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Was ich zu gern einmal wüsste…

Was ich zu gern einmal wüsste? Ich wüsste gern, wie die werte Frau Gender in ihren schmücksamen pseudowissenschaftlichen Universitätswürden mit der grellen, sirrenden Dissonanz in ihrem Hirnkästchen klarkommt, wenn sie das Geschlecht eines Menschen für eine soziale Konstruktion hält, aber gleichzeitig die Auffassung vertritt, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen angeboren und damit unveränderlich sei. Für solch selektive Blindheit der Synapsen brauchen andere Menschen mindestens ein Jahrzehnt hingebungsvoller religiöser Praxis.

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Grenzwissenschaft

PhrenologieGrenzwissenschaft (Asubstantiv, die) — Als G. werden Bestrebungen bezeichnet, die sich am Rande der Wissenschaft befinden. Zwischen Wissenschaftlern sowie denkenden Menschen und so genannten Grenzwissenschaftlern besteht allerdings eine gewisse und bei näherer Betrachtung recht leicht verständliche Uneinigkeit darüber, auf welcher Seite des Randes sich eine G. befindet. Bereiche, die als G. betrachtet werden, zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Anhänger gern eine wissenschaftlich klingende Sprache und einen wirrseligen Wust von eigens ersonnenen Fachausdrücken verwenden, um in solcher sprachlicher Mimikry den Mangel an gesicherter Erkenntnis, das Fehlen jeglicher Vorhersagekraft, das weit gehende Scheitern von Vorhersageversuchen und den zum Ausgleich vorhandenen Reichtum an bullshit zu verbergen, wie es sich leicht bei Betrachtung der so genannten „Ufologie“, der so genannten „Alternativmedizin“ oder in den so genannten „Wirtschaftswissenschaften“ zeigt. Dieser armselige Trick funktioniert dermaßen gut, dass wenigstens die Anhänger eine G. regelmäßig darauf hereinfallen und aus ihren nur dürftig von gesicherten Fakten gestützten Postulaten weit reichende gesellschaftliche Forderungen ableiten, deren Nichterfüllung gern als Folge großer Verschwörungen (beliebte Hinwegerklärung in der „Ufologie“) oder eine Auswirkung des Kommunismus (beliebte Hinwegerklärung in der „Wirtschaftswissenschaft“) betrachtet wird — letzteres selbst noch innerhalb von Gesellschaften, in denen Kommunisten und Anhänger verwandter politischer Ideologien bedrängt, kriminalisiert und verfolgt werden. Wache Menschen erklären sich das Wort von der Grenzwissenschaft so, dass in diesen Bestrebungen vor allem die Grenze zum Irrsinn berührt und zuweilen auch überschritten wird.

Die Scharlatane

Diskussion konnte gar nicht aufkommen, da die fingierte Basis des Wissens und Handelns eines Scharlatans sich fachlicher Auseinandersetzung von vornherein entzieht […] Und da die Praxis sich der Umhüllung mit Zauberschleiern, der Begleitung mit betörenden Akkorden eher gefügig zeigte, lenkten diese Vernebler des Bewusstseins von jeder Theorie ab, ja, sie verhöhnten unter dem Beifall der Menge die theoretisch fundierte Wissenschaft. Dieser Ablenkung und zugleich der Schwächung der Urteilskraft galten Prunk und Pomp, mit dem die Scharlatane sich umgaben. Die zeitgenössischen Kritiker der Scharlatane werfen ihnen immer wieder ihren Wortreichtum, die bombastische Unklarheit ihrer Rede und ihre wiederholungsreiche Länge vor […] und übersehen dabei, dass das schillernde Wort methodisch das wichtigste und erfolgreichste Werbemittel jeder Scharlatanerie ist. Immer und ganz besonders in seiner sprachlichen Formulierung ist der Scharlatan prinzipieller Feind jeder Präzision, auf ständiger Flucht vor jeder Klarheit. […] Alles das beweist, dass der Scharlatan auf der Basis halben Wissens halbe Wahrheit verbreitet und bewusst oder unbewusst die Verwandlungshoffnung der Leidbeladenen zum eigenen materiellen Vorteil, zur Befriedigung seines Geltungstriebes ausnutzt. Durch alle Zeiten schreitet seine Gestalt, schillernd in der unerschöpflichen Vielfalt menschlicher Individualität.

Grete de Franceso, „Die Macht des Scharlatan“, 1936

Alles ist falsch!

Ursache — Der große Erfolg, den gewisse Geschäftemacher mit ihren meist haltlosen Geschichtchen einer gewaltigen Verschwörung des gesamten etablierten Wissenschaftsbetriebes haben; die große Bereitschaft vieler Menschen, Bücher und Filme zu kaufen und Websites zu besuchen, in denen mit teils hanebüchener Argumentation und viel wissenschaftlicher Mimikry in der Wortwahl postuliert wird, dass die Gesamtheit der scheinbar so gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnis fehlerhaft ist, sie spiegelt vor allem eines wider: Dass trotz des gewaltigen zivilisatorischen Fortschrittes in der Erkenntnis des Weltgefüges die Mehrzahl der Menschen von den Früchten dieses Prozesses ferngehalten werden; dass ein überpersonaler Prozess weiterläuft, der einen erheblichen Anteil der Menschheit mit kalter Hand seiner Lebensmöglichkeiten beraubt, und dass der wissenschaftliche Betrieb längst zum Arm geworden ist, an dem diese kalte Räuberhand befestigt ist, die nach dem Leben greift. Die Betroffenen dieses Raubes hören die Rede gegen die Wissenschaft gern, denn niemand mag lobpreisen, der ihn beraubt. Nicht die Wissenschaft ist falsch, sondern der Prozess, der über die Gesellschaften abläuft, ist falsch. Die Wissenschaftler freilich, sie könnten viel für ihre Ehre tun, wenn sie sich mit dem Missbrauch ihres Tuns gegen die Menschen beschäftigten und endlich aus einer Einsicht in den gesellschaftlichen Kontext ihres Wirkens handeln würden. Dies könnte auch leicht ein wichtiger Beitrag zu einer — mittlerweile sehr not-wendigen — neuen Aufklärung werden.

Diskussion — Der Versuch, mit an den Verstand und die Einsicht gerichteten Argumenten einen geübten Prediger der Irrationalität in den auf Massenmarkt und damit auf Unterhaltung zugeschnittenen Medien zu widerlegen, ist zum Scheitern verurteilt. Diese Leute, wo sie einen hübschen Reibach mit ihrem gefährlichen Unfug machen, sie sind sehr darin geübt, eine gute Show abzugeben, und in den lichtschnellen Flutschmedien des Rundfunks „gewinnt“ nicht die Vernunft und die Nachvollziehbarkeit einer Darlegung, sondern nur die gute Show. (Fast) Niemand macht sich die Mühe, noch einmal eine Aufzeichnung gründlich durchzuschauen, um festzustellen, dass dort jemand einfach nur in selbstgewisser Haltung mit vielen Worten nichts gesagt hat, dass jemand, wenn er für eines seiner „Argumente“ in die Enge gedrängt wurde, sich gar nicht darum kümmerte, sondern schnell das nächste „Argument“ hervorkramte, um mit gut geübter Pose die Gesamtheit seiner „Belege“ zu präsentieren; mehr Unfug, als jede bedächtige Nüchternheit ergreifen, zusammenfalten und ablegen könnte. Dazu im Hintergrund der lärmende Applaus von Menschen, die zwar nichts verstehen, aber sich doch wenigstens in ihrem schon vorher vorhandenen, dumpfen und vorbewussten Gefühl bestärkt wurden; den Rest erledigt die gebieterische Gruppendynamik, den man unter dem Wort „Publikum“ zu fassen sucht. Eine Show treibt keinen Prozess der Einsicht voran, auch keine so genannte „Talkshow“. Besser ist es, den Unfug dort zu widerlegen, wo die Widerlegung besonnen und langsam von interessierten Menschen aufgenommen wird, auch auf die Gefahr hin, dass auf diese Weise nicht jeder Mensch erreicht wird. Insbesondere das Fernsehen ist eine Brutstätte für jede Form der Dummheit, Irrationalität, psychischen Prostitution, Geistlosigkeit und Wahnhaftigkeit; und der größte Teil der auf Papier geschmierten Journaille steht in diesen Punkten kaum nach. Wer eine neue Aufklärung will, und auf dieses Medium setzt, zeigt damit nur, dass er über sein Vorhaben ohne die äußere Wirklichkeit durchziehen will, dass er lediglich intellektuell masturbiert.

