Tag Archive: Parareligion


Börsenbericht

So lange in den als wichtige Nachricht und oft als einzige Wirtschaftsnachricht präsentierten Börsenberichten in Presse und Glotze ständig von Glauben, Hoffnung, Erwartung und Psychologie, aber niemals von überprüfbaren und falsifizierbaren Fakten die Rede ist, so lange sollte jedem Denkenden klar sein, dass man es in den glänzenden Tempeln und Bordellen der „Märkte“ mit nichts anderem als einer gottlosen Religion von menschen- und intelligenzverachtenden Geldanbetern zu tun hat.

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Babylonischer Vorhöllenhokuspokus

Die täglichen Börsenberichte in Presse und Glotze in ihrer Sammlung tagesaktuell erstellter, nichts-sagender und völlig faktenfreier Phrasen über Gefühl, Stimmung und Möglichkeiten sind nichts weiter als der babylonische Vollhöllenhokuspokus der Astrologie für Menschen, deren „Sterne“ längst die Scheine geworden sind.

Journalistische Predigt

Vorübergehender: „In der Zeitung ist schon wieder so viel von Glaube, Erwartung, Hoffnung, Stimmung, Vertrauen, Zukunft zu lesen“.

Zeitgenosse: „Wieso liest du auch die Meldungen aus der Religion“?

Vorübergehender: „Ich lese den Wirtschaftsteil“.

Nach der Wahl zum so genannten europäischen „Parlament“, bei der angesichts des laufenden entpolitisierenden Wahlkampfes¹ jetzt schon absehbar ist, dass die Wahlbeteiligung sehr gering sein wird, werden sich wieder Politiker und ihre speichelleckerischen Kumpel, die Journalisten, hinstellen und die üblichen Worte finden, um diese Nichtwahl von gut zwei Dritteln der Bevölkerung, die ja nichts weniger als ein allgemeiner und für die gesamte zur Wahl antretende classe politique ausgesprochener Legitimationsentzug ist, doch noch blendredend in eine Legitimation umzudeuteln. Und. Sie werden sich gewiss auch in diesem Jahr nicht zu schade sein, dabei auch den Spruch abzulassen, dass die Menschen den Glauben (oder das Vertrauen) in die Demokratie verloren hätten und dass man bewirken müsse, dass sie diesen Glauben zurückgewönnen — ohne in ihrem Deutungsrausch auch nur in einer kurzen Zuckung der Großhirnrinde zu bemerken, dass sie im Spiegelbild dieser Worte recht offen eingestehen, dass die so proklamierte „Demokratie“ für die Menschen keine Sache der unmittelbaren Erfahrung ist, sondern nur ein Für-wahr-Halten dessen, was von anderen gesagt wird; eine absurde, erfahrungsferne, fremd-vermittelte Parareligion, die von ihren Gläubigen verlangt, dass sie die gebieterischen Erscheinungen ihrer Lebenswirklichkeit ignorieren.

¹Niemand sage, dass es nicht politische Themen gibt. TTIP ist eines. Die menschenverachtende Weltüberwachung durch Geheimdienste der USA ist ein anderes. Aber wenn die politischen Parteien hier ihre politischen Absichten zu diesen Themen auf die Plakate stempeln ließen, würden sie dafür von einer sehr großen Mehrheit der Menschen in Deutschland nur noch Verachtung empfangen, und deshalb gibt es halt leere Sprüche von Stabiltität, Wachstum, Arbeit, Demokratie und… angesichts der vielen Lottospieler, die das Kreuzemachen schon gewohnt sind, ganz wichtig… Chancen. Im Vermeiden der gegenwärtigen politischen Themen auf den Wahlplakaten spiegelt sich sehr genau, welche Agenda nach der Wahl durchgesetzt wird.

Was ich zu gern einmal wüsste…

Was ich zu gern einmal wüsste? Ich wüsste gern, wie die werte Frau Gender in ihren schmücksamen pseudowissenschaftlichen Universitätswürden mit der grellen, sirrenden Dissonanz in ihrem Hirnkästchen klarkommt, wenn sie das Geschlecht eines Menschen für eine soziale Konstruktion hält, aber gleichzeitig die Auffassung vertritt, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen angeboren und damit unveränderlich sei. Für solch selektive Blindheit der Synapsen brauchen andere Menschen mindestens ein Jahrzehnt hingebungsvoller religiöser Praxis.

