Tag Archive: Ödnis


Kreuz-Weise? Kreuzweise!

Mensch Jesus, bleib oben,
Sonst schlagn die dich tot!

Bettina Wegener

Jesus aus Nazaret starb nicht am Galgen auf Golgata.

Er starb und stirbt Tausende und Tausende der Tode. (Und gar mancher dieser Tode ist schlimmer und grausamer als das barbarische römische Justizmorden.)

Er — der übrigens nur wenig von formeller Religion gehalten haben soll — starb das erste Mal, als Saulus auf dem Wege nach Damaskus seine historisch gewordenen Hirnblitze ( Apg. 9 ) sah und darin einen nützlichen Leichnam für seinen gekränkten Narzissmus halluzinierte und aus diesem Kadaver eine Religion zimmerte.

Er — der übrigens niemals selbst auch nur einzige Zeile niedergeschrieben hat, die sich bis heute erhalten hätte und der deshalb offenbar nichts von einer auf ihn basierenden Schriftreligion hielt — starb bei allen gläubigen Empfängern der Briefe, die dieser Saulus lieber unter seinem neuen Namen Paulus verfasst hat, um der Welt zu erzählen, dass seine Halluzination der neue und einzige Gott für alle sei. Dass dieser sich Paulus nennende Saulus einer jüdischen Sekte angehörte, deren bis zur Neurose perfektionistische Form der Religionsausübung von Jesus immer wieder in ätzender Form kritisiert wurde, ist offenbar niemandem aufgefallen, und es schert sich bis heute keiner darum. Schon Paulus hat sich einen Dreck für die wirkliche Person hinter diesem Jesus interessiert und fand seine eigenen Trugbilder viel attraktiver — und genau so geht es bis heute den Judasfreunden, die diesen ganzen Unfug glauben und die sich Christen nennen.

Er — der einmal gesagt haben soll: „Ich lebe, und ihr sollt auch leben“ — starb, als die paulusgläubigen römischen Sklaven singend und schafdoof in den Tod gingen und damit das System der Sklaverei erhielten. Ganz so. Wie es Paulus gefiel, damit er auch weiter Gefallen an seinem Sklaven hat. Er stirbt bis heute, wenn Christen in einem bekannten Danklied den Satz „Danke für meine Arbeitsstelle“ singen und damit die heutige Form der abstrakten Arbeit heilig sprechen, den Armen zur Knechtschaft und den Besitzenden zum sprudelnden Reichtum und zum Wohlgefallen.

Er — nach Aussagen seiner frommen Gegner ein „Fresser und Weinsäufer und Freund aller Sünder“ — starb, als Menschen ihre Sexualität von sich abspalteten und sich deshalb psychisch und körperlich selbst zerfleischten. Bis heute stirbt er in jeder Neurose, in jeder Bulimie, in jeder Unfähigkeit zur Liebe. Und. Alle diese Krankheiten sind nur moderne Bastardkinder der älteren Krankheit der Askese, der sinnlichen Selbsttötung als Lebensentwurf.

Er — der auf die formelle Anrede eines Fragestellers einmal erwidert haben soll, dass er nicht „gut“ genannt sein möchte, weil niemand als Gott allein gut sei — starb, als die Gläubigen des Paulus ein paar Jahrhunderte später erbost darüber stritten, ob ihr Jesus nun wesensähnlich oder wesensgleich zu Gott sei. Und. Als die Vertreter der letzteren Auffassung, die aus diesem Streit als Sieger hervorgingen, die Vertreter der ersteren Auffassung zu gottlosen Menschen erklärten, die für ewig in der Hölle zu brutzeln haben. Und. Genau So. Gilt es bis heute.

Er — der überliefert wurde als einer, der jede Form der Herrschaft durch Menschen über Menschen nicht für den Willen Gottes hielt — starb, als der heilige Hirnfurz des Paulus unter dem römischen Kaiser Konstantin zur neuen Staatsreligion des imperium romanum wurde. Als. Der von Paulus deformierte Jesus die staatliche Gewalt heiligen musste, so mörderisch sie auch wütete. Das tut dieser Jesus bis heute von seinem heiligen Galgen herab, dieser nützliche Kadaver der Herrschenden und Besitzenden und Großmörder aller Zeiten.

Er — der von der frommen Elite seiner Zeit gesagt haben soll, dass sie sich vor die Türe stelle, die in ein besseres Leben führt; dass sie dort selbst nicht hindurchgingen, aber auch niemanden anders hindurchließen — starb und stirbt am Petersplatz, wo sich ein Hurenbock nach dem anderen hinstellte und sich als „Heiliger Vater“ anreden und als Stellvertreter Gottes betrachten ließ und lässt, ja, bis heute so anreden und betrachten lässt. Auch. Von den staatlichen und wirtschaftlichen Verdummungsanstalten in Form des Rundfunks und der Presse.

Er — der überliefert wird als einer, der gleich einem durchgeknallten, auf einem Trip hängengebliebenem Hippie jede Form der Gewalt in jeder Situation abgelehnt haben soll — starb und stirbt, wenn sich seine selbsternannten Verwalter gestikulierend vor die Waffen stellen und in „seinem“ Namen ihre Zaubersprüche abmurmeln, damit diese Waffen auch ja ein gesegnetes Morden für die Wahrung der Besitzstände der Herrschenden und Besitzenden vollbringen. Er stirbt auch im „geistlichen Beistand“ für die Soldaten, damit diese auch ja ein billiges und williges Kanonenfutter abgeben.

Er — der angeblich in den formellen Gottesdiensten seiner Zeit so viel Heuchelei erblickte und dies in derart trefflicher Form zum Ausdruck brachte, dass man ihn schließlich deswegen umbrachte — starb und stirbt auf den Schlachtfeldern der vielen vielen „heiligen“ Kriege in „seinem“ Namen, vom ersten Kreuzzug, über den Tag, an dem der Katholik Adolf Hitler die Worte „Wir werden in diesen Krieg ziehen wie in einen Gottesdienst“ aus den Volksempfängern schallen ließ, bis hin zu den jüngsten crusades US-amerikanischer Präsidenten.

Er — der berichtet wird als einer, der in Bezug auf eine Ehebrecherin einmal die recht anzüglichen Worte „Ihr wird viel vergeben, denn sie hat viel geliebt“ gesprochen haben soll — stirbt in jeder mit der politischen Macht der heutigen Paulusjünger, Galgenanbeter und Judasfreunde verhinderten Empfängnisverhütung oder Abtreibung, bei der ein Mensch draufgeht, lebenslang als Krüppel leidet oder — noch viel schlimmer — als unerwünschter Mensch (oft gar als Ergebnis einer Vergewaltigung) psychisch so deformiert wird, dass von einem Leben keine Rede mehr sein kann.

Er — der so viel von der Liebe erzählt haben soll — stirbt in jedem Entwurf einer kalten, körperlosen Form des Miteinanders, auf welchem die Gläubigen des Paulus den Stempel „Liebe“ geprägt haben sollen, bis hin zum heutigen Geschäft mit der von unterbezahlten Elendsarbeitern ausgeübten „Pflege“, bei dem vor kirchennahe Organisationen ihren Schnitt machen. Und. Er stirbt in der Betrachtung des Geschlechtsverkehrs als „eheliche Pflicht“, die man zu erfüllen hat, fast so, wie den „Dienst am Vaterland“.

Er — von dem die unbekannten antiken Autoren einen ganzen Stammbaum seines Vaters Josef überliefert haben — stirbt an der psychischen Kastration, die sich im Gefasel von der „unbefleckten Empfängnis Mariens“ Bahn brach und bricht und darauf basierend einen Verzicht auf jeglichen Sexualgenuss fordert. Vieles von der Kälte in den heutigen Gesellschaften ist eine Spätfolge dieser christlichen Sexualverdammung und sich über Jahrhunderte erstreckenden religiösen Verschneidung der Gläubigen. Welchen Zweck. Der Stammbaum dieses Mannes da haben soll, kann einem auch der geschwätzigste Theolügner des Christentums nicht in einleuchtender Weise erläutern. Deshalb redet man in den Lügendiensten auch nicht so viel darüber, sondern fordert lieber die Menschen zur Enthaltsamkeit auf.

Er — der zwar kein Asket gewesen sein soll (vielleicht sogar ein kleines Wämplein hatte, so gut, wie er sich oft irgendwo einlud), aber zu einer allgemeinen Haltung der Sorglosigkeit in Fragen des Essens aufgerufen haben soll — stirbt in der Heiligung des Konsums. Und. Zwar genau so, wie er schon vorher in der so genannten „Eucharistie“ starb, dem magischen Essen einer trockenen Hostie, die im faulen Zauber des „Gottesdienstes“ als heilbringendes Opfer aus Menschenfleisch gedacht ist. Der Judas, auf dem ihr Christen euren mörderischen Judenhass basieren lasst, der hat ihn „nur“ verraten und verkauft, aber ihr Christen esst ihn auch noch auf!

Er — der doch schon so lange tot ist, dass sich niemand sicher sein kann, dass er überhaupt einmal gelebt hat — starb und starb und stirbt und stirbt und wird immerfort gemordet. Und. Alle seine Mörder sind brave Christen, die dem Paulus jedes seiner eiskalten Worte abgekauft haben und sich deshalb einen Scheißdreck für Jesus interessieren. Weil. Sie sich auch sonst einen Scheißdreck für Menschen interessieren, jedenfalls für andere Menschen als sich selbst.

Und. Er — der so viele warme und noch viel mehr wirre Reden gehalten haben soll — kann doch gar nichts dafür, dass Paulus so einen tollen, goldenen Galgengötzen aus ihm geschnitzt hat. Niemand interessiert sich für seine Reden. Wenn sich die Christen für Jesus aus Nazaret interessierten, gäbe es weniger Christen. Die Christen interessieren sich mehr für Paulus, der ihren Narzissmus heiligt, für gutes Essen, dass ihnen alles andere ersetzen muss, für die Abwehr ihrer Angst, die sie in der Religion finden und für ein neues Auto und einen größeren Fernseher — auf wie viel und wessen Blut dieser „Segen“ gedeiht, ist ihnen dabei recht gleichgültig. Und. Die Christen interessieren sich brennend für die Unterdrückung jeder Strebung, die ihren primitiven, barbarischen und narzisstischen Interessen zuwider läuft. Deshalb stört sich keine christliche Kirche jemals an einen Krieg oder an diesem brutalen Gemetzel an ganzen Völkern und Kulturen, das mit dem Wort von der „Globalisierung“ bezeichnet wird. Sie. Stört sich auch niemals an der Indoktrination der Kinder in staatlichen Schulen und an der Unterdrückung von anders gläubigen Menschen, sondern macht aktiv mit.