Der -ismus ist Mus — Ein wichtiger Teil der wissenschaftlichen Mimikry, mit denen irrationale Blendredner und Seelenausweider über die Substanzlosigkeit ihrer Postulate hinwegtäuschen, ist eine in ihrem Formen an den wissenschaftliche Neologismen angelehnte Kunstsprache. Sehr fein wird hier reflektiert, dass die Wissenschaftler (insbesondere in Europa, in den USA ist das Problem nicht so groß) über lange Zeit hinweg eine Parallelgesellschaft gebildet haben und sich geweigert haben, nach außen, zu den anderen Menschen, in verständlicher und lebendiger Sprache zu kommunizieren. (Stattdessen nahmen sie ihre Begriffe zu gern aus den Sprachen von Zivilisationen, die seit Jahrtausenden nicht mehr existierten, als ob das ein gutes Symbol für den Fortschritt der Erkenntnis und die Aufklärung wäre. Dabei hätte doch die röm.-kath. Religionsgemeinschaft damit mahnen müssen, dass sie über Jahrhunderte hinweg das gleiche versucht hat, ebenfalls, um mit diesem faulen Trick Privilegien zu sichern.) Was in solcher Sprache gesagt ist, sollte dann — die Dressur der Schule hats jedem eingeimpft — geglaubt, auswendig gelernt und reproduziert werden. Es ist ein köstlicher Witz, dass das auf die Wissenschaft zurückschlägt und dass auch dümmste „Argumentationen“ in derartige Sprache verpackt werden. Das Wort „Kreationismus“ klingt ja gleich ganz anders als „der Glaube daran, dass eine antike Sammlung orientalischer Legenden buchstäblich und wörtlich wahr ist“; das Wort „Spiritismus“ klingt anders als „der Glaube an Gespenster, Spuk und die Kommunikation mit Toten“; das Wort „Astrologie“ klingt andes als „der Glaube daran, dass sich die Zukunft durch Berechnung zukünftiger Konstellationen der Planeten vorausberechnen lässt und dass sich Schicksal und Charakter eines Menschen in größerer Abhängigkeit zu Millionen von Kilometern entfernten Himmelskörpern als zu seinem gesellschaftlichen und famillären Umfeld bilden“; und auch das Wort „Anthroposophie“ klingt anders als „der Glaube an die Richtigkeit eines esoterischen Weltbildes, das sich Rudolf Steiner aus Vorgaben der Theosophischen Gesellschaft der geistergläubigen Helena Petrowska Blawatski ergänzt um einige eigene Gedanken und Erfahrungen zusammengezimmert hat“. Verzichtet man in der Beschreibung auf die ganzen Ismen, Logien und Phien, mit denen der Verstand umnebelt werden soll, beginnt man mit einer Umschreibung der Inhalte hinter dieser Fassade, so wird klar, dass jedes dieser Konzepte mit dem Wort „Der Glaube“ beginnt, und dass jeder dieser angebotenen Glauben auf objektive und reproduzierbare Überprüfbarkeit verzichten soll und stattdessen auf die individuelle Bestätigung in einem allzu leicht manipulierbaren Seelenleben setzen soll. Das ist der Unterschied, und das muss jedem Menschen klar gemacht werden!

Höchste Gefahr — Die gefährlichste esoterische Pseudowissenschaft der gegenwärtigen Zeit sind die so genannten „Wirtschaftswissenschaften“, und diese Gefahr rührt daher, dass sie für echte Wissenschaften gehalten werden. (Es wird sogar ein angeblicher „Nobelpreis“ dafür verliehen, den Alfred Nobel weder gewollt noch gestiftet hat, damit die Hohenpriester dieses Kultes auch in Ansehen kommen, trotz allen offensichtlichen Versagens und aller mordgrimmen Kälte in Ansehen.) Verglichen mit dem Leergeschwafel dieser faulen Zauberer stand sogar die esoterische Alchimie des Mittelalters auf festem Boden, ging sie doch immerhin noch von der beobachtbaren und reproduzierbaren Umwandelbarkeit chemischer Stoffe aus und hatte damit Wurzeln in der materiellen Tatsächlichkeit des Kosmos. Ausgerechnet auf Grundlage dieser illusionären Unwissenschaft, die sich eine Wissenschaft der Wirtschaft nennt, aber in Wirklichkeit nur eine moderne Formulierung eines babylonisch kabbalaistischen Voodoo Vorhöllenspuk Zaubers ist, ausgerechnet auf der Grundlage dieses herz- und hirnfaulen Hokuspokus sollen ganze Gesellschaften umgebaut werden. Mit Verlaub, ich liebe meine Freiheit, aber da ist mir selbst der Islam lieber.

Ausfall — Die letzte Aussage bitte nicht zitieren und gegen mich verwenden, wenn es einmal darauf ankommt… 😉

Alles ist falsch — Es ist nicht möglich, gegen die neueren Forderungen der Irrationalität anzugehen, ohne dabei eine längst etablierte, allgegenwärtige und als gesellschaftliche Stütze betrachtete Form der Irrationalität zu sehen und energisch zu bekämpfen, nämlich die Irrationalität des Konsumismus. Längst sind Magie und Geisterglaube fester Bestandteil jeder Werbung, längst hat der Markenkult einen Zustand erreicht, der das aufgestempelte Amulett einer Marke für wichtiger und preiswürdiger hält als das damit bestempelte, oft minderqualitative Produkt, längst sind Menschen auch bereit, sich für diesen Unsinn völlig aufzuopfern. Diese neue Religion ist überall Staatsreligion geworden, die Banker sind ihre Priester, der Kult frisst mehr Opfer als alle glühendheißen Moloche des alten Orients. Wer einen Eindruck von der tiefen Magie und der direkten Kontinuität auch noch der irrwitzigsten religiösen Wahnvorstellungen in der Werbung bekommen möchte, der schaue sich (am besten aufgezeichnet und beim Abspielen auf 25 Prozent verlangsamt, um nicht vom Tempo der Darbietung überrumpelt zu werden) die Autowerbung im Fernsehen an.

