Tag Archive: Sucht


Internetsucht

Wenn die Menschen von etwas süchtig, also siech, werden, dann vor allem. An der Langeweile, die daraus enthüpft, dass ihnen an ihrem zugeordneten Hundeplatz als „Verbraucher“ von früh auf ein eingenes Leben und Streben genommen und zerstört wird, so dass jede längere Weile nicht zur Muße werden kann, sondern wie eine fressende Leere in die Seele beißt. Der Internetsucht, an der sich die gewöhnliche Kurzsichtigkeit der bürgerlichen Sorge zurzeit mit einem Kulturpessimismus abarbeitet, der im üblichen Widerspruch zur klobigen Roheit hinter den Fassaden der bourgeoisen „Kultur“ steht, gingen schon ein paar Jahrzehnte Fernsehsucht voraus, und zwar. Mit so großem Schaden für einige davon Betroffenen, dass sie dazu neigen, die durch und durch konstruierten Wahnwelten des täglichen Fernsehbetriebes für die Wirklichkeit des Lebens zu halten.

Amy Winehouse

Als dem Vorübergehenden ganz aufgeregt mitgeteilt wurde, dass Amy Winehouse gestorben ist, sagte er nur: Das ist doch zur Abwechslung mal wieder ein Opfer der Drogensucht, das nicht sofort verdrängt wird — nicht so wie die meisten anderen, die es mangels Vermarktbarkeit nicht zu medialer Präsenz gebracht haben und überall aus dem Stadtbild und aus der allgemeinen Wahrnehmung verschwunden gemacht werden sollen.

Anmerkung: Ich mochte ihre Stimme…

Spiel, Spaß, Spannung, Unterhaltung

Bild eines Menschen, der der Welt und der Kamera den Rücken zuwendet und drei identische Geldspielgeräte auf einmal bespielt.

Kaum etwas macht jenseits der bunten Außenwerbung der Spielstätten den wirklich beabsichtigten Charakter des Spieles an Geldspielautomaten so deutlich, wie so manche Werbung, mit der die Geräte an die Aufsteller verkauft werden sollen. Die hier als Beispiel gezeigte Werbung ist schon etwas älter, sie soll für den Kauf und die Aufstellung der Rotamint Vario von NSM (Erscheinungsjahr 1981) werben und zeigt in diesem Bestreben recht deutlich, welche Art von Spieler aus Aufstellersicht die gewünschteste ist. Ideal ist ein Mensch, der der ganzen Welt den Rücken zuwendet, während er nach Möglichkeit mehrere Geräte gleichzeitig mit Münzen befüllt, damit sie auch ja seine gesamte Aufmerksamkeit aufsaugen und den Süchtigen zu einem deutlich höheren Preis als ein Kinobesuch von der Wahrnehmung der leidigen Außenwelt befreien. Ein eventuell daneben stehender Hocker, der nur eine Spur Miteinanders zweier nebeneinander sitzender Zocker stiften könnte, wird idealerweise zur Ablage für die stangenförmigen Nikotineinheiten verwendet, mit deren Inhalation (das war damals noch nicht kriminalisiert) ein solcher, aufstellerseitig gewünschter Suchtspieler die enorme Anspannung eines solchen „Spieles“ besser ertragen kann. Ein einsames, weltabgewandtes und stummes Verlieren, das soll die Wirklichkeit hinter dem plakativen „Spiel, Spaß, Spannung, Unterhaltung“ an den Spielhallen sein.

Dank für den Scan aus einem alten „Automatenmarkt“ an S., Gruß an F. B.

Einzelfluppe

Es ist ein deutlicher Indikator für die in der BRD mittlerweile ausgebreitete Armut, dass verschiedene Kioske in Hannover inzwischen damit begonnen haben, Zigaretten illegalerweise auch einzeln zu verkaufen (und dabei einen kleinen Preisaufschlag zu nehmen). Die „Zielgruppe“ eines solchen Angebotes sind allein jene Menschen, die zwar von dem überall erhältlichen Genussgift abhängig geworden sind, die aber in vielen Situationen ihres Lebens nicht das Geld für eine ganze Packung Zigaretten entbehren können — und sich deshalb bereit finden, den kleinen Aufpreis zu bezahlen, um den Schmacht ihrer suchtdressierten Lunge wenigstens sporadisch befriedigen zu können.

Traum

Es ist wahr, dass in der BR Deutschland jeder „seinen Traum“ leben kann — oder, genau gesagt: leben muss.

Unwahr ist hingegen, dass jeder Traum etwas Angenehmes wäre.

Verständlich ist es, dass angesichts der bedrückenden, kollektiven Wachalbträume so viele Menschen in der BR Deutschland jede nur erdenkliche Form der Narkose verwenden, in der verzweifelten Hoffnung, auf diese Weise wenigstens in ihre individuellen Albträume flüchten zu können. So entsteht ein schwunghafter Markt für alkoholische Getränke, dämpfende Psychopharmaka und weniger legale Drogen und für geistlösende mediale Produkte zur so genannten „Unterhaltung“.