Tag Archive: Nachtrag


Contentindustrie = Menschenverachtung

Tweet von @mipff, 25. März 2015, 14:40 Uhr: Journalisten bieten Schülern Geld an, um an Fotos von der schulinternen Trauerfeier zu kommen. #Germanwings #4U9525

Auch, wenn es direkt nichts mit dem gescreenshotteten Tweet zu tun hat, zur weiteren Lektüre empfohlen: Sven bloggt — Medien zum Absturz der Germanwings 4U9525 — es ist einfach widerlich.

Nachtrag 27. März, 23:00 Uhr: Eine weitere Quelle lässt sich im Bildblog nachlesen.

Screenshot von YouTube: 70th Anniversary of the Liberation of Auschwitz, January 27, 2015 -- On January 27, 2015 we will commemorate the 70th anniversary of the liberation of Nazi German concentraction and extermination camp Auschwitz. On this day the whole world will be listening to the voices of Auschwitz. On this day we will meet at the authentic site of the former camp as the sign of our remembrance. -- The whole commemoration event will be streamed on-line on January 27, 2015. More information: http://70.auschwitz.org -- Dazu der Text im Videoplayer: 'Live Streaming ist wegen Rechteproblemen in Deutschland leider nicht möglich. Das tut uns leid.

Nachtrag: Diese Inhaltesperrung im Rechtsraum der BRD wurde ihnen präsentiert von der GEMA. [via Fefe]

Das Geld

Nach der Massenpanik mit 36 Toten in Schanghai stehen die Menschen in der chinesischen Hafenmetropole unter Schock […] Auslöser waren aber offenbar Coupons oder Neujahrsgeld, das wie 100-Dollarscheine aussah und das jemand aus einem Club im dritten Stock auf den überfüllten Platz geworfen hatte.

Die Leute hätten gerufen “da wird Geld geworfen”; viele hätten die Scheine aufsammeln wollen. Daraufhin sei Chaos ausgebrochen und die ersten seien niedergetrampelt worden, berichteten Augenzeugen

tagesschau.de — 36 Tote bei Massenpanik am Silvesterabend: Shanghai unter Schock

Nachtrag, 2. Januar 2014, 19:15 Uhr

Ein Polizeisprecher wies Berichte von Augenzeugen zurück, wonach nachgemachte Geldscheine, die aus einem Fenster geworfen wurden, das tödliche Gedränge auf der Uferpromenade der Hafenstadt ausgelöst hätten. “Das passierte nach der Massenpanik”, sagte er

tagesschau.de — Nach Massenpanik mit 36 Toten: Polizei in Schanghai räumt Fehler ein

Qualitätsverschwörungstheoretiker

Nachdem die Leitmedien der BRD — das sind sechs Konzerne und das quasi-staatliche Fernsehen — ihre vorübergehende Fassungslosigkeit darüber verloren haben, dass sich ihre Konsumenten nicht jede Meinungsmacherei flutscheleicht ins Bewusstsein machen lassen; nachdem sie ihre offenen Münder wieder geschlossen haben und festgestellt haben, dass die Kommentarlöschungen im “Diskussions”-Bereich nur dazu führen, dass sich gar nicht so wenige Menschen, die eine an Kriegspropaganda gemahnende Einseitigkeit in der Berichterstattung über die Ukraine wahrnehmen, andere Kanäle suchen (die teils sehr fragwürdig sind); besinnen sie sich jetzt darauf, einfach unbelegte Verschwörungstheorien zu verbreiten um mit dieser Ausbreitung von Furcht, Unsicherheit und Zweifel darauf zu setzen, dass möglichst viele ihrer Leser glauben, diese ganzen kriegsmüden, NATO- und EU-kritischen sowie einseitige Berichterstattung und offensichtliche Propaganda benennenden Äußerungen stammten aus einer Fabrikhalle irgendwo im weiten Russland, in der halbverhungerte Gestalten unter der Terrorherrschaft Wladimir Putins im Schutze der Anonymität des Internet die Propaganda in billige Tastaturen hineindreschen — und das soll einfach nur deshalb geglaubt werden, weil es die Süddeutsche Zeitung so herausgekriegt hat. Aus 138 Megabyte Daten, die ominöse Hacker beschafft haben. Und natürlich, weil sich bei Umfragen der Leitmedien — siehe oben — ein ganz anderes Bild als bei den Kommentaren ergibt, was wohl auch mit der Formulierung der gestellten Frage zusammenhängt. Nach dem Qualitätsjournalismus kommt jetzt die Qualitätsverschwörungstheorie, die sich vor allem noch dadurch von der geächteten und verspotteten Verschwörungstheorie unterscheidet, dass ihre Verbreiter einen Presseausweis besitzen und ihre Publikationen vom so genannten “Leistungsschutzrecht” geschützt sind, also kurz gesagt dadurch, dass sie ein Businessmodell ist.

Mit Gruß von Элиаз Швердтфегр, nach Meinung von Qualitätsjournalisten bezahlter Mitarbeiter in Wladimir Putins Internetpropagandaarmee an der Blog-, YouTube, Twitter und Pressefront¹. Gruß an meinen Propaganda-Kollegen Jens Berger, der sich ebenfalls einer kleinen Anmerkung nicht enthalten konnte. Die Links in der Anmerkung lohnen sich.

Nachtrag 13:20 Uhr: Premium Propaganda [sic!] eines bezahlten SZ-Trolls

¹Nur, um das für Menschen mit Satireerkennungsschwäche klarzustellen: Ich halte Wladimir Putin — anders als etwa der Hartz-IV-SPD-Ex-Bundeskanzler Gerhard “Putin ist ein lupenreiner Demokrat” Schröder — für ein autokratisch regierendes Arschloch. Im Gegensatz zur FIFA — deren Entscheider sich für die propagandistisch höchst wertvolle Fußball-Geldmeisterschaft 2018 in Russland sicherlich gut und teuer schmieren ließen — bekomme ich kein Geld von Wladimir Putin und würde es auch nicht annehmen. Und jetzt wieder viel Spaß beim Brüllball!

Wi(e)der das Vergessen

Wenn Bundesgrüßaugust Joachim Gauck — der übrigens als Pfaffe das Handwerk des klebrig tröstlichen Lügens von der Pike auf gelernt hat — zwei Stunden seines Terminplanes dafür aufwändet, jede Menge Journalisten in sein Schlösschen einzuladen, die dann mit gierigem Kameraauge nach bewegenden Augenblicken Ausschau halten, weil die Angehörigen der Opfer der NSU-Mordserie zugegen sind, und wenn der Herr Bundesgrüßaugust behufs dieses inszenierten Scheingedenkens davon blahfaselt, dass “Deutschland niemals vergessen” dürfte, dann ist das schnelle Vergessen in dieser staatspfäffischen Pflichterfüllung fest eingeplant. Zu diesem schnellen Vergessen gehört übrigens auch, das über so viel hartbetroffen hingestelltem Blendwerk niemand mehr die sehr nahe liegende Frage stellt, welcher Staatsanwalt jetzt wegen der aktiven und passiven Unterstützung einer Mörderbande durch BRD-Inlandsgeheimdienste und Polizeien ermittelt und welche Fortschritte diese Ermittlungen machen.

Mein größter Respekt gilt allen Angehörigen der Mordopfer, die sich dieser menschenverachtenden Inszenierung verweigert haben.

Nachtrag: Ich hatte mittlerweile schon ganz vergessen, dass der gleiche Bundesgrüßaugust Joachim Gauck vorher ein von den Angehörigen der Opfer erwünschtes Treffen abgelehnt hat. [via Kotzendes Einhorn]

Der unglaubwürdige Freiheitskämpfer

Google wäre mit seiner gegen das idiotische “Leistungsschutzrecht” — dieses Wort ist ein Kompositum, bei dem jede der drei Komponenten “Leistung”, “Schutz” und “Recht” falsch ist — gerichteten Kampagne unter dem plakativen Titel “Verteidige dein Netz” viel überzeugender, wenn das selbe Google auch in der Vergangenheit gegen die vielfältigen Bedrohungen und Anfeindungen des Internet, seiner Nutzer und seiner Gestalter durch deutsche Schmalspurpolitiker neben der Datenautobahn mit vergleichbar guten Aufklärungskampagnen vorgegangen wäre. Und. Nicht erst dann, wenn es an das eigene Geschäftsmodell geht.

So hingegen…

Nachtrag: Und nein, die Propaganda der Verleger ist nicht weniger verlogen.

Verdoppelte Rotationsgeschwindigkeit

[…] och en del åt den som har verkat mest eller best för folkens förbrödrande och avskaffande eller minskning av stående arméer samt bildande och spridande av fredskongresser […]

Wenn in achtundfünfzig Tagen unter dem dabei so üblichen pseudofrommen Getue und Gesäusel die Nobelpreise verliehen werden, wird sich Alfred Nobel gleich zwei Mal im Grabe umdrehen. Das erste Mal, wenn der von ihm niemals gestiftete und nicht einmal leise angedachte Nobelpreis für Bullshit Wirtschaftswissenschaften verliehen wird¹, und zum zweiten Mal, wenn der Nobelpreis für Frieden an ein staatsähnliches Gebilde verliehen wird, dessen Waffen an allen Fronten mitmetzeln und dessen Soldaten überall dabei sind, wo das Blut zum Himmel schreit. Die Europäsische Union kann sich stolz in einer Reihe mit dem Mörder Jassir Arafat und dem Kriegsherrn Barack Obama aufstellen. Und während in der so ausgezeichneten Europäischen Union die Banken “gerettet” und die Menschen fallengelassen werden, können wir uns alle an die Wort des Preisstifters erinnern:

Ich bin besonders der Ansicht, dass große ererbte Vermögen ein Unglück sind, die das Menschengeschlecht nur in Apathie führen.

Unterdessen versuchen schon jeden Tag unter Lebensgefahr mit oft abenteuerlichen Schiffen übers Mittelmehr Afrikaner nach Europa zu kommen, die der EU zu gern zum Nobelpreis gratulieren würden, aber immer an den Friedensicherern namens Frontex scheitern. Ganz jemand anders, “Mutter” Theresa, die den verarmten Sterbenden immer wieder eine Schmerztherapie verweigerte, damit sie im Verrecken eine größere Nähe zu ihrem unsichtbaren Freund Jesus Christus verspüren, wurde übrigens auch mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Gut möglich, dass sie zum heimlichen Vorbild der Sozialpolitik in Europa wird.

Nachtrag: Bitte in “Mein Wa(h)renhaus” weiterlesen: Meine persönliche Dankesrede für den Friedensnobelpreis 2012

¹Wie üblich und wie bis jetzt in jedem Jahr wird von den agenturzentral gleichgekämmten contentindustriellen Nachrichtenprodukten mit keinem Wort und nicht einmal einer Andeutung darauf hingewiesen werden, dass dieser “Nobelpreis” keiner ist.

Vorzug

Der Vorübergehende sagte zu seinem Begleiter: Ich nehme doch wesentlich lieber einen kostenlosen Koran, der mir von religiotischen Fundamentalisten angeboten wird, als eine kostenlose Bildzeitung, die mir vom verlogenen, menschenverachtenden, offen manipulativen Axel-Cäsar-Springer-Verlag aufgezwungen werden soll.

Nachtrag: Beim Postillon weiterlesen!

“Selbstmord” nennen es die Bauchrednerpüppchen der Banken (Folker Hellmeyer, Bremer Landesbank) und sprechen davon, dass das gesamte “Rettungspaket” nun wieder in Frage steht (Benjamin Schröder, Commerzbank) und dass die Geduld der Staatengemeinschaft jetzt aufgebraucht sei (Christoph Weil, Commerzbank).

Was treibt ihnen so harte Worte in den Mund? Es sind die Pläne des griechischen Regierungschefs Giorgos Andrea Papandreou, über das so genannte “Rettungspaket” eine Volksabstimmung durchführen zu lassen; einfach mal die Menschen zu fragen, die von den kommenden Maßnahmen am stärksten betroffen sind. Dies weniger, um damit eine “demokratische” Legitimation zu erhalten, sondern eher, um die eigene Position zu stärken. Herr Papandreou scheint sich recht sicher zu sein, dass eine breit angelegte Kampagne, in der die Probleme der Herrschenden und Besitzenden in Ängste und Sorgen der ganzen Bevölkerung umgewandelt werden, schon das richtige Ergebnis hervorbringen wird — mit Kampagnen hat man in der classe politique ja Erfahrungen. Auf der Seite der Banken, die von diesen so genannten “Rettungspaket” am stärksten profitieren werden, ist man sich offensichtlich weniger sicher und scheint eine sehr genaue Vorstellung davon zu haben, welches Ergebnis herauskommen würde, wenn man die Menschen nur einmal befragte. In dieser Vorstellung, die sich in solchen manipulativen Suizidmetaphern und in der ätzväterlichen Rede vom “gerissenen Geduldsfaden” niederschlägt, spiegelt sich wiederum sehr genau die Demokratiefeindlichkeit und Menschenverachtung des gesamten Bankenbetriebes. Wenn zusätzlich ein Wochenmagazin wie “Der Spiegel”, das ja zu gern ganze Seiten seiner Printausgabe für die Vierfarbdrucklügen der großen Kreditinstitute zur Verfügung stellt und allein damit über jeden Verdacht der Unabhängigkeit erhaben ist, auf seiner Webpräsenz gleich zur Wahl ohne Alternative aufruft…

VOTE! Drohende Staatskrise - Primier Papadreou lässt die Bevölkerung über das EU-Rettungspaket abstimmen? Kann Griechenland danach noch der Euro-Zone angehören?

…passt das nur zu prächtig in diese Chuzpe.

Nachtrag: Bei “Print Würgt” weiterlesen

Richtung und Garheit

Wie könnten Narren müde werden!

“Kinder auf der Landstraße”, Franz Kafka

Schutz! — Datenschutz ist ein Schutzrecht, keine Verpflichtung. So wie das Briefgeheimnis niemanden daran hindern kann, Postkarten zu schreiben, so wie das Fernmeldegeheimnis es (manchmal leider) nicht untersagt, seine persönlichen Telefongespräche lautstark vor dem gesamten Fahrgastraum einer Straßenbahn als unfreiwilligem Auditorium zu führen, so kann (oder sollte) auch der Datenschutz niemanden daran hindern, noch intimste Daten öffentlich oder in einem möglicherweise zum Tratsch neigenden Kreis von Mitmenschen preiszugeben. Es ist nicht verboten, so etwas zu tun. Und es will auch niemand verbieten. Doch selbst die mit ihren Daten freigiebigsten Menschen wären wohl eher unangenehm berührt, hörte jemand ihr Telefon ab oder öffnete und läse jemand ihre persönliche Briefpost. Im “materiellen” Leben ist den meisten Menschen bewusst, welche Angelegenheiten nicht auf eine Postkarte gehören und niemanden anders etwas angehen; im “virtuellen” Leben scheint das vielen nicht bewusst zu sein¹.

Schutz? — Ja, wovor schützt denn der Datenschutz? Er schützt die Menschen davor, dass ihre Daten eine unerwünschte Verwendung finden. Diese ist nicht nur darin zu sehen, dass jemand mit besser gezielten Werbelügen bombadiert würde und auch nicht darin, dass Kriminelle in die Lage versetzt würden, die Identität eines anderen Menschen für wenig erfreuliche Machenschaften zu missbrauchen, sondern auch. Dass andere aufgrund eines Einblickes in die leicht und automatisch verarbeitbaren Daten eine Deutungshoheit über diejenige Person bekommen könnten, aus deren Leben diese Daten herausragten. Ein Vermieter könnte anhand eines bloßen Einblickes in (möglicherweise jahrealte) Daten entscheiden, an welche Personen er eine Wohnung vermietet; ein Versandhaus könnte Entscheidungen über die Bonität fällen; ein Personaler könnte seine Entscheidungen über einen Arbeitsvertrag von den (vom betroffenen Menschen längst vergessenen) Daten abhängig machen. Dies kann losgelöst von der Komplexität der realen Person und ihrer derzeitigen Lebenssituation getan werden und auf wenigen, für den Entscheider in seiner Machtposition bequem quantisierbaren Merkmalen basieren. Schon heute führt das data mining dazu, dass Banken und Versandhäuser die einem Menschen zugeordnete Bonität unter anderem nach seiner Wohnadresse bewerten; dass sie die viel komplexeren Lebensräume von Menschen mit datenmäßig erfassten sozialen Mauern abstecken und Menschen danach beurteilen, auf welcher Seite der Mauer sie leben, ohne dass das den meisten Menschen bewusst wäre. Die Daten. Haben in solchen Punkten schon längst ihr “Eigenleben” entwickelt und lassen auch immer wieder einmal die davon betroffenen und durch die Datenbrille betrachteten Menschen in kafkaesken Situationen zurück. Die unkontrolliert zirkulierenden Daten führen zur Ohn-Macht der Person, aus deren Leben Abrieb diese Daten einst einmal entstanden.