Keine Toleranz — Es kann nicht die geringste Toleranz gegenüber irrationalen, auf bullshit beruhenden gesellschaftlichen Forderungen erbracht werden, so klein und lächerlich diese Forderungen auch wirken mögen. Der Unfug ist wie ein Gift; in kleinen Dosen schadet er nicht, kann sogar ein bisschen anregend sein — aber in großen Dosen ist er tödlich. Dieses Gift hat allerdings die Eigenschaft, sich zu vermehren, wenn es nicht bekämpft wird, beinahe so, als sei es ein Virus. Am Ende des gesellschaftlichen Anspruches der „Kreationisten“ stehen Scheiterhaufen, Todesstrafen für Homosexuelle und „Gotteslästerer“ und „Heilige Kriege“ gegen die „Ungläubigen“. (Wer das hart formuliert findet, der verfolge bitte die Entwicklung in Uganda, dem afrikanischen Musterland der evangelikalen Christen! Hier geht Reinhard Bonnkes Saat blutig auf.) Und. Am Ende des gesellschaftlichen Anspruches der „Konsumisten“ steht eine Gesellschaft, die das Lebensrecht eines Menschen nur noch danach ermisst, ob er mit möglichst seinem ganzen Leben Konsumgüter produziert und mit dem dabei erwirtschafteten Lohn Konsumgüter erwirbt und in Müll verwandelt; wer dies nicht tut, muss von Sozialpädagogen „nacherzogen“ (die nennen das wirklich so!) werden, und wer dies trotz solcher Maßnahmen nicht tun kann, bekommt schließlich jedes Recht auf seine Existenz entzogen, im Zweifelsfall auch durch eine Tötung, wenn die Sedierung und das Wegsperren zu unwirtschaftlich werden. Vom letzteren der beschriebenen Zustände ist die Gesellschaft in der BRD nicht mehr sehr weit entfernt, weil zu viel Toleranz gegenüber der Intoleranz herrscht.

Lochlabern — Jeder Mensch, der keinem Gespräch aus dem Wege geht, kann diese Beobachtung leicht selbst machen und bestätigen: Wenn man mit einem Anhänger einer Pseudowissenschaft, der modernen Esoterik oder einer Religion spricht und diesen Menschen auf eines der (oft zahlreichen) großen logischen Löcher in seiner „Argumentation“ hinweist, so versucht dieser Mensch, so er nur geübt genug in der Abwehr des Zweifels ist, im Folgenden ganz schnell die Aufmerksamkeit auf hunderte jener verwirrenden Kleinigkeiten seiner seltsamen Gedankengebäude zu lenken, mit denen der Außenstehende nicht mehr vertraut sein kann. Mit diesem Labern um das Loch herum erspart sich der Verblendete das Betrachten des logischen Loches, in dem seine Ideologie untergeht — und schummelt sich um seine argumentative und intellektuelle Verantwortung für dieses Loch herum. Jeder fühle sich aufgefordert, dies einmal mit einem beliebigen Mitmenschen auszuprobieren, der in einer Sekte ist, radikalen Ideologien anhängt, Esoteriker ist oder glaubt, dass die Erde regelmäßig von Außerirdischen besucht wird. Nachdem dieses irrationale „Argumentationsmuster“, dass nur auf eine Abwehr des Zweifels durch Verdrängung gerichtet ist, erst verstanden wurde, findet es sich überall. Vor allem. In jedem Interview eines Politikers und in jeder Talkshow.

Für Andreas und Thomas

Vom intelligenten Schauen

Sir Arthur Conan Doyle, ein Schriftsteller, der übrigens allen Ernstes von den recht dürftigen Darbietungen der Spiritisten seiner Zeit überzeugt wurde und allein deshalb nicht selbst als ein Mensch von besonderer intellektueller Disziplin gelten kann, hat die immer noch recht populäre literarische Figur des „intellektuellen“ Detektives Sherlock Holmes erfunden und in etlichen Kurzgeschichten und einer Handvoll Romanen ausgebreitet. Sherlock Holmes ist auch heute noch eine Ikone der Massenkultur, eine Figur, die zum Inbegriff des nüchternen, logischen Beurteilens der Fakten zum Auffinden einer hinter den Fakten versteckten und interessanten Wahrheit geworden ist.

Dabei ist Holmes‘ zumeist angewendete „Schlussmethode“ völlig ungeeignet und funktioniert in dieser Form nur im Sandkasten einer fiktiven Romanwelt. Die „Methode“ des Detektives besteht nach seinen „eigenen“ Aussagen darin, alle Möglichkeiten auszuschließen, so dass das Verbleibende, so unwahrscheinlich es auch anmuten mag, die Wahrheit sein muss. Diese „Methode“ ist schon deshalb absurd, weil sie voraussetzt, dass ihr Anwender sich aller Möglichkeiten auch gewahr ist, dass er also über eine vollständige Kenntnis des Kosmos verfügt. Eine solche Annahme mag dem Größenwahn munden, der sich nur dürftig verlarvt hinter dem Narzissmus des Menschen verbirgt, für die ernsthafte geistige Tätigkeit ist sie ein lähmendes Gift, das jedes Voranschreiten unmöglich macht.

Es bringt wesentlich bessere Ergebnisse, die Vielzahl der in einer vernünftigen Betrachtung eines Themas aufkommenden Vermutungen direkt zu überprüfen, als sie in der von Doyle propagierten Form indirekt zu behandeln.

Wie ungeeignet diese indirekte „Methode“ für den Erkenntnisgewinn wirklich ist, lässt sich am trefflichsten am Beispiel einer Alltagssituation aufzeigen. Wenn jemand seinen Wohnungsschlüssel nicht findet, könnte er ihn suchen, indem er in dummer Blindheit alle denkbaren Orte durchsucht, an denen dieser liegen könnte. Für die in den Romanen als so überlegen dargelegte Doyle-Methode müssten hierbei auch völlig ungeeignete Orte in Erwägung gezogen werden, etwa der Kühlschrank, das Gehäuse des Fernsehers oder die Kaffeekanne. Jeder wird wohl zustimmen, dass diese Form der „Suche“ nicht das Potenzial in sich trägt, schnell zum Ziele zu führen oder auch nur eine brauchbare Einsicht in den gegenwärtigen Ort des Schlüssels zu liefern. Da tröstet dann auch nicht der „Erkenntnisgewinn“ nach Doyle, dass, wenn alle Orte bis auf einen Ort durchsucht worden sind, doch wenigstens Gewissheit darüber erlangt wurde, dass sich der Schlüssel an diesem Orte befinden müsse; eine intellektuelle Gewissheit, die ihre stolze „Größe“ dadurch beweist, dass sie gar nicht mehr nachschauen muss — als ob das etwas hülfe, wenn man auf der Suche nach einem Schlüssel ist!

