Tag Archive: Wachstum


Krebsreligion

Der unbedingte, allformgebende, niemals angezweifelte Glaube an immerwährendes Wachstum (selbst noch auf begrenztem Raume) ist die Religion einer Krebszelle — und das Fundament gegenwärtiger Politik. Die Entwicklung von Gesellschaften, deren herrschende und besitzende Klasse diese Religion übernommen hat, ist folglich keine Überraschung — vor allem, wenn es keine Immunantwort des Volkskörpers¹ mehr gibt, wenn diese amoklaufende Krankheit nicht unter beherztem Einsatz von Galgen und Guillotinen wie ein Eiter ausgeschieden wird, sondern zur allgemeinen, alternativlosen Religion für jeden wird; ja, wenn stattdessen die Gesunden wie eine Krankheit ausgeschieden werden, so bald sich ihr Widerstand auch nur im Kleinsten regt, weil hoffnungslos Gläubige glauben, damit eine Krankheit zu bekämpfen und wenn eine alles durchwaltende Überwachung den Widerstand noch im Kleinsten und Privatesten erkennt, durchleuchtet, brandmarkt, polizeilich abschaltbar macht, kann der Verlauf dieser gesellschaftlichen Erkrankung, dieses Weltkrebses, leicht vorhergesagt werden und ist für die gesamte davon betroffene Menschheit ausgesprochen betrüblich.

¹Wer als erster „Nazi“ schreit, hat gewonnen!

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Europa „neu“ denken

Wahlplakat der SPD zum laufenden Europawahlkampf: Zwei niedliche Kinder auf einer orangen Fläche, dazu die 'politische' Aussage: 'Ein Europa des Wachstums. Nicht des Stillstands.' -- 'Europa neu denken. SPD'

Diese Ideologie einer Krebszelle, um jeden Preis Wachstum und immer mehr Wachstum haben zu müssen, ist ja auch so ein „neuer“ Gedanke. Da helfen auch die beiden zugegebenermaßen niedlichen Kinder nicht, die so wenig zum gar nicht niedlichen Koloss der europäischen Korruption, Demokratieverachtung, Bürokratie und — seit den jüngsten Finanzkrisen — organisierten Menschenverachtung passen wollen.

Und nein, der Rest der aufgestellten Plakate einer neuen Einheitspartei aus CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne und AfD mit dem Katalog „Wachstum“, „Chancen“, „Sicherheit“ und „Arbeit“ ist keinen Deut weniger entpolitisierend.

Motorisiert

Die Politiker und Journalisten, die beim Versuch, den Menschen in der BRD die üblichen Kröten zum Schlucken etwas schmackhafter zu machen, nach hinkenden sprachlichen Bildern zur Steuerung der Affekte greifen und in dieser Bestrebung davon sprechen, dass eine bestimmte Industrie oder Branche ein „Wachstumsmotor“ sei, sie merken wohl gar nicht mehr, dass dieses Wortgetüm so absurd klingt, als spräche jemand von einem dampfgetriebenen Computer.

Vom Genug

Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.

Epikur von Samos

Der Anfang der Pest

Der damalige französische König Philipp VI. beauftragte im Jahre 1348 die medizinische Fakultät von Paris mit einer Untersuchung, festzustellen, welches die Ursache dieser schrecklichen Pestepidemie sei, die aus der Moderne rückblickend der „Schwarze Tod“ genannt werden sollte. Die zu Paris „forschenden“ Mediziner hatten sich offenbar nicht so sehr mit Medizin befasst, und deshalb hatten sie auch nicht versucht, den Weg und die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Krankheit aus einer Vielzahl vorliegender Berichte zu untersuchen, damit sich auch ja nicht ihre Augen öffneten und sie die Wiederentdeckung machten, dass es Infektionskrankheiten gibt. Statt dessen betrieben sie das, was sie für Wissenschaft hielten. Und. Nach sicherlich langwierigem und angestrengtem Schauen in viele Tabellen und nach Anfertigung etlicher Diagramme, die dieses umfangreiche Datenmaterial aufschließen sollten, kamen die hochgeehrten Herren Doktoren schließlich zu dem folgendem, sehr präzise formulierten Ergebnis: Die Pest wurde am 20. März 1345 ausgelöst, und zwar durch eine ungünstige Konstellation der Planeten Mars, Jupiter und Saturn.

Diese Erklärung wurde in ganz Europa als die wissenschaftlichste angesehen und in jede europäische Sprache mit einer nennenswerten Sprecherzahl übersetzt. Irgendwelche hygienischen Maßnahmen folgten aus ihr nicht, und so konnte das große Sterben in Europa weitergehen, bis ein gutes Drittel der damals lebenden Menschen verreckt war und sich die Epidemie „biologisch erledigte“ — gegen die Planeten kann man ja nichts machen.

Inzwischen ist die Medizin in ihren Erkenntnissen und Methoden doch etwas weiter, auch sehr zum Vorteil aller Menschen, die sich mit Krankheiten und Medizinern herumschlagen müssen. Allerdings scheinen sich die meisten Universitäten in Europa und in den USA noch nicht im wünschenswerten Maß vom irrationalen Bullshit und wissenschaftlich verpacktem Hokuspokus abgekehrt zu haben, denn sonst würden dort nicht mehr diese so genannten „Wirtschaftswissenschaften“ gelehrt, deren Vertreter immer wieder zu vergleichbar unsinnigen Urteilen wie die oben beschriebenen Mediziner kommen. Und. Dies wegen des politischen Einflusses dieser Wisschenschaft sehr zum Schaden aller davon betroffenen Menschen.

Das Ungeheuer des Universums

Das Universum hat vier Eigenschaften, die dem Menschen nicht geheuer sind. Dieses Ungeheure am Universum führt zu einem psychischen Widerstand im Denken, der sich lähmend auf die Einsicht auswirkt und der angesichts der jetzigen und in Kürze kommenden Aufgaben der Menschheit von jedem einzelnen Menschen überwunden werden muss.

Zunächst ist das Universum homogen. Überall im Universum geschehen alle Ereignisse nach den gleichen Regeln. Es ist im Gegensatz zum (vielleicht nirgends existierenden, aber in jedem Fall unbegreiflichen) Chaos ein Kosmos; ein geordneter Bereich, dessen Ordnungsprinzipien uns sogar teilweise verständlich sind. Gäbe es auf einem fernen belebten Planeten eine dortige Entsprechung von Issac Newton und Apfelbäume, denn könnte dieser Newton auch dort die Äpfel zu Boden fallen sehen, und die Geschwindigkeit, in der die Äpfel fielen, hinge in einer Weise von der Masse jenes Planeten und vom Luftwiderstand des Apfels ab, die für uns so weit durchschaubar wäre, dass wir bei Kenntnis dieser Parameter die Geschwindigkeit ausrechnen könnten. Es gibt keinen Ort im Universum, in dem andere Regeln als die uns erkennbaren wirken, kein Ort ist durch eine abweichende Ordnung privilegiert. Das ist dem Menschen nicht geheuer, denn er hält den Ort seines Seins für etwas Besonderes, er hält das Zentrum seiner Wahrnehmung für die einzige wirkliche Existenz.

(Die Frage, ob die vom äußeren Universum völlig abgeschirmten Schwarzen Löcher sich in diese Betrachtung fügen, ob sie überhaupt zum Universum zu zählen sind, sie lässt sich für uns allerdings zurzeit nicht beantworten. Sie ist eine sowohl philosophisch als auch physikalisch harte Nuss. Da aber der Raum jenseits des Ereignishorizontes eines Schwarzen Loches ein Ort ohne die Möglichkeit einer Rückkehr in das äußere Universum ist, fügt dieses Unwissen der Betrachtung keinen allzu großen Schaden zu.)

Ferner ist das Universum isotrop. Von jedem Punkt im Universum aus betrachtet ergibt sich im Großen und Ganzen — Pedanten lesen hier: im statistischen Mittel — der gleiche Eindruck. Die Galaxien und die von ihnen gebildeten größeren Strukturen sind in jeder Richtung gleichmäßig verteilt, ebenso die unermesslichen Leerräume zwischen diesen Ansammlungen sichtbarer Materie. Der Blick geht auch von jedem Punkt aus in jede Richtung gleichermaßen weit in die Ferne. Obwohl das Universum nicht unendlich groß ist, verfügt es über keinerlei Mittelpunkt oder einen anderen privilegierten Ort. Auch das ist dem Menschen nicht geheuer, denn er sieht sich stets im Zentrum seiner eigenen Wahrnehmung und lässt sich diese Illusion seiner Wahrnehmung allzu gern gefallen.

(Die nahe liegende Frage, wie eine solche Eigenschaft entstehen kann, wenn das Universum doch nicht unendlich ist, lässt sich zwar leicht durch den Verweis auf eine Krümmung des gesamten Universums beantworten, aber nur schwer verbildlichen. Die beste Antwort scheint mir eine Gegenfrage zu sein: Wo hat denn die Erdoberfläche ihren Mittelpunkt? Schon die Einsicht, dass es einen solchen privilegierten Ort auf der Erdoberfläche nicht gibt, hat den Menschen nicht geschmeckt, und sie hat sich nur gegen Widerstände durchgesetzt, die zum Teil bis heute sprachliche und damit psychische Kraft entfalten, wenn etwa von einer „Himmelskuppel“ oder einem „Sonnenaufgang“ die Rede ist, im Widerspruch zu Tatsachen, die jedem Zwölfjährigen geläufig sein sollten.)

Die dritte ungeheure Tatsache über das Universum ist die Expansion; der Fakt, dass sich das gesamte Universum unablässig räumlich ausdehnt und dass diese Ausdehnung einen Anfang hatte. Vor diesem Anfang existierte nichts, was im Universum erkennbar ist. Uns ist nicht einmal der Grund erkennbar, aus dem heraus diese Ausdehnung begann, oder, um es etwas plumper zu formulieren, warum überhaupt Etwas existiert und nicht einfach Nichts. Die Bedingungen, die diese Ausdehnung beginnen ließen, sind ein unwissenbares Mysterium, denn die Regeln des verständlichen Kosmos begannen erst mit dieser Ausdehnung und hatten vorher keine Existenz. Während wir Menschen es im Denken gewohnt sind, alle verständlichen Erscheinungen als Auswirkung von teils komplex zusammenwirkenden Ursachen zu verstehen, stehen wir am Anfang dieser alles durch den Kosmos und die Zeit verbindenden Kette von Ursachen vor einem plötzlichen, unverursachten und damit auch sinnlosen Erscheinen, das außerhalb des kosmischen Gefüges steht. Diese fundamentale Einschränkung jeder noch so hoch entwickelten Einsichtsfähigkeit ist für den Denkenden äußerst unbehaglich und wird deshalb auch so gern verdrängt.

(Einige Menschen nehmen dies zum Anlass, das unüberwindliche Unwissen durch einen psychologischen Kunstgriff abzuwehren, indem sie den archaischen Gottesbegriff zur Hilfe nehmen und Gott zur Ursache aller Dinge erklären. Das Konzept ist nicht nur deshalb fragwürdig, weil es als reine Verschiebung des Unwissens die Frage nicht beantworten kann, wer oder was denn diesen Schöpfergott hervorgebracht hat oder wie er sich vielleicht selbst geschaffen hat. Diese Menschen verzichten auch darauf, die Konsequenz dieses Kunstgriffes zu bedenken. Wenn ein Gott als außerkosmische Entität agiert, denn hat dieser Gott innerhalb des dabei entstandenen, geordneten Kosmos keinen Raum und damit auch keine Existenz. Er wäre den im Kosmos gebundenen denkenden „Kohlenstoffeinheiten“ etwa so fern wie eine hypothetische Welt, in der eins plus eins dreiundzwanzig ergibt oder in der aus dem Nichts Materie entstehen kann. Wer Gott außerhalb des Kosmos ansiedelt, lässt ihm in jenem Kosmos, in dem wir leben, Wohnungsnot leiden, spricht Gott jede Form der Existenz ab, die für uns irgendeine Konsequenz haben könnte — und ein solcher Gedanke wäre jedem Menschen, der mit Gott „argumentiert“, doch nicht erwünscht.)

Die vierte ungeheure Tatsache ist die Existenz einer kosmischen Höchstgeschwindigkeit. Kein Ding, keine Information, keine Energie kann sich schneller als mit der Geschwindigkeit des Lichtes im Vakuum durch den Raum bewegen, und eine mit Masse behaftete Materie kann nicht einmal diese Geschwindigkeit erreichen. Diese Einschränkung widerspricht der verbreiteten und gebildet verkleideten, aber kindischen und unwissenden Wahnidee eines unbegrenzten exponentiellen Wachstums, die zum Beispiel zurzeit die Grundlage das menschlichen Wirtschaftens und des auf Zinseszins-Dynamik basierenden, menschlichen Geldsystemes bildet. Denn ein durch die Zeit fortgesetztes exponentielles Wachstum benötigte eine im Fortschreiten der Zeit exponentiell wachsende Menge an Energie, während selbst noch die bestdenkbare Technik innerhalb des Kosmos ihre energetischen Ressourcen aus einem höchstens mit der dritten Potenz der Lichtgeschwindigkeit anwachsenden Bereich des Raumes entnehmen könnte. Selbst unter optimalen Bedingungen führt jede Dynamik auf der Grundlage exponentiellen Wachstums zum Erreichen einer Grenze und somit zu einer Krise — im Bezug auf die Menschheit wird diese Krise mörderisch sein, und diese Einsicht ist die am stärksten verdrängte Einsicht des gegenwärtigen Erkenntnisstandes der Menschheit.

(Unsere weit hinter dem Optimum zurückbleibenden technischen Möglichkeiten werden schon lange vor dieser theoretischen Grenze zur Krise führen, da wir damit nur auf die energetischen Ressourcen unseres Planeten zugreifen können, die sich sehr viel schneller erschöpfen werden. Mörderisch wird die dabei entstehende Krise dennoch sein.)

Wenn die Menschen doch nur angesichts der Ungeheuerlichkeit des Universums bescheiden und demütig würden!

(Ihre psychologische Konstruktion eines Gottes hat in diesem Punkte jedenfalls auf ganzer Linie versagt. Wer das nicht glaubt, lese die Nachrichten! Die Gottesidee ist nur ein historischer Kunstgriff, um den dummen Narzissmus des Menschen heilig zu sprechen und ist deshalb zu verwerfen.)