Tag Archive: Phobokratie


Es geht vorwärts

Jeder einzelne hoffend, dass er nicht bemerkt werde, marschieren sie leise, auf Zehenspitzen, im Gleichschritt. Dem Abgrund entgegen.

Kein Problem

Hunger tötet jeden Tag mehr Menschen als Ebola in einem ganzen Jahr, wird aber dennoch von den Medien der Staaten und der Milliardäre niemals so drastisch als Problem dargestellt, weil Politiker und reiche Menschen nicht an Hunger sterben können.

Datensammelwut

“Datensammelwut”, sagte der Vorübergehende, “was für ein falsches Wort! Es ist kein wüten, es ist ganz im Gegenteil frei von jedem Affekt; die Überwachung und Verdatung aller Menschen dieser Welt wird mit dem gemütskranken Ernst und der — von dieser entsetzlichen Angst einmal abgesehen — völligen Gefühls- und Empathieunfähigkeit einer Neurose vorangetrieben. Und diese Psychomechanik der Herrschenden und Besitzenden passt dermaßen genau zu einer Rechenmaschine, dass mir in der Kälte der Phobokratie nur so gruselt”.

Die Verlogenheit

Die stickige geistige Enge, die durch ein Gewirr von Lügen und vom Schutz dieser Lügen vor jeder Überprüfung oder auch nur Infragestellung aufgerichtet wird, ist ein Spiegelbild der Angst.

Kitt

Die Angst der Einzelnen und die soziale Kontrolle jedes Einzelnen durch andere verängstigte Einzelne, die nicht an ihre Angst denken wollen, diese beiden sind der Kitt des gesellschaftlichen Unrechts.

Deine Ängste und Sorgen

“Deine dumpfen Ängste und Sorgen”, sagte der Vorübergehende zum zeitungslesenden Mitmenschen, “bewirken nicht, dass du morgen weniger Elend und Leiden hast. Diese ins Nichts gerichtete Anspannung und Erwartung zur Abwehr des befürchteten Schreckens bewirkt nur, dass du heute weniger Kraft zum Hassen, zum Lieben und zum Leben hast, dass du aus selbstgemachter Kraftlosigkeit heraus versäumst, zu verändern, was du verändern kannst. Deshalb wird ja auch so viel dafür getan, dich in dumpfe Ängste und Sorgen zu verhaften”.

Edward Snowden

Der unter dem Krawattentalar und der photoshop-retuschierten Lächelmaske gut verborgene Dolch der Gestalten aus der classe politique ist für ein paar Tage für viele Menschen etwas sichtbarer geworden. Mehr nicht. Und dieser kleine, kurze Einblick. Reichte bereits für panikartige Reaktionen der classe politique, reichte bereits, um das Flugzeug eines Staatspräsidenten zur Landung zu nötigen und widerrechtlich auf einen Verdacht hin zu durchsuchen. Wenn so mit einem Staatsoberhaupt umgesprungen wird, wie wird wohl mit gewöhnlichen Menschen umgegangen, deren Willkürerfahrungen von einer auf Hoffnung gedrillten Armee der Feiglinge ignoriert werden? Wer es jetzt nicht versteht, wird es niemals mehr verstehen; wer es jetzt noch verdrängen kann, spare mir und dem Rest seiner Mitwelt jegliches Gefasel von Moral.

Die Macht der Mächtigen…

“Die Macht der Herrschenden”, sagte der Vorübergehende zu seinem Zeitgenossen, “die Macht der Herrschenden ist zunächst nur die stumme Lähmung deiner Angst. Und. Wenn du zu wenig Angst in dir selbst hast, dann wird sie dir gemacht, auf jede nur denkbare Weise gemacht.”

