Tag Archive: Staat


Nationalität

Gefragt, welche Nationalität er habe, sagte der Vorübergehende, dass er Säufer sei, weil sich der Staat, in dem er leben müsse, nur noch im Suff ertragen lasse.

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Eure „Rechte“ sind keine Rechte…

„Rechte“ sind keine Rechte, wenn sie jemand einfach wegnehmen kann, sondern Privilegien. Das ist alles, was wir in diesem Land jemals gehabt haben; ein Gesetz für vorübergehende Privilegien. Und. Selbst wenn ihr die Nachrichten nur oberflächlich lest, wisst ihr, dass die Liste jedes Jahr kürzer und kürzer wird. Ihr alle seht das, früher oder später. Früher oder später werden die Menschen in diesem Land merken, dass sie der Regierung scheißegal sind. Die Reigerung interessiert sich nicht für euch, für eure Kinder, für eure Rechte, für euer Wohl oder für eure Sicherheit. Sie scheißt einfach auf euch. Sie interessiert sich für ihre eigene Macht. Das ist das Einzige. Sie zu bewahren und auszuweiten, wo immer das möglich ist.

George Carlin

Green Card

„Wie anders die Geschichte doch verlaufen wäre“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „wenn die ursprünglichen Einwohner des amerikanischen Kontinentes von den europäischen Einwanderern ein Visum oder — falls sie dort auch arbeiten und leben wollten — eine green card eingefordert hätten und jeden zurückgeschickt hätten, der so ein Papierchen nicht vorweisen kann“.

Das Schloss

Der Zeitgenosse sagte: „Der Staat kann nichts gegen die Internet-Überwachung machen, wenn alles öffentlich ist; dass ich überwacht werde, ist meine Schuld, wenn ich nicht verschlüssele. Es ist meine Aufgabe, ein gutes Schloss für meine Haustür zu kaufen…“ — und der Vorübergehende ergänzte: „…ein wirklich gutes Schloss, damit die Polizei nicht mehr so einfach wie bisher heimlich bei dir einbrechen kann“.

Big Brother im Himmel

Wieso seitens der organisierten, monotheistischen Religion keinerlei Stellungnahme zu PRISM und Tempora kommt? Für die organisierte Religion und ihre verblendeten Anhänger ist der allüberwachende, allwissende und schließlch gar jedes harmlose Verhalten mit brutalen Höllenstrafen belegende Big Brother im Himmel schon immer ein Quell des Trostes und der Hoffnung gewesen; und die Vertreter der organisierten Religion haben mindestens seit den zur Bibel geronnenen Briefen eines Saulus von Tarsus kein Problem damit gehabt, wenn das Handeln ihres herzlosen Gewaltgottes auf Erden vom Staate möglichst blutig vorweggenommen wird. Die Erklärung der Menschenrechte wurde nicht von Pfaffen und Frommen verfasst, aber sie wird bei der ersten sich bietenden, guten Gelegenheit von Pfaffen und Frommen mit Schwert, Kanone und Folterkammer außer Vollzug gesetzt werden.

Die Gewalt

„Die Gewalt des Gewalttäters“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „lässt dem davon betroffenen, anderen Menschen nur noch drei Möglichkeiten: Dass er sich unter der Gewalt bücke und angstvoll darauf hoffe, dass der Gewalttäter nicht so arg mit ihm verfahren möge; dass er versuche, mit schnellem Fuße vor der Gewalt zu fliehen, um ihrem zerstörerischen Einfluss zu entkommen und andernorts unbedrängter zu leben; und dass er versuche, gegen den Gewalttäter zu kämpfen.“

Was der Vorrübergehende nicht so klar sagte, ist, dass das auch für die Gewalt gilt, die mit dem Worte „Staat“ zusammengefasst wird und die den Menschen als „Staatsgewalt“ gegenübertritt. Und. Diese „Staatsgewalt“ gewöhnt die Menschen von Kind auf ans Bücken.

Der staatliche Ablass

Wie sehr das psychische Material der auf dem Rückzug befindlichen Religion weiterhin zur Festigung der allgemein viel anerkannteren Irrationalität des Staates wirksam ist, verrät sich nicht nur in der formellen Pseudofrömmigkeit aller staatlichen Rituale (bis hin zum in jeder Kaserne praktizierten, absurden, einer Anbetung nahekommenden Kult an farbigen Tüchern, die an Masten hochgezogen werden), sondern auch in der Sprache, die verwendet wird, um das Verhältnis zum Staate zu benennen: Wer seine Steuern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht abführt, wird nicht wie in jeder anderen Situation als ein Betrüger bezeichnet, sondern als ein „Steuersünder“.

