Tag Archive: Realität


Es gibt keine demokratische Lösung

„Die bloße Idee der Demokratie löst nicht ein einziges Problem in einer Gesellschaft“, sagte der Vorübergehende zu seinem staatsgläubigen Begleiter. „Selbst, wenn sechzig Millionen Menschen etwas Dummes und Falsches für wahr und richtig halten, wird es dadurch nicht wahrer und nicht richtiger, sondern bleibt dumm und falsch. Wahrheit ist keine Frage von Mehrheitsentscheiden, Moden und Moralvorstellungen, sondern folgt aus der Tatsächlichkeit dessen, was ist; ob es uns nun gefällt oder nicht. Das Dumme und Falsche wird auch dann nicht richtiger und schlauer, wenn sechzig Millionen Menschen ihre Wahlentscheidungen daran ausrichten und mit ihrer zur Herrschaft und Gewalt des Dummen und Falschen werdenden politischen Mehrheit ihre dumme und falsche Auffassung einer ganzen Gesellschaft und jedem einzelnen Menschen aufdrücken“. Als sein Begleiter etwas entsetzt guckte, ungefähr so, wie ein wirklich frommer Mensch, der gerade ein fieses lästerliches Wort gehört hat, und als er nach einer Sekunde der Erholung von dieser Zumutung zu einem Widerwort ansetzen wollte, kam ihm der Vorübergehende gekonnt zuvor und setzte fort: „Woher kommt eigentlich deine unhinterzweifelte Gewissheit, dass diese Demokratie nicht selbst dumm und falsch ist und allem Sozialkundeunterricht zum Trotze niemals etwas anderes war. Bislang zeigte es sich ausnahmslos und überall: Wo immer man diese Demokratie auch einführt, spült sie ein dummes, korruptes, menschenverachtendes und gesetzloses Geschmeiß in die Herrschaftsämter, und damit das auch so bleibt, gibt es in demokratischen Gesellschaften monströse mediale Apparate, damit auch stets eine große Mehrheit der Bevölkerung dem Dummen und Falschen verhaftet bleibe; die druckerschwärze-bleiernen journalistischen Säulen der Demokratie, hochgeschätzt von denen, denen sie zum Amt verhelfen, das Schießpulver, mit dem der Geist gemordet wird“.

Einfachheit

Entia non sunt multiplicanda praeter necessitatem.

Wilhelm von Ockham

Das Streben nach Einfachheit in der Erklärung der Erscheinungen des Kosmos* führt nicht zwangsläufig zur Einsicht in die Wirklichkeit des Kosmos. Vielmehr ist dieses Streben der bescheidenen intellektuellen Auffassungsgabe des Menschen, der beschränkten Kapazität seiner Vernunftfähigkeiten geschuldet; es ist darin ein haushalterisches Prinzip unter den Bedingungen beschränkter Ressourcen, das vernünftige und intellektuell nachvollziehbare und damit auch kommunizierbare Einsicht erst ermöglicht. Gewiss mag so manche unter diesem Mangel an Fähigkeit errungene Erklärung eine übermäßige Vereinfachung sein, die jede tiefere Einsicht in die Realität verhindert, und jeder Denkende tut gut daran, diese Möglichkeit zu bedenken. Doch trotz dieser Möglichkeit behält des Streben nach verständlicher Einfachheit und die damit verbundene Sparsamkeit in zusätzlichen, unnötig komplexen oder gar unüberprüfbaren Annahmen über die Beschaffenheit der Realität seinen Wert, liefert es doch unter diesen Bedingungen erst die Möglichkeit einer vernünftigen und intellektuell nachvollziehbaren Einsicht, die erst die Anwendung des cerebralen Apparates auf die Erscheinungen der Welt ermöglicht. Die Alternative zum Prinzip der Einfachheit ist die Unverbindlichkeit nicht nachvollziehbarer, obskurer Welttheorien, die selbst in ihrer Widersprüchlichkeit noch mit gleichem Recht in einem Karneval der Irrationalität nebeneinander stünden; die Verneinung jeder Einsichtsfähigkeit; die verantwortungslose Überantwortung aller Möglichkeiten der Großhirnrinde — mit der es die Menschen übrigens weit gebracht haben — in die Mülltonne der Evolution.

