Tag Archive: Smartphone


Blasmusik

Wem heute die Freiheit gleichgültig ist, dem wird morgen der Marsch geblasen.

Ohnmacht

Den Mitmenschen mit einem Weltbild, das zurzeit gemeinhin als rechtsradikal beschrieben würde und der ihm die Ohren darüber vollklagte, wie sehr Unternehmen wie Google und Apple mit der Entfernung der Parler-App aus den Appstores in seine Freiheit eingriffen, fragte der Vorübergehende im beinahe flüsterndem Tonfall: „Warum hast du deine Kommunikation von den Web-Diensten börsennotierter Unternehmen ohne seriöses Geschäftsmodell abhängig gemacht; warum hast du deine Kommunikation künstlich zentralisiert, so dass sie leicht abzuschalten ist; warum hast du dir Computer gekauft, auf denen dir das Recht vorenthalten werden sollte, selbst darüber zu bestimmen, welche Software darauf ausgeführt werden soll; …ja, ist es nicht so, dass die Ohnmacht, die du jetzt fühlst, nur das folgerichtige Ergebnis jahrelanger und völlig freiwilliger Selbstentmächtigung und Anderenermächtigung ist, von der du dir vermutlich erhofftest, noch weniger über die von dir verwendete Technik lernen zu müssen; noch viel einfacher lernen zu müssen als ich vor vielen Jahrzehnten, weil du ein Internet hast und nicht erst zur Bibliothek gehen müsstest, wenn du etwas wissen wolltest“? Danach. Hatte der Vorübergehende einen Bekannten weniger.

App

App (fem.): Reklamewort für eine auf einem persönlich genutzten und durch das ganze Leben getragenen Computer laufende Anwendung mit einer für den Anwender unsichtbaren, integrierten trojanischen Überwachungsfunktion.

„Nein, ich mag diese Geräte in ihrer heutigen Darreichungsform nicht“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „aber keine andere technische Errungenschaft hat so stark dazu beigetragen, dass willkürliche und unverhältnismäßige Gewalt durch Polizeibeamte trotz mangelnden Ermittlungsinteresses der Justiz wenigstens doch manchmal Konsequenzen für die Täter hat, wie diese ‚Smartphones‘ mit ihren jederzeit bereiten Kameras und Mikrofonen in nahezu jeder Tasche“.

Dancing with my phone

Als der meist lächelnde Vorübergehende sah, wie jemand in rhythmischer Bewegung auf der Tanzfläche war und dabei sein Telefon streichelte, dachte er sich nur in aller Heiterkeit: Es ist doch schön, dass dieser Mensch seine paar tausend Facebook-„Freunde“ hierher mitgebracht hat, denn so ist es nicht so leer hier.

„Smarte“ Geräte

Die Werber verkaufen es als leichte Lässigkeit, die Hersteller erziehen die Menschen mit ihren Produkten zur leichtfertigen Nachlässigkeit; die große Einfachheit der Bedienung preisen die Werber an, die große Einfalt ihrer Bediener ist es, was sich mit dem Erfolg der funktionslimitierten Dummkonsumtools ausbreitet.

Liebe und Sex im Smartphone-Zeitalter

Man macht erstmal den Warenkorb voll und „liked“ alle Menschen und guckt dann, was bei rauskommt. Am Anfang fand ich das spannend, aber ich habe mich schnell gelangweilt, als ich täglich in den digitalen Menschenmassen fischte. Die Menschen dort werden völlig austauschbar, ja, das ist wie beim Onlineshopping

Nina Wagner

Gefahrene

Das so breitmedial angepriesene und demnächst sicherlich Alltag seiende „selbstfahrende“ oder gar „autonome Auto“ ist nichts weiter als die Kontinuität des Kinderwagens im Leben widerwillig großgewachsener Menschen — und an die Stelle der „Unterhaltung“ durch den Griff nach einem darin angebrachten Gehängsel aus bunten, sinnlosen Figuren, die auch gern mal ein Tönchen von sich geben, wenn sie ergriffen werden, treten nahezu bruchlos die Wischgesten über die Oberflächen der Internetgenussgeräte, um sich während der automatischen Fahrt oder anderer Passivitätsphasen ein bisschen Input in die darbenden Sinne zu geben; ein dürrer kommunikativer fast food gegen den Hunger nach Menschsein. Im Spiegelbild solcher als „Bequemlichkeit“ und „Sicherheit“ verkaufter Technikverwendung zeigt sich der infantile Charakter der Gesellschaft genau so deutlich wie das auf infantilem Niveau zurückgebliebene Denkvermögen.

Das unsichtbare Händi

Technische Vorrichtungen sind in gewisser Weise Vergrößerungsgläser. Sie geben einem Menschen mit seiner beschränkten Lebenszeit und Kraft einen Zuwachs an Möglichkeiten zur Entfaltung und Gestaltung und tragen damit bestimmte Züge der Persönlichkeit ihres Nutzers in die Sicht, ganz ähnlich, wie eine Karikatur gewisse Züge des Menschen überzeichnet. Das Smartphone ist ein Vergrößerungsglas für Kälte, Oberflächlichkeit, Kindischkeit und Dummheit; und bei Menschen, deren Persönlichkeit nicht von Kälte, Oberflächlichkeit, Kindischkeit und Dummheit geprägt ist, bemerkt man es beinahe gar nicht, wenn sie ein Smartphone besitzen.