Tag Archive: Sexualität


Die Substanz der Moral

Der Chrakter der religiösen Moral erklärt sich aus der Substanz, aus der sie entstanden ist. In Jahrzehnten der Unterdrückung sexuellen Fühlens ist nun alten Männern das Sperma in das Gehirn gestiegen und hat sich ihr Adrenalin in Missgunst verwandelt, und so ist ein Denken entstanden. Die behandelten moralischen Fragen haben eine leicht wahrnehmbare Fixierung auf die Genitalien, während andere Bereiche des menschlichen Miteinanders mit großer Lässigkeit betrachtet werden. Von der Unterdrückung der Sexualität bis zur Perversion ist es eine wohlgebahnte, breite Straße, und viele Pfaffen sind es, die auf ihr wandeln.

Die medizinische Behandlung

Im Europa des Neunzehnten Jahrhunderts gingen die meisten gebildeten Menschen und alle Ärzte davon aus, dass es sich bei der Masturbation, der sexuellen Selbstbefriedigung, um eine gefährliche Perversion handele, die letztlich zu schweren körperlichen und nervlichen Krankheiten führe und deshalb mit allen Mitteln unterdrückt werden müsse — und zwar insbesondere bei den Frauen, die ja von Geburt an krank sind, die schon durch ihre organische Beschaffenheit zur Nervosität und Hysterie neigen. (Ein Überrest der damaligen medizinischen Auffassung eines inhärenten weiblichen Krankseins zeigt sich bis heute in der Spezialisierung des Frauenarztes, die nur selten hinterfragt wird.)

Die anfangs des Neunzehnten Jahrhunderts angewendeten Methoden, die sich in Überwachung, kalten Bädern und dem Trinken von speziellen Mineralwässern erschöpften, erwiesen sich jedoch nicht als hinreichend, um diese “Gefahr für die Gesundheit” abzuwehren; die in den Folgejahren häufig angelegten “Keuschheitsgürtel” erreichten das angestrebte Ziel zwar deutlich wirksamer, waren allerdings nicht praxistauglich, da sie auch die Funktion der weiblichen Genitalien als Ausscheidungsorgane behinderten und nicht nur angesichts der Monatsblutung schlichtweg unhygienisch waren. Nicht überliefert ist, wie viele schmerzhafte Entzündungen und ernsthafte Komplikationen auf dem Weg zu dieser naheliegenden medizinischen Einsicht lagen — aber es ist gewiss, dass Ärzte mit diesem Problemkreis konfrontiert wurden und nach “besseren” Wegen zur Unterdrückung der “gefährlichen” selbstbestimmten Sexualität suchten. Es war der englische Arzt Isaac Baker Brown, der auf dem Hintergrund dieses recht künstlichen Problemes dann in der Mitte des Neunzehnten Jahrhunderts eine Lösung fand und ihre Anwendung unter anderen Ärzten propagierte, nämlich die operative Entfernung — also die Amputation — der Klitoris, mit welcher die Neigung zur Masturbation in vielen Fällen endgültig beseitigt werden konnte.

Diese Methode wurde über viele Jahrzehnte hinweg angewendet und während dieses Zeitraumes niemals ernsthaft hinterfragt. Noch im Jahre 1923 schrieb Maria Pütz (ja, das war eine Frau) in ihrer Dissertation*:

In drei mir speziell von Herrn Professor Dr. Cramer gütigst überlassenen Fällen trat nach Entfernung der Clitoris und einer teilweisen oder vollständigen Exzision der kleinen Labien vollständige Heilung ein. Masturbation wurde nicht mehr geübt, und selbst nach einer Beobachtungszeit von mehreren Monaten blieb der Zustand unverändert gut. [……]

Ein zweiter Einwurf der Gegner ist der, dass durch Herabsetzung der Libido auch die Konzeptionsmöglichkeit aufgehoben werde. Auch dieser Einwand ist unberechtigt; denn es steht fest, dass frigide Frauen, die den Coitus nur als Last empfinden und sich keiner sexuellen Befriedigung erfreuen, dennoch konzipieren und gesunde Kinder gebären. [sic!]

