Tag Archive: Wahlkampf


Schlagwörter

„Die, die andere nicht mit Argumenten überzeugen können oder wollen“, sagte der Vorübergehende angesichts der Wahlplakate am Wege, „die ballen eine Faust aus ihrem hervorquellenden und niemals recht untersuchten Gedanken, und daraus entstehen ihre Schlagwörter“.

Europa „neu“ denken

Wahlplakat der SPD zum laufenden Europawahlkampf: Zwei niedliche Kinder auf einer orangen Fläche, dazu die 'politische' Aussage: 'Ein Europa des Wachstums. Nicht des Stillstands.' -- 'Europa neu denken. SPD'

Diese Ideologie einer Krebszelle, um jeden Preis Wachstum und immer mehr Wachstum haben zu müssen, ist ja auch so ein „neuer“ Gedanke. Da helfen auch die beiden zugegebenermaßen niedlichen Kinder nicht, die so wenig zum gar nicht niedlichen Koloss der europäischen Korruption, Demokratieverachtung, Bürokratie und — seit den jüngsten Finanzkrisen — organisierten Menschenverachtung passen wollen.

Und nein, der Rest der aufgestellten Plakate einer neuen Einheitspartei aus CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und AfD mit dem Katalog „Wachstum“, „Chancen“, „Sicherheit“ und „Arbeit“ ist keinen Deut weniger entpolitisierend.

Nur zur Erinnerung, SPD!

Nur zur Erinnerung, SPD!

So mit einem Mund voller Menschenrechte, wie es in diesem kommentierten Screenshot dokumentiert ist, habt ihr auf der Website eurer Bundestagsfraktion über die Frau Bundeskanzlerin und die Überwachung aller Kommunikation durch die NSA gepoltert — damals, als im Juli dieses Jahres noch früher Wahlkampf war und ihr nicht in einem Koalitionsvertrag mit der CDU die so genannte „Vorratsdatenspeicherung“ einführen wolltet, die anlasslose, verdachtsunabhängige und vollständige Überwachung der Kommunikation aller Menschen in der BRD.

Ihr seid eben ein ganz verlogenes, lichtscheues Gesindel, das die Intelligenz, das Gedächtnis und die Würde aller Menschen offen verachtet.

SPD-Mitgliedern, die besser sind als ihr Parteivorstand und die sich von solchen Rückblicken gekränkt fühlen, lege ich nahe, gegen die Koalition mit der CDU/CSU zu stimmen.

Der Blick ins Schwarze

Nichts macht so deutlich, dass Deutschland keine erstrebenswerte Zukunft haben wird, wie das Wahlkampf-Gerede jener Gerontokraten aus der classe politique über die „Zukunft“ und die dafür erforderliche „Innovation“: Siebzigjährige, die ihren voranschreitenden Zerfall in einer dick aufgetragenen Maske aus Kosmetik und Photoshop vor den Kameras der Werber und vor den Zuschauern an den Endgeräten verbergen, um den Show-Maßstäben zu genügen; Menschen, die ihre Zukunft schon vor zehn, wenn nicht gar zwanzig oder dreißig Jahren hinter sich hatten; sie reden vom Morgen wie ein Blindgeborener über das lebendige Grün der Bäume, und sie bemerken oft nicht einmal, dass ihr „Morgen“ heute längst schon zum „Gestern“ geworden ist. Es kommen gewiss welke Tage.

Stinkefinger (2)

Das ganze Sein, das ganze Wesen der Menschen aus der classe politique ist ein unablässiger (und stinkender) Mittelfinger, der in Richtung der restlichen Bevölkerung gehalten wird. So betrachtet, war die so aufgeregt von Fäuletonisten diskutierte Geste eines Peer Steinbrück vermutlich sein einziges ehrliches „Wort“ in diesem miesen Schauspiel von Wahlkampf.

Stinkefinger

„Qualitätsjournalisten“, die sich tintenklecksend daran aufheizen, dass ein Kanzlerkandidat eine nicht ganz stubenreine Geste macht und die in der Frage „Darf der das“ mehr als nur unterschwellig nach einem Verbot körpersprachlicher Äquivalente zu Schimpfwörtern brüllen, die aber auf der anderen Seite nicht das geringste Problem mit Lobbyismus und Hinterzimmerpolitik haben, damit die Mövenpicks und Gauselmanns dieses Landes ihre Gesetze wie bestellt und bezahlt von den vorgeblichen Volksvertretern geliefert bekommen und damit die Bankster und sonstigen Vampire das Blut der Armen eingeimpft bekommen; solche „Qualitätsjournalisten“ sollten besser in das Sportressort wechseln oder Tittitainment-Themen bearbeiten. Es passte einfach besser zu ihrem Stil.

Force Multiplication

„Force Multiplication“ hieß das Programm, das jede Botschaft aus dem Wahlkampf ausmerzte, um Platz für „Technologie und Daten“ zu schaffen. „Es ging um Zahlen, Daten und Fakten, nicht um politische Botschaften aus den Hinterzimmern.“ Es ging um „Big Data“, worüber „zuletzt einige Texte erschienen, die die Debatte nun sehr schwer machen“, sagte van de Laar. „Die Datenschützer unter Ihnen, wenn Sie kurz raustreten wollen und sich einen Kaffee holen wollen. Kommen Sie in zehn Minuten wieder“, fuhr van de Laar fort, um darauf zu sprechen zu kommen, wie das „Micro-Targeting“, die planvolle und gezielte Wähleransprache der Obama-Kampagne, funktionierte.

Frankfurter Allgemeine — Wie Big Data das Wahlgeheimnis aushebelt: Wir wissen, wen du wählen wirst

Das Wahlplakat

„Das Wahlplakat“, sagte der Vorübergehende genusslos, „besteht aus Photoshop; einer Aufforderung, hübsch gemachte Gesichter zu wählen; im Falle der Grünen mit einem deutlich spießerischen Hang zum Kitsch und zum Kindesmissbrauch der Werber. Es hat so viel inhaltlichen Nährwert wie eine Warteschleifenmusik am Telefon“.

Für Deutschland und Europa

Wahlkampfmaterial der NPD aus dem Jahr 1966: Silbermedaille mit Prägung auf der Vorderseite 'Für Deutschland und Europa NPD'

Wahlkampfmaterial der NPD aus dem Jahr 1966: Silbermedaille mit Prägung auf der Rückseite, die Grenzen des Deutschen Reiches vor Adolf Hitler

Es ist ein Fund aus einem Haushalt, der nach einem Todesfall aufgelöst wird. Die Medaille ist aus Silber (und etwas mühsam zu reinigen). Der Wahlwerbespruch der NPD aus dem Jahr 1966 „Für Deutschland und Europa“ dokumentiert die fünfzigjährige Kontinuität hohler Phrasen in der Wahlwerbung der politischen Parteien der BRD; Phrasen, die mit jeden beliebigen Inhalt aufgeladen werden können, zum Beispiel auch mal mit den Grenzen des Deutschen Reiches vor dem verlorenen Zweiten Weltkrieg. Auch ein Bild des gewünschten Europa…

Der Wahlkampf

Der mit Lügen auf jedem Kanal betriebene Wahlkampf und die dann davon beeinflusste Wahl sind Veranstaltungen, die mit den in jeder Sonntagsrede propagierten „demokratischen Werten“ so viele Gemeinsamkeiten haben wie ein Bolzenschussgerät mit einem Defibrillator.

Annette Schavan

Wer Wahlen gewinnen will, muss sich vom Pöbel wählen lassen, nicht von Gebildeten

T.U.

Die Dissertationen der Besitzenden und der zufällig günstig Geborenen, die es mangels nützlicher Fähigkeiten später so feist und vielfach in die classe politique zieht; sie sind aus der Sicht dieser Menschen nichts als lästige Verwaltungsvorgänge, damit der durch gesellschaftlichen Status zustehende akademische Grad vor den Namen geschrieben werden kann. Und. Sie werden nicht allein dadurch zu wissenschaftlichen Arbeiten, dass diese Verwaltungsvorgänge unter der Mimikry einer Universität stattfinden.

CDU-Wahlplakat Annette Schavan aus dem Jahr 2009: Wir haben die Kraft für gute Bildung

Was sich hinter den photoshopretuschierten Fassaden dieses Geschmeißes verbirgt, die anlässlich jeder Wahl so obszön allgegenwärtig in den öffentlichen Blickraum gestellt werden, dass es bei diesem Anblick auch friedlicheren Menschen zuweilen in der Handfeuerwaffe juckt, zeigt sich leider viel zu selten so deutlich wie bei Frau Dr. Annette Schavan aus der CDU. Diese kann sich jetzt zum Herrn Dr. von und zu aus der CSU und zu Frau Dr. Silvana Koch-Mehrin aus der FDP gesellen, damit auch noch dem geistblindesten Zeitgenossen klar wird, welcher Schlag Mensch in der kryptokratisch von Lobbyisten gesteuerten Parteienoligarchie der BRD zu Ansehen, Amt und Einfluss kommt. Wieso es in Deutschland so aussieht, wie es eben aussieht, klärt sich bei diesem Haufen Gesichter von alleine, da helfen auch die surrealen Sprechakte der Vasallen von Angela Honnecker nicht mehr:

Gute Nacht, Deutschland!

Satirefähigkeit verloren

Früher konnte ich noch Satire machen, indem ich lächerliche Absurditäten in einer Weise ausdrückte, die vordergründig sachlich klingt. Diese Kommunikationform ist längst von der classe politique übernommen worden, und zwar so ernstgemeint, dass einem das Lachen dabei vergeht.