Tag Archive: Parareligion


L’odeur de la revolution

Niemand unterschätze die Leistungsfähigkeit der Parareligion des Konsumismus, wenn es darum geht, den Wahnsinn hervorzubringen und ein Geschäft damit zu machen! Wenn dereinst — angesichts der weiter zunehmenden Verelendung von immer mehr Menschen unter dem Selbstzweck-Diktat des wirtschaftlichen Wachstums kann es auch recht schnell gehen — die Idee einer Revolution wieder zu romantischen Schwärmereien einlädt, die von der Angst in den Kriechgang gezwungen werden, dann werden die Marktforscher mit gezielten Ausbefragungen diesen trend flugs in Zahlen zu verwandeln wissen, und die professionellen Hirnficker der Reklameindustrie werden wissen, wie sie die psychische Energie in jene Kanäle umleiten können, die einer Vermarktung von Produkten zuträglich ist. Aus dem schon jetzt zur kindisch verehrten Ikone gewordenen Freiheitskämpfer Che Guevara wird eine herbe, vielleicht auch nach einem Hauch von Schmauch und Brandbeschleuniger duftende Parfümmarke werden, und eine allgegenwärtige Werbung wird dafür sorgen, dass diese mit Che-Ikonen bestempelte Marke so vor den Augen einer Zielgruppe „körperbewusste Männer mit sozialem Verantwortungsgefühl“ hingestellt wird, dass ihr keiner entkommen kann. Ich sehe jetzt schon mit den Augen der Zukunft die Werbung zum Weihnachtsgeschäft vor mir, die zeigt, wie in nebelhaft verklärendem Lichte die Bescherung unterm geputzten Baume mit all seinem Tinnefgold und leuchtendem Unrat aufgeführt wird: ein professionell aufgeführtes Schauspiel aus dem synthetischen „Paradies“ der Reklame. Und sie wird ihm das bunte, goldverschnürte Päckchen geben, und er wird es auspacken und eine Parfümflasche „Che“ in der markanten Form einer Handgranate in der Hand halten und sich darüber freuen und sie mit einem Blick betrachten, der deutlich macht, wie gern er sie jetzt wegen dieses Geschenkes ficken würde. Im Hintergrund läuft im weichgespülten Klimperklang „Süßer die Kassen nie klingen“ und durch das riesige Fenster zeigt sich eine Schneelandschaft, über der sich ein Santa Claus in den Farben von Coca-Cola von Rentieren durch die Lüfte ziehen lässt. Es riecht nach Glück, Plätzchen und Revolution. Und. Es ist kälter denn je zuvor.

Dank an Woschod!

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Banknote

Banknote (die) — Aufwändig bedrucktes Stück Papier, das von staatlichen Institutionen als Schwindelzettel ausgegeben wird, um den Menschen in diesem Staat als Ersatz für wirkliche Werte zu dienen. Da es verhältnismäßig leicht ist, Papier zu bedrucken, wird zum Zweck der Herstellung von Banknoten ein spezielles, nicht handelsübliches Papier verwendet, das mit speziellen, schwierig zu imitierenden Verfahrensweisen bedruckt wird, um Nachahmer zu entmutigen. Als Motive für den Druck dienen in der Regel abstrakte Muster, Zahlen, hässliche Gebäude und moralisch zerfressene oder tote Menschen, die in unerfreulichen Farben auf das Papier gestempelt werden. Diese industriell erstellten Druckwerke werden künstlich knapp gehalten, damit auch jeder fühlen möge, dass es sich um etwas Rares und Wertvolles handele — außer, der Verlauf eines klassischen Krieges oder jenes Kampfes eines jeden gegen jeden auf einem Schlachtfeld voller Überfluss, den man „Wirtschaft“ nennt, ist einmal mehr dermaßen ungünstig, dass im völligen Werteverlust dieses Treibens mehr künstliche Werte erforderlich werden, um die Menschen hoffend, gefügig und gehorsam zu halten.

Die ersten Banknoten wurden im elften Jahrhundert in China ausgegeben, um einen Krieg auf diese Weise zu finanzieren, ohne dass der Staatsbankrott offensichtlich wird. Dieses Verfahren traf auf ein weltweites Bedürfnis der Herrschenden und Besitzenden, so dass es im Laufe der folgenden Jahrhunderte überall eingeführt wurde. Damit sich auch niemand des Kultes um das Papier entziehe, wurden überall Gesetze gesetzt, in welchen die Menschen zur Annahme des Papieres verpflichtet wurden. Dieser zusätzliche Rahmen machte es auch zunehmend entbehrlich, die aufgedruckten Zahlen durch irgendwelche Werte zu decken, bis zuletzt ein reiner Glaube zurückblieb, der jeden Menschen zum Gläubiger einer niemals beglichenen Schuld macht. Dort, wo die Menschen durch das Treiben eines von staatlichen Kirchen geheiligten Adels besonders geneigt sind, in das Nichts zu glauben — etwa in Großbritannien, wo die Menschen ihr Glauben auch gern in Spuk, Kornkreisen und den genetischen Produkten einiger Jahrhunderte der Inzucht verirren lassen — wird dieser Glaube auf den staatlichen Schwindelzetteln noch befördert, indem eine „Zusicherung“ auf das Papier gestempelt wird: „I promise to pay the bearer on demand the sum of 5 pounds“. Nicht erwähnt wird, dass es sich hierbei lediglich um fünf Pfunde warmer Luft handelt.

