Tag Archive: Netzpolitik


Netzpolitik

Jedes Mal, wenn ein Mitglied der classe politique das (Un-)Wort „Netzpolitik“ in den Mund nimmt, will es in Wirklichkeit irgendetwas unter seinem Politiknetz einfangen, um so einen weiteren Freiraum für Menschen zu entfernen.

Netzpolitik. Ein Rant.

Netzpolitik. Ist. Bullshit. Punkt.

Menschenrechte. Müssen. Unteilbar. Sein. Oder sie sind nicht. Punkt.

Was geschähe wohl, wenn ein bestimmtes Menschenrecht — sagen wir mal, um nichts von diesem ominösen „Netz“ zu sagen, das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit — in einem bestimmten Bereich der von diesem Recht gemaßregelten Gemeinschaft nicht gälte? Was würde ein Staat tun — wir wissen oder wenigstens ahnen ja hoffentlich alle, dass der Staat, in dem wir gerade leben, genau in diesem Moment lauter Dinge tut, von denen uns glauben gemacht werden soll, dass sie nur von anderen Staaten getan werden — wenn es in diesem einen Bereich das Schutzrecht der Menschen gegen den Staat nicht gäbe? Oder wenn es niemanden interessierte, dass es dieses Recht dort gibt, so dass es in der Praxis der Staatsgewaltausübung keine Wirkung hätte? Unter solchen Umständen wüsste ich genau, wo die vom Staat verantworteten Leichen herumlägen, wo gefoltert würde, wo genötigt würde, wo den Menschen existenzielle Angst eingeflößt würde, um sie gefügig zu machen — und wo man es auch mal in Kauf nähme, das eine oder andere empfindsame Seelchen mit wohldosiertem Druck in den Freitod zu treiben.

In der Bundesrepublik Deutschland ist dieser Ort zum Beispiel das „Jobcenter“ gleich bei ihnen um die Ecke. Seit über zehn Jahren. „Jobs“ hat es nicht so viele. Der rechtsfreie Raum ist dafür umso größer. Und? Fordert jetzt jemand eine „Jobcenterpolitik“? Interessiert sich überhaupt jemand dafür?

Nein, ich habe kein Interesse daran, wenn technisch Ahnungslose und gescheiterte Narrengoldschürfer auf einer Veranstaltung namens re:publica ihren Bullshit in Mikrofone furzen. Vor einer Zuhörerschaft aus Idioten, die ein paar Tage lang unter dem wehen Banner der „Netzpolitik“ von Freiheit, Unüberwachtheit und menschlichem Miteinander (sowie neuen unseriösen Geschäftsmodellen zum Einsammeln von Risikokapital) träumen und dazu ihre als Telefon getarnten Tracking-Wanzen streicheln, die Datensammelsite Twitter mit einem Strom von Kürzsttexten und Geodaten fluten und auf Facebook für eine Handvoll geklickter Daumenhoch-Sinnbilder schreiben, wie toll es doch ist und welche wichtigen Aufgaben der „Netzpolitik“ bevorstehen. Diese Daumenhochs, die Glasperlen des digitalen Zeitalters, für die gar nicht so wenige Menschen alles hergeben. Nächstes, spätestens übernächstes Jahr — ich wage als mieser Profet eine Zeitangabe, das ist immer ein Fehler — werden die ersten schon mit einem autonomen Auto von Google hinfahren, das ganz nebenbei ein vollständiges Bewegungsprofil erstellt, und vermutlich hat sich dazu schon in diesem Jahr eine Google-Datenbrille auf irgendein Nüsternpaar an einen hohlen Kopf geklemmt. Oh, wie geil das doch alles ist!

Ob unter denen, die laut aus den Lautsprechern die „Netzneutralität“ einfordern, wohl auch fünf bis zehn Arschlöcher sind, die ihren verachtenswerten Kunden das Geld dafür abnehmen, dass sie als so genannter „SEO“ dauerhafte Spam auf Googles Algorithmen schmeißen, auf dass Menschen mit der Suchmaschine Google nicht mehr finden, was sie suchen, sondern, was solche Suchmaschinen-Spammer sie finden lassen wollen? Oder gar ein paar mehr davon?

Ob unter denen, die laut das „Ende der Überwachung“ einfordern, wohl auch fünfzig bis hundert schamgefühlbefreite Entseelungsreste sind, die ihre Websites für eine paar Klimpergroschen mit den Tracking-Skripten der Reklameindustrie — übrigens ein „Gewerbe“, das noch am trefflichsten als „gewerbsmäßiges Belügen und Manipulieren von Menschen“ charakterisiert wird — fluten? Und mit an sich gemeinfreien Fonts, die ohne Not nicht lokal vorgehalten, sondern „bequem“ von Google eingebettet werden, damit auch noch Google die Besucher der Websites verfolgen kann, dieses Google, das recht enge Beziehungen zu den mutmaßlich unmenschlichsten Menschen-Überwachern dieser Welt unterhält? Und mit YouTube-Videos? Von diesem Leservermarktungsgehilfen und Menschenzähldienst „Google Analytics“ gar nicht erst zu reden. Kleine widerwärtige, bückgeistige Schergen des Großen Bruders, die ein Ende der großen Bebruderung einfordern, während sie ohne besondere Not einen sehr großen Teil des Webs in eine Überwachungs- und Ausspähmaschine verwandeln. Ein Bild für die Götter! Oder sind es dort vielleicht sogar mehr als hundert von diesen dienstbeflissenen Big-Brother-Schergen? Wo ist mein Antiemetikum?!