Wie selbstverständlich in diesem Zitat einer Frau eine offensichtlich barbarische und gegen die Sexualität von Frauen gerichtete Praxis “wissenschaftlich” gerechtfertigt wird, wie bereitwillig diese Frau dabei eine Reduktion der weiblichen Sexualität auf die Möglichkeit der Empfängnis und Geburt und ein Dasein als Fickloch für den Mann vornimmt und dabei noch die eigene sexuelle Lust für unbeachtlich erklärt, ist ein deutliches Denkmal dafür, wie hoch das Maß der Selbstverleugnung sein kann, mit der Menschen die herrschende Ideologie übernehmen.

Wer allen Ernstes der Meinung ist, dass dieser Irrsinn des Herumschnippelns an den Genitalien heute wenigstens in den “aufgeklärten” Gesellschaften überwunden ist, sollte sich darüber bewusst sein, dass seit den Neunziger Jahren eine andere Operation an den weiblichen Genitalien sehr beliebt geworden ist, die operative Verkleinerung der Schamlippen. Die Beliebtheit dieses Eingriffes steht im Zusammenhang mit der optischen Normierung des weiblichen Körpers durch die immer häufigere Nacktdarstellung in den allgegenwärtigen Medien der Contentindustrie und in der Pornographie. Die dort dargestellten Frauenkörper haben — um dem wollüstigen Blick ja kein Hindernis in den Weg zu legen — durchweg abrasierte Schamhaare. Darüber hinaus wird fotografisches Material für diese Verwendung stark digital nachbearbeitet, um die schon außergewöhnlich schönen Menschen bis an den Rand der körperlichen Unmöglichkeit nach dem Bilde fragwürdiger “Künstler” zu optimieren. Bei einer derartigen Massenstanze des marktwirksamen Minderwertigkeitskomplexes nimmt es nicht wunders, dass sich immer mehr junge Frauen zu einem Chirurgen begeben, um sich mit einigen Operationen an diese sehr künstlichen Vorgaben anpassen zu lassen.

Die gern als “Wissenschaft” verpackte ideologische Rationalisierung hat sich geändert, aber der Wahnsinn ist gleich geblieben: Ein Problem der Gesellschaft wird am Individuum mit einschneidenden Eingriffen “behandelt” — und dies geschieht keineswegs nur an den weiblichen Genitalien.

* Maria Pütz, “Über die Aussichten einer operativen Therapie in gewissen Fällen von Masturbation jugendlicher weiblicher Individuen”, Dissertation, Universität Bonn, 1923

Werbung und Mangel

Frontscheibe eines deutschen Geldspielgerätes (Ballermann 6 von Panther) mit völlig offenkundigem Appell an die Sexualität

Die stumpfe Beharrlichkeit, mit der Werber noch in den fernliegendsten Bereichen versuchen, Vorgänge mit einer aus dem Bereich des Sexuellen stammenden psychischen Energie aufzuladen, sie ist ein Spiegelbild des allgemeinen Mangels einer erfüllenden, befriedigenden, mit Freude betriebenen Sexualität. Und. Die Ausrichtung der Sinne auf diese meist frustrierenden Surrogate ist die Garantie dafür, dass dieser Mangel auch erhalten bleibt. An einem glücklichen Menschen mit genauem Wissen über seine Lüste und Bedürfnisse kann kein Werber Interesse haben, denn einem solchen Menschen kann man nur schwerlich etwas andrehen. Werbung ist eine Tätigkeit zur Erzeugung und zur Erhaltung des Mangels, ist ein Geschäft mit dem manifesten Unglück und darin ein Erbe der Religion.

Die Mutter der Dinge

Denn weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt die zu retten, die daran glaubten.