Asymmetrie — Die Websites, die man unter dem irreführenden Begriff social web zusammenfasst — es gibt neben Facebook, Google Plus und Twitter noch viele eher unbedeutende Angebote dieser Art — sind für die Idee des Datenschutzes problematisch. Dies nicht, weil sich Menschen darüber mitteilen und dies in einer gewissen Öffentlichkeit geschähe, sondern weil in einem bislang ungekannten Maß die Summe solchen Mitteilens vieler Menschen als Datensammlung weniger Unternehmen mit eher ungewissem Geschäftsmodell anfällt. Diese Sammlung ist keineswegs öffentlich. Und sie enthält vieles, woran die darin datenmäßig erfassten Menschen gar nicht mehr denken. Eine Website, die das monströse Ausmaß der Datensammlung durch Facebook dokumentiert hat…

Die Domain www.europe-v-facebook.org wurde gesperrt

…ist gerade erst unter mir nicht näher bekannten Umständen aus dem Internet entschwunden, nachdem viele Medien über die beachtenswerten Ergebnisse dieser Bemühung berichtet haben². Der zugehörige Channel bei YouTube existiert noch, aber leider ist die Website (noch) nicht bei archive.org verfügbar und somit fürs erste verloren gegangen. Den vielen Menschen, die nur einen geringen Einblick in die Datensammlung haben, indem sie mit anderen Menschen über eine zentralistisch organisierte Struktur im Web kommunizieren, ihnen stehen wenige Menschen gegenüber, die einen vollständigen und automatisch verarbeitbaren Einblick über alles Kommunizieren, Surfen, Liken, Betrachten erlangen und diesen Einblick als Herrschaftswissen beliebig auswerten und benutzen können. Angesichts des fragwürdigen Geschäftsmodelles der unter Gewinnerzielungsabsicht auftretenden Unternehmung Facebook ist es eher wahrscheinlich, dass diese Datensammlung einmal ein für viele davon betroffene Menschen unerwünschtes “Eigenleben” entwickeln wird. Das Internet, das dem Individuum einmal Freiheit und Möglichkeit zur Entfaltung versprach, entwickelt durch die künstliche Zentralisierung seiner kommunikativen Funktionen in wenige Anbieter ein Instrumentarium, den von einer herrschenden und besitzenden Elite gehegten Wunsch nach Konformität und Berechenbarkeit der Menschen zu erfüllen. Und somit neue Knechtschaft und verhinderte Entfaltung der Mehrzahl von Menschen zu schaffen, durchzusetzen und zu zementieren. (Ein aktueller Nachtrag: Die Website Europe versus Facebook ist inzwischen wieder verfügbar. Zum Glück.)

Silberscheibe — Wie monströs die Datensammlung auf Seiten Facebooks in Wirklichkeit ist, zeigt sich darin, in welcher Form Facebook die Daten auf Nachfrage (und keineswegs freiwillig) übermittelt: Es geschieht in Form einer CD. In einem Fall mit 1200 DIN-A4-Seiten gesammelten Daten zu einer einzigen Person. Und dies waren keineswegs alle von Facebook gespeicherten Daten zu dieser Person. Beim Einblick in diese Daten wurde deutlich, dass Facebook das wichtigste Prinzip des Datenschutzes, die möglichst große Sparsamkeit in der Datenhaltung, systematisch missachtet hat. Auch Beiträge, die der Nutzer gelöscht hat, bleiben in der Sammlung künftigen Herrschaftswissens erhalten und sind nur “als gelöscht markiert”. Selbst bei einer Löschung des Accounts ist davon auszugehen, dass Facebook alle Daten behalten wird — und im Regelfall eine beachtliche Zeit dazu imstande sein wird, den vollständig identifizierten ehemaligen Nutzer weiter auf seinem Weg durch das Internet zu verfolgen.

Das Sparen erzwingen — Wenn Unternehmungen wie Facebook (aber keineswegs nur dieses) nicht willens sind, Daten sparsam zu erheben und vorzuhalten, gibt es nur eine Möglichkeit, dem zu begegnen, um auch von solchen Unternehmungen Datenschutz zu erzwingen: Man muss mit der Preisgabe seiner Daten so sparsam sein, wie es gerade noch möglich ist; und man muss diese Haltung mit allen verfügbaren technischen Mitteln unterstützen. Kein echter Name, keine persönliche Mailadresse, kein zutreffendes Geburtsdatum, kein wirklicher Wohnort… so sollte die Grundhaltung sein, wenn man nicht einen besonderen Grund hat, einem bestimmten Anbieter zu vertrauen oder wenn nicht bestimmte dieser Angaben für ein wirklich wünschenswertes Angebot erforderlich sind. (Ein Versandhandel kann nur liefern, wenn er einen Empfänger und eine Lieferadresse kennt.) Die Datenskandale nach den erfolgreichen Crackerangriffen der letzten Monate sollten auch dem Letzten deutlich gemacht haben, dass man in Bezug auf Datensparsamkeit keinem einzigen Unternehmen pauschal trauen kann. Tatsächlich werden immer wieder so leicht missbrauchbare Daten wie Konto- und Kreditkarteninformationen ohne besondere Not auf einen über das Internet zugänglichen Server abgelegt, also einem Opferrechner, der vielfachen Angriffen aller Art ausgesetzt ist. Wo die Unternehmen bis zur Inkompetenz verantwortungslos sind, ist jedes Vertrauen fehl am Platze, wenn es keinen guten Grund dafür gibt.

