Tag Archive: Russland


Umweltheld

Auch für jene, die nicht an einen katastrophalen Klimawandel glauben, stimmt es: Wladimir Putin hat mit seinem Angriffskrieg gegen die Ukraine mehr für die Klimapolitik der Bundesrepublik Deutschland getan als alle Bundesregierungen der letzten zwanzig, dreißig, vierzig Jahre — egal, welche Lügen auf den Wahlplakaten standen, egal welches Blau in ergreifenwollenden Sonntagsreden vom Himmel heruntergelogen wurde und ebenso egal, welche politische Partei man betrachtet.

Entschuldigung nicht erforderlich

Sie brauchen sich hier nicht zu entschuldigen. Vom Staatsfernsehen erwarte ich nichts anderes als einseitige Berichterstattung. Würden sie es ernst meinen, so würden sie sich live vor einem Millionenpublikum entschuldigen

Kommentator „Anton“ zu einem Eintrag im Redaktions-Blog der ARD-Tagesschau [Archivversion

Merkbefreit

„Die SPD ist voller Leute, die immer noch nicht gemerkt haben, dass das Russlandgeschäft vorbei ist und nicht zurückkommt“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „und das geht bis hinauf zum Bundeskanzler, dieser Nachgeburt Schröders“.

Benennung

Auf der einen Seite der Front bezeichnen sie einen Angriffskrieg als „humanitäre Intervention“, und auf der anderen Seite der Front bezeichnen sie Staatsverschuldung als „Sondervermögen“, aber was sie eint, das ist die Lüge und die offene Verachtung und Beschimpfung der Intelligenz der Bevölkerung. Und auf unserer Seite der Front hat die Bevölkerung immer noch denen recht gegeben, die ihre Intelligenz verachten. Das nennen sie „Demokratie“.

Normalisierung

Aus den unmittelbar aufheulenden contentindustriell-journalistischen Alarmsirenen wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine und wegen des seitdem anhaltenden Menschengemetzels in der Ukraine ist längst die vertraute Rubrik „Der Kriegstag im Überblick“ mit seinen Tickern, Infohäppchen, Propagandastücken, Geschichtchen und Belanglosigkeiten im Wie-fühlen-sie-sich-Tonfall geworden, dekoriert mit Reklame und mit Reklame, dem einzigen Geschäft der Contentindustrie. Wir leben in einer schnellen Zeit, denn das ging sehr schnell.

Autokrat

Politiker der Europäischen Union nennen Wladimir Putin einen Autokraten, um klar zu machen, dass er in äußerst fragwürdigen Wahlen von seiner Bevölkerung gewählt wurde, aber sie bemerken dabei nicht eine Sekunde lang, dass Wladimir Putin immer noch gewählter ist als Ursula von der Leyen oder ein beliebiges anderes Mitglied des EU-Hochkommissariats.

Von Ferne am Grabe

Die Reden der Gasherd-Schröder-Seilschaften in der SPD und ihrer geistig-amoralischen Bastardkinder aus den Grünen darüber, dass man mit Russland doch in guter Nachbarschaft leben müsse, sie werden gehalten worden sein, noch bevor der letzte Tote des russischen Krieges in der Ukraine beigesetzt wurde, noch bevor die wehrlose Erde das letzte Grab geschlossen und in Rasen, Blumen und Angehörige verwandelt hat. Es gibt Gas und Öl, Brennstoff zum Verbrennen, nachhaltig natürlich. Sie werden es Normalität nennen, und sie werden den Armen des Landes das Lebensblut absaugen, so wichtige Steuern für das Klima und für die Umwelt. Ja, sie werden es Frieden nennen, Freiheit, Wohlstand und Wachstum, wenn man sie lässt — und zumindest die Journalisten und Talkshowmoralisten werden sie so reden lassen und ihnen breiten, breiten Raum für stinkende Worte aus dem verlogenen Maul gewähren. Sie tun ja schon seit Jahrzehnten nichts anderes mehr.

