Ich bin immer wieder darüber erstaunt, wie viele Cannabis konsumierende Menschen bei allem krampfhaften alternativ- und anders-Sein-Wollen einen ganz bestimmten deutschen Schlager unangemessen wertschätzen. Gemeint ist natürlich Am Tag Als Conny Kramer Starb“ von Juliane Werding.

Als regelmäßige Konsumenten einer beliebten Droge sollten diese Menschen doch leicht erkennen können, dass der Text eine Ansammlung spießbürgerlicher Vorstellungen über den Drogenrausch ist, ein Spiegelbild der allgemein kultivierten Angst — etwas, was man gut im Hintergrund hören kann, während man am Stammtisch seine Leber in Alkohol einlegt.

Um welche Droge es Frau Werding geht, wird schon in der ersten Strophe deutlich. „[…] Doch der Rauch schmeckte bitter […]“ — ganz offenbar meinte sie einen Joint. Dass dieser Text keinerlei Erfahrung mit der Droge THC reflektiert, wird allerdings sofort sichtbar: „[…]Aber Conny sagte mir, was er sah: Ein Meer von Licht und Farben […]“. Nun, ich habe in meinem Leben schon so manche lustige Zigarette eingesogen, aber solche visuellen Irritationen habe ich dabei nicht erlebt. Vielmehr könnte ich von einem veränderten Zeitempfinden, gewissen Schwierigkeiten bei der Konzentration auf ein Thema, einer gewissen Bewegungsunlust, einem gesenkten Bewusstsein, einem gesteigerten Empfinden für Klänge, Gerüche und Geschmäcker und einer oft durchaus angenehmen Form der Müdigkeit berichten — und die meisten Kiffer würden mir darin zustimmen. Niemals habe ich visuelle Halluzinationen gehabt oder auch nur gehört, dass jemand anders so etwas erlebt hätte.

Nach dieser Fehlcharakerisierung der Droge THC folgt im Text unmittelbar das, was das versoffene Spießerherz höher schlagen lässt: Die wortreiche Beschwörung der Strafe für diesen kleinen Genuss. Conny Kramer muss sterben, dumpf und deprimierend bimmeln die Glocken vor sich hin und alle sind ganz schrecklich am Flennen.

Natürlich steigt Conny in der zweiten Strophe auf eine andere Droge, auf LSD, um. Hier wird das Klischee von der „Einstiegsdroge“ THC mit großem Genuss aufgeführt. „Doch aus den Joints da wurden Trips, es gab keinen Halt auf der schiefen Bahn.“ Nicht nur, dass der „Einstiegscharakter“ der legalen und überall leicht verfügbaren Volksdrogen Alkohol und Nikotin hier völlig verschwiegen wird. Es werden im gesamten Songtext keine anderen Rauschmittel erwähnt. Alles, was dort besungen wird, ist also lediglich auf den Konsum der Substanzen THC und LSD zurückzuführen. Ich will diese beiden Substanzen keineswegs als „harmlos“ bezeichnen oder gar jemandem zur leichtfertigen Benutzung auffordern, aber direkt toxisch sind sie nicht.

Frau Werding kümmert sich in ihrem Liedchen aber kaum um solche Tatsachen, sondern beschreibt einen schmerzhaften Abschied und den Tod Connys. „[…] Beim letzten Mal sagte er; Nun kann ich den Himmel sehn. […]“ Nicht, dass ich solche Realtitätsverluste unter LSD-Einfluss völlig ausschließen könnte, aber der Realitätsverlust dieses Schlagertextes nimmt beinahe die gleichen Dimensionen an. Aus einem Menschen, der des Sommers im Grase lag und Joints qualmend spinnerten Ideen folgte, ist ein unansprechbares Wrack geworden, und am Ende bleiben „[…] nur noch die Blumen auf seinem Grab […]“. Und die Glocken sagen dumpf „bimm bimm bimm“ dazu.

Das alles reflektierte keine Drogenerfahrungen, nicht einmal indirekte im Freundeskreis. Das alles reflektiert nur jene spießbürgerliche Vorstellung vom und Angst vor dem Rausch und der mit seinem Genuss einher gehenden tödlichen Gefahr, die sich schließlich in einer restriktiven Verbotspolitik vieler „westlicher“ Staaten niederschlägt. Es ist übrigens oft diese Drogenpolitik, die den Tod eines Süchtigen hervorruft, da sich dieser mit überteuerten und minderwertigen Substanzen von einem unkontrollierten und skrupellosen Schwarzmarkt zufrieden geben muss. Mittelbar leistet die gegenwärtige gesetzliche Situation einen Beitrag dazu, dass Menschen in jene Verwahrlosung und Kriminalität geraten, die schließlich den frühen Tod mitverursacht.

Jeder gewohnheitsmäßige Kiffer, der sonst gern für die Legalisierung seiner Droge eintritt, aber mit Begeisterung und Verklärung diesen dummen Schlager hört, belegt darin nur eines: Kiffen macht doof.