Tag Archive: Politikverdrossenheit


Anstelle einer Anmerkung

187. Sitzung des 17. Deutschen Bundestages, Tagesordnungspunkt 21: Zweite und dritte Beratung des von der Bundesregierung eingebrachten Entwurfs eines Gesetzes zur Fortentwicklung des Meldewesens (MeldFortG), jeweils mit Abstimmung — weitgehend unbeachtet von der so gennannten „Öffentlichkeit“, durchgeführt unmittelbar nach Beginn der Live-Übertragung des Europameisterschafts-Halbfinalspieles Deutschland gegen Italien. Der Gesetzentwurf wurde angenommen.

Ich bitte um besondere Würdigung der geschliffenen parlamentarischen Kultur und technischen Effizienz bei der „Beratung“ über ein Gesetz, das den Datenhandel mit zwangsweise von jedem Menschen in der BRD erhobenen Meldedaten ermöglicht. Die Frage, woher die so genannte „Politikverdrossenheit“ kommt, die in ihrem Kern vor allem eine Politikerverdrossenheit ist, braucht angesichts der Machenschaften dieses lichtscheuen Gesindels keine weiteren Antworten. Dennoch sei die Stellungnahme des FDP-Bundestagsabgeordneten Manuel Höferlin hier erwähnt [dauerhaft archivierte Version], damit auch niemand glaube, etwas sei nicht mit rechten Dingen zugegangen:

Das Verfahren ist ordnungsgemäß und parlamentarisch einwandfrei abgelaufen

Schland stürmt vor, Eigentor! Schon nach weniger als einer Minute.

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Der Klebstoff am Hintern des Aussitzers

Deutschland ist das einzige Land, wo Mangel an politischer Befähigung den Weg zu den höchsten Ehrenämtern sichert.

Carl von Ossietzky

Könnt ihr euch auch alle noch daran erinnern, das noch vor ein paar Wochen fast alle daran geglaubt haben, diese lebende Beschädigung des Amtes des Bundespräsidenten, Christian Wulff, müsse zurücktreten?

Die „Politikverdrossenheit“ ist in Wirklichkeit eine Politikerverdrossenheit.

Ausschuss

Dem Worte „Ausschuss“ haftet doch ein heiterer Doppelsinn an, den man beim Lesen von Meldungen nicht vergessen sollte. Etwa, wenn so eine Ausschussware wie Dr. Silvana Koch-Mehrin — eine überführte wissenschaftliche Betrügerin mit einem Charakter ähnlich einem Hochstapler, die ihren akademischen Titel mit einer nachweislich abgeschriebenen und damit gefälschten wissenschaftlichen Arbeit „erworben“ hat — in Anerkennung dieser „Leistung“ nicht etwa die verdiente Ächtung erfährt, sondern zum Vollmitgleid des europäischen Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie befördert wird.

Der Ausschuss ist zuständig für: […] die Forschungspolitik der Union, einschließlich Verbreitung und Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse

Wenn diese Frau, die nachgewiesenermaßen den Wissenschaftsbetrieb vor allem als eine für sie nützliche und schmückende Titelmühle betrachtet hat, nun für die Bildungs- und Wissenschaftspolitik der Europäischen Union zuständig ist, denn ist das nur folgerichtig und steht in einer großen Kontinuität des jeden Tag zwar nicht so direkt, aber dennoch immerfort in Wort und Tat geäußerten, allgemeinen „Wir machen, was wir wollen, und ihr könnt uns alle mal am Arsche lecken“ der classe politique und der ParlamentArier.

Und morgen schon werden die offenen Freunde und Begünstiger der Plagiatoren wieder mitten in die Kamera und das contentindustrielle Mikrofon, das Auge und Ohr der Welt, vom Schutz des geistigen Eigentums faseln und allerlei Zensur und Technikverhinderung in Gesetzeskraft zu setzen versuchen. Mit heiterem Gruß aus Alzheim — und einem mitschwingenden, aber doch niemals direkt geäußerten „Ihr könnt uns alle mal am Arsche lecken“. Während immer wieder von der Politikverdrossenheit der Menschen gesprochen wird, sind es diese Politiker und ihre mafiös wirkenden Wahlvereine (so genannte „Parteien“), die für den Verdruss sorgen.

Kleiner Hinweis am Rande: Es gibt da eine zwar nutzlose, aber doch den Widerspruch dokumentierende Petition für einen Rücktritt dieser Hochstaplerin.