1. Kor 1, 21, zitiert nach dem 1956er Luthertext

Im Worte “Materie” und seinen Ableitungen wie “Material” schwingt immer noch die lateinische Wurzel mater mit. So wird bis heute in diesem Worte klar, dass die Menschen zu jener Zeit, in denen ihre Weltsicht die Sprache formte, auch für spätere Generationen formte, eine ganz bestimmte Auffassung von den hergestellten Dingen hatten. Der Stoff, aus dem die Dinge bestehen, ist sein mütterlicher Anteil, ist das, was die Dinge erst “geboren” macht, was ihnen Existenz verleiht; umgekehrt wird die Idee und die Vorgehensweise des Künstlers und Handwerkers, der die Dinge formt, als väterlicher Anteil verstanden worden sein — und auch dies hat bis heute seine Spuren darin hinterlassen, dass die Idee des Werkzeuges, das im schöpferischen Prozesse zum Einsatze kommt, seine fühlbar phallische Konnotation hat, die sich immer wieder in der derben Umgangsprache und oft auch in der Lyrik Bahn bricht. Einer Idee oder einem Plan, dem die Möglichkeit fehlt, Materie zu formen, fehlt jedes Sein; solche Ideen dünsteln geisterhaft als Möglichkeiten durch die Wüsteneien des Denkens, ohne Wirklichkeit und damit Wirksamkeit zu entfalten.

Erst lange nach dieser sprachlichen Gestaltwerdung der ursprünglicheren Sicht haben wirre religiöse Menschen und Philosophen damit begonnen, die Materie zu verachten und die geisterhaft dünstelnden Schatten im Traumkino ihres Gehirnes für eine “wirklichere” Wirklichkeit zu halten. Damit zeigten sie nicht nur ihre Verachtung für das Dasein und alles Seiende, sondern sie legten in diesem Wahn die “philosophische” Grundlage für jede kommende Geringschätzung des fröhlichen Lebens und seiner Möglichkeiten. Dass mit dieser geisteskranken Geringschätzung eine bis heute wirkmächtige Verwerfung der Sexualität und Entmenschlichung der Frau einher ging, ist angesichts des neurotischen Hintergrundes dieses Prozesses nicht verwunderlich. Zum großen und anhaltenden Unglück für die gesamte Menschheit kam der Gründer der christlichen Religion, Paulus, (im Gegensatz zu Jesus dem Nazarener) aus einem kulturellen Umfeld, das von diesem wenig erquicklichen Wahnsinn geprägt wurde. Und seine Briefe. Die Bestandteil der Bibel und das Gründungsdokument jener weltweit verbreiteten Religion geworden sind und die von den Anhängern der christlichen Religion als “Gottes Wort” bezeichnet und behandelt werden, sie sind voll von dieser verwerfenswerten Neurose. Der Rest ist Geschichte. Immer noch werdende Geschichte.

Pädophilie

Die besondere, fast die gesamte Gesellschaft erfassende und immer noch breit politisch instrumentalisierte Ächtung, mit der alle Verbrechen auf dem Hintergrund der sexuellen Neigung zur Pädophilie belegt sind, sie ist ein Spiegelbild der allgemeinen Verdrängung der kindlichen Sexualität.

Kinderspiegel

Die außerordentliche und mit großer emotionaler Intensität begleitete Ächtung, die Menschen mit pädophilen Neigungen entgegengebracht wird und die in jüngster Zeit von der classe politique unter dem boulevardträchtigen Schlagwort von der “Kinderpornografie” sogar als Vehikel zur Abschaffung von Bürgerrechten ausgebeutet wird, sie ist nur ein verzerrtes Spiegelbild der gegenwärtigen gesellschaftlichen Entsexualisierung der Kindheit, der mit aller Energie und gegen allen Augenschein aufrecht erhaltenen, kollektiven Verdrängung der kindlichen Sexualität. Wie sehr die eine Perversion die andere hervorbringt, verbleibt als eine Frage, deren Antwort erst kommende Generationen geben können.

Kreuz-Weise? Kreuzweise!

Mensch Jesus, bleib oben,
Sonst schlagn die dich tot!

Bettina Wegener

Jesus aus Nazaret starb nicht am Galgen auf Golgata.

Er starb und stirbt Tausende und Tausende der Tode. (Und gar mancher dieser Tode ist schlimmer und grausamer als das barbarische römische Justizmorden.)

