Tag Archive: Wissenschaft


Forsch, forsch…

Politiker, Journalisten und Ideologen fördern und bejubeln am liebsten diejenige Art der „Forschung“, deren Ergebnisse bereits vor dem Beginn jeglicher Untersuchung feststehen. Es war schon immer die goldene Regel der Kunst und der Wissenschaft, dass derjenige, der das Gold hat, auch die Regel macht — und dort, wo diese Regel auch noch die einzige Regel zu werden im Begriffe ist, dort sind Verödung und Verblödung gewiss.

Blasse Erinnerung

Wer sich in einer Streitfrage auf die Autorität beruft, gebraucht nicht die Vernunft, sondern eher das Gedächnis

Leonardo da Vinci

Die heutigen parawissenschaftlichen Ideen des Feminismus, dass das Geschlecht nicht genetisch durch meiotische Auswürfelung im 23. Chromosomenpaar determiniert, sondern in erster Linie dem Individuum aufsozialisiert sei, nannte man zu meiner Zeit Lyssenkoismus — und dieser war zu seiner Zeit breit „belegt“ durch eine „Forschung“, die nicht in gezielten Experimenten die Wirklichkeit befragte, sondern die vorher feststehenden Antworten in die Wirklichkeit hineininterpretierte.

Der 25. Dezember, der Tag des Lichts

Der Geburtstag von Isaac Newton ist fürwahr ein Grund zum Feiern, denn Isaac Newton haben die Menschen die großartige Idee zu verdanken, dass überall im Kosmos die gleichen Naturgesetze gelten und dass diese deshalb erfahrbar, verstehbar, kalkulierbar sind. Damit hat Isaac Newton einen sehr viel größeren Beitrag zur Kultur geleistet als der jüdische Wanderprediger, dessen Geburtstag von Paulus-Anhängern an einem völlig falschen Tag gefeiert wird, obwohl Jesus als frommer Jude niemals seinen Geburtstag feierte. Von Jesus aus Nazaret führt ein direkter Weg in die Dummheit und Dunkelheit des Mittelalters; von Isaac Newton führt ein direkter Weg in die Möglichkeit eines erträglichen, erfüllten und von weniger Arbeit und Not geprägten Lebens.

So feiert das Licht, aber feiert das wahre!

Zitat des Tages

Einmal mehr erledigt also die wichtigste Arbeit im deutschen Wissenschaftssystem eine unbezahlte und weitgehend anonyme Gruppe, während hochbezahlte Professoren wie Claus Leggewie in der FAZ Lügen verbreiten

Dr. Stefan Weber im Blog für wissenschaftliche Redlichkeit

Annette Schavan

Wer Wahlen gewinnen will, muss sich vom Pöbel wählen lassen, nicht von Gebildeten

T.U.

Die Dissertationen der Besitzenden und der zufällig günstig Geborenen, die es mangels nützlicher Fähigkeiten später so feist und vielfach in die classe politique zieht; sie sind aus der Sicht dieser Menschen nichts als lästige Verwaltungsvorgänge, damit der durch gesellschaftlichen Status zustehende akademische Grad vor den Namen geschrieben werden kann. Und. Sie werden nicht allein dadurch zu wissenschaftlichen Arbeiten, dass diese Verwaltungsvorgänge unter der Mimikry einer Universität stattfinden.

