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„Der war irre“, sagt der Irrsinn

Nachdem — anders als es von der medialen Kriegspropaganda der täglich in die Hirne gestreuten Islamangst gewünscht war — völlig klar ist, dass der Mörder von Oslo und Utøya kein armer und leicht fanatisierbarer Moslem mit geringer individueller Lebensaussicht, sondern ein vermögender und offenbar gebildeter Christ mit extrem konservativer Weltsicht war, ist klar, was die nächste Strategie in der medialen Darstellung sein wird: Der Mörder wird wortreich zum Psychopathen erklärt werden, zum irren Einzeltäter, damit auch nicht ein Gedanke an den sozialen und politischen Kontext verschwendet werden muss, in dessen Schatten eine derartige Mordlust erblühen konnte. Denn das. Ist beinahe eine Konstante in der medialen „Aufbereitung“ politischer Gewalt: Die Täter aus dem „linken“ politischen Spektrum und seit zehn Jahren auch jene mit islamisch-religiösen Hintergrund sind organisierte und gefährliche Terroristen, denen gegenüber ein so gewaltiger und nach Möglichkeit auch gewaltsamer Präventivstaat aufgebaut werden muss, dass darunter bürgerliche Freiheitsrechte zu ersticken drohen; die anderen Täter hingegen, deren Tat sich als ein vergrößerendes Zerrbild des „konservativen“ Wertekanons darstellt, sind irrsinnige Einzeltäter.

Übrigens: Der offene Rassist Thilo Sarrazin ist übrigens immer noch Mitglied der SPD und wird immer noch von einem Medienapparat umhätschelt, der ihm die Möglichkeit gewährt, sich und die von ihm offensiv vertretene Ideologie in Szene zu setzen — neuerdings sogar ausgerechnet aus der Opferrolle… dokumentiert und gesendet im Zweiten Deutschen Fern-Sähen.

Der Nichthysteriker

Unsere Antwort auf Gewalt ist: Noch mehr Demokratie, noch mehr Offenheit.

Jens Stoltenberg, Ministerpräsident von Norwegen.

Eine verblüffend unaufgeregte Ansage Jens Stoltenbergs — immerhin nach einem Bombenanschlag auf ein Gebäude, in dem er gut selbst hätte sitzen können und nach Meinung der Mörder wohl auch sitzen sollen. Kein Vergleich mit der hysterischen Ausbreitung von Terrorangst in vielen anderen Teilen der „westlichen“ Welt, mit derer psychischen Hebel dann alljene Bürger- und Menschenrechte ausgehöhlt werden und allerlei militärische Aktionen vorangetrieben werden; gleichgültig, ob der entkernte Rechtsapparat einen unbestreitbaren Vorzug gegenüber den intoleranten und autoritären Staatsformen darstellt, die von „islamistischen“ Tätern angestrebt werden¹. Hier wird nicht die für die Wirkung des Terrors so nützliche Todesangst in den Vordergrund gestellt, um einen phobokratischen Staat zu errichten, sondern vielmehr die Frage aufgeworfen und in beeindruckender Weise beantwortet, wofür es sich zu leben lohnt.

Und niemand glaube, dass deshalb in Norwegen nicht alles getan werden wird, um die Täter dingfest zu machen und dem ganz gewöhnlichen Strafrecht zu übergeben!

¹Ich schreibe „islamistisch“ in Anführungszeichen, weil ich es für ein Unwort halte. Dieser mörderische Ismus hat nicht in erster Linie mit dem Islam zu tun, der religiöse Überbau dient nur zum Aufrichten einer nicht vorhandenen Gemeinsamkeit durch Berufung auf die Religion. Wäre die Religion hierbei „widerspenstig“ (was Religionen leider bei solchen Vereinnahmungen meist nicht sind), so könnte sie durch beinahe alles andere ersetzt werden. Wenn dieser Ismus schon einen Namen bekommen muss, um ihn reflektierend behandeln zu können, wäre es der Name des „Faschismus“, der angemessener ist.