diese Vorhersagen schnell wieder vergessen, und die Menschen sind bereit für die nächste Vorhersage.

Beginn der modernen Zeitrechnung — Die früheste Prophezeihung des Endes, die sich nicht erfüllen sollte, findet sich in der Bibel und stammt von Jesus dem Nazarener persönlich. Laut Mt. 16, 28 hat er seinen Jüngern gesagt: „Es stehen etliche hier, die nicht schmecken werden den Tod, bis sie des Menschen Sohn kommen sehen in seinem Reich“ — nun, mit den Jüngern ging es wie mit den zehn kleinen Negerlein, und die Welt drehte sich einfach weiter. Aber vielleicht hatten die Jünger im Sterben noch ein paar hübsche Visionen…

999 — Die biblische Offenbarung des Johannes wurde von der Kirche über Jahrhunderte hinweg so interpretiert, dass das Letzte Gericht und folglich auch das Ende der Welt eintausend Jahre nach der Geburt Jesus stattfinden sollte. Diese Auffassung war — gestützt durch die Autorität einer Kirche, die solche Rechnung anstellte — dermaßen verbreitet, dass das Ende der Welt mit Gewissheit und einer gewissen Ergebenheit in den Willen Gottes erwartet wurde. Die Äcker wurden nicht mehr bestellt, und viele Dokumente aus dieser Zeit begannen mit Wendungen wie „Jetzt, wo die Welt zu ihrem Ende kommt“. Es ist schon davon auszugehen, dass das Jahr 1000 n.u.Z. ein wirklich mieses Jahr geworden ist, allein schon wegen der nicht bestellten Felder und der deshalb verursachten Hungersnot, aber dermaßen mies ist es doch nicht geworden. Leider blieb die Autorität der christlichen röm.-kath. Kirche, von dieser offensichtlichen Fehlprognose völlig unberührt, erhalten, für etliche Menschen bis auf den heutigen Tag. Und. Wir sind Papst.

1033 — Nachdem das Weltende tausend Jahre nach der Geburt Jesu einfach nicht geschah und auch der verblendetste Paulusjünger diese Tatsache nicht ignorieren konnte, nahmen die röm.-kath. Gelehrten an, dass das Ende dann eben tausend Jahre nach dem Tod Jesu eintreffen müsse, den man im Jahre 33 veranschlagte. Auch diese vielgelehrte kirchliche Falschprophetie tat der Autorität der Kirche leider keinen Abbruch. Von einer inneren Einsicht und einer Selbstauflösung der Kirche ganz zu schweigen…

1186 — Im September des Jahres 1186 erwarteten viele Astrologen ein besonderes Ereignis und, damit verbunden, auch das Ende der Welt, weil sich alle sieben Planeten (nicht im modernen Sinne des Wortes, sondern im astrologischen: Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter, Venus, Saturn) im Sternbild der Waage trafen. Die Planeten folgten mit himmelsmechanischer Präzision ihren Bahnen und trafen sich (im astrologischen Sinne), und das Weltende ließ weiter auf sich warten. Übrigens glauben auch heute noch Menschen an astrologische Vorhersagen. Ein gutes Geschäft ist dieser dumme Glaube.

1524 — Astrologen in London hatten, nachdem der letzte astrologisch bestimmte und offenbar falsche Termin ein paar hundert Jahre zurücklag und in Vergessenheit geraten war, eine große, weltumfassende Flutkatastrophe für den 1. Februar 1524 prophezeiht, die in London ihren Anfang nehmen sollte. Nicht, dass Regen in London eine ungewöhnliche meterologische Erscheinung wäre, aber ausgerechnet an diesem 1. Februar fiel kein einziger Tropfen. Sehr ärgerlich, denn wer reich war und es sich leisten konnte, hatte in den Bergen große Anlagen mit Vorräten für viele Monate gebaut, die sich nun als recht sinnlose Geldverschwendung erwiesen. Ebenfalls haben sich viele vermögende Menschen mit Schiffen eingedeckt und sich mit hohem Aufwand für eine längere „Fahrt“ eingerichtet. Die Astrologen rechneten freilich noch einmal nach und entdeckten dabei, dass sie hundert Jahre daneben gelegen hatten. Zum Bedauern der Astrologen im Jahre 1624 sollte auch hundert Jahre später nichts geschehen. Leider hat im Zuge dieser Ereignisse niemand gemerkt, dass bezahlte Astrologie ebenfalls eine gewaltige Geldverschwendung ist.