Wissenschaft

Für jemanden, der die Menschen belügen will, ist das Wort „Wissenschaft“ keine Methode, die rigoros angewendert zu werden hat, um mehr Aufschluss über die Beschaffenheit der Wirklichkeit zu bekommen, sondern einfach nur ein anzuwendendes Schema der Kommunikation, welches dazu führt, dass die dreisten Lügen von weniger Menschen hinterfragt werden, da für die zunehmend bildungsferneren Menschen Wissenschaft die Stelle einer Religion eingenommen hat, deren Aussagen hohe Glaubwürdigkeit genießen. Sehr viele „Unterschungen“ dienen nicht dem Zweck, etwas über die Wirklichkeit zu erfahren, indem ihr im Experiment gezielt Fragen gestellt werden, sondern nur dem einen Zweck, anderen Menschen Lügen zu verkaufen. Das Ergebnis solcher „Untersuchungen“ steht fest, ehe sie überhaupt beginnen.

Das sollte jeder Denkende und Fühlende in seinem Sinn festhalten, wenn er die scheinbar gebieterischen Fakten in den Medien und in der Politik kurz aufnimmt. Gebieterische Aussagen ohne präzise Darlegung der angewendeten Methodik sind nicht Wissenschaft, sondern die Glaubenssätze der Parareligion der Jetztzeit. Und die Haut wird um 73 Prozent geglättet.

Der esoterische Selbstbetrug

Oh, der Einfall war kindisch, aber göttlich schön.

Friedrich Schiller, „Don Carlos“

Manchmal, eigentlich sogar recht häufig, wollen einem Anhänger der modernen und am Markt recht erfolgreichen hybriden Religion namens „Esoterik“ anderen Menschen weis machen, dass die von ihnen auserkorene Irrationalität eine Vorwegnahme künftiger Wissenschaft sei. Um diese These zu „belegen“, greifen die so Redenden ein wenig in die bunte Kiste mit den Irrungen der Wissenschaftsgeschichte und greifen sich aus diesem fröhlichen Schatz eine Handvoll besonders eklatanter Beispiele der Ignoranz des wissenschaftlichen Etablissements heraus und verweisen darauf, dass „die Wissenschaft“ dann schließlich doch noch die Fakten anerkennen musste, sie sogar zu Gegenständen der Forschung machen musste. Und genau das gleiche erwarten sie von ihrem durch nichts belegbaren, gleichermaßen billigen wie nicht preiswerten Seelentrost voller Geschäft, Primitivität, Betrug und Angstabwehr.

Ein beliebtes Beispiel der so redenden und leider auch so denkenden Idioten sind — so sie nicht gleich von der scheibenförmigen Erde jener Zeit sprechen, in welcher eine Kaste von Pfaffen den Allheitsanspruch ihrer Religion mit Gewalt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit machen konnte — die Meteoriten. Sie verweisen darauf, dass die meisten Wissenschaftler von ihrem damaligen Modell des Sonnensystemes ausgehend, jeden Fund eines Meteoriten mit den ungefähren, recht autoritär dargebrachten und oft mit ätzender Polemik gewürzten Worten „Steine fallen nicht vom Himmel“ für unbeachtlich erklärten und sich mit der Wirklichkeit der Meteoriten nicht weiter beschäftigten, weil sie davon ausgingen, dass der Raum im Sonnensysteme nur mit größeren Körpern gefüllt sei. Ein anderes Beispiel, das von den Wirrgläubigen gern herausgepickt wird, sind die Kugelblitze, deren Natur übrigens bis heute unklar ist. Beides sind heute ganz selbstverständliche Gegenstände der Forschung und Theoriebildung, obwohl die Beschäftigung mit diesen Erscheinungen vor noch gar nicht so langer Zeit den Ruch des Abergläubischen und Irrationalen hatte, durchaus damit vergleichbar, wie in der heutigen Wissenschaft die so genannten „Parawissenschaften“ betrachtet werden.

Aber die blinden Gläubigen der Esoterik bemerken dabei nicht, dass sowohl die Existenz von Meteoriten als auch die Existenz von Kugelblitzen in psychischer Hinsicht neutral sind. Das Postulat, dass Steine außerirdischen Ursprunges vom Himmel fallen oder das Postulat, dass eine mutmaßlich elektrische Erscheinung in Form eines leuchtenden Plasmaballes auftreten kann, mag intellektuell interessant und kurios sein, aber es ist für das Seelenleben eines Menschen ungefähr so bedeutsam wie das Postulat, dass jede natürliche Zahl einen Nachfolger habe und dass man deshalb unbegrenzt zählen könne. Von daher gibt es zum Beispiel keine nennenswerte psychische Motivation, derartige Berichte zu erfinden oder Belege für diese Thesen zu fälschen — was bleibt, ist die Ungenauigkeit in den Mitteilungen episodischer, nicht-reproduzierbarer Erlebnisse, die der Skepsis gegenüber dem Mitgeteilten für so lange Zeit Futter gab.