Wie passend zu dieser von Politik und Journaille gepflegten gedankenpressenden Sprache, dass da immer wieder gern vom Staate Ablassangebote für „reuige Sünder“ geschaffen werden, wenn sie nur freiwillig „ihr Gewissen erleichtern“. Andere, in der Regel weniger vermögende Menschen können auf vergleichbare Gnade nicht hoffen — denn der neue Gott ist wie der alte Gott ein Gott der Reichen, er ist hart und lässt sich nur durch große Mengen Geldes erweichen.

Das heilige Maschinengewehr

Einem besonders lichtscheuen und verachtenswerten Gesindel gehört Kardinal Joachim Meisner an, der die von Soldaten durchgeführten politischen Morde mit den folgenden Worten für völlig unbedenklich erklärt:

Einem gottlobenden Soldaten kann man guten Gewissens die Verantwortung über Leben und Tod anderer übertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesegnet sind.

Den Unterschied zwischen dieser für die gröbere Form der politischen Gewalt so nützlichen, aus geweihtem Munde geäußerten hl. Auffassung und dem Reden gewisser islamischer Absegner des Mordens mögen sich bitte die röm.-kath. Theolügner aus ihren Fingern saugen. Für jeden einigermaßen denkenden Menschen ist nach Überwindung des ersten Brechreizes leuchtendhell klar, was von einem Menschen zu halten ist, der den Mord für heilig erklärt, wenn er nur mit einem inneren Halleluja ausgeführt wird. Hier ist die Kontinuität der staatstragenden christlichen Geschichte, bis das Blut nur so aus der Bibel strömt. Ich bin beschämt darüber, dass so ein politisch nützlicher Mordheiliger solche Worte reden kann, ohne dass ihm wenigstens ein paar faule Eier in seine schwuppig anmutenden Klamotten und in seine kalte Fratze fliegen.

Mein Klassenbewusstsein

Zeitgenossin: „Warum engagierst du dich nicht in der Piratenpartei?“

Nachtwächter: „Aus dem gleichen Grund, aus dem heraus ich mich auch nicht in der CSU engagiere; wegen meines Klassenbewusstseins. Ich weiß genau, welche Strukturen der Herrschaft innerhalb einer Partei entstehen, so bald sie politisches Gewicht erhält; und ich weiß ebenso genau, welche Personen und Standpunkte in einer Partei mit politischem Gewicht unterdrückt und zur Unbeachtlichkeit erklärt werden. Wenn die Piratenpartei niemals politsches Gewicht erhält, kann ich mir die immense aufzuwändende Lebenskraft für ein derartiges Engagement sparen, erhält sie jedoch Gewicht und damit das besoffen machende Suchtmittel der Macht, so wird auch die Piratenpartei keine Partei sein, in der einer Bedeutung, Beachtung und Einfluss erlangen könnte, der als obdachloser, bettelnder Künstler nur noch nimmt, was ihm kampflos gegeben wird. Die späteren Werber für diese Partei, sie könnten mich in diesem trübblinden Zeitalter, in dem das Image vor dem Inhalt geht, schon wegen meiner auffällig ausgefallenen Zähne nicht mehr auf ein Plakat drucken oder im Namen der Partei in die Öffentlichkeit lassen — auf das, was sie „Kompetenz“ nennen, kommt es nicht an. Ich brauche keine Fahnen zu hissen, nicht einmal einen Jolly Roger, denn ich kann überall um mein marginalisiertes Lebensrecht betteln. Was aus politischen ‚Alternativen‘ wird, habe ich oft genug gesehen, um zu wissen, dass es innerhalb des überpersonalen Prozesses des herrschenden Systemes keine Veränderung geben kann — um ein besseres Miteinander der Menschen zu formen, muss der überpersonale Prozess des herrschenden System überwunden werden. Und. Wo es sich mit Gewalt dagegen sträubt, kann es nur mit Gewalt überwunden werden.“

Ja, ich weiß, E., dir gegenüber war ich vorhin wesentlich verständlicher und wortreicher — aber du musst doch eingestehen, dass es das Gleiche ist…