1533 — Der Mathematiker Michaelus Stifelius zu Lochau in Deutschland berechnete den 3. Oktober, acht Uhr vormittags als exakten Zeitpunkt für das Weltende durch Lesen, Interpretieren und Durchrechnen der Offenbarung des Johannes in der Bibel. Zwar kümmerte sich die Welt nicht so sehr darum, dass der berechnete Zeitpunkt eintraf und existierte einfach weiter, aber immerhin kam für Stifelius das persönliche Ende; er wurde wegen seiner falschen Prophezeihung von den Bürgern Lochaus getötet. Wie anders doch die „aufgeklärte“ Gesellschaft mit solchen Idioten umgeht: Heute lässt man einfach ein paar Monate Gras über ein solches vollkommenes Scheitern wachsen, und danach werden die Scharlatane wieder in die Talkshows eingeladen, damit sie dort neuen Schwachsinn verbreiten können und neue Sachbücher anpreisen können. Manche verbreiten ihre faule Mantik sogar jedes Jahresende in angesehenen Zeitschriften mit hoher Auflage…

1665 — Die Pest ging über London und forderte ihre Opfer. Als ob der damit verbundene Schrecken nicht schlimm genug gewesen wäre, trat Solomon Eccles auf und verkündete, dass die gegenwärtige Seuche der Anfang vom Ende der Welt sei. Nun, Eccles kam ins Gefängnis, die Pest ging wieder vorbei, die Welt existierte weiter.

1757 — Der Mystiker Emmanuel Swedenborg hatte intensive „Unterhaltungen“ mit Engeln und erfuhr von ihnen, dass das Ende der Welt im Jahre 1757 läge. Offenbar handelte es sich nicht um besonders gut informierte Engel.

1814, 1801, 1544 und 1537 — Der Astrologe Pierre Turrel war offenbar schon etwas erfahrener im Prophetengeschäft und sagte deshalb voraus, dass das Große Ende aller Dinge in einem dieser vier Jahre eintreten sollte. Es kam zu vier Vorhersagen, weil er das Letzte Datum auf vier verschiedene Weisen berechnete und dabei vier verschiedene Ergebnisse erhalten hatte. Interessanterweise hat ihm das keinen Anlass gegeben, an seiner eigenen Methodik zu zweifeln. Nun, vier Chancen haben seine vier Vorhersagen gehabt, die astrologische Methodik muss wohl völlig unabhängig vom Ansatz ziemlich ungeeignet für solche Vorhersagen sein…

1843 — William Miller, der Gründer einer christlichen Kirche, die einen sehr starken „Endzeitaspekt“ hatte, sagte nach fünfzehn Jahren intensivem Bibelstudium das Ende der Welt für den 3. April 1843 voraus. Als dieser Tag ins Land ging und die Erde trotz des Welt- und Lebenshasses dieser Christen fröhlich weiterexistierte, verschob er das Datum einige Male, und seine Anhänger suchten jedes Mal, wenn das neue Datum kam, hohe Hügel auf. Die auf Miller zurückgehende Bewegung zerbrach in den folgenden Jahren und teilte sich in eine Reihe teilweise auch heute noch bestehender christlicher Kirchen auf, die vielleicht bekannteste von ihnen sind die „Siebenten-Tags-Adventisten“, die immer noch in großer Erwartung leben.