Deshalb hat es auch niemals ein großes, psychisch motiviertes Geschäft mit dem Glauben an Meteoriten oder Kugelblitzen gegeben. Im schlimmsten Falle wurden und werden Sammlern ordinäre irdische Steine vulkanischen Ursprunges als meteoritisches Gestein verkauft.

Die von primitiver Magie, narzisstischer Seelenvergötzung und einem allgemeinen Konzept des Belebt- und Durchgeistert-Seins aller Erscheinungen des Kosmos geprägten Konzepte der Esoterik und der darauf basierenden Parawissenschaften sind aus einem völlig anderen psychischen Material gebaut, sie erfüllen dem in seinem Bedingt-Sein verhafteten Menschen Wünsche nach individueller Bedeutung, Einflussnahme, Unsterblichkeit und Sinnhaftigkeit, sie sind ein geiler Traum, der so alt ist wie die Einsicht in die kalte, gebieterische Wirklichkeit des Todes und der sogleich daran mit aufkommende Wunsch, diese Wirklichkeit möglichst umfänglich zu vergessen. Für solche Verdrängung existiert ein großer Markt; und die vielen Bereiche der Esoterik, sei es der Geisterglaube, der Spiritismus, die angenommene Möglichkeit telepathischen Austausch oder der telekinetischen Beeinflussung der Umwelt durch psychische Kräfte, sie sind schon immer Bereiche gewesen, in denen gefälscht wurde, in denen gelogen wurde und in denen den Gläubigen für ein bisschen Einlullung ihrer todgepeinigten Seele ordentlich das Geld aus der Tasche gezogen werden konnte. Das gleiche gilt für eine recht junge (aber zum Glück schon wieder etwas in Vergessenheit geratene) Spielart dieses postmodernen Voodoo*, der UFO-Esoterik. Aus dem psychischen Gewinn, der sich mit diesen Konzepten verbindet, lässt sich also wirtschaftlicher Gewinn saugen, und dies geschah und geschieht immer wieder.

Nicht, dass ich jemanden um seine Selbsteinlullung bringen will, aber zum Thema der Wissenschaft wird sie hoffentlich niemals werden — und wenn doch einmal, dann am ehesten noch zum Thema der Psychopathologie. Wer sogar so blöd ist, dass er eine kommerziell vorgestanzte Form der seelischen Selbsteinlullung mit Individualität verwechselt, ist in diesem vollständigen Denkverzicht längst verloren — ein Denkender und Fühlender lullt sich wenigstens noch in eigener Verantwortung auf seine eigene Art ein. 😉

Nur eines sei hier noch zum Abschluss gesagt: Es gab genau zwei Erkenntnisse in der jüngeren Geschichte der Wissenschaft, die sich gegen große gesellschaftliche Widerstände durchsetzen mussten. Der Grund dieser Widerstände war (und ist) das psychische Unbehagen, das sich mit diesen Einsichten verband. Die erste Einsicht, die sich mit dem Namen Galileo Galilei verbindet, ist die Tatsache, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Kosmos ist. Diese Einsicht führte zur juristischen Verfolgung Galileis durch die Profiteure des psychischen Geschäftes im Vatikan, bei der belastende Beweise einfach gefälscht wurden. Eine Rehabilitation Galileis durch die juristischen Organe des Vatikans fand erst am 2. November 1992 statt. Die zweite Einsicht, die sich mit dem Namen Charles Darwin verbindet, ist die Tatsache, dass sich alles Leben auf der Erde unter völlig natürlichen, materialistisch erklärbaren Bedingungen entwickelt und diversifiziert hat. Diese Einsicht hatte für Darwin zwar keinen lebenslangen Hausarrest und die in der Luft liegende Drohung des Scheiterhaufens mehr zur Folge, aber sie wird bis heute massiv angefeindet, und wenn die meist religiösen Gegner dieser Einsicht nur die Macht hierzu hätten, denn würde sie auch mit Gewalt unterdrückt. Wer wirklich meint, dass sein narzisstisches Bedürfnis nach Todesverdrängung, Sinngebung und eingebildeter Allmacht in den Rang einer für alle Menschen verbindlichen Erkenntnisgrundlage gestellt werden sollte, der steht in dieser Meinung für derartige Unterdrückungen. Und. Belegt damit das barbarische, archaische Material unter der bunten Verpackung, in der eine jahrmarkthafte Esoterik-Industrie den seelischen Ausverkauf betreibt.

* Anhänger der ebenfalls hybriden, aber wenigstens mit Tradition ausgestatteten Religion Voodoo mögen mir diesen Vergleich mit einer reinen, als Spiritualität getarnten Geschäftemacherei verzeihen.

Existenz

Existenz - Die Fachhochschule Hannover bietet in Kooperation mit hannoverimpuls Workshops zum Thema Existenzgrünung in den kommenden zwei Monaten vom...