Ob unter denen, die die hübschen Fotos von Edward Snowden wie eine Ikone ihrer eigenen Blödheit vor sich hertragen, auch nur einer ist, der irgendeine persönliche Konsequenz daraus gezogen hat? Irgendeine? Also eine andere, als ein „Ende der staatlichen Überwachung einzufordern“? Leute, dieser Keks ist sowas von gefrühstückt! Diese Überwachung hört nicht mehr auf. Niemand wird die ganzen dafür aufgebauten Anlagen verschrotten oder die Großrechner der NSA der Wissenschaft zur Verfügung stellen oder sie einer Horde Einhörner zur besseren Verwendung überlassen. Festzustellen, dass das, was die abgekoppelten überpersonal-psychologischen Gebilde der Staaten und die mit diesem Instrument Herrschenden mit Menschen machen — und nein, nicht nur die USA und das blutsaufende Unterdrückerregime, das gerade aus politischer Opportunität von der Journaille der Herrschenden vor euren medial entsetztgemachten Augen aufgeblasen wird — überwiegend unmenschliche Scheiße ist, ist keine besondere Intelligenzleistung. Und die Staaten — am besten tief und demütig gebückt mit der hündischen Bettelei der Petitionen — dazu aufzufordern, wenigstens eine weniger unmenschliche Scheiße zu machen, ist beinahe nur eine Größenordnung dümmer. Was Staaten mit Menschen tun, ist Gewalt. Gewalt macht aus einem Gegenüber von Menschen oder Gemeinschaften eine erzwungene Beziehung aus Täter und Opfer, und dem Opfer — und ja, das bist du, das bin ich, das sind die meisten — stehen nur noch drei Optionen fürs Handeln zur Verfügung: Sich bücken und hoffen, dass der Täter mit seiner Gewalt nachlässt und die Situation erträglich wird; einen im Regelfall riskanten, zuweilen existenziell gefährlichen Kampf aufnehmen oder die Flucht ergreifen. Daran ändern auch diese einflusslosen Kaffeekränzchen von „Netzpolitikern“ in den unterdrückerischen politischen Parteien nichts, die als Feigenblatt dazu dienen sollten, angesichts der damaligen Erfolge der Piratenpartei nicht ganz so nackt dazustehen. Vergesst es! Aber: Statt es zu vergessen — und zu schauen, was noch geht — stellen sich „netzpolitisch“ Engagierte lieber in einen hübschen Tätschelkreis auf und klopfen sich für ihre „Einsichten“ gegenseitig die Schulter wund. Mit einer politischen Außenwirkung wie der umgefallene Sack Reis. Bäh, mir ist so speiübel, wenn ich an dieses Pack nur denke, dessen Vertreter in erster Linie Karrieremöglichkeiten und Pfründe vor Augen haben — und immer wieder mal ein hübsches Rednerhonorar bei irgendwelchen Veranstaltungen, wo man unter sich ist und über „Netzpolitik“ redet. Es. Gibt. Keinen. Frieden. Mit denen, die auf der Seite der Gewaltausübung stehen. Niemals. Und im Regelfall noch nicht einmal einen „Frieden“.

Ob unter denen, die voller Pathos von den gesellschaftsverändernden Potenzialen freier Inhalte schwärmen und in einem Hinterkopfnebenraum gerade ihr neues Album fertigmachen oder ihr neues Buch schreiben, auch nur einer ist, der seine Werke wirklich frei veröffentlichen will? Spätestens, wenn sie wie eine Verheißung fürs Bankkonto aussieht, ist die Content- und Rechteverwertungs-Industrie für die meisten Geldsklaven gar nicht mehr so schlecht. „Da kann warten, wer will: Um zwölf kommt Beton“ (Einstürzende Neubauten, Haus der Lüge). Noch schlimmer, als die Menschen, die in ihrer Scheinheiligkeit die Wut erwecken sind jene, die in ihrer Geldscheinheiligkeit nur noch zum Ekel reizen.

Ich habe mir übrigens flüstern lassen, dass auf dieser re:pups-ich-da, diesem Zirkus von selbstbezüglichen „Netz“-Bewegten im Stillstandsmodus, ein von Medienbildsucht nach einem Gesicht des Internet aufgepumpter Netznanoprominenter mit Pseudopunk-Frisur (der sich inzwischens mutmaßlich gut fürs Schreiben in der Journaille der Herrschenden und Besitzenden bezahlen lässt) in seiner Rede unter anderem dazu aufgefordert habe, man möge doch einfach Geld für diese „Netzpolitik“ ausgeben. Das passt so prächtig zu seinen noch 2009 plakativ breitgespreizten Reklamebeinen für die dienstbeflissenen Zensursula-Schergen von Vodafone, der würde für Geld vermutlich alles machen. Da kann ich mir so richtig vorstellen, was da entstehen soll. Tja, diese Blogmonetarisierungsversuche Marke „Adnation/Adical“ sind ja doch eher gescheitert. Oh, wie ich mir hundert Münder wünschte, um angesichts solcher Leute unentwegt speien zu können!

Netzpolitik. Ist. Bullshit. Punkt.

Übrigens: Die Telefone, die hier allesamt mit abgehört werden, werden von niemanden als „Netz“ empfunden. Da, wo die Menschen direkt betroffen sind, da, wo die Überwachung in ihr Leben reinragt und mit dem technokratischen Ohr des Großen Bruders nach nicht nachvollziehbaren Maßstäben das Gespräch mit dem sterbenden Vater und der alkoholkranken Tochter automatisch belauscht, gesprächsnotiert, verdatet und langfristig speichert, da schweigt ihr „netzpolitisch“ Bewegten. Das ist nicht euer geiles glitzes Spielzeug.

Es geht um unteilbare Menschenrechte. Zum Beispiel auch das Recht, sich von Polizeien und Geheimdiensten unbeobachtet und unverdatet bewegen zu können. Aber auch um das — immer noch eine Spur wichtigere — Recht auf Leben, auf körperliche Unversehrheit; um das Recht, keine Zwangsarbeit verrichten zu müssen, um das Recht, sich aus frei verfügbaren Quellen informieren zu können und daraus eine Meinung zu bilden (und sei sie auch noch so doof), die man mitteilen darf. Rechte, die man hat, weil man ein Mensch ist. Von denen steht eigentlich auch etwas in diesem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Leider ist dieses Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland gerade dort, wo es um Schutzrechte des Menschen gegen den Staat geht, schrittweise und salamitaktisch außer Kraft gesetzt und durch etwas anderes ersetzt worden, ohne dass das für die so vorgehenden Verbrecher irgendeine Folge gehabt hätte. Und wenn in zehn Jahren auf die durch den technischen Fortschritt weiter ansteigende Arbeitslosigkeit — diese wäre eigentlich ja ein Segen! — reagiert wird, indem die Produktion grüner Kekse hochgefahren wird, wird sich das nicht dadurch mildern, dass auf der re:pups-ich-da-25 die ersten early adopter davon berichten, dass die Google-Borg-Implantate in dieser Beta-Version noch ganz schön jucken, aber HD-3D-Filme über das direct brain interface doch schon ein sehr beeindruckendes Erlebnis sind.

