Tag Archive: Tittitainment


Paradies erreicht

Mit diesem üblen zynischen Tonfall und diesem Grinsen sagte der Vorübergehende beim Betrachten der Nachrichtensendung des BRD-Parteienstaatsfernsehens: „Eine Welt, in der es eine Tagesschau-Meldung wird, dass jemand (Elon Musk) seinen Facebook-Account löscht, muss eine wunderbare Welt sein, die keine schweren Probleme, keinen Hunger, keine Armut und keinen Krieg mehr kennt“.

Das show business für die Hässlichen

Wer sind diese Politiker? Es sind jene, die wir schon in der Schule oder auf der Uni nicht ausstehen konnten. Jene, die immer der Klassensprecher sein wollten oder der Studentenführer. Jene, die wir nie mochten, erzählen uns jetzt, was wir zu tun haben. Für jene werden rote Teppiche ausgerollt, sie stehen im Blitzlichtgewitter der Paparazzi und jeder hebt sie in den Himmel und applaudiert ihnen. Politik ist show business für hässliche Menschen.

Gerald Celente, ähm… pessimistischer „Zukunftsforscher“

Mit Gruß an Ansgar Heveling als Vertreter einer classe politique, die den sich frei organisierenden Menschen mit unüberhörbarer Deutlichkeit zuruft: „Euch bekommen wir auch noch in den Griff, und sei es mit Blutvergießen und Gewalt!“ und damit die gesamte Ruchlosigkeit im völlig korrumpierten politischen Gestaltungswillen deutlich macht.

Kronspiegel

Das Logo von Spiegel Online -- mit Krönchen verziert

Von der Bildzeitung hätte ich ja nichts anderes erwartet. Nicht einmal Google — sonst um keinen Anlass für ein Doodle verlegen — hält heute seinen Nutzern wegen dieses medial aufgeblähten Nullereignisses ein lächerlich Krönchen entgegen.

Boris Beckers Baby

Die Frage, welche Augen- oder Haarfarbe das Baby von Boris Becker hat, interessiert nicht. Das ist die alte Geschichte, die schon Mendel entdeckt hat, mit Überraschungen ist nicht zu rechnen. Viel interessanter ist die Frage, warum die Tittitainment-Medien Glotze und Zeitung diese Frage für so interessant halten, dass mit solcher Nullwertigkeit tote Bäume bestempelt und elektromagnetische Wellen moduliert werden.

Boris Becker hat mit einem komischen Schläger nach Filzbällen geschlagen, und zwar so, dass es im Rahmen der Regeln eines recht langweiligen Sportes als erfolgreich galt. Mehr nicht. Und auch kein bisschen weniger. Aber er war eben Deutscher. Das heißt nicht, dass er auch seine Steuern in der BR Deutschland bezahlt hätte, aber es heißt, dass man den Begriff von „Deutschland“ daran festmachen konnte, damals, als er noch nach gelben Bällchen schug und als dieser Begriff „Deutschland“ noch angeschlagener war. Als er es heute ist. Bevor es Boris Becker gab, hat sich in Deutschland niemand für Tennis interessiert, und selbst ein Turnier wie Wimbledon fand im Fernsehen bestenfalls den Niederschlag einer 20minütigen Zusammenfassung kurz vor den letzten Nachrichten, vielleicht, weil es für die meisten Menschen eben so interessant war wie der damals noch existierende Sendeschluss im Fernsehen. Das änderte sich mit Boris Becker. Auf einmal wurde Tennis in stundenlangen Direktübertragungen in die besten Sendezeiten gepresst, weil ja jemand mitmischte, der aus Deutschland kam und siegen konnte. Und. Obwohl das Betrachten eines sich über Stunden ziehenden Tennismatches etwa so interessant ist, wie es interessant ist, bei einer Runde Monopoly zuzuschauen, saßen auf einmal ganz viele Leute vor der Glotze, wenn Tennis lief. Stundenlang, wie die Idioten, und schauten zu, wie zwei Leute sich auf einem kleinen Platz gegenüberstanden und mit komischen Schlägern nach gelben Bällen schlugen. Sie hatten ja nichts anderes als das, was im flackernden Volksempfänger lief, oft nicht einmal so etwas wie ein eigenes Leben. Und dieser Vorgang wurde emotional mit „Deutschland“ aufgeladen. Die Siege dieses ansonsten völlig uninteressanten Menschen, dessen Redeweise übrigens oft ein bisschen dumm klang, wurden zu deutschen Siegen gemacht. Und. Als solche färbten sie auf das Leben der Marginalisierten in Deutschland ab, selbst noch auf jene sechs frisch aus dem Gefängnis entlassenen Leben, die ich damals oft in ihrem Elend in einem Männerwohnheim am Rande der Stadt und der Gesellschaft besuchte. Stundenlang schauten sie zu, wie Menschen mit komischen Schlägern… ach, ich wiederhole mich. 😉