Unter den vielen Bullshit-Wörtern des gegenwärtigen Neusprechs spiegelt wohl kein anderes so sehr die Tatsache wider, dass dem nicht völlig verwirtschafteten Leben eines Menschen jeglicher Anspruch auf ein Sein abgesprochen wird, wie dieses eine Wort „Existenzgründung“.

Zeichen der Dummheit

Den Wahn erkennt natürlich niemals, wer ihn selbst noch teilt.

Sigmund Freud

Wer es gewohnt ist, seine intellektuellen Fähigkeiten zu benutzen, der sieht mit Leichtigkeit das Gemeinsame in allen Religionen der Menschheit und zieht daraus mit ebensolcher Leichtigkeit den Schluss, dass sie aus dem gleichen psychischen Material gestrickt sind, dass sie ein Ausfluss der psychischen Bedingtheit des Menschen sind. Er sieht auch schnell das Gemeinsame in den modernen Para- und Ersatzreligionen, die als vielfältige Ideologien und sonstige Idiotien dem Miteinander der Menschen in den so genannten „aufgeklärten“ Gesellschaften ihren Stempel aufdrücken sollen — dies oft mit der gleichen Intensität der Gewalt, mit welcher in früheren Zeiten die Religion den Menschen in den „gläubigen“ Gesellschaften ihren Stempel eingepresst hat, und auch mit der gleichen, stumpfen Dummheit und Lebensverachtung. Er sieht auch das Gemeinsame zwischen Religion und Ideologie in ihrem psychischen Material, und er versteht, wieso derart ähnliche Pflänzchen aus diesem sumpfigen Boden erwachsen können, obwohl doch die formulierten Grundlagen so verschieden klingen. Er versteht daraus auch das Gemeinsame des Aberglaubens, sieht gar nicht mehr den großen Unterschied zwischen Marienerscheinungen, allerlei Wundern und Personenkulten gegenüber religiösen Führern auf der einen Seite und „unsichtbaren Händen“, abstruser statistischer Magie und Personenkulten gegenüber wirtschaftlichen und politischen Herrschern auf der anderen Seite. Und. Er kann daraus einen für ihn vernünftigen Schluss ziehen und danach leben, wenn es ihm in dieser feindseligen Umgebung auch oft sehr schwer fällt.

Nicht so der Dummkopf. Dieser. Sieht nicht die Gemeinsamkeiten, sondern die Unterschiede, und er lässt sich mit Leichtigkeit und nur einem wenig losem Geschwätz dazu übertölpeln, diese kleinen Unterschiede zu riesigen Angelegenheiten aufzubauschen, ja, sie zur Grundlage eines irrationalen Hasses und eines geradezu existenziell wirkenden, mit Angst- und Hassreden transportierten Missionstriebes zu nehmen. Er belegt in diesem von seiner Dummheit hervorgebrachten Verhalten (es ist kein Handeln) nicht nur offen seine Dummheit, er wird auch zum nützlichen Deppen für jene Wenigen, die von der Unterdrückung des Geistes bei der Mehrzahl der Menschen profitieren.

Der Anfang der Pest

Der damalige französische König Philipp VI. beauftragte im Jahre 1348 die medizinische Fakultät von Paris mit einer Untersuchung, festzustellen, welches die Ursache dieser schrecklichen Pestepidemie sei, die aus der Moderne rückblickend der „Schwarze Tod“ genannt werden sollte. Die zu Paris „forschenden“ Mediziner hatten sich offenbar nicht so sehr mit Medizin befasst, und deshalb hatten sie auch nicht versucht, den Weg und die Geschwindigkeit der Ausbreitung der Krankheit aus einer Vielzahl vorliegender Berichte zu untersuchen, damit sich auch ja nicht ihre Augen öffneten und sie die Wiederentdeckung machten, dass es Infektionskrankheiten gibt. Statt dessen betrieben sie das, was sie für Wissenschaft hielten. Und. Nach sicherlich langwierigem und angestrengtem Schauen in viele Tabellen und nach Anfertigung etlicher Diagramme, die dieses umfangreiche Datenmaterial aufschließen sollten, kamen die hochgeehrten Herren Doktoren schließlich zu dem folgendem, sehr präzise formulierten Ergebnis: Die Pest wurde am 20. März 1345 ausgelöst, und zwar durch eine ungünstige Konstellation der Planeten Mars, Jupiter und Saturn.

Diese Erklärung wurde in ganz Europa als die wissenschaftlichste angesehen und in jede europäische Sprache mit einer nennenswerten Sprecherzahl übersetzt. Irgendwelche hygienischen Maßnahmen folgten aus ihr nicht, und so konnte das große Sterben in Europa weitergehen, bis ein gutes Drittel der damals lebenden Menschen verreckt war und sich die Epidemie „biologisch erledigte“ — gegen die Planeten kann man ja nichts machen.