Ein vernünftiger Mensch wird eben anders herum vorgehen. Er wird sich darüber bewusst sein, dass er nicht alles weiß, sonst brauchte er den Schlüssel ja gar nicht zu suchen. Also wird er darüber nachdenken, wo der Schlüssel sein könnte. Im Zuge dieser geistigen Tätigkeit wird er sich zu erinnern versuchen, wie er in die Wohnung gegangen ist, welche Orte in der Wohnung er aufgesucht hat und was er dort getan hat, um auf diese Weise Hypothesen zu bilden, wo er den „verdammten Schlüssel“ hingelegt haben könnte. (Er kann ja in Abhängigkeit von den Umständen des Verlegens durchaus einmal im Kühlschrank oder gar in der Kaffeekanne sein, und auch noch an ganz anderen, vielleicht noch absurderen Orten. Aber die Regel ist das eben nicht.) Die durch geistige Tätigkeit gebildeten Hypothesen werden dann auf eine direkte und einfache Weise durch schlichtes Nachschauen überprüft und dabei werden so lange Hypothesen widerlegt, bis sich die richtige zusammen mit dem Schlüssel findet. Die direkte Suche unter Verwendung des Verstandes ist der indirekten nicht nur deshalb überlegen, weil sie im Gegensatz zu jener durchführbar ist, sondern auch, weil sie einen intellektuellen Prozess voranträgt, der die Suche unterstützen hilft. Die in der geistigen Beschäftigung mit dem Thema aufkommenden Gedanken sind dazu geeignet, weitere sinnvolle Gedanken hervorzubringen. So wird etwa schnell eine Erinnerung daran aufkommen, wann das letzte Mal in einer ähnlichen Situation der Schlüssel verlegt oder verloren wurde und wo sich dieser dann schließlich fand — zum Beispiel unterm Sessel, weil er beim Ausziehen und Ablegen der Hose aus der etwas zu weiten Hosentasche herausgerutscht ist. Wenn etwa dieses Mal die gleiche Hose getragen wurde, können solche im Denkprozess aufkommenden Assoziationen den Vorgang der Suche erheblich abkürzen. Sie sind eben ein Zeichen vernünftiger Beschäftigung mit einem noch unbekannten Sachverhalt.

Die „Doyle-Methode“ ist vor allem dort sehr beliebt, wo dem Irrationalismus ein intellektueller oder gar wissenschaftlicher Anstrich gegeben werden soll. Ihr erster Glaubenssatz lautet: „Es kann nicht widerlegt werden, also muss es wahr sein“. Bei dieser „Argumentation“ verschiebt sich der Schwerpunkt der Aufmerksamkeit vom Wissen auf das Unwissen, und es nimmt nicht wunders, dass bei einer derart ausgerichteten Aufmerksamkeit nur wenig neues Wissen gefunden wird, aber dafür vieles, was mangels harter Belege geglaubt werden soll. Auf diesem Hintergrund ist es auch gar nicht erstaunlich, dass Doyle selbst ein Anhänger des Spiritismus war, denn dieser geschäftlich interessante und von allerlei Betrug geprägte Aberglaube passt zu einer solchen Auffassung. Es ist nun leicht möglich, die Postulate des Spiritismus zu „belegen“, indem eine beeindruckende Menge alternativer Erklärungen für die darin auftretenden Phänomene in mehr oder weniger überzeugender Form widerlegt werden und anschließend behauptet wird, dass die spiritistische Erklärung noch am besten passt. Und es ist völlig unmöglich, ein beliebiges Postulat zu widerlegen, denn hierfür müsste eine unendliche Reihe von Überprüfungen durchgeführt werden.

Letzteres gilt übrigens auch für so gesichertes Wissen wie das Gravitationsgesetz, das sich mit Leichtigkeit dadurch widerlegen ließe, dass man auch nur an einem einzigen Ort im Kosmos seine wenigstens zeitweilige Ungültigkeit aufzeigt. Wer damit anfangen will, stelle sich irgendwo mit einem Stein hin und lasse ihn immer wieder fallen und warte darauf, dass er einmal schweben bleibt oder gar nach oben fällt! Das Scheitern dieses mühsamen und zeitaufwändigen Ansinnens belegt mikroskopisch wenig und widerlegt nichts. Kein geistig gesunder Mensch käme auf die Idee, einen solchen Versuch ernsthaft zu unternehmen. Und. Die meisten Menschen begnügen sich in dieser Sache mit der einfachen Beschreibung eines nummerischen Zusammenhanges, der von den beteiligten Massen und vom Quadrat ihrer Entfernung abhängig ist, und der immer und immer wieder in allen Größenordnungen beobachtbar ist. Dass dieser Zusammenhang nicht beweisbar ist, nehmen sie hin, weil sie wissen, dass sie nicht alles wissen können.

Anders hingegen die Vertreter der Irrationalität. Diese postulieren Thesen über gewisse Bereiche der Wirklichkeit, die ohne Kenntnis der Thesen gar nicht beobachtbar wären, und sie schließen aus der Unmöglichkeit, diese zu widerlegen, auf die Korrektheit ihrer Thesen. Ob es sich bei den Thesen um Geisterglauben, UFOs, große Verschwörungen oder die gegenwärtigen pseudowissenschaftlichen Theorien des menschlichen Wirtschaftens geht, immer gibt es einen beachtlichen Mangel an harten stützenden Daten und Beobachtungen*, immer wird den wenigen gesicherten Fakten eine einseitige Behandlung zuteil, immer wird darauf verzichtet, Aussagen großer Tragweite direkt zu belegen.

So lange dies jemand nur für seinen eigenen Trost täte, wäre es dumm und harmlos. Wenn jemand meint, dass Jesus Christus ihm tief im Herzen berühre oder das er geistigen Kontakt zu seiner verstorbenen Großmutter erhalten habe, will ich ihm das nicht nehmen, obwohl ich angesichts solchen Futters für den Narzissmus starke Bedenken bekomme. Das Problem fängt dort an, wo daraus weitreichende Folgerungen für andere Menschen abgeleitet werden, wo gar gesellschaftliche Konsequenzen gefordert und mit psychischer oder staatlicher Gewalt durchgesetzt werden, die tief in das Leben anderer Menschen einschneiden. Ob es sich hier um die Idioten handelt, die unter dem irreführenden Wort vom „Kreationismus“ ihre Religion in den Rang einer Wissenschaft erheben wollen, oder ob es sich um die ungleich gefährlicheren Idioten handelt, die von einer Wissenschaft des Wirtschaftens sprechen und aus dieser Sicht den Umbau ganzer Gesellschaften fordern, die Vorgehensweise ist immer gleich. Es gibt keinen direkten Beleg für ihre Thesen, nur im Sinne der Religion oder Ideologie ausgedeutete, indirekte Belege, die sich in erster Linie gegen andere Erklärungsmodelle richten. Diese Ausrichtung gegen andere Modelle verbindet sich meist mit einem gehörigen Maß Polemik. Der Schaden, der aus solchem notdürftig rationalisierten Denkverzicht über die Menschen in den gegenwärtigen Gesellschaften gegossen wird, ist gewaltig.

* Weder hat sich ein Trümmerteil eines abgestürzten UFOs angefunden, das klar als außerirdisch indentifiziert werden konnte, noch hat ein Spiritist oder „mental begabter“ Mensch seine Darbietungen unter scharfen Laborbedingungen erbringen können, noch existieren irgendwo über das bloße, von Koinzidenzen erzeugte Unbehangen hinaus gehende Belege für riesige Verschwörungen. Die jüngsten Ideen der Wirtschaftswissenschaft für den Umbau der Gesellschaften sind vor aller Augen gründlich gescheitert, und die Grundlage dieser Forderungen bestand vor allem in der ideologischen Interpretation statistisch ermittelter Daten. Es ist alles Mumpitz.

Der esoterische Selbstbetrug

Oh, der Einfall war kindisch, aber göttlich schön.

Friedrich Schiller, „Don Carlos“

Manchmal, eigentlich sogar recht häufig, wollen einem Anhänger der modernen und am Markt recht erfolgreichen hybriden Religion namens „Esoterik“ anderen Menschen weis machen, dass die von ihnen auserkorene Irrationalität eine Vorwegnahme künftiger Wissenschaft sei. Um diese These zu „belegen“, greifen die so Redenden ein wenig in die bunte Kiste mit den Irrungen der Wissenschaftsgeschichte und greifen sich aus diesem fröhlichen Schatz eine Handvoll besonders eklatanter Beispiele der Ignoranz des wissenschaftlichen Etablissements heraus und verweisen darauf, dass „die Wissenschaft“ dann schließlich doch noch die Fakten anerkennen musste, sie sogar zu Gegenständen der Forschung machen musste. Und genau das gleiche erwarten sie von ihrem durch nichts belegbaren, gleichermaßen billigen wie nicht preiswerten Seelentrost voller Geschäft, Primitivität, Betrug und Angstabwehr.

Ein beliebtes Beispiel der so redenden und leider auch so denkenden Idioten sind — so sie nicht gleich von der scheibenförmigen Erde jener Zeit sprechen, in welcher eine Kaste von Pfaffen den Allheitsanspruch ihrer Religion mit Gewalt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit machen konnte — die Meteoriten. Sie verweisen darauf, dass die meisten Wissenschaftler von ihrem damaligen Modell des Sonnensystemes ausgehend, jeden Fund eines Meteoriten mit den ungefähren, recht autoritär dargebrachten und oft mit ätzender Polemik gewürzten Worten „Steine fallen nicht vom Himmel“ für unbeachtlich erklärten und sich mit der Wirklichkeit der Meteoriten nicht weiter beschäftigten, weil sie davon ausgingen, dass der Raum im Sonnensysteme nur mit größeren Körpern gefüllt sei. Ein anderes Beispiel, das von den Wirrgläubigen gern herausgepickt wird, sind die Kugelblitze, deren Natur übrigens bis heute unklar ist. Beides sind heute ganz selbstverständliche Gegenstände der Forschung und Theoriebildung, obwohl die Beschäftigung mit diesen Erscheinungen vor noch gar nicht so langer Zeit den Ruch des Abergläubischen und Irrationalen hatte, durchaus damit vergleichbar, wie in der heutigen Wissenschaft die so genannten „Parawissenschaften“ betrachtet werden.

Aber die blinden Gläubigen der Esoterik bemerken dabei nicht, dass sowohl die Existenz von Meteoriten als auch die Existenz von Kugelblitzen in psychischer Hinsicht neutral sind. Das Postulat, dass Steine außerirdischen Ursprunges vom Himmel fallen oder das Postulat, dass eine mutmaßlich elektrische Erscheinung in Form eines leuchtenden Plasmaballes auftreten kann, mag intellektuell interessant und kurios sein, aber es ist für das Seelenleben eines Menschen ungefähr so bedeutsam wie das Postulat, dass jede natürliche Zahl einen Nachfolger habe und dass man deshalb unbegrenzt zählen könne. Von daher gibt es zum Beispiel keine nennenswerte psychische Motivation, derartige Berichte zu erfinden oder Belege für diese Thesen zu fälschen — was bleibt, ist die Ungenauigkeit in den Mitteilungen episodischer, nicht-reproduzierbarer Erlebnisse, die der Skepsis gegenüber dem Mitgeteilten für so lange Zeit Futter gab.

Deshalb hat es auch niemals ein großes, psychisch motiviertes Geschäft mit dem Glauben an Meteoriten oder Kugelblitzen gegeben. Im schlimmsten Falle wurden und werden Sammlern ordinäre irdische Steine vulkanischen Ursprunges als meteoritisches Gestein verkauft.

Die von primitiver Magie, narzisstischer Seelenvergötzung und einem allgemeinen Konzept des Belebt- und Durchgeistert-Seins aller Erscheinungen des Kosmos geprägten Konzepte der Esoterik und der darauf basierenden Parawissenschaften sind aus einem völlig anderen psychischen Material gebaut, sie erfüllen dem in seinem Bedingt-Sein verhafteten Menschen Wünsche nach individueller Bedeutung, Einflussnahme, Unsterblichkeit und Sinnhaftigkeit, sie sind ein geiler Traum, der so alt ist wie die Einsicht in die kalte, gebieterische Wirklichkeit des Todes und der sogleich daran mit aufkommende Wunsch, diese Wirklichkeit möglichst umfänglich zu vergessen. Für solche Verdrängung existiert ein großer Markt; und die vielen Bereiche der Esoterik, sei es der Geisterglaube, der Spiritismus, die angenommene Möglichkeit telepathischen Austausch oder der telekinetischen Beeinflussung der Umwelt durch psychische Kräfte, sie sind schon immer Bereiche gewesen, in denen gefälscht wurde, in denen gelogen wurde und in denen den Gläubigen für ein bisschen Einlullung ihrer todgepeinigten Seele ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen werden konnte. Das gleiche gilt für eine recht junge (aber zum Glück schon wieder etwas in Vergessenheit geratene) Spielart dieses postmodernen Voodoo*, der UFO-Esoterik. Aus dem psychischen Gewinn, der sich mit diesen Konzepten verbindet, lässt sich also wirtschaftlicher Gewinn saugen, und dies geschah und geschieht immer wieder.

Nicht, dass ich jemanden um seine Selbsteinlullung bringen will, aber zum Thema der Wissenschaft wird sie hoffentlich niemals werden — und wenn doch einmal, dann am ehesten noch zum Thema der Psychopathologie. Wer sogar so blöd ist, dass er eine kommerziell vorgestanzte Form der seelischen Selbsteinlullung mit Individualität verwechselt, ist in diesem vollständigen Denkverzicht längst verloren — ein Denkender und Fühlender lullt sich wenigstens noch in eigener Verantwortung auf seine eigene Art ein. 😉

Nur eines sei hier noch zum Abschluss gesagt: Es gab genau zwei Erkenntnisse in der jüngeren Geschichte der Wissenschaft, die sich gegen große gesellschaftliche Widerstände durchsetzen mussten. Der Grund dieser Widerstände war (und ist) das psychische Unbehagen, das sich mit diesen Einsichten verband. Die erste Einsicht, die sich mit dem Namen Galileo Galilei verbindet, ist die Tatsache, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Kosmos ist. Diese Einsicht führte zur juristischen Verfolgung Galileis durch die Profiteure des psychischen Geschäftes im Vatikan, bei der belastende Beweise einfach gefälscht wurden. Eine Rehabilitation Galileis durch die juristischen Organe des Vatikans fand erst am 2. November 1992 statt. Die zweite Einsicht, die sich mit dem Namen Charles Darwin verbindet, ist die Tatsache, dass sich alles Leben auf der Erde unter völlig natürlichen, materialistisch erklärbaren Bedingungen entwickelt und diversifiziert hat. Diese Einsicht hatte für Darwin zwar keinen lebenslangen Hausarrest und die in der Luft liegende Drohung des Scheiterhaufens mehr zur Folge, aber sie wird bis heute massiv angefeindet, und wenn die meist religiösen Gegner dieser Einsicht nur die Macht hierzu hätten, denn würde sie auch mit Gewalt unterdrückt. Wer wirklich meint, dass sein narzisstisches Bedürfnis nach Todesverdrängung, Sinngebung und eingebildeter Allmacht in den Rang einer für alle Menschen verbindlichen Erkenntnisgrundlage gestellt werden sollte, der steht in dieser Meinung für derartige Unterdrückungen. Und. Belegt damit das barbarische, archaische Material unter der bunten Verpackung, in der eine jahrmarkthafte Esoterik-Industrie den seelischen Ausverkauf betreibt.

* Anhänger der ebenfalls hybriden, aber wenigstens mit Tradition ausgestatteten Religion Voodoo mögen mir diesen Vergleich mit einer reinen, als Spiritualität getarnten Geschäftemacherei verzeihen.

