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Die 7/24-Dauerfreakshow der Contentindustrie

Das größte Problem mit der gesamten Contentindustrie — von Zeitungen über Boulevardmagazinen bis hin zu schrillen „Reality“-Formaten in der Glotze — liegt darin, dass das Normale allen Zeitgenossen hinlänglich vertraut und deshalb für sie völlig uninteressant ist und somit kein kaltpsychisch ferngesteuertes Lese-, Klick- und Glotzvieh für die Reklamevermarktung der erzielten Aufmerksamkeit anlockt. Das eigentliche Geschäft der Contentindustrie, die Vermarktung von Reklameplätzen, führt direkt in eine 7/24-Dauerfreakshow, die mit dem Leben der Menschen ungefähr so „viel“ Gemeinsamkeit hat wie „gesunde Vitamine naschen“ gesund ist. Über das Inhalte industriell reproduzierende, psychische Massenstanzwerk der Contentindustrie wirkt die an den Bedürfnissen von Marktschreiern orientierte Inhalteauswahl freilich rückkoppelnd auf die Menschen in der Gesellschaft zurück, verwandelt sich in einen normgebenden Wahn, der zu einer Reproduktion der leicht konsumierbaren, menschlichen Abziehbilder aus der contentindustriellen Wahnwelt anstachelt, die keineswegs immer so harmlos wie Karaoke ist. Menschen der Zukunft — so die Folgen der zur Jetztzeit contentindustriell gestalteten Gegenwart überhaupt einen Raum für Menschen in der Zukunft übrig lassen — werden nicht umhin kommen, die reklamegetriebene Contentindustrie als den wesentlichsten wirksamen Faktor des gegenwärtigen kulturellen und zivilisatorischen Zerfalls der technisch entwickelten Gesellschaften betrachten zu können, wenn sie in ihrer existenziellen Not überhaupt noch die Muße für eingehende Analyse finden. Das Lachen wird ihnen sicherlich im Halse steckenbleiben, wenn sie immer wieder davon lesen müssen, dass für ihre Eignung als Reklameplatzvermarkter bezahlte Journalisten in diesem contentindustriellen Apparat ernsthaft glaubten, politische Bildung zu vermitteln — und dass ihre noch schlechter bezahlten Nachäffer mit ernsthaften aufklärerischen Ambitionen sich ausgerechnet den journalistischen Stil zur Vorlage ihres Tuns nehmen.

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Terrorexperte

„Oh, die haben einen Terrorexperten für die Nachrichtensendung“, sagte der Vorübergehende, weil es ihm so unwiderstehlich juckte, „der hat doch sicherlich viele Jahre lang als Terrorist gearbeitet“.

Freakshow

Früher gab es auf den Jahrmärkten die freak shows zur Belustigung der rohen Geister, heute gibt es die talk shows im Fernsehen.

Die sechs Planeten

Als der Vorübergehende den trailer der ZDF-Nachrichtensendung „heute“ sah, sagte er in schelmischen Tonfall zu seiner Zeitgenossin: „Schau nur, die haben sechs Weltkugeln“.

Die Stimme für Deutschland

Jetzt, da das gleiche Untenhaltungsmanagement beim NDR, das — vor allem anderen von Vermarktungsmöglichkeiten ausgehend — so richtig wertneutral beflissen entschieden hat, dass Xavier Naidoo für die BRD zum ESC entsendet wird, sich wegen der schlechten Presse ob dieser Entscheidung flugs dazu umentschied, ihn doch nicht zu nehmen, stellt sich nur und immer noch die Frage, wen sie wohl an seiner Statt nächstes Jahr nach Schweden schicken werden. Mein Tipp: Helene Fischer.

Kinder gehen immer

Wenn Kameraleute Flüchtlinge filmen, suchen sie sich Familien mit kleinen Kindern und großen Kulleraugen aus

Kai Gniffke, Chefredakteur der ARD-Tagesschau

Quiz

Ein nach Aussehen und medienkompatiblen Redefluss ausgewählter Typ, der zur Lehrerberuf völlig ungeeignet wäre, wirft sich in die Pose des Steißtrommlers und stellt Fragen, die auch mit erweiterter Allgemeinbildung nicht beantwortbar wären. Andere Typen formen ihr Unwissen in stammelnde Worte. Aus dem Publikum ansteckendes Gejohle. Vor den Fernsehern die Menschen, deren Prominenz oder Aussehen nicht für die televisionäre Illusion ausreicht, die sich dieses Schauspiel anschauen. Wichtige Fragen bleiben ungestellt. Wichtige Antworten bleiben ungehört. In den eingeblendeten Zahlen dünstelt das Geld durch die Flimmerstunde, die Quelle der kultivierten Dummheit, der Garant für den Erhalt von Herrschaft und Sklaverei.

Babylonischer Vorhöllenhokuspokus

Die täglichen Börsenberichte in Presse und Glotze in ihrer Sammlung tagesaktuell erstellter, nichts-sagender und völlig faktenfreier Phrasen über Gefühl, Stimmung und Möglichkeiten sind nichts weiter als der babylonische Vollhöllenhokuspokus der Astrologie für Menschen, deren „Sterne“ längst die Scheine geworden sind.

Fernsehen

Das Fernsehen führt dazu, dass Menschen mit offenen Augen blind vertrauen.

Hypnose

Der Vorübergehende sagte zu seiner vorm Fernseher eingeschlafenen Zeitgenossin: „Du darfst niemals einer technischen Vorrichtung erlauben, dich so sehr zu hypnotisieren, dass du davon einschläfst“.

Die große Volksbewegung

Der Vorübergehende sagte zu seinem sich ereifernden Zeitgenossen: „Du willst eine große Volksbewegung? Das ist sehr einfach. Nimm den Leuten die Fernseher und den Alkohol weg, und es wird keine drei Tage dauern, bis es in jeder Stadt große Demonstrationen von Menschen gibt, die erstmals seit Jahren fühlen, wie sie sich fühlen und deshalb für ihr Recht einstehen — für das Recht zu saufen und das Recht zu glotzen. Aber für das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben bewegst du unter der Herrschaft der Angst niemanden“.

Katastrophen

Katastrophen. Die Hölle für die Opfer und ihre Angehörigen. Ein Fest für Newsbetrieb, Contentindustrie und… mittelbar… die Werbevermarktung.