Er — der übrigens nur wenig von formeller Religion gehalten haben soll — starb das erste Mal, als Saulus auf dem Wege nach Damaskus seine historisch gewordenen Hirnblitze ( Apg. 9 ) sah und darin einen nützlichen Leichnam für seinen gekränkten Narzissmus halluzinierte und aus diesem Kadaver eine Religion zimmerte.

Er — der übrigens niemals selbst auch nur einzige Zeile niedergeschrieben hat, die sich bis heute erhalten hätte und der deshalb offenbar nichts von einer auf ihn basierenden Schriftreligion hielt — starb bei allen gläubigen Empfängern der Briefe, die dieser Saulus lieber unter seinem neuen Namen Paulus verfasst hat, um der Welt zu erzählen, dass seine Halluzination der neue und einzige Gott für alle sei. Dass dieser sich Paulus nennende Saulus einer jüdischen Sekte angehörte, deren bis zur Neurose perfektionistische Form der Religionsausübung von Jesus immer wieder in ätzender Form kritisiert wurde, ist offenbar niemandem aufgefallen, und es schert sich bis heute keiner darum. Schon Paulus hat sich einen Dreck für die wirkliche Person hinter diesem Jesus interessiert und fand seine eigenen Trugbilder viel attraktiver — und genau so geht es bis heute den Judasfreunden, die diesen ganzen Unfug glauben und die sich Christen nennen.

Er — der einmal gesagt haben soll: “Ich lebe, und ihr sollt auch leben” — starb, als die paulusgläubigen römischen Sklaven singend und schafdoof in den Tod gingen und damit das System der Sklaverei erhielten. Ganz so. Wie es Paulus gefiel, damit er auch weiter Gefallen an seinem Sklaven hat. Er stirbt bis heute, wenn Christen in einem bekannten Danklied den Satz “Danke für meine Arbeitsstelle” singen und damit die heutige Form der abstrakten Arbeit heilig sprechen, den Armen zur Knechtschaft und den Besitzenden zum sprudelnden Reichtum und zum Wohlgefallen.

Er — nach Aussagen seiner frommen Gegner ein “Fresser und Weinsäufer und Freund aller Sünder” — starb, als Menschen ihre Sexualität von sich abspalteten und sich deshalb psychisch und körperlich selbst zerfleischten. Bis heute stirbt er in jeder Neurose, in jeder Bulimie, in jeder Unfähigkeit zur Liebe. Und. Alle diese Krankheiten sind nur moderne Bastardkinder der älteren Krankheit der Askese, der sinnlichen Selbsttötung als Lebensentwurf.

Er — der auf die formelle Anrede eines Fragestellers einmal erwidert haben soll, dass er nicht “gut” genannt sein möchte, weil niemand als Gott allein gut sei — starb, als die Gläubigen des Paulus ein paar Jahrhunderte später erbost darüber stritten, ob ihr Jesus nun wesensähnlich oder wesensgleich zu Gott sei. Und. Als die Vertreter der letzteren Auffassung, die aus diesem Streit als Sieger hervorgingen, die Vertreter der ersteren Auffassung zu gottlosen Menschen erklärten, die für ewig in der Hölle zu brutzeln haben. Und. Genau So. Gilt es bis heute.

Er — der überliefert wurde als einer, der jede Form der Herrschaft durch Menschen über Menschen nicht für den Willen Gottes hielt — starb, als der heilige Hirnfurz des Paulus unter dem römischen Kaiser Konstantin zur neuen Staatsreligion des imperium romanum wurde. Als. Der von Paulus deformierte Jesus die staatliche Gewalt heiligen musste, so mörderisch sie auch wütete. Das tut dieser Jesus bis heute von seinem heiligen Galgen herab, dieser nützliche Kadaver der Herrschenden und Besitzenden und Großmörder aller Zeiten.