1874 — Charles Taze Russell, ein eifriger Interpretator der Maßverhältnisse in den Pyramiden von Gizeh und der Gründer der „Zeugen Jehovas“, sagte das Ende der Welt für das Jahr 1874 voraus. Es geschah natürlich nichts, und deshalb hat er nachträglich seine Prophezeihung ein bisschen geändert. Bis heute gehört es zur religiösen Lehre der Zeugen Jehovas, dass im Jahre 1874 Jesus in unsichtbarer Form zurückgekehrt sei und dass das große Ende der Welt bevorstehe, in dessen Verlauf der unsichtbar gegenwärtige Jesus offenbar werden wird. Das Datum für dieses große Ereignis wurde auch einige weitere Male aus diversen Zeitangaben in der Bibel ausgerechnet, aber für die Rechnenden unglücklicherweise mit erwartungsgemäß geringem Erfolg. Deshalb stehen im Wachtturm auch eher andere Dinge als eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der eigenen Religionsgemeinschaft, und die meisten Zeugen Jehovas wissen heute nichts mehr von alledem.

1890, 1891 — Joseph Smith, der erste „Seher, Prophet und Offenbarer“ und Gründer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), der immerhin seinen Kopf zusammen mit einem Seherstein in seinen Hut steckte und auf diese Weise das ganze Buch Mormon von Gott selbst offenbart bekam und nur noch diktieren brauchte, er hatte auf einer Konferenz am 14. Februar 1835 gesagt: „Das Kommen des Herrn ist nahe, es sollen noch 56 Jahre bis dahin vergehen“. Die Jahre zogen ins Land, und der Herr hatte offenbar etwas Besseres zu tun oder einfach den Termin verschwitzt, aber es gibt immer noch eine ganze christliche Religionsgemeinschaft, deren Anhänger glauben sollen, dass dafür wenigstens die anderen „Offenbarungen“ dieses Propheten ein direktes, heiliges, von Gott geoffenbartes Wort sind. Und wenn sie nicht damit aufgehört haben, in Geheimritualen im Tempel die Namen, Griffe und Zeichen zu lernen, mit deren Kenntnis man sich Eintritt in das celestiale Reich verschaffen kann, denn glauben sie es noch heute.

1914 — Von den Zeugen Jehovas wurde das Jahr 1914 als Ende der Welt angekündigt, aber das Ausbleiben des ersehnten Ereignisses beendete nur für viele Zeugen Jehovas ihre weitere Mitgliedschaft in dieser obskuren, wahnhaften Sekte. Leider blieben genug übrig, um weiteren Nachschub von Haustür zu Haustür zu werben, und das gleiche geschah auch bei jedem folgenden Irrtum dieser Leute. (Allein mit den gescheiterten Prophetien des Weltendes durch die Zeugen Jehovas und den zugehörigen Geschichten könnte ein ganzes Buch gefüllt werden.) Wie ein Zeuge Jehovas trotz alledem mit seinen kognitiven Dissonanzen umgeht? Na, indem er sich einfach das Denken abgewöhnt. Und damit er auch gar nicht erst zum Denken kommt, wird ihm — wie mir neulich erst zwei Zeuginnen Jehovas auf der Straße erzählten — klar gemacht, dass dieses Internet, in dem man unter anderem die gesamte Geschichte der Zeugen Jehovas nachlesen kann, vom Teufel und sehr gefährlich sei.

1953 — Aus den Maßen der Kammern in der großen Pyramide zu Gizeh haben ein paar Verwirrte das Jahr 1953 als Jahr des Weltuntergangs berechnet. Offenbar haben sie nicht genau genug gemessen. Zurück an die Arbeit!

1975 — Die Zeugen Jehovas mal wieder. Und es. War wieder nichts. (Es wird auch nichts mehr werden. Leider bringt das keinen Zeugen Jehovas zum Nachdenken. Es ist doch erstaunlich einfach, den Menschen durch ein umfassendes Programm so zu beschäftigen, dass sein Gehirn nicht mehr zum Denken kommt!)