Bildung

Die Grünen haben ihre Wahlplakate in den öffentlichen Blickraum gestellt, und neben dem erwartungsgemäßen ideologischen Dummschwatz ist sehr viel von „Jobs“ und von „Bildung“ die Rede. Dieser Schwerpunkt auf Bildung spiegelt trefflich die Tatsache wider, dass diese Partei beinahe nur noch aus Pädagogen zu bestehen scheint, die Politik vor allem als Fortsetzung ihrer Parallelwelt des zwangsschulischen Bildungssystems sehen — und zu dieser schulmeisterlichen Selbstüberschätzung passt auch, dass darunter noch der Text „Aus der Krise hilft nur Grün“ gestempelt wird. In wie weit eine (wünschenswerte, aber innerhalb des bestehenden Schulsystemes nicht erzielbare) Verbesserung der Bildung nun allerdings dazu führen soll, dass plötzlich wieder ein Bedarf der Wirtschaftsunternehmen an Arbeitskräften bestehen soll, bleibt eine Frage, die von den platten Parolen nicht beantwortet wird.

Offener Brief an die Piratenpartei

Aktueller Nachtrag: Bodo Thiesen hat sich in einem Offenen Brief deutlich von den kritisierten Aussagen distanziert. Der Schaden für die Piratenpartei und für die von dieser Partei vertretene Sache bleibt angesichts des Umganges mit dieser Affäre bestehen, und die Verwendung dieser Angelegenheit in der Propaganda gegen die Piratenpartei und gegen jeden Streiter für ein freies Miteinander in Verschiedenheit im Internet wird so sicher kommen, wie das Amen in der Kirche. Mein offener Brief an die Piratenpartei bleibt hier zum Zweck der Dokumentation unverändert erhalten und ist in vielen Punkten auch trotz dieser erfreulichen Distanzierung und der klaren Worte in Bodo Thiesens Offenem Briefe noch aktuell.

Ein fröhliches Hallo!

Als jemand, der wegen seiner Verstandesfunktionen nicht daran glauben kann, dass sich der gegenwärtig über die Gesellschaft ablaufende, überpersonale Prozess dadurch überwinden lässt, dass man sich in diesem über die Gesellschaft ablaufenden, überpersonalen Prozess einbringt und ihn auf diese Weise auch fördert und vorantreibt, stehe ich jeder Form der zurzeit institutionaliserten Politik mit großem Pessimismus gegenüber. Das gilt auch euch, für den jungen und bunten Haufen, der sich „Piratenpartei“ nennt und in der BR Deutschland parlamentarische Wirkung entfalten will. Wegen dieses rationalen Pessimismus (der in einem sehr fröhlichen Menschen wie mir zur Blüte kommt) und wegen meines genauen Wissens darum, dass ich auf dem Politikmarkt keinen hohen Marktwert erzielen kann, käme ich niemals auf die Idee, mich innerhalb einer politischen Partei in der BR Deutschland zu engagieren.

Doch bezogen auf euch, auf die „Piratenpartei“: Zu diesem Pessimismus hat sich bislang wenigstens für euch eine kleine Prise Sympathie gesellt, seid ihr doch genau jener Kriminalisierung technischer Möglichkeiten und vorsätzlich zum Standard gemachten Rechtswillkür im Internet entgegen getreten, die auch mein Leben betrübt und über diesen etwas schrägen Zugang eine Stimme erhoben, die im Zeitalter voranschreitender Restriktion die „guten alten Bürgerrechte“ einfordert. Dieser kleine Hauch der Sympathie hätte für sich allein gewiss nicht dazu geführt, dass ich euch wähle — denn ich weigere mich nun einmal, eine lediglich simulierte „Demokratie“ auch noch dadurch zu stützen, dass ich mich an ihr beteilige.

Aber sie hätte fast zu öffentlichen Akten der Sympathie geführt, die sogar weit über das kreuzweise Blöken eines Stimmviehs hätten hinaus gehen können.

Ich bin rückblickend — wieder einmal in meinem Leben — froh darüber, dass ich kein Mensch von leichtherzigen, emotionellen Entschlüssen bin. Die Regung der Sympathie mag eine schöne sein, aber sie gehört in ein völlig anderes, eher affektiv funktionierendes und evolutionär älteres mentales System als in jenes mentale System, mit dem man meiner Meinung nach vernünftige Entscheidungen zur Regulierung des gemeinsamen Miteinanders — ich vermeide das oft missbrauchte und zum schwammhaften Nichts verkommene Wort Politik an dieser Stelle — treffen sollte.