Er — der von der frommen Elite seiner Zeit gesagt haben soll, dass sie sich vor die Türe stelle, die in ein besseres Leben führt; dass sie dort selbst nicht hindurchgingen, aber auch niemanden anders hindurchließen — starb und stirbt am Petersplatz, wo sich ein Hurenbock nach dem anderen hinstellte und sich als “Heiliger Vater” anreden und als Stellvertreter Gottes betrachten ließ und lässt, ja, bis heute so anreden und betrachten lässt. Auch. Von den staatlichen und wirtschaftlichen Verdummungsanstalten in Form des Rundfunks und der Presse.

Er — der überliefert wird als einer, der gleich einem durchgeknallten, auf einem Trip hängengebliebenem Hippie jede Form der Gewalt in jeder Situation abgelehnt haben soll — starb und stirbt, wenn sich seine selbsternannten Verwalter gestikulierend vor die Waffen stellen und in “seinem” Namen ihre Zaubersprüche abmurmeln, damit diese Waffen auch ja ein gesegnetes Morden für die Wahrung der Besitzstände der Herrschenden und Besitzenden vollbringen. Er stirbt auch im “geistlichen Beistand” für die Soldaten, damit diese auch ja ein billiges und williges Kanonenfutter abgeben.

Er — der angeblich in den formellen Gottesdiensten seiner Zeit so viel Heuchelei erblickte und dies in derart trefflicher Form zum Ausdruck brachte, dass man ihn schließlich deswegen umbrachte — starb und stirbt auf den Schlachtfeldern der vielen vielen “heiligen” Kriege in “seinem” Namen, vom ersten Kreuzzug, über den Tag, an dem der Katholik Adolf Hitler die Worte “Wir werden in diesen Krieg ziehen wie in einen Gottesdienst” aus den Volksempfängern schallen ließ, bis hin zu den jüngsten crusades US-amerikanischer Präsidenten.

Er — der berichtet wird als einer, der in Bezug auf eine Ehebrecherin einmal die recht anzüglichen Worte “Ihr wird viel vergeben, denn sie hat viel geliebt” gesprochen haben soll — stirbt in jeder mit der politischen Macht der heutigen Paulusjünger, Galgenanbeter und Judasfreunde verhinderten Empfängnisverhütung oder Abtreibung, bei der ein Mensch draufgeht, lebenslang als Krüppel leidet oder — noch viel schlimmer — als unerwünschter Mensch (oft gar als Ergebnis einer Vergewaltigung) psychisch so deformiert wird, dass von einem Leben keine Rede mehr sein kann.

Er — der so viel von der Liebe erzählt haben soll — stirbt in jedem Entwurf einer kalten, körperlosen Form des Miteinanders, auf welchem die Gläubigen des Paulus den Stempel “Liebe” geprägt haben sollen, bis hin zum heutigen Geschäft mit der von unterbezahlten Elendsarbeitern ausgeübten “Pflege”, bei dem vor kirchennahe Organisationen ihren Schnitt machen. Und. Er stirbt in der Betrachtung des Geschlechtsverkehrs als “eheliche Pflicht”, die man zu erfüllen hat, fast so, wie den “Dienst am Vaterland”.

Er — von dem die unbekannten antiken Autoren einen ganzen Stammbaum seines Vaters Josef überliefert haben — stirbt an der psychischen Kastration, die sich im Gefasel von der “unbefleckten Empfängnis Mariens” Bahn brach und bricht und darauf basierend einen Verzicht auf jeglichen Sexualgenuss fordert. Vieles von der Kälte in den heutigen Gesellschaften ist eine Spätfolge dieser christlichen Sexualverdammung und sich über Jahrhunderte erstreckenden religiösen Verschneidung der Gläubigen. Welchen Zweck. Der Stammbaum dieses Mannes da haben soll, kann einem auch der geschwätzigste Theolügner des Christentums nicht in einleuchtender Weise erläutern. Deshalb redet man in den Lügendiensten auch nicht so viel darüber, sondern fordert lieber die Menschen zur Enthaltsamkeit auf.

