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Krieg

Wer einen Krieg führt, sollte auch wissen, wo sich die Feinde aufhalten.

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Heute vor zwölf Jahren gab es einen furchtbaren Massenmordanschlag in New York, der von Kameras festgehalten und über den lichtschnellen Rundfunk in das Bewusstsein der ganzen Welt transportiert wurde.

Dieser Massenmordanschlag wurde — gemäß der Darstellung einer offiziellen Untersuchung durch die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* — durchgeführt von rd. zwanzig Menschen, die durch gewaltsame Übernahme Passagierflugzeuge zu „Raketen mit Kerosin-Brandbombe“ umfunktionierten, mit denen sie Symbole der US-amerikanischen politischen und wirtschaftlichen Führungsrolle angriffen und zerstörten, und die für dieses Anliegen ihren Tod in Kauf nahmen.

Tausende Menschen wurden dabei ermordet. Putzfrauen, Büroangestellte, Feuerwehrmänner und dergleichen gewöhnliche Menschen, die sich von ihrer Lust am Dasein getrieben ein vor allem harmloses und unbedeutendes Leben in den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* verschafften. Opfer mörderischer Gewalt. Sind immer in erster Linie unschuldig. Und jene, die nicht harmlos und unbedeutend sind, verstehen sich überall unter den Bedingungen bestehender Herrschaftsverhältnisse prächtig darauf, dafür zu sorgen, dass andere zu Opfern werden. Und. Dass andere zu Tätern werden. Die Generäle und Kriegsminister verbluten ebenso wenig im grauen Hemd auf dem „Feld der Ehre“ wie die Anführer paramilitärischer Mordbanden.

Jeder Mensch, den ich kenne, weiß heute noch, was er am 11. September 2001 gemacht hat, als er mit Entsetzen immer wieder die Fernsehbilder von diesem Mordanschlag sah und als alle darüber sprachen; als man dem Entsetzen nicht entkommen konnte. So fest hat sich dieses für die meisten Menschen rein mediale Ereignis mit seiner Wuchtigkeit und Wichtigkeit ins Bewusstsein gestempelt, dass es auch die Erinnerung an vieles eher Unwichtige verhaften ließ, dass es das Gehirn daran hinderte, Dinge wegen ihrer Bedeutungslosigkeit zu vergessen, die an anderen Tagen nicht in der Erinnerung haften blieben. Es dämmerte jedem. Dass hier eine neue Zeit beginnt, dass das 20. Jahrhundert, dass nach zügellosen, mechanisierten und industrialisierten Menschenschlachtereien letztlich zum fragilen „Frieden“ auf der Nordhalbkugel der Erde führte, nun wirklich und wirksam beendet war; dass das 21. Jahrhundert nach seinem kalendarischen Beginn nun auch in einem tief greifenden gesellschaftlichen Wandel in die Leben der Menschen hineinragt. Welche Massenvernichtungswaffe seit Jahrzehnten jeden Tag eingesetzt wird, wird darüber vergessen.

Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* haben sich in der Folgezeit der politisch geschaffenen Strukturen des 20. Jahrhunderts bedient; insbesondere der NATO, die noch eine Reaktion auf die mögliche militärische Konfrontation zweier nuklear aufgerüsteter Machtblöcke war. Sie haben diesen furchtbaren (und wegen seiner Symbolwirkung tief demütigenden) Massenmordanschlag als kriegerischen Akt betrachtet und den Beistandsfall der NATO reklamiert. Daraufhin haben alle in der NATO zusammengeschlossenen Staaten — einschließlich der BRD unter der Herrschaft von Gerhard Schröder und Joschka Fischer — ihre „uneingeschränkte Solidarität“ mit den Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika* erklärt. Im Oktober 2001 wurde der Eintritt des „Beistandsfalls“ mit einer Mehrheit im Deutschen Bundestag beschlossen. Dieser Beschluss des Bundestages vom Oktober 2001 wurde im Dezember 2012 noch einmal von der Merkel-Westerwelle-Regierung verlängert — diesmal allerdings gegen die Stimmen der SPD und der Grünen (und selbstverständlich gegen die Stimmen der Linkspartei). Er wird wohl auch noch ein oder zwei Jahrzehnte lang weiter verlängert werden…

Er „musste“ verlängert werden, wenn die Bundeswehr nicht aus Afghanistan abgezogen werden sollte. Dieser „Beistandsfall“ ist die einzige Grundlage für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. Denn dort. Wird nicht etwa, wie es im Grundgesetz, Artikel 87a, als Aufgabe der Bundeswehr vorgesehen ist, die Bundesrepublik Deutschland verteidigt, sondern der „angegriffene“ NATO-Staat: Die Vereinigten Staaten eines Teils von Nordamerika*.

Ein internationaler Vertrag, der einst zur Absicherung gegen einen übermächtigen, nuklear aufgerüsteten und militärisch hoch gefährlichen Gegner abgeschlossen wurde, geriet zum politischen Instrumentarium für völkerrechtlich „legitimiertes“ Kriegsmorden, weil rund zwanzig Menschen einen furchtbaren und psychisch hoch wirksamen Massenmord begingen — zwanzig Menschen übrigens, die aus einer pseudoreligiösen paramilitärischen Struktur hervorgingen, die jahrelang mit CIA-Mitteln unterstützt, ausgebildet und hochgerüstet wurde.

Der Krieg einer deutschen Armee zur „Verteidigung“ der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* war nicht die einzige politische „Folge“ des Massenmordanschlages vom 11. September 2001. Allerdings kann ich nicht auf jede weitere Folge so wortreich eingehen, deshalb nur eine kurze Liste:

  • In der Folgezeit wurden von den Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* Kriege mit ausgedachten Kriegsgründen (auf der Grundlage angeblicher geheimdienstlicher Erkenntnisse) geführt. Ein weiterer Krieg der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* mit zumindest fragwürdiger offizieller Begründung ist aktuell in Vorbereitung.
  • In der Folgezeit haben die Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* ein Konzentrationslager im Rechtsfreien Raum von Guantánamo aufgebaut und betrieben, in dem die Gefangenen gefoltert wurden.
  • In der Folgezeit wurde die Idee der Privatsphäre eines Menschen abgeschafft und die Welt in einen Überwachungsplaneten verwandelt. Dies. Nicht nur im Internet.
  • In der Folgezeit wurde die Idee der unantastbaren Menschenrechte und der unantastbaren Würde eines Menschen der Idee von „Sicherheit“ untergeordnet, was so weit ging, dass sich Menschen vollkommen allgemein und anlasslos von so genannten „Körperscannern“ mechanisch vor den Augen von Polizeibeamten entblößen sollten.
  • In der Folgezeit konnte man im BRD-Quasistaatsfernsehen erstaunt hören, dass alle Menschen in Deutschland anlasslos und rechtswidrig durch britische und US-Geheimdienste überwacht werden müssen, weil einmal ein Mörder in Hamburg lebte — dass die Überwachungsprogramme deutlich älter sind, wird bei dieser massenmedialen Psychostanze mit Empörungs- und Todesangstdruck lieber verschwiegen.

Die vielen, mit der einfachsten Internet-Suche auffindbaren Verschwörungstheorien zu den Massenmordanschlägen vom 11. September 2001 sind in erster Linie ein Spiegel des Unbehagens, das dadurch entsteht, dass man zu leicht den Eindruck bekommt, dass vielen Angehörigen der classe politique dieses Verbrechen sehr gut in ihre mittel- und langfristigen Pläne passte. In diesen Eindruck fügt sich auch ganz ausgezeichnet die Tatsache, dass bereits bestehende Programme der Geheimdieste der Vereinigten Staaten eines Teiles von Nordamerika* nachträglich mit 9/11 begründet und ausgeweitet wurden. Wie soll sich so etwas in einem wenig reflektierenden Menschen anders widerspiegeln als in der Annahme großer Verschwörungen?

*Ich meine diese leichte Verballhornung nicht „antiamerikanisch“. Sie stellt nur die Wahrheit hinter der Selbstbezeichnung des Staates her. Ohne jede weitere Wertung.