Tag Archive: Unwelt


Fahrverbote

Die BRD ist ein realsatirisch wertvoller Staat voller realsatirisch wertvoller Journalisten. Wenn die Autohersteller ihre Motoren mit einer Software steuern lassen, die vorsätzlich, in betrügerischer Absicht und unter hoher krimineller Energie dafür programmiert wurde, dass die Messwerte in einer Messsituation innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, ist das ein viel beachteter Skandal. Wenn hingegen einige Städte der BRD Fahrverbote für gewisse Straßen vorsätzlich, in betrügerischer Absicht und unter hoher krimineller Erergie so verhängen, dass die Messwerte an den aufgestellten Messstationen innerhalb der gesetzlichen Grenzwerte liegen, während die Maßnahme wertlos für die wirkliche Luftqualität bleibt, ist das kein Thema für den Journalismus in Presse und Glotze und somit auch kein Gegenstand in der Wahrnehmung der allermeisten Menschen — nicht einmal angesichts der intellektuellen Zumutung, dass der Schadstoffausstoß durch die gefahrenen Umwege erhöht wird. Die planvolle, gleichermaßen menschen- wie lebensverachtende und asoziale Organisierte Kriminalität ist allerdings in beiden Fällen die gleiche und sie geht in die gleiche Richtung, gleich, ob es die Autohersteller sind, oder ob es die staatlichen Strukturen der BRD sind. Angesichts dieser gleichen Richtung erwarten nur die Dümmsten noch eine Strafverfolgung der Organisierten Kriminalität in der BRD-Wirtschaft. Und außerdem sind die Gefängnisse in der BRD schon so voll mit Schwarzfahrern, Hartz-IV-Brötchendieben und Cannabishändlern…

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Die holde Sieben

Rotamint Goldene 7 Hold

Welcher harmlose körperbetonte Spieltrieb hier mit welchem weniger harmlosen, mechanisch zu befriedigenden „Spiel“-Trieb in psychisch wirkmächtige Verbindung gebracht werden soll, ist offensichtlich. Nichts ist dem Werber so erwünscht wie die fetischhafte Sexualisierung irgendwelcher Produkte; nichts kommt ihm so entgegen wie die Förderung der allgemeinen sexuellen Perversion; nichts hilft ihm so sehr, wie unbefriedigte und unbefriedigende Sexualität in einer überall künstlich übersexualisierten Unwelt. Sex sells. As long as you do not sell the real thing.

Die furchtlosen Heuchler

Das 5. Kapitel (Apostelgeschichte) Ein Mann aber mit Namen Ananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker und entwendete etwas vom Gelde mit Wissen seiner Frau und brachte einen Teil und legte es zu der Apostel Füßen. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den heiligen Geist belögest und entwendetest etwas vom Gelde des Ackers? Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum hast du dir solches in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Ala Ananias aber diese Worte hörte, fiel er nieder und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten.

Man merkt es den großen christlichen Kirchen in der BR Deutschland an, dass da schon lange keine „große Furcht“ mehr ist, dass sie genau wissen, dass „ihr“ Gott nicht mehr auf Heuchelei und Lüge reagiert, indem er die Heuchler und Lügner einfach vor versammelter Gemeinde bloßstellt und effektvoll mordet. Dies mag widerspiegeln, dass diese Kirchen sich längst den Satan zum Gotte erkoren haben, oder doch wenigstens seinen glitzergüldnen Bastardsohn, den Mammon.

Die nützliche und kleinhaltende Todesangst vor Gott ist für die Anderen, nicht für die kirchlichen Heuchler und ihr Geschäft.

Wenn der Vorübergehende sein schattenhaft dünstelndes Dasein durch die dröhnvolle Stadt schleppt, muss er an vielen Schaufenstern vorübergehen, in denen sich kirchliche und kirchennahe Organisationen mit Hilfe der Schergen Satans, der bildbunten Brut der Werber, zur Schau stellen. In diesen zur Schau stellenden Fenstern warmgetünchter Hochglanz von glücklichen Alten und Kranken, fotografiert durch den Lächelfilter der Reklamelüge, und zu diesen Bildern kurze, hehre Wortfetzen von Pflege und Geborgenheit, zu stanzen einen Eindruck von sozialem Engagement im Kopfe der weniger Bewussten.

Niemand soll sich darüber verwundern, dass es diese Läden erst gibt, seit die so genannte „Pflegeversicherung“ aus solchem Tun einen guten deal gemacht hat. Nein! Engagiert und „sozial“ soll es aussehen, was da getrieben wird, wie ein Akt selbstloser Liebe.