Und jetzt streichelt weiter eure als Telefone getarnten Träcking- und Abhörwanzen auf der re:pups-ich-da! Und nicht vergessen, das nächste Modell zu kaufen, noch besser, schneller, bunter, hochauflösender und so weiter. Und klatscht begeistert in die Hände, wenn ihr eurer großes Gemeinschaftserlebnis vor euren großen Idolen mit dem großen „Durchblick“ und dem meist eher kleinen technischen Verständnis habt! Ihr. Seid. Der. Bullshit.

Punkt.

Mit Verlaub, Herr Lumma!

Ich habe mit im Verlaufe des Lesens anschwellender Unlust ihr heutiges Blogposting „Digitalisierung der Gesellschaft: Eine Generation hat versagt“ gelesen, und diese durchgreifende Unlust führte zu einem immer größeren Verlangen, der Entfaltung ihrer Sicht und Gedanken in Sprache einige Worte entgegenzusetzen. Hier sind meine kleinen Fragmente. Ich glaube nicht, dass diese in ihrer aus meiner Sicht recht verbohrten Weltsicht ankommen können, aber für meine eigene psychische Hygiene scheint es mir erforderlich.

Um für andere Leser meines marginalisierten Geschreibes den Zusammenhang herzustellen, muss ich ausgiebige Zitate machen — wer diese im ursprünglichen Kontext lesen möchte, lese zuvor oder begleitend den Text von Nico Lumma.

Wenn man sich die Entwicklung der Digitalisierung in Deutschland und der Welt in den letzten 10 Jahren angeguckt hat, dann muss man leider feststellen, dass die handelnden Personen sowohl in der Wirtschaft, aber auch in der Politik nicht wirklich in der Lage waren, die richtigen Fragen auf die Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen

Diese Beobachtung, Herr Lumma, können sie keineswegs nur in Bezug auf die „Herausforderungen der Digitalisierung“ machen. Es handelt sich um einen alldurchwaltenden und sowohl mit ökonomischer als auch grober Gewalt durchgesetzten Unwillen, den vom technischen Fortschritt angestoßenen gesellschaftlichen Wandel so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen in den Genuss dieses Fortschrittes kommen. (Wer technischen Fortschritt, also ein Anwachsen menschlicher Möglichkeiten und eine zunehmende Befreiung des menschlichen Daseins aus den gebieterischen Notwendigkeiten der Existenzsicherung als eine „Herausforderung“ bezeichnet, ganz so, als würfe da ein feindseliges Schicksal einen Fehdehandschuh und fordere in dieser Geste zum Kampf auf Leben und Tod, zeigt im Spiegel dieses einen Wortes bereits seine vorbewusste Angst vor jeder möglichen Verbesserung des Lebens der Menschen — was den Aufmerksamen dann die folgende Klage über die Folgen dieser in Deutschland leider sehr allgemeinen Angst besser zu verstehen hilft.)

An die Stelle der Gestaltung des Entstehenden tritt die Verwaltung des Gegenwärtigen — deren juristische Maßgaben vom Gesetzgeber vorsätzlich so beschaffen werden, dass sie möglichst viel Dasein jenseits der Segnungen des technischen Fortschritts als eine Rechtsnorm zementieren. Welcher und wessen Lobbyismus in den Dunkelkammern des Deutschen Reichstages zur real existierenden Kryptokratur (niemand weiß mehr, wer wirklich herrscht) der Bimbesrepublik Deutschland führt, können sie mit halbgeöffneten Augen sogar der bürgerlichen Tagespresse entnehmen, da einige besonders grelle Exzesse so gleißendhell durch die Risse in der Mauer des Verschweigens hindurchscheinen, dass auch der geübte Nach-Richten-Ton der agenturzentral gesteuerten journalistischen Arschlöcher¹ mit seinen leichtgängigen, pseudoobjektiven Euphemismen nicht mehr hinreicht, die gewünschte kollektive Verdrängung zu erzwingen. Diese Verdrängung wird dann mit anderen Mitteln erreicht, insbesondere mit der mechanischen Produktion von immer neuen Nach-Richten, die die Nach-Richt von gestern zielsicher zum Vergessen von morgen machen. Wer redet denn heute noch von einer immer noch amtierenden Bundesregierung, die ohne strafrechtliche Konsequenz das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland gebrochen hat, wenn sich alle medial gerichtete Aufmerksamkeit auf das abgehörte Wischofon der Kanzlerdarstellerin konzentriert. Die achtzig Millionen anderen Wischofone, Computer, IP-gerouteten Festnetzanschlüsse etc. in der BRD, also dieser jenseits allzu üblicher Spionage in Machtzentren eigentliche Skandal, sind ja darüber längst schon vergessen. Es ist doch erstaunlich, dass jeden Tag genau so viel passiert, dass es in die fünfzehn Minuten der Tagesschau passt…

Was das für die Digitalisierung und — viel schlimmer: — für die Menschen, die den Genuss der technischen Möglichkeiten der Digitalisierung ihrem Dasein hinzufügen möchten, bedeutet, habe ich im Sommer 2009 anlässisch der bevorstehenden empörenden Alllüge eines Wahlkampfes in einer letzten Erklärung an die Politiktreibenden in der BRD zusammengefasst. Die Themen mögen heute andere sein, die Haltung ist unverändert die selbe. (Nein, nicht die gleiche, sondern die selbe.)