Kirchenjahr für Fresser

Aufbau von Imbissbuden am Nordufer des Maschsees

Auch die Parareligion des Konsumismus hat ihr gut inszeniertes und präzise abgestimmtes Kirchenjahr und ihre Hochfeste. Kaum sind auf dem Schützenplatz die Buden zum „Schützenfest“ abgebaut, werden sie am Maschsee für das kommende „Maschseefest“ wieder aufgebaut.

Der staatliche Ablass

Wie sehr das psychische Material der auf dem Rückzug befindlichen Religion weiterhin zur Festigung der allgemein viel anerkannteren Irrationalität des Staates wirksam ist, verrät sich nicht nur in der formellen Pseudofrömmigkeit aller staatlichen Rituale (bis hin zum in jeder Kaserne praktizierten, absurden, einer Anbetung nahekommenden Kult an farbigen Tüchern, die an Masten hochgezogen werden), sondern auch in der Sprache, die verwendet wird, um das Verhältnis zum Staate zu benennen: Wer seine Steuern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht abführt, wird nicht wie in jeder anderen Situation als ein Betrüger bezeichnet, sondern als ein „Steuersünder“.

Wie passend zu dieser von Politik und Journaille gepflegten gedankenpressenden Sprache, dass da immer wieder gern vom Staate Ablassangebote für „reuige Sünder“ geschaffen werden, wenn sie nur freiwillig „ihr Gewissen erleichtern“. Andere, in der Regel weniger vermögende Menschen können auf vergleichbare Gnade nicht hoffen — denn der neue Gott ist wie der alte Gott ein Gott der Reichen, er ist hart und lässt sich nur durch große Mengen Geldes erweichen.

Wolfskräuter

Der Zeitgenosse sagte dem Vorübergehenden, dass er seine Hunde jetzt nur noch vegetarisch ernähre. Und der Vorübergehende wunderte sich. Dass der seinen Hunden immerhin noch erlaubte, ein Fell zu tragen.

Zapfenstreich

Aus der Sicht vieler Zuschauer und Wegschauer, die den Ablauf dieses unwürdigen staatsreligiösen Spektakels in ohnmächtiger Wut zu ertragen haben, gewönne der Große Zapfenstreich zur Verabschiedung Wulffs sicherlich sehr, wenn die Soldaten nicht nur rituell das Gewehr präsentierten, sondern auch anlegten und gezielt feuerten.

Die neue Schuld

Beklagte man ehemals die Schuld der Welt, so sieht man jetzt mit Grausen auf die Schulden der Welt.

Arthur Schopenhauer

Paläo-SETI

Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis quodque papyrus agit virgula plana valet.*

Venantius Fortunatus

Paläo-SETI (die, Asubstantiv) .– Theolügie vom UFO-Gott, Menschneinung, Flugscheibenkleister..

Die vor allem durch die Bücher eines Erich v. Däniken in der breiten Masse bekannt gewordene Grenzwissenschaft der „Prä-Astronautik“ geht davon aus, dass bedeutende menschliche Kulturleistungen der Vergangenheit nicht von Menschen, sondern von Außerirdischen vollbracht worden seien.

Um diese beherzte Verneinung der Möglichkeiten des menschlichen Geistes zu „stützen“, werden antike Überlieferungen durch die lustige Brille der modernen UFO-Legenden gelesen; die technischen Großleistungen der Vergangenheit werden auf diesem Hintergrund als Belege der durch diesen Blick verzerrten Lesart interpretiert. Da solche „Belege“ etwas dürftig sind, und da jeder einzelne dieser aus seinem kulturellen und — im Falle mythologischer Überlieferung — erzählerischen Gesamtzusammenhang gerissenen „Belege“ bei genauerer Untersuchung fragwürdig erscheint, wird in der marktorientierten Darlegung dieses modernmythologischen Hirnfurzes auf die geisterschlagende Überzeugungskraft großer, aus vielen fremden Kulturen entnommener Materialsammlungen gesetzt. Bei dieser Vorgehensweise können auch dünne Geschichtchen und dürre Analogien in Sach- und Lachbüchern verwurstet werden, um ihre Seiten mit bullshit zu füllen, während die Autoren fröhlich darüber hinwegsehen, dass es kein einziges Artefakt von gesichert nichtirdischer Herkunft gibt — nicht einmal einen außerirdischen Aschenbecher.