Inzwischen ist die Medizin in ihren Erkenntnissen und Methoden doch etwas weiter, auch sehr zum Vorteil aller Menschen, die sich mit Krankheiten und Medizinern herumschlagen müssen. Allerdings scheinen sich die meisten Universitäten in Europa und in den USA noch nicht im wünschenswerten Maß vom irrationalen Bullshit und wissenschaftlich verpacktem Hokuspokus abgekehrt zu haben, denn sonst würden dort nicht mehr diese so genannten „Wirtschaftswissenschaften“ gelehrt, deren Vertreter immer wieder zu vergleichbar unsinnigen Urteilen wie die oben beschriebenen Mediziner kommen. Und. Dies wegen des politischen Einflusses dieser Wisschenschaft sehr zum Schaden aller davon betroffenen Menschen.

Ideologie

Die Ideologie ist ein psychisches Bastardkind der Religion und hat die gesamte Schlechtigkeit der Religion geerbt. So jung die Idee ist, dass man Gesellschaften nicht mehr unter der althergebrachten Geistesknute einer Religion, sondern stattdessen unter der moderner und aufgeklärter eingewickelten Geistesknute einer Ideologie zusammenzuhalten sucht, so dick wäre das Schwarzbuch, das man mit den Barbareien im Namen irgendwelcher Ideologien — sei es der Kommunismus, sei es die Idee des Marktes als Grundlage des menschlichen Miteinanders oder sei es die vollends irrationale Idee eines unbegrenzten Wachtums auf der Grundlage begrenzter Ressourcen — auf tausenden bluttriefender Seiten mit Dokumenten des intellektuell begründeten Unmenschentums im Namen des Fortschrittes füllen könnte. Es stünde einem Schwarzbuch der Religion wohl in keinem Punkte nach, weder in seinem Umfang, noch in der mechanisch anmutenden, wahnhaften Kälte der darin dokumentierten Lebensverachtung. Zukünftige Generationen, so es sie überhaupt geben wird, werden es zu schreiben haben.  Und.  Sie werden sich vor die Aufgabe gestellt sehen, die psychischen Mechanismen, die Religion und die als Ideologie verpackte Parareligion hervorbringen zu überwinden, endgültig zu überwinden.  An die zurzeit existierende Menschheit zu glauben, käme einer Kapitulation des Intellektes gleich.

Strangtheorie

String theorists don’t make predictions, they make excuses.

Richard Feynman

Es ist doch bemerkenswert, dass in der derzeitigen physikalischen Forschung die Stringtheorie dermaßen viele Ressourcen bindet und zu so vielen Veröffentlichungen führt, obwohl sie in einem Vierteljahrhundert intensiver geistiger Anstrengung nicht eine einzige Voraussage über die Beschaffenheit der Welt hervorgebracht hat, die durch ein Experiment bestätigt werden könnte. Die in den gegenwärtigen Theorien postulierten Entitäten sind — Experten des Gebietes mögen mir bitte die Ungenauigkeiten in den folgenden Worten verzeihen, aber dieses Blog ist weder ein Lehrbuch der modernen Physik noch eines der Topologie, und ich wäre auch nicht imstande, ein solches Lehrbuch zu schreiben — eindimensionale (also mit einer Länge, aber ohne räumliche Ausdehnung versehene) oder mehrdimensionale „Strings“ oder (im mehrdimensionalen Fall) „Branen“ in einem vieldimensonalen Raum (zum Teil werden in derartigen Beschreibungen bis zu 32 Dimensionen angenommen), die in hochenergetischen Zuständen schwingen und dergestalt auf die uns unmittelbarer vertraute, vierdimensionale Raumzeit abgebildet („kompaktifiziert“) werden, dass sich dabei gerade die beobachtbaren Teilchen und Wechselwirkungen zwischen ihnen ergeben.

Anders als jede andere wissenschaftliche Theorie, die diesen Namen verdient, baut die Stringtheorie nicht auf experimentellen Beobachtungen auf und beinhaltet eine Reihe von Annahmen, deren Unbeobachtbarkeit mit zusätzlich angenommenen Mechanismen postuliert wird. Dort, wo sie mehr als die beobachtbare — das heißt hier: messbare — Wirklichkeit beschreibt, führt sie also zusätzliche Annahmen ein, die erklären, warum dieses „Mehr“ nicht beobachtbar ist.

Die Motivation für diese etwas seltsame Vorgehensweise erwächst aus dem Verlangen, eine vollständige Beschreibung der physikalischen Wirklichkeit in einer einheitlichen Theorie zu erarbeiten. Dieses Ansinnen, und mehr noch der in der Stringtheorie zur Verfolgung dieses Ansinnens eingeschlagene Weg, spiegelt die Tatsache wider, dass die innere Motivation, welche Menschen zur recht anstrengenden Tätigkeit der scheinbar so materialistischen Wissenschaft antreibt, aus genau dem gleichen psychischen Material gestrickt ist wie die evolutionär ältere Motivation zur umfassenden Welterklärung und Machterzielung über die Welt in der menschlichen Tätigkeit der Religion; dass sie eine Reaktion eines nachdenklichen Narzissten ist, der angesichts seiner individuellen Ohnmacht unter dem alles zur vorübergehenden Erscheinung machenden Tanz des Kosmos seinen dumpfen Allmachtsanspruch an übergeordnete, aber letztlich unsichtbare Persönlichkeiten oder Prinzipien abtritt, um ihn auf diese Weise zu erhalten und sich selbst daran zu ergötzen. (Ein Beispiel für eine Religion, die nur mit Prinzipien umgeht und auf personale Götter verzichtet, ist der „Kleine Wagen“ des Buddhismus.) Einiges von der Bitterkeit, mit der zurzeit ein Kampf zwischen Religion und Wissenschaft den Gesellschaften seinen Stempel aufdrückt, mag in dieser gemeinsamen psychischen Motivation beider Strebungen liegen — an der Aufgabe, den unangemessenen und letztlich infantilen Narzissmus zu überwinden, gehen beide Tätigkeiten vorbei, indem sie den Narzissmus zementieren.