Verstehst du, Schwester?

Das ist der Grund, weshalb ich kein Christ sein kann. Ich habe nicht nur die Gewalt des Christentums am eigenen Leibe gespürt, ich habe zu allem Überfluss auch noch die Bibel gelesen. Ich müsste mich selbst belügen, um Christ zu sein. Und? Wie soll ich das anstellen? Ich glaube diesem Paulus und allen seinen Nachfolgern nicht ein einziges, den Menschen mit heftig knallender Angstpeitsche eingepeitschtes Wort.

Das verstehst du nicht, Schwester?

Deine Dummheit, Schwester, ist selbstverschuldet. Habe den Mut, vom Gehirnbesitzer zum Gehirnbenutzer zu werden, und du wirst ganz schnell verstehen, warum unter den vielen tausend Dankgebeten der christlichen Religion nicht einmal ein Dank für den Verstand des Menschen hörbar wird. Der Verstand muss in der Religion des Paulus und des Judas unterdrückt werden, denn er nimmt dieser psychischen Fessel ihre Kraft.

Wenn du bei deiner Dummheit bleibst, überrascht mich das nicht. Du reihst dich in eine lange Reihe von dummen Menschen durch die Zeiten ein und glaubst dabei den Beistand eines Jesus zu haben, der gesagt haben soll: „Der Weg ist breit, der ins Verderben führt, und viele sinds, die auf ihm gehen. Aber der Weg ins Leben ist eng, und nur wenige gehen darauf.“

Wenn du mich nicht verstehst, wenn du mich als einen Ungläubigen, Gottlosen, vom Teufel Besessenen ansiehst, denn reihst du dich in diese lange lange Reihe durch die Zeiten ein. Und längs dieser Reihe stehen die rauchenden Scheiterhaufen und die von Raben umflatterten Galgen und die mit Schmerz umflochtenen Räder und die Folterkammern und die Bordelle des Vatikans und legen ein zum Himmel schreiendes Zeugnis von den Zeiten ab, in denen die christliche Religion Grundlage der Gesellschaft war. Der Gott, an den du glaubst, der Gott, für den Zeit keine Bedeutung hat, wird die Geschichte genau so sehen — und deine Position darin. Und das. Ist der Platz den du selbst im Geschehen einnimmst, meine stinkende Schwester. Augen und Ohren und einen Kopf hast du: Zu den Risiken und Nebenwirkungen deiner Haltung schlage ein beliebiges Geschichtsbuch auf, und zu Jesus aus Nazaret schlage deine Bibel auf und vergiss mal für eine Woche den Paulus!

Und wenn du denn immer noch nicht verstehst, meine kindische Schwester, denn ist das dein Problem. Ich bin dafür nicht zuständig, lass mich bitte damit in Ruhe. Und wenn du es irgendwann, wenn die Barbarei sich wieder ausbreitet, zu meinem Problem machen willst und mich in meiner Andersgläubigkeit — es gibt keinen Menschen, der ungläubig wäre — bedrängst und verfolgst, denn wisse, dass ich dir nicht eine andere Backe hinhalten werde, sondern für das Recht auf mein verdammtes, von Geistarmen wie dir ständig angeknabbertes Dasein einstehen werde. Wenn es wirklich sein muss, auch in einem Kampf auf Leben und Tod. Jesusse, die wie ein blökendes Schaf freiwillig zum Metzger trotten, hatte diese ganze Geschichte schon genug. Die halten sich alle für so weise durch das Kreuz, aber sie können mich mal kreuzweise.

Und jetzt geh, Schwester! Du hast noch etwas zu lesen…

Wer sich hier angesprochen fühlt, ist gemeint. Wer männlichen Geschlechtes ist, lese einfach Bruder. Wer kopfschüttelnd und voller Unverständnis diesen langen Text gelesen hat, verzeihe mir bitte, aber nach diesem Gespräch mit einer christlichen Fundamentalistin musste es einfach raus, mir wäre sonst die Gallenblase explodiert — deshalb ist vieles auch ein bisschen roh formuliert.

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Ferrero Küsschen

Guten Freunden gibt man ein Küsschen. Oder auch zwei.

Fernsehwerbung für Ferrero Küsschen

Zu den deprimierenden Kennzeichen des allgemeinen Lebensschadens im Lande Barbarien gehört es, dass es den Menschen kaum noch möglich ist, einem anderen Menschen gegenüber Zuneigung auszudrücken. Alle hierfür verfügbaren Wörter und Phrasen sind nicht nur durch die Konvention so blass geworden, dass sie unnötig wortreich und oft in kühler Formelhaftigkeit nichts mehr ausdrücken, sie bringen auch durch die allgegenwärtige sexualisierende Werbung für Parfüms, Pralinen, Eiscremes und Pizzen eine unangemessene und in der Wirklichkeit des Miteinanders völlig unerwünschte Unterschwingung des verschlingenden Konsums in die Mitteilung. Dort, wo Menschen dennoch ihre gefühlsmäßige Nähe verbalisieren wollen, geraten sie in diesem schwierig gewordenen Unterfangen meist in eine sprachliche Retardierung auf kindischem Niveau, die auch kein guter Ersatz für die im gegenwärtigen gesellschaftlichen Prozess verloren gegangene Ausdruckskraft der Sprache ist, sondern vielmehr dumm, unernst und unfreiwillig komisch wirkt. Doch steht für einen anderen Bereich des emotionellen Ausdruckes mehr als genügend unverbrauchten sprachlichen Materiales zur Verfügung, das sich unverminderter Kraft erfreut: Es ist immer noch möglich, jemanden anders mit klaren und echt wirkenden Worten deutlich zu machen, wie sehr man ihn hasst und verachtet. Wo die sprachlich ausgedrückte Nähe blass und verlogen wirkt, der ausgedrückte Widerwillen hingegen heiß und echt, da ist der Zerfall des Miteinanders bereits geschehen, da sind die Menschen längst Einzelkämpfer auf einem Schlachtfeld voller Überfluss geworden.

Der Schäfer

Nothing eases suffering like human touch.

Letzte Worte von Robert James „Bobby“ Fischer

Bevor ich sie hörte, roch ich sie. Ein würziger Duft, den ich schon lange nicht mehr in die Nase bekam. Einige hundert Meter weiter auf dem Fahrrad längs des recht abseitigen Weges, und ich hörte auch das charakteristische Blöken einer Herde Schafe. Sie trotteten artgemäß langsam über die Wiese und verwandelten die in kauenden Mündern verschwindenden Kräuter und Gräser in Kotklümpchen.

Bei den Schafen ein Mann, dessen Gesicht verriet, dass er regelmäßig draußen arbeitet. Ich grüßte den Schäfer. Und der Schäfer grüßte zurück, prostete mir mit der Flasche Alsterwasser zu, die er in der Hand hielt und fragte mich mit einer Stimme, die gleichermaßen laut wie deprimiert klang, ob ich eine Bremse hätte. Das demonstrierte ich gern auf der Stelle, meine schlecht eingestellte Bremse brachte das Rad unter herzhaftem Quietschen genau neben dem Schäfer zum stehen. Ich fragte, warum er das fragte, ob ich auf dem Weg wohl noch einige freilaufende Schafe zu erwarten hätte. Und er antwortete, dass keine Schafe mehr auf dem Weg seien, dass er mich aber um eine „kleine Spende“ bitten möchte. Ja, da war ein Schäfer, der ganz offensichtlich jeden Tag viele Stunden arbeitete, und der dennoch die Menschen um Geld anbettelte. Ich erklärte ihn, dass ich selbst vom Betteln lebe und gerade noch ein paar Cent in der Tasche hätte. Hinter mir kam ein weiterer Radfahrer, einer, dessen Gefährt nicht wie das Meinige nach einem angerosteten Haufen Schrott von eher zweckmäßiger Funktion aussah, sondern den Eindruck erweckte, dass sein Fahrer richtig viel Geld in sein Hobby Radfahren investierte. Dieser Radfahrer grüßte auf dem Gruß des Schäfers hin gar nicht erst zurück, und als der Schäfer ihm bat, anzuhalten, fuhr er um so schneller weiter. „Es sind immer die Falschen, die anhalten“, sagte der Schäfer, „immer welche, die selbst nichts haben. Was soll ich denn machen? Von den Schafen kann ich nicht mehr leben, und den Leuten ist das völlig gleichgültig, wenn ich mit den Viechern verrecke.“

Er war geübt darin, die Tränen zu unterdrücken, aber das Beben in der Stimme war unüberhörbar. Ich ging langsam weiter und sah zu, wie ich selbst den heutigen Tag überstehe. Die kurze Zeit der gemeinsam erlebten Vereinsamung im Elend war vorüber.

Es wird dunkel. Und. Unentwegt blöken die Schafe.

Das Boot ist voll

Endlich wird für uns verständlich, warum so viele schwer kriminelle Menschen in den Parlamenten oder — noch schlimmer — im Management der großen Konzerne unterkommen und dort mit ihrem asozialen Verhalten teilweise riesige Schäden anrichten. Es ist nicht etwa so, dass diese Schurken nicht im Gefängnis landen, weil die Justiz in der BR Deutschland blind würde, so sie auf Geld stößt. Nein, die Antwort ist viel banaler: Es ist einfach kein Platz in den Gefängnissen.

Offener Brief an die Piratenpartei

Aktueller Nachtrag: Bodo Thiesen hat sich in einem Offenen Brief deutlich von den kritisierten Aussagen distanziert. Der Schaden für die Piratenpartei und für die von dieser Partei vertretene Sache bleibt angesichts des Umganges mit dieser Affäre bestehen, und die Verwendung dieser Angelegenheit in der Propaganda gegen die Piratenpartei und gegen jeden Streiter für ein freies Miteinander in Verschiedenheit im Internet wird so sicher kommen, wie das Amen in der Kirche. Mein offener Brief an die Piratenpartei bleibt hier zum Zweck der Dokumentation unverändert erhalten und ist in vielen Punkten auch trotz dieser erfreulichen Distanzierung und der klaren Worte in Bodo Thiesens Offenem Briefe noch aktuell.

Ein fröhliches Hallo!

Als jemand, der wegen seiner Verstandesfunktionen nicht daran glauben kann, dass sich der gegenwärtig über die Gesellschaft ablaufende, überpersonale Prozess dadurch überwinden lässt, dass man sich in diesem über die Gesellschaft ablaufenden, überpersonalen Prozess einbringt und ihn auf diese Weise auch fördert und vorantreibt, stehe ich jeder Form der zurzeit institutionaliserten Politik mit großem Pessimismus gegenüber. Das gilt auch euch, für den jungen und bunten Haufen, der sich „Piratenpartei“ nennt und in der BR Deutschland parlamentarische Wirkung entfalten will. Wegen dieses rationalen Pessimismus (der in einem sehr fröhlichen Menschen wie mir zur Blüte kommt) und wegen meines genauen Wissens darum, dass ich auf dem Politikmarkt keinen hohen Marktwert erzielen kann, käme ich niemals auf die Idee, mich innerhalb einer politischen Partei in der BR Deutschland zu engagieren.

