Tag Archive: Telepolis


Der gewünschte Eindruck vom Hartz-IV-Pöbel…

Als der Vorübergehende las, dass rd. siebzig Prozent derjenigen Befragten, die ihre eigene finanzielle Situation als schlecht einschätzten, der Berichterstattung in der Presse misstrauten, schüttelte er schnell den in solcher Deutung propagandistisch gewünschten Eindruck ab, dass es sich dabei um ungebildeten, arbeitsunwilligen und abgehängten „Hartz-IV-Pöbel“ handele und sagte zu sich selbst: „Jene Menschen, die im Hartz-IV-Staat BRD trotz jahrelanger Erzählungen vom Aufwärts und Aufschwung, vom wirtschaftlichen Wachstum und von gut bezahlter Arbeit für alle immer schlechter dastehen; alljene, die angesichts des im Halbjahreszyklus zur Einladung von billigem ‚Menschenmaterial‘ aus dem Ausland heraufbeschworenen Fachkräftemangels und trotz ihrer Ausbildung keine so bezahlte Arbeit finden, dass sie davon gut leben könnten — ja, diese Menschen fallen immer noch zu einem guten Drittel auf die allmediale Wirtschafts- und Regierungspropaganda herein. Aber es werden immer weniger. Und jeder einzelne von ihnen wird genau genug darum wissen, dass demnächst die Mindestlohnregelung aufgehoben wird, ‚um die Flüchtlinge in Arbeit zu bringen und besser zu integrieren‘, so dass die Bimbesrepublik Täuschland noch weitergehend als schon jetzt zum politisch geforderten und geförderten Billiglohnland wird, um seine eigenen Daseinsaussichten realistisch einschätzen zu können — einschließlich der trüben Einsicht, dass sein von der grün-sozialdemokratorisch durchgesetzten Hartz-Fear-Angstpeitsche erwzungener Hungerlohn von heute zu seiner Elendsrente von morgen werden wird. Die intelligenteren Menschen sehen es nun einmal als Ansporn zum Denken an, wenn ihre Intelligenz jeden verdammten Tag in Presse und Glotze verspottet wird. Und das. Ist ein gutes Zeichen. Außer vielleicht für die Presseverleger, die endlich ihre Geschäftsgrundlage verlieren werden“.

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Deutsche Demoskopische Republik

Inzwischen wurde Osama bin Laden getötet und im alles Einhalten zermalmenden Strom der täglichen news ist die Erinnerung an Fukushima blass genug geworden — da ist es doch für einen echten Demoskopokraten allerhöchste Zeit, den unterm Eindruck von Fukushima so eilig und offen wendehälsig proklamierten Ausstieg aus der Nutzung der Kernenergie ganz schnell wieder zu vergessen. Es sind ja mittlerweile 57 Tage vergangen, Zeit allmählich, den „Umgang mit dem Restrisiko“ neu zu bewerten.

Das angstlösende Placebo

Wer sich existentiell bedroht fühlt, vor allem wer Angst vor dem Tod hat, neigt nicht nur stärker zum religiösen Glauben, sondern auch zur Zurückweisung der Evolutionstheorie, so eine Studie von Psychologen der University of British Columbia und des Union College (Schenectady, N.Y.).

Telepolis: Wissenschaft ist keine Religion, oder?