*Schon die Annahme eines „Kosmos“ als Realität ist eine Vereinfachung und als solche fragwürdig. Dieses alte Wort meint eine gesetzmäßige, geordnete Beschaffenheit der Wirklichkeit, das gegenteilige, eben so alte Wort lautet „Chaos“. Nur in einem Kosmos wäre die Annahme erkennbarer Naturgesetze und damit jegliche Möglichkeit irgendeiner Einsicht in die Realität sinnvoll. Doch, um einmal eine extreme Gegenposition zu benennen: Es wäre eben so gut möglich, dass es diesen Kosmos nicht gibt, dass die Wirklichkeit des Alls chaotisch ist, keinerlei Regeln unterliegt und wegen dieser Regellosigkeit jenseits jeder rationalen Einsichtsmöglichkeit liegt; dass aber die von uns wahrgenommenen Strukturen nichts weiter als Artefakte des Prozesses der Wahrnehmung der Wirklichkeit durch einen Menschen mit seinem sinnlichen Befähigungen sind. Die gesamte menschliche Tätigkeit der Wissenschaft wäre denn nur eine Beschäftiung mit einem in der Wahrnehmung aufscheinenden Spiegelbild der Psychologie, ein weiterer Blick des selbstverknallten Narziß in sein verzerrtes Abbild auf den trüben Wellen des Tümpels, in dem er zu ersaufen verdammt ist. Angesichts des heute leicht erkennbaren, rein psychologisch verwurzelten Charakters historisch älterer, auf Mythologie basierender Erkenntnismodelle ist eine Haltung, die diese Möglichkeit arrogant vom Tische wischt, dumm. Zumal. Es zwischen diesen beiden extremen Standpunkten, die Wirklichkeit sei ein Kosmos oder aber sie sei ein Chaos, auch ein Kontinuum vorstellbarer und unvorstellbarerer Mischungen und Abstufungen gibt. Ich muss eingestehen, dass mir als Skeptiker gegenüber allen Hervorbringungen des menschlichen Narzissmus dieser Gedanke gut schmeckt und dass ich allein deshalb darauf achte, dass diese Anmerkung auch länger werde als der eigentliche Text; gehe ich doch in meinem eigenen Streben nach Einfachheit davon aus, dass der Mensch in seiner Besonderheit und damit in seiner Menschlichkeit nichts weiter ist als jenes schwer verständliche, komplexe Systemverhalten, das man in Ermangelung eines wirklichen Verständnisses mit dem Wort „Psyche“ zusammenfasst, um es dann meist als etwas Unerhebliches, als „Nur-Psychisches“ abzutun und zu verachten, während ein viel zu hoch angesehener und viel zu wenig ernsthaft hinterfragter Betrieb eine Tautologie nach der anderen als so genanntes „Wissen“ hervorbringt und darin längst schon den größten Teil der Menschheit abgehängt hat.

Für DonRalfo 😉

Die furchtlosen Heuchler

Das 5. Kapitel (Apostelgeschichte) Ein Mann aber mit Namen Ananias samt seiner Frau Saphira verkaufte einen Acker und entwendete etwas vom Gelde mit Wissen seiner Frau und brachte einen Teil und legte es zu der Apostel Füßen. Petrus aber sprach: Ananias, warum hat der Satan dein Herz erfüllt, daß du den heiligen Geist belögest und entwendetest etwas vom Gelde des Ackers? Hättest du ihn doch wohl mögen behalten, da du ihn hattest; und da er verkauft war, war es auch in deiner Gewalt. Warum hast du dir solches in deinem Herzen vorgenommen? Du hast nicht Menschen, sondern Gott belogen. Ala Ananias aber diese Worte hörte, fiel er nieder und gab den Geist auf. Und es kam eine große Furcht über alle, die dies hörten.