Tatsächlich haben wir die beklagenswerten Zustände der Jetztzeit und hatten wir viele beklagenswerte Zustände der Vergangenheit vor allem deshalb, weil viel zu viele Menschen ihre Entscheidungen — seien es politische Entscheidungen, oder seien es viel banalere, etwa Kaufentscheidungen — mehr unter dem Diktat der reklamepsychologisch leicht manipulierbaren Sympathie und Antipathie als durch Anwendung einer einfachen, vernunftgemäßen Erwägung treffen.

Ja, ihr habt es — wie bislang auch jede andere Partei in der BR Deutschland — geschafft, diesen kleinen Funken Sympathie in mir wieder auszulöschen. Und. Zwar. Sehr Gründlich.

Es mag sein, dass ihr überwiegend einer Generation angehört, die vom Hitlerwahnsinn in Deutschland nichts anderes kennt als die Vermittlung des Schulunterrichtes, die man sich für ein Referat und eine Klassenarbeit in den Kopf paukt, um sie wie jeden anderen, nutzlosen Schulstoff nach der Leistungskontrolle wieder zu vergessen. Das ist es, was ich euch als Entschuldigung zubilligen möchte, bevor ihr mit noch hilfloseren Ausflüchten beginnt.

Aber lasst euch das eine bitte gesagt sein: Dass ihr so einen wie Bodo Thiesen, einen Relativierer des industriell betriebenen Massenmordes im Deutschen Reiche unter der Herrschaft Adolf Hitlers, in parteiliche Ämter und Würden bringt, das geht gar nicht!

Noch einmal zur Klarstellung: Gar nicht geht es! Nicht ein bisschen!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch! Ich habe nichts dagegen, dass Menschen seltsame Meinungen vertreten, ich bin sogar der Auffassung, dass die Unterdrückung seltsamer Meinungen ein Fehler ist und dass jeder Mensch im Gegenteil dazu imstand gesetzt werden muss, einen Spinnkopf unter Verwendung seines Bewusstseins als solchen zu erkennen und mit dieser Erkenntnis verantwortlich umzugehen. Denn Spinnköpfe, deren Auffassungen den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben, die wird es immer geben und sie sollen von mir aus auch unbedrängt als Spinnköpfe leben können, so lange ihre Spinnerei harmlos ist. Ich habe nur etwas dagegen, dass ihr so einem Spinnkopf mit einem Amt ausstattet und ihm damit eine Plattform gebt.

Natürlich könntet ihr diesen personellen Fehlgriff kitten, indem ihr euch klar distanziert und Bodo Thiesen innerparteilich isoliert — aber zumindest im Saarland scheint euer Vorstand doch ziemlich auf der braunen Linie zu sein:

Die Postitionen von Bodo Thiesen sind sicherlich fragwürdig. Eine tatsächliche Relativierung des Holocoust geben sie aber derzeit nicht her! Er zweifelt offenbar an den Details ODER am gesamten. Entweder drückt er sich bescheuert aus, oder er ist es tatsächtlich. Nur wird das aus dem gesagten nicht klar! Daher heisst es wohl „in dubio pro reo“ […] ich finde einige Details in der deutschen Geschichte schlicht Pauschalisierung derselben. Der Norwegenfeldzug war wohl nach allen mir bekannten Fakten ein reiner Reaktionskrieg und keine reine Angriffshandlung.

Wenn jemand daran zweifelt, dass der fabrikmäßige Massenmord in dieser Größenordnung stattgefunden hat und dabei nicht einmal klar macht, dass er überhaupt den fabrikmäßigen Massenmord für eine Tatsache hält, denn relativiert er nicht den Holocaust und man kann im Zweifelsfall noch für ihn sein. Schließlich war das mit Norwegen auch kein kriegerischer Überfall. Immerhin wird hier noch nicht gesprechblast, dass die die Polen Schuld am Zweiten Weltkrieg seien und die Deutschen haben sich nur gewehrt hätten. :mrgreen:

Oder einmal ein etwas kürzeres und kälteres Abwiegeln, Besänftigen, Rechtfertigen in der Twitter-Version:

Was soll da los sein, ein Mensch hat in jungen Jahren mal Bullshit von sich gegeben. Das Zitat ist meines Wissen nach sehr alt

Klar, ist sehr alt, das Zitat. Das Gras wächst schnell, sogar über die Gräber derer, deren Blut zum Himmel schreit. Manche scheinen die so entstandene Wiese sogar schon für einen Spielplatz voller Vogelgetwittscher zu halten.