Der von den Forschern in diesen theories of everything (das ist nicht mein Name dafür!) angewandte Kunstgriff zur Selbsttäuschung, einen Anschein von Objektivität durch eine mathematische Formulierung ihrer gedanklichen Arbeit zu erlangen, wirkt nur auf jene überzeugend, die sich nicht darüber klar sind, dass die Mathematik keineswegs aus sich selbst heraus objektiv ist, sondern den Möglichkeiten und Einschränkungen der menschlichen Fähigkeit zur Wahrnehmung enthüpft ist und somit die Strukturen des menschlichen Wahrnehmens in stark formalisierter (und oft sehr ansprechender) Weise widerspiegelt.

Die größten Fortschritte in der Erkenntnis, auch in der anwendbaren Erkenntnis, hat die Wissenschaft stets dort gemacht, wo sie dem allzu durchsichtigen Narzissmus des Menschen mit seinen Deutungen der Erscheinungen entgegen trat und den Erscheinungen gestattete, das zu sein, was sie sind — um diese zu beobachten, Theorien daran zu bilden und sie auf diese Weise zu verstehen. Die postulierten Strings mögen auf viele physikalische Forscher attraktiv wirken, aber sie machen auch den Eindruck, dass sie der Strang sind, an dem sich die Physik selbst erhängt.

Abschließende Anmerkung: Ich habe im gesamten Text „die Stringtheorie“ geschrieben, was eine Vereinfachung ist. Es gibt mehrere derartige Theorien, die eine gemeinsame Struktur sowohl in ihrer Beschreibung als auch in ihrem Unvermögen, zu wirklicher Erkenntnis zu führen aufweisen. Diese Theorien lassen sich vermutlich auch in einem übergeordneten, mathematischen Formalismus begreifen, was zurzeit ein wichtiges Betätigungsfeld der theoretischen Physik ist. Ob im Zuge dieser Anstrengung auch die Wirklichkeit begriffen wird, oder ob „nur“ die Theorien vereinheitlicht werden, gehört zu den Dingen, die sich noch zeigen müssen — ich bin allerdings recht skeptisch.

Richtung und Garheit (23)

Glauben Sie wirklich, der Mond ist nicht da, außer wenn jemand hinschaut?

Albert Einstein (polemisch zur Quantentheorie)

Mondbesitzer — In Westerkappeln (Westfalen) lebt ein gewisser Martin Jürgens, der Eigentumsrechte am Mond beansprucht. In seinem Besitz ist eine Schenkungsurkunde, ausgestellt und unterschrieben vom preußischen König Friedrich dem Großen. In dieser Urkunde wurden der Familie Jürgens die Rechte am Mond übertragen, und es wurde ferner in aller gebotener Form vom Könige verfügt, dass dieses Eigentum am Mond jeweils auf den jüngsten Sohn weitervererbt werden soll. Auf diese Weise hat der König seinen Dank gegenüber einem besonders beflissenen Schergen Ausdruck verliehen, und natürlich hat sich der manchmal recht zynische Alte Fritz in seinem herrschaftlichen Wahn gar nicht erst die Frage gestellt, wer oder was ihm eigentlich das Recht gibt, den Mond zu verschenken. Hätte der Sprössling des als adlig bezeichneten Großräubertums stattdessen ein Stück Land auf der Erde verschenkt, denn wäre die Familie Jürgens wohl bis heute eine jener privilegierten Familien mit jenem großen Landbesitz, der dauerhaften Reichtum hervorbringt. Denn im Gegensatz zum Verschenken des Mondes stellt bis heute niemand die Gültigkeit einer solchen königlichen Schenkung von irdischem Land in Frage, viele derartige Verfügungen sind bis heute in Kraft, den Erben der Begüngstigten zum Geldquell. Wer es freilich absurd findet, dass jemandem der Mond gehören könnte, wie kann der es nicht wenigstens fragwürdig finden, dass irgendein Mensch Besitzrechte an irdischem Boden hat?