Was das jenseits der Digitalisierung bedeutet, lässt sich auch in einer langen Liste kaum vollständig darlegen. Deshalb hier nur das Gröbste, Drückendste, Hässlichste, Übelste, Intelligenzverachtendste:

  • Der technische Fortschritt führt dazu, dass mechanische Arbeit zunehmend von Maschinen übernommen werden kann. Das ist für sich betrachtet ein Segen. Die gesellschaftliche Reaktion auf diesen Segen ist es, diesen Segen in der Haltung der Verwaltung des Gegenwärtigen anstelle der Gestaltung des Künftigen in einen Fluch für jene wachsende Schicht der Gesellschaft zu verwandeln, deren Arbeitskraft niemand mehr so bezahlen will, dass auch ein anspruchsloser Mensch davon leben könnte. In der Folge gibt es, mit existenziellen Zwangsmitteln im Rechtsfreien Raum der Jobcenter durchgesetzt, eine kaum verlarvte Kultur der staatlich subventionierten Zwangsarbeit in der BRD. Die classe politique feiert sich für die guten Arbeitslosenstatistiken; die Aufgabe, den technischen Fortschritt so zu gestalten, dass möglichst vielen Menschen ein möglichst gutes Leben ermöglicht wird, wird der Krisenbewältigung kommender Generationen überlassen.
  • Die politisch gewünschten Quasizwangs- und Elendsarbeiter von heute sind die Altersarmut von morgen und ebenfalls der Krisenbewältigung kommender Generationen überlassen. Unterdessen meldet die gewerbsmäßige Lüge des Journalismus die Statistik von heute in der knallend dummen Geste eines nackten Affen, der nur von der Tapete bis zur Wand denken kann, als einen Erfolg. Das ist ja auch einfacher, denn dafür muss nur der Text mit der passenden Länge aus der Presseerklärung des NITF-Feeds in das Redaktionssystem übernommen werden.
  • Wenn der technische Fortschritt eines erfordert, um nicht nur passiv konsumierend in seinen Genuss zu kommen, sondern ihn aktiv für die eigenen Pläne und Ideen einzuspannen und sich nutzbar zu machen, dann ist es das Wissen um Technik, also Bildung. Wer wissen möchte, wie es um die Bildung in der BRD bestellt ist, möge sich bitte anlässlich der nächsten Wahl — sehr viele Wahllokale sind ja Schulen — vor der Stimmabgabe in aller Ruhe das Schulgebäude anschauen und sich dabei bewusst sein, dass der im Regelfall beklagenswerte Zustand des Gebäudes nur der sichtbarste Teil der Bildungsverweigerung im staatlichen System der Zwangsbeschulung ist. Der nicht unmittelbar sichtbare Teil sind die Lehrinhalte, die sich überwiegend immer noch an den Bildungsstandards der Sechziger Jahre orientieren, ganz so, als wäre fünfzig Jahre lang nichts geschehen. Unvergessen der erste Schwung frischer Auszubildender für den damals, Ende der Neunziger Jahre, neu geschaffenen Ausbildungsberuf des Fachinformatikers, lauter junge, meist mit Abitur ausgestattete Menschen, die in Niedersachsen als kommende IT-Facharbeiter ein ganzes vergeudetes Jahr ihres Lebens lang in erschöpfender Ausführlichkeit in geisttoter Zwangsbeschulung ab 7:15 Uhr (nullte Stunde, leider kein Witz) von würdelos ergrauten Oberstudienräten an der Berufsschule gelernt haben, wie ein analoges Telefon funktioniert und wie man Siemens-Telefonanlagen aus den Achtziger Jahren konfiguriert. Der staatlich besoldete Leerkörper hält die Menschen in ihrem Wissensdurst dumm und raubt ihnen die Freude am Lernen, der Staat hält sie arm und verwandelt sie unter Anwendung von existenziellen Zwangsmitteln in würdelose, billige und leicht austauschbare Batterien für den betrieblichen Produktionsprozess, die in dieser Haltung erzeugten und politisch gewünschten Probleme sind Probleme kommender Generationen und werden deshalb in „realpolitischer“ Gleichgültigkeit (die alles gleich gültig macht) und unter Komplizenschaft denkfauler Journalisten verdrängt. Allein über die „Bildungspolitik“ ließe sich bequem ein ganzes Buch schreiben, und zwar ein ausgesprochen tristes und ekliges. Die Möglichkeit zur Gestaltung der Zukunft wird systematisch und gewollt vernichtet, während sinnfreie PISA-Studien eine nummerische Fassbarkeit der vermittelten Bildung vorgeben, in deren „Erfolgen“ sich die Gegenwartsverweigerer medial sonnen können.
  • Wenn durch verbesserte Technik einmal ein bestehendes Geschäftsmodell jener in den Dunkelkammern des Deutschen Reichstages besonders einflussreichen Gestalten gefährdet wird, dann werden einfache und natürliche Nutzungsformen dieser verbesserten Technik direkt kriminalisiert oder zumindest mit erheblichen juristischen Unwägbarkeiten verbunden. Das bisherige Verlagswesen zum Beispiel dankt seine leider noch bestehende gesellschaftliche Rolle einem Oligopol von Produktionsmitteln zur Anfertigung und Verbreitung von Kopien; die Eigenschaft vernetzter Computersysteme zur beinahe kostenlosen Anfertigung und Verbreitung völlig verlustfreier Kopien zerstört die an dieses Oligopol gebundene Möglichkeit zur Gewinnerzielung. Die Reaktion der politiktreibenden Gesellschaftsgestalter auf diese begrüßenswerte Entwicklung ist die Ausbreitung von Rechtsunsicherheit und das Hervorbringen patziger Reaktionen, wenn sie einmal in ihre eigenen Fallen tappen. Für durchschnittlich verdienende Menschen in der BRD ist der Betrieb noch der harmlostesten Website unterdessen zu einem kaum noch tragbaren finanziellen Risiko geworden. Und genau das. Ist. In der Bimbesrepublik Abmahnistan. Von Abgeordneten, die überwiegend Verwaltungsbeamte oder Juristen von Beruf sind. Politisch gewollt.

Wie schon gesagt, diese kurze Liste ist sehr fragmentarisch. Der bei genauerer Prüfung Nichts sagende Begriff der „Digitalisierung“ kommt darin gar nicht erst vor, wohl aber die allgemeineren Begriffe „Technik“ und „Fortschritt“. Das ist Absicht. Es wird nicht die „Digitalisierung“ unterbunden, sondern die Technik und der Fortschritt.

Und nein, Herr Lumma, das geht nicht erst seit zehn Jahren so, sondern schon so lange, wie ich bewusst denken kann.