Aber von meinem eher emotionalen „Ihr habt euch unmöglich gemacht“ einmal abgesehen — ich sage ja selbst, dass die leicht manipulierbaren Affekte eine fragwürdige Grundlage fürs Politische sind: Ihr habt mit der innerparteilichen Förderung eines solchen Braunkopfes und so einem unreflektierten Blah zum Thema alle Ziele in Gefahr gebracht, für die ihr einzutreten vorgebt.

Benutzt doch bitte jetzt einmal für eine einzige Minute euren Restverstand und versetzt euch in die Lage eurer Gegner — also in die Lage der Leute in der Contentindustrie und in die Lage der führenden Köpfe in den Parteien und der Journaille!

Ich sage es euch, die können auch jetzt noch nicht ihr Glück fassen. Ihr seid schon tot.

Es ist dank eurer grenzenlosen Idiotie eine Kleinigkeit geworden, die „Piratenpartei“ in der Propaganda zu behandeln. Ich bin kein Experte in der Massenmanipulation, aber ich würde da etwa die folgende Vorgehensweise anwenden:

  • Als erstes brauche ich ein griffiges Schimpfwort für euch, so eines, dass niemals vor Gericht als Beleidigung durchgeht ist und doch für die Mehrzahl der Menschen — wie gesagt, diese treffen ihre Entscheidungen affektiv — vollständig abwertend klingt. Ich würde die Wortschöpfung „Digitalisten“ nehmen. Das klingt nach Menschen, die Digitaltechnik — für die meisten Menschen ein Fremdkörper — über alles andere setzen wollen.
  • Dieses Schimpfwort brauche ich, damit ich nicht dauernd euren selbst gewählten Namen in das Fernsehen und die Presse bringe, denn ich will keine Werbung für euch machen, sondern euch schaden.
  • Dann brauche ich ein paar griffige Thesen, die auch für den bierduseligen Stammtisch geeignet ist. So etwas wie „Die Digitalisten sagen, ohne Internet gäbe es keine Demokratie. Und? Was hatten wir die ganze Zeit“. Versteht ihr den Stil? Genau so geht Propaganda, für die Bildzeitung geht es sogar noch eine Größenordnung plumper.
  • Und jetzt zur Steilvorlage, die ihr geliefert habt. Daraus machte die Propaganda ein „Diese Digitalisten verwechseln sogar das Internet mit der Wirklichkeit. Weil jeder Nazi im Internet eine Stimme haben kann, wollen die auch Nazis in der Politik haben. Und Kinderficker.“ — natürlich in etwas gemäßigteren Tonfall, aber in dieser Zielrichtung.

Versteht ihr? So etwas zieht sich demnächst durch alle Medien, und daraus lassen sich Menschen ihre Meinung bilden. Und schon kann man alle eure bürgerrechtlichen Forderungen auf kurze Phrasen runterbrechen und darauf verweisen, wer es bei euch zu etwas bringt. Wartet mal ab, Frontal 21 im ZDF ist ein guter Kandidat für den ersten medialen Angriff auf euch. Die meisten Wähler in der BR Deutschland sind sehr leicht manipulierbar, ihr werdet es noch merken. Und am Ende der Kampagne regiert die Partei von Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen zusammen mit einer CSU, die am liebsten alle menschenverachtenden Ideen des Papstes in Tagespolitik umsetzen würde und dieser heillose Pakt koaliert mit einer FDP, die Hartz IV auf 250 Euro kürzen will und es dabei keineswegs skandalös findet, wenn ein Vollzeitjob nur 350 Euro im Monat bringt.

Glaubt mal ja nicht, dass es in den kommenden Klassenkämpfen nur ums Internet geht. Es geht um die menschliche Würde selbst. Eben darum verbietet sich jede Gemeinschaft mit Holocaustleugnern!