Schweinehochzeit Re Neunzig

Ein Problem der Geschichtsbücher besteht darin, dass sie die Geschichte lehren. Denn diese. Ist die schriftlich überlieferte Vergangenheit. (Sonst handelte es sich um Archäologie.) Doch während des größten Teiles der Vergangenheit unseres gegenwärtig wirksamen Kulturprozesses hinterließen nur die herrschende Klasse und ihre beflissenen Speichellecker aus dem Klerus und ihre sonstigen Schergen schriftliche Zeugnisse, während die Mehrzahl der Menschen nicht des Lesens und Schreibens kundig war. Was in der Sicht der Geschichtsbücher als die beschriebene Lebenswirklichkeit der Menschen aufscheint und von dort in das allzu unkritische Hirn des Lesenden und Beschulten gestempelt wird, ist lediglich die recht einseitige Sichtweise der Schreibenden und damit der Herrschenden. Wie hingegen die Herrschaft bei ihren Opfern, den oft willkürlich und gewaltsam Beherrschten, gefühlt wurde und das Leben prägte, ist im besten Falle in stark geschönter Form schriftlich aufgezeichnet und damit überliefert, um dem herrschaftlichen Narzissmus allzu derbe kognitive Dissonanzen bei seiner von „Gottes Gnaden“ eingesetzten Selbstinszenierung zu ersparen. Tatsächlich ist es bis auf den heutigen Tag gar nicht so sehr anders geworden, denn was sich in Form der Presse und des Verlagswesens an schriftlicher Mitteilung mit der Rotationsmaschine, der Druckerpresse und industrieller Methodik massenhaft vermehren und in dieser Form vor das Auge der Massen stellen lässt, ist ebenfalls die Sichtweise einer von „Geldes Gnaden“ eingesetzten, besitzenden und herrschenden Klasse und damit einer gesellschaftlichen Minderheit, deren Bild von der Wirklichkeit der Mehrzahl der Menschen arg verzerrt ist. In der jüngeren Zeit hat erst das Internet einen Raum geschaffen, der zu einer gewissen Demokratisierung der öffentlich zugänglichen Mitteilung führte — und damit sehr schnell Begehrlichkeiten nach einer Unterdrückung des Mitgeteilten bei den Besitzenden und Herrschenden erweckte. Eingang in spätere Geschichtsbücher werden diese Mitteilungen wohl nur in wenigen Ausnahmefällen finden, wenn überhaupt.

Aber was die Vergangenheit betrifft, ist die Situation nicht gänzlich verloren, gibt es doch Spuren der Lebenswirklichkeit breiterer Massen, die aber ebenfalls nur selten den Weg in Geschichtsbücher finden. Ganz genau so, wie die heutigen Versuche einer gesetzlichen Zensur des Internet die vor unser aller Augen erwachsene Bedeutung des Internet in die Zukunft widerspiegeln werden, sind vor allem willkürlich erscheinende, gesetzliche Verbote aus der Vergangenheit ein Spiegelbild der Lebenswirklichkeit der Mehrheit der Menschen in jener Zeit. Zum Beispiel wurde in der Stadt Bern im Jahre 1367 das Kartenspielen vollständig verboten; dieses nicht, ohne dass dabei in zeittypisch frömmelnder Form ein Stock Spielkarten als „Gebetbuch des Teufels“ gebrandmarkt wurde. Und das legt ein deutliches Zeugnis davon ab, wie bedeutsam die allgemeine Entspannung im Kartenspiele für viele Menschen im 14. Jahrhundert war. Kein Zufall ist es, dass die Bilder des Kartenspieles ein Abbild des Hofstaates waren und bis heute geblieben sind. Das Spielen mit diesen sonst so unantastbaren Symbolen der Herrschaft und damit der als tägliche Unterdrückung fühlbaren Gewalt — sicherlich auch in den damaligen Wirtshäusern unter Verwendung einer oft sehr derben Sprache — verschaffte den in Wirklichkeit wohl eher mit Zwang geknuteten „Untertanen“ ein gewisses Maß subjektiv wirksamer Erleichterung, die als psychische Aushöhlung der Herrschaft einer Minderheit über die Mehrzahl der Menschen nicht geduldet werden sollte und deshalb kriminalisiert und verteufelt wurde.