Doch bezogen auf euch, auf die „Piratenpartei“: Zu diesem Pessimismus hat sich bislang wenigstens für euch eine kleine Prise Sympathie gesellt, seid ihr doch genau jener Kriminalisierung technischer Möglichkeiten und vorsätzlich zum Standard gemachten Rechtswillkür im Internet entgegen getreten, die auch mein Leben betrübt und über diesen etwas schrägen Zugang eine Stimme erhoben, die im Zeitalter voranschreitender Restriktion die „guten alten Bürgerrechte“ einfordert. Dieser kleine Hauch der Sympathie hätte für sich allein gewiss nicht dazu geführt, dass ich euch wähle — denn ich weigere mich nun einmal, eine lediglich simulierte „Demokratie“ auch noch dadurch zu stützen, dass ich mich an ihr beteilige.

Aber sie hätte fast zu öffentlichen Akten der Sympathie geführt, die sogar weit über das kreuzweise Blöken eines Stimmviehs hätten hinaus gehen können.

Ich bin rückblickend — wieder einmal in meinem Leben — froh darüber, dass ich kein Mensch von leichtherzigen, emotionellen Entschlüssen bin. Die Regung der Sympathie mag eine schöne sein, aber sie gehört in ein völlig anderes, eher affektiv funktionierendes und evolutionär älteres mentales System als in jenes mentale System, mit dem man meiner Meinung nach vernünftige Entscheidungen zur Regulierung des gemeinsamen Miteinanders — ich vermeide das oft missbrauchte und zum schwammhaften Nichts verkommene Wort Politik an dieser Stelle — treffen sollte.

Tatsächlich haben wir die beklagenswerten Zustände der Jetztzeit und hatten wir viele beklagenswerte Zustände der Vergangenheit vor allem deshalb, weil viel zu viele Menschen ihre Entscheidungen — seien es politische Entscheidungen, oder seien es viel banalere, etwa Kaufentscheidungen — mehr unter dem Diktat der reklamepsychologisch leicht manipulierbaren Sympathie und Antipathie als durch Anwendung einer einfachen, vernunftgemäßen Erwägung treffen.

Ja, ihr habt es — wie bislang auch jede andere Partei in der BR Deutschland — geschafft, diesen kleinen Funken Sympathie in mir wieder auszulöschen. Und. Zwar. Sehr Gründlich.

Es mag sein, dass ihr überwiegend einer Generation angehört, die vom Hitlerwahnsinn in Deutschland nichts anderes kennt als die Vermittlung des Schulunterrichtes, die man sich für ein Referat und eine Klassenarbeit in den Kopf paukt, um sie wie jeden anderen, nutzlosen Schulstoff nach der Leistungskontrolle wieder zu vergessen. Das ist es, was ich euch als Entschuldigung zubilligen möchte, bevor ihr mit noch hilfloseren Ausflüchten beginnt.

Aber lasst euch das eine bitte gesagt sein: Dass ihr so einen wie Bodo Thiesen, einen Relativierer des industriell betriebenen Massenmordes im Deutschen Reiche unter der Herrschaft Adolf Hitlers, in parteiliche Ämter und Würden bringt, das geht gar nicht!

Noch einmal zur Klarstellung: Gar nicht geht es! Nicht ein bisschen!

Versteht mich jetzt bitte nicht falsch! Ich habe nichts dagegen, dass Menschen seltsame Meinungen vertreten, ich bin sogar der Auffassung, dass die Unterdrückung seltsamer Meinungen ein Fehler ist und dass jeder Mensch im Gegenteil dazu imstand gesetzt werden muss, einen Spinnkopf unter Verwendung seines Bewusstseins als solchen zu erkennen und mit dieser Erkenntnis verantwortlich umzugehen. Denn Spinnköpfe, deren Auffassungen den Kontakt zur Wirklichkeit verloren haben, die wird es immer geben und sie sollen von mir aus auch unbedrängt als Spinnköpfe leben können, so lange ihre Spinnerei harmlos ist. Ich habe nur etwas dagegen, dass ihr so einem Spinnkopf mit einem Amt ausstattet und ihm damit eine Plattform gebt.

Natürlich könntet ihr diesen personellen Fehlgriff kitten, indem ihr euch klar distanziert und Bodo Thiesen innerparteilich isoliert — aber zumindest im Saarland scheint euer Vorstand doch ziemlich auf der braunen Linie zu sein:

Die Postitionen von Bodo Thiesen sind sicherlich fragwürdig. Eine tatsächliche Relativierung des Holocoust geben sie aber derzeit nicht her! Er zweifelt offenbar an den Details ODER am gesamten. Entweder drückt er sich bescheuert aus, oder er ist es tatsächtlich. Nur wird das aus dem gesagten nicht klar! Daher heisst es wohl „in dubio pro reo“ […] ich finde einige Details in der deutschen Geschichte schlicht Pauschalisierung derselben. Der Norwegenfeldzug war wohl nach allen mir bekannten Fakten ein reiner Reaktionskrieg und keine reine Angriffshandlung.

Wenn jemand daran zweifelt, dass der fabrikmäßige Massenmord in dieser Größenordnung stattgefunden hat und dabei nicht einmal klar macht, dass er überhaupt den fabrikmäßigen Massenmord für eine Tatsache hält, denn relativiert er nicht den Holocaust und man kann im Zweifelsfall noch für ihn sein. Schließlich war das mit Norwegen auch kein kriegerischer Überfall. Immerhin wird hier noch nicht gesprechblast, dass die die Polen Schuld am Zweiten Weltkrieg seien und die Deutschen haben sich nur gewehrt hätten. :mrgreen:

Oder einmal ein etwas kürzeres und kälteres Abwiegeln, Besänftigen, Rechtfertigen in der Twitter-Version:

Was soll da los sein, ein Mensch hat in jungen Jahren mal Bullshit von sich gegeben. Das Zitat ist meines Wissen nach sehr alt

Klar, ist sehr alt, das Zitat. Das Gras wächst schnell, sogar über die Gräber derer, deren Blut zum Himmel schreit. Manche scheinen die so entstandene Wiese sogar schon für einen Spielplatz voller Vogelgetwittscher zu halten.

Aber von meinem eher emotionalen „Ihr habt euch unmöglich gemacht“ einmal abgesehen — ich sage ja selbst, dass die leicht manipulierbaren Affekte eine fragwürdige Grundlage fürs Politische sind: Ihr habt mit der innerparteilichen Förderung eines solchen Braunkopfes und so einem unreflektierten Blah zum Thema alle Ziele in Gefahr gebracht, für die ihr einzutreten vorgebt.

Benutzt doch bitte jetzt einmal für eine einzige Minute euren Restverstand und versetzt euch in die Lage eurer Gegner — also in die Lage der Leute in der Contentindustrie und in die Lage der führenden Köpfe in den Parteien und der Journaille!

Ich sage es euch, die können auch jetzt noch nicht ihr Glück fassen. Ihr seid schon tot.

Es ist dank eurer grenzenlosen Idiotie eine Kleinigkeit geworden, die „Piratenpartei“ in der Propaganda zu behandeln. Ich bin kein Experte in der Massenmanipulation, aber ich würde da etwa die folgende Vorgehensweise anwenden:

  • Als erstes brauche ich ein griffiges Schimpfwort für euch, so eines, dass niemals vor Gericht als Beleidigung durchgeht ist und doch für die Mehrzahl der Menschen — wie gesagt, diese treffen ihre Entscheidungen affektiv — vollständig abwertend klingt. Ich würde die Wortschöpfung „Digitalisten“ nehmen. Das klingt nach Menschen, die Digitaltechnik — für die meisten Menschen ein Fremdkörper — über alles andere setzen wollen.
  • Dieses Schimpfwort brauche ich, damit ich nicht dauernd euren selbst gewählten Namen in das Fernsehen und die Presse bringe, denn ich will keine Werbung für euch machen, sondern euch schaden.
  • Dann brauche ich ein paar griffige Thesen, die auch für den bierduseligen Stammtisch geeignet ist. So etwas wie „Die Digitalisten sagen, ohne Internet gäbe es keine Demokratie. Und? Was hatten wir die ganze Zeit“. Versteht ihr den Stil? Genau so geht Propaganda, für die Bildzeitung geht es sogar noch eine Größenordnung plumper.
  • Und jetzt zur Steilvorlage, die ihr geliefert habt. Daraus machte die Propaganda ein „Diese Digitalisten verwechseln sogar das Internet mit der Wirklichkeit. Weil jeder Nazi im Internet eine Stimme haben kann, wollen die auch Nazis in der Politik haben. Und Kinderficker.“ — natürlich in etwas gemäßigteren Tonfall, aber in dieser Zielrichtung.

Versteht ihr? So etwas zieht sich demnächst durch alle Medien, und daraus lassen sich Menschen ihre Meinung bilden. Und schon kann man alle eure bürgerrechtlichen Forderungen auf kurze Phrasen runterbrechen und darauf verweisen, wer es bei euch zu etwas bringt. Wartet mal ab, Frontal 21 im ZDF ist ein guter Kandidat für den ersten medialen Angriff auf euch. Die meisten Wähler in der BR Deutschland sind sehr leicht manipulierbar, ihr werdet es noch merken. Und am Ende der Kampagne regiert die Partei von Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen zusammen mit einer CSU, die am liebsten alle menschenverachtenden Ideen des Papstes in Tagespolitik umsetzen würde und dieser heillose Pakt koaliert mit einer FDP, die Hartz IV auf 250 Euro kürzen will und es dabei keineswegs skandalös findet, wenn ein Vollzeitjob nur 350 Euro im Monat bringt.

Glaubt mal ja nicht, dass es in den kommenden Klassenkämpfen nur ums Internet geht. Es geht um die menschliche Würde selbst. Eben darum verbietet sich jede Gemeinschaft mit Holocaustleugnern!

Und nicht nur, dass ihr der Sache geschadet habt, ihr habt auch mir persönlich geschadet, denn ich stehe in meinem Umfeld und in allem, was ich tue, im Wesentlichen für die gleichen Ziele wie ihr ein. Das geht so weit, dass ich immer wieder einmal für einen Aktivisten eurer Partei gehalten werde. Ihr habt mich für dieses Streben — das bei mir inzwischen den Umfang eines Lebenswerkes hat — in die begriffliche Nähe von Neofaschisten und Holocaust-Leugnern gestellt, als ob ich nicht schlimm genug wäre, dass mehr als die Hälfte meiner Familie unter Hitlers Herrschaft fabrikmäßig ermordet wurde. Und. Ihr erlaubt es mit eurem Tun einer gut funktionierenden Meinungsindustrie, in den kommenden Wochen auf dieser Nähe herumzureiten, auf das die Stimmviecher zur müden Komödie der Bundestagswahl auch die richtige Deinung erhalten.