1982 — Im Sachbuch „Der Jupiter-Effekt“ wurde ausführlich beschrieben, was es doch für schreckliche Auswirkungen haben würde, dass im Jahre 1982 alle Planeten des Sonnensystemes fast in einer Reihe stünden und ihre Gravitation kombinierten. Nichts von allen schrecklichen Vorhersagen ist eingetreten, aber immerhin trat hier wenigstens erstmals ein neuer Wahnsinn auf. Zu den klassischen Pseudowissenschaften der Astrologie, des Spiritismus und zur Religion gesellte sich eine modern verkleidete Pseudowissenschaft, die für viele heute lebendende Menschen sehr viel glaubwürdiger klingt als die klassische bullshit science. Von der astronomischen „Argumentation“ im Buch „Der Jupiter-Effekt“ aus den Siebziger Jahren bis hin zu den heutigen Eso-Schinken und Betrugsprodukten, die eifrig von Energie, Tesla und allerlei Quantenquark schwätzen, ist es eine gerade Linie.

1996 — In der Bibel lässt sich ja lesen, dass vorm Angesichts Gottes tausend Jahre wie ein Tag sind, und manche Fundamentalisten und andere Autisten wollen auch mit dieser orientalischen Metapher auch rechnen. Da Gott für die Schöpfung des Universums sechs Tage, also sechstausend Jahre benötigt hat, um sich dann erstmal auszuruhen und den Schabat zu erfinden, soll auch die Menschheit für sechstausend Jahre arbeiten, um sich dann auszuruhen; so argumentierten wenigstens einige Sektierer, die die Bibel nicht für eine Überlieferung orientalischer Legenden, sondern für ein Rechenbuch gehalten haben. Und weil sie gerade so schön am Rechnen waren, rechneten sie auch gleich aus der Bibel aus, wie viele Jahre die Menschen jetzt schon arbeiten. Dabei kamen sie zum Ergebnis, dass die Erde 1996 untergehen sollte. Die Erde hat das aber irgendwie nicht gewusst, ganz im Gegenteil, 1996 war ein richtig tolles Jahr. Solche und ähnliche Rechnungen werden immer wieder einmal angestellt und in Traktaten und auf Websites veröffentlicht, auch mit derartigem Dummfug könnten ganze Bücher gefüllt werden.

1999 — Um den Nostradamus in dieser Liste nicht völlig zu vergessen: „L’an mil neuf cens nonante neuf sept mois / Du ciel viendra grand Roy deffraieur / Resusciter le grand Roy d’Angolmois. / Auant apres Mars regner par bon heur.“ Nun, im Juli 1999 geschah nichts, was nach einem König des Entsetzens am Firmament ausgesehen hätte, der den mongolischen König zu neuem Leben erweckte. Nicht einmal etwas, worauf diese Worte metaphorisch gepasst hätten. Vom erfolgreichen Pestarzt und wenig erfolgreichen Propheten Nostradamus lernen, das heißt für einen Untergangspropheten übrigens: Siegen lernen. Einfach eine Menge wirres Zeug voller Anspielungen und Chiffren zu Papier bringen und darin nur Jahreszahlen in weiter zeitlicher Ferne nennen! Das schafft eine gute Chance, dass der Unsinn auch ein paar Jahrhunderte später noch von vielen Menschen sehr ernst genommen wird.

