Tag Archive: Pathologisierung


Phobie

Die, die Homophobie kritisieren und bekämpfen, sind außerordentlich häufig faschistophob.

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Er ist bunt und singt so schön…

Ein Vogel, der im Käfig geboren wurde, hält das Fliegen und jeglichen Wunsch danach für eine Form der behandlungsbedürftigen psychischen Krankheit.

Wegen Überfüllung geschlossen

Sicherlich wäre es möglich gewesen, Anis Amri, den Mörder von Berlin, wegen akuter Fremd- und Eigengefährdung in eine forensische Psychiatrie der BRD zwangseinzuweisen, nachdem Polizeien und Nachrichtendiensten bekannt geworden war, dass er sich für ein religiös motiviertes Selbstmordattentat zur Verfügung gestellt hatte. Aber leider war kein Platz mehr in den forensischen Psychiatrien der BRD, sind sie doch voll mit den Gustl Mollaths, derer Namen und Geschichten niemals mehr gedacht werden soll, damit auch alles so bleibe. Wie es ist.

Das Leben als behandlungsbedürftige Krankheit

Was zur kindlichen Persönlichkeit dazu gehört − unfertig, verspielt, stürmisch und sprunghaft zu sein − würde heute in einem erschreckenden hohen Ausmaß für behandlungsbedürftig erklärt […] Vor allem Jungen werden Opfer dieser Entwicklung, so Beate Frenkel und Astrid Randerath und sprechen von der „Pathologisierung eines Geschlechts“

Susanne Billig bei Deutschlandradio Kultur — Psychologie: Kinder dürfen nicht mehr Kinder sein

Unmögliche Diagnose

„Stell dir nur vor“, sagte der Vorübergehende zu seiner betrübten Zeitgenossin, „der Psychotherapeut würde zu dir sagen ‚Sie sind nicht depressiv, sie haben ganz einfach nur ein beschissenes Leben‘ — da würde doch sein ganzes Geschäftsmodell den Bach runtergehen“.

Was von Gustl Mollath zu lernen ist

Nur selten, ja, so gut wie niemals gilt als wegsperrenswert geisteskrank, wer mächtig ist oder über viel Besitz verfügt, gleichgültig, wie asozial, gewaltbereit, wirr, dumm, realitätsfern und gefährlich er ist. Jene, die in den rechtsfreien Räumen der psychiatrischen Kliniken ihre lebenslange „Strafe“ dafür verbüßen, dass sie so sind wie sie sind, und die dafür zur höhnischen Verachtung auch noch als „krank“ gerufen werden, ganz so, als sei ihr gesamtes eigenes Sein eine ausrottenswerte, aber in jedem Fall die Quarantäne rechtfertigende Pest, sie sind beinahe immer arm und machtlos. In dieser deutlichen ökonomisch-sozialen Selektion der „Diagnosen“ spiegelt sich nicht nur die Willkür und Unwissenschaftlichkeit der psychiatrischen Medizin, sondern auch die ihr zugedachte Rolle für den gewaltsamen Erhalt der gesellschaftlichen Verhältnisse, ihre Funktion als notdürftig rational verbrämter Ersatz für den Terror der Inquisition.

Selbstdiagnose

Bevor man damit anfängt, sich für depressiv zu halten, zu glauben, man hätte ein geringes Selbstwertgefühl oder eine ähnlich dumpfpsychologische Zuschreibung von Defiziten mit der damit einhergehenden Pathologisierung an sich selbst vornimmt, nur, weil man trotz aller Versuche mit seinem Dasein immer noch nicht klarkommt, sollte man sich auf jeden Fall ein paar Tage Zeit dafür nehmen, innezuhalten und sehr aufmerksam um sich herum zu schauen, ob man vielleicht nur von egoistischen Idioten und gefühlskalten Arschlöchern umgeben ist. Nicht immer ists der eigene Zustand, der macht, dass sich einer krank fühlt…

Psychiatrie

Die Psychiatrie ist die unheilige Inquisition des „aufgeklärten“ Zeitalters.

„Der war irre“, sagt der Irrsinn

Nachdem — anders als es von der medialen Kriegspropaganda der täglich in die Hirne gestreuten Islamangst gewünscht war — völlig klar ist, dass der Mörder von Oslo und Utøya kein armer und leicht fanatisierbarer Moslem mit geringer individueller Lebensaussicht, sondern ein vermögender und offenbar gebildeter Christ mit extrem konservativer Weltsicht war, ist klar, was die nächste Strategie in der medialen Darstellung sein wird: Der Mörder wird wortreich zum Psychopathen erklärt werden, zum irren Einzeltäter, damit auch nicht ein Gedanke an den sozialen und politischen Kontext verschwendet werden muss, in dessen Schatten eine derartige Mordlust erblühen konnte. Denn das. Ist beinahe eine Konstante in der medialen „Aufbereitung“ politischer Gewalt: Die Täter aus dem „linken“ politischen Spektrum und seit zehn Jahren auch jene mit islamisch-religiösen Hintergrund sind organisierte und gefährliche Terroristen, denen gegenüber ein so gewaltiger und nach Möglichkeit auch gewaltsamer Präventivstaat aufgebaut werden muss, dass darunter bürgerliche Freiheitsrechte zu ersticken drohen; die anderen Täter hingegen, deren Tat sich als ein vergrößerendes Zerrbild des „konservativen“ Wertekanons darstellt, sind irrsinnige Einzeltäter.

Übrigens: Der offene Rassist Thilo Sarrazin ist übrigens immer noch Mitglied der SPD und wird immer noch von einem Medienapparat umhätschelt, der ihm die Möglichkeit gewährt, sich und die von ihm offensiv vertretene Ideologie in Szene zu setzen — neuerdings sogar ausgerechnet aus der Opferrolle… dokumentiert und gesendet im Zweiten Deutschen Fern-Sähen.

Unkrank

Er sagte: „Nein, ich bin nicht depressiv. Mein Leben ist so scheiße.“

Wer schaut, ist geisteskrank!

Es ist jetzt schon einige Zeit her, dass ich von den Beamten einer vorbeifahrenden Polizeistreife ausführlich kontrolliert wurde und dabei auch einige Fragen zu hören bekam, deren Zweck einzig darin bestand, meinen Geisteszustand zu untersuchen: Fragen nach meinem Namen (bei anschließendem Vergleich des mitgeteilten Namens mit dem Personalienausweis* in der Hand), dem aktuellen Datum, der Tageszeit und auch nach dem Ort, an dem ich mich befand; ganz so, als sei ich nicht mehr bei Sinnen gewesen. Abgeschlossen wurde die spontane Befragung mit der Frage, ob ich gedächte, Selbstmord zu begehen. Der offensichtliche Verdacht der Polizisten, ich hätte ein gestörtes Verhältnis zu grundlegenden Aspekten der Realität, er wurde nicht etwa dadurch erweckt, dass ich wie ein Berserker brüllend durch die Straßen gegangen wäre, denn sonst müssten eine solche plumppsychologische „Untersuchung“ bei jedem Volksfest und jedem Fußballspiel zehntausendfach durchgeführt werden. Nein, ich zeigte kein Zeichen von Aggression und war vollkommen ruhig. Meine für das langsam vorbeifahrende Auge so verdächtig aussehende „Tätigkeit“ bestand darin, dass ich an einem Fluss stand und mehrere Minuten lang einen Reiher betrachtete, der reglos in die trüben Fluten schaute, so, wie Reiher dies zu tun pflegen. Dass einer herumsteht und abseits der Bedingungen eines gesellschaftlichen Prozesses, der unentwegte Hast und Tätigkeit von allen Menschen fordert, für einen kurzen Moment müßig innehält, um einen erfreulichen Aspekt seiner Welt zu betrachten, das reicht (mindestens) bei diesen beiden Uniformierten hin, um den Verdacht einer Geisteskrankheit zu erwecken, um einen innehaltenden Menschen offen und kalt zu pathologisieren, während man das Hoheitszeichen an Arm und Kopf trägt. Eine routinierte Geste, die ihre schnelle Wirkung nicht verfehlt, die aber erst mit etwas zeitlichem Abstand verstanden wird. Mögen die „Gesunden“ noch viel Spaß beim Strampeln im Kühlschrank haben!

*Das in Plastik eingeschweißte Kärtchen weist meine Personalien aus, und nicht etwa mich als Personal.

Geistige Gesundheit

Allzu oft zeigt sich geistige Gesundheit in Zeiten des umfassenden gesellschaftlichen Zerfalls darin, dass der Gesunde von vielen Menschen — darunter auch Fachleute und Mediziner — allzu leicht und ohne besondere Mühe in der Diagnostik für krank erklärt wird.

Und nein, nicht jeder Idiot ist deshalb gleich geistig gesund…