Man merkt es den großen christlichen Kirchen in der BR Deutschland an, dass da schon lange keine „große Furcht“ mehr ist, dass sie genau wissen, dass „ihr“ Gott nicht mehr auf Heuchelei und Lüge reagiert, indem er die Heuchler und Lügner einfach vor versammelter Gemeinde bloßstellt und effektvoll mordet. Dies mag widerspiegeln, dass diese Kirchen sich längst den Satan zum Gotte erkoren haben, oder doch wenigstens seinen glitzergüldnen Bastardsohn, den Mammon.

Die nützliche und kleinhaltende Todesangst vor Gott ist für die Anderen, nicht für die kirchlichen Heuchler und ihr Geschäft.

Wenn der Vorübergehende sein schattenhaft dünstelndes Dasein durch die dröhnvolle Stadt schleppt, muss er an vielen Schaufenstern vorübergehen, in denen sich kirchliche und kirchennahe Organisationen mit Hilfe der Schergen Satans, der bildbunten Brut der Werber, zur Schau stellen. In diesen zur Schau stellenden Fenstern warmgetünchter Hochglanz von glücklichen Alten und Kranken, fotografiert durch den Lächelfilter der Reklamelüge, und zu diesen Bildern kurze, hehre Wortfetzen von Pflege und Geborgenheit, zu stanzen einen Eindruck von sozialem Engagement im Kopfe der weniger Bewussten.

Niemand soll sich darüber verwundern, dass es diese Läden erst gibt, seit die so genannte „Pflegeversicherung“ aus solchem Tun einen guten deal gemacht hat. Nein! Engagiert und „sozial“ soll es aussehen, was da getrieben wird, wie ein Akt selbstloser Liebe.

Das sieht der Vorübergehende und spürt den unwiderstehlichen Reiz und würde sich zur Erleichterung zu gern erbrechen, wenn er doch nur etwas im Magen hätte. Denn er kennt die andere Seite, die nicht so glänzt, er weiß aus persönlichen Gesprächen von flugs angelernten Menschen, die sich in erzwungener, staatlicher Hartz-IV-Elendsarbeit für einen Nichtlohn in der so genannten „Pflege“ verschleißen müssen, damit auch ja der Profit stimme, er hat die ausgebildeten Schwestern kennengelernt, die einen befristeten Vertrag als Hilfsschwester nach dem anderen kriegen, immer mit dem mündlich gegebenen Versprechen einer anschließenden Übernahme in einer festen Anstellung und so knebelnd gehalten, dass sie sich noch krank zur unterbezahlten Maloche schleppen müssen, um ja nicht kurzfristig gekündigt zu werden und vor dem völligen persönlichen Nichts zu stehen. Er weiß von ständiger Verfügbarkeit, Einsparungen am Personal, selbstverständlich erwarteten, unbezahlten Überstunden und der völligen Unmöglichkeit einer persönlichen Lebensplanung im Zustand der totalen Ausbeutung und der täglichen, telefonischen Abrufbarket, die selbst noch im „Urlaub“ erwartet wird. Er hat mit diesen vom christlichen Pflegemoloch zu Material gemachten Menschen zu viele Tränen geweint, um angesichts des Zynismus und der werbenden Kälte dieses lichtscheuen Gesindels keinen Ekel zu empfinden. Und. Er ist sich sicher, dass auch die „Pflegefälle“ wie Material behandelt werden, weil es in diesem ganzen, asozialen Treiben der Kirchen und ihrer Geschäftsstellen nur auf eines ankommt: Auf den Reibach.

Und dies alles wissend findet der Vorübergehende es schon manchmal sehr schade, dass die zynischen, geldgeilen, pfäffischen Heuchler ohne jeglichen Respekt vor den missbrauchten Menschen nicht einfach wie in gewissen biblischen Berichten tot umkippen.

