Sie erzählte mir wortreich, was es doch für ein schöner Abend gewesen sei. Sie war im Theater. Dort wurde eine Veranstaltung mit „verhaltensgestörten“ (das war ihr Wort dafür) Kindern aufgeführt, die sich zu klassischer Musik mäßig dressiert auf der Bühne bewegten, und das sei wirklich so anrührend und schön gewesen. Auch einen guten Platz hat sie gehabt, so erzählte sie, sie saß weit vorne in der siebten Reihe. Wie schön, dass an diesem besonderen Abend alle Plätze das gleiche kosteten. Sonst hätte sie sich diesen Platz von der kleinen Rente gar nicht leisten können. Am liebsten hätte sie sich noch weiter nach vorn gesetzt, aber die ersten sechs Reihen waren für jene geladenen Prominenten reserviert, die diese Veranstaltung ermöglicht haben und dabei immer wieder ihre Namen und Firmierungen in die Presse gedrückt und auf die Veranstaltungshinweise gedruckt haben, frei nach dem Motto: Tue Gutes und rede darüber. Und. Diese sechs Reihen waren völlig leer. Es hatte offenbar für keinen dieser „Wohltäter“ sein Tun so viel Bezug zu seinem eigenen, persönlichen Wollen und Leben, dass er sich an diesem Abend auch ins Theater bequemt hätte. Aber der Werbewirksamkeit des „sozialen“ Engagements. Hat dies bestimmt keinen Abbruch getan. Diese Form der „Wohltätigkeit“ ist nur ein sozial optimierter Weg der indirekten Werbung.

Mit Gruß an M.

Werbeanzeigen