Ein solcher Hauch des anarchistisch Unanständigen, die Herrschaft Verspottenden und Ablehnenden in der Dynamik eines Kartenspieles lässt sich bis heute erleben, wenn man nur einer Runde Doppelkopf lauscht. Da meldet der eine seine „Schweinehochzeit“ an, während ein anderer Spieler beim Ausspielen seines zweiten Karo Königs breit grinsend „genschert“ und sich — obwohl die „Hochzeit“ mit den beiden „Alten“ (Kreuz Damen) schlicht den „ersten Fremden“ genommen hat — einfach seinen Spielpartner für diese Partie aussucht. 😉

Im Zeitalter des industrialisierten Mordens hat die herrschaftliche Gewalt freilich ein anderes Gepräge bekommen, und die BR Deutschland ist ein weltweit bedeutsamer Exporteur von Kriegswaffen. Und. Die mit Geld vollgesogene und reichlichem Einfluss ausgestattete Industrie, die diese Mordgeräte herstellt, wird von den Darstellern der staatlichen Macht umhätschelt und begünstigt. Ist es da ein Wunder, wenn die realitätsnahe, spielerische Aufbereitung bewaffneter Kampfhandlungen am Computer als „Killerspiele“ verteufelt wird und mit Verboten kriminalisiert werden soll, während das Mordsgeschäft weiterläuft und die Bundeswehrmacht schon an den Schulen um „Menschenmaterial“ werben soll?

Der Fisch am Auto

Denn mit welcherlei Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Mt. 7, 2

Gern und gar nicht einmal selten berufen sich die vielen Anhänger der modernen christlichen Religion in einer christlich geprägten Gesellschaft auf die geschichtliche Tatsache der Christenverfolgung im imperium romanum und zahlreiche vergleichbare Barbareien in späterer Zeit, die bis in die Gegenwart hinein anhalten. Ja, so gern stellen sie sich in ihrem sicheren Leben als die potenziell Verfolgten hin, dass sie in dieser Haltung verbleiben, wenn sie längst schon auf der Seite der Verfolger stehen; stets willens und bereit, jedem anders gläubigen Menschen sein Recht zu entziehen und allein ihren Glauben und die sich damit verbindenen Forderungen an die Lebensweise eines gläubigen Menschen zur verbindlichen gesellschaftlichen Norm für einen jeden Menschen zu machen. Die. Gern auch mit Gewalt durchgesetzt werden soll; mit staatlicher Gewalt, dem Knüppel des Polizisten, dem Schwarzstift des Zensors und dem Gittertod des Gefängnisses; und so dies noch nicht geht, doch wenigstens mit Ausgrenzung, Vereinsamung, Arbeitslosigkeit, Armut und der Schmach täglich massenmedial verbreiteter Lügen zur Verunglimpfung der nicht folgsamen Menschen, die keine Christen sein wollen. Und bei jeder Gelegenheit betonen sie, diese angeblich Verfolgten, die sich gar gern einen Fisch an ihr Auto klatschen, um auf diese Weise eine Kontinuität zu den verfolgten Christen Roms aufzubauen, dass alles andere als ihr einzig wahrer Glaube mit allen seinen Forderungen Barbarei wäre. Und. Sie führen dabei zum mörderischen Hohn auf jene, die einst ihre religiöse Entscheidung mit dem Leben bezahlten, die für sie gar nicht weiter persönlich bedeutsame Verfolgung gegen Christen in ihrem Mund, die ihnen jetzt endlich das Recht geben soll, selbst Verfolger im Namen ihres dreigespaltenen Gottes zu sein. Und. Wenn sie sich nur stark und sicher und von der von ihnen gewollten Gewalt geschützt genug fühlen, denn jammern sie auch gern darüber, wie schwierig doch ihr Leben als Christ sei; wie viel Mut, Entschlossenheit und Anstrengung doch dazu gehöre, sich so ganz auf die Anforderungen des heiligen Gottes auszurichten. Während. Sie als äußerst intolerante gesellschaftliche Majorität längst ein Umfeld geschaffen haben, in dem das Christentum und der allzu weltliche Vorteil schon seit undenkbaren Zeiten ein und dasselbe geworden sind.