Mauern und Tore — Es ist erstaunlich, wie häufig mir Links auf Inhalte zugesteckt werden, die ich nur betrachten kann, wenn ich einen Account bei Facebook habe. Dieser Account. Wird von vielen (meist jüngeren) Menschen beim anderen Menschen einfach vorausgesetzt. Für mich als jemanden, der ich nicht einmal dazu bereit bin, mich in pseudonymer Form von Facebook tracken und verdaten zu lassen, ist eine Mauer um viele Inhalte geschaffen, die ich nur durch die von Facebook vorgesehene Türe betreten kann — mit persönlichen Daten als Eintrittsgeld. Ich muss davon ausgehen, dass derartige Zustecksel bei anderen Menschen noch häufiger sind, so dass für viele Menschen ein spürbarer sozialer Druck aufgebaut wird, ihre Daten an Facebook zu geben, damit ihnen das Internet für ihre persönlichen Absichten überhaupt erst nützlich wird. Auch ist es immer häufiger zu sehen, dass eine Authentifizierung vermittels Facebook ersatzlos an die Stelle dezentraler, site-spezifischer Registrierungsprodzeduren gesetzt wird, so dass Menschen ohne Facebook-Account auch von der aktiven Teilnahme in Bereichen des Internet ausgeschlossen werden, die gar nicht zu Facebook gehören. Was für ein sonderbarer eiserner Datenvorhang das doch ist, und wie bereitwillig sich Leute zur Zollstelle irgendwelcher Unternehmungen machen!

Zwei? Null. — That so called “social web” is an ignorant, pubertal, irresponsible part of the web, and a growing one too. Growing? No, rampant.

Zeitachse — Wie viel mehr die Menschen doch englisch lesen und sprechen, als sie es verstehen. Dass Facebook sich künftig als “Timeline” verstehen will und von anderen so verstanden werden soll, ist schon als Begriff etwas, was tief blicken lässt. Es soll dort eine Zeitachse abgebildet werden, auf der sich das Leben der dort datenliefernden Menschen in vielen automatisch auswertbaren Spuren niederschlägt. Ob die gleichen Menschen, die im Internet so bedenkenlos freigiebig werden, das alles wohl auch in ihren Lebenslauf schreiben würden?

Erzwungene Entdatung — Wie eingangs gesagt, Datenschutz ist ein Schutzrecht, und es sollte niemanden behindern, der “mutig” genug ist, ohne diesen Schutz zu leben. Wer sich vor zentralen Anbietern mit fragwürdigen Geschäftsmodell hemmunglos datenmäßig entkleiden — oder meinethalben: entdatenschützen — möchte, der soll das tun! Für den Außenstehenden ist es oft schwierig, “Mut” von Dummheit zu unterscheiden, aber das halte niemanden ab! Doch eine Sache ist widerwärtig, bei allem Faseln vom social web geradezu antisozial und verachtenswert: Dass ein so genannter “Button”, der nichts weiter ist als eine in Javascript implementierte Tracking-Wanze eines datensammelnden Unternehmens mit fragwürdigem Geschäftsmodell, die auf fremden Websites eingebettet werden kann³; dass so ein so genannter “Button” auch Menschen zugemutet wird, die diesen wie wahnsinnig dumm wirkenden “Mut” nicht aufbringen wollen. Dass von dieser versteckten Spionage vor allem weniger technikaffine Nutzer betroffen sind, die sich nicht mit geeigneten Plugins wie NoScript zur Wehr zu setzen wissen und in der Regel nicht einmal das mögliche Problem erfassen können, macht die ganze Sache nur noch überrumpelnder und widerwärtiger.

Dummheit unter Kieler Brise — Dass das Kieler “Unabhängige” Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein angekündigt hat, demnächst wegen der Einbettung eines “Buttons” von Facebook empfindliche Ordnungsgelder gegen Websitebetreiber zu verhängen, um geltendes Recht durchzusetzen, hat für teilweise heftige Empörung gesorgt. Die Datenschützer mögen sich doch — so sagten es die eifrigen Einbetter der Trackingwanzen in ihre Websites und damit die Schergen eines Datensammlers und Trackers — sie mögen sich doch gefälligst nicht an die armen Websitebetreiber, sondern direkt an Facebook wenden, diese blöden, weltfremden Datenschützer! Obwohl dafür keinerlei juristische Handhabe besteht. Was für eine idiotische Forderung! Und wie sehr sich diese Forderung mit einer Ablehnung jeder eigenen Verantwortung für den Zustand kombiniert, der ein solches Eingreifen von Datenschützern erst erforderlich macht! Ganz so, als wäre es unmöglich, eine Website zu betreiben, ohne diese verkappte Tracking-Wanze darin einzubauen; ganz so, als habe ein Sitebetreiber nach der Einbettung dieser Tracking-Wanze keinerlei Verantwortung dafür, dass seine eigene Website in eine Tracking-Vorrichtung für Facebook umgewandelt ist. Man stelle sich diesen unfassbaren Schwachdenk nur einmal mit anderen Rechtsverstößen vor! Zum Beispiel stelle man sich einmal vor, Menschen würden ein extern gehostetes Bild auf ihre Website einbetten und für das so entstehende Ergebnis die Verantwortung ablehnen! Zum Beispiel ein Bild, das in vielen ferneren Kulturkreisen als problemlos benutzbar, ja, sogar. Als heilsam und glücksbringend gilt: Eine Swastika. Das aber unter deutschem Recht nicht ohne einen besonderen Kontext benutzbar ist. Und diese Bildeinbetter. Würden jede Verantwortung dafür. Zurückweisen. Und fordern, dass stattdessen auf den Bildhoster im Auslande zurückgegriffen werden möge, der doch ein in seinem Rechtsraume völlig zulässiges Bild verwendet, so dass juristisch gar keine Handhabe besteht. Und sie würden “argumentieren”, dass die Einbettung dieses Bildes ja in vielen anderen Ländern auch problemlos möglich sei. Und. Sie würden sagen, dass ein Vorgehen gegen diese Praxis dem “Geist des Internet” zuwider liefe. Oh, was würden gewisse Leute diesen Freiraum gern nutzen, wenn es ihn nur gäbe! Aber: Dass es diesen Freiraum nicht gibt, ist beinahe jedem Menschen klar und in seiner Motivation einsichtig. Seltsamerweise beginnen viele Menschen aber zu glauben, dass es Freiräume für Rechtsverstöße gibt, wenn diese Rechtsverstöße nur nicht sofort offensichtlich sind, wenn sie nur fein abstrakt und technisch sind. In diesem dummen Glauben spiegelt sich die technische Unwissenheit dieser Menschen wider. Und. Es ist genau diese selbstverschuldete Dummheit und aus Unwillen ersprossene Unwissenheit, die das Geschäft von netzvampiristischen Websites wie Facebook überhaupt erst ermöglicht.