Ihr seid schon Verräter, bevor ihr richtig mit der Politik angefangen habt. Die billige Verharmlosung schwerer, gegen das Leben selbst gerichteter Verbrechen ist keine Meinung, sondern lebensverachtender Zynismus.

Und dafür. Verachte und hasse ich euch.

Löst eure verkackte Partei, die schon vor ihrem eigentlichen Anfang auf ganzer Linie gescheitert ist, bitte einfach auf!

Mit deutlichem Gruß!

Der Nachtwächter
Nach Diktat verreist

PS: Und kommt jetzt ja nicht auf die Idee, irgendeinen „Dialog“ mit mir zu suchen. Ihr steht längst auf einer Seite, die mein Leben negiert. Und ich weiß das und will mit euch nichts zu tun haben. Aufdringliche Versuche der Kommunikation werde ich als Akt der Gewalt betrachten und behandeln.

Nachtrag:  Piratenpartei distanziert sich von den Äußerungen eines einzelnen Mitgliedes

Der Bundesvorstand der Piratenpartei fordert das Parteimitglied Bodo Thiesen dazu auf, sich eindeutig und endgültig von seinen fragwürdigen Äußerungen zum Holocaust zu distanzieren. Bereits im Juni 2008 hatte der Vorstand Thiesen dafür eine Verwarnung erteilt. Durch die erneut laut gewordene Kritik innerhalb der Partei sowie in der Blog- und Twittersphäre hält der Vorstand eine noch klarere und deutlichere Distanzierung für nötig. Sollte Bodo Thiesen dieser Aufforderung nicht binnen 24 Stunden nachkommen, wird der Bundesvorstand die entsprechenden Maßnahmen ergreifen. […]

Der Bundesvorstand erklärt daher im Namen der Piratenpartei:
„Wir erklären hiermit in Übereinstimmung mit der Satzung der Piratenpartei Deutschland, dass wir faschistische Bestrebungen jeder Art entschieden ablehnen.

Weiterhin erklären wir, dass wir den Holocaust als historische Tatsache ansehen und deren Relativierung oder Verharmlosung nicht dulden werden.  […]

Nachtrag ZweiBodo Thiesen / Stellungnahme persönliche Meinung vs. Parteimeinung

Mein Klassenbewusstsein

Zeitgenossin: „Warum engagierst du dich nicht in der Piratenpartei?“

Nachtwächter: „Aus dem gleichen Grund, aus dem heraus ich mich auch nicht in der CSU engagiere; wegen meines Klassenbewusstseins. Ich weiß genau, welche Strukturen der Herrschaft innerhalb einer Partei entstehen, so bald sie politisches Gewicht erhält; und ich weiß ebenso genau, welche Personen und Standpunkte in einer Partei mit politischem Gewicht unterdrückt und zur Unbeachtlichkeit erklärt werden. Wenn die Piratenpartei niemals politsches Gewicht erhält, kann ich mir die immense aufzuwändende Lebenskraft für ein derartiges Engagement sparen, erhält sie jedoch Gewicht und damit das besoffen machende Suchtmittel der Macht, so wird auch die Piratenpartei keine Partei sein, in der einer Bedeutung, Beachtung und Einfluss erlangen könnte, der als obdachloser, bettelnder Künstler nur noch nimmt, was ihm kampflos gegeben wird. Die späteren Werber für diese Partei, sie könnten mich in diesem trübblinden Zeitalter, in dem das Image vor dem Inhalt geht, schon wegen meiner auffällig ausgefallenen Zähne nicht mehr auf ein Plakat drucken oder im Namen der Partei in die Öffentlichkeit lassen — auf das, was sie „Kompetenz“ nennen, kommt es nicht an. Ich brauche keine Fahnen zu hissen, nicht einmal einen Jolly Roger, denn ich kann überall um mein marginalisiertes Lebensrecht betteln. Was aus politischen ‚Alternativen‘ wird, habe ich oft genug gesehen, um zu wissen, dass es innerhalb des überpersonalen Prozesses des herrschenden Systemes keine Veränderung geben kann — um ein besseres Miteinander der Menschen zu formen, muss der überpersonale Prozess des herrschenden System überwunden werden. Und. Wo es sich mit Gewalt dagegen sträubt, kann es nur mit Gewalt überwunden werden.“

Ja, ich weiß, E., dir gegenüber war ich vorhin wesentlich verständlicher und wortreicher — aber du musst doch eingestehen, dass es das Gleiche ist…

Letzte Erklärung

Zukunft ist etwas, das die Menschen erst lieben, wenn es Vergangenheit geworden ist.

William Somerset Maugham

An alle Politiktreibenden in der BR Deutschland!

Damit ihr überhaupt eine Chance habt, diesen Text zu verstehen, muss ich mich kurz vorstellen. Keine Sorge, ich komme schnell zur Sache, damit sie sich gleich wieder mit Ihresgleichen in ihrer Parallelgesellschaft aufhalten können.

Mein Name ist Elias Schwerdtfeger, aber er tut nicht viel zur Sache, da hier viele Namen mit einer vergleichbaren Geschichte und mit einer ähnlichen Mitteilung stehen könnten. Ich wurde 1966 geboren, bin also keineswegs ein jugendlicher Wirrkopf unter den Bedingungen der pubertären Verzweiflung. Der prägende Stempel auf meinem direkten familiären Umfeld war Armut, Alkoholismus und Aussichtslosigkeit. Meine früheste bewusste Erinnerung ist die Mondlandung, die sich gerade zum vierzigsten Mal gejährt hat — oder besser: die ganz besondere Aufregung in meinem Umfeld und das lange Wachbleiben, die mir selbst als dumpfbewusster Zwerg nicht entgangen sind. Anders, als viele politisch-ideologisch geprägte Menschen habe ich die Möglichkeiten der Technik nicht als eine Bedrohung erlebt, die zur Ursache gut gepflegter und propagandistisch ausgebeuteter irrationaler Ängste wird, sondern auch und vor allem als eine große Chance für jeden Menschen und damit auch für mich. Und ich habe mich deshalb immer, schon als Kind, mit Technik beschäftigt, habe versucht, sie zu verstehen und sie für mich (und später, als Programmierer, auch für andere Menschen) nutzbar zu machen — und ich tue dies bis heute.

Persönliche Anmerkung mit Lokalkolorit: Als einen besonderen Segen und eine zivilisatorische Leistung ersten Ranges empfand ich in meinem unstillbaren, frühen Wissensdurst die Existenz öffentlicher Leihbüchereien. Neben einiger Trash-Literatur, die ich verschlang, erhielt ich auch die Möglichkeit, mich in Themen einzulesen, die meinem sozialen Umfelde fremd waren, erhielt ich also einen einfachen Zugang zu einer Chance, mich selbstständig zu bilden. Diese Chance habe ich begierig ergriffen. Die hannöversche Bücherei, in der ich dies in erster Linie tat, wurde kürzlich geschlossen, weil die paar tausend Euro für ihren Betrieb eingespart werden sollten. Der gleiche, von einer CDU-Regierung geführte Rat einer Stadt, die auf diese Weise den einfachen und nahe gelegenen Zugang zur Bildung für jeden verschlossen hat, er hat nicht die geringsten Probleme damit, am anderen Ende der gleichen Straße Millionen von Euro in eine Ruine wie dem Ihmezentrum zu stecken, obwohl es dort nicht einmal eine langfristige Aussicht auf irgendeine Nachhaltigkeit gibt. Dies ist eine Botschaft der „Zukunftspolitik“ in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover, die nicht nur ich so verstanden habe, wie man sie nur verstehen kann.

Mein erster Computer war ein VC-20. (Nein, ich erkläre ihnen jetzt nicht, was das ist, fragen sie doch bitte einmal Google, wenn es sie überhaupt interessiert!) Es war ein nach heutigen Maßstäben bescheidenes und überteuertes Gerät, und ich hatte wegen der Armut meines Umfeldes große Mühe und viel Aufwand im Vorfelde, ihn zu erwerben, aber ich habe in der Folgezeit an diesem einen Beispiel eines kleinen Computers gelernt, wie ein Computer funktioniert und wie man ihn programmiert. Diese Erfahrung wurde für mich der Grundstein einer lebenslangen Beschäftigung mit einer Technik, der man damals noch gar nicht ansehen konnte, in wie hohem Maße sie einmal heutigentags das Leben prägen würde.

Noch bevor es das Internet in Form des Massenphänomens World Wide Web gab — eine Entwicklung, die sich vor allem mit der Veröffentlichung des NCSA-Browsers Mosaic und noch mehr mit der Veröffentlichung des Mosaic Netscape 0.9 beta verbindet; zwei Browser, die mit ihren leicht verständlichen Benutzerschnittstellen erstmals auch einen Weg für technische Laien in „das Internet“ ebneten — waren mir die Möglichkeiten vernetzter Informationssysteme bewusst. Zugegeben, die damalige Mailbox-Kultur zeichnete sich nicht gerade durch Komfort aus, aber sie bot mir und anderen Pionieren der DFÜ schon alles, was viele Menschen später als den „Geist des Internet“ kennenlernen sollten. Es gab offene Diskussion zu Alltäglichkeiten und Fachthemen, ein Mailsystem und ein Mit-Ein-Ander in offener Verschiedenheit; zuweilen auch in streitbarer oder trolliger Verschiedenheit. Zum Glück gab es keine Spur der Kommerzialisierung, sie hätte diesen Geist wohl an der Wurzel verdorren lassen.

In diesen ganz frühen Anfängen war es kein politisches Thema. Es war in der Außenwahrnehmung so etwas Ähnliches wie ein schräges Hobby für eine Handvoll schräger Typen, vielleicht entfernt ähnlich zum ebenfalls technischen Hobby des Amateurfunks. Für die Post war es sehr wohl ein Thema; die Taktung der Telefongebühren stand in einem direkten Zusammenhang mit der zunehmenden Benutzung der damals analogen Telefonleitungen zum Zweck der Datenübertragung und Kommunikation; und erst, als diese jetzt tote technische Kultur zunehmend von der neueren Kultur des Internet abgelöst wurde, löste sich diese Einteilung der Gesprächsdauer in Kostenabschnitte wieder auf, bis hin zum heutigen Angebot so genannter „Flatrates“ für die Telefonie.