Hätte er in den damaligen Turnieren nur mittelmäßig gespielt — was angesichts des sportlichen Mitbewerbes bereits Weltklasse gewesen wäre — niemand hätte sich für Boris Becker interessiert, und nur wenige hätten deshalb angefangen, sich mit solch kranker Inbrunst für Tennis zu interessieren. Es wäre auch kein Thema in den Medien geworden, damals nicht und heute immer noch nicht. Wenn eines nicht gewünscht ist, um den Begriff „Deutschland“ damit aufzuladen, denn ist es die Vorstellung von Mittelmäßigkeit. Damals nicht. Und heute immer noch nicht. Es muss immer das Beste, das Größte sein, dieses künstliche, mediale Produkt „Deutschland“. Weltmeister. Oder wenigstens deutlich in die Nähe dieses Begriffes rücken. Damit die Menschen in Deutschland glauben können, dass wenigstens „ihr“ Land etwas Besonderes ist, wenn ihr Leben sich schon jeden Tag als objektiv wertlos erweist. In einem bestimmten Abschnitt der Geschichte der BR Deutschland hat sich Boris Becker als sehr nützliche Figur für diesen kindischen Trockenrausch erwiesen, davor war es eher der Fußball. Um den Sport ist es dabei niemals gegangen, nur um etwas Futter für die leere, beschädigte Hülle „Deutschland“, auf dass sie bis zum Bersten aufgeblasen werde.

Und deshalb ist Boris Becker auch heute noch „interessant“, obwohl er nicht mehr Tennis spielt und sein Gehirn wohl auch nicht nachgewachsen ist. Er ist ein Denkmal der Geschichte der BR Deutschland, und zwar des dümmeren, schlechteren Teiles dieser Geschichte — er steht (unfreiwillig) für die Kontinuität des deutschen Größenwahns und für die Neigung vieler Menschen in der BR Deutschland, sich mit recht künstlich herausgehobenen Produkten des Medienbetriebes zu identifizieren. Und nicht mit ihrem eigenen Leben und mit dem Prozess der gemeinsamen Gestaltung einer erstrebenswerten Lebenswirklichkeit für alle Menschen in der BR Deutschland. Welche Augen- oder Haarfarbe das Baby von Boris Becker hat, das bleibt bei diesem Denkmal aber weiterhin egal wie Achtundachtzig.

An Stelle eines Nachrufes

Klei mi ann Mors!

Ein breit niederdeutsch sprechender Obdachloser aus Seelze bei Hannover zu den „Inhalten“ der Nachrichtensendungen und Zeitungen. In feinerem Schriftdeutsch bedeutet dies ungefähr „Kratz mich am Hintern!“.