Die deutschen Intellektuellen sind beim Thema Digitalisierung eher ein Totalausfall, da sind in den letzten 10 Jahren kaum Impulse gekommen

Die Intellektuellen… in einer Gesellschaft, die Scharfsinn, bedächtiges Erwägen mitsamt der damit verbundenen Langsamkeit, Gründlichkeit und Bildung verachtet und in der Menschen die medial hochgespülte Dummheit geistiger Stanznieten zum Maßstab ihres eigenen Seins machen, hat „Intellektualität“ längst schon keinen Wert mehr. In der Folge erwächst eine gesellschaftliche Führungsschicht, in der man seinen Narzissmus füttert, indem man den akademischen Grad wie eine Zier vorm Namen trägt; einen Grad, den man nur schon dadurch erworben hat, dass man auf das Deckblatt seiner intellektuellen Bankrotterklärung das Wort „Dissertation“ geschrieben und eine falsche Eidesstattliche Versicherung als „Eigenständigkeitserklärung“ angefügt hat.

Entschuldigung, aber es fällt mir schwer, angesichts solcher markant duftenden Hirnfürze noch sachlich zu bleiben. In der Hirnmassenstanze des contentindustriellen Apparates der breit wirksamen Medien herrscht strikte Antiintellektualität. Wer mir das nicht glauben will, opfere bitte einfach eine Stunde seiner beschränkten Lebenszeit und glotze eine beliebige Spätabend-Talkshow der gehobenen, mit einer Haushaltssteuer finanzierten, quasistaatlichen Fernsehsender der BRD. Wer es dann immer noch nicht merkt, wird auch durch viele weitere Erläuterungen meinerseits nicht mehr erreicht.

Die Auswirkungen dieser geforderten und geförderten Antiintellektualität kann auch jeder selbst ausprobieren. Einfach auf einer Party in einem halbwegs geeigneten Kontext sagen: „Von Mathematik habe ich keine Ahnung“ und die verständnisvollen Blicke und die Zustimmung wahrnehmen. Danach noch einmal auf der gleichen Party vor anderen Menschen noch einmal den gleichen Test mit dem Satz „Die Eulersche Identität lässt mich einen tiefen, schönen Zusammenhang in der gesamten Mathematik erahnen, und das finde ich faszinierend“ machen und die verständnislosen, angstvoll verstörten Blicke registrieren. Natürlich geht das auch mit „Von Computern habe ich keine Ahnung“ und „Ich halte den Quicksort-Algorithmus, der so einfach und doch so leistungsfähig ist, für eine große geistige Leistung“… oder mit einem beliebigen anderen Gebiet, das sein schönschwallendes Geschwafel nicht nur in einer postmodernistischen Haltung psychischer Beliebigkeit „Wissenschaft“ nennt, sondern überprüfbares (also: falsifizierbares) Wissen schafft.

In einer Gesellschaft, in der man sich offen mit Ahnungslosigkeit und dem Unwillen zum Verstehen brüsten kann, wird Dummheit kultiviert und der menschliche Verstand — immerhin das, was Menschen zu mehr als einem nackten Affen macht — in die Mülltonne geworfen. Was soll in einem solchen Umfeld von „Intellektuellen“ kommen? Blogpostings von Nico Lumma etwa? :mrgreen:

Nach dem Niedergang der New Economy in Deutschland wurde die Digitalisierung reduziert auf die Fragestellung, wie sich Medien verändern und welche Auswirkung die Digitalisierung auf das Urheberrecht und die damit verbundenen Geschäftsmodelle hat

Seit das Internet die Universitäten und dunklen Zimmer der Nerds verlassen hat, seit den staunenden Messegästen auf der CeBIT 1995 von einer Horde besinnungsloser Reklamelügner der damals hochmodern anmutende Webbrowser Netscape nebst lächerlicher Geschäftsideen in die Augen gerieben wurde, gibt es diese rein ökonomische Betrachtung der Digitaltechnik — was umso erstaunlicher ist, als dass sich mit einem Computernetzwerk, dessen wichtigste Funktion es ist, mit geringem Aufwand verlustfreie Kopien digitaler Güter anzufertigen, selbst kaum ein Geschäft machen lässt. Es gibt im Internet keine „knappen“ Güter und damit nicht die Möglichkeit, ein Geschäft aus dieser Knappheit zu machen. Die Versuche einer künstlichen Verknappung (zum Beispiel durch Technikverhinderungen wie DRM) sind auf diesem technischen Hintergrund letztlich allesamt zum Scheitern verurteilt — da kann kriminalisiert werden, was da wolle!

Die Frage, welche Bedeutung ein Netzwerk von Computern hat, das das Potenzial in sich trägt, Menschen zusammenzubringen, aus ihrer eigenen Atomisierung herauszureißen, sie wahrnehmen zu lassen, dass sie in ihren Gedanken, ihrem Elend, ihren Hoffnungen, ihren Ängsten, ihren Beobachtungen und ihrem Wissen nicht allein sind, wird hingegen so gut wie gar nicht gestellt. Jedenfalls nicht von denen, die ihre Fragen zu den Fragen einer ganzen Gesellschaft machen können.

So wurde bereits im Dezember 2001 in der amerikanischen Wired über „The Future of War“ geschrieben und aufgezeigt, wie stark die Privatsphäre des Einzelnen in Gefahr ist. 12 Jahre später hat Deutschland zwar ein Cyber-Abwehrzentrum, aber der Verfassungsschutz ist nicht in der Lage, herauszufinden, dass Spitzenpolitiker vom amerikanischen Geheimdienst überwacht wird. [sic!] Warum? Weil es einfach niemanden interessiert hat

Und weil der so genannte „Verfassungsschutz“ (dieses zusammengesetzte Nomen ist in seinen beiden Wortbestandteilen so himmelsschreiend unwahr, dass ich es nicht ohne Anführungszeichen schreiben kann) andere politische Aufgaben zu erfüllen hatte und zu erfüllen hat. Zum Beispiel Punkbands wie Feine Sahne Fischfilet zu beobachten und viele Seiten des so genannten „Verfassungsschutzberichtes“ mit den Aktivitäten dieser Musiker zu füllen. Oder Mörderbanden wie den so genannten „NSU“ über die Vergütungen für V-Leute Geld zuzustecken und hinterher die Akten über die eigene Tätigkeit zu vernichten. Die vorgebliche Aufgabe des so genannten „Verfassungsschutzes“ ist vor allem vorgeblich, diese staatliche Organisation dient völlig anderen politischen Plänen.