Das sieht der Vorübergehende und spürt den unwiderstehlichen Reiz und würde sich zur Erleichterung zu gern erbrechen, wenn er doch nur etwas im Magen hätte. Denn er kennt die andere Seite, die nicht so glänzt, er weiß aus persönlichen Gesprächen von flugs angelernten Menschen, die sich in erzwungener, staatlicher Hartz-IV-Elendsarbeit für einen Nichtlohn in der so genannten „Pflege“ verschleißen müssen, damit auch ja der Profit stimme, er hat die ausgebildeten Schwestern kennengelernt, die einen befristeten Vertrag als Hilfsschwester nach dem anderen kriegen, immer mit dem mündlich gegebenen Versprechen einer anschließenden Übernahme in einer festen Anstellung und so knebelnd gehalten, dass sie sich noch krank zur unterbezahlten Maloche schleppen müssen, um ja nicht kurzfristig gekündigt zu werden und vor dem völligen persönlichen Nichts zu stehen. Er weiß von ständiger Verfügbarkeit, Einsparungen am Personal, selbstverständlich erwarteten, unbezahlten Überstunden und der völligen Unmöglichkeit einer persönlichen Lebensplanung im Zustand der totalen Ausbeutung und der täglichen, telefonischen Abrufbarket, die selbst noch im „Urlaub“ erwartet wird. Er hat mit diesen vom christlichen Pflegemoloch zu Material gemachten Menschen zu viele Tränen geweint, um angesichts des Zynismus und der werbenden Kälte dieses lichtscheuen Gesindels keinen Ekel zu empfinden. Und. Er ist sich sicher, dass auch die „Pflegefälle“ wie Material behandelt werden, weil es in diesem ganzen, asozialen Treiben der Kirchen und ihrer Geschäftsstellen nur auf eines ankommt: Auf den Reibach.

Und dies alles wissend findet der Vorübergehende es schon manchmal sehr schade, dass die zynischen, geldgeilen, pfäffischen Heuchler ohne jeglichen Respekt vor den missbrauchten Menschen nicht einfach wie in gewissen biblischen Berichten tot umkippen.

 

Quelle des Scans: Die Bibel, Apostelgeschichte, 5. Kapitel, Verse 1 bis 5, revidierte Luther-Übersetzung von 1956. Sorry für den heute schwer lesbaren Fraktursatz, aber ich habe gerade keine andere Bibel zur Hand — zudem zeigt dieses Schriftbild trefflich, wie obsolet dieses Buch im institutionalisierten Christentum wirklich ist. Mit Gruß an I. und C.

Gleichgültiges Fest

Es ist Sommer. Die Sonne hat keine Wahl und scheint auf nichts Neues. Die Straßen der Stadt sind warm. Die Menschen. Treibt es nach draußen. Da muss ihnen doch etwas geboten werden, damit. Sie nicht zu denken beginnen. Ein rauschendes Fest nach dem anderen wird auf den Straßen und Plätzen Hannovers aufgeführt, mit lärmender Musik und Bier im Plastikbecher, vierunddreißig internationen Pfannen, aus denen es zum Himmel stinkt und Feuerwerk. Und Feuerwerk. Für den Vorübergehenden, den Fühlenden und Denkenden, entsteht der Eindruck einer verzweifelten Riesensause auf einem sinkenden Schiff.

Und wer unter den Menschen sich trotz der vielen vorgestanzten Angebote darauf besinnt, dass er noch etwas selbst machen könnte, wird von der Polizei aufgelöst. Es ist eben nicht alles gleich gültig unter den Bedingungen der totalen Verwirtschaftung. Aber das. Soll den Feiernden gleichgültig bleiben.

Die moderne Partnersuche

Lonely Hearts - Verlieben per SMS und Telefon - Die moderne Partnersuche!

Ohne Worte.

