Tag Archive: Staat


Kennzeichen D

Einen Dummen erkennt man daran, dass er einen naheliegenden Gedanken gar nicht erst denken kann, noch bevor er seine Richtigkeit überprüfen könnte. Und die Sprache der Herrschenden erkennt man daran, dass sie dafür geformt wurde, naheliegende Gedanken im Keim zu ersticken; also dazu, die Menschen so dumm wie möglich zu machen. Denn Dumme sind lenkbar, selbst wenn die Richtung zu ihrem eigenen Schaden ist. Die Krönung der Herrschaftssprache, nach Jahrhunderten des Moralisierens durch die Heuchler und des Predigens durch die Lieblosen, ist das Wort „alternativlos“: Wir können nicht anders, und du musst mitkommen, Dummkopf, selbst wenn es dein Untergang wird, denn es gibt nichts anderes. Die wenigen immer noch aufkommenden Gedanken werden unter Massenmedien und vorgegebenen Scheinfreiheiten begraben.

Kompetenz

Die etwas können, tun es.
Die es nicht können, unterrichten es.
Die es nicht einmal unterrichten könnten, verwalten es.
Letztere haben gemäß Soziolekt der Regierungsapparate die „Kompetenz“.

Kältestes Ungeheuer

Der Staat wird als das kälteste aller kalten Ungeheuer bezeichnet. Er lügt eiskalt; und diese Lüge kriecht aus seinem Mund: „Ich, der Staat, bin das Volk. Aber der Staat lügt in jeder Sprache über Gut und Böse: und was er sagt, das lügt er – und was er hat, das hat er gestohlen.

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra

Государством называется самое холодное из всех холодных чудовищ. Холодно лжёт оно; и эта ложь ползёт из уст его: „Я, государство, есмь народ“. … Но государство лжёт на всех языках о добре и зле: и что оно говорит, оно лжёт – и что есть у него, оно украло

Фридрих Ницше: Так говорил Заратустра

Lernerfolg

Das Einzige, was alle Kinder zuverlässig durch den zwangweise verabreichten Schulunterricht lernen: Übermüdet den Mund zu halten und still zu sitzen, wenigstens aufmerksam zu wirken, selbst wenn eine didaktische Null von Steißtrommler schon lange einsam in das Nichts redet, ohne es zu bemerken. Kinder, die auch das nicht lernen, werden schließlich als „schwer erziehbar“ jugendamtlich enteltert und in so genannte „Kinderheime“ meist kirchlicher Trägerschaft gegeben, damit man ihnen dort rund um die Uhr mit psychischer und grober Gewalt diesen kecken Rest von Empfinden eigener Würde austreibt. Die kranke politische Idee, den staatlichen Zwangsschulbetrieb selbst unter Bedingungen einer Pandemie fortzusetzen, ohne auch nur Geld für Schutzmaßnahmen in die Hand nehmen zu wollen, ist nur ein Spiegelbild des Bewusstseins in der Classe politique, dass in einer „marktkonformen Demokratie“ Massen von gewaltsam gefügig gemachten Menschen benötigt werden.

Nationalität

Gefragt, welche Nationalität er habe, sagte der Vorübergehende, dass er Säufer sei, weil sich der Staat, in dem er leben müsse, nur noch im Suff ertragen lasse.

Eure „Rechte“ sind keine Rechte…

„Rechte“ sind keine Rechte, wenn sie jemand einfach wegnehmen kann, sondern Privilegien. Das ist alles, was wir in diesem Land jemals gehabt haben; ein Gesetz für vorübergehende Privilegien. Und. Selbst wenn ihr die Nachrichten nur oberflächlich lest, wisst ihr, dass die Liste jedes Jahr kürzer und kürzer wird. Ihr alle seht das, früher oder später. Früher oder später werden die Menschen in diesem Land merken, dass sie der Regierung scheißegal sind. Die Reigerung interessiert sich nicht für euch, für eure Kinder, für eure Rechte, für euer Wohl oder für eure Sicherheit. Sie scheißt einfach auf euch. Sie interessiert sich für ihre eigene Macht. Das ist das Einzige. Sie zu bewahren und auszuweiten, wo immer das möglich ist.

George Carlin

Green Card

„Wie anders die Geschichte doch verlaufen wäre“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „wenn die ursprünglichen Einwohner des amerikanischen Kontinentes von den europäischen Einwanderern ein Visum oder — falls sie dort auch arbeiten und leben wollten — eine green card eingefordert hätten und jeden zurückgeschickt hätten, der so ein Papierchen nicht vorweisen kann“.