Moralisch richtig

Politiker, Propagandisten und Journalisten, die mir allen Ernstes angesichts des laufenden Krieges zwischen Russland und Ukraine erklären, dass es jetzt moralisch richtig sei, umweltvernichtendes Frackinggas aus den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika zu kaufen, einem Staat, der für völkerrechtswidrige Angriffskriege, dem Streben nach totaler Überwachung möglichst vieler Menschen und dem jahrzehntelangen Betrieb von Folterlagern im rechtsfreien Raum bekannt ist, obwohl dieses Gas auch noch teuer ist, haben ganz offenbar kein moralisches Problem damit, meine Intelligenz zu beleidigen. Und deine, und deine, und deine.

Demokratie und Autokratie

„Ja, du hast recht, Wladimir Putin ist ein gefährlicher und strikt antidemokratischer Autokraft“, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, „aber Wladimir Putin ist trotz der korrupten russischen Zustände und trotz der teilweise offenen Wahlmanipulationen immer noch gewählter als das Hochkommissariat der Europäischen Union unter der gegenwärtigen Präsidentschaft von Ursula von der Leyen“.

Flagge

„Seltsam“, dachte sich der Vorübergehende im Vorübergehen an den Fahnenmasten, „neulich hingen hier doch noch die Regenbogenflaggen im wehrlosen Wind. Und jetzt sind die Regenbögen verschwunden, nur noch die Farben blau und gelb verblieben, und blutrot natürlich, stets im Kriege gegenwärtiges blutrot“.

Der fünfte März

Знаете, товарищи, что я думаю по этому поводу: я считаю, что совершенно неважно, кто и как будет в партии голосовать; но вот что чрезвычайно важно, это – кто и как будет считать голоса

Stalin

Morgen, am fünften März vor neunundsechzig Jahren, am fünften März des Jahres 1953, starb Josef Wissarionowitsch Stalin — und setzte noch im Verrecken ein Denkmal dafür, dass es den Menschen in Russland nicht gelungen ist, einen verbrecherischen und mörderischen Diktator abzuschütteln, wenn dieser nur verbrecherisch und mörderisch genug gegen die Bevölkerung seines Staats vorging und ansonsten in der alldurchwaltenden Propaganda als „Mann, auf den alle friedliebenden Menschen der Welt blicken und hoffen“ dargestellt wurde. Wer nicht glaubwürdig genug ausdrücken konnte, dass er daran glaubte, starb im Gulag oder durch Genickschuss.

Als Josef Stalin in der Nacht vom ersten auf den zweiten März einen Schlaganfall in seinem Schlafzimmer erlitt, sich deshalb nicht mehr bewegen konnte und auch auf ein Klopfen nicht mehr reagierte, getraute sich am nächsten Tag bis tief in die Nachtstunden hinein keiner seiner Mitarbeiter, das Zimmer einfach zu betreten, um mal nachzuschauen, denn das wäre ein sicheres Todesurteil gewesen, wenn Stalin dieses Eindringen als Anschlagsversuch bewertet hätte. So lag Stalin stundenlang hilflos in der Angst und Einsamkeit, die er selbst im ganzen Land ausgebreitet hat.

Bei der Beisetzung Stalins auf dem Roten Platz war die Anteilnahme der Bevölkerung und der internationalen Anhängerschaft so groß, dass über fünfhundert Menschen im Gedränge zu Tode kamen.

Sein kranker, von Empathie, Selbstreflektion und Einsicht unbelasteter Geist spukt bis heute gruslig durch die Reihen jener Friedens- und Menschenfreunde, die vorgeben, Wohltäter zu sein, die unser aller Leben verbessern wollen [Archivversion]. Wehe den Menschen, wenn diese können, wie sie wollen!

Und wehe den Menschen unter dem Herrschaftsanspruch Wladimir Putins!

Es ist schon faszinierend, zu beobachten, dass angesichts des laufenden Krieges zwischen Russland und Ukraine jetzt BRD-Politiker medienwirksam den desolaten und schon lange nicht zur Staatsverteidigung geeigneten Zustand der Bundeswehr „bemerken“ und fordern, dass man diese Armee doch nicht weiter „unterfinanzieren“ dürfe. Erstens ist nicht einmal ein Wladimir Putin so irre, dass er einen Krieg mit der NATO anfangen würde, und zweitens ist die BRD der Staat mit den siebtgrößten Militärausgaben der Welt. Wenn Korruption alle Strukturen prägt, kann man noch so viel Geld hinterherwerfen, es ändert sich nichts. Außer die Korruption, die wird größer. Aber die nennt der Journalist und der Politiker jetzt „Verschwörungstheorie“.