Wir sind ein reiches Land, das sich auf seinen Lorbeeren ausruht, anstatt Anstrengungen zu unternehmen, dass die Vorteile der Digitalisierung konsequent genutzt werden

Und das beste daran: Ganz viele, die in diesem Hartz-IV-SPD-haften „Wir“ eines SPD-Mitgliedes zusammengefasst sind und als „reich“ gerufen werden, werden dabei immer ärmer. In diesem Spiegelbild zeigt sich die Menschenverachtung dieses „Wir“. Ich bin jedenfalls kein Land. Ich lebe in einem Staat, der sich über ein Land ausgebreitet hat und sich natürlich gern mit diesem Land identifizieren lässt, weil Landschaften, Kultur und Geschichte nun einmal hübscher anzuschauen sind als das Wesen jedes Staates, als die institutionisierte, mit Gewaltdrohung aufrechterhaltene Herrschaft zu Gunsten einer kleinen Clique und zu Lasten der Mehrzahl der Menschen, die unter den Bedingungen dieses Staates ihr Dasein fristen müssen. Wie die Herrschaftsorgane dieses Staates im Auftrag der wirklich (also wirksam) Mächtigen und Besitzenden dieses Staates mit Technik und Fortschritt umgehen, ist bereits weiter oben kurz gestreift — und es betrifft keineswegs nur diesen Fetisch der „Digitalisierung“, den Nico Lumma wie eine Monstranz durch seinen Text trägt.

Übrigens, Herr Lumma: Die Vorratsdatenspeicherung, die zusammen mit der Bestandsdatenauskunft das PRISM der BRD darstellt, wird mit ihrer SPD kommen. Genau, wie vor etwas mehr als zehn Jahren die Militarisierung der Außenpolitik mit ihrer SPD gekommen ist. Und die Errichtung eines staatlich subventionierten Elends- und Billigarbeitsstriches unter der Hartz-IV-Peitsche. Und die nach Riester benannte Übergabe der Rentenversicherung an die AWD-Klinkenputzer mit ihren „Lebensversicherungen“. Und der Beginn der salamitaktischen Abschaffung der staatlichen Sozialversicherungen. Und in alledem zeigt sich ein klarer roter Faden. Blutrot. Sie, Herr Lumma, sind da drin. In dieser SPD, deren Spur sich blutrot übers ganze Land legt. Sie. Sind. Das. Hören sie damit auf, vielleicht ordnen sich dann auch wieder ihre Gedanken!

Aber nun ist es immer ein Leichtes, zu sagen, dass die anderen Schuld haben, also die Generation der aktuell über 50-jährigen und an Ihnen das Versagen festzumachen. Vielmehr stellt sich mir die Frage, inwieweit meine Generation ein Anteil daran hat, dass die ältere Generation an dem Thema der Digitalisierung meilenweit vorbeigeschlittert ist. Wieso haben wir es eigentlich nicht hinbekommen, bereits vor 10 Jahren darauf hinzuweisen, dass man sich auf den unterschiedlichsten Ebenen auf den digitalen Wandel einstellen muss?

Ach, wo hätten „wir“ denn darauf hinweisen sollen — ich bin übrigens über 50-jährig — und wo wäre einer solchen Stimme jenseits der für die meisten Menschen eher fernliegenden Internetöffentlichkeit Raum gegeben worden, um in die Gesellschaft hineinwirken zu können? In einem strikt antiintellektuellen Umfeld, das von der Angst vor dem Kommenden und von der suchtartigen Lust an Ablenkung vom Wesentlichen geprägt ist, eine Kombination, die zum Kaufgrund für Medien wird? Gerade als gewerbsmäßiger Lügner — sie sind doch Werber, oder?! — sollten sie recht genau wissen, über welche psychologischen Hebel man den Menschen etwas andreht. Ich habe schon vor zwei Jahrzehnten unter kontinuierlicher narzisstischer Kränkung lernen müssen, dass ich mir den Mund fusselig reden kann, ohne dass dadurch Einsichten bei anderen Menschen entstehen; und habe mich im Laufe der Zeit einfach darauf verlegt, meine wenigen wichtigeren Texte ungekennzeichnet, wie eine kryptische Flaschenpost für die Nachmirkommenden, ins Internet zu werfen. Ich sitze in der Bahn, der Weg zum Grab gebahnt, die Bremse blutet vor sich hin.

Ich bin ja bei weitem nicht der Einzige, der versucht, das Thema Digitalisierung auf die Agenda zu setzen […]

Völlig unabhängig davon, ob sie „dieses Thema auf eine Agenda setzen“ — was für ein herrischer Sprachgebrauch eines Ohnmächtigen ist das denn bitte?! — steht dieses Thema ganz weit oben auf der Agenda, und zwar im übergeordneten Kontext einer sehr geschäfts- und herrschaftsfördernden umfassenden Verdummung, Enteignung, Überwachung, Verarmung und Technikverhinderung. Die schönen, flutschen gadgets mit NSA-Schnorchelschnittstelle und eingebauter Körpertrackingwanze als Medienabspiel- und Netzkonsumgeräte sind unzweifelhaft digital, und sie sind ein bedeutender, großer Markt. Ich für meinen Teil sitze an meinem Schattenplatz neben der unvermeidlichen Mülltonne im Lande Überdruss und freue mich über die Möglichkeiten, die am Rande des über die Gesellschaft ablaufenden Prozesses noch deren gegeben sind, die sich nicht in Dummheit gefallen. Dass eine promovierte Physikerin wie Dr. Angela Merkel, der es gewiss einmal nicht an einer guten Auffassungsgabe gemangelt hat, nach der Verschrumpelung ihres Intellektes im politischen Apparat einer geistverachtenden Gesellschaft nicht dazu imstande ist, ihre Kommunikation abzusichern, während der von ihr eingesetzte Innenminister Dr. Hans-Peter Friedrich „uns“ dazu auffordert, angesichts der unverschämten, respektlosen und unmenschlichen Überwachung jeglicher menschlicher Kommunikation durch den paranoiden, kranken und kaputten Staat USA doch einfach zu verschlüsseln, erfüllt mich mit ganz großer, geradezu glucksender Heiterkeit. Oder, um es in Richtung der Politiktreibenden aus einer sich christlich nennenden politischen Partei mit diesem Jesus aus Nazaret zu sagen, um den jeden Sonntag so ein Gewese gemacht wird: „So bringt ein jeder gute Baum gute Früchte, der faule Baum aber bringt schlechte Früchte„.