Steine — Das wesentliche Ziel des sowjetischen Raumfahrtprogrammes „Luna“ aus den Sechziger Jahren war es, noch vor den USA eine Probe Mondgestein zur Erde zu befördern. Hierzu wurde eine Proton-Rakete eingesetzt, die mit einem Startgewicht von rund 585 Tonnen eine Nutzlast von etwa 6000 Kilogramm zum Mond befördern konnte. Diese brachte eine Mondsonde in eine Umlaufbahn um den Mond, die mit den Steuertriebwerken der Sonde so angepasst werden sollte, dass der mondnächste Punkt der Bahn über dem geplanten Landegebiet lag. Dieser Punkt sollte der Oberfläche immer näher gebracht werden, und die immer noch hohe Geschwindigkeit sollte dann durch ein kleines Triebwerk reduziert werden, so dass es schließlich zu einer Landung auf dem Mond kommt. Nach der Landung würde die Bodenprobe mittels eines Bohrers entnommen und in die 39 Kilogramm wiegende Rückführkapsel überführt, die dann direkt zur Erde startet und von einem Fallschirm gebremst in der Sowjetunion landet. In dieser Kapsel sind bei planmäßigem Verlauf maximal 200 Gramm Bodenprobe vom Mond. Wer meint, dass dies doch ein recht monströses Projekt zur Gewinnung einiger Steine ist, der übersieht, dass der technische und finanzielle Aufwand der USA mit dem bemannten Apollo-Programm wesentlich höher war. Die Sonde Luna 15 wurde am 13. Juli 1969 gestartet, drei Tage vor dem Start von Apollo 11, die Mission schlug allerdings fehl und die Sonde stürzte unplanmäßig hart auf die Mondoberfläche. Die Apollo-Astronauten der USA in ihrem kleinen Raumschiff sahen sie vor diesem Scheitern noch vorbeiziehen, bevor sie ihre erfolgreiche Mission durchführten und insgesamt 21,6 Kilogramm Bodenproben einsammelten und zur Erde zurückführten. (Mit späteren, erfolgreichen Missionen des Luna-Programmes hat auch die Sowjetunion gut 300 Gramm Mondgestein gewonnen.) Wesentlich günstiger wäre es freilich gewesen, auf der doch recht nahe gelegenen Erde zu suchen, führt doch immer wieder einmal der Einschlag eines Metoriten auf dem Mond dazu, dass lunares Gestein herausgeschlagen und zur Erde befördert wird; dies geschah im Laufe der Jahrmilliarden derart häufig, dass wohl jeder schon einmal einen Stein in der Hand hatte, der vom Mond stammt. Im Jahre 1979 wurde in der Antarktis der erste Meteorit gefunden, der sicher als Mondgestein identifiziert wurde, mit gleicher Sicherheit kennt man heute einige Dutzend derartige Meteoriten. Für eine wissenschaftliche Untersuchung sind sicher als Mondgestein identifizierte Meteroiten sogar wertvoller, da sie mit gleicher Wahrscheinlichkeit aus jeder lunaren Geländeform stammen können und nicht nur die möglicherweise speziellen Verhältnisse eines recht beschränkten Ortes der Probeentnahme widerspiegeln. Vermutlich gab es bei allen Mondprogrammen während des kalten Krieges nur eines, was noch monströser als der technische Aufwand war, und das war die zugehörige Propaganda.

Der Hunger — Bei der Vorstellung hungernder Menschen denkt beinahe jeder Mensch in der BR Deutschland nach allen werbenden Anstrengungen des Spendengewerbes an Afrika, und an die großflächig plakatierten Kinderaugen mit reklamewirksamer Fliege darunter, die zum modernen Ablasshandel rufen. Und in der Tat. Ist die permanente Unterernährung dort oft die Ursache für ein schreckliches Verrecken der davon betroffenen Menschen. An die Zustände in großen und reichen Industrienationen wird hingegen weniger gedacht. Im Jahre 2005 waren in den USA über 10 Millionen Menschen wegen ihrer Armut von permanenter Unterernährung betroffen, und gut 35 Millionen Menschen hatten nicht die Möglichkeit, sich ausreichend zu ernähren, das ist immerhin ein Achtel der Bevölkerung. Im November 2006 haben die Regierenden der USA dieses Problem „gelöst“, indem sie seitdem in ihren offiziellen Statistiken nicht mehr von klar und deutlich vom Hunger, sondern vorsätzlich verschleiernd von „sehr geringer Nahrungssicherheit“ sprechen, als ob solcher Neusprech etwas an den Tatsachen änderte. Unterdessen wird in den USA immer mehr Mais zu Treibstoff für den Irrsinn der Individualmotorisierung verarbeitet und steht nicht mehr als Nahrungsmittel zur Verfügung, so dass sich im benachbarten Mexiko viele arme Menschen nicht mehr ihre Tortillas leisten können.

U-FOol-ogie — Wenn die Religion das Opium des Volkes (Marx) oder das Opium für das Volk (Lenin) ist, denn ist die gegenwärtig von so genannten Sachbuchautoren in Geld verwandelte UFOlogie mit ihrer parareligiösen Mimikry das LSD des Volkes: Eine stark halluzinogen wirkendes Drogensurrogat für schlichte Gemüter mit zu großer Angst vor richtigen Drogen, das sogar dazu führt, dass sonst recht unauffällige Zeitgenossen den Anblick der Venus für eine persönliche Begegnung mit einem Raumschiff außerirdischer Zivilisationen halten, die ihre hütenden Augen über das Treiben der Menschheit an den Himmel kleben. Da kann man doch gleich den geist- und verantwortungslosen Irrsinn der irdischen Zivilisation weitertreiben, es sind ja mächtige Wesen da, die jederzeit eingreifen können.

Mit fröhlichem Gruß an Werner Walter, CENAP

Vom entbehrlichen Buch

Neulich habe ich gelesen, dass Erich von Däniken an einem neuen Buch arbeitet, natürlich mit den alten Themen. Überall aus der Vergangenheit werden uns aus den Texten und Fotos die erdrückenden Beweise dafür anspringen, dass immer wieder Außerirdische die Erde besucht haben und unsere ganze Kultur gestiftet haben. Eine tolle, modern parareligiöse Hypothese, die bei aller ihrer Monotonie und Einfallslosigkeit bislang doch immer wieder ein gutes Geschäftchen ermöglicht hat und die dabei so viel erklärt, dass sie gar nichts erklärt — natürlich wie immer durchaus flüssig und packend geschrieben.

Aber eines scheint Erich von Däniken noch gar nicht bemerkt zu haben. Es gibt inzwischen ein Internet, das diese Form der „Literatur“ völlig entbehrlich macht und ihm wohl diesmal das so bewährte Geschäft versalzen wird. So viel wirrer Spinnekram, wie er sich in weniger als fünf Minuten durch gezieltes Googlen nach passenden Begriffen finden lässt, kann sich der „kreativste“ Deuter von Artefakten der Vergangenheit nicht mehr ausdenken. Der hat doch tatsächlich so sehr nach Zeugen technischer Vorrichtungen in der Vergangenheit gesucht, dass er die technische Entwicklung der Gegenwart verpasst hat. :mrgreen:

Schweizer Schule

Wer die Welt erkannt hat, der hat einen Leichnam gefunden, und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht würdig.

Jesus aus Nazaret zugeschrieben, Thomas-Evangelium, Logion 56

Bei etwas bedächtiger, zurückgelehnter Betrachtung des Prozesses, der über die Gesellschaften abläuft, kommt trotz allen Ernstes die Heiterkeit von allein.

Diese ganzen Menschen, die den Rückschritt der Erkenntnis dadurch hervorrufen wollen, dass sie sich „wissenschaftlich“ klingende „Argumentationen“ für ihre Religion ausdenken, um einigermaßen solide begründete Erkenntnis besser verwerfen und ihre wünschenswerte Weitergabe an einen möglichst großen Teil der lebenden Menschen besser sabotieren zu können — ob sie sich hierfür nun das image eines „ismus“ anziehen, indem sie solches Trachten „Kreationismus“ nennen, oder ob sie etwas gelungener vom „intelligent design“ alles Seienden sprechen, in welchem sich die Intelligenz des göttlichen Schöpfers offenbaren soll — alle diese menschlichen Strebungen zur scheinbar wissenschaftlichen Begründung von Glaubensinhalten sind ja nicht vorbildlos. Sie haben sogar ein Vorbild in relativ junger Zeit, das ihnen allerdings nicht schmeicheln kann.

Es war der einfallsreiche und fröhlich zu lesende schweizer Autor Erich von Däniken, der vor einigen Jahrzehnten damit begann, die biblischen Berichte und andere alte Mythen an die moderneren Bedürfnisse anzupassen, scheinbar naturwissenschaftlich zu verpacken und ihnen so eine neue Glaubwürdigkeit vor allem beim halbgebildeten Publikum zu geben, indem er recht phantasievoll massenhaft historische Anomalien erfand und die „alten Götter“ zu neuen Astronauten machte. Was. Sich übrigens auch als ein recht gutes Geschäft erwies. Selbst die schreibende Methodik von Dänikens ist recht ähnlich, konnte dieser doch auch niemals starke Belege für seine recht ungewöhnlichen Thesen liefern und appellierte deshalb lieber mit gut zusammengetragenen, aus ihrem historischen Kontext gerissenen Fundstückchen an den irrationalen Glaubenswillen entwurzelter Menschen in einer Welt, die fremd geworden ist und keinen Halt mehr zu geben vermag. Die von Däniken gewünschte Interpretation dieser bunten Sammlungen wurde auch immer gleich mitgeliefert (dies auch immer wieder gern unter Ausblendung störender Fakten wie etwa der Übersetzung von Hieroglyphentexten zu den zahlreichen Abbildungen) und gab der Wahrnehmung des Lesers so auch gleich die „richtige“ Straße, so dass sich Sach- und Lachbuch für Sach- und Lachbuch eine moderne Parareligion mit fernen UFO-Göttern formen konnte. Diese hat bis heute eine erstaunlich große Zahl von Anhängern, und diese können ohne Probleme mit intellektuellen Rissen in ihrer „Argumentation“ zunächst eine halbverstandene Bibel und gleich darauf eine noch weniger verstandene Quantentheorie „zitieren“. Was die Kreationisten anders machen, sind eigentlich nur zwei Dinge: Sie verzichten auf eine moderne Umdeutung der antiken Textkörper, sondern nehmen sie wörtlich. Und. Sie verzichten auf die Haltung der Toleranz gegenüber Andersgläubigen.