Alternative — Die Cholera ist keine gute Alternative zur Pest, sondern Gesundheit ist die gute Alternative. Google Plus ist keine gute Alternative zu Facebook, sondern genau so mies und schlimm. Das freie, möglichst dezentrale Internet ist eine gute Alternative zum so genannten social web, sonst nichts.

Lenken und ablenken — Vielleicht wären die Datenschützer in ihrem Bemühen etwas überzeugender, wenn ihr Blick nicht so einseitig wäre; wenn sich ihr Blick etwa mit der angemessenen Strenge und Unerbittlichkeit auf staatliches Datensammeln in der Bundesrepublik legte. Wer geht mit Aufklärung der Menschen und den gegebenen juristischen Möglichkeiten gegen überflüssige polizeiliche Überwachungskameras im öffentlichen Raum vor? Wer geht gegen die Weitergabe von Bankdaten in die USA vor? Wer hat beim Internetzensurgesetz einer Ursula von der Leyen davon gesprochen, dass die unkontrollierte Manipulation der Namensauflösung dem BKA die Möglichkeit gewährt, unbemerkbar E-Mails mitzulesen? Wer sprach oder spricht vom Missbrauchspotenzial der poltisch gewünschten Vorratsdatenspeicherung? Wer nimmt Stellung zum Wunsch vieler Mitglieder der classe politique nach einem möglichst gläsernen Bürger? Es waren und sind keine Datenschutzbeauftragten. Im einseitigen Vorgehen gegen Unternehmungen und Websitebetreiber verbleibt ein unangenehmer Nachgeschmack beim Genuss, ein Eindruck von Aktionismus und von der Ablenkung der öffentlichen Aufmerksamkeit von einem anderen, eher noch größeren Problemkreis, ganz so, als sollte sich unter einer Wolke nur gefühlten Datenschutzes ein allgegenwärtiger Blick eines anonymen, großen Bruders auf das Leben aller Menschen richten. Wenn sich dies auch noch mit einer einseitigen Ausrichtung auf ausländische Unternehmen richtet (ich habe noch nie ein kritisches oder aufklärerisches Wort zu den deutschen VZ-Sites gehört), ist zusätzlich der Eindruck nicht leicht abzuschütteln, dass zu diesem Zweck auch nationale Empfindungen instrumentalisiert werden sollen, um eine möglichst breite Wirkung der Ablenkung zu erzielen. Die Kritik am staatlichen Datenschutz ist also durchaus berechtigt, sie hat nur die falsche Richtung. Und dokumentiert damit, dass die Ablenkung hervorragend funktioniert.

Bundestrojaner 2.0 — Es hätte vielleicht keinen Widerstand gegen den so genannten “Bundestrojaner” gegeben, nein, viele Menschen hätten ihn sich sogar freiwillig installiert, wenn ein solches Schnüffelprogramm unter dem Banner des social web unter die Leute gebracht worden wäre; als eine Möglichkeit, mit seinen “Freunden” in Kontakt zu treten und interessante “Dinge” zu “teilen”; als eine Vorrichtung, die zusätzliche Besucher auf die eigene Website bringen kann (und somit vielleicht auch etwas Geld über Werbebanner einbringt) und einem ein Auditorium und Aufmerksamkeit bei anderen Menschen verschafft. Gern hätten sich die gleichen Menschen dafür datenmäßig nackig gemacht, die es jetzt für Facebook und Google Plus tun — und jedem, der ihnen sagt, welche Gefahren damit verbunden sind, hätten sie einen Vogel gezeigt und ihn als “rückständig” beschimpft. Gut, dass in Deutschland niemand auf diese naheliegende Idee gekommen ist.

¹Ich hoffe, dass “materiell” und “virtuell” ein besseres Gegensatzpaar ist als der so übliche Polit- und Pressesprech von “virtueller” und “wirklicher” Welt. Denn das Internet hat und ist in der Welt geformte Wirklichkeit, und der unterschwellige Versuch, ihm diese Wirklichkeit mit solchem Wortblendwerk abzusprechen, ist angesichts der Bedeutung, die dem Netze von den Absprechenden dann doch wieder zugemessen wird, wenn es nur um die Durchsetzung von Restriktion geht, lächerlich. Aber auch meine beiden Wörter treffen es nicht. Ich kann gar keine guten Wörter finden, um einen Unterschied auszudrücken, was vielleicht daran liegt, dass ich einen solchen Unterschied nicht empfinde. Was unterscheidet denn eine “virtuell” gepflegte Freundschaft von einer althergebrachten Freundschaft, die über Briefe und Telefon gepflegt wird und die niemand mit einem so unsinnigen Wort wie “virtuell” benennte?

