Tag Archive: Doomsday


Zweitausendzwölf

Der Esoteriker, viele Bücher in aufwändig bedruckten Einbänden standen im Hintergrund seines Geistes, er setzte sich zu dem alten Indianer. Und. Sie schwiegen eine Zeit.

Der alte Indianer blickte geistesabwesend zum Horizont. Längst fiel die Sonne auf die Seite. Ein Abend, der den Regenbogen auf die ganze Himmelskuppel malte; das Grün der Erde wurde indessen grauer. Der Esoteriker war mit Anderem als dieser Wirklichkeit beschäftigt. So dass er schließlich zum alten Indianer sagte: „Das wird groß, was wir 2012 erleben.“

Der alte Indianer schaute zu seinem Lama herüber, ganz so, als würde es ihm eine Antwort geben; eine Antwort auf die Frage, was dieser Mensch ihm sagen will mit seinen Worten, die zwar einen Satz formen können und doch so gar keinen Sinn ergeben. Das Lama verstand es wohl auch nicht besser, und so schaute der alte Indianer zurück und fragte nur: „Was meinst du damit?“

Da war der Esoteriker in seinem Element, denn mit der Kultur dieser Indianer kannte er sich ja aus, nachdem er die ganzen Bücher von Auskennern gelesen hatte, und er nutzte die einmalige Gelegenheit, endlich einem Indianer seine indianische Kultur erklären zu können. Er war eben so. Als gebildeter Europäer. Und so sagte er in gleichermaßen gewissem wie ängstlichem Tonfall: „Am 21. Dezember 2012 läuft der Kalender deiner Vorfahren ab, und das hat eine Bedeutung.“

Der Indianer sagte nur: „Du denkst, wenn die Tage nummeriert werden, wird die Nummerierung zur Bedeutung der Tage. Was werden deine Nachkommen denn machen, wenn in gut achttausend Jahren der 31. Dezember 9999 erreicht ist. Und dein Kalender. Aufhört.“ Der Esoteriker konnte nicht verstehen, dass jemand den so einfachen gregorianischen Kalender nicht verstehen kann und sagte: „Aber dann wird das Jahr einfach um eins weitergezählt, wir nennen es 10000 und es geht weiter.“ Und der Indianer sagte: „Ja, Gringo, meine Vorfahren, die beim Benennen von Tagen und Zahlen auch ein Stellenwertsystem verwendeten, sie hätten 2012 genau das gleiche getan; sie hätten eine Eins davor geschrieben und den Rest der langen Zählung wieder bei Null beginnen lassen.“

Die Sonne hatte keine andere Wahl und war inzwischen unterm Horizont gekrochen. Im dürr gewordenen Licht des Mondes sah es fast ein wenig aus. Als ob sogar das Lama lachte.

Für M.S. — Angst macht dumm!

Werbeanzeigen

Sie wissen mehr als Gott

Sagte der Jesus der biblischen Überlieferung, der von seinen Anhängern ja für Gott gehalten wird, noch…

Himmel und Erde werden vergehen […] von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel nicht im Himmel, auch nicht der Sohn, sondern allein der Vater.

Mt. 24, 35-36

…so scheinen es etliche seiner Nachfolger immer wieder einmal nach der Durchführung reichlich obskurer Berechnungen ein bisschen genauer als ihr Gott zu wissen. Der nächste Doomsday ist am Samstag, den 21. Mai dieses Jahres und am 21. Oktober 2011 wird das gesamte Universum abgerissen.

Meine Vorhersage in dieser Sache: Spätestens Ende Oktober wird der religiöse Fanatiker und Angstausbreiter genau zu sagen wissen, warum und wie er sich so auffällig verrechnet hat, und dann wird er im festen, in täglicher Predigerpraxis gewachsenen Vertrauen auf die selig machende Kraft des Vergessens erst einmal ein bisschen Gras über die ganze Sache wachsen lassen und danach wird er vielleicht seinen Anhängern im Tonfall des unheiligen Profeten ein neues, diesmal „richtig“ berechnetes Datum präsentieren.

Ganz genau so, wie es auch die Zeugen Jehovas einige Male gemacht haben, und die können immer noch massenhaft paarweis ihre Vertreter Mitglieder mit einem „Heimbibelkurs“ von Tür zu Tür gehen lassen — wobei die jüngeren Opfer der Hirnwäsche durch die Wachtturm-Gesellschaft nichts mehr von den Doomsday-Vorhersagen für die Jahre 1874, 1914, 1925, 1933 (Einsammlung der Gesalbten) und 1975 wissen. Woher sollten sie auch? Im Wachtturm von heute, der einer mit gutem Recht desinteressierten Menschheit erklären soll, was „die Bibel wirklich lehrt“, steht ja kein Wort darüber, was „die Bibel“ noch in früheren Jahrgängen (frühe Siebziger Jahre) dieser Publikation „wirklich gelehrt“ hat…

Als junger Mensch wirst du daher nie das Ende einer Laufbahn erreichen, die dir dieses System bietet. Wenn du zum Beispiel zur Mittelschule gehst und eine Hochschulbildung in Erwägung ziehst, so bedeutet das wenigstens vier, vielleicht auch sechs oder acht weitere Jahre bis zum Abschluß in einem besonderen Fach. Aber wo wird sich dieses System der Dinge dann befinden? Es wird auf seinem Weg zu seinem Ende weit vorangeschritten sein, wenn es nicht sogar schon verschwunden sein wird!

…um die Menschen so richtig im blinden Vergessen ihres eigenen Potenziales auf ein kommendes, für weniger Lesebegabte stets auch in schreibunten Comicbildchen dargestelltes Wolkenkuckucksheim hoffen zu lassen, damit sie umso eifriger ihren theokratischen Score im Dienste dieses religiösen Strukturvertriebes erhöhen mögen. Um die Wirkung der religiös verpackten funktionellen Enthirnung zu verstärken, wird vom Lesen anderer Literatur und der Nutzung anderer Medien aus dem „bösen System der Dinge“ strikt abgeraten.

Für viele Opfer des christlichen Fundamentalismus scheint die erste Frucht ihres Heiligen Geistes in Alzheim gewachsen zu sein.

Zeugen Jehovas!

Berechnet eure Daten für das Weltende und die zugehörigen Ereignisse doch zur Abwechslung einmal korrekt aus der Offenbarung des Johannes und aus den Proportionen der Pyramiden zu Gizeh. Dann können nämlich auch eure „Beweise“ besser überzeugen und außerdem ist der Satan nicht immer so verwirrt von euren Schriften voller Rechenfehler. :mrgreen:

Quelle des Scans: „Licht“, Publikation der Zeugen Jehovas, 1922.
Man sollte Weltuntergangsprofeten übrigens immer ein paar Jahre nach Ablauf ihrer vorherigen Daten lesen, um so richtig genießen zu können, wie sie ihre vorherigen Fehler umdeuten und rechtfertigen, nur um noch einmal zu scheitern.