 

Quelle des Scans: Die Bibel, Apostelgeschichte, 5. Kapitel, Verse 1 bis 5, revidierte Luther-Übersetzung von 1956. Sorry für den heute schwer lesbaren Fraktursatz, aber ich habe gerade keine andere Bibel zur Hand — zudem zeigt dieses Schriftbild trefflich, wie obsolet dieses Buch im institutionalisierten Christentum wirklich ist. Mit Gruß an I. und C.

Richtung und Garheit (24)

Bestechung ist wie ein Zauberstein dem, der sie gibt; wohin er sich kehrt, hat er Glück.

Die Bibel, Spr. 17, 8

Zahl — Eine Zahl bildet vielleicht keinen Aspekt der Realität ab, aber sicher eine Eigenart der menschlichen Wahrnehmung dieser Realität. Beim Wahrnehmen ist der Mensch dazu imstande, beliebige Entitäten zu abstrakten Klassen anzuordnen; diese innere Gehirntätigkeit wird dann — wie bei jeder anderen Wahrnehmung auch — als äußere Wahrheit empfunden. In diesem speziellen Prozess der Wahrnehmung tritt eine neue Erscheinung auf, die sich darin äußert, dass die wahrgenommenen Klassen identische Anzahlen von Elementen enthalten können. Sechs Tassen Kaffee, sechs Bücher und sechs ehemalige Freundinnen haben nichts gemeinsam, außer der Gleichzahl von Elementen in den jeweils wahrgenommenen Klassen. Diese „Sechsigkeit“ der betrachteten Klassen wird im abstrakten Zahlwort Sechs zusammengefasst, gedacht, behandelt; und alles, was diese in Klassen zusammengefassten Entitäten auszeichnet, versinkt im Sumpf des hirngeborenen Begriffes. Die Mathematik, eine strikt deduktive Wissenschaft, die von vielen Menschen als Inbegriff der objektiven Klarheit und Wahrheit erachtet wird, ist nichts weiter als eine dumpfe Hirnsucht, die im günstigen Fall Aufschluss über die evolutionär gewachsene Abbildung der Realität im menschlichen Gehirn zu geben vermag. Dass Menschen ihre Hirnsüchte mit der Realität verwechseln, ist allerdings keine neue Erscheinung der menschlichen Geschichte.

Fünfzehn — Das klassische hebräische Schriftsystem kannte keine Trennung zwischen Buchstaben und Zahlzeichen, jedes Lautzeichen der Schrift konnte auch als Zahl verwendet werden. In der Zeit, in der dieses System entstand, gab es keinen Bedarf an großen Zahlen, es verfügt daher nicht über ein Stellenwertsystem wie die heute international (auch im Neuhebräischen) gebräuchlichen arabischen Ziffern. Stattdessen gab es eine Gruppe von Zeichen für die Einer, eine weitere für die Zehner und eine dritte für die Hunderter. Zwar gab es mit dieser Doppeldeutigkeit der Schrift immer wieder einmal Spielereien, aber im Alltagsgebrauch wurden die Zahlen sehr regelmäßig ausgedrückt, um Missverständnisse zu vermeiden. In diesem regelmäßigen Gebrauch gab es nur eine Ausnahme, und diese betraf die Zahl Fünfzehn. Um diesen Zahlwert zu notieren, wurde nicht Jod (10) und He (5) geschrieben, sondern Waw (6) und Teth (9) — denn die Buchstaben Jod und He sind eine Kurzform des alten Gottesnamens, der seit mindestens zwei Jahrtausenden so tabuisiert ist, dass sein Gebrauch gemieden wird. So kann in einer von Religion geprägten Gesellschaft auch fern jedes religiösen Kontextes die Vernunft auf der Strecke bleiben.