Lobotomie

Die Psychochirurgie erreicht ihre Erfolge, indem sie die Phantasie zerschmettert, die Gefühle abstumpft, das abstrakte Denken vernichtet und ein roboterähnliches, kontrollierbares Individuum erschafft.

Walter Freeman, Psychiater, über seine eigene Arbeit

Wer wissen will, was die so genannten „Menschenrechte“ und das Gefasel von der so genannten „menschlichen Würde“ in irgendwelchen Sonntagsreden wert sind, der braucht sich nur anzuschauen, wie unverbindlich derartige Werte dort werden, wo sich Menschen nicht mehr verwirtschaften lassen und keinen Widerstand gegen das zu leisten vermögen, was ihnen zwangsweise widerfahren gemacht wird.

Das heute vielen jüngeren Menschen eher unbekannte Wort „Lobotomie“ bezeichnet einen chirurgischen Eingriff in das Gehirn eines Menschen, bei dem die Nervenbahnen zwischen dem Thalamus und dem Stirnhirn zusammen mit Teilen der grauen Substanz zerstört werden. Bei diesem gleichermaßen recht schnell und einfach durchzuführenden und auf andererseits irreversibel tiefen Eingriff kommt es zu einer Veränderung der Persönlichkeit bei gleichzeitiger Vernichtung der Emotionalität und jeglichen Antriebes. Das Verfahren wird heute nicht mehr angewendet. (Denn es gibt heute andere, reversiblere Verfahren mit einem ähnlichen Effekt, aber dazu später etwas mehr.) Als jedoch in den 1940er Jahren der Psychiater und Leiter der Psychiatrischen Klinik zu Washington D.C., Walter Freeman, ein einfach anzuwendendes chirurgisches Verfahren für die Lobotomie entwickelte, da wurde dieses zu einer Standardtechnik der Psychiatrie, das bis zur Mitte der 1950er Jahre vor allem in den englischsprachigen Staaten, aber auch in vielen anderen Staaten sehr häufig an solchen Menschen durchgeführt wurde, die man für psychisch krank hielt. Es wird geschätzt, dass das Freeman-Verfahren weltweit an einer Million Menschen angewendet wurde — genaue Daten sind nicht ermittelbar, weil sie niemals erfasst wurden.

Dies ist im Zusammenhang damit zu sehen, dass es infolge der Wirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges mit seinen psychischen Traumatisierungen zu einem plötzlichen Anstieg psychischer Erkrankungen kam, die damals nicht medizinisch behandelt werden konnten. Die übliche „Behandlung“ bestand darin, dass die Patienten zwangsweise aus der menschlichen Gemeinschaft herausgenommen, weggesperrt, in engen Zimmern zusammengepfercht wurden und Elektroschocks erhielten.

Als der Yale-Absolvent Walter Freeman aus durchaus humanitären Gründen nach einer Therapie für diese medizinischen „Fälle“ suchte, stieß er auf eine Arbeit des portugiesischen Arztes Egaz Moniz, der für seine darin dargelegte Idee und die Entwicklung eines ersten Verfahrens übrigens im Jahre 1949 den Nobelpreis für Medizin verliehen bekam, und der in ebendieser Arbeit die Auffassung vertrat, dass man viele psychische Krankheiten heilen könnte, indem man im Gehirn die Nervenstränge vom Stirnlappen zum Thalamus durchtrennt. Offenbar war die Zeit für diese Form der „Behandlung“ psychischer Krankheiten so „reif“, dass es jahrzehntelang niemandem auffiel, dass es keine Studien über die Wirksamkeit und mögliche unerwünschte Wirkungen eines solchen Verfahrens gab.

Die besondere Leistung Freemans bestand darin, ein sehr einfach anzuwendendes Verfahren zur Durchführung dieses Eingriffes zu finden und dieses Verfahren zu propagieren und in mehreren tausend Fällen selbst anzuwenden. Das Propagieren Freemans war dermaßen beflissen, dass er Operationen nach dem Freeman-Verfahren in Hörsälen und sogar im Fernsehen vorführte, um seine „optimale Behandlungsform“ zu demonstrieren und mit einem Wohnwagen, den er als „Lobomobil“ bezeichnete, von Klinik zu Klinik fuhr, um dort zu „operieren“ und sein Verfahren zu lehren. Das Verfahren war in seiner Durchführung dermaßen einfach, dass Freeman zwei Dutzend Menschen am Tag lobotomieren konnte. Dieses offensive Auftreten führte dazu, dass die damaligen Zeitungen voll mit den Berichten über die „Wunderheilungen“ Freemans waren — offenbar deckte sich der „Erfolg“ der Freeman-Methode mit den Vorstellungen und Wünschen jener Menschen, die ihre verquarzte Gedankenwelt mittels einer Rotationsmaschine auf tote Bäume stempeln konnten und können und so zur Deinung der Massen machen konnten und können.

Beim Freeman-Verfahren der Lobotomie wird keine spezielle neurochirurgische Qualifikation benötigt. Auch die erforderlichen Instrumente sind preisgünstig und stellen keine besonderen Anforderungen an ihre Fertigung; Freeman verwendete anfangs einen Eispickel, später ein speziell gefertigtes Instrument, das einem Eispickel nachempfunden war. Dieses Instrument, welches man in solcher Verwendung eher in einer mittelalterlichen Folterkammer als in einen Operationsaal vermuten würde, wurde unter meist lokaler Anästhesie am Auge vorbei geführt, um mit einem leichten Stoß den dünnen Knochen im oberen Bereich der Augenhöhle zu durchstoßen und so in das Innere des Schädels, in das Gehirn eingeführt werden zu können. Hierzu musste nur ein Augenlid angehoben werden, um die Spitze des „chirurgischen Instrumentes“ am Auge vorbeiführen zu können. War auf diese Weise der Weg in das Gehirn gebahnt, so wurde nach dem Erreichen einer vom Arzt subjektiv bewerteten, „richtigen“ Eindringtiefe durch strokelnde, rotierende Bewegungen der „kranke“ Teil des Gehirnes zerstört. Dieser Eingriff war nicht nur so einfach, dass er auch von Menschen ohne chirurgische Ausbildung ausgeführt werden konnte und auch ausgeführt wurde, er galt überdem als besonders schonend, musste doch nicht eigens der Schädel von oben geöffnet werden. Es blieb nicht einmal eine Narbe zurück, nur ein Bluterguss am Auge legte für einige Wochen Zeugnis davon ab, dass ein Eingriff in das Gehirn vorgenommen wurde. Und. Natürlich auch die irreversibel vernichtete Persönlichkeit des so „operierten“ Menschen.

Kaum war ein solches, billig, einfach und am Fließband anzuwendendes Verfahren verfügbar, schon fanden sich auch viele „Krankheiten“, die damit „behandelt“ werden konnten. Mit einer Lobotomie wurden immer wieder auch ganz bestimmte „Krankheiten“ „geheilt“, wie etwa Kommunismus, Homosexualität, „asoziales Verhalten“ oder auch einfach nur eine Unwilligkeit oder Unfähigkeit, den jeweiligen gesellschaftlichen Anforderungen Genüge zu tun. In der Tat lösten sich diese „Krankheiten“ oft in Nichts auf, wenn aus einer lebhaften Persönlichkeit ein emotionsloser, sedierter und zu keiner eigenen Lebensäußerung mehr fähiger Funktionsmensch gemacht wurde. Und auf die gleiche Weise lösten sich auch alljene Krankheiten auf, die man heute noch als Krankheiten bezeichnen würde, etwa bestimmte Formen der Depression, Zwangsstörung und des posttraumatischen Belastungssyndroms. Sie verschwanden einfach zusammen mit der erkrankten Persönlichkeit, während die entkernte Hülle eines Menschen als noch verwertbares Formfleisch zurückblieb. Dass die so behandelten Menschen nicht gerade um Erlaubnis befragt wurden, sondern durch die Verfügung anderer Menschen der als Wissenschaft und Medizin getarnten Barbarei überantwortet wurden, versteht sich von selbst. Niemand, der noch bei Troste ist, lässt das. Mit sich machen.