Das Schloss

Der Zeitgenosse sagte: „Der Staat kann nichts gegen die Internet-Überwachung machen, wenn alles öffentlich ist; dass ich überwacht werde, ist meine Schuld, wenn ich nicht verschlüssele. Es ist meine Aufgabe, ein gutes Schloss für meine Haustür zu kaufen…“ — und der Vorübergehende ergänzte: „…ein wirklich gutes Schloss, damit die Polizei nicht mehr so einfach wie bisher heimlich bei dir einbrechen kann“.

Big Brother im Himmel

Wieso seitens der organisierten, monotheistischen Religion keinerlei Stellungnahme zu PRISM und Tempora kommt? Für die organisierte Religion und ihre verblendeten Anhänger ist der allüberwachende, allwissende und schließlch gar jedes harmlose Verhalten mit brutalen Höllenstrafen belegende Big Brother im Himmel schon immer ein Quell des Trostes und der Hoffnung gewesen; und die Vertreter der organisierten Religion haben mindestens seit den zur Bibel geronnenen Briefen eines Saulus von Tarsus kein Problem damit gehabt, wenn das Handeln ihres herzlosen Gewaltgottes auf Erden vom Staate möglichst blutig vorweggenommen wird. Die Erklärung der Menschenrechte wurde nicht von Pfaffen und Frommen verfasst, aber sie wird bei der ersten sich bietenden, guten Gelegenheit von Pfaffen und Frommen mit Schwert, Kanone und Folterkammer außer Vollzug gesetzt werden.

Die Gewalt

„Die Gewalt des Gewalttäters“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „lässt dem davon betroffenen, anderen Menschen nur noch drei Möglichkeiten: Dass er sich unter der Gewalt bücke und angstvoll darauf hoffe, dass der Gewalttäter nicht so arg mit ihm verfahren möge; dass er versuche, mit schnellem Fuße vor der Gewalt zu fliehen, um ihrem zerstörerischen Einfluss zu entkommen und andernorts unbedrängter zu leben; und dass er versuche, gegen den Gewalttäter zu kämpfen.“

Was der Vorrübergehende nicht so klar sagte, ist, dass das auch für die Gewalt gilt, die mit dem Worte „Staat“ zusammengefasst wird und die den Menschen als „Staatsgewalt“ gegenübertritt. Und. Diese „Staatsgewalt“ gewöhnt die Menschen von Kind auf ans Bücken.

Der staatliche Ablass

Wie sehr das psychische Material der auf dem Rückzug befindlichen Religion weiterhin zur Festigung der allgemein viel anerkannteren Irrationalität des Staates wirksam ist, verrät sich nicht nur in der formellen Pseudofrömmigkeit aller staatlichen Rituale (bis hin zum in jeder Kaserne praktizierten, absurden, einer Anbetung nahekommenden Kult an farbigen Tüchern, die an Masten hochgezogen werden), sondern auch in der Sprache, die verwendet wird, um das Verhältnis zum Staate zu benennen: Wer seine Steuern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht abführt, wird nicht wie in jeder anderen Situation als ein Betrüger bezeichnet, sondern als ein „Steuersünder“.

Wie passend zu dieser von Politik und Journaille gepflegten gedankenpressenden Sprache, dass da immer wieder gern vom Staate Ablassangebote für „reuige Sünder“ geschaffen werden, wenn sie nur freiwillig „ihr Gewissen erleichtern“. Andere, in der Regel weniger vermögende Menschen können auf vergleichbare Gnade nicht hoffen — denn der neue Gott ist wie der alte Gott ein Gott der Reichen, er ist hart und lässt sich nur durch große Mengen Geldes erweichen.

Das heilige Maschinengewehr

Einem besonders lichtscheuen und verachtenswerten Gesindel gehört Kardinal Joachim Meisner an, der die von Soldaten durchgeführten politischen Morde mit den folgenden Worten für völlig unbedenklich erklärt:

Einem gottlobenden Soldaten kann man guten Gewissens die Verantwortung über Leben und Tod anderer übertragen, weil sie bei ihm gleichsam von der Heiligkeit Gottes abgesegnet sind.

Den Unterschied zwischen dieser für die gröbere Form der politischen Gewalt so nützlichen, aus geweihtem Munde geäußerten hl. Auffassung und dem Reden gewisser islamischer Absegner des Mordens mögen sich bitte die röm.-kath. Theolügner aus ihren Fingern saugen. Für jeden einigermaßen denkenden Menschen ist nach Überwindung des ersten Brechreizes leuchtendhell klar, was von einem Menschen zu halten ist, der den Mord für heilig erklärt, wenn er nur mit einem inneren Halleluja ausgeführt wird. Hier ist die Kontinuität der staatstragenden christlichen Geschichte, bis das Blut nur so aus der Bibel strömt. Ich bin beschämt darüber, dass so ein politisch nützlicher Mordheiliger solche Worte reden kann, ohne dass ihm wenigstens ein paar faule Eier in seine schwuppig anmutenden Klamotten und in seine kalte Fratze fliegen.