Vier — Auch die Römer haben Zahlen mit Buchstaben ihres Alfabetes notiert, und auch sie gingen dabei recht regelmäßig vor. Allerdings. Kannten auch sie eine Ausnahme in ihrer ansonsten völlig regelmäßigen Schreibweise. Die Zahl Vier wurde nicht gemäß der allgemeinen Regel als „IV“, sondern als „IIII“ geschrieben. Der Hintergrund dieser Ausnahme ist, dass IV die gängige Abkürzung des römischen Hauptgottes Jupiter (lat. Iove) war, und dass man deshalb die Verwendung dieser beiden Buchstaben zur Niederschrift einer Zahl als eine Form der Gotteslästerung ansah. Auf jedem mit römischen Zahlen beschrifteten Ziffernblatt einer modernen Uhr — ja, selbst auf einem solchen Ziffernblatt an einem christlichen Kirchturm, wo so etwas recht häufig zu sehen ist — legt die Schreibung der vierten Stunde als „IIII“ ein Zeugnis davon ab, dass inmitten aller Modernität die alten Götzen unverändert auf ihrem Thron sitzen und ihre mit Aberglauben überfütterte Macht gern auf die Mächtigen unter den Menschen übertragen.

Die Zahllosen — So selbstverständlich uns die Fähigkeit zum Zählen vorkommt, sie ist nicht angeboren oder natürlich, nicht einmal für kleine Anzahlen. Es gibt (in unserer Zivilisation als „primitiv“ bezeichnete) menschliche Kulturen, in deren Sprache es nur drei „Zahlwörter“ gibt, die als „eins“, „zwei“ und „viele“ übertragen werden könnten. Eine fröhliche Sorglosigkeit spiegelt sich in dieser sprachlichen Erscheinung, ganz so, als gäbe es im Miteinander dieser Menschen nur drei Zustände der Verfügbarkeit von Dingen, nämlich „ich habe noch eines“, „ich habe zwei davon und kann dir eines abgeben“ und „kein Problem, es ist genug da“. Wie könnte unsere Zivilisation doch profitieren, wenn dieser Teil der „Primitivität“ sich in ihr ausbreitete!

Triskaidekaphobie — Wer es erstaunlich findet, dass in Deutschland Menschen in irrationale Befürchtungen versinken, nur weil auf dem gerade vordersten Kalenderblatt als Wochentag ein „Freitag“ und als Tageszählung ein Dreizehnter zu lesen ist, der sollte daran denken, dass der Aberglaube noch wesentlich absurder möglich ist. In den USA haben viele Häuser „offiziell“ kein 13. Stockwerk, die Zählung geht von der 12 direkt zur 14. Die Tatsache, dass sich die abergläubische Angst nicht auf die 14. Etage verlagert, welche ja in Wirklichkeit die 13. ist, zeigt die kurzsichtige und deshalb uneinsichtige Idiotie des Aberglaubens. Aber bislang ist bei niemandem die Idiotie so weit gegangen, dass er ein dreizehntes Monatsgehalt abgelehnt hätte. Und. Das zeigt den Glauben, der auf der anderen Seite des Aberglaubens steht und der ebenfalls ein Glaube in Zahlen ist.