Über ein Jahrzehnt lang konnte Walter Freeman seine Methode der Lobotomie anwenden und lehren, ohne dass es von medizinischer Seite, von staatlicher Seite oder von der Journaille und anderen Massenmedien zu einem Versuch kam, ihn daran zu hindern. Es gab keine Studien über die Erfolge und mögliche unerwünschte Auswirkungen des Verfahrens, nur subjektiv gefärbte Erfolgsberichte, die vor allem von Befürwortern und Praktizierenden der Lobotomie gesammelt wurden; es gab keine Spur von einer Wissenschaft, die diesen Namen verdient hätte. Es war einfach nur barbarische Willkür, ein am Fließband betriebener Mord am Kern der Persönlichkeit mit der Absicht, den Körper dabei möglichst in einem eher mechanischen Sinn lebendig, also weiterhin funktionsfähig und verwertbar zu halten.

Das eingangs gegebene Zitat Freemans ist übrigens frei von jeder Selbstkritik, er hat seine „medizinischen“ „Erfolge“ wirklich so gesehen, wie sie waren. Und. Genau in dieser Form für gut befunden.

Die massenhafte Lobotomie hörte erst in der Mitte der 1950er Jahre auf, als mit dem Neuroleptikum Chlorpromazin unter dem Markennamen Thorazine das erste wirksame Psychopharmakon in den USA verfügbar wurde — und seitdem werden hinter den Mauern, an denen die so genannten „Grundrechte“ enden, in den psychiatrischen Kliniken, auch immer wieder schwer in den Stoffwechsel des Gehirnes eingreifende Medikamente verabreicht, um Menschen auf diese Weise sediert und gefügig zu halten. Es ist bitter, dass man diesen Medikamentenmissbrauch durch Ärzte als einen Fortschritt betrachten muss, wenn man nur ein paar Jahrzehnte zurückschaut.

Doch auch nach der Erfindung der Psychopharmaka wurde von US-amerikanischen Ärzten immer wieder die Lobotomie als eine günstige „Lösung“ bestimmter Probleme vorgeschlagen.

Als es im Jahre 1967 in Detroit (Michigan) nicht nur das Henry-Ford-Museum, das Labor von Thomas Edison und die alte Werkstatt der Gebrüder Wright gab, sondern auch vorübergehende, aber schwere Rassenunruhen, da wurde im Journal of the American Medical Association ein Leserbrief der nicht nur am Kittel weißen Harvard-Autoren V. Mark, F. Ervin und W. Sweet abgedruckt. Diese sahen eine „fokale Gehirnstörung“ als Ursache der Ausstände, und um weitere Unruhen zu verhindern, sollte es nach Meinung dieser Ärzte völlig ausreichen, diese „Ursache“ operativ zu entfernen. Zwei dieser Autoren, Mark und Ervin, veröffentlichten im Jahre 1970 ihr Buch Violence and the Brain, in welchem sie die Lobotomie als final solution (!) für das Gewaltproblem vorschlugen, zum Beispiel zur Behandlung von Häftlingen, die sich nicht resozialisieren lassen. Auch, wenn dies nicht explizit erwähnt wurde, ist wohl nicht davon auszugehen, dass nach Meinung dieser ganz besonderen Menschenfreunde die so zu verkrüppelnden Menschen vorher um Erlaubnis gefragt werden sollten. Wo die Humanität das ärztliche Eingreifen erfordert, muss der von solchen Ideen besessene Arzt eben tätig und tätlich werden — das ist, um es mit den Worten des Psychiaters L. G. West zu dieser faschistoiden Idee zu sagen, eben ein „biosozialer Humanismus“. Später wurden solche „Argumentationen“ — dem sich ändernden Zeitgeist entsprechend — noch um wirtschaftliche Betrachtungen angereichert; als etwa im Jahre 1979 der Psychiater H. Brown die Lobotomie zur „Rehabilitation“ jugendlicher Straftäter empfahl, da wurde dieser Vorschlag unter besonderer Betrachtung der Tatsache diskutiert, dass eine solche „Wiedereingliederung in die Gesellschaft“ doch mit einem Aufwand von 6.000 Dollar wesentlich kostengünstiger sei als eine lebenslange „Verwahrung“, die im Schnitt 100.000 Dollar kostet.

Wer angesichts dieses Rückblickes glaubt, dass die heutige Medizin frei von Barbarei sei, ist ein Traumtänzer — wie kommenden Generationen die jetzigen Zustände in der so genannten „Pflege“; in der (meist nicht stattfindenden) Palliativmedizin bei Sterbenden, die sich darauf beschränkt, die Menschen in ihrem angstvollen und ungelindert schmerzhaften Verrecken bis zum letzten Atemzug zu verwirtschaften; oder auch immer noch in der Psychiatrie erscheinen werden, das kann man heute schon sehen, wenn man einfach nur hinschaut.

Was es wohl bedeuten mag, dass nach einem Bericht des „Spiegel“ (im Artikel „Abschied vom Kettenhemd“ der Ausgabe 52/2002) die meisten Ärzte ihren Verwandten keine hochpotenten Neuroleptika verordnen würden, kann sich jeder selbst denken; vielleicht hilft solches Denken auch, anderen ärztlichen Verordnungen gegenüber angemessen kritisch zu sein und sich stets selbst zu informieren. Dass es zur Wirkungsweise von Neuroleptika kaum Grundlagenforschung gibt und dass zudem beinahe die gesamte Forschung ausschließlich durch die Hersteller der Medikamente finanziert wird, erinnert angesichts der breiten Anwendung dieser Medikamente alarmierend genug an den „wissenschaftlichen“ Hintergrund bei der massenhaften Durchführung der Lobotomie.

Und wer wirklich glaubt, dass die so genannten „Menschenrechte“ auch für jene Menschen eine Bedeutung und Wirksamkeit hätten, die unter der direkten oder — wegen existenzieller wirtschaftlicher Abhängigkeit — mittelbaren Verfügungsgewalt anderer Menschen stehen, sollte einmal nachschauen, ob er nicht zwischendurch selbst das Opfer einer Lobotomie geworden ist. Das zeitgemäße Verfahren der „Lobotomie durch Fernsehen und Massenmedien“ scheint — wie ich immer wieder bei meinen Zeitgenossen feststellen muss — von verheerender Wirksamkeit zu sein.

Der Anfang der Pest

Der damalige französische König Philipp VI. beauftragte im Jahre 1348 die medizinische Fakultät von Paris mit einer Untersuchung, festzustellen, welches die Ursache dieser schrecklichen Pestepidemie sei, die aus der Moderne rückblickend der „Schwarze Tod“ genannt werden sollte. Die zu Paris „forschenden“ Mediziner hatten sich offenbar nicht so sehr mit Medizin befasst, und deshalb hatten sie auch nicht versucht, den Weg und die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Krankheit aus einer Vielzahl vorliegender Berichte zu untersuchen, damit sich auch ja nicht ihre Augen öffneten und sie die Wiederentdeckung machten, dass es Infektionskrankheiten gibt. Statt dessen betrieben sie das, was sie für Wissenschaft hielten. Und. Nach sicherlich langwierigem und angestrengtem Schauen in viele Tabellen und nach Anfertigung etlicher Diagramme, die dieses umfangreiche Datenmaterial aufschließen sollten, kamen die hochgeehrten Herren Doktoren schließlich zu dem folgendem, sehr präzise formulierten Ergebnis: Die Pest wurde am 20. März 1345 ausgelöst, und zwar durch eine ungünstige Konstellation der Planeten Mars, Jupiter und Saturn.