Er — der zwar kein Asket gewesen sein soll (vielleicht sogar ein kleines Wämplein hatte, so gut, wie er sich oft irgendwo einlud), aber zu einer allgemeinen Haltung der Sorglosigkeit in Fragen des Essens aufgerufen haben soll — stirbt in der Heiligung des Konsums. Und. Zwar genau so, wie er schon vorher in der so genannten “Eucharistie” starb, dem magischen Essen einer trockenen Hostie, die im faulen Zauber des “Gottesdienstes” als heilbringendes Opfer aus Menschenfleisch gedacht ist. Der Judas, auf dem ihr Christen euren mörderischen Judenhass basieren lasst, der hat ihn “nur” verraten und verkauft, aber ihr Christen esst ihn auch noch auf!

Er — der doch schon so lange tot ist, dass sich niemand sicher sein kann, dass er überhaupt einmal gelebt hat — starb und starb und stirbt und stirbt und wird immerfort gemordet. Und. Alle seine Mörder sind brave Christen, die dem Paulus jedes seiner eiskalten Worte abgekauft haben und sich deshalb einen Scheißdreck für Jesus interessieren. Weil. Sie sich auch sonst einen Scheißdreck für Menschen interessieren, jedenfalls für andere Menschen als sich selbst.

Und. Er — der so viele warme und noch viel mehr wirre Reden gehalten haben soll — kann doch gar nichts dafür, dass Paulus so einen tollen, goldenen Galgengötzen aus ihm geschnitzt hat. Niemand interessiert sich für seine Reden. Wenn sich die Christen für Jesus aus Nazaret interessierten, gäbe es weniger Christen. Die Christen interessieren sich mehr für Paulus, der ihren Narzissmus heiligt, für gutes Essen, dass ihnen alles andere ersetzen muss, für die Abwehr ihrer Angst, die sie in der Religion finden und für ein neues Auto und einen größeren Fernseher — auf wie viel und wessen Blut dieser “Segen” gedeiht, ist ihnen dabei recht gleichgültig. Und. Die Christen interessieren sich brennend für die Unterdrückung jeder Strebung, die ihren primitiven, barbarischen und narzisstischen Interessen zuwider läuft. Deshalb stört sich keine christliche Kirche jemals an einen Krieg oder an diesem brutalen Gemetzel an ganzen Völkern und Kulturen, das mit dem Wort von der “Globalisierung” bezeichnet wird. Sie. Stört sich auch niemals an der Indoktrination der Kinder in staatlichen Schulen und an der Unterdrückung von anders gläubigen Menschen, sondern macht aktiv mit.

Verstehst du, Schwester?

Das ist der Grund, weshalb ich kein Christ sein kann. Ich habe nicht nur die Gewalt des Christentums am eigenen Leibe gespürt, ich habe zu allem Überfluss auch noch die Bibel gelesen. Ich müsste mich selbst belügen, um Christ zu sein. Und? Wie soll ich das anstellen? Ich glaube diesem Paulus und allen seinen Nachfolgern nicht ein einziges, den Menschen mit heftig knallender Angstpeitsche eingepeitschtes Wort.

Das verstehst du nicht, Schwester?

Deine Dummheit, Schwester, ist selbstverschuldet. Habe den Mut, vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer zu werden, und du wirst ganz schnell verstehen, warum unter den vielen tausend Dankgebeten der christlichen Religion nicht einmal ein Dank für den Verstand des Menschen hörbar wird. Der Verstand muss in der Religion des Paulus und des Judas unterdrückt werden, denn er nimmt dieser psychischen Fessel ihre Kraft.

Wenn du bei deiner Dummheit bleibst, überrascht mich das nicht. Du reihst dich in eine lange Reihe von dummen Menschen durch die Zeiten ein und glaubst dabei den Beistand eines Jesus zu haben, der gesagt haben soll: “Der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sinds, die auf ihm gehen. Aber der Weg ins Leben ist eng, und nur wenige gehen darauf.”

