Tag Archive: Wahrheit


Vom Wahrheit-Sagen

Wer den Menschen beibringen möchte, die Wahrheit zu sagen, muss ihnen „nur“ beibringen, die Wahrheit überhaupt hören und wissen zu wollen. Das eigene Aussprechen und der Verzicht auf das dann entbehrlich gewordene Lügen kommt wie von allein.

Wahrheit und Lüge

Die Realität ist nicht von der so leicht manipulierbaren, dummen Psyche abhängig. Was wahr ist, bleibt Wahrheit, selbst, wenn niemand daran glaubt. Und. Was gelogen ist, bleibt Lüge, selbst wenn jeder daran glaubt. Und der lügt, bleibt ein verachtenswerter Lügner, ob er sich auch mit seinen Lügen und seiner Gewalt die Verehrung der ganzen Menschheit erschwindelt.

Wohnungsnot

Lügner machen Lügner. Wer der Lüge breiten und unbestrittenen Raum gewährt — so wie es im journalistischen Geschäft von Presse und Glotze gang und gäbe ist — verursacht damit die Wohnungsnot der Wahrheit.

Die Krise

Die Angst der Menschen vor der Wahrheit und die mit der kalten, psychischen Wucht dieser Angst angetriebene Zuneigung zur tröstlichen, dummen, einlullenden Lüge in ihren vielen Gewändern — das ist die gesamte Krise menschlicher Gesellschaften, seitdem es Menschen gibt.

Was die Kinder bekommen

In der BR Deutschland wachsen immer mehr Kinder in Armut auf, was ja auch wegen des damit verbundenen Entrüstungspotenziales gern einmal zum „politischen“ Thema für Stammtische und Talkshows gemacht wird. Was aber fehlt diesen Kindern, was haben sie für Wünsche? Der ARD-Videotext berichtet gegenwärtig (Seite 162, Stand: 24. März, 9:15 Uhr) kurz von einer Studie über in Armut aufwachsende Kinder, die von Forschern der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk „Die Arche“ erstellt wurde:

Befragt nach ihren Wünschen für ein „gutes Leben“ nennen die 6- bis 13-jährigen vor allem „von den Eltern geliebt zu werden“, „genug zu essen zu bekommen“, „gute Freunde“ und „immer jemanden zu haben, der sich kümmert“.

Das politischen Pläne und Forderungen für diese Kinder sehen freilich ein bisschen anders aus. So gern die Kinder auch von den Eltern geliebt werden wollen und so berechtigt dieser Wunsch auch ist, so sehr sollen die Eltern von einer so genannten „Familienpolitik“ und mit der Peitsche ihrer wirtschaftlichen Not gedrängt werden, ihr Kinder so früh und so ganztägig wie möglich in herzkalten Verwahranstalten abzulegen, damit auch wirklich beide Eltern auf einem immer größer werdenden, staatlich subventionierten und durch behördlichen Zwang mit Menschen versorgten Elendsarbeitsmarkt zu Hungerlöhnen den Reichtum der Besitzenden erhalten und mehren. Anstelle des „guten Essens“ gibt es für immer mehr Kinder eben das, was ihre verarmenden Eltern bei diversen Billigketten gerade noch kaufen können; die „guten Freude“ werden — ebenso, wie das soziale Umfeld der Erwachsenen — darin geopfert, dass selbst noch von jenen Menschen „Mobilität“ im steten Hetzen nach einer zum Selbstzweck gewordenen Verwertschöpfung der Arbeitskraft gefordert wird, deren Arbeitskraft niemand mehr bezahlen will. Um die Kinder kümmern sollen sich unterdessen diverse Pädagogen und andere Päderasten , die dafür bezahlt werden, dass sie den Kindern möglichst allsinnlich vermitteln, dass es sich beim konkret erlebten Elend um ein richtiges und gutes Leben handelt. Dass die rot-grünen Gesetze des Schröder-Regimes, unter deren derartige Bedingungen geschaffen wurden und die trotz des allumfänglichen Scheiterns ihrer Grund legenden Ideen unter der jetzigen Koalition aufrecht erhalten werden, ausgerechnet nach einem Herrn Hartz benannt wurden, dessen Charakter als Bestecher und windiger Vermittler von Prostituierten überdeutlich geworden ist, das ist ein treffliches Spiegelbild der politischen Korruption und allgemein geforderten und geförderten Prostitution, unter denen diese Zustände in Deutschland erst entstanden sind.

Auch im Wahljahr 2009 gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die politische Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders fortan an der Sicherung existenzieller menschlicher Bedürfnisse orientieren wird. Und. Wenn die demnächst wieder allgegenwärtigen Hausierer der politischen Beglückungsideen — bevor sie sich nach der Wahl wieder im Berliner Bunker verschanzen werden — ihr recht einseitiges und gegen die Mehrzahl der Menschen in Deutschland gerichtetes Gedankengut mit irgend etwas belegen müssen, denn werden sie einfach die Profiteure des zivilisatorischen Rückbaus fragen.

Vielen Dank für den Hinweis an M.

Richtung und Garheit (20)

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass sie sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger.

Kurt Tucholsky

Wandlung — Dass Nachgiebigkeit ein Zeichen von Intelligenz ist, stimmt nicht. Der sprichwörtlich „Klügere“ gibt so lange nach, bis er schließlich in dieser Angelegenheit der Dumme geworden ist.

Nichtsblähung — Niemals wird irgendeine Behauptung schon dadurch wahr, dass die Wahrheit der gegenteiligen Behauptung nicht nachgewiesen werden kann. Gott wird nicht existenter dadurch, dass sich seine Nichtexistenz nicht belegen lässt. Aus Unwissenheit folgt… nichts. Aber überall dort, wo Menschen durch gezielte Rhetorik politisch beeinflusst oder religiös missioniert werden sollen, wird dieser logisch nichtsnutze Weg gern beschritten, um aus der Unwissenheit Glauben folgen zu lassen, und aus dem Glauben heraus folgen dann schließlich Menschen einem in Worten verpackten Nichts und vollbringen darin erstaunliche Leistungen der Selbstverleugnung.

Abwehr der Lüge — Der Volksmund sagt aus langer Erfahrung heraus: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“. Damit wird festgestellt, das schon die einmalige Zuflucht eines Menschen zum Mittel der Lüge in einer wichtigen gemeinschaftlichen Angelegenheit Grund genug dafür sein sollte, diesem Menschen gegenüber niemals mehr die soziale Grundhaltung des Vertrauens zu erbringen; dass dieser Mensch also aus jedem vertrauensvollem Miteinander zu entfernen ist. Leider hat der Volksmund nicht die Kraft, zum Volksverstand zu werden, sonst sähe es in Wirtschaft und Politik anders aus, und auch die Journaille würde einen anderen, weniger beklagenswerten Standard pflegen. Doch selbst mit diesem Muskel bliebe dieser Volksverstand schwach, wenn er die Manipulation durch gewiefte Rhetorik nicht der Manipulation durch direkte Lüge gleichstellte. Jeder Versuch, andere Menschen durch das Blendwerk der Lüge oder der scheinlogischen Rhetorik über den Tisch zu ziehen, verdient die volle Ächtung, letztlich den Ausschluss des Lügenboldes aus einer Gemeinschaft von Menschen, die auf ein feines Netz gegenseitigen Vertrauens begründet ist.

Freiheitssklaven — Wenn ein Mensch zu einem anderen Menschen spricht: „Du bist völlig frei in deinen Entscheidungen“, dazu eine Schusswaffe herausholt und ihm sagt, was er zu tun hat, wenn er nicht erschossen werden will, ist jedem klar, das die Bezeichnung des so erzwungenen Handelns als „Freiheit“ ein ätzender Hohn ist. Wenn einem Menschen gesagt wird: „Du bist völlig frei in deinen Entscheidungen“, ihm aber bei Nichtbefolgung sehr enger Vorgaben die Verarmung, die Obdachlosigkeit, der Hunger, die soziale Verelendung und ein Dasein als Bettler angedroht wird, denn handelt es sich um den Freiheitsbegriff der rot-grünen und später großkoalitionären „Sozial“-Gesetzgebung im bestehenden Hartz-IV-Staat, der immer mehr betroffenen Menschen mit „Angeboten, die sie nicht ablehnen können“ kommt.

Phobokratie — Ein geschickter Sklavenhalter wird nur selten zur Peitsche greifen, um sich den Sklaven gefügig zu machen, denn der Schmerz der Peitsche lässt dem Sklaven keinen Raum mehr für seine Illusionen, aus denen er die Kraft für jene Arbeit schöpft, für die er gedingt wurde. Ein geschickter Sklavenhalter wird aber dafür sorgen, dass die Angst vor der Peitsche stets unterschwellig im Kopfe des Sklaven gegenwärtig ist, ohne dass sie dort viel Bewusstsein auslöst. Er wird mit großer Freude sehen, wie sich der Sklave mit der Peitsche im Kopfe selbst zerknirscht, wenn er einmal einen Fehler gemacht hat; er wird ein lobend Wort haben, wo der Sklave stets zuvorkommend die Wünsche seines Herren zu erraten und zu erfüllen versucht, er wird mit Befriedigung feststellen, wie der Sklave die komplette Gewalt der ungleichen Beziehung in seinem Geiste verinnerlicht. Spricht dann jemand die Gewalt in dieser ungleichen Beziehung an, so wird er lachend fragen, wo denn die Gewalt wäre. Und. Der dumme Sklave wird laut in dieses Lachen einstimmen.

Gottkette — Wie sehr das Bild Gottes in den etablierten religiösen Institutionen doch nach dem Bild des despotischen Herrschers und Sklavenhalters gemacht ist! Wie groß doch das Lob des Gehorsams gegen diesen Gott ist! Und. Wie deutlich doch das „Wehe“ zu jenen gesagt ist, die nicht glauben und nicht gehorchen wollen! Da weiß man, wessen Gott es ist. Und man weiß auch, für wen dieser Götze gemeißelt wurde. Kein Wunder, dass die versklavtesten Menschen seine ergebensten Diener werden, und gar nicht überraschend, wie die durch diesen Götzen entrechtete Hälfte der Menschheit, die Frauen, bücksam in die Kirchen rennt und allerlei unbezahlten und unterbezahlten Dienst voller Glauben tut. Es ist eine Kette, die bis in den Himmel reicht. So erklärt man das Unrecht zum Naturgesetz, zum gottgegebenen.

Wahltag und Zahltag — Um die Sklaven bei der Stange zu halten, bedarf es freilich der Hoffnung, dieser Haltung, die eigenes Vermögen vergisst, um auf das von außen einbrechende Wunder zu warten. Brachte man einst (und bis heute) die Sanften und Zerschlagenen dazu, ihre Kreuze zu schlagen, wenn sie des fernen Heilandes Abbild im irdischen Tuche gebrannt sahen, wenn kalte Mariengötzen blutige Tränen über die Dummheit der Pilger flennten oder wenn sich das Blut des Heiligen in der zaubernden Hand des Lugpfaffen verflüssigte, so bedarf es nach der weitgehenden Ausrottung des althergebrachten, jenseitigen Aberglaubens auch des neuen, diesseitigeren Aberglaubens. Deshalb können die Sklaven der Jetztzeit auf dem Tippschein im staatlichen Zahlenlotto und auf dem Wahlzettel ihr Kreuz schlagen und auf die Wende in ihrem Leben hoffen. Und hoffen. Und nichts als hoffen. Wer glaubt denn allen Ernstes, dass die neuen Mythen besser sind als jene, die in fortschreitender Einsicht entmythologisiert wurden?

Papst — Der gleiche Papst, der Gottvertrauen von den Menschen fordert, sieht dies freilich für sich selbst etwas anders, wenn es sich im kugelsicheren „Papamobil“ durch die entgeistert jubelnden Massen kutschieren lässt. Allein das zeigt, wie genau er seine Rolle und seine Funktion im Herrschaftsgefüge kennt. Und. Sich von den Opfern seiner Lügen fürchten muss.

Sinn — Zu dem Unkraut, das von aller etablierter Religion keineswegs ohne Grund und Absicht in die Seelen der Menschen gesät wird, gehört die niemals zu widerlegende Annahme, dass alles Existierende und Geschehene seinen von Gott gegebenen Sinn habe, den der Mensch nicht immer verstehen könne. Wer aus diesem Unfug erwacht, stellt stattdessen im Erwachen seiner Sinne fest, dass alles von fröhlicher Sinnlosigkeit ist, aber von teilweise verständlichen Gesetzen von Ursache, Wirkung und komplexer Wechselwirkung durchzogen ist. Das ist eine gefährliche Einsicht, denn auf sie folgt schnell die Erkenntnis, dass sich die Welt zu einem erträglicheren Ort umgestalten ließe, der freilich die Privilegien der Herrschaft nicht mehr kennte. Deshalb wird auch lieber vom „Sinn“ gefaselt.

Todesanzeige — Wie oft es in den Todesanzeigen und im allgemeinen Dummschwatz doch heißt, dass der Verstorbene „entschlafen“ wäre, ganz so, als machte er nur ein Nickerchen, um in besseren Zeiten erquickt wieder aufzuwachen. Die Verdrängung des Todes und der individuellen Sterblichkeit ist die andere Seite eines Lebens, das man sich allzu widerstandslos enteignen lässt, statt es als einzige und einmalige Wirklichkeit und Möglichkeit des Menschen einzufordern. Wer sich nicht sein Leben nehmen will, kann sich genau so gut umbringen.