Und nicht nur, dass ihr der Sache geschadet habt, ihr habt auch mir persönlich geschadet, denn ich stehe in meinem Umfeld und in allem, was ich tue, im Wesentlichen für die gleichen Ziele wie ihr ein. Das geht so weit, dass ich immer wieder einmal für einen Aktivisten eurer Partei gehalten werde. Ihr habt mich für dieses Streben — das bei mir inzwischen den Umfang eines Lebenswerkes hat — in die begriffliche Nähe von Neofaschisten und Holocaust-Leugnern gestellt, als ob ich nicht schlimm genug wäre, dass mehr als die Hälfte meiner Familie unter Hitlers Herrschaft fabrikmäßig ermordet wurde. Und. Ihr erlaubt es mit eurem Tun einer gut funktionierenden Meinungsindustrie, in den kommenden Wochen auf dieser Nähe herumzureiten, auf das die Stimmviecher zur müden Komödie der Bundestagswahl auch die richtige Deinung erhalten.

Ihr seid schon Verräter, bevor ihr richtig mit der Politik angefangen habt. Die billige Verharmlosung schwerer, gegen das Leben selbst gerichteter Verbrechen ist keine Meinung, sondern lebensverachtender Zynismus.

Und dafür. Verachte und hasse ich euch.

Löst eure verkackte Partei, die schon vor ihrem eigentlichen Anfang auf ganzer Linie gescheitert ist, bitte einfach auf!

Mit deutlichem Gruß!

Der Nachtwächter
Nach Diktat verreist

PS: Und kommt jetzt ja nicht auf die Idee, irgendeinen „Dialog“ mit mir zu suchen. Ihr steht längst auf einer Seite, die mein Leben negiert. Und ich weiß das und will mit euch nichts zu tun haben. Aufdringliche Versuche der Kommunikation werde ich als Akt der Gewalt betrachten und behandeln.

Nachtrag:  Piratenpartei distanziert sich von den Äußerungen eines einzelnen Mitgliedes

Der Bundesvorstand der Piratenpartei fordert das Parteimitglied Bodo Thiesen dazu auf, sich eindeutig und endgültig von seinen fragwürdigen Äußerungen zum Holocaust zu distanzieren. Bereits im Juni 2008 hatte der Vorstand Thiesen dafür eine Verwarnung erteilt. Durch die erneut laut gewordene Kritik innerhalb der Partei sowie in der Blog- und Twittersphäre hält der Vorstand eine noch klarere und deutlichere Distanzierung für nötig. Sollte Bodo Thiesen dieser Aufforderung nicht binnen 24 Stunden nachkommen, wird der Bundesvorstand die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. […]

Der Bundesvorstand erklärt daher im Namen der Piratenpartei:
„Wir erklären hiermit in Übereinstimmung mit der Satzung der Piratenpartei Deutschland, dass wir faschistische Bestrebungen jeder Art entschieden ablehnen.

Weiterhin erklären wir, dass wir den Holocaust als historische Tatsache ansehen und deren Relativierung oder Verharmlosung nicht dulden werden.  […]

Nachtrag ZweiBodo Thiesen / Stellungnahme persönliche Meinung vs. Parteimeinung

Mein Klassenbewusstsein

Zeitgenossin: „Warum engagierst du dich nicht in der Piratenpartei?“

Nachtwächter: „Aus dem gleichen Grund, aus dem heraus ich mich auch nicht in der CSU engagiere; wegen meines Klassenbewusstseins. Ich weiß genau, welche Strukturen der Herrschaft innerhalb einer Partei entstehen, so bald sie politisches Gewicht erhält; und ich weiß ebenso genau, welche Personen und Standpunkte in einer Partei mit politischem Gewicht unterdrückt und zur Unbeachtlichkeit erklärt werden. Wenn die Piratenpartei niemals politsches Gewicht erhält, kann ich mir die immense aufzuwändende Lebenskraft für ein derartiges Engagement sparen, erhält sie jedoch Gewicht und damit das besoffen machende Suchtmittel der Macht, so wird auch die Piratenpartei keine Partei sein, in der einer Bedeutung, Beachtung und Einfluss erlangen könnte, der als obdachloser, bettelnder Künstler nur noch nimmt, was ihm kampflos gegeben wird. Die späteren Werber für diese Partei, sie könnten mich in diesem trübblinden Zeitalter, in dem das Image vor dem Inhalt geht, schon wegen meiner auffällig ausgefallenen Zähne nicht mehr auf ein Plakat drucken oder im Namen der Partei in die Öffentlichkeit lassen — auf das, was sie „Kompetenz“ nennen, kommt es nicht an. Ich brauche keine Fahnen zu hissen, nicht einmal einen Jolly Roger, denn ich kann überall um mein marginalisiertes Lebensrecht betteln. Was aus politischen ‚Alternativen‘ wird, habe ich oft genug gesehen, um zu wissen, dass es innerhalb des überpersonalen Prozesses des herrschenden Systemes keine Veränderung geben kann — um ein besseres Miteinander der Menschen zu formen, muss der überpersonale Prozess des herrschenden System überwunden werden. Und. Wo es sich mit Gewalt dagegen sträubt, kann es nur mit Gewalt überwunden werden.“