Wenig überraschend ists, dass ein Mensch in persönlicher Verunsicherung, ungewissen Zukunftsaussichten und existenzieller Angst dazu neigt, sich als angstlösenden Placebo eine besonders große Dosis Religion zu geben — denn dort, wo Wohlstand, Bildung und damit individuelle Möglichkeiten wachsen, wo in großer menschlicher Anstrengung vieles von den alten, jenseitigen Versprechungen ins Diesseitige gezerrt und zur Realität gemacht wird, da bedarf es einer „Dienstleistung“ nicht mehr, die das objektive Elend als ein Problem mit Gott deutelt und gegen dieses religiös proklamierte Problem die gleiche Religion als Heil- und Heilsmittel anbietet. Folglich. Schwindet unter solchen Bedingungen der Einfluss der Religion, genau so, wie er dort überwältigend und bis zur Grausamkeit fordernd wird, wo Menschen in Armut, Bildungsferne und sklavischen Abhängigkeitsverhältnissen ihr Dasein fristen müssen. Die beste Kur gegen die Religion und ihren unheiligen Sohn, dem teilweise mörderischen, aber stets fordernden und repressiven Hang zur Irrationalität, sie wird darin bestehen, dass Menschen aus ihrer einsamen Verunsicherung, aus ihrer Aussichtslosigkeit und angstvollen Unfähigkeit, das eigene Leben zu leben, herausgehoben werden. Der Witz „Sagt der Pfaffe zum Politiker: Halt du sie arm, ich halte sie dumm!“ liegt näher an der Wahrheit der staatsfrommen Zweieinigkeit, als viele Wähler und Kirchgänger gern für sich wahr haben wollen.

Was unter der letzten, unabwendbaren Angst vor dem zwangsläufigen Ende noch an individuellen Glaubenshaltungen verbliebe, das. Wäre ungleich erträglicher als die jetzt so überwältigende Abweisung jeder Möglichkeit eines Fortschrittes für die Menschheit und für jeden einzelnen Menschen.

Der politische Kindesmissbrauch geht weiter

Ursula von der Leyen indessen hat mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes eine zweifache Niederlage hinnehmen müssen. […] Da hilft es auch nichts, dass sie kurz nach der Urteilsverkündung zurückruderte und die Entscheidung als „große Chance für Kinder“ bezeichnete. „Dazu hätte es den heutigen Morgen nicht geben müssen“, so ein Besucher der Urteilsverkündung in Karlsruhe, „sondern nur eine menschliche Sozialpolitik.“

Die Telepolis zum heutigen Urteil des BVerfG, dass die Hartz-IV-Regelsätze in der gegenwärtigen Form verfassungswidrig berechnet seien.

Auswärtiges Denken

Ursprüngliche Akkumulation heißt ja, nicht durch Arbeit, sondern durch Raub, Gewalt, Verbrechen und Korruption, aber auch durch subtile Mittel der Überredung, Verwirrung und allerlei indirekte Betrügereien an Geld zu kommen – also beispielsweise durch finanzielle Zaubertricks usw. Und ist das nicht ein toller Dreh: den Staat und damit die Steuerzahler zu veranlassen, Schulden über Schulden zu machen, und damit ja uns alle zu Schuldnern – ohne dass die Gläubiger sichtbar werden? Über die Identität der Gläubiger des Schuldners Staat wird ja praktisch nie gesprochen. Der Bund hat eine Billion Euro Schulden. Im kommenden Jahr müssen allein für die Zinsen im Haushaltsplan 40,4 Milliarden Euro angesetzt werden. Nach dem Sozialbudget (147 Milliarden Euro) ist dies der zweitgrößte Ausgabeposten im Budget der Bundesregierung. Wer also sind die Gläubiger, die vom Staat, dem sichersten aller Schuldner, Jahr für Jahr sichere 40 Milliarden an Zinsen einheimsen? Es sind nur in kleinem Umfange die Banken selbst, die agieren ja in erster Linie als Vermittler. Tatsächlich landen die Zinsen zum allergrößten Teil in den Taschen der Vermögenden, der Reichen. Das ist eine der sichersten Formen der Umverteilung von Reichtum und der Akkumulation von Superreichtum. Sie steht — mit den Fuggers, den Welsers usw. — am Anfang des Kapitalismus, sie hat sich durch dessen Geschichte geschlichen, und sie steht möglicherweise am Ende des Kapitalismus in seiner bisherigen Gestalt.

Hans Jürgen Krysmanski
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[via Perspektive 2010]

Erziehungsmaschine

Hartz IV ist auch eine Erziehungsmaschine, die den Menschen dazu bringen soll, sich vor allem in „marktwirtschaftlichen Zusammenhängen“ zu definieren.

Markus Promberger, indirekt zitiert in der Telepolis