Es wurde weder zu einem politischen Thema dadurch, dass über die damaligen Mailboxen ein fröhlicher Austausch urheberrechtlich geschützter Daten praktiziert wurde, noch reichten die teilweise radikalen politischen Standpunkte damaliger DFÜ-Teilnehmer dazu hin, Mailboxen zu einem politischen Thema zu machen. Es wurde schlicht politisch verpennt, wie dies auch in der Folgezeit in der BR Deutschland bei technischen Entwicklungen typisch werden sollte. Dabei entstand gerade hier ein Biotop — oder sollte ich eher „Bitotop“ sagen — in dem sich eine wahrhaft demokratische Kultur entwickelte, die in mancher Frage vom harten Ringen um einen Standpunkt und von einer Darlegung auch komplexerer Standpunkte geprägt war.

Als ich 1995 in der CeBIT-Halle meine erste Begegnung mit dem World Wide Web, den modernitätsbesoffenen Werbeheinis an den Ständen und den klickigen Webbrowsern der damals neuen Generation hatte, konnte ich über diese Ödnis nur lachen. Es schien mir zu sehr jene Form der Einweg-Kommunikation zu sein, die ich schon längst hinter mir hatte. „Bunt“ und „interessant“ waren für mich stets zwei sehr verschiedene Attribute, und der viel beschworene elektronische Katalog eines Versandhauses für Tinnef war das letzte, was ich meinem Dasein hinzufügen wollte.

Aber ich bin in meiner Persönlichkeit ja so gestrickt, wie es von euch Politiktreibenden immer wieder von allen Menschen gefordert wird. Ich habe mich also auch mit dieser Technik beschäftigt, habe HTML gelernt, später auch Perl und noch später PHP, um auch interaktivere Dinge realisieren zu können. Ich habe mir einen Webserver aufgesetzt, um ein wenig mit der Technik „spielen“ zu können, damit ich einen Eindruck davon erhalte, was im Rahmen dieser Technik möglich ist und was nicht. Dies alles, noch bevor das World Wide Web zum Massenphänomen und in der Folge auch immer mehr zum „World Wide Waste“ einer herrgottsdummen kommerziellen Nutzung wurde.

Ich bin eben genau das, was ihr Politiktreibenden in euren Forderungen an die Menschen unter eurer Herrschaft immer haben wollt. Ich betrachte mein Leben als ein lebenslanges Lernen, ich betrachte technische Innovationen als eine für mich und andere zu nutzende Chance, ich betrachte die damit verbundenen sachlichen Schwierigkeiten eher als zusätzlichen Ansporn zu erhöhter Anstrengung denn als ein ernsthaftes Hindernis, das mich jammern und verzagen macht. Auf diesem Weg habe ich mir einen Satz von Fertigkeiten erworben, von denen ich zum Zeitpunkt des Erwerbes noch gar nicht wissen konnte, dass sie auch einmal eine gesellschaftliche Bedeutung haben könnten. Und. Ich fahre — mit mittlerweile gebremsten Tempo — damit fort, mir solche Fertigkeiten anzueignen. Manchmal macht mir das einen Heidenspaß, und manchmal verursacht es mir Kopfschmerzen. Wenn ihr Politiktreibenden wirklich einmal etwas gelernt habt — man merkte es euch ja bislang in der von euch betriebenen Politik meist nicht an — denn kennt ihr ja auch diesen Prozess des Wissenserwerbes und den Stolz auf die zunehmende Literalität in einem Fachgebiet, das man sich aneignet.

Natürlich hatte das alles irgendwann auch zur Folge, dass ich mir eine Zeitlang meinen Lebensunterhalt als Programmierer verdiente. Dabei durfte ich in bitterster Form erfahren, dass man mit einem solchen Beruf in der BR Deutschland in einer Weise ausgebeutet wird, die jeder Beschreibung spottet. Meine Mitmenschen waren zwar immer wieder fasziniert und sagten so etwas wie „Da verdienst du ja richtig Kohle“, aber die Wirklichkeit sah anders aus. Ich hatte mich auf ein Leben als moderner Nomade ohne jede Stabilität in meinen Daseinsbedingungen einzustellen, wurde unter gezielter Ausnutzung der von euch Politiktreibenden ermöglichten zweijährigen Probezeit flugs eingestellt und nach Bedarf wieder kurzfristig entlassen, und zu allem Überdruss war ich einen Großteil meiner Zeit damit beschäftigt, meinem Gehalte hinterherzurennen, das sehr häufig ganz einfach nicht bezahlt wurde. Beinahe so, als würden die so genannten „Arbeitgeber“, die die Früchte meiner Arbeit begierig an sich rissen, denken, es sei unrecht, jemanden für sein Hobby auch noch Geld zu geben. Dabei habe ich, um überhaupt ein paar Mark und später Euro zur Begleichung meines persönlichen Kostenapparates zu bekommen, eher regelmäßig als gelegentlich Fristen setzen müssen und diese mit der zusätzlichen Ankündigung salzen müssen, dass ich im Falle der Nichteinhaltung ohne weitere Warnung sofort eine Anzeige wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung erstatten würde — denn eine „normale“ Friststellung hatte bei diesen Menschgeiern keineswegs Erfolg. Natürlich war das Geld nach solcher Rede immer sehr schnell da und wurde mir in einer Weise, die meine ebenfalls um ihren Lohn geprellten Kollegen nicht bemerken sollten, bar in die Hand gedrückt, denn das Geld fehlte in diesen Unternehmen niemals, es sollte einfach nur auf diese Weise eingespart werden. Man wurde eingestellt, wie ein Stück Scheiße behandelt und wieder weggeworfen, und dies an recht vielen Stellen, die sich vom äußeren Anschein her sehr seriös und solide gaben, ja, die sogar Aufträge von staatlichen Institutionen erhielten. Im Zuge meines eigenen Vernutztwerdens durfte ich ganz „nebenbei“ so viele menschliche Tragödien erleben, dass ich sie in ihrer Fülle nicht einmal mehr andeuten kann — zum Beispiel einen Administrator, der sich in seinen rückständigen Gehaltszahlungen so lange mit leeren Worten hinhalten ließ, bis wegen seines Mietrückstandes die Räumungsklage kam und er obdachlos wurde, er endete als Alkoholiker; oder auch viele Azubis in den recht frischen IT-Berufen, die nichts lernten und in keiner Weise betreut wurden, sondern einfach nur geistlose Routinearbeiten als billige Arbeitskräfte zu verrichten hatten und im Verlaufe ihres außerbetrieblichen Resttages zusehen konnten, wie sie einmal durch die staatliche Prüfung kommen sollten.

Als ich das alles nicht länger ertragen wollte, machte ich einen Schlussstrich unter mein modernes Nomadenleben an der digitalen Mülltonne. Seitdem lebe ich als obdachloser, bettelnder Künstler von dem, was mir kampflos gegeben wird. Ich habe diese Entscheidung in nunmehr acht Jahren nicht einmal bereut, obwohl ich in einigen kalten Winternächten nur knapp am Verrecken vorbeigeschrammt bin. Mein Leben ist von einer großen Heiterkeit geprägt, die viele Menschen in meinem persönlichen Umfeld geradezu ansteckend finden — diese Heiterkeit kombiniert sich allerdings mit einer unbezwingbar gewordenen Sturheit in jenen Dingen, für die ich lebe, ganz so, wie sie nur jemand an den Tag legen kann, der wirklich genau weiß, dass er nichts mehr zu gewinnen und nichts mehr zu verlieren hat.

Wie ihr Politiktreibenden an diesem Text sehen könnt, entfaltet auch ein derart marginalisiertes Dasein dank der gegenwärtigen Technik eine gewisse, wenn auch sehr kleine und dennoch stets attackierte Außenwirkung. Ich zumindest bin froh über diese Technik, und ich weiß zum Glück darüber hinaus auch, dass dieses Leben auch noch etwas Fröhlicheres als diese Technik anzubieten hat.

Meine in vielen Jahren erworbenen Fähigkeiten und meine ganzen Erfahrungen setze ich weiterhin in Projekten ein, von denen ich persönlich überzeugt bin. Diese Projekte sind allesamt exquisit nicht-kommerziell und ein wichtiger Beitrag zur Kultur in Deutschland jenseits des merkantil ausgebeuteten Kulturbetriebes — denn die Ware Kultur ist nicht die wahre Kultur. Vieles von meinen Kenntnissen und Erfahrungen gebe ich auch weiter, wenn ich den Charakter meines Gegenübers nur für geeignet dazu halte. Käuflich bin ich nicht mehr, aber für einige Menschen unbezahlbar geworden. (Und wenn jetzt ein Leser daran denkt, mir einen „Job“ im üblichen Sinne des Wortes geben zu wollen: Vergiss es! Und. Such dir einen anderen Idioten, der für dich die Arbeit macht und der dir die Kohlen aus dem Feuer holt und dafür zum braven Steuerzahler in der völlig abgefuckten Gesellschaft der BR Deutschland werden möchte!)

So weit zu mir, und viele zwar persönlich wichtige, aber im sachlichen Kontext eher irrelevante Punkte habe ich fortgelassen, um die Textmenge gering zu halten.

Nun also endlich zur Sache. Also seid ab hier wieder aufmerksam, ihr Politiktreibenden, denen die Menschen und ihre Leben doch so fühlbar gleichgültig sind!

Ich bin also — natürlich mit Ausnahme meines bewusst gewählten, jetzigen Lebensstiles — genau so eine Persönlichkeit, wie ihr sie gern haben wollt, wenn ihr in die massenmedialen Mikrofone und Kameras von Innovation, Zukunft und Nachhaltigkeit sprecht, um damit die Menschen zu verblenden.

Und das einzige, was euch Politiktreibenden einer solchen Persönlichkeit und ihrem kulturellen Hintergrund gegenüber einfällt, ist eine durchgehende Kriminalisierung ihres gesamten Lebens, eine ständige Haltung der Beschimpfung und eine zu Politik werdende Angst angesichts einer gesellschaftlichen Entwicklung, die ihr Politiktreibenden einfach nicht zu verstehen scheint.

Das Folgende ist nur eine kleine Liste der von euch Politiktreibenden durchgezogenen Kriminalisierung, Schmähung und Verachtung der Mitgestalter des deutschsprachigen Internet. Sie wäre leicht um die rabulistischen Blendworte von den „Raubkopien„, „Musikdownloads„, „neuartigen Rundfunkgeräten“ und dergleichen mehr zu ergänzen, aber ich will mit meinem Schreiben auch einmal an ein Ende kommen.

„Hackertools“

Wie eben schon gesagt, setze ich meine Fertigkeiten weiter ein, obwohl ich nun keinen Lohn mehr dafür erhalte. (Könnt ihr bis ins Mark korrupten Politiktreibenden so etwas überhaupt noch verstehen? Das da jemand Dinge einfach aus tiefer, innerer Überzeugung tut?) Unter anderem betreue ich die ständig mit dem Internet verbundenen Server einiger Projekte, die ich persönlich für fördernswert halte und deshalb trotz meiner manchmal erschwerenden Lebensumstände mit aller Kraft unterstütze.

Jeder permanent mit dem Internet verbundene Rechner ist ein „Opferrechner“. Er ist ständig diversen Angriffsversuchen ausgesetzt, die in ihrer Perfidie und technischen Durchführung die gesamte Spannweite vom „Kinderkram“ bis zur ernstzunehmenden Attacke abdecken können. Das ist für mich kein Grund zum Flennen, sondern ein Anreiz, meine Gegner ernst zu nehmen und mich gegen ihre Angriffe so gut es geht zu wappnen.

Um diese zuweilen geistlose Aufgabe erfüllen zu können, benötige ich als Hilfsmittel die gleiche Gattung Software wie die Angreifer. Ich muss sogar die umlaufenden Exploits ausprobieren können, um Gewissheit darüber zu erlangen, ob die von mir vorgenommenen Gegenmaßnahmen hinreichend sind. Doch genau für den Besitz dieser Software — unabhängig davon, was ich damit mache — werde ich in der BR Deutschland schon zum Straftäter. Ich komme aber nicht umhin, dieses Risiko angesichts einer oft willkürlich urteilenden Justiz und völlig irrationaler und aus einer netzfernen Parallelgesellschaft stammender Gesetze auf mich zu nehmen, und ich werde das auch fortan tun. Ihr habt mich längst in die Kriminalität gedrängt, und nicht nur mich, sondern darüber hinaus jeden Menschen, der sich ernsthaft um eine sichere und vertrauenswürdige Informationstechnik bemüht. Denkt bitte daran, Politiktreibende, wenn ihr das nächste Mal vom „Standort Deutschland“ und der erforderlichen Förderung von „Zukunftstechnologien“ faselt! Und. Wenn ihr zur Abwechslung einmal nicht die Menschen in Deutschland belügen wollt, haltet einfach den Mund!

Und übrigens: Wenn es doch einmal einem Angreifer gelingt, einen erfolgreichen Angriff gegen einen von mir betreuten Server zu fahren, denn setze ich mich nicht wie diese Idioten aus der totalen Webkommerzialisierung hin und jammere in der Lobby des Reichstages laut nach dem gesetzgeberischen Gnadenhammer, sondern ich analysiere die Struktur dieses Angriffes, treffe für die Zukunft geeignete Gegenmaßnahmen und bedanke mich bei meinem im Regelfall anonymen Sparringpartner für das kostenlose Sicherheitstraining, das er mir mit seinem gelungenen Angriff erteilt hat. Wer einen Server betreibt und nicht das Personal verfügt, das fachlich kompetent solchen Angriffen begegnen kann, der soll entweder dieses Personal einstellen und angemessen bezahlen — ich kenne etliche zu dieser Aufgabe gut befähigte Arbeitslose mit teils langjähriger Erfahrung, die beim Warten in den Hallen der Armutsämter über den bei euch Politiktreibenden immer wieder postulierten „Fachkräftemangel“ nur den Kopf schütteln können — oder eben einfach keinen Server mit ständiger Verbindung zum Internet betreiben. Ende jeder weiteren Kommunikation in dieser Sache.

„Rechtsfreier Raum“

Ihr Politiktreibenden beizt so gern die Gehirne der Unwissenden mit der Lugrede davon, dass das Internet ein rechtsfreier Raum sei. Dieses Gefasel ist übelste und fadenscheinigste Rabulistik, mehr nicht. Das Internet ist mitnichten ein „rechtsfreier Raum“, ganz im Gegenteil. Das arglose Gestalten einer eigenen, noch so unbeachteten und persönlichen Webpräsenz kann in der BR Deutschland mit ihrem ausufernden Abmahnwesen und ihrem umfassenden Rechtsschutz für beleidigte Leberwürste schnell eine Angelegenheit werden, die die persönliche Existenz bedroht. Das Internet ist in Wirklichkeit ein Raum von großer Rechtsunsicherheit, in dem das gesprochene Recht einen Hang zu einer Beliebigkeit hat, die für die davon betroffenen Menschen sehr teuer, ja, existenzbedrohend teuer werden kann. Diese Rechtsunsicherheit, ihr Politiktreibenden, sie ist von euch gewollt und wird von euch seit Jahren aufrecht erhalten, obwohl der von gewissen skrupellosen Zeitgenossen damit getriebene Wahnsinn mittlerweile zum Himmel stinkt. Man könnte fast denken, ihr wolltet das genau so haben, damit sich die persönliche Mitteilung aus der individuellen Lebenswirklichkeit mit einem großen Maß an Unsicherheit und Angst verbindet und deshalb auch immer öfter einmal unterbleibt — vielleicht auch, damit sich ein Schleier des Schweigens über diese Wirklichkeit senkt, unter dem ihr euch einfach weiter durchwursteln könnt.

Näheres zu diesem Thema könnt ihr hier lesen, wenn es euch überhaupt interessiert.

Was ihr Politiktreibenden hingegen regelmäßig aus dem Internet zu machen gedenkt, wenn ihr das blinde Wort vom „rechtsfreien Raum“ im Munde führt, ist übrigens so etwas Ähnliches wie ein „rechtsfreier Raum“, es ist ein Raum, der frei ist von jenen Bürgerrechten, die ihr sonst in euren hingelogenen Sonntagsreden als große Errungenschaft eurer tollen Demokratur hinstellt.

„Killerspiele“

So lange ich Computer kenne, wurden Computer zum Spielen verwendet, ohne dass jemand etwas ernsthaft Anstößiges daran gefunden hätte. Die Mehrzahl dieser Spiele waren und sind Darstellungen des Kampfes. In diesem Punkte gleichen die mit einem Computerprogramm realisierten Spiele den älteren Brettspielen wie Malefiz, Mensch ärgere dich nicht, Backgammon oder Schach. Was an den mit einem Computerprogramm gespielten Spielen anders ist, das ist von eher qualitativer Natur, es liegt in der Interaktivität der Spielhandlung, in der realitätsnahen Darstellung der Kampfhandlung. Das Ziel des Spieles ist der Sieg, und auf dem Weg dahin muss — wie beispielsweise auch beim Skatspielen — Selbstbeherrschung, Konzentration, Verarbeitung von Frusterlebnissen und überlegtes Verfolgen einer erfolgversprechenden Strategie geübt werden. Die Unmittelbarkeit eines interaktiven Computerspieles fügt diesen klassischen Übungen noch die zusätzliche Übung des Reaktionsvermögens hinzu. Dies alles war schon so, als noch zum Auftakt der Achtziger Jahre die pixeligen Aliens in Space Invaders oder die bunten Insekten in Galaga milliardenfach ihre fiepsigen Pixelleben aushauchten und sich dabei der Kassenbehälter des Coin-Ops mit klimpernden Markstücken füllte, und nun sind durch den technischen Fortschritt die simulierten Spielsituationen im Laufe der Zeit ansprechender und gleichzeitig anspruchsvoller geworden. Für jene, die gern spielen — ich gehöre übrigens nicht dazu — eine Steigerung des Genusses, vielleicht entfernt vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem Beinahe-Essen (so übersetzt man doch „fast food“ in der richtig falschen Weise, oder?) bei McWürgreiz und einem Fest für Auge und Gaumen in einem gehobenen Restaurant. Das werdet ihr Politiktreibenden mit euren fetten Wampen und eurer unersättlichen Lust nach einem verfeinerten Lebensstil doch verstehen können.

Doch ihr Politiktreibenden seht das natürlich ganz anders. Da haben einige junge Menschen eine echte Waffe in die Hand genommen, sind in ihre Schule gegangen und haben dort systematisch Mitschüler und Lehrer ermordet. Da fragt ihr euch nicht etwa, warum eigentlich als Bühne dieser so genannten „Amokläufe“ mit ermüdender Regelmäßigkeit eine Schule gewählt wird, dieser Unort der gesellschaftlichen Siebung und der Vorbereitung auf ein Dasein als Batterie im betrieblichen Produktionsprozess. Nein, ein Nachdenken über ein System, das so viel Verzweiflung auszulösen vermag, ist von euch Politiktreibenden offenbar zu viel verlangt. Stattdessen tut ihr Politiktreibenden das, was ihr am besten könnt; ihr redet Lügen, die von eurem speichelleckerischen Medienapparat millionenfach wiedergegeben und konditionierend vor das letzte müde Auge gestellt werden. Und so redet ihr unbeleckt von auch nur der mikroskopischten Spur einer Kompetenz davon, dass so genannte „Killerspiele“ die so genannten „Amokläufe“ auslösen würden, auch wenn völlig offensichtlich ist, dass die Wurzeln der Verzweiflung ganz andere sind. Die Spuren der Wirklichkeit hinter den so genannten „Amokläufen“ im Internet, die lässt hingegen ein willkürlich vorgehender Polizeiapparat still verschwinden, wann es möglich ist.

Auch, wenn ich selbst nichts an derartigen Spielen finden kann: Sie sind fester Bestandteil der digitalen Kultur, und zwar von Anfang an. Als Ken Thompson in den späten Sechziger Jahren das Betriebssystem Unix schrieb, ja, dieses Unix, welches das ganze Internet erst möglich gemacht hat, da wurde die erste darauf laufende Anwendung ein Spiel namens Space Travel. Tatsächlich ist das früheste UNIX nur entstanden, um dieses Spiel auf einer PDP-7 zu programmieren.

Die Nutzung eines Computers als unermüdlicher Spielpartner und das spielerische Kräftemessen mit einer Maschine sind vom frühesten Tag an feste Bestandteile der digitalen Kultur gewesen. Als der Computer immer mehr zum Alltagsgegenstand wurde, da wurden Spiele am Computer für viele Menschen zum selbstverständlichen Bestandteil ihres Lebens. Die immer elaboriertere graphische Darstellung und wachsende Komplexität der Spielhandlung ist eine natürliche Folge des technischen Fortschrittes. Mittlerweile ist eine ganze Generation von ihrer frühen Jugend an damit aufgewachsen. Und die wenigsten dieser Menschen gehen in ihre Schule und ermorden andere Menschen. Die von euch Politiktreibenden postulierte Kausalität ist einfach nur gefährlicher Unfug. Gefährlich ist dieser Unfug deshalb, weil die wirklichen Ursachen solcher Mordtaten keinerlei Aufmerksamkeit und Milderung erfahren, was den nächsten so genannten „Amoklauf“ an einer Schule in der BR Deutschland zur sicheren Wette macht.

Aber euch Politiktreibenden ist es ganz offenbar völlig egal, wenn ein paar Leute beim Durchsetzen eurer Beglückungsideen verrecken. Um ja nichts an euren Fehlern und Versäumnissen der letzten zwei Jahrzehnte korrigieren zu müssen, nehmt ihr es lieber in Kauf, eine ganze Generation zu beleidigen und — mit dem von euch geplanten und wohl demnächst in Gesetz gegossenen Verbot der von euch so genannten „Killerspiele“ — weiter zu kriminalisieren. Die Killerschulen werden wohl noch so manches Opfer kosten, und ein Gutteil des dabei vergossenen Blutes klebt an euren schmutzigen Händen, da hilft alles Waschen in Unschuld nichts.

Internetzensur

Die jüngste Entgleisung von euch Politiktreibenden gegenüber der gewachsenen digitalen Kultur ist die hanebüchene Rabulistik einer Ursula von der Leyen, dass es nun eine beliebig missbrauchbare Zensurinfrastruktur für das Internet geben muss, um die Verbreitung von Kinderpornografie zu unterbinden. Dabei ist es nicht einen Moment lang um den Schutz von Kindern oder die strafrechtliche Verfolgung übler Verbrecher gegangen, sonst wären wirksame Maßnahmen zur Verwirklichung dieser Absicht erwogen und ergriffen worden. Das Ziel dieses Lehrstückes der miesen Propaganda war es vom ersten bis zum letzten Akt, das Empörungspotenzial, dass sich mit diesen Verbrechen verbindet, in politisch gewünschte Wege zu lenken, um über diesen psychischen Hebel eine Internetzensur in der BR Deutschland einführen zu können. Der gesamte Vorgang ist hervorragend im deutschsprachigen Internet dokumentiert, ich will das alles hier nicht wiederholen. Bemerkenswert und im höchsten Maße be- und verachtenswert ist es jedoch, dass für diesen Zweck bereits schwer misshandelte Menschen, die wegen dieser Erfahrung eine schwere Last in ihrem ganzen Leben tragen müssen, noch einmal politisch missbraucht wurden. Wie wenig ein derart widerlicher, politischer Kindesmissbrauch euren ethischen Maßstäben widerspricht, ihr Politiktreibenden, das habt ihr bei der namentlichen Abstimmung im Bundestage mit einer „überwältigenden Mehrheit“ unter Beweis gestellt und für die Nachwelt dokumentiert.

Politiktreibende, mancher von euch hat vielleicht gar nicht so recht gewusst, über was er da eigentlich abstimmt. Das ist allerdings keine Entschuldigung, denn jeder von euch kann sich der Stimme enthalten, wenn er sachlich keine Ahnung hat. Auch unwissende Täterschaft ist Täterschaft.

Aber dennoch will ich euch Politiktreibenden ein paar Worte dazu sagen.

Ich bewege mich ja doch schon ein paar Tage im Internet, und ich „durfte“ dabei so einiges kennenlernen. Als jemand, der eine Kultur des Miteinanders in Verschiedenheit als Selbstverständlichkeit kennengelernt hat, habe ich nur wenig Berührungsängste selbst gegenüber den schrägsten Erscheinungen des Lebens und keine große Scheu, auch mal einen nicht ganz so koscheren Link in einem für mich eher ungewöhnlichen Kontext anzuklicken, wenn ich für ein Thema ein wenig recherchiere. Ich habe — neben dem deutlich überwiegenden Wertvollen und Großen oder doch wenigstens Lesenswerten — Stolperstellen auf der Datenautobahn gefunden, von denen mir zum Teil ganz anders geworden ist: Wirre Websites von UFO-Sekten und in meinen Augen gemeingefährlichen christlichen Fundamentalisten; lange „Beweisketten“ für gewaltige Verschwörungen; paranoid klingende Hinweise, dass uns im Jahre 2012 der Weltuntergang bevor steht; Einblicke in den glitschigen Fetischismus einiger homosexueller Männer, die tiefer waren, als ich es in diesem Moment für erträglich hielt und große Haufen den Nichtsigen und Belanglosen in unangemessener technischer Aufbereitung. Genau diese Vielfalt finde ich gut und wertvoll am Internet, denn sie spiegelt die Vielfalt des gegenwärtigen menschlichen Lebens wider, ist ein digitales Zeugnis einer durchaus interessanten und bunten gegenwärtigen Lebenswirklichkeit, die mir sonst vollends unbekannt geblieben wäre. Aber über genau eine Sache bin ich niemals gestolpert, so sehr ich auch auf recht matschigen Pfaden durch das Netz der Netze stapfte, und das ist Kinderpornografie.

Es scheint also gar nicht so leicht zu sein, solche Inhalte zu finden. Aber dennoch habt ihr Politiktreibenden es hinbekommen, das Wort „Kinderpornografie“ in der öffentlichen Wahrnehmung semantisch so in die Nähe des Wortes „Internet“ zu stellen, dass ein noch Unwissender geradezu einen Ekel vor dem Internet und vor den vielen Gestaltern des Internet empfinden muss. Dabei entsteht schon der Eindruck, dass die systematische Verunglimpfung eines Netzwerkes von Computern, das gemacht ist, Menschen zusammenzubringen, die eigentliche Absicht hinter all den Lügen und der mit hohem Aufwand in die Massenmedien gedrückten Propaganda war. Um die Verunglimpfung auf die Spitze zu treiben, ihr Politiktreibenden, habt ihr in euren Lugreden nicht einmal mehr davor zurückgeschreckt, jeden Menschen, der zu der technisch wenig anspruchsvollen Leistung imstande ist, mit ein paar Klicks einen anderen Nameserver einzustellen, in die Nähe einer abstoßenden Kriminalität zu stellen. Rhetorisch habt ihr damit eine ganze Generation kriminalisiert, die mit der Selbstverständlichkeit der IT-Technik aufgewachsen ist, und es scheint für jeden Menschen, dessen Augen und Ohren an ein funktionierendes Gehirn angeschlossen sind, nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis ihr auch diese unverschämte Kriminalisierung in eine Gesetzesform gießen werdet.

Wenn man euer Treiben vor sich sieht, ihr Politiktreibenden, denn kann man schon einmal die klammheimliche Hoffnung bekommen, dass die gezielten Schüsse eines im Schützenvereine ausgebildeten, so genannten „Amokläufers“ diesem Treiben ein Ende setzen mögen. Bevor. Es zu spät ist.

Abschaffung des Postgeheimnisses für E-Mail

Aber zurück zur Zensur, ihr Politiktreibenden, zur Zensur des Internet, die ihr ermöglicht habt. Ist euch eigentlich klar, was die angestrebte Form der Zensur wirklich bedeutet?

Ihr wollt die Zensur durchführen lassen, indem das BKA ohne jede öffentliche Kontrolle den Zugangsprovidern geheim gehaltene Listen von Domains gibt, und die Zugangsprovider sollen diese Listen dann nicht auf die eigentlich zugeordnete IP-Adresse abbilden, sondern auf die Adresse eines Servers, der bei einem beliebigen HTTP-Request das mittlerweile berüchtigte Stoppschild ausliefert. Dieses zeigt dann dem Surfer, der irgendwie auf diese Seite gelangt ist, dass er einen gesperrten Bereich betreten hat. Dieses Erlebnis soll den Surfer dann wirksam abschrecken. Das ist zumindest der Teil, der jetzt monatelang in der öffentlichen Diskussion breitgetreten wurde, um diese Unverschämtheit der Zensur zu rechtfertigen und die wirklichen Auswirkungen der Zensurmaßnahme zu verschleiern.

Wenn ihr euch nur ein bisschen technisches Verständnis eingeholt hättet, denn wäre euch auch klar gewesen, dass so ein Domainname keineswegs nur eine Site im World Wide Web angibt — und wenn ihr auf Anforderung eurer Fraktionsspitze blind zugestimmt habt, ohne dieses technische Verständnis zu haben, befreit euch das keineswegs von der Schuld, die ihr mit dieser Tat auf euch geladen habt, Politiktreibende. Innerhalb dieser Domain kann es zum Beispiel E-Mail-Adressen geben. Die E-Mails an diese Adressen gelangen dann nicht mehr zu ihrem regulären Empfänger, sondern werden an einen Server im Internet zugestellt, der in geheim gehaltener und völlig unkontrollierter Weise vom BKA betrieben wird. Es wurde von euch Politiktreibenden eine Infrastruktur in den Gesetzesrang erhoben, die es dem BKA ermöglicht, ohne jegliche Kontrolle E-Mails mitzulesen, die an eine vom BKA beliebig bestimmbare Domain gehen. Wenn da jemand mit technischen Kompetenzen ein bisschen programmiert, kann dies auch so geschehen, dass beim HTTP-Zugriff auf diese Domain kein Stoppschild, sondern die gewohnte Website sichtbar wird — für mich wäre das eine kleine Fingerübung, die mich höchstens drei Tage entspannte Arbeit kostete. So etwas mag in der gegenwärtigen Formulierung eures Gesetzes, Politiktreibende, illegal sein, aber es ist in der Durchführung vergleichsweise leicht möglich und es kann auf der anderen Seite unmöglich entdeckt werden. Für wie groß haltet ihr wohl das Hindernis, dass es unter diesen, von euch geschaffenen Bedingungen eingesetzt wird? Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es unter dem Banner der Gefahrenabwehr einmal dazu kommen wird. Die technische Infrastruktur, mit der diese Technogestapo ermöglicht wird, war euer in einer Abstimmung geäußerter und offiziell dokumentierter politischer Wille, ihr Politiktreibenden. Wie viele so genannte „Grundrechte“ wollt ihr eigentlich noch abschaffen in eurer lähmenden Angst vor einem Volk, das ihr doch zu vertreten vorgebt?

Ob es um einen Strafverteidiger, einen Geistlichen, einen Arzt oder um einen Journalisten geht, dessen Mail-Kontakte für das BKA aus irgendeinem, durch nichts kontrollierbaren Grund interessant werden — die mögliche Neugier der jetzt geschaffenen Gestapo kann unauffällig und mühelos befriedigt werden. Das ist es, was ihr Politiktreibenden mit eurer Zustimmung ermöglicht habt. Und erzählt mir bloß nicht, dass ihr das nicht gewusst und auch gar nicht gewollt habt. Dafür fügt es sich viel zu gut in das Bild, das ihr in eurem sonstigen Tun abgebt. Wer nicht blind ist und wer durch euer verlogenes Gelaber in dieser Sache nicht verblendet wurde, der sieht einen klaren, roten Faden in allem, was ihr tut. Und. Er weiß, diese Struktur zu deuten.

Ich bin weg!