2000 — Auch der Weltuntergang durch Computerprobleme im Zusammenhang mit dem Jahr 2000 blieb uns allen erspart. Aber in den Jahren vor dem Jahr 2000 machten eine Menge kleinerer Softwarehäuser ziemlich viel Reibach mit recht stümperhaften Serviceleistungen, die schon damals häufig von billigen Auszubildenden mit wenig Sorgfalt durchgeführt wurden. Die Liste möglicher Probleme in den gängigen Programmierumgebungen der alten Anwendungen (vor allem für Windows und MS/DOS) war wohl bekannt, und das Abarbeiten dieser Liste war recht routiniert. Irrationale Angst und mangelndes Wissen ist eine Kombination, die Scharlatanen immer wieder ein gutes Geschäft mit gesalzenen Rechnungen für objektives Nichts ermöglicht, damals wie heute. Nur, dass heute auch eine florierende technische Scharlatanerie herrscht, das Spiegelbild des technischen Analphabetismus vieler Menschen.

2000 — Natürlich gab es auch richtige Vorhersagen des Weltunterganges, dessen Ursache wohl diesmal darin bestehen sollte, dass sich bei der Schreibweise des Datums alle Stellen auf einmal ändern…

2001 — Die „wacheren“ Kalenderbetrachter haben bemerkt, dass der Gregorianische Kalender kein Jahr Null kennt, dass das neue Jahrtausend also folglich erst im Jahre 2001 beginnt. Mit dieser Argumentation hatten sie völlig recht. Allerdings hatten sie Unrecht damit, dass diese Tatsache irgendwelche Katastrophen bedeuten würde.

2012 — Das ist das Datum, das wir vor uns haben. Ein neuer, heißer Kandidat für eine inzwischen recht müde, aufgewärmte Geschichte… 😉

In Kulturkreisen, die von einer Religion geprägt wurden, die einen Weltuntergang in ihrem religiösen Gebäude integriert haben — und dieser Aufbau ist allen drei monotheistischen Weltreligionen gemeinsam — kommt es immer wieder zu derartigen Ausbrüchen des Wahnsinnes. Die allzu leichtwillige Bereitschaft, aufgrund dürftigster Argumente und gegen alle Vernunft an ein bevorstehendes Ende der Welt zu glauben, spiegelt die Sehnsucht nach einem solchen Ende wider, und diese Sehnsucht ist ihrerseits das Spiegelbild der Lebens- und Weltverachtung, die in diese Religionen eingebettet ist; letztlich des Selbsthasses, den diese Religionen von den Menschen abfordern. Dieser Selbsthass — der sich in psychologischer Absurdlogik mit einem überzogenen Narzissmus verheiratet hat — ist zu überwinden. Der Wahnsinn schwindet dann von allein, und damit auch ein Stück des gesellschaftlichen Wahnsinnes.

Kalenderanbeter

Ach, wie hübsch die Menschen jedes Jahr wieder aufs Neue Alte jene religiös verwurzelten Feste feiern, die vergangenes Geschehen im Jahreslauf imitieren und dramatisieren sollen! Sie belegen damit, dass ihr wirklicher Gott der Kalender, dass ihr wirklicher Glaube die gefühlte Unendlichkeit eines mechanischen Laufes, dass ihr wirkliches Leben das recht monotone Leben eines Uhrwerkes ist, dass durch solche Magie im unentwegten Ticken gehalten werden soll. Bei so viel Kalenderanbetung nimmt es nicht Wunders, dass so viele im Dunstkreis dieses Treibens dazu geneigt sind, das Ende allen Seins vor ihrem psychischen Auge zu sehen, nur weil ein Kalendersystem einmal in der Zählung einen Übertrag an vielen Stellen verursacht — ob es sich um die inzwischen vergessene, idiotische Furcht vor dem Jahr 2000 handelt, oder ob es sich um die nicht minder dumme Furcht vor dem Jahr 2012 handelt, in dem der Kalender der Maya, eines amerikanischen Steinzeitvolkes, einen Überlauf in allen seinen Zählungen erfahren wird. Unterdessen, und unbeeindruckt von aller dieser recht künstlichen Zahlenfurcht, läuft ein wahnhafter Prozess weiter über die menschlichen Gesellschaften ab, einer, der den Menschen das Leben nimmt und es zu einer mehr mechanischen Angelegenheit macht.