Diese Erklärung wurde in ganz Europa als die wissenschaftlichste angesehen und in jede europäische Sprache mit einer nennenswerten Sprecherzahl übersetzt. Irgendwelche hygienischen Maßnahmen folgten aus ihr nicht, und so konnte das große Sterben in Europa weitergehen, bis ein gutes Drittel der damals lebenden Menschen verreckt war und sich die Epidemie „biologisch erledigte“ — gegen die Planeten kann man ja nichts machen.

Inzwischen ist die Medizin in ihren Erkenntnissen und Methoden doch etwas weiter, auch sehr zum Vorteil aller Menschen, die sich mit Krankheiten und Medizinern herumschlagen müssen. Allerdings scheinen sich die meisten Universitäten in Europa und in den USA noch nicht im wünschenswerten Maß vom irrationalen Bullshit und wissenschaftlich verpacktem Hokuspokus abgekehrt zu haben, denn sonst würden dort nicht mehr diese so genannten „Wirtschaftswissenschaften“ gelehrt, deren Vertreter immer wieder zu vergleichbar unsinnigen Urteilen wie die oben beschriebenen Mediziner kommen. Und. Dies wegen des politischen Einflusses dieser Wisschenschaft sehr zum Schaden aller davon betroffenen Menschen.

Sisyphos

Und weiter sah ich den Sisyphos in gewaltigen Schmerzen: wie er mit beiden Armen einen Felsblock, einen ungeheuren, fortschaffen wollte. Ja, und mit Händen und Füßen stemmend, stieß er den Block hinauf auf einen Hügel. Doch wenn er ihn über die Kuppe werfen wollte, so drehte ihn das Übergewicht zurück: von neuem rollte dann der Block, der schamlose, ins Feld hinunter. Er aber stieß ihn immer wieder zurück, sich anspannend, und es rann der Schweiß ihm von den Gliedern, und der Staub erhob sich über sein Haupt hinaus.

Homer, Odyssee, 11. Gesang, 593-600

Sisyphos, Sohn von Aeolos und Enarete, wurde in der griechischen Mythologie als der gerissenste aller Menschen bezeichnet. Nichts. Könnte weniger wahr sein. In Wirklichkeit war diese wie ein Held hingestellte Figur des überpersonalen antiken Kopfkinos das Abziehbild eines verdammten Idioten. Den Prometheus, den kann der Mensch ja noch verstehen, denn dieser konnte nichts mehr machen, wenn jeden Tag der hundsköpfige Adler kam, um seine Leber zu vernaschen. Er war das typische Opfer der Herrschaft, gefesselt, darbend, dürstend und schlaflos, mit Eisen an den Fels gehauen, so blieb ihm keine andere Option, als die ewige Folter des ausgelieferten Gefressenwerdens über sein Dasein ergehen zu lassen und vergebens um Gnade zu flehen. Nichts von alledem findet sich in der Gestalt des Sisyphos. Da ist keine Fessel, die nicht in seinem Kopf gewesen wäre. Wenn er. Nur einen Hauch von Einsicht oder gar Gerissenheit gehabt hätte, denn hätte Sisyphos diesen blöden Stein einfach liegen lassen; soll der Thanatos doch selbst sehen, wie er den Stein mit seiner göttlichen Macht nach oben bringt.

Und ganz genau so dumm. Sind sie alle. Die diesen von Homer im Auftrage der damaligen Herrschenden zum Held gemachten Sisyphos nacheifern. (Vor allem die Pädagogen nehmen ja gern diese jammervolle Pose ein, um ein wenig davon abzulenken, dass sie nicht so sehr arbeiten, sondern vielmehr ihnen ausgelieferte, junge Menschen zu gefügigen und leicht verwertbaren Batterien im betrüblichen betrieblichen Produktionsprozesse machen.)

Übrigens hat Sisyphos bis heute einen gesellschaftlichen Nachklang, denn die so genannten „Wirtschaftswissenschaftler“ haben sich ein schönes Wort ausgedacht, um eine kranke Idee in ihrem verdammten Aberglauben damit zu bezeichnen. Dieses Wort lautet „Sisyphismus“ und bezeichnet ein System, in dem die Arbeit um ihrer selbst willen — auch dann, wenn die Arbeitenden durch ihre Arbeit keinerlei ökonomischen Vorteil haben — als schätzenswert betrachtet wird. Es ist das System, das den Menschen in der BR Deutschland seit der von Gerhard Schröder angeführten Regierung aus SPD und Grünen mit allerlei irrationaler Propaganda in das Hirn implantiert werden soll, damit es auch ja zum überpersonalen Kopfkino der Jetztzeit werde, woran der Mensch sich selbst und jeden anderen Menschen messe. Der gesamte Wahnsinn eines staatlich subventionierten „Marktes“ für schäbig entlohnte Elendsarbeit, der von der derzeitigen großen Koalition fröhlich weiter aufrecht gehalten wird, ist die politisch gewollte Einrichtung eines sisyphistischen Systemes, den Verfluchten zur Last und den Besitzenden zum Wohlgefallen. Ein Unterschied zu Sisyphos besteht freilich; denn wer heute in diesem fremden Film seines mit hohem Aufwand von außen induzierten Kopfkinos nicht Platz nehmen mag, der wird mit existenzbedrohenden Sanktionen gefügig gemacht.

Sisyphosse dieser Zeit, lasst den verdammten Stein liegen! Sollen die fluchbringenden, großkopferten „Götter“ sich doch selbst daran zerplagen!

Mit fröhlichem Gruß an Ralf

Vom entbehrlichen Buch

Neulich habe ich gelesen, dass Erich von Däniken an einem neuen Buch arbeitet, natürlich mit den alten Themen. Überall aus der Vergangenheit werden uns aus den Texten und Fotos die erdrückenden Beweise dafür anspringen, dass immer wieder Außerirdische die Erde besucht haben und unsere ganze Kultur gestiftet haben. Eine tolle, modern parareligiöse Hypothese, die bei aller ihrer Monotonie und Einfallslosigkeit bislang doch immer wieder ein gutes Geschäftchen ermöglicht hat und die dabei so viel erklärt, dass sie gar nichts erklärt — natürlich wie immer durchaus flüssig und packend geschrieben.

Aber eines scheint Erich von Däniken noch gar nicht bemerkt zu haben. Es gibt inzwischen ein Internet, das diese Form der „Literatur“ völlig entbehrlich macht und ihm wohl diesmal das so bewährte Geschäft versalzen wird. So viel wirrer Spinnekram, wie er sich in weniger als fünf Minuten durch gezieltes Googlen nach passenden Begriffen finden lässt, kann sich der „kreativste“ Deuter von Artefakten der Vergangenheit nicht mehr ausdenken. Der hat doch tatsächlich so sehr nach Zeugen technischer Vorrichtungen in der Vergangenheit gesucht, dass er die technische Entwicklung der Gegenwart verpasst hat. :mrgreen: