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Adblock Plus

„Qualitätsjournalisten“, jämmerliche!

Wenn die Reklame in euren Zeitschriften und Zeitungen, die jetzt schon mit rund fünfzig Prozent des bedruckten Papiers quantitativ zuviel und auch dort mehr als nur ein bisschen aufdringlich ist, nun auch noch damit begönne, wie die Reklame im Web zu plärren und zu flackern und zu blinken, um mit aller medialer Gewalt meine Aufmerksamkeit an sich zu reißen, risse ich auch die Seiten mit der Reklame heraus und täte sie möglichst weit von mir, um in Ruhe das lesen zu können, was ich eigentlich lesen wollte. Und da wundert ihr euch über Adblocker? In welcher Welt lebt ihr? Und vor allem: Was haltet ihr eigentlich von den Menschen, die euch lesen sollen?

Möge euch cerebral angerotteten Grabverweigerern die Verachtung überall zurückgegeben werden, der ihr als Platitüdenbarone des hl. Journalismus so scham- und hirnlos Ausdruck gebt!

Der Adblocker ist mein Killfile für das Nach-Usenet-Internet des World Wide Web; eine mentalöknomisch ausgesprochen sinnvolle Vorrichtung, die mir die überwiegend unerbäulichen „Kommunikationsversuche“ von Erzekeln, Maulhuren und Vollidioten erspart.

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Keiner hats gewollt, allen ists ein Schaden

Es folgen zwei einfache Beispiele. Die ersten E-Mail-Systeme haben Nachrichten als ASCII-Texte versendet. Sie waren vollkommen sicher. Es gibt nichts, was eine empfangene ASCII-Nachricht tun könnte, um einen Computer zu beschädigen. Dann bekamen einige Menschen die Idee, dass man E-Mail erweitern könnte, damit andere Dokumenttypen eingefügt werden können, zum Beispiel Word-Dateien, die Programme in Makros enthalten können. Wenn sie so ein Dokument lesen, bedeutet dass, dass sie das Programm von jemanden anders auf ihren Computer ausführen. Vollkommen gleichgültig, wie viel Sandboxing angewendet wird: Wenn sie ein fremdes Programm ausführen, ist dies von seiner Natur her gefährlicher, als wenn sie einen ASCII-Text lesen. War es ein Verlangen von Anwendern, die passiven E-Mail-Dokumente in aktiv ausgeführte Programme zu verwandeln? Wahrscheinlich nicht. Es waren Systemdesigner, die dachten, dass es sich um eine schicke Idee handele, und sie machten sich nicht allzuviele Gedanken um die Folgen für die Sicherheit.

Das zweite Beispiel ist genau die gleiche Angelegenheit für Webseiten. Als das Web aus passiven HTML-Dokumenten bestand, stellte es kein großes Sicherheitsproblem dar. Nun, da so viele Webseiten Programme (Applets) enthalten, die der Anwender ausführen muss, um die Inhalte zu sehen, taucht ein Sicherheitsproblem nach dem anderen auf. Kaum ist eines behoben, schon tritt ein anderes an seine Stelle. Als das Web noch vollständig aus statischen Dokumenten bestand, sind da etwa Anwender Sturm gelaufen und haben dynamische Inhalte eingefordert? Nicht, dass der Autor sich daran erinnern würde, aber die Einführung dynamischer Inhalte brachte fundamentale Sicherheitsprobleme mit sich.

Andrew S. Tanenbaum: Modern Operating Systems, 1. Auflage, 2002, S. 631
Die schnelle Übelsetzung ist von mir.

Ja, das ist eine Anmerkung zur Computersicherheit aus dem Jahr 2002; ja, dieser Text ist jetzt elf Jahre alt.

Wo ich gerade dabei bin: Vergesst bitte nicht, ganz schnell euer Flash upzudaten! Die aktuelle Sicherheitslücke ist recht kritisch, und es sind auch Rechner unter MacOS davon betroffen.

Urlaubskarte Zwei Null

Sie ist zurzeit in Urlaub, an der Nordsee, in Dänemark – und sie wollte mir einen Eindruck von ihrem Sein dort vermitteln, indem sie mir einen Link auf die Website des Ortes zumailte. Als ich auf diesen Link klickte, lud eine Seite mit dermaßen vielen und fordernden Flash-Applets, dass der betagte Rechner, auf dem ich zurzeit arbeite, unter der Last unbenutzbar wurde. Ich konnte tatsächlich nicht einmal mehr. Das Browserfenster schließen. Während ich in ein immer offenes Terminal wechselte, um den Browserprozess zu killen – es war ein zähes Arbeiten am Rechner, ein ganz zähes – fing die überreich dargebotene und nun trotz der schwierigen Bedinungen leidlich initialisierte Flash-Reklame zu plärren an. Der Mangel an Ressourcen für die Plugins. Führte zu arhythmischen Aussetzern im Strom der Klänge. Und zusammen mit dem lärmhaften Chrakter der Reklame entstand der Eindruck eines Morsesignals aus Schreien. Es ist wohl ein Urlaubsort nur für aktuelle Computer, und. Keiner für mich.

Übers Bloggen (18): Was ist Bloggen?

Bei F!XMBR hat Chris die interessante Frage aufgeworfen, was dieses Bloggen eigentlich ist.

Das ist keine einfache Frage, denn es geht bei einem einigermaßen genießbaren Blog doch um deutlich mehr als um einen technischen Vorgang. Statt einer langatmigen Erklärung mag ich die Frage lieber mit einigen kurzen Stichpunkten beantworten — und ich hoffe, dass diese auch manchmal ein bisschen sticheln.

Bloggen ist, wenn ein Mensch zum Blogger wird, wenn er in allen Begegnungen, Ereignissen, Träumen und Gedanken auch etwas sieht, worüber es sich schreiben lässt, wenn er damit beginnt, die Dinge zu hinterfragen, um seinem Schreiben eine Substanz zu geben, die über die spontane und unreflektierte persönliche Reaktion hinaus geht und damit zu einem ernsthaften Akt der Kommunikation wird. Das Schreiben geht in diesem Prozess manchmal wie nebenbei. Und. Das Geschriebene wird manchmal eher wirr, unstrukturiert und belanglos, ohne aber für immer darin zu verbleiben.

Bloggen ist, wenn das regelmäßige Be-Schreiben des Erlebten, Gedachten, Geträumten zu einer von anderen Menschen beachteten Stimme wird, statt in der sumpfigen Privatheit des Freundeskreises oder des Stammtisches zu verhallen. Die Stimme wird dabei beinahe von allein kultivierter, so sie mit einem Hauch Empathie verbunden ist und der Blogger bemerkt, dass sich die wenigsten Menschen freiwillig belügen, anbrüllen, beschimpfen lassen wollen.

Bloggen ist der Ausfluss einer Persönlichkeit. Auch ein Mensch ohne Persönlichkeit kann ein Blog führen, ja, sogar ein schlechter Journalist, aber ein solches Blog ist etwa so attraktiv wie ein Testbild im Fernsehen; es ist kein eigentliches Blog, sondern es trägt den Charakter eines technischen Selbstzwecks mit sich herum.

Bloggen ist, wenn der Blogger auch andere Blogs regelmäßig zu lesen beginnt, andere Auffassungen als die Seinigen kennenlernt, anderer Blogger regelmäßiges Schreiben trotz gelegentlichen Unverständnisses zu respektieren, wertzuschätzen lernt. Das Leben als Blogger kann dabei zu einem beachtlichen Maß verantwortungsvoller Ausgewogenheit führen. Einen richtigen Blogger, der niemals andere Blogs liest, gibt es nicht.