²Das Verschwinden dieser Website ist der Grund, der mich zum Schreiben anregte. Ich will nicht, dass es ins Schweigen fällt. Wenn jemand eine archivierte Version der Website hat, wäre ich dankbar, wenn diese irgendwo im Internet verfügbar gemacht würde. Es kann völlig banale Gründe haben, dass diese Website verschwunden ist, etwa eine nicht bezahlte Rechnung. Es kann aber auch auf juristische Winkelzüge von Facebook zurückzuführen sein; immerhin behauptet Facebook beispielsweise, das “geistige Eigentum” an den gesammelten Daten zu haben und könnte über diesen absurden Anspruch versuchen, die Veröffentlichungen des Ausmaßes der Datensammlung und der Struktur der gesammelten Daten zu unterbinden. Ob letzteres der Fall ist oder nicht: Die bloße Inanspruchnahme eines “geistigen Eigentums” über die Daten anderer Menschen ist bereits für die vom Datensammeln betroffenen Menschen kafkaesk genug, um das Gruseln zu bekommen.

³Der Begriff “Button” ist für diesen IFRAME, in dem eine JavaScript-Anwendung läuft, im höchsten Maße irreführend. Es ist etwas fundamental anderes als eine Schaltfläche, wenn es auch auf dem ersten Blick ähnlich aussieht. Selbst abgemeldete Nutzer sind damit noch bei ihrer Bewegung durch das Internet verfolgbar. Dass Facebook dies gern tut, zeigt sich schon darin, dass es Facebook nicht gefällt, wenn für die Funktionalität “Like” andere Implementationen verwendet werden. Die irreführende Sprache aus der Reklameabteilung von Facebook sollte besser nicht ohne Anführungszeichen verwendet werden. Es ist kein “Button”. Es ist eine Tracking-Wanze, die den Leuten hinterhältig mit dem irreführenden Wort “Button” untergeschoben wird. Die wenigsten Menschen scheinen sich darüber im Klaren zu sein, dass selbst ohne gesetzte Cookies und ohne IP-Adresse mit einem Schnipsel JavaScript eine eindeutige Identifikation des Browsers (und damit in der Regel des Nutzers) beinahe immer möglich ist. Diese fließt leicht mit anderen, persönlicheren Daten zusammen oder kann gar im Zuge einer späteren Facebook-Registrierung zu einer konkreten Person zugeordnet werden.

Facebook: Die Datenschutzkatze im Sack

Nachtrag: Mir wurde eben (24. September 2011) mitgeteilt, dass der “Fehler” inzwischen behoben ist und dass man die so genannten “Datenverwendungsrichtlinien” jetzt auch einsehen kann, bevor man sich registriert. Ich habe mir das angeschaut, und die hier in Screenshots dokumentierte Verachtung der Menschen mit Interesse am Datenschutz ist inzwischen wirklich behoben. Das ändert freilich nichts daran, dass der vorherige Zustand eine Unverschämtheit war.

So sieht es aus, wenn man sich bei Facebook registrieren will:

Screenshot der Registrierungsmaske bei Facebook

Hieran “entzückt” nicht nur die Formulierung, dass man Facebook beitreten soll, um sich mit seinen Freunden zu verbinden — ganz so, als wäre man mit Freunden nicht schon irgendwie verbunden. Es ist bei der Anmeldung auch erforderlich, dass ein Geburtstag angegeben wird. Nun ist so ein echter Name zusammen mit einem Geburtstag genug, um schon sehr viele Menschen eindeutig zu identifizieren, da ist es doch um so erfreulicher, dass sich zu dieser Eingabe ein Link “Warum muss ich meinen Geburtstag angeben” befindet.

Klickt man auf diesen Link, so wird ein Layer mit der folgenden Erklärung eingeblendet:

Facebook fordert von allen Nutzern, dass sie ihr richtiges Geburtsdatum angeben. Dadurch soll die Authentizität der Seite und der Zugang zu altersgerechten Inhalten gewährt werden. Wenn du möchtest, kannst du diese Information in deinem Profil verbergen. Die Nutzung der Informationen unterliegt den Facebook-Datenschutzrichtlinien.

Aha, es geht also um die “Authentizität der Seite” — also Bullshit. Und um den Zugang zu altersgerechten Inhalten — also um Jugendschutz in einer imaginären Welt, in der ein intellektuell normal ausgestatteter Jugendlicher niemals auf die Idee käme, sich für Facebook mit einem nicht ganz wahrheitsgemäßen Klick in der Jahresauswahl erwachsen zu machen, also noch einmal Bullshit. Was hinter diesem recht offenkundigen Bullshit in Wirklichkeit steht, würde sich vielleicht beim Klick auf den Link “Facebook-Datenschutzrichtlinien” klären.

Aber dieser Klick bringt folgende Seite zutage:

Du musst dich anmelden, um diese Seite sehen zu können

Eine Realsatire, die völlig klar macht, wie sehr Facebook die Menschen verachet.

“Google Ads” bei WordPress.com

Liebe Leserinnen, Leser, Interessierte,

heute morgen habe ich beim Überfliegen meiner eigenen, täglichen Bloglektüre im Gentrification Blog lesen müssen, dass die Blogs bei WordPress.com jetzt zumindest teilweise mit Werbung über Google Adsense “angereichert” werden.