Wenn du mich nicht verstehst, wenn du mich als einen Ungläubigen, Gottlosen, vom Teufel Besessenen ansiehst, denn reihst du dich in diese lange lange Reihe durch die Zeiten ein. Und längs dieser Reihe stehen die rauchenden Scheiterhaufen und die von Raben umflatterten Galgen und die mit Schmerz umflochtenen Räder und die Folterkammern und die Bordelle des Vatikans und legen ein zum Himmel schreiendes Zeugnis von den Zeiten ab, in denen die christliche Religion Grundlage der Gesellschaft war. Der Gott, an den du glaubst, der Gott, für den Zeit keine Bedeutung hat, wird die Geschichte genau so sehen — und deine Position darin. Und das. Ist der Platz den du selbst im Geschehen einnimmst, meine stinkende Schwester. Augen und Ohren und einen Kopf hast du: Zu den Risiken und Nebenwirkungen deiner Haltung schlage ein beliebiges Geschichtsbuch auf, und zu Jesus aus Nazaret schlage deine Bibel auf und vergiss mal für eine Woche den Paulus!

Und wenn du denn immer noch nicht verstehst, meine kindische Schwester, denn ist das dein Problem. Ich bin dafür nicht zuständig, lass mich bitte damit in Ruhe. Und wenn du es irgendwann, wenn die Barbarei sich wieder ausbreitet, zu meinem Problem machen willst und mich in meiner Andersgläubigkeit — es gibt keinen Menschen, der ungläubig wäre — bedrängst und verfolgst, denn wisse, dass ich dir nicht eine andere Backe hinhalten werde, sondern für das Recht auf mein verdammtes, von Geistarmen wie dir ständig angeknabbertes Dasein einstehen werde. Wenn es wirklich sein muss, auch in einem Kampf auf Leben und Tod. Jesusse, die wie ein blökendes Schaf freiwillig zum Metzger trotten, hatte diese ganze Geschichte schon genug. Die halten sich alle für so weise durch das Kreuz, aber sie können mich mal kreuzweise.

Und jetzt geh, Schwester! Du hast noch etwas zu lesen…

Wer sich hier angesprochen fühlt, ist gemeint. Wer männlichen Geschlechtes ist, lese einfach Bruder. Wer kopfschüttelnd und voller Unverständnis diesen langen Text gelesen hat, verzeihe mir bitte, aber nach diesem Gespräch mit einer christlichen Fundamentalistin musste es einfach raus, mir wäre sonst die Gallenblase explodiert — deshalb ist vieles auch ein bisschen roh formuliert.

Sex und Tod

Es scheint mir, als gäbe es eine positive Korellation zwischen dem Maß der Todesverdrängung in einer Gesellschaft und dem Maß der sexuellen Repression in dieser Gesellschaft. Und dort. Wo die beängstigende Wirklichkeit des Todes, die alles — und damit auch alle Lust — zur vorübergehenden Erscheinung stempelt, am stärksten abgewehrt wird, indem die gesellschaftsprägende Religion dem infantilen Narzissmus das Futter eines ewigen Lebens in gotthafter Vollkommeheit nach dem so zur Seite gedrängten Tod verspricht, trägt diese Repression Züge einer offenen Feindschaft, die ihren Anspruch bis in die hinterste Nische der Privatheit durchzusetzen trachtet, auch mit dem Schwert des Gesetzes durchzusetzen trachtet. Je weniger die Menschen ein Bewusstsein über die sekundenglanzhafte Einmaligkeit ihres Lebens erreichen, desto eher sind sie dazu geneigt, für perverse narzisstische Todeskulte jede Lustmöglichkeit ihres Daseins zu verwerfen — oder, so sie darin zaghaft sind, unter der knallenden Angstpeitsche einer angedrohten Ewigkeit des Leidens diese doch wenigstens einzuschränken. Ja. Es scheint mir so, als würde der Weg zu einer sexuellen Befreiung, die diesen Namen auch verdient und nicht nur ein weniger versteckter Handel mit pornografischen Materialen und eine offenere Instrumentaliserung des Geschlechtstriebes in der Werbung ist, nur zu beschreiten sein, wenn gleichzeitig gegen die Todesverdrängung vorgegangen wird.

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