Bloggen ist die Kommentarfunktion; und ein Blog ohne die Möglichkeit eines Kommentares ist kastriert. Die einfache Möglichkeit für jeden Menschen, zu allem Geschriebenen relativ unmittelbar einen erweiternden oder widersprechenden Standpunkt zu äußern, gibt dem Blog einen wichtigen Mehrwert, nimmt der gebloggten Betrachtung ihren Frontalcharakter und ist für den Blogger zuweilen sehr nervig. Zuweilen wird ein Artikel oder gar ein ganzes Blog erst durch sein Kommentare wertvoll.

Bloggen ist aber auch, wenn immer wieder irgendwelche SEO-Spammer keinen anderen Wert in einem Blog sehen als den einer Litfaßsäule, dass ihnen nichts Besseres einfällt, als einen idiotischen Kommentar von lochhafter Leere mit einem Link zur Manipulation der Suchmaschinen zu kombinieren. Ach! Wie viele Kommentatoren doch so „hübsche“ Namen wie „Telefontarife“, „Poker“, „Software“ oder gar „Google-Ranking“ von ihrer Mutter bekommen haben!

Bloggen ist wesentlich besser als Webforen. Jedes Blog ist erkennbar die persönliche Sphäre eines anderen Menschen, und das hält von überdummer Trollerei in den Kommentaren ab — zumindest einen Blogger. Was noch an Trollerei verbleibt, macht keine so großen Probleme wie die Moderation eines Forums, das alle als einen „gemeinsamen Raum“ betrachten und das sehr viele aus diesem Grund nicht besonders pfleglich behandeln. Auch Wohngemeinschaften scheitern oft am Klo und an der Küche.

Bloggen ist aber auch, wenn man als Blogger immer wieder über Websites stolpert, die durch die chronologische Ordnung der Veröffentlichung zwar in einem technischen Sinne ein Blog sind, aber nicht der menschlichen Mitteilung dienen, sondern zur reinen, von aufdringlicher Reklame vergällten Selbstdarstellung und Klickbespaßung verkommen sind. Nach solchem Stolpern steht ein Blogger wieder auf, so er überhaupt hinfiel, und geht weiter in die ursprünglich eingeschlagene Richtung, ohne diesem Stolperstein allzu viel weitere Beachtung zu schenken.

Bloggen ist, wenn einem Blogger sein Blog manchmal wie eine Last am Leben hängt, wenn sich eine Dynamik entwickelt, die anfangs gar nicht absehbar war, wenn manche Woche die Einträge eher kurz und widerwillig werden, wenn das Schreiben zu einem K(r)ampf wird. Und. Wenn solche Zeiten zusammen mit dem Blog durchgestanden werden. Ja! Wenn das Blog an das Leben anwächst.

Bloggen ist, wenn das Blog durch ein Leben mit allen Höhen und Tiefen mitgetragen wird und zum Spiegelbild dieses Lebens wird.

Bloggen ist nichts, was jemand nebenbei betreiben könnte. Aber es findet auch nicht in einem Paralleluniversum neben dem eigenen Leben statt. Es ist eine Haltung wie Fotografieren: „Da ist ein hübsches Motiv, das versuche ich einzufangen.“ Nicht jeder hat Talent, gute Fotos zu machen; und nicht jeder hat Talent, ein gutes Blog zu schreiben. Aber jeder, der das möchte, kann es in beiden Bereichen auch mit einem Minimum an Talent zu beachtlichen Fähigkeiten bringen, wenn er die damit verbundene Mühe nicht scheut. Wer Mühelosigkeit sucht, sollte kein Blog führen, sondern lieber fernsehen.

Bloggen ist keine technische Spielerei, und niemand besucht ein Blog regelmäßig wegen „cooler Widgets“ und einem „tollen Design“. Ein Blog wird in erster Linie wegen seiner Inhalte regelmäßig besucht und gelesen, und wer bloggen will, tut gut daran, das zu wissen, seinen technischen Spieltrieb in einem angemessenen Rahmen zu halten und sich um Inhalte zu bemühen.

