Tag Archive: Traktat


Wir denken für dich. Sonst Satan.

Vermeide unabhängiges Denken -- Satan zog schon zu Beginn seiner Auflehnung Gottes Handlungsweise in Frage. Er trat für unabhängiges Denken ein. 'Du kannst selbst entscheiden, was gut und böse ist', sagte er zu Eva. 'Du mußt nicht auf Gott hören. Er sagt dir in Wirklichkeit gar nicht die Wahrheit' (1. Mose 3:1-5). Bis auf den heutigen Tag besteht einer der heimtückischsten Anschläge Satans darin, Gottes Volk mit dieser Art des Denkens zu infizieren (2. Timotheus 3:1,13).

Husch! Weg damit!

Vernichtest du wohlweislich die Schriften Abtrünniger

Der große Kindermord

Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließet vor den Menschen! Ihr gehet nicht hinein, und die hinein wollen, lasset ihr nicht hineingehen.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Mt. 23, 13

In einem Traktat, das mir ein Zeitgenosse beim Betteln an Stelle eines Brotes vor seinem eiligen Weitergehen mit leicht mechanischer Geste in die Hand drückte, weil er wohl mehr um mein Seelenheil als um meinen Bauch besorgt war, stehen unter anderem die folgenden Worte zum durchaus beachtlichen Thema des gesellschaftlichen Werteverlustes:

In früheren Jahren wäre es unvorstellbar gewesen, dass in Deutschland jährlich etwa 130.000 ungeborene Kinder getötet werden.

In der Tat, das wäre in früheren Jahren unvorstellbar gewesen, da hat der (mutmaßlich männliche und übrigens keinen Deut katholische) Autor dieser Beschwörung der „guten alten Zeit“ völlig recht. Da hat man die Kinder noch geboren, bevor man sie totschlug und in einen Grabstein mit einem Engel drauf verwandelte — und wo man sie nicht totschlug, da konnten sie in elenden Zuständen zum höheren Lobe Gottes verhungern oder ihre weichen Knochen in harter, ungerecht entlohnter Arbeit zerschleißen, auf dass sie nach Möglichkeit schon mit dreißig unter unerträglichen Schmerzen stürben. Kein Gott und kein Vertreter des Christentumes hat ihnen geholfen, alles hat das Pfaffengeschmeiß dafür getan, dass es so bleibt, dass es für immer immer so bleibt.

Schnell vergessen, die „gute alte Zeit“, nicht? Die Zeit in der keine ungeborenen Kinder getötet wurden, sondern als ausgewachsene, oft völlig unerwünschte Menschen ein Leben voller Leid und Elend vor sich hatten, ganz so, wie es der grausame, höllenkalte Gott der Christen will und wollte. Dafür gabs auch immer fein Nachschub von „Menschenmaterial“ für die heiligen, gerechten Kriege der Besitzenden, gegen die noch kein Gläubiger dieses Gottes etwas hatte. Nein, alles wurde getan, um gesellschaftliche Zustände zu schaffen und zu erhalten, in denen ausgewachsene Menschen massenhaft elend im feldgrauen Hemd auf dem „Feld der Ehre“ verreckten — und immer noch verrecken, ohne dass das so einen Traktatschreiber oder einen anderen Kirchenvertreter irgendwie stört. Hauptsache, der Militärgeistliche hat die Waffen gesegnet, Helm ab und Hirn aus zum Gebet!

Nein, schützen muss man das ungeborene Leben, das noch gar nicht richtig leiden kann, das von der Struktur seines Zentralnervensystemes ungefähr auf dem Entwicklungsstand jenes Fisches steht, den die Christen des Freitages essen. Das ausgewachsene Leben, das eine deutlich ausgeprägtere Fähigkeit zum Leiden erworben hat, bedarf des Schutzes nicht mehr. Das kann ruhig krepieren — aber bitte so, dass dabei die Besitzenden noch reicher gemacht werden.

Hauptsache ist es für diese christlichen Judasjünger doch, dass die Frau neun Monate an ihrem Kinde trägt, und sei es auch noch so unerwünscht und seien seine Lebensaussichten auch noch so düster, ja, und sei es das Produkt einer Vergewaltigung. Sie soll es als Strafe für die einzige Sünde tragen, die der geisteskranken christlichen Morallehre bekannt ist; als Strafe für die zweiarmige, körperliche Form der Liebe. Sie soll es mit Höllenangst vor dem grimmen Zorn des christlichen Mördergottes tragen, unter flehentlichem Betteln, dass sie doch nicht gebraten und in siedendes Öl getaucht, in schmerzempfindliche Scheiben geschnitten und zur weiteren ewigen Folter wieder zusammengesetzt werde. So eingeschüchtert, soll sie es als Segen empfinden, ihr kleines quengelndes Stück Fickstrafe, denn aus dieser Ambivalenz der Eltern entsteht jener an der Wurzel geknickte Nachwuchs, den Staat und Kirche zu allen Zeiten gebraucht haben.

Und wenn die Eltern nicht mehr klarkommen, gibt es noch die ganz tollen, von christlichen Organisationen betriebenen und mit staatlichen Zuwendungen geförderten Kinderheime voller betender und prügelnder Hände, bis auf den heutigen Tag.

Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als man in der Schule gebetet hat.

Ja, gebetet für Volk, Führer (oder Kaiser) und Vaterland. Und für den ewigen Erhalt des gottgewollten, mörderischen Unrechts. Und welches unter den Kindern sich weigerte, bei dieser zwangsweise verordneten Blasphemie mitzumachen, das wurde geschlagen, bis es gefügig war, bis zum Halleluja gefügig. In milderer Form gibt es das bis heute. Die mildere Form bezieht sich nicht auf die Gewalt, mit der man Kinder gefügig macht, sondern auf die Inhalte der Zwangsgebete. Die Szenen lassen sich in jeder Sonderschule erleben, die an so ein christliches Kinderheim angeschlossen ist. Wohl dem, der reiche Eltern hat, die so etwas vermeiden können!

Es hat fast 15 Grad Celsius, aber mir ist eiskalt, wenn ich so etwas lese. Da hat sich mal wieder ein Christ so richtig die Brust aufgerissen und jene Kälte in die Welt gepustet, in der allein er gedeihen kann.

Oh Gott, lass doch bitte Hirn vom Himmel regnen!

Und schmeiß mich bitte bitte bald in diesen untersten Bereich der Hölle, in dem ich niemals mehr mit diesen deinen durch den Taufzauber vor der Hölle geimpften Dienern und Traktatschreibern zusammenkomme, die sich auf ewig in deiner Gegenwart wähnen!

V.i.S.d.P

Auf einem Traktat, das mir jemand beim Betteln an Stelle eines Brötchens in die Hand drückte, war nicht nur ein entzückendes, in der Sonne stehendes kleines Mädchen mit blonden Haaren, blauen Augen und einem weißen Kleid abgebildet, dass selbst Joseph Goebbels das Herz geschmolzen wäre. Nein, daneben standen auch noch die Worte „Gott lädt sie ein“. Das freilich, das empfand ich als eine unwiderstehliche Nachricht und ich nahm das Traktat an mich, um im Ganzkleingedruckten unter V.i.S.d.P endlich einmal die Anschrift dieses Gottes zu finden; vielleicht gibt es dort ja auch eine Beschwerdestelle, ich hätte so vieles zu reklamieren. Aber stattdessen fand ich dort wieder nur die Anschrift eines so genannten Missionswerkes… :mrgreen: