Tag Archive: Parareligion


Die Grünen

Die Grünen sind ein parteigewordener letzter Auswurf der längst im Untergang befindlichen christlichen Kultur, der in seiner unheiligen Frömmligkeit zwar noch an die Erbsünde, also an die unheilbare, dreckige, stinkende Sündigkeit jedes Menschen wegen seiner unverschuldeten Menschlichkeit, aber nicht mehr an die Erlösung glaubt — wohl, weil zu viele Männer an dieser christlichen Erlösung beteiligt waren. Wegen dieser unvorteilhaften und dummen Grundeinstellung wollen sie einen Lebensstil einführen und nach Möglichkeit für alle Menschen verpflichtend machen, der einem lebenslangen Fasten- und Bußritual gleichkommt. Wie in jeder Religion und in jedem Aberglauben wird dabei nicht zwischen symbolischer und wirksamer Tat unterschieden und die wirksame Tat vor allem von anderen, nicht zur Klasse der Priester und Magier gehörigen Menschen eingefordert oder im Idealfall erzwungen. Die Verarmung großer Anteile der Bevölkerung durch Hartz IV und die Einführung einer Quasizwangsarbeit ohne existenzgewährende Entlohnung war der bislang größte Erfolg grüner Politik und keineswegs ein Unfall.

Börsenbericht

So lange in den als wichtige Nachricht und oft als einzige Wirtschaftsnachricht präsentierten Börsenberichten in Presse und Glotze ständig von Glauben, Hoffnung, Erwartung und Psychologie, aber niemals von überprüfbaren und falsifizierbaren Fakten die Rede ist, so lange sollte jedem Denkenden klar sein, dass man es in den glänzenden Tempeln und Bordellen der „Märkte“ mit nichts anderem als einer gottlosen Religion von menschen- und intelligenzverachtenden Geldanbetern zu tun hat.

Babylonischer Vorhöllenhokuspokus

Die täglichen Börsenberichte in Presse und Glotze in ihrer Sammlung tagesaktuell erstellter, nichts-sagender und völlig faktenfreier Phrasen über Gefühl, Stimmung und Möglichkeiten sind nichts weiter als der babylonische Vollhöllenhokuspokus der Astrologie für Menschen, deren „Sterne“ längst die Scheine geworden sind.

Journalistische Predigt

Vorübergehender: „In der Zeitung ist schon wieder so viel von Glaube, Erwartung, Hoffnung, Stimmung, Vertrauen, Zukunft zu lesen“.

Zeitgenosse: „Wieso liest du auch die Meldungen aus der Religion“?

Vorübergehender: „Ich lese den Wirtschaftsteil“.

Nach der Wahl zum so genannten europäischen „Parlament“, bei der angesichts des laufenden entpolitisierenden Wahlkampfes¹ jetzt schon absehbar ist, dass die Wahlbeteiligung sehr gering sein wird, werden sich wieder Politiker und ihre speichelleckerischen Kumpel, die Journalisten, hinstellen und die üblichen Worte finden, um diese Nichtwahl von gut zwei Dritteln der Bevölkerung, die ja nichts weniger als ein allgemeiner und für die gesamte zur Wahl antretende classe politique ausgesprochener Legitimationsentzug ist, doch noch blendredend in eine Legitimation umzudeuteln. Und. Sie werden sich gewiss auch in diesem Jahr nicht zu schade sein, dabei auch den Spruch abzulassen, dass die Menschen den Glauben (oder das Vertrauen) in die Demokratie verloren hätten und dass man bewirken müsse, dass sie diesen Glauben zurückgewönnen — ohne in ihrem Deutungsrausch auch nur in einer kurzen Zuckung der Großhirnrinde zu bemerken, dass sie im Spiegelbild dieser Worte recht offen eingestehen, dass die so proklamierte „Demokratie“ für die Menschen keine Sache der unmittelbaren Erfahrung ist, sondern nur ein Für-wahr-Halten dessen, was von anderen gesagt wird; eine absurde, erfahrungsferne, fremd-vermittelte Parareligion, die von ihren Gläubigen verlangt, dass sie die gebieterischen Erscheinungen ihrer Lebenswirklichkeit ignorieren.

¹Niemand sage, dass es nicht politische Themen gibt. TTIP ist eines. Die menschenverachtende Weltüberwachung durch Geheimdienste der USA ist ein anderes. Aber wenn die politischen Parteien hier ihre politischen Absichten zu diesen Themen auf die Plakate stempeln ließen, würden sie dafür von einer sehr großen Mehrheit der Menschen in Deutschland nur noch Verachtung empfangen, und deshalb gibt es halt leere Sprüche von Stabiltität, Wachstum, Arbeit, Demokratie und… angesichts der vielen Lottospieler, die das Kreuzemachen schon gewohnt sind, ganz wichtig… Chancen. Im Vermeiden der gegenwärtigen politischen Themen auf den Wahlplakaten spiegelt sich sehr genau, welche Agenda nach der Wahl durchgesetzt wird.

Was ich zu gern einmal wüsste…

Was ich zu gern einmal wüsste? Ich wüsste gern, wie die werte Frau Gender in ihren schmücksamen pseudowissenschaftlichen Universitätswürden mit der grellen, sirrenden Dissonanz in ihrem Hirnkästchen klarkommt, wenn sie das Geschlecht eines Menschen für eine soziale Konstruktion hält, aber gleichzeitig die Auffassung vertritt, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen angeboren und damit unveränderlich sei. Für solch selektive Blindheit der Synapsen brauchen andere Menschen mindestens ein Jahrzehnt hingebungsvoller religiöser Praxis.

Kirchenjahr für Fresser

Aufbau von Imbissbuden am Nordufer des Maschsees

Auch die Parareligion des Konsumismus hat ihr gut inszeniertes und präzise abgestimmtes Kirchenjahr und ihre Hochfeste. Kaum sind auf dem Schützenplatz die Buden zum „Schützenfest“ abgebaut, werden sie am Maschsee für das kommende „Maschseefest“ wieder aufgebaut.

Der staatliche Ablass

Wie sehr das psychische Material der auf dem Rückzug befindlichen Religion weiterhin zur Festigung der allgemein viel anerkannteren Irrationalität des Staates wirksam ist, verrät sich nicht nur in der formellen Pseudofrömmigkeit aller staatlichen Rituale (bis hin zum in jeder Kaserne praktizierten, absurden, einer Anbetung nahekommenden Kult an farbigen Tüchern, die an Masten hochgezogen werden), sondern auch in der Sprache, die verwendet wird, um das Verhältnis zum Staate zu benennen: Wer seine Steuern unter Vorspiegelung falscher Tatsachen nicht abführt, wird nicht wie in jeder anderen Situation als ein Betrüger bezeichnet, sondern als ein „Steuersünder“.

Wie passend zu dieser von Politik und Journaille gepflegten gedankenpressenden Sprache, dass da immer wieder gern vom Staate Ablassangebote für „reuige Sünder“ geschaffen werden, wenn sie nur freiwillig „ihr Gewissen erleichtern“. Andere, in der Regel weniger vermögende Menschen können auf vergleichbare Gnade nicht hoffen — denn der neue Gott ist wie der alte Gott ein Gott der Reichen, er ist hart und lässt sich nur durch große Mengen Geldes erweichen.

Wolfskräuter

Der Zeitgenosse sagte dem Vorübergehenden, dass er seine Hunde jetzt nur noch vegetarisch ernähre. Und der Vorübergehende wunderte sich. Dass der seinen Hunden immerhin noch erlaubte, ein Fell zu tragen.

Zapfenstreich

Aus der Sicht vieler Zuschauer und Wegschauer, die den Ablauf dieses unwürdigen staatsreligiösen Spektakels in ohnmächtiger Wut zu ertragen haben, gewönne der Große Zapfenstreich zur Verabschiedung Wulffs sicherlich sehr, wenn die Soldaten nicht nur rituell das Gewehr präsentierten, sondern auch anlegten und gezielt feuerten.

Die neue Schuld

Beklagte man ehemals die Schuld der Welt, so sieht man jetzt mit Grausen auf die Schulden der Welt.

Arthur Schopenhauer

Paläo-SETI

Barbara fraxineis pingatur rhuna tabellis quodque papyrus agit virgula plana valet.*

Venantius Fortunatus

Paläo-SETI (die, Asubstantiv) .– Theolügie vom UFO-Gott, Menschneinung, Flugscheibenkleister..

Die vor allem durch die Bücher eines Erich v. Däniken in der breiten Masse bekannt gewordene Grenzwissenschaft der „Prä-Astronautik“ geht davon aus, dass bedeutende menschliche Kulturleistungen der Vergangenheit nicht von Menschen, sondern von Außerirdischen vollbracht worden seien.

Um diese beherzte Verneinung der Möglichkeiten des menschlichen Geistes zu „stützen“, werden antike Überlieferungen durch die lustige Brille der modernen UFO-Legenden gelesen; die technischen Großleistungen der Vergangenheit werden auf diesem Hintergrund als Belege der durch diesen Blick verzerrten Lesart interpretiert. Da solche „Belege“ etwas dürftig sind, und da jeder einzelne dieser aus seinem kulturellen und — im Falle mythologischer Überlieferung — erzählerischen Gesamtzusammenhang gerissenen „Belege“ bei genauerer Untersuchung fragwürdig erscheint, wird in der marktorientierten Darlegung dieses modernmythologischen Hirnfurzes auf die geisterschlagende Überzeugungskraft großer, aus vielen fremden Kulturen entnommener Materialsammlungen gesetzt. Bei dieser Vorgehensweise können auch dünne Geschichtchen und dürre Analogien in Sach- und Lachbüchern verwurstet werden, um ihre Seiten mit bullshit zu füllen, während die Autoren fröhlich darüber hinwegsehen, dass es kein einziges Artefakt von gesichert nichtirdischer Herkunft gibt — nicht einmal einen außerirdischen Aschenbecher.

Eine wenig beachtete, aber im modern-esoterischen Kontext durchaus gewöhnliche Erscheinung bei diesem Thema ist der latente Rassismus des Erklärungsmodelles. Antike monumentale Bauwerke werden durchweg als möglicherweise „außerirdisch“ und mit „UFO-Technologie“ erbaut eingestuft, wenn sie auf eine nicht-europäische Kultur zurückgehen, da Nichtariern solche technischen und organisatorischen Leistungen nicht zugetraut werden. Aber keiner von den Verfechtern der Präastronautik kommt auch nur auf die Idee, dass…

  • das Pantheon zu Rom mit seiner gewaltigen Betonkuppel, die über 16 Jahrhunderte hinweg die größte Kuppel der Welt war;
  • die Tempelanlagen der Akropolis zu Athen, für deren Bau große Marmormengen bearbeitet und mit antiker Technik auf einen über 150 Meter hohen Hügel transportiert werden mussten; oder auch
  • die aus der Jungsteinzeit stammende, monumentale Anlage „Stonehenge“ mit unbekannter religiöser, astronomischer oder kosmologischer Funktion, für deren Errichtung etliche riesige Steinblöcke mit steinzeitlicher Technik durch unwegsames, waldiges Gelände bewegt werden mussten

…ohne die Hilfe der „UFOnauten“ nicht zu wuppen gewesen wären. Die als kulturell überlegen gedachten Europäer benötigen für solche Vorhaben keine besondere Hilfe der „kosmischen Brüder“, anders als die Ägypter und die stein- und bronzezeitlichen Zivilisationen des alten Amerika bei ihren Pyramiden und sonstigen Großprojekten. Darin spiegelt sich wider, dass es vor allem Autoren aus dem europäischen Kulturkreis sind, die so eine Verneinung menschlicher Möglichkeiten vertreten, und in diesem Spiegelbild wird auch trübe erkennbar, was für eine Auffassung von europäischer Kulturüberlegenheit bei diesen Autoren und ihren leichtgläubigen Lesern vorherrscht.

*Zugegeben, das Latein des Zitates ist fürchterlich und ein recht abstoßendes Beispiel für die Sprache der alten Römer. Grobe Übelsetzung: Die Rune der Barbaren mag auf Tafeln aus Eschenholz gezeichnet werden; zu dem, was das Papyrus kann, ist auch das flache Stäbchen aus Holz geeignet.