Bloggen ist Text. Wer nicht gern liest und schreibt, sollte davon absehen. Fotos sind besser in einer speziellen Galerie-Software aufgehoben.

Bloggen ist überschätzt. Es erreicht nicht Millionen von Lesern, es ist kein Ersatz für individuelle Kultur und Bildung, es kann nicht die Gesellschaft verändern. Es ist schon gar kein „neuer Journalismus“, so sehr man sich einen solchen angesichts des derzeitig existierenden auch wünschen mag. Und. Es ist ein sehr schlechtes Geschäftsmodell — wer Geld machen will, sollte besser in kalter Haltung „Inhalte“ zur Bespaßung der Massen anbieten. Wer dennoch bloggen will, muss damit leben, dass die Wirklichkeit anders aussieht als die trendbesoffene Berichterstattung an sich netzferner Medien.

Bloggen ist eine späte, durch spezielle Software gegebene Erfüllung des Versprechens, dass sich jeder Mensch mit geringem Aufwand eine Stimme im Internet verschaffen kann. Es erfüllt aber nicht die Hoffnung, dass auch jeder Mensch mit einer solchen Stimme etwas mitzuteilen hätte. Immerhin gibt es neben etlichen Sammlungen des Nichtigen und Belanglosen viele lesenswerte Blogs.

Bloggen ist mit dem Nachteil behaftet, dass viele Leser nach dem jeweils aktuellen Beitrag im Blog schauen und den oft im Blog erkennbaren Kontext, in dem dieser Beitrag geschrieben wurde, völlig aus den Augen verlieren. Es ist als Publikationsform nicht gut für Texte geeignet, die einen eher bleibenden Wert haben.

Bloggen ist vergleichsweise unwichtig. Wenn es. Mit dem wirklichen Leben verglichen wird.

Bloggen ist vergleichsweise wichtig. Wenn es. Mit jenen etablierten, zentral organisierten Massenmedien verglichen wird, die so viel wirkliches Leben marginalisieren.

Bloggen ist und bleibt das, was wir Bloggenden daraus machen. Jeder Versuch, es präzise zu greifen, ist zum Scheitern verurteilt. Jede scheinbar sachliche Definition geht an der Sache vorbei. Die Frage, was dieses Bloggen eigentlich ist, sie ist genau so schwierig wie die Frage, was so eine menschliche Persönlichkeit eigentlich ist.

Aktueller Nachtrag: F!XMBR ist jetzt schon seit mehreren Stunden offline, und der Hinweis auf der Platzhalterseite spricht von Wartungsarbeiten. Weiß jemand genaueres darüber, was da los ist? Angesichts der Neigung von Webhostern in der BR Deutschland, nach meudalistischer Gutsherrenart durch willkürliches Sperren und Kündigen „Wohlverhalten“ von ihren Kunden zu erzwingen, habe ich kein besonders gutes Gefühl bei dieser Angelegenheit  — und ich würde F!XMBR wirklich vermissen, wenn es verschwände.

Nachtrag zum Nachtrag: F!XMBR ist wieder da, es war „nur“ ein Serverumzug…

So sieht es derzeit aus…

…wenn man www.wikileaks.de in die Adresszeile seines Browsers eingibt:

wikileaks.de ist gesperrt - TRANSIT-Informationsseite - Die aufgerufene Domain ist derzeit nicht erreichbar

So wird es in Zukunft auch an vielen anderen Stellen aussehen, wenn unliebsame Informationen in der BR Deutschland unterdrückt werden. Wahrscheinlich wird an einer geeigneteren Platzhalterseite für zensierte Inhalte noch gearbeitet. Die Great Firewalll of Germany ist eröffnet. Und nein, dies liegt nicht in der Absicht der Betreiber von wikileaks.de, die wurden nicht einmal informiert. [via]

Nachtrag: Es scheint mit „rechten Dingen“ zugegangen zu sein, aber dennoch schnell zur Nachbehandlung des Themas bei Fefe.