Wir haben in Deutschland viel zu viel Zeit damit verbracht, kollektiv abzuwarten, ob man noch mal aus dieser Digitalisierungsnummer wieder rauskommen könnte. Der Zug ist abgefahren, seit mindestens 15 Jahren bereits. Es kommt jetzt darauf an, dass die beiden Generationen zusammen den Transformationsprozess der Gesellschaft begleiten, damit wir gestärkt aus der Digitalisierung hervorgehen.

Ich weiß jetzt nicht, wer dieses SPD-artige „Wir“ sein soll, aber ich gehöre da nicht zu. Und. Ich werde jeden Tag gestärkt durch die „Digitalisierung“, oder genauer gesagt: Durch eine Technik, die mir Möglichkeiten eröffnet, die ich nicht mehr missen möchte. Nur von der Politik erwarte ich gar nichts mehr, außer eine ständige Verschlechterung meiner Lebensbedingungen und der Lebensbedingungen aller anderen Menschen in Deutschland. Schon gar nicht von der SPD-Politik, die als ehemalige Fortschrittspartei mit Kohlebergbau und Vorratsdatenspeicherung und Standesrechten für die Verlegerbrut und Massenverarmung und „Deregulierung“ zu Lasten der Meisten und zu Nutzen der Besitzenden und Agenda 2020 und Hartz V den „Transformationsprozess der Gesellschaft“ im 21. Jahrhundert vorantreibt, dass es einem nur so gruselt.

Herr Lumma, ich wünsche ihnen auch weiterhin viel Spaß an der Ersatzhaltestelle — und beim kostenlosen Content-Liefern an die „Huffington Post“ für den Reibach der Tomorrow Focus AG. In der antiintellektuellen Gesellschaft der BRD sind sie voll angekommen. Und. Das merkt man.

Fußnoten

¹Ich habe länger als eine Minute über dieses unsaubere Wort nachgedacht. Es ist nicht wohlklingend, aber es ist angesichts der charakterlichen Defizite, die für eine Tätigkeit in der Contentindustrie unabdingbar sind, angemessen. Leider.

Aus einem Propagandahandbuch der BRD

In der Bewertung der meisten Menschen überwiegen emotionale Aspekte gegenüber rationaler Argumentation. […] Aus diesem Grunde müssen wir rationale Argumente emotional aufladen. Dabei müssen wir durch unsere Sprache Negativassoziationen vermeiden

Zitiert nach netzpolitik.org — und aus ganz alltäglichem Augen- und Ohrenschein vermutet, dass diese so trefflich beschriebene Herangehensweise sehr viel häufiger bewusst angewendet wird, um Menschen emotional und psychisch zu manipulieren. Wo der Verstand verkümmern gemacht wird und die tierhaft-mechanische Psyche zum Eigenlichen des Menschen erhoben wird, da hat der Demagoge, der professionelle Lügner¹ oder ein vergleichbarer Menschenfeind leichtes Spiel.

¹Werber und PR-Leute sind professionelle, also für diese Tätigkeit (oft recht hoch) bezahlte, Lügner.

Forschen in der „Netzgemeinde“

Wenn das Bundespresseamt eine Ausforschung und Verzahlung der „Netzgemeinde“ durch TNS Infratest in Auftrag gibt, ist davon auszugehen, dass die im Bundestage vertretenen Parteien diese „Erkenntnisse“ in ihrer Agitation zur kommenden Bundestagswahl verwenden werden und dass ihre PR-Lügenmäuler schon in Kürze damit beginnen werden, ihren Frontallappenkirmes einer wahlberechtigten Öffentlichkeit zu präsentieren, um den Wahlvereinen zur Festigung ihrer repräsentativ-repressiv-demokratorischen Macht einen erfolgversprechenden „netzpolitschen“ Anstrich zu geben.

„Netzpolitik“ ist eines dieser Bullshit-Wörter, das so tut, als seien Menschenrechte im Internet etwas anderes als Menschenrechte in irgendeinem anderen Kontext. Politdarsteller und ihnen nahestehendes Geschmeiße behilft sich gern mit der Redens- und Denkart von der „realen Welt“ und der „virtuellen Welt“, um genau diese rechteverneinende Idiotie ihrem Restbewusstsein verkaufen zu können, und aus der immer noch beobachtbaren Häufigkeit solcher Rede- und Denkweisen kann jeder entnehmen, von welcher Natur die politisch-gestalterischen Ideen für des Internet, seine Nutzer und seiner Gestalter sein werden.

Ich stelle hierzu als meinen margnisalsierten Standpunkt Folgendes fest:

  1. Ich gehöre zu keiner „Netzgemeinde“ und zu keiner anderen Sekte. Ich bin ein Mensch, der das Internet so sehr nutzt und mitgestaltet, dass es ein wichtiger (aber nicht unverzichtbarer) Teil seines Lebens geworden ist.
  2. Ich bin nicht „links“. Mir ist die Sitzordnung im Plenarsaal gleichgültig, und ich halte die Relativität, die sich darin widerspiegelt, für keinen brauchbaren Maßstab.
  3. Die SPD mit ihren immer noch einflussreichen Schröder-Maschseemafia-Seilschaften ist nicht „links“. Nicht einmal relativ, denn dazu müsste sie sich von dem unterscheiden, was „nicht links“ ist. Das ändert sich nicht schon dadurch, dass sie von den Machern dieser Studie als Bestandteil des „linken Parteienspektrums“ bezeichnet wird.
  4. Der aus einer physikalischen Analogie geformte Begriff „Parteienspektrum“ ist eine Verhöhnung des Lichtes. Genau, wie „marktkonforme Demokratie“ eine Verhöhung des Willens der Bevölkerung ist, und genau, wie „rechtsfreier Raum Internet“ eine Verhöhnung der Abmahnopfer in der BRD ist.
  5. Es ist mir egal, was die PR-Agenturen zur kommenden Bundestagswahl in Hinsicht auf das Internet auf Plakate stempeln lassen und den Frontfressen des Politbetriebes an Stichworten in die Redemanuskripte schreiben lassen, da ich genug Hirns habe, um zu wissen, dass die Versprecher und Versprechungen vor der Wahl nach der Wahl zum „Geschwätz“ von gestern werden, um das sich keiner mehr kümmert, nachdem die gewünschte Herrschaftsposition erreicht ist.
  6. Es ist mir nicht egal, was CDUCSUSPDFDPGRÜNETC bislang in Hinblick auf das Internet, seine Nutzer und seine Gestalter an „Ideen“ entwickelt und an Entscheidungen getroffen haben, denn ich war von jeder dieser „Ideen“ und Entscheidungen mehr oder minder stark betroffen. Von einigen bin ich immer noch betroffen, und das in unerfreulicher Weise. Ebenso bin ich davon betroffen, dass den gleichen unterbelichteten Gestalten aus der classe politique keinerlei Ideen und Entscheidungen zum real existierenden Abmahnistan in der BRD aufkommen, so dass eine einfache menschliche Mitteilung für viele durchschnittlich verdienende Menschen in der BRD mit einem existenzbedrohenden Kostenrisiko verbunden ist.
  7. Meine letzte Erklärung aus dem Jahr 2009 bleibt unverändert gültig, da sich an den von der classe politique geschaffenen und beabsichtigten Zuständen nichts verändert hat.
  8. CDUCSUSPDFDPGRÜNETC, mein Wort an euch ist kurz: GASMOP! Und GAFL!
  9. (Die sogenannte „Piratenpartei“ geht voller blindem Glauben auf dem Weg, auf dem die ehemalige Alternativpartei „Die Grünen“ vorangeschritten ist. Ich habe nicht einen Tag nach den ersten Erfolgen etwas anderes erwartet, denn dort, wo Herrschaft über andere Menschen erlangt werden kann, sammelt sich jenes Geschmeiß, das sonst nichts Befriedigendes aus seinem Leben zu machen vermag. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier. Nur ein in der klebrigen Illusion des „positiven Denkens“ gefangener Gehirnverweigerer hätte aus den schnellen Erfolgen dieser Partei Hoffnung schöpfen können.)
  10. PLONK!

PS: Einen Wahlschein werde ich mir erst dann abholen (das ist für einen Obdachlosen recht umständlich), wenn darauf ein weiteres Feld für die Stimmenthaltung vorgesehen wird, damit ich amtlich dokumentieren kann, dass ich mich von keinem dieser Wahlvereine und von niemandem aus dem in diesen Wahlvereinen großwerdenden Gesäuge vertreten lassen will. Bei jeder Wahl zum Klassensprecher oder zu einem Vereinsvorstand wird einem diese Möglichkeit der Abstimmung durch Enthaltung eingeräumt, aber bei der ungleich wichtigeren Wahl von Menschen in Herrschaftspositionen bleibt dem Stimm-Abgebenden nur die Verweigerung der Wahl oder ein ungülitg ausgefüllter Politlottoschein, nicht das dokumentierte, klare „Nein“ zur „Auswahl“, die ihm da dargeboten wird. Anstelle einer amtlichen Dokumentation der Entfremdung der classe politique von den Menschen, die sie zu vertreten vorgibt, tritt ein Anschein von Desinteresse und Unfähigkeit in der Bevölkerung, das dann zur weiteren Verhöhnung von den politischen Lugrednern und ihren Speichelleckern in der Journaille als eine „Politikverdrossenheit“ wegerklärt wird — dabei gilt der ganze Verdruss in Wirklichkeit denen, die sich in solcher Wahl anbieten, andere zu vertreten und Herrschaft über sie zu erlangen.

Es ist doch egal, was er twittert

Wenn man die gegenwärtige contentindustrielle Berichterstattung über die Twitter- und Facebookunlust des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück betrachtet, bekommt man den Eindruck, es sei aus der Sicht der Autoren vollkommen gleichgültig, was der Kandidat sage, so lange es nur über die beiden kommerziellen Websites Facebook und Twitter geschehe — denn dann, so die „Logik“ dieser Autoren, werde ihn die „Netzgemeinde“ (ein Wort der Presse, das schon nach einer verschrobenen, weltfremden Sekte klingt) schon wählen. Auf drängende inhaltliche Fragen wie Netzneutralität, Urheberrecht, Abmahnungen als Geschäftsmodell, Tracking durch die Betreiber von Social-Media-Sites und Werbeunternehmen, Datenschutz, Privatsphäre, staatliche und contentindustrielle Überwachungs- und Zensurbegehrlichkeiten oder die Gewährleistung des Rechtes auf anonyme Nutzungsformen kommt es aus der Sicht dieser „Qualitätsjournalisten“ nicht an, deshalb spielen solche Themen in dem twitterbesoffenen Geschreibsel der „Qualitätsjournalisten“ auch keine Rolle. In der Form, in der diese professionellen Schreiber einen Politiker zur Teilhabe am Internet zu drängen suchen und ihn für seine Nichtteilhabe teils scharf kritisieren, teils offen verspotten, spiegelt sich sehr deutlich wider, dass diesen Schreibern das Internet fremd ist — und dieses Fremdeln scheint, wie sich an der blinden Betrachtung „Wenn er twittert, wird er als einer von ihnen wahrgenommen“ zeigt, in einer tiefen Verachtung der Intelligenz und Würde der Internetnutzer zu wurzeln.

Wenn diese breit verabreichte Verachtung von den Nutzern und Gestaltern des Internet zurückgegeben wird, sollten sich solche „Qualitätsjournalisten“ nicht darüber verwundern.

Neu! Die Netzpolitik-App!

BRD-Netzpolitik in Form einer App

Mit Gruß an Angela Merkel, derzeitige Bundeskanzlerin