Jene aber, deren Leben jeden Tag Mut angesichts der kleinen Anfeindungen und großen Nachteile, Entschlossenheit zum Leben der subjektiven Einsicht und Erkenntnis und ein unfassbares Maß der Anstrengung beim Widerstehen gegen die konformistische Forderung nach völliger Anpassung an den gesellschaftlichen Standard der christlichen Religion erfordert, das sind jene, die von den Christen bei jeder sich bietenden Entscheidung angefeindet werden; ja, bis zur geforderten Kriminaliserung in christlichen Gesellschaften oder — so fern eine solche noch nicht durchsetzbar ist — doch wenigstens bis zur Pathologisierung ihres Lebens angefeindet werden. Egal, ob sie etwas anderes glauben — es gibt ja keine Ungläubigen, es gibt nur anders Gläubige — ob sie homosexuell sind, ob sie harmlosen privaten Vergnügen frönen, die den Christen verwehrt bleiben, ob sie die Benutzung ihres Hirnes und seiner Möglichkeiten für einen angemessenen Weg zu Einsicht und Erkenntnis halten oder ob sie ganz einfach nur die gewaltsame Forderung der staatstragend und herrschaftserhaltend gewordenen christlichen Religion ablehnen, weil sie ihre Freiheit mehr lieben als ein gebückte Leben, das dem Wort vom „Leben“ spottet. Diese Nichtchristen, sie sind unter den Bedingungen eines quasi verpflichtend und unhinterfragt selbstverständlich gemachten Christentums längst das Äquivalent der verfolgten Christen geworden, und ihre christlichen Verfolger, sie getrauen sich noch in kindischem Stolz und völliger Schamlosigkeit, zu ihrer Gewalt die verlogene Pose eines Verfolgten einzunehmen. Um zu erkennen, dass die Anhänger dieser Religion, deren Symbol keineswegs zufällig ein römischer Galgen geworden, den als gesellschaftliche Außenseiter überlieferten, historischen Jesus aus Nazaret bei der ersten sich bietenden Gelegenheit totschlagen würden, zeigte er sich in der heutigen Zeit, muss man kein Profet sein.

Die frühe Wurzel

Die Gesamtheit der Maßnahmen zum so genannten „Jugendschutz“ haben ein künstliches und gewaltsames Gepräge, es sind strafbewehrte Maßnahmen der Zensur und Vorenthaltung, die den davon betroffenen, jungen Menschen das volle Lebensrecht eines Menschen abzusprechen trachten. Darin spiegelt sich wider, dass die Idee der „Jugend“ und wohl auch die Idee der „Kindheit“ als unreife und zu schützende Phase des Menschseins eine künstliche, unnatürliche, vielleicht sogar kranke zivilisatorische Idee ist, die nur durch Anwendung staatlicher Gewalt aufrecht erhalten werden kann. Im gleichen Maße, in dem direkte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche eine besondere Ächtung erfahren hat, ist die institutionalisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in der Form einer recht weit gehenden Entrechtung und künstlich erzwungenen Unselbstständigkeit als gesellschaftliche Norm etabliert worden, was heute so weit geht, dass man Menschen abspricht, dass sie vollwertige, mit voller Verantwortung und vollem Existenzrecht ausgestattete Menschen seien, bevor sie nicht eine zahlenmäßig festgelegte Spanne an Lebenstagen vollendet haben. Mit dieser Vorgehensweise wird dem Menschen vom frühesten Moment seines Lebens an und über die prägenden Jahre hinweg ein Eindruck jener überwältigenden und jeden Widerstand zwecklos machenden Gewalt eingestempelt, der den Menschen zum leicht verwertbaren Objekt des staatlichen und wirtschaftlichen Herrschaftsanspruches macht. Wer vom Menschenrecht und von der Freiheit spricht und gleichzeitig jungen Menschen beides vorenthält, um sie in Zwangsmaßnahmen und „schützender“ Zensur zu knechten, der wünscht nicht Recht und Freiheit, sondern früh in Unterwürfigkeit geübte Restmenschen, die im Krisenfall nicht ans eigenständige Handeln als ersten Impuls des Seins gewöhnt sind, sondern verantwortungslos nach der Knute schreien, die sie zerstört. Kaum eine zivilisatorische „Errungenschaft“ ist ein so guter Nährboden für faschistoide Gesellschaften wie der so genannte „Jugendschutz“. Wohl auch deshalb. Waren die Idealbilder der Mutterschaft und der Kindheit in so auffälligem Maße wesentlich für die areiligiöse Ikonografie der nationalsozialistischen Barbarei.