Hierzu gebe ich — für jeden, den es interessiert — die folgende persönliche Erklärung ab:

  1. Ein Aufscheinen von irgendeiner Form der Reklame in diesem Blog ist von mir nicht erwünscht und entspricht auch keiner von mir vorgenommenen Konfiguration. Es handelt sich um eine neue oder mir zumindest bislang noch nicht aufgefallene Maßnahme von Automattic, dem Betreiber von WordPress.com, das Schreiben der Menschen hier zu Geld zu machen. Tatsächlich wird dieses Blog mit seinem sehr speziellen Themenkreis durch die Einblendung von Werbung in jeder nur denkbaren Form entwertet, was jeder Leser leicht durch ein wenig Blättern überprüfen kann. Die Umgestaltung jeder zwischenmenschlichen Kommunikation in einen sozial optimierten Geschäftsvorgang ist Teil jener industriell produzierten, seelischen Kälte, die hier immer wieder benannt, hoffentlich fühlbar gemacht und als etwas von allen Menschen jeden Tag zu Überwindendes angemahnt wird. Hierzu sind die richtigen Fragen zu stellen, damit auch die richtigen Antworten gefunden werden.
  2. Als ich vor dreieinhalb Jahren mit diesem größtenteils harmlosen Blog “Lumières dans la nuit” begann, war es meine stets erklärte Absicht, für immer werbefrei zu bleiben. Deshalb wurde das Blog anfangs in der BR Deutschland unter der Domain tamagothi.de gehostet und von mir mit einer eigenen Installation der Blogsoftware WordPress betrieben. Unter der Last ständiger juristischer Anfeindungen — die übrigens durchgehend von geschäftstreibenden Personen aus der unmittelbaren räumlichen Nähe des Ihmezentrums zu Hannover ausgingen, was in mir nach und nach ein klares Bild der wirtschaftlichen Methodik eines recht mafioid erscheinenden Heuschrecken-Konzerns Carlyle entstehen ließ, der es für sein in Hannover-Linden geplantes und mittlerweile gescheitertes Geschäft wohl als nachteilhaft empfand, wenn die gnadenlose tristesse dieses Menschenschließfaches im Stil des Brutalismus an vorderster Stelle in Google-Suchergebnissen sichtbar wird* — unter der psychischen Last, die es für einen krebskranken Freund bedeutete, auf dessen Server ich dieses Blog ursprünglich betrieb, mit der widerlichen Wucht deartiger Anfeindungen konfrontiert zu sein; aus meiner wachsenden Unlust heraus, unter diesen Umständen auch nur noch einen einzigen Tag weiterzumachen, schloss ich das ursprüngliche, in Deutschland gehostete Blog. Das hier vorliegende, bei WordPress.com gehostete Blog ist bereits eine emigrierte Version, ein schwer beschädigtes Bloggen auf der Flucht, das ich wenigstens durch Verlagerung in die USA — wo trotz vieler anderer Missstände die Freiheit der Meinungsäußerung nicht nur wie in der Bananenrepublik Deutschland eine unverbindliche Prosa in der Verfassung, sondern eine verbriefte Rechtswirklichkeit für die Menschen ist — vor der eisgierigen Abmahnwillkür und juristischen Stocherei der Besitzenden in der politisch vollkommen gewünschten Rechtsunsicherheit und Kriminalisierung des Internet in der BR Deutschland bewahren wollte.
  3. Mein Lebensstil — ich bin obdachlos und lebe von dem, was mir kampflos gegeben wird, um mich mit ganzer Hingabe auf das zu konzentrieren, was mir nach allen meinen Einsichten wichtig und bedeutsam erscheint, und wenn es mich mein verfluchtes Leben kostet — ermöglicht es mir zurzeit nicht, dieses Blog auf einen anderen Server im Internet zu hosten. Auch wird dieses schon flüchtende, emigrierte Blog keinen weiteren Umzug überstehen und deshalb auch keinen machen. Wenn hier in der kommenden Zeit bei WordPress.com Bedingungen geschaffen werden, die mir den Weiterbetrieb dieses Blogs unmöglich machen, denn wird dieses Blog ersatzlos verschwinden. Es reiht sich dann ein in eine Reihe weiterer Projekte von mir, die sich als für mich undurchführbar erwiesen haben. Meine Kraft ist beschränkt, Geld ist kaum vorhanden, und mein Name ist nicht Sisyphos. Es gibt noch genügend andere, vielleicht weniger sichtbare und nicht primär im Internet beheimatete, von mir betriebene Projekte, welche die freiwerdende schöpferische Kraft völlig aufsaugen werden, bis mir jede Kraft geschwunden ist.
  4. Von seinem ersten Tag an sind die Inhalte dieses Blogs unter Piratenlizenz lizenziert worden, weil es mir eben auf die Kommunikation von Inhalten (das Gegenteil vom leicht verschiebbaren und vermarktbaren content) ankommt und nicht auf die Kontrolle meiner Leser oder eine absurde technische Selbstbestätigung im dummen Selbstzweck der Zugriffsstatistik. Diese Entscheidung hat zur Folge, dass es eine Reihe mehr oder weniger aktueller und vollständiger Mirrors des gesamten Blogs gibt, die sich aus den RSS-Feeds dieses Blogs gespeist haben. Solange die RSS-Feeds bei WordPress.com werbefrei bleiben, werden auch diese Mirrors werbefreie Versionen meiner Texte enthalten. Ich bitte meine Leser, einfach dort weiterzulesen. Eine Suchmaschine kann eine echte Hilfe sein, auch wenn man dem Wahnsinn der totalitären Verwirtschaftung entkommen will. So lange hier “nur” Google