Ja, Politiktreibende, ihr steht jetzt im Wahlkampf, und ihr würdet so gern das Internet für eure Einwegkommunikation und für die Verbreitung eurer diversen Lügen benutzen. Aber ihr habt euch für das Miteinander im Internet und darüber hinaus auch für jeden anderen Diskurs disqualifiziert. Das gilt auch für die Mitglieder jener im Deutschen Bundestage vertretenen Parteien, die den starken Eindruck erwecken, dass sie nur wegen ihrer Opposition gegen das jüngste Gesetz zur Volksentrechtung gestimmt haben, dass sie aber in einer Regierungsbeteiligung ebenfalls ohne Zögern und aus einem kalten Kalkül der Machterhaltung heraus für die weitere Volksentrechtung gestimmt hätten.

Dass ich euch allen nicht einen Millimeter mehr über den Weg traue, ist nicht ein allgemeiner Hang zum Misstrauen, sondern das Ergebnis von immer wieder gemachter Erfahrung, die jede im Bundestag vertretene Farbe trägt. Ihr kriminalisiert, beschimpft, verunsichert und entrechtet eine ganze Generation, und ihr bekommt davon nicht genug — in Wirklichkeit seid ihr es jedoch, ihr Politiktreibenden, die hier kriminell sind, bis zum leichtherzigen Bruch an sich eindeutiger Artikel des Grundgesetzes kriminell. Wenn die BR Deutschland wirklich der Rechtsstaat wäre, als den ihr sie so gern in euren weihevollen Reden darstellt, dann könnte ich wenigstens darauf vertrauen, dass ihr dafür zur Verantwortung gezogen würdet. Aber angesichts der täglich erfahrbaren Wirklichkeit in der BR Deutschland wäre ein solches Vertrauen dumm und naiv.

Ihr müsst euch fortan ohne mich behelfen, denn ich rede nicht mit Menschen, die mich unentwegt beleidigen, belügen, kriminalisieren und bis zum Entzug der Grundrechte entrechten. Dieses Ende der Kommunikation gilt auch für alle Mitglieder in euren verbrecherischen Wahlvereinen, den so genannten „Parteien“. Wo in der Auseinandersetzung keine Worte mehr möglich sind, bleibt leider nur noch die Gewalt — und diese geht übrigens von euch aus, ihr Politiktreibenden, nicht von mir. „Killerspiele“ spiele ich übrigens auch nicht, aber ich kenne den Absatz 4 des Artikels 20 im Grundgesetz. Sollte mich mein weiterer Weg unter eurer verbrecherischen und zunehmend diktatorische Züge annehmenden Herrschaft, ihr Politiktreibenden, in ein Gefängnis führen, so erachte ich dies in einer Zeit, in der gefährliche und verantwortungslose Kriminelle mit Ämtern ausgestattet, mit Steuergeldern beglückt und mit Auszeichnungen überhäuft werden, als eine Form der Ehre.

Viel Spaß bei der verlogenen Aufführung eures Wahlkampfes, Politiktreibende — und wundert euch nicht darüber, was euch auf der Straße begegnet, wenn ihr hierfür noch eure Parallelgesellschaft verlassen müsst!

Go and sniff my open port!*
PLONK!

* Und weil ihr Politiktreibenden dieses GASMOP nicht verstehen werdet und wohl auch von eurer „geistigen“ Ausrichtung her nicht dazu imstande sein werdet, es wie ein normaler Mensch einfach einmal nachzuschlagen, hier noch die Erläuterung dazu: Es handelt sich schlicht um eine etwas technisch ausgedrückte Variante des Schwäbischen Grußes. Was dieses PLONK bedeutet, kriegt aber bitte selbst raus, es ist nicht schwierig zu verstehen…

Nationalismus

Zeitgenosse: „Aber du lebst doch wenigstens in Deutschland, ist das nicht Grund genug, ein bisschen nationalistisch zu sein.“

Nachtwächter: „Dass ich in Deutschland lebe, hat nichts mit dem Staat zu tun, und ich lebte auch in Deutschland, wenn der Staat diesen Namen nicht mit seiner Existenz besudeln würde. Wenn eine kriminelle Organisation mir gewaltbewehrt ein Angebot macht, zu dem ich nicht ’nein‘ sagen kann; wenn sie mir unter einem Satz empfindlicher Drohungen ein so genanntes ‚Schutzgeld‘ abpresst, dessen Zahlung mich im Wesentlichen vor der angedrohten Gewalt der Erpresser schützt; wenn mir diese Organisation mit der gleichen, ständigen Gewaltdrohung ihre Regeln aufzwingt, nach denen ich zu leben habe, sollte ich denn das Treiben derartiger Verbrecher etwa schätzen, gar lieben und zelebrieren? Was ist dieser Staat anderes als das Treiben einer kleinen, verbrecherischen Kaste, die den Schutz ihres Verbrechens vor den Opfern ihres Verbrechens zu einem Recht erklärt, das für die Mitglieder dieser verbrecherischen Kaste keine Wirksamkeit hat. Und. Was ist die so genannte Mafia anderes als das Treiben von Verbrechern, die die Strukturen der staatlichen Herrschaft in ihrem Tun imitieren. Ich empfinde für die lebensverachtende Gewalt nichts als Verachtung, gleich, ob sie sich nun Mafia oder BR Deutschland nennt, ob sie ihre Erpressung ‚Schutzgeld‘ oder ‚Steuer‘ nennt. Warum auch sollte ich schätzen, was mich verachtet? Es reicht mir, sterben zu müssen, da lasse ich mir das Leben nicht bereitwillig zerbrechen.“

Elektrisches Auge

Aus aktuellem Anlass und mit nasskaltem Gruß an ZensUrsula von der Leyen heute wieder einmal ein flugs übersetzter Songtext aus meiner Jugend, in der es selbst in der populäreren Musik noch etwas gab, was im gegenwärtigen Auswurf der Contentindustrie gar nicht mehr vernehmbar ist: Mit wirklichem Mitteilungswillen verbundene und zitierfähige Texte.

Elektrisches Auge

Hier oben im Raum
Schaue ich auf euch hinab.
Meine Laser verfolgen
Alles, was ihr tut.
Ihr glaubt, dass ihr ein Privatleben habt…
Glaubt doch nicht an so etwas!
Es gibt wahrlich kein Entkommen,
Ich bin ununterbrochen wachsam.
Ich bin aus Metall gemacht,
Meine Schaltungen glimmen.
Ich bin unvergänglich.
Ich halte das Land sauber.
Ich bin der ausgewählte elektrische Spion;
Augengeschütztes, elektrisches Auge.

Immer im Blickpunkt;
Ihr könnt mein Glotzen nicht fühlen.
Ich zoome in euch hinein;
Ihr wisst nicht, dass ich existiere.
Es macht mich stolz, eure geheimen Bewegungen zu untersuchen.
Meine tränenlose Netzhaut macht Bilder, die als Beweise gelten.
Elektrisches Auge, oben am Himmel,
Fühlt, wie ich glotze, wie ich immer da bin;
Es gibt nichts, was ihr dagegen tun könnt.
Entwickelt und offen gelegt,
Ich weide auf jedem eurer Gedanken;
Und das lässt meine Macht groß werden:
Geschütztes, überwachendes, elektrisches Auge.

Frei nach „Electric Eye“ von Judas Priest
(1982 auf „Screaming For Vengeance“ veröffentlicht)

Die Übelsetzung und alle — trotz der recht scharfen und deutlichen Aussprache von Rob Halford eingeschlichenen — Verhörer sind von mir. Ich habe mich beim Übertragen entschieden, das in seinem Numerus unbestimmte englische „you“ in der Pluralform zu übersetzen, im Englischen ist es auch als direkte Ansprache eines einzelnen Gegenübers zu verstehen. (Jüngere Sprecher des amerikanischen Englisch disambiguisieren dies zuweilen durch die analytische Konstruktion „you all“ oder kontrahiert „y’all“ für die zweite Person Plural, und diese umgangssprachliche Konstruktion hat gute Chancen, es in Zukunft einmal in die offiziellen Grammatiken zu schaffen.) Diese kleine Unbestimmtheit gibt dem englischen Originaltext eine zusätzliche gefühlte Schärfe und Härte, die sich nicht durch Übertragung in ungekünstelte Alltagssprache in das Deutsche hinüberretten lässt. Auch ist es unmöglich, die Homophonie von „I“ (ich) und „eye“ (Auge) und die daraus gezielt gebauten Unbestimmtheiten zu übertragen — ich bin mir selbst nicht darüber sicher, dass ich jedes Mal die beabsichtigte Bedeutung getroffen habe. Überall, wo „Auge“ steht, kann auch „ich“ gemeint sein, und umgekehrt — und da das „elektrische Auge“ als Icherzähler auftritt, wird diese Überschneidung prägend für die Wirkung des Textes. Obwohl Judas Priest — im Gegensatz zu einigen anderen Vertretern des klassischen heavy metal — im Allgemeinen keine auffallend gestelzte Sprache pflegte, ist die Übersetzung einiger Songtexte doch schon sehr schwierig, und mit dem hier entstandenen Ergebnis bin ich alles andere als zufrieden.

Nach diesen Anmerkungen zu den Schwächen meiner Übelsetzung nun noch eine Kleinigkeit zum Hintergrund, warum ich diesen Text in das Bewusstsein rufen möchte:

Dass es mit den Freiheitsrechten in der BR Deutschland unter den Ideen einer Demagogin wie ZensUrsula von der Leyen und ihren allzu willfährigen Schergen unter den großen Zugangsprovidern nicht mehr so weit her ist, werden einige Leute wohl erst dann bemerken, wenn sie einen Proxyserver oder Nameserver aus China in ihre Netzwerkkonfiguration eintragen, um wieder an einem ungefilterten Austausch der Menschen Teil haben zu können. Und viele andere Menschen werden es nicht einmal dann bemerken, weil sie sich völlig mit der Tagesschau, den Talkshows, der Bildzeitung und DSDS zufrieden geben. Die neue Zeit der dezentralen Medien wird an der entstehenden great firewall of Germany erwürgt, bevor sie auch nur eine gesellschaftliche Wirkung entfalten konnte.

Zum christlichen Osterfest

Man könnte leicht auf die Idee kommen, dieser Jesus genannte jüdische Rabbi und Religionskritiker Jehoschua aus Nazaret sei gar nicht auferstanden, sondern sein Leichnam sei nur umgezogen. Von der kleinen Gruft nahe Jerusalem in die gleichermaßen geräumigere und engere Gruft der christlichen Kirche, in welcher er seitdem zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wird.

Auswärtiges Denken (44)

Diese Medien haben allen Grund, von ihrer eigenen Verantwortung abzulenken .