Ich wünsche auch weiterhin viel Spaß mit Petitionen und Demonstrationen, die ihr vorher bei der Polizei anmeldet…

Teile und herrsche

Die privatwirtschaftlich betriebenen Fernsehanstalten verwenden einen erheblichen Anteil ihrer Sendezeit dazu, die armen Menschen gegen eine grell dargestellte Minderheit von Menschen mit noch weniger Besitz aufzuhetzen, um ihnen auf diese Weise immer und immer wieder zu suggerieren, dass sie zu den noch “relativ Reichen” gehören und deshalb Angst vor jeder Forderung nach Gerechtigkeit entwickeln müssen, weil damit auch ihr erbärmlicher Status in Gefahr gerät. Wie könnte dort auch jemand anders seinen Standpunkt manipulativ durchzusetzen versuchen? Wer arm ist, kann doch nicht den Betrieb eines Fernsehsenders bezahlen.

Vom Land der Sklaven

Das Land der Sklaven ist voller Menschen, die selbstverständlich mit der niemals hinterfragten, unsichtbaren Kette aufgewachsen sind, die um sich herum ein Leben lang nur gefügige Menschen in unsichtbaren Ketten gesehen haben und die es in ihrer so staatserhaltenden Angst bevorzugen, bei der Sicherheit der unsichtbaren Ketten zu bleiben, statt sich in die Ungewissheit der Freiheit zu begeben.

“Der war irre”, sagt der Irrsinn

Nachdem — anders als es von der medialen Kriegspropaganda der täglich in die Hirne gestreuten Islamangst gewünscht war — völlig klar ist, dass der Mörder von Oslo und Utøya kein armer und leicht fanatisierbarer Moslem mit geringer individueller Lebensaussicht, sondern ein vermögender und offenbar gebildeter Christ mit extrem konservativer Weltsicht war, ist klar, was die nächste Strategie in der medialen Darstellung sein wird: Der Mörder wird wortreich zum Psychopathen erklärt werden, zum irren Einzeltäter, damit auch nicht ein Gedanke an den sozialen und politischen Kontext verschwendet werden muss, in dessen Schatten eine derartige Mordlust erblühen konnte. Denn das. Ist beinahe eine Konstante in der medialen “Aufbereitung” politischer Gewalt: Die Täter aus dem “linken” politischen Spektrum und seit zehn Jahren auch jene mit islamisch-religiösen Hintergrund sind organisierte und gefährliche Terroristen, denen gegenüber ein so gewaltiger und nach Möglichkeit auch gewaltsamer Präventivstaat aufgebaut werden muss, dass darunter bürgerliche Freiheitsrechte zu ersticken drohen; die anderen Täter hingegen, deren Tat sich als ein vergrößerendes Zerrbild des “konservativen” Wertekanons darstellt, sind irrsinnige Einzeltäter.

Übrigens: Der offene Rassist Thilo Sarrazin ist übrigens immer noch Mitglied der SPD und wird immer noch von einem Medienapparat umhätschelt, der ihm die Möglichkeit gewährt, sich und die von ihm offensiv vertretene Ideologie in Szene zu setzen — neuerdings sogar ausgerechnet aus der Opferrolle… dokumentiert und gesendet im Zweiten Deutschen Fern-Sähen.

Der mörderische Gartenzwerg

Ein auf Gewalt und auf die Angst um die Erfüllung der nackten menschlichen Grundbedürfnisse bestehendes gesellschaftliches Gefüge der Unterdrückung wird stabilisiert und so recht erst ermöglicht durch die schweigenden Vielen, die hoffen, dass jede Gewalt schon an ihnen vorübergehen und Andere treffen wird, so lange sie nur brav schweigend in ihrem illusionären, bürgerlichen Wolkenkuckucksheim hinter Kitsch und Illusion verschanzt bleiben. Die einen töten am Schreibtisch, die anderen durch die zu Recht erklärte grobe Gewalt und die damit verbundene, nicht minder große Drohung der Angstpeitsche, die meisten aber in der Larve des Gartenzwerges. Das spießbürgerliche Idyll, in dem jedem klinisch reinen Tinnef sein Platz zugewiesen ist, es ist ein Spiegelbild des Friedhofes.

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