CDU-Wahlplakat Annette Schavan aus dem Jahr 2009: Wir haben die Kraft für gute Bildung

Was sich hinter den photoshopretuschierten Fassaden dieses Geschmeißes verbirgt, die anlässlich jeder Wahl so obszön allgegenwärtig in den öffentlichen Blickraum gestellt werden, dass es bei diesem Anblick auch friedlicheren Menschen zuweilen in der Handfeuerwaffe juckt, zeigt sich leider viel zu selten so deutlich wie bei Frau Dr. Annette Schavan aus der CDU. Diese kann sich jetzt zum Herrn Dr. von und zu aus der CSU und zu Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin aus der FDP gesellen, damit auch noch dem geistblindesten Zeitgenossen klar wird, welcher Schlag Mensch in der kryptokratisch von Lobbyisten gesteuerten Parteienoligarchie der BRD zu Ansehen, Amt und Einfluss kommt. Wieso es in Deutschland so aussieht, wie es eben aussieht, klärt sich bei diesem Haufen Gesichter von alleine, da helfen auch die surrealen Sprechakte der Vasallen von Angela Honnecker nicht mehr:

Gute Nacht, Deutschland!

Technische, weltraumfahrende Zivilisationen

Nachdem die laufende Analyse der Daten des Weltraumteleskopes Kepler zeigt, dass Planeten um sonnenähnliche Sterne nichts Ungewöhnliches sind und dass folglich auch günstige Bedingungen für die Entstehung kohlenstoffbasierten Lebens innerhalb unserer Galaxie verbreitet sind, stellt sich nur noch eine Frage: Wo sind die technischen, weltraumfahrenden Zivilisationen? Sie müssten doch längst auch hier sein, wenn sie sich nur forschend ausbreiten. In „nur“ wenigen Millionen Jahren sollte die ganze Galaxie — bis auf einige problematische Regionen in der Nachbarschaft hochenergetischer Prozesse — voll davon sein. Ja, selbst wenn diese Außerirdischen Jahrmillionen lang gegeneinander Kriege geführt hätten, müsste es eine siegreiche Zivilisation geben, die in wenigen Millionen Jahren nahezu allgegenwärtig in der Galaxie wäre.

Offenbar sind sie nicht hier. Warum ist das so? Für mich drängen sich die folgenden möglichen Antworten auf diese Frage auf:

  1. Eine technische Zivilisation, die auch Weltraumfahrt betreiben könnte, besteht nicht lange genug. Sie rottet sich selbst mit vergleichbaren Geisteskrankheiten wie den menschlichen Atombomben aus, bevor sie einen nennenswerten Einfluss außerhalb ihres Sonnensystemes entfaltet. Was von ihr vor dem kollektiven Selbstmord zurückbleibt und Spuren außerhalb des Sonnensystemes hinterlässt, sind automatische Systeme wie unsere Pioneer-Sonden, vielleicht sogar mit einer Botschaft, die die „Chance“ einer Flaschenpost in der Unendlichkeit hat, jemals gelesen zu werden. Ebenso ist es möglich, dass die Entfaltung einer technischen Zivilisation zwangsläufig zu einer dermaßen großen Veränderung der planetaren Bedingungen führt, dass die Weiterentwicklung durch eine Verschlechterung der Lebensbedingungen begrenzt oder beendet wird.
  2. Es gibt biologische Grenzen der Entwicklung. Die in einem Evolutionsvorgang entstandene Intelligenz, die schließlich zur Technik führt, hat Grenzen, die in ihrem Ursprung begründet sind. Wir Menschen sind dafür selbst ein ausgezeichnetes Beispiel. Unser auf bahaartere, sich von Ast zu Ast schwingende Vorfahren zurückgehender Geist tut sich leicht mit Abläufen, die einer linearen Funktion (zwei Brötchen kosten einen Euro, vier Brötchen kosten zwei Euro) oder einer quadratischen Funktion (in einer Sekunde fällt der Stein fünf Meter, in zwei Sekunden zwanzig Meter, in drei Sekunden fünfundvierzig Meter¹) entsprechen. Im letzteren Fall fällt den meisten Menschen sogar eine nummerische Betrachtung schon schwer, aber sie können dennoch mit beliebigen Gegenständen zielsicher werfen, weil sie ein intuitives und vorbewusstes Verständnis des Zusammenhanges haben. Exponentielle Abhängigkeiten sind den meisten Menschen so fremd, dass selbst gebildete und intelligente Zeitgenossen in der Regel (leider) kein Problem mit der politischen Forderung unentwegten Wachstums haben, obwohl dies auf einem begrenzten Raum (selbst, wenn sich dieser mit Lichtgeschwindigkeit in alle Richtungen ausbreiten sollte) physikalisch unmöglich und daher absurd ist. Die Loslösung des Erkenntnisapparates und die Formalisierung des Denkens (durch symbolische Logik und Mathematik) sind anstrengende und fehlerträchtige Tätigkeiten, an denen die Mehrzahl der lebenden Menschen gar nicht mehr teilhat, die Erweiterung des „begreifbaren“ Bereiches durch solche Werkzeuge des Denkens ist ein mühsamer Prozess, dessen Ergebnisse (und dessen generelle Nützlichkeit) von vielen gar nicht nachvollzogen werden können. Wegen ihrer „Volksfremde“, die die Freude am Wissen und Verstehen als Luxus erscheinen lässt, stehen diese Ergebnisse in ständiger Bedrohung durch kulturellen Wandel. Ein Königreich für eine Stunde in der Bibliothek von Alexandria! (Und einen Dolmetscher für das Altgriechische natürlich…)
  3. Möglicherweise führt die allgemeine Schulung des Verstandes und die Weiterentwicklung dessen, was wir „Intelligenz“ nennen, grundsätzlich — also auch außerhalb der Erde — zu Nihilismus und Depression, da sie den Sinn für die Begrenztheit des eigenen Seins und die Sinnlosigkeit allen Strebens schärft. Der zivilisatorische Prozess fordert dem Individuum zwar ab, dass es einen Teil seiner verfügbaren Zeit und Lebenskraft in eine „Zivilisationsarbeit“ steckt, die nicht mehr direkt der eigenen Lust und dem eigenen Genuss dient, aber dafür bekommt das Individuum gesichertere Lebensumstände zurück, die es aus der unerbittlichen Willkür der natürlichen Abläufe herausholen und damit Freiräume schaffen. In der menschlichen Zivilisation, die uns ja als einzige ein wenig bekannt ist, werden diese Freiräume von den meisten Menschen nicht zur Erbringung weiterer „Zivilisationsarbeit“ genutzt, sondern für allerlei Freuden und Ablenkungen. Tatsachen, die zur vertieften Einsicht führen können und mit einem gewissen Ernst behaftet sind — zum Beispiel die Unausweichlichkeit des eigenen Todes oder die unmittelbare Bedeutung des eigenen Daseins für das menschliche und natürliche Umfeld und die damit verbundene Verantwortung — werden unter Erbietung aller Sinnesreizungen im kleinen Raum des Bewusstseins übertönt. Menschen, die das nicht tun können oder wollen, nehmen nahezu ausnahmslos einen melancholischen Charakter an, den andere als wenig erbäulich und erstrebenswert erachten. Die Frucht des zivilisatorischen Prozesses ist eine Verneinung jener Geistestätigkeit, die den zivilisatorischen Prozess anstieß und hervorbrachte; die Geschichte der technischen und mentalen Entwicklung ein Auf und Ab, nicht allein getrieben vom Geist, sondern auch von einem einst notwendigen evolutionären Vorläufer des bewussten Geistes, der älter und wirkmächtiger ist als jener: von der Psyche; einem Abgrund kaum bewusstseinsfähiger Regungen, der in seinem alleinigen Streben nach Lust jede höhere Leistung verschlingt. Jeder Fortschritt findet darin eine Grenze, wenn er erst einmal den kurzen Taumeltanz des Daseins dürftig gesichert hat.
  4. Es ist gut möglich, dass der Energieaufwand für interstellare Raumfahrt eine Grenze ist. Schon die Energie, die erforderlich ist, um mit einer Rakete die Gravitation der Erde zu verlassen, ist für Alltagsmaßstäbe beeindruckend, und beim Versuch, auf einer Bombe sitzend die Erde zu verlassen, kam es immer wieder zu schweren Unfällen. Bei der Reise durch den interstellaren Raum sind weitere Probleme zu bewältigen, deren Schwere zurzeit gar nicht zu ermessen ist. Da die Reisenden auf ihrem langen Weg durchs Nichts ein Stück lebenserhaltendes Ökosystem mitnehmen müssten, das selbst dann unter Energieaufwand erhalten werden müsste, wenn während der Reise auf jegliche Beschleunigung verzichtet wird, besteht in jedem Fall ein Energieproblem. Und natürlich benötigt das Gefährt auch eine Wartung, und zwar über sehr lange Zeiträume hinweg in einem energiearmen Umfeld ohne nützliche Sonnen in der unmittelbaren Nähe. Ob dieses Energieproblem lösbar ist, kann niemand sagen; es könnte sein, dass es sich um eine prinzipielle Grenze handelt, die für ein in unserem Sinn „intelligentes“ Individuum in seinem komplexen und empfindlichen Fließgleichgewicht zu seiner Umgebung nicht einmal dann überwindbar wäre, wenn mit „gentechnischen“ Methoden spezielle Weltraumwesen erzeugt werden könnten. (Die Ethikdiskussionen, die bei einem solchen Unterfangen unter Menschen aufkämen, möchte ich mir gar nicht vorstellen. Menschen haben schon ein Problem damit, wenn mit technischen Verfahren Pflanzen verändert werden, weil dies ein „Frevel“ an der „guten“ Natur sein soll — dass sie die Natur für so „gut“ halten, ist freilich eine zivilisatorisch bedingte Luxusillusion, kombiniert aus dem klebrigen Idyll von Disneys Bambi-Film und der Tatsache, dass die meisten Menschen nicht mehr ihr Essen zusammensuchen müssen und nicht mehr von anderen Tieren verfrühstückt werden. Siehe den vorherigen Punkt.)
  5. Das Sonnensystem könnte Bestandteil eines interstellaren „Naturschutzgebietes“ sein, das man mit gewissem Aufwand von äußeren Einflüssen abschirmt, um Entwicklungen ohne diese Einflüsse studieren zu können. In diesem Fall wären sehr wohl einige Außerirdische „hier“, kleine Forschertruppen, die mit ihrer nach unseren Maßstäben geradezu magischen Technik alles daran setzten, unbemerkt zu bleiben, sich aufs Beobachten zu beschränken und die Beobachtungen zu dokumentieren. Wir, die wir uns „homo sapiens“ nennen — allein die Selbstbezeichnung als „weiser Mensch“ ist die Verneinung jeder Bedeutung des Wortes Weisheit — sind dabei für jene ungefähr so interessant wie für uns die Tiere im Zoo interessant sind; eine im Alltag nicht vorkommende Kuriosität aus fernen Welten, bei der man sich manchmal unwillkürlich fragt, was wohl in ihren Köpfen vorgehen mag.
  6. Generell ist es möglich, dass Vertreter einer außerirdischen Zivilisation längst hier sind, dass sie aber für unseren begrifflichen Apparat so fremd sind, dass wir sie gar nicht als solche bemerken, wenn sie in Erscheinung treten. Es gibt keinen Grund, warum sie auch nur ähnliche Formen wie das von der Erde her vertraute Leben haben sollten. Es gibt keinen Grund, warum ihre Tätigkeiten in zeitlichen Abläufen erfolgen sollten, die für unseren Wahrnehmungsapparat kenntlich sind. Was wir als auffällig wahrnehmen, bewegt sich in einer bestimmten Geschwindigkeit (wie unsere früheren Fressfeinde oder wie andere Menschen) und verhält sich in einer bestimmten Weise, alles andere ist für Menschen eher indifferent. Die meisten Menschen bemerken beispielsweise nicht, dass sich Pflanzen bewegen, weil dies für menschliche Sinnesleistungen unmerklich langsam geschieht (von der Mimose oder der Venusfliegenfalle einmal abgesehen, und deshalb sind diese Pflanzen auch Kuriositäten für uns). Auch die Technik einer anwesenden außerirdischen Zivilisation müssten wir nicht unbedingt bemerken. Innerhalb eines einzigen Menschenalters sind aus schwergewichtigen, großen Computern kleine telefonartige und prinzipiell dezentral vernetzbare Taschencomputer geworden, deren Leistungsfähigkeit zudem pro Einzelgerät um mehrere Größenordnungen zugenommen hat — und vorher war die Idee eines kleinen Computers kaum vorstellbar, nicht einmal für Autoren der science fiction. Alfred Elton van Vogt² schrieb noch 1952 in seinem Roman „Das Reich der 50 Sonnen“ eine bemerkenswerte Vorstellung der Technik des von ihm herbeifantasierten Raumfahrtzeitalters nieder: „Er setzte sich an sein Pult und zog sein Berufswerkzeug aus der Tasche: einen Rechenschieber mit einem daran befestigten Radiogerät, das ihn mit dem nächsten Elektronengehirn — in diesem Falle dem des Schiffes — verband„. Auf die Idee, dass Fortschritt etwas anderes hervorbringen könnte als mächtige „Elektronengehirne“ konnte van Vogt bei aller Phantasie nicht aufkommen.
  7. Zu guter Letzt könnten wir auch einfach die erste technische Zivilisation in dieser Galaxie sein. Das ist zwar unwahrscheinlich, aber es ist aus eine Tatsache, dass eine der Zivilisationen die erste sein muss. Eine solche erste Zivilisation würde genau das oben beschriebene Paradoxon beobachten — und einige Angehörige dieser Zivilisation würden sich recht ähnliche Gedanken machen wie jene, die ich hier kurz notiert habe…

Ende des wirren, hochspekulativen Textes, mit dem ich meine persönliche science-fiction-Quote für dieses Jahr erfüllt habe.😉

¹Ähm, ja, ich weiß… das sind Näherungen, um die Zahlen anschaulich zu halten. Physiker, Newtonfans und Neurotiker mögen bitte beide Augen kurz zukneifen und darüber hinwegsehen. Für die quadratische Abhängigkeit der Falltiefe (und der Geschwindigkeit) von der Zeit sind die genauen Zahlen eher unerheblich. Wo man den Wert der Erdbeschleunigung nachliest, wenn man ihn nicht kennen sollte, weiß ich, und dass er nicht 10 m/s² ist, weiß ich auch.

²Da ich davon ausgehen muss, dass A. E. van Vogt vielen Menschen nicht bekannt ist: Es handelt sich um einen Autor der science fiction, der in seinen frühen Jahren eine gewisse Nähe zu Ron L. Hubbard, den Gründer von Scientology, hatte, sich aber schnell deutlich distanzierte. Die meisten seiner Geschichten sind heute vergessen, aber seine Erzählung Discord in Scarlet wurde auch für die heutige Populärkultur prägend — sie bildete die Vorlage für den großartigen Film „Alien“ aus dem Jahr 1979, obwohl A. E. van Vogt nicht erwähnt wurde. Er hat später vor Gericht einen Vergleich erstritten und 50.000 Dollar für die filmische Bearbeitung seines Stoffes bekommen.

Die Bildungsministerin

Hätte Annette Schavan nicht einen wissenschaftlichen Betrug begangen, um anschließend zur Bundesministerin für Bildung zu werden, sondern stattdessen mit harmlos von anderen übernommenen musikalischen Ideen ein Dasein als Musikerin angestrebt, sie hätte schon längst von den Anwälten der Contentindustrie einen Haufen Abmahnungen wegen ihrer Urheberrechtsverletzungen bekommen. Wie gut für sie, dass bei entsprechener Stellung der unanständigen Person der Anstand in der Wissenschaft weniger eine Rolle spielt als in irgendeiner anderen menschlichen Betätigung.

Ausschuss

Dem Worte „Ausschuss“ haftet doch ein heiterer Doppelsinn an, den man beim Lesen von Meldungen nicht vergessen sollte. Etwa, wenn so eine Ausschussware wie Dr. Silvana Koch-Mehrin — eine überführte wissenschaftliche Betrügerin mit einem Charakter ähnlich einem Hochstapler, die ihren akademischen Titel mit einer nachweislich abgeschriebenen und damit gefälschten wissenschaftlichen Arbeit „erworben“ hat — in Anerkennung dieser „Leistung“ nicht etwa die verdiente Ächtung erfährt, sondern zum Vollmitgleid des europäischen Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie befördert wird.

Der Ausschuss ist zuständig für: […] die Forschungspolitik der Union, einschließlich Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Wenn diese Frau, die nachgewiesenermaßen den Wissenschaftsbetrieb vor allem als eine für sie nützliche und schmückende Titelmühle betrachtet hat, nun für die Bildungs- und Wissenschaftspolitik der Europäischen Union zuständig ist, denn ist das nur folgerichtig und steht in einer großen Kontinuität des jeden Tag zwar nicht so direkt, aber dennoch immerfort in Wort und Tat geäußerten, allgemeinen „Wir machen, was wir wollen, und ihr könnt uns alle mal am Arsche lecken“ der classe politique und der ParlamentArier.

Und morgen schon werden die offenen Freunde und Begünstiger der Plagiatoren wieder mitten in die Kamera und das contentindustrielle Mikrofon, das Auge und Ohr der Welt, vom Schutz des geistigen Eigentums faseln und allerlei Zensur und Technikverhinderung in Gesetzeskraft zu setzen versuchen. Mit heiterem Gruß aus Alzheim — und einem mitschwingenden, aber doch niemals direkt geäußerten „Ihr könnt uns alle mal am Arsche lecken“. Während immer wieder von der Politikverdrossenheit der Menschen gesprochen wird, sind es diese Politiker und ihre mafiös wirkenden Wahlvereine (so genannte „Parteien“), die für den Verdruss sorgen.

Kleiner Hinweis am Rande: Es gibt da eine zwar nutzlose, aber doch den Widerspruch dokumentierende Petition für einen Rücktritt dieser Hochstaplerin.

Die Zuflucht der Verachteten

Der anhaltende, gar zunehmende Erfolg der psychischen Prostitution der so genannten „Parawissenschaften“ mit all ihren dummen und grellen Angeboten ist ein Spiegelbild der ebenso anhaltenden und immer weiter zunehmenden Verachtung des psychischen Menschen in den „richtigen“ Wissenschaften.

Entschlüsselung

Zu den dummen und irrationalen Redensarten in der Journaille gehört die Meldung, dass Forscher wieder einmal das Erbgut eines Lebewesens „entschlüsselt“ hätten, wenn es den Forschern gelungen ist, die DNA zu sequenzieren und die Gene auf den DNA-Strängen zu lokalisieren. Das Wort „Entschlüsselung“ suggeriert ein Maß des Verständnisses, das nicht vorhanden ist und erst noch erarbeitet werden muss; die Sequenzierung der DNA und die Lokalisierung der Gene ist nur ein erster, wichtiger Schritt hierzu — und auch ohne diese irreführende Anpreisung aus der abgeschriebenen Presseerklärung eine große Errungenschaft des forschenden (und zuweilen forschen) Willens.

Grenzwissenschaft

PhrenologieGrenzwissenschaft (Asubstantiv, die) — Als G. werden Bestrebungen bezeichnet, die sich am Rande der Wissenschaft befinden. Zwischen Wissenschaftlern sowie denkenden Menschen und so genannten Grenzwissenschaftlern besteht allerdings eine gewisse und bei näherer Betrachtung recht leicht verständliche Uneinigkeit darüber, auf welcher Seite des Randes sich eine G. befindet. Bereiche, die als G. betrachtet werden, zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Anhänger gern eine wissenschaftlich klingende Sprache und einen wirrseligen Wust von eigens ersonnenen Fachausdrücken verwenden, um in solcher sprachlicher Mimikry den Mangel an gesicherter Erkenntnis, das Fehlen jeglicher Vorhersagekraft, das weit gehende Scheitern von Vorhersageversuchen und den zum Ausgleich vorhandenen Reichtum an bullshit zu verbergen, wie es sich leicht bei Betrachtung der so genannten „Ufologie“, der so genannten „Alternativmedizin“ oder in den so genannten „Wirtschaftswissenschaften“ zeigt. Dieser armselige Trick funktioniert dermaßen gut, dass wenigstens die Anhänger eine G. regelmäßig darauf hereinfallen und aus ihren nur dürftig von gesicherten Fakten gestützten Postulaten weit reichende gesellschaftliche Forderungen ableiten, deren Nichterfüllung gern als Folge großer Verschwörungen (beliebte Hinwegerklärung in der „Ufologie“) oder eine Auswirkung des Kommunismus (beliebte Hinwegerklärung in der „Wirtschaftswissenschaft“) betrachtet wird — letzteres selbst noch innerhalb von Gesellschaften, in denen Kommunisten und Anhänger verwandter politischer Ideologien bedrängt, kriminalisiert und verfolgt werden. Wache Menschen erklären sich das Wort von der Grenzwissenschaft so, dass in diesen Bestrebungen vor allem die Grenze zum Irrsinn berührt und zuweilen auch überschritten wird.

Stellers Seekuh

Im Jahre 1741 schrieb der deutsche Arzt und Wissenschaftler Georg Wilhelm Steller seine Beobachtungen nieder, die er machte, als das Schiff seiner Expedition am fünften November des besagten Jahres auf einer bis dahin unbekannten Insel strandete, die heute „Beringinsel“ genannt wird. Neben den vielen Improvisationen, die das Ringen um das nackte Überleben in dieser arktischen Winterkälte erzwang, fand Steller auch immer noch etwas Zeit, die dortigen Naturerscheinungen zu beobachten und sehr genau in seinen Notizen zu beschreiben. Da es der Gruppe der Überlebenen gelang, ein Boot zu bauen und mit diesem im Sommer des Jahres 1742 einen russischen Hafen zu erreichen, wurden die naturkundlichen Beobachtungen aus diesem bislang fremden Teil der Welt innerhalb der damaligen europäischen Zivilisation bekannt.

Unter den Arten, die Steller beschrieb, war Hydrodamalis gigas wohl die spektakulärste, sie ist heute auch unter dem Namen „Stellersche Seekuh“ bekannt. Es handelte sich um riesige Seekühe, und von dieser Art lebten damals noch einige tausend Tiere auf der Behringinsel und der benachbarten Kupferinsel. Diese Tiere wurden bis zu acht Metern lang und vermutlich vier Tonnen schwer. Es waren zwar große, aber auch völlig friedliche Tiere, die sich von Algen ernährten, welche sie mit ihren rückgebildeten Zähnen zermahlten.

Steller war der erste und der letzte Wissenschaftler, der eine lebende Riesenseekuh zu Gesicht bekommen sollte, denn es kam sogleich der andere Teil der Zivilisation hinterher. Das letzte Tier dieser Art wurde sechsundzwanzig Jahre nach der Rückkehr Stellers, im Jahre 1768, von Pelztierjägern erschlagen. Was uns heute davon geblieben ist, sind zwei Handvoll Skelette, zwei Stücke aus der dicken Haut des Tieres und die Beschreibungen eines Menschen, der in der Natur nicht nur eine geschäftliche Möglichkeit gesehen hatte.