Tag Archive: Selbstmord


Das Gadget

Der Vorübergehende sagte zu seinem Zeitgenossen, als dieser von der großen Freiheit durch das Internet schwärmte und aufmerksam sein gelegentlich vibrierendes Telefon streichelte: „In der Fabrik, in der sie dein iPhone hergestellt haben, haben sie rund um das Haus Netze gespannt, weil sich dort so viele Menschen aus dem Fenster stürzten, um ihr ekles und aussichtsloses Dasein als Nutzvieh durch einen Freitod zu beenden“.

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Küken

Wenn der Vorübergehende des schönen, sonnigen Feiertages sieht, wie die Enten-, Gänse- und Schwanküken regelmäßig und selbstverständlich ihren Müttern folgen, und wenn er dann, nachdem er seinen Blick vom Wasser löste, sieht, wie die kleinen Menschenküken ebenfalls mit schöner Regelmäßigkeit vor ihren Müttern davonlaufen, dann ahnt er angesichts eines Verhaltens, das unter natürlichen Umständen des sicheren Tod des Kindes zur Folge hätte, was es mit der „Mutterliebe“ auf sich hat. Wie viele ernsthafte, wenn auch kraftlose Versuche des Selbstmordes doch niemals erkannt werden…

Amanda Todd

Die Schule ist eine Zwangsgemeinschaft, die nur durch Gewalt zusammengehalten wird und in der diese Gewalt ihre Wege nimmt. Mehr nicht. Und. Schule ist genau so gewünscht, denn ihr einziger Zweck ist es, aus potenziellen Individueen leicht verwertbare Batterien für den betrieblichen Produktionsprozess zu pressen. Mehr nicht. Der Rest sind verlogene Sonntagsreden von Zeitgenossen, die auch sonst diese Sache mit dem Anstand und der Wahrheit nicht so eng sehen.

Von daher ist Mobbing an der Schule nichts Neues, nichts Unbekanntes, und nichts, was von den Autoren der Milliardärspresse (so genannte „Qualitätsjournalisten“) als ein Faktum von Nachrichtenwert betrachtet wird. Allein ich habe in meiner Schulzeit drei Selbstmordversuche erlebt, von denen zwei gelangen. (Alle drei waren nicht appellativ, der dritte, eine Erschießung durch den Mund, scheiterte daran, dass die Kugel nicht die Schädelknochen zum Gehirn durchdrang.) In der Agenda der gegenwärtigen Contentindustrie bekommt tödlich endendes Mobbing erst dann einen Nachrichten-Wert, wenn es sich mit bekannten Internet-Marken wie Facebook, YouTube oder Google verbindet; wenn die Meldung sich dazu eignet, mit möglichst grellen, bewegenden fotografischen und sprachlichen Bildern so nachgerichtet zu werden, dass sich ein Teil der emotionalen (und damit unvernünftigen) Empörung gegen das Internet richten lässt. Was sich als Journalismus tarnt, ist nur eine andere Larve des Mobbings, und die Leute, die es betreiben, sind so erbärmlich, dass sie sich sogar noch an Toten vergreifen, um die Gehirne der Lebenden zu vergewaltigen.

Damit ein unerträglicher Zustand. Endet.

„Selbstmord“ aus meinem alten Album „Tote Vögel Haben Spaß“ — remastert und mit Bildern der architektonischen Version eines unerträglichen Zustandes unterlegt: Mit Bildern vom Ihme-Zentrum in Hannover-Linden…

Wall Street

Screenshot des Arcade-Spieles Wall Street von Century Electronics, 1982

Im Jahre 1982 brachte die heute vergessene Firma Century Electronics den heute ebenso vergessenen coin op „Wall Street“ auf dem Markt. Es ist ein miserabel programmiertes, völlig zu Recht vergessenes Spiel. Der Spieler, der den Kasten mit einem quarter fütterte, steuerte zu Beginn des Spieles zwei Feuerwehrmänner mit einem Sprungtuch, und er hatte die Aufgabe, damit die vielen Menschen aufzufangen und zum Krankenwagen zu befördern, die aus den Fenstern und von den Dächern der Bankgebäude sprangen — währenddessen lief die Zeit ab, dargestellt durch einen ständig kürzer werdenden Balken, der sinnigerweise nicht etwa mit einem Wort wie Time, sondern als Dow Jones Index bezeichnet war. :mrgreen:

Pazifistischer Selbstmord

Das Königreich des Vaters ist gleich einem Mann, der wollte einen Mächtigen töten. Er zog in seinem Haus das Schwert und durchstach die Mauer, um herauszufinden, ob seine Hand stark genug wäre. Dann tötete er den Mächtigen.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Thomas-Evangelium, Logion 98

Sie sprach mich auf die Gewalt an, nicht auf jene abstrakte, strukturelle Gewalt, die mein Leben formte, sondern auf jenen greifbareren Teil dieser Gewalt, der mich zur unmittelbaren Reaktion nötigte. Und sie nannte mich, trunken des feigen Stolzes, sogar einen Gewalttäter. Und ich konnte dieser worteifrigen Pazifistin für Andere nur sagen, dass ich schon lange keine dritte Wange mehr zum Hinhalten habe, und dass damals schon die zweite Wange zu viel war. So sehr ich den Frieden schätze, ich werde nicht mehr nach Frieden mit jenen Menschen streben, die den Frieden verachten, weil sie in ihrem schlundhaften psychischen Verhungert niemals zufrieden sein können. Solches Streben kommt einem schleichenden Selbstmord gleich, den man vor lauter Feigheit durch die Hände eines Anderen ausüben lässt. Wo es keinen Frieden gibt, da sollte niemand unter Absagen ethikartiger Phrasen so tun, als sei Frieden. Denn. Alles vermeidbare Elend der Menschen beginnt mit dem Selbstbetrug.

Der sich Verabschiedende

Er sagte: „Das bisschen Lust ist doch das ganze Elend des Lebens nicht wert.“

Und. Angesichts der Tatsache, dass „das bisschen Lust“ noch eingeschränkt, vergällt, beschädigt wird, mag man ihm nicht mehr widersprechen.