Sieben — Von den sieben „Weltwundern“ der Antike ist nur noch eines erhalten, und dieses sind die großen Pyramiden in der Nekropole zu Gizeh. An diesen monströsen Todmalen ist vieles beeindruckend, am meisten aber sicherlich die Tatsache, dass sie auch nach so vielen Jahrtausenden so gut erhalten sind, während jüngere Pyramiden der ägyptischen Herrscher viel stärker vom Zerfall betroffen sind. Der Grund für die gute Erhaltung der großen Pyramiden ist, dass daran offenbar hoch motivierte Menschen sehr sorgfältig und präzise gearbeitet haben, während spätere Bauwerke des antiken Ägypten mit Sklavenarbeit errichtet wurden und deshalb eine gewisse Schlampigkeit in der Ausführung aufweisen. Dies kann auf dem Hintergrund betrachtet werden, dass der ägyptische Staat in der Vierten Dynastie kein Geldsystem kannte, und dass deshalb die Abgaben an das Staatswesen (und damit an die herrschenden Priester und den Pharao) in Form von Naturalien und in Form von Arbeitsleistung zu erfolgen hatten. Offenbar führte der „Mangel“ eines abstrakten Zahlungs- und Tauschmittels bei vielen in diesem Staat lebenden Menschen zu einer intrinsischen Motivation, in ihrem Tun Qualität hervorzubringen, und diese Qualität hält dem Zahn der Zeit gut stand, bis auf dem heutigen Tag. Kaum gab es jedoch in Ägypten eine Form des Geldes (Edelmetall als Tauschmittel), kaum verlagerte sich der Wertbegriff auf dieses Abstraktum, schon waren die staatlichen Prunkbauten von jener Schäbigkeit der Ausführung geprägt, wie sie von Sklaven und gedungenen Arbeitern hervorgebracht wird. Und zwar. Bis auf den heutigen Tag. Einzig das Ausmaß der Schäbigkeit der produzierten Güter ist im Laufe der Jahrtausende immer mehr gewachsen — und zwar mit zunehmender Abstraktheit des einzig als Wert erachteten Geldes.

Existenz — Der Kosmos existierte, bevor er von messenden und zählenden Menschen wahrgenommen wurde, und er wird sich auch trefflich zu behelfen wissen, wenn sich kein messender und zählender Mensch mehr mit der Abbildung des Kosmos in seinem Hirne beschäftigt. Das Wort „Wahrnehmung“ deutet schon in seiner sprachlichen Form an, dass bestimmte Aspekte aus der Realität genommen und in dieser Form für wahr gehalten werden, während andere Aspekte der Realität für die konstruierte Wahrheit verworfen werden. Diese Abbildung im menschlichen Individuum hat nichts mit der Einsheit des Kosmos zu tun, sie ist in Wirklichkeit eine „Wahnnehmung“, jenseits derer es gut möglich ist, dass in der Realität nichts außer der Einsheit des Kosmos existiert. Und zwar ist diese „Wahnnehmung“ eine. Der kein Mensch entkommen kann. Es wäre gut, wenn dies jedem Menschen in jedem Moment seines Seins bewusst wäre.

Was einen nicht kaputt macht…

Die von früh auf Zerbrochenen im Lande Barbarien erhalten ihren Narzissmus und heiligen ihren Zerbruch und die von ihnen selbst geforderte Lebensfeindlichkeit gern mit dem blinden Wort: „Was einen nicht kaputt macht, macht einen nur härter“. Keine Aussage könnte falscher sein. Die zivilisationskranke Schädlichkeit, die einen Menschen nicht kaputt macht, schadet ihm nur; raubt ihm nur Kraft fürs und Willen zum selbstbestimmten Leben; macht ihn nur stumpf gegen sich selbst und gegen andere; macht ihn nur immer weicher und formbarer für jene, die ihre Vorteile davon haben, wenn Menschen vor lauter Angst und Schmerzvermeidung nicht mehr wissen, dass sie handeln können. Wer mit solcher Blindrede die Härte einfordert, belegt damit nur, dass er schon längst mit der stets eingeforderten Härte zerbrochen wurde.

So sieht es derzeit aus…

…wenn man www.wikileaks.de in die Adresszeile seines Browsers eingibt:

wikileaks.de ist gesperrt - TRANSIT-Informationsseite - Die aufgerufene Domain ist derzeit nicht erreichbar

So wird es in Zukunft auch an vielen anderen Stellen aussehen, wenn unliebsame Informationen in der BR Deutschland unterdrückt werden. Wahrscheinlich wird an einer geeigneteren Platzhalterseite für zensierte Inhalte noch gearbeitet. Die Great Firewalll of Germany ist eröffnet. Und nein, dies liegt nicht in der Absicht der Betreiber von wikileaks.de, die wurden nicht einmal informiert. [via]

Nachtrag: Es scheint mit „rechten Dingen“ zugegangen zu sein, aber dennoch schnell zur Nachbehandlung des Themas bei Fefe.