Betroffenheit — Wenn die Menschen um mich herum auch nur halb so betroffen davon wären, dass ihnen ganz persönlich ein so genanntes „Grundrecht“ nach dem anderen entzogen wird und dass ihnen ihr Leben vergällt, geraubt und enteignet wird, während eine kleine Clique von Besitzenden und Mächtigen sich am geraubten Lohn ihres Schweißes mästet, wie sie über den Tod eines sich durch bloßes Hinschauen als recht künstlich erweisenden Produktes der Contentindustrie betroffen fühlen gemacht werden, denn wäre ich für die Zukunft dieser Gesellschaft sehr viel optimistischer. Die industriell erstellte Unterhaltung — auch in ihren scheinbar ernsteren Inhalten, auch in ihren Meldungen vom Tod eines so genannten stars, bei dem bestenfalls die Selbstverstümmelung und die Monstrosität der Fleischvermarktung astronomische Ausmaße angenommen haben — sie ist in ihrer Abstopfung der Sinne und des Sinnes nichts als Unten-Haltung. Für diesen Zweck spielt es keine besondere Rolle, ob man einen mit Drogen vollgepumpten und schwer kranken Musiker unter der Marschmusik der Werbetrommeln durch die gewaltigen Bühnen der Welt hetzt, oder ob man einen toten Körper ausweidet. Ja, Letzteres ist vielleicht sogar attraktiver fürs Geschäft. Die Leichenfledderei ist eröffnet; der „Markt“ kann jetzt noch einmal überflutet werden mit bislang unveröffentlichten Studioaufnahmen, privaten Fotos, den greatest hits und anderen Schlägen.

Modernität — In gewisser Weise war Michael Jackson ein sehr modernes Produkt der Contentindustrie, deshalb geriet er auch im Fortlaufen des Prozesses in relative Vergessenheit. Seine frühen Musikvideos waren beachtliche Werke, die mit hohem Aufwand eine künstliche, traumartige Welt an das kollektive Auge der Wachenden brachten, seine Bühnendarbietungen waren von der Perfektion des geldernsten show business geprägt. Niemand hat sich daran gestört, dass die Musik, die doch vorgeblich über diese Medien transportiert werden sollte, hinter der Darbietung zurücktrat. Selbst das Vollplayback stellte für keinen der Fans dieses Sängers ein Problem dar. Auch der Körper Michael Jacksons wurde völlig in den Dienst dieser vollumfassenden show gestellt und mit ärztlichen Mitteln von seinen natürlichen Beschaffenheiten wie der Hautfarbe oder der Form des Gesichtes „befreit“. Dass dabei alle afrikanischen Züge aus der Marktware des Körpers von Michael Jackson verschwanden, spiegelt — wie auch die typischen Rollen der Nachkommen ehemaliger zwangsversklavter Menschen aus Afrika in den Hollywood-Produktionen — den ebenfalls modernen Rassismus in den Vereinigten Staaten von Amerika wider. Und. Dass schließlich, nach Jahren der chirurgischen Umgestaltung des Körpers die Nase von Michael Jackson wegfaulte, ist ein trefflicher Spiegel dafür, wie das alles zum Himmel stinkt.

Existenzfragen — Als jemand, der auch gern einmal eine entspannte Stunde in der Mülltonne des Internet wühlt, habe ich schon viel Absurdes gelesen. Zum Beispiel las ich, dass eine ganze Handvoll außerirdischer Zivilisationen regelmäßig die Erde besuchen, ohne dass sie irgendwelche physikalischen Spuren dieser Besuche zurücklassen; dass das Apollo-Programm der USA nicht stattfand, sondern in geheimen Studios auf der Area 51 gedreht wurde; oder auch, dass Adolf Hitler noch lebt und am Südpol darauf wartet, die Herrschaft über die Welt antreten zu können. Eine sehr naheliegende Spekulation habe ich hingegen nie gelesen, obwohl viel mehr dafür gesprochen hätte, und das ist die Spekulation, dass Michael Jackson gar nicht (mehr) existiert hat. Wie trefflich hätte sich auf der Grundlage dieser einen Spekulation alles erklären lassen! Das sich ständig verändernde Gesicht; die Wechsel in der Hautfarbe, die fühlbare Künstlichkeit aller Meldungen; die sonderbare Scheu und die Vorkehrungen bei öffentlichen Auftritten, die bis zum Tragen einer chirurgischen Gesichtsschutzes gingen; das Vollplayback zu den Darbietungen eines weniger zum Singen talentierten Balletttänzers, der unter dem blendgrellen Schutz der Scheinwerfer den Jacko macht — die hierzu erforderliche Maske hätte jeder modellieren können, der als Maskenbildner für Horrorfilme geübt ist. Die Vorstellung, dass alle diese Zeichen darauf hindeuteten, dass sich hinter ihnen keine existierende Person mehr befand, drängt sich geradezu auf. Und. Selbst, wenn man — wie ich — diesen paranoiden Schluss nicht ziehen mag, kann man sich durchaus die traurige Frage stellen, wie lange vor seinem Tod der king of pop schon zu leben aufgehört hat. Und. Diese Frage wird fast zwangsläufig von der Frage gefolgt, wann wohl das eigene Leben unter den Bedingungen der Verwirtschaftung aufgehört hat.

Das Ende der Pop-Ikonen — So modern das Produkt Michael Jackson zu seiner Zeit auch gewesen sein mag, es spiegelt einen Zwischenstand im Prozess der Musikvermarktung durch die Contentindustrie wider. Der Prozess lief weiter, und er hat solche Produkte obsolet gemacht. Dort, wo man Profit daraus schlürft, „Musik“ für den Massenmarkt zu erstellen, wurde längst begriffen, dass selbst eine vom Fraß des Marktes übrig gelassene Restpersönlichkeit eben noch eine Persönlichkeit ist und als solche Probleme bereiten kann, die eine Vermarktung behindern. Deshalb werden heute noch synthetischere Produkte auf den Markt gespien, Gestalten, für die man zielgruppengerecht eingängige Funktionsmusik komponieren lässt, mit der sie dann für ein paar Wochen oder einen Sommer lang mit aller Macht in die Rundfunkempfänger gepresst werden, auf dass es zu einem Geschäft komme. Das sich auf diesem Wege irgendwelche Menschen zu fans entwickeln, die eine abstrakte persönliche Beziehung zu diesen Gestalten aufbauen, ist dabei explizit unerwünscht. Gewünscht sind austauschbare Nanoprominente für den Augenblick, die ohne Schmerzen für das kleine Investment in ihrem künstlichen Ruhm wieder fallen gelassen werden können. Was den Menschen heute als Glimmerwelt des show business vor Augen gestellt wird, hat längst schon das volle Gepräge jedes anderen Wirtschaftens und erachtet seine Arbeiter (darin seid gewiss: Show ist harte Arbeit!) als Menschenmaterial, als austauschbare Batterie im industriellen Produktionsprozess. Dem entsprechend gering ist auch die Mühe, die zur Jetztzeit in der Vermarktung von Musik aufgewändet wird, sie spiegelt wider, dass es sich hierbei um ein Einwegprodukt handelt, das benutzt und anschließend weggeworfen wird. Wo die zu Verbrauchern degradierten Menschen sich dann aber billigerweise so verhalten, wie es dem billigen Produkte gegenüber angemessen ist, da ist das Klagen der Industrievertreter laut und jämmerlich und ihre Forderung nach einer staatlichen, schwer strafbewehrten Kriminalisierung natürlicher technischer Möglichkeiten unerträglich. Internet und Filesharing hin und her, ich habe keinen einzigen richtigen fan von Michael Jackson erlebt, der nicht eine vollständige Sammlung aller seiner Alben im Regal gehabt hätte — und wie schon gesagt, auch die jetzige totale Ausweidung des toten Jackos wird ein großes Geschäft werden, ganz genau so kalt und skrupellos wie die Ausweidung des lebenden Jackos…

Moin U., datt hätt je nit gedacht, datt ik di zitier, watt?!

Auswärtiges Denken (46)

Wenn in diesen Tagen vor dem Ende der Pressefreiheit gewarnt wird, weil eine Einstweilige Verfügung gegen die Berichterstattung über eine HIV-Kranke Sängerin ergangen ist, dann muss man dieser Journaille zurufen: Verdient Euch erst einmal Eure Pressefreiheit oder geht einfach unter. Sterbt — und das bitte schnell. […] Für einen Mindestlohn möchte die SPD nun eintreten – eine Forderung, man sie von den Linken übernommen hat. Würde die SPD diese Forderung ernst meinen, würde sie noch in der nächsten Woche einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Bundestag einbringen. Dieser würde auf eine breite Mehrheit stoßen. Wäre es der SPD ernst mit dieser Forderung, würde sie genau dies tun. Warum tut sie es nicht?

F!XMBR