Tag Archive: Zielgruppe


Mein Klassenbewusstsein

Zeitgenossin: „Warum engagierst du dich nicht in der Piratenpartei?“

Nachtwächter: „Aus dem gleichen Grund, aus dem heraus ich mich auch nicht in der CSU engagiere; wegen meines Klassenbewusstseins. Ich weiß genau, welche Strukturen der Herrschaft innerhalb einer Partei entstehen, so bald sie politisches Gewicht erhält; und ich weiß ebenso genau, welche Personen und Standpunkte in einer Partei mit politischem Gewicht unterdrückt und zur Unbeachtlichkeit erklärt werden. Wenn die Piratenpartei niemals politsches Gewicht erhält, kann ich mir die immense aufzuwändende Lebenskraft für ein derartiges Engagement sparen, erhält sie jedoch Gewicht und damit das besoffen machende Suchtmittel der Macht, so wird auch die Piratenpartei keine Partei sein, in der einer Bedeutung, Beachtung und Einfluss erlangen könnte, der als obdachloser, bettelnder Künstler nur noch nimmt, was ihm kampflos gegeben wird. Die späteren Werber für diese Partei, sie könnten mich in diesem trübblinden Zeitalter, in dem das Image vor dem Inhalt geht, schon wegen meiner auffällig ausgefallenen Zähne nicht mehr auf ein Plakat drucken oder im Namen der Partei in die Öffentlichkeit lassen — auf das, was sie „Kompetenz“ nennen, kommt es nicht an. Ich brauche keine Fahnen zu hissen, nicht einmal einen Jolly Roger, denn ich kann überall um mein marginalisiertes Lebensrecht betteln. Was aus politischen ‚Alternativen‘ wird, habe ich oft genug gesehen, um zu wissen, dass es innerhalb des überpersonalen Prozesses des herrschenden Systemes keine Veränderung geben kann — um ein besseres Miteinander der Menschen zu formen, muss der überpersonale Prozess des herrschenden System überwunden werden. Und. Wo es sich mit Gewalt dagegen sträubt, kann es nur mit Gewalt überwunden werden.“

Ja, ich weiß, E., dir gegenüber war ich vorhin wesentlich verständlicher und wortreicher — aber du musst doch eingestehen, dass es das Gleiche ist…

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Im inneren Ausland

Sie erzählte mir, wie sie neulich einmal tanken musste. Und weil es die nächstgelegene Möglichkeit war, fuhr sie zu einer Shell-Tankstelle. Aber dort war es ihr nicht mehr möglich, zu erkennen, wo sie Super oder Normal tankt, überall standen zu den Zapfhähnen unverständliche und für sie Nichts sagende Bezeichnungen. So fuhr sie ein Stück weiter zur zweitnächsten Tankstelle, wo sie sich sofort zurechtfand.

Ob es im Streben der Werber nach „Alleinstellungsmerkmalen“ wohl wirklich die Absicht war, dass sich die Menschen in einem inneren Ausland mitten in Deutschland zurecht finden müssen. :mrgreen:

Der süße Herr Jesus

Es finden doch seit Paulus in jedem Zeitalter die Christen ihre neue Methode, aus Jesus eine leicht konsumierbare Ware zu machen. Warum sollte dem toten Jehoschua denn auch erspart bleiben, immer wieder für dreißig Silberlinge verkauft zu werden — zumal, wenn er dabei auch noch so lecker ist. Der Mangel an schokoladigem Geschmack war doch schon immer eines der größten Probleme der Hostie im Konsumismus…

Danke für den Hinweis an M.