Ja, ich weiß, E., dir gegenüber war ich vorhin wesentlich verständlicher und wortreicher — aber du musst doch eingestehen, dass es das Gleiche ist…

Die wirksame Abwrackprämie

Eine Abwrackprämie für die gegenwärtige Regierung der extremen Mitte, ein mindestens vierstelliger Betrag, auszuzahlen an jeden Menschen, der nachweisbar hilft, das von Natur aus verbrauchte Personal dieser Regierung zu beseitigen und durch ein unschädlicheres zu ersetzen; das wäre vielleicht das beste und wirksamste Programm in der gegenwärtigen Krise.

Wenn die Mitglieder der herrschenden politischen Kaste mit dem Mund von „Innovation“ sprechen, aber mit den Händen das Geld der Bürger ausgeben, um einen industriellen Dinosaurier wie die umweltsauhafte Autoindustrie künstlich am Leben zu erhalten, während jede wirklich innovative Unternehmung mit lässigem Achselzucken dem Pleitegeier und dem Ausverkauf des dort arbeitenden qualifizierten Personales ins Ausland überlassen wird, dann wissen wir es alle: Es ist ein Wahljahr.

Deutschland in Europa

dô wart sîn riuwe alsô grôz
daz im in daz hirne schôz
ein zorn unde ein tobesuht,
er brach sîne site und sîne zuht

Hartmann von Aue, Iwein

Im Vorbeifahren auf einem Wahlplakat der FDP den claim gelesen: „Für ein Deutschland in Europa“. Es ist doch tröstlich, dass diese hemmungslosen, kryptofaschischtischen Volksverkäufer, die am liebsten jedes Lebensrecht eines Menschen unter Erwägungen wirtschaftlicher Ausbeutbarkeit bewerten und entwerten würden; dass dieses Pack wenigstens die Geografie unverändert lassen will. Es handelt sich wohl um das erste Wahlversprechen in diesem Jahr, das ich glauben kann.

Bei so viel Dummheit und Dumpfheit mag sich auch der politische Mitbewerb in Form der CDU nicht zurückhalten. Allerdings ist der claim hier noch ein bisschen kürzer gefasst und fetter gedruckt: „Wir in Europa“. Damit auch letzte verhinderte Volksgenosse diese Nullaussage richtig zu deuten vermag, ist das Wort „Wir“ in den Farben schwarz, rot und gelb hinterlegt. Es erinnert leicht an die zum Glück nicht ganz so langen tausend Jahre, in denen das Deutschland der Reichen und Schwerindustriellen sich mal so richtig in Europa auswüten konnte. Aber aber, wirrer Werber, die passenden Farben für diesen Anklang sind doch etwas andere, nämlich schwarz, weiß und rot.

Die Genossen von der SPD, nachdem sie so lange genossen haben, dass man sie in der verblendeten Wahrnehmung für so etwas wie eine Partei mit einem besonderen sozialen Zug hielt, sie verzichten in ihrem groß gedruckten claim vollständig darauf, so etwas wie einen eigenen Standpunkt zu vermitteln. Statt dessen soll eine Kampagne der reinen Abgrenzung etwas an den miesen Umfragewerten dieser sonst so Sozial-Populistischen Demagogen ändern, und so wird in großen Schreibuchstaben zum kontrastarmen Bild eines Föns getextet: „Heiße Luft würde die Linke wählen“. Etwas kleiner steht darunter „Für ein Europa der Verantwortung“. Es ist allerdings nicht zu befürchten, dass diese Worte voller heißer Luft und kaltblütiger Verlogenheit bedeuten würden, dass Schröder, Müntefering, Hartz, Rürup und der ganze Rest der großtenteils kriminellen Bande, der unter der Schröder-Fischer-Regierung damit begonnen hat, Deutschland im Zustand der politsch gewollten Massenverelendung an den Meistbietenden zu verkaufen, jemals zur Verantwortung gezogen würde.

Wer wissen will, wie man das Wort „Politikverdrossenheit“ wirklich buchstabiert, der muss sich nur anschauen, zu welchen Kürzeln diese unverschämte Leere und Verachtung denkender Menschen auf Plakaten transportiert wird.