Quelle des Scans: Hallo Sonntag Hannover vom 26. Juli 2009

Fit For Death

Er ist so symptomatisch für diese Zeit: Der Geschäftsraum, an dem der Denkende und Fühlende vorüber geht. Überm Eingang die blende Reklame in freundlichen Farben, die diesen Raum als ein „Fittness-Studio“ ausweist. Darinnen Menschen. Die an Maschinen stehen und mechanische Tätigkeiten ausführen, die sich qualitativ nicht von der abstrakten Arbeit unterscheiden, die aber im Unterschied zu dieser nicht entlohnt werden. Sondern sogar Geld kosten. Diese Menschen tun das, um sich fitt — das heißt zu Klardeutsch: angepasst — für die richtige abstrakte Arbeit zu machen, um ihren eigenen Marktwert zu erhöhen. Ebenso symptomatisch der Platz vor dem Eingang, der mit weißen Linien unterteilt ist. Ein Schild weist ihn als „Kundenparkplatz“ des „Fittness-Studios“ aus und winkt allen anderen Menschen, die dort ihr Auto abstellen wollen, mit dem dräuenden Abschlepphaken. Der Parkplatz ist wichtig, denn das „Fitness-Studio“ steht ein wenig abseitig, und um aus den nächstliegenden Wohnquadern dorthin zu gelangen, müsste schon ein Fußweg von über vierzig Metern zurückgelegt werden. Das ist den Menschen, die Kunden eines solchen „Fitness-Studios“ werden sollen, nun wirklich nicht zuzumuten. Denn diese Menschen. Die sich in dieser schweißgetränkten Selbstfolterkammer zu besseren Batterien für den betrieblichen Produktionsprozess machen wollen. Sie vermeiden in ihrer sonstigen Zeit jede noch so kleine Bewegung, sie würden sogar noch vom Fernseher zum Kühlschrank mit dem Auto fahren, wenn es dort nur eine Straße gäbe. Mit welcher tänzelnden Heiterkeit der Fühlende und Denkende doch an dieser Mühsal vorbeischlendern kann, in der sich die Menschen ihren Bewegungsdrang, ja, ihren Drang zum Leben abtöten! Und. Mit welcher Betrübnis!

Kot statt Nektar

In dem Toilettenpapier, das auf ihrem Klo herumliegt, sind runde Noppen mit einem Durchmesser von etwas mehr als einem Millimeter eingeprägt. Diese sollen wohl dem weichen Stoff eine gewisse Rauigkeit geben, um die Reinigungswirkung beim Abwischen der perianalen Regionen zu verbessern.

So weit, so sinnvoll.

Doch wo nicht mehr in erster Linie das Sinnvolle vermarktet wird, sondern angesichts einer scheinbaren Vielfalt der recht gleichen Produkte verschiedener Hersteller nur noch ein image, da genügt das Sinnvolle eben nicht. Und. Deshalb kommt es zum Design. Die kleinen Noppen sind in Form eines regelmäßigen Musters angeordnet. Die Grundform ist eine Raute, mit der sich der endlose Streifen des aus der Maschine quellenden Papieres dicht kacheln lässt, damit es auch schön regelmäßig wirkt. Innerhalb jeder Raute ist ein Kreis geprägt. Und. In der Mitte jedes Kreises ein Schmetterling, gut erkennbar an seinen vier großen Flügeln und den deutlich gezeichneten Fühlern; ein Hauch von frohebuntem Flattern eines Nektarschlürfers dort, wo er nicht erwartet werden kann.

Während ich auf dem Klo saß, betrachtete ich müßig dieses Muster, das in einem idiotischen Prozess des Wirtschaftens mechanisch hervorgebracht wurde. Als ich fertig war, wischte ich die verschmierten Fäzes an meinem Arsch mit Schmetterlingen ab. Und. Ich konnte dabei den Gedanken nicht mehr abschütteln, dass brummblaue Schmeißfliegen doch etwas passender gewesen wären.

Was die Kinder bekommen

In der BR Deutschland wachsen immer mehr Kinder in Armut auf, was ja auch wegen des damit verbundenen Entrüstungspotenziales gern einmal zum „politischen“ Thema für Stammtische und Talkshows gemacht wird. Was aber fehlt diesen Kindern, was haben sie für Wünsche? Der ARD-Videotext berichtet gegenwärtig (Seite 162, Stand: 24. März, 9:15 Uhr) kurz von einer Studie über in Armut aufwachsende Kinder, die von Forschern der Universität Bielefeld in Zusammenarbeit mit dem Kinderhilfswerk „Die Arche“ erstellt wurde:

Befragt nach ihren Wünschen für ein „gutes Leben“ nennen die 6- bis 13-jährigen vor allem „von den Eltern geliebt zu werden“, „genug zu essen zu bekommen“, „gute Freunde“ und „immer jemanden zu haben, der sich kümmert“.

Das politischen Pläne und Forderungen für diese Kinder sehen freilich ein bisschen anders aus. So gern die Kinder auch von den Eltern geliebt werden wollen und so berechtigt dieser Wunsch auch ist, so sehr sollen die Eltern von einer so genannten „Familienpolitik“ und mit der Peitsche ihrer wirtschaftlichen Not gedrängt werden, ihr Kinder so früh und so ganztägig wie möglich in herzkalten Verwahranstalten abzulegen, damit auch wirklich beide Eltern auf einem immer größer werdenden, staatlich subventionierten und durch behördlichen Zwang mit Menschen versorgten Elendsarbeitsmarkt zu Hungerlöhnen den Reichtum der Besitzenden erhalten und mehren. Anstelle des „guten Essens“ gibt es für immer mehr Kinder eben das, was ihre verarmenden Eltern bei diversen Billigketten gerade noch kaufen können; die „guten Freude“ werden — ebenso, wie das soziale Umfeld der Erwachsenen — darin geopfert, dass selbst noch von jenen Menschen „Mobilität“ im steten Hetzen nach einer zum Selbstzweck gewordenen Verwertschöpfung der Arbeitskraft gefordert wird, deren Arbeitskraft niemand mehr bezahlen will. Um die Kinder kümmern sollen sich unterdessen diverse Pädagogen und andere Päderasten , die dafür bezahlt werden, dass sie den Kindern möglichst allsinnlich vermitteln, dass es sich beim konkret erlebten Elend um ein richtiges und gutes Leben handelt. Dass die rot-grünen Gesetze des Schröder-Regimes, unter deren derartige Bedingungen geschaffen wurden und die trotz des allumfänglichen Scheiterns ihrer Grund legenden Ideen unter der jetzigen Koalition aufrecht erhalten werden, ausgerechnet nach einem Herrn Hartz benannt wurden, dessen Charakter als Bestecher und windiger Vermittler von Prostituierten überdeutlich geworden ist, das ist ein treffliches Spiegelbild der politischen Korruption und allgemein geforderten und geförderten Prostitution, unter denen diese Zustände in Deutschland erst entstanden sind.

Auch im Wahljahr 2009 gibt es keine Anzeichen dafür, dass sich die politische Gestaltung des gesellschaftlichen Miteinanders fortan an der Sicherung existenzieller menschlicher Bedürfnisse orientieren wird. Und. Wenn die demnächst wieder allgegenwärtigen Hausierer der politischen Beglückungsideen — bevor sie sich nach der Wahl wieder im Berliner Bunker verschanzen werden — ihr recht einseitiges und gegen die Mehrzahl der Menschen in Deutschland gerichtetes Gedankengut mit irgend etwas belegen müssen, denn werden sie einfach die Profiteure des zivilisatorischen Rückbaus fragen.

Vielen Dank für den Hinweis an M.

Der Platz des Kindes

Jeder so genannte „Kinderspielplatz“, der künstlich mit Zäunen von einer nicht mehr für irgendein harmloses Spiel geeigneten Unwelt abgegrenzt werden muss, er ist ein Spiegelbild der Tatsache, dass Kinder in einer Welt, die unter dem erbarungslosen Diktat einer totalen Verwirtschaftung allen menschlichen Wollens und Strebens geformt wird, keinen Platz mehr haben.

Die gegenwärtige Zivilisation, die übrigens das bemerkenswerte Wort von der „Zivilisationskrankheit“ hervorgebracht hat — ein Wort, das es wirklich wert ist, dass man es bemerkt — sie wird keinen Deut weniger barbarisch allein schon dadurch, dass sie ihre Barbarei als Kultur zu tarnen versteht.

Werbung ist Lüge!

Damals, als die Grenzen zwischen der DDR und der BRD geöffnet wurden und als noch niemand den kommenden Aufkauf der DDR durch Unmengen Geldes und vielleicht noch größere Mengen professionell vorgetragener Lügen ahnen konnte, strömten viele Menschen aus der DDR in die BRD, um sich das ihnen unbekannte Deutschland einmal anzuschauen. Es war eine bemerkenswerte Zeit, in der man vieles über die gut verdrängten, wirklichen Zustände in der BRD durch direkten Augenschein lernen konnte, wenn man nur hinschaute und die Menschen aus dem Andersdeutschland nicht — wie es leider allgemein üblich war — als primitiv und rückständig ansah, nur des Witzes und des rohen Spottes würdig.

(Man konnte übrigens auch vieles über die BRD und über die DDR lernen, indem man seinerseits mit viel Zeit im Gepäck das „andere Deutschland“ besuchte und einen offenen Geist mit sich führte. Das habe ich mit großem Genuss immer wieder getan, und bei aller Tristesse, ich habe es auch genossen. Deprimierend war allerdings der Kontakt mit jenen „Wessies“, die in der neuen Situation nichts besseres zu tun wussten, als die Läden in der DDR leer zu kaufen, weil ja alles „so schön billig“ war. Immerhin: Allein an diesem asozialen Verhalten hätten die Menschen in der DDR merken müssen, wie groß die Armut und die Lebensnot in der BRD wirklich waren. Jetzt werden es viele aus direkter Erfahrung wissen.)

Interessant war, in welcher Weise diese Menschen aus der DDR auf die für sie ungewohnte Warenflut in den Kaufhäusern der BRD reagierten. Es ist ja nicht so, dass ihnen die angebotenen Produkte fremd gewesen wären; sie kannten selbstverständlich auch Waschmittel, Zahnbürsten, Trinkwasser und Toilettenpapier. Was sie nicht kannten, war, dass es von jeder dieser Produktgattungen mehrere Dutzend unterschiedlich benannter und verpackter Angebote in verschiedenen Preisklassen gibt. Diese Menschen, die es gewohnt waren, sich mit einem überschaubaren und damit auch durchschaubaren Angebot zu bescheiden, wussten angesichts dieses Angebotes gar nicht mehr, was sie kaufen sollten. Wenn sie dann einmal eine Kaufentscheidung zu fällen hatten, denn griffen sie sich oft die unterschiedlichen Packungen und lasen, was darauf gedruckt war; in der selbstverständlichen Erwartung, dass es etwas mit den realen Eigenschaften und Vorzügen des Produktes zu tun haben müsse. Die „Wessies“, die Zeuge dieses verzweifelten Lesens wurden, haben darüber gespottet und gelacht — und hinter dem leichtfertigen Spott stand das viel zu wenig bewusste Wissen, dass die Anpreisungen auf den Packungen nichts über das darin Verpackte aussagen, dass also die Menschen in der BRD mit den Mitteln der Werbung jeden Tag ihres alltäglichen Lebens belogen werden, dass sie das auch wissen und dass sie sich stumpf daran gewöhnt haben. Schade, dass damals zu viele Menschen aus der DDR viel zu verblendet waren, um das so wahrnehmen zu können, wie es ist.

Diese stumpfe Gewöhnung ist etwas, das überwunden werden sollte. Foodwatch hat den „Goldenen Windbeutel 2009“ für die dreisteste Werbelüge verliehen. Unter den zur Auswahl stehenden Kandidaten hat bei einer öffentlichen, über das Internet zugänglichen Wahl der mit hohem Aufwand beworbene Trinkjoghurt „Actimel“ das Rennen gemacht, vielleicht auch deshalb, weil es unmöglich geworden ist, der damit verbundenen, allgegenwärtig platzierten Werbelüge zu entkommen. Die Werbung sagt dem Inhalt der kleinen Fläschchen nach, dass er „wetterfest“ machte und die „Produktion lebenswichtiger Abwehrzellen“ ankurbele und auf diese Weise Infektionen vorbeuge. In Wirklichkeit ist das Gesöff nicht wirksamer als ein beliebiger anderer Joghurt, aber es ist wesentlich teurer, enthält wesentlich mehr Zucker und sorgt durch seine aufwändige Verpackung für ein Anwachsen der Müllberge. Foodwatch schrieb hierzu in angemessener Klarheit:

Die absolute Werbelüge. Actimel ist teuer, überzuckert, produziert einen Haufen Müll und ist nicht besser als ein gewöhnlicher Joghurt. Von wegen starke Abwehrkräfte! Den Actimel-Produzenten von Danone sowie Werbefigur Kachelmann wünsche ich für diese Abzocke eine heftige Erkältung an den Hals.

Es wird Zeit, dass es niemand mehr stumpf hinnimmt, wenn Reklame, Verpackung und Etiketten wie gedruckt lügen. Der Spott über „diese Dummen aus der DDR“ fällt nämlich auf jene zurück, die sich ohne Widerstand und ohne zum Handeln führende Einsicht immer noch jeden Tag belügen lassen. Diese sind die eigentlichen Dummen, und oft sind sie sogar die Betrogenen, wenn sie das ganze mit Lügen an die „Zielgruppe“ gebrachte Zeug auch kaufen. So lange nicht auf den Etiketten steht, was sich in der Verpackung befindet, und so lange sich nicht in der Verpackung befindet, was auf den Etiketten steht, so lange kann kein Mensch selbst bestimmen, was er kauft.