Das Museum ist ein humanistisches Bastardkind der Kirche, und es transportiert auch die gleiche Verachtung der Möglichkeiten des Lebens in sich. Die in jedem Museum sichtbare Geste des Götzendienstes, mit welcher die Leistungen der Elite einer vergangenen Zeit zur andächtigen Schau und zur Verehrung an die Wand gestellt werden, teils nur aus dem einen Grunde, weil sie eben alt sind, sie ist ein Spiegelbild der Angst vor der Zukunft und der Missachtung der gegenwärtigen Möglichkeiten. Und. Während sich in dieser gesellschaftlich angesehenen Haltung der Blick nach rückwärts windet, hat sich längst die Angst vor der Zukunft, die übrigens immer auch eine Angst vor der Gegenwart und der mit ihr verbundenen Verantwortung ist, in die Seelen der ach so andächtig Blickenden mit ihrem eingeübten Kulturwürdigungsgesicht gesenkt. Jene zweifellos lebenden Genies der Gegenwart, deren feines Fühlen ihnen verbietet, ihren Drang zum Schaffen in der Werbebranche oder einem anderen Zweig der Industriekultur vermarktbar zu machen, fallen unterdessen in das persönliche Elend und die gesellschaftliche Verachtung. Das Museum ist ein Friedhof der Kultur, und die in seinen scheinheiligen Hallen von den Anwesenden abverlangte Geste der Andächtigkeit entspricht der aufgesetzten Würde einer Bestattung. Sie ist auch oft. Genau so. Schamlos verlogen.