Eine wenig beachtete, aber im modern-esoterischen Kontext durchaus gewöhnliche Erscheinung bei diesem Thema ist der latente Rassismus des Erklärungsmodelles. Antike monumentale Bauwerke werden durchweg als möglicherweise „außerirdisch“ und mit „UFO-Technologie“ erbaut eingestuft, wenn sie auf eine nicht-europäische Kultur zurückgehen, da Nichtariern solche technischen und organisatorischen Leistungen nicht zugetraut werden. Aber keiner von den Verfechtern der Präastronautik kommt auch nur auf die Idee, dass…

  • das Pantheon zu Rom mit seiner gewaltigen Betonkuppel, die über 16 Jahrhunderte hinweg die größte Kuppel der Welt war;
  • die Tempelanlagen der Akropolis zu Athen, für deren Bau große Marmormengen bearbeitet und mit antiker Technik auf einen über 150 Meter hohen Hügel transportiert werden mussten; oder auch
  • die aus der Jungsteinzeit stammende, monumentale Anlage „Stonehenge“ mit unbekannter religiöser, astronomischer oder kosmologischer Funktion, für deren Errichtung etliche riesige Steinblöcke mit steinzeitlicher Technik durch unwegsames, waldiges Gelände bewegt werden mussten

…ohne die Hilfe der „UFOnauten“ nicht zu wuppen gewesen wären. Die als kulturell überlegen gedachten Europäer benötigen für solche Vorhaben keine besondere Hilfe der „kosmischen Brüder“, anders als die Ägypter und die stein- und bronzezeitlichen Zivilisationen des alten Amerika bei ihren Pyramiden und sonstigen Großprojekten. Darin spiegelt sich wider, dass es vor allem Autoren aus dem europäischen Kulturkreis sind, die so eine Verneinung menschlicher Möglichkeiten vertreten, und in diesem Spiegelbild wird auch trübe erkennbar, was für eine Auffassung von europäischer Kulturüberlegenheit bei diesen Autoren und ihren leichtgläubigen Lesern vorherrscht.

*Zugegeben, das Latein des Zitates ist fürchterlich und ein recht abstoßendes Beispiel für die Sprache der alten Römer. Grobe Übelsetzung: Die Rune der Barbaren mag auf Tafeln aus Eschenholz gezeichnet werden; zu dem, was das Papyrus kann, ist auch das flache Stäbchen aus Holz geeignet.

Über das religiöse „Denken“

Denkt daran, dass Glaube und Zweifel nicht zur selben Zeit in den Gedanken existieren können, denn das eine wird das andere verdrängen. Sollte Zweifel an eurer Tür klopfen, dann sagt zu diesen skeptischen, rebellischen Gedanken: „Ich will bei meinem Glauben bleiben und bei dem Glauben meines Volkes. Ich weiß, dass es dort Glück und Zufriedenheit gibt und ich verbiete euch, agnostische, zweifelnde Gedanken, das Haus meines Glaubens zu zerstören. Ich gebe zu, dass ich den Werdegang der Schöpfung nicht verstehe aber ich akzeptiere deren Tatsache. Ich gestehe ein, dass ich die Wunder der Bibel nicht erklären kann und ich werde nicht versuchen, das zu tun aber ich akzeptiere das Wort Gottes. Ich war nicht mit Joseph Smith aber ich glaube ihm. Mein Glaube kam nicht durch Wissenschaft zu mir und ich werde der sogenannten Wissenschaft nicht erlauben, ihn zu zerstören.“

Thomas S. Monson
Apostel in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen)

Jede religiöse*** Gemeinschaft möchte das „Denken“ ihrer Mitglieder so formen, dass es nach den folgenden Regeln abläuft:

  1. Gute Gefühle über die Glaubensgemeinschaft bestätigen die Wahrheit all dessen, was in der Glaubensgemeinschaft als „Wahrheit“ angenommen wird. Die Anwendung des Verstandes und eine nachvollziehbare, belegte und den Tatsachen verpflichtete Argumentation sind ungeeignete Mittel zur Wahrheitsfindung. Erfahrene, vorbildhafte Anhänger der Glaubensgemeinschaft benennen ihre guten Gefühle einfach als die Einsicht in die „Wahrheit“ durch die Gegenwart und Offenbarung Gottes*; der Satan** hingegen ist für alle ihre schlechten Gefühle verantwortlich. Diese recht kindische Haltung wird in allen Schriften und sonstigen Mitteilungen der Glaubensgemeinschaft als vorbildlich und nachahmenswert dargestellt.
  2. Sollten die guten Gefühle einmal bei jemanden ausbleiben, denn hat er etwas falsch gemacht. Dieser Fehler ist eine Schuld. Zum Beispiel hat er über die religiösen Grundlagen oder einige besonders abstruse Lehren in der Glaubensgemeinschaft nachgedacht, statt einfach daran zu glauben und sich an den guten Gefühlen zu erfreuen, die durch diesen Glauben erst ausgelöst werden. Diese „falsche Haltung“ wird innerhalb der Glaubensgemeinschaft „Zweifel“ genannt, sie kommt vom Satan** und ist sehr gefährlich.
  3. Wenn ein Anhänger einer Glaubensgemeinschaft beim sorgfältigen Untersuchen eines beliebigen Themas zu einer Auffassung kommt, die dem guten Gefühl angesichts der religiösen*** Deutung dieses Themas widerspricht, denn ist das gefühlsmäßig bestätigte „Ergebnis“ vorzuziehen und als „Wahrheit“ zu betrachten. Das leicht manipulierbare Gefühl eines Menschen — eine schwankelmütige, psychische Erscheinung, die sich schon durch ein bisschen Musik oder Atmosphäre beeinflussen lässt — ist ein wichtigerer Anzeiger für die „Wahrheit“ als jede wissenschaftliche Erkenntnis und als jede Einsicht, die sich beim Betrachten des Offensichtlichen selbst einem Kinde als naheliegend aufdrängte.
  4. Phasen der persönlichen Niedergeschlagenheit, Verwirrung, Angst, Unruhe und der von diesen unguten Gefühlen ausgelöste Drang zum Denken sind in Umkehrung des letzten Punktes deutliche Zeichen dafür, dass man sich mit der „Unwahrheit“ beschäftigt. Dieser Zustand wird durch das erneute Anlegen der Scheuklappen des Glaubens beendet, die dabei aufkommenden guten Gefühle werden als göttliche* Bestätigung des Glaubens betrachtet. Diese Erfahrung muss anderen mitgeteilt werden, damit diese auch wissen, wie sie sich zu verhalten haben, sollten auch ihre Verstandesfunktionen einmal unwillkürlich einsetzen. Um diese ganz normale und angemessene Reaktion auf eine permanente intellektuelle Zumutung zu behandeln, verfügt jede Glaubensgemeinschaft über ein ganzes Instrumentarium von monotonen, hypnotischen Techniken, die wieder gute Gefühle und einen sedierten Verstand verursachen können; vom Rosenkranz bis zum Fernseher.
  5. Jedes schlechte Gefühl über die Gesamtheit des Glaubenssystemes, und sei es auch noch so winzig und dumpf, ist äußerst gefährlich. Es ist ein Zeichen, dass erhebliche persönliche Missstände vorliegen, die durch Glauben bearbeitet werden müssen.
  6. Wenn die Führer der Glaubensgemeinschaft ihre Auffassungen zu einem Punkt verkündet haben, ist das weitere Nachdenken darüber beendet. Führer gibt es immer, auch dort, wo so getan wird, als gäbe es keine Führer.

* Der verwendete Gott ist austauschbar. Es kann auch ein unpersönliches kosmisches Prinzip sein oder die Auffassung, dass Menschen durch Besitz und Konsum glücklich werden.

** Der verwendete Satan ist ebenfalls austauschbar. Er kann auch der Kommunismus sein, der Islam, die Aufklärung oder schlicht die Weltverschwörung. Ein Feindbild ist erforderlich, da sich die daran gebundene psychische Energie (sie stammt aus dem vom hier beschriebenen Prozess verursachten Selbsthass) leicht auf Personen übertragen lässt, was unendlich praktisch ist, wenn man Menschen zum Kämpfen bringen will, ja, selbst zum Kämpfen gegen ihre eigenen Interessen, gegen ihr eigenes verdammtes Lebensrecht.

*** Die verwendete Religion ist ebenfalls austauschbar. Die meisten modernen Religionen geben sich materialistisch. Die angewendeten religiösen Prinzipien bleiben — wenn auch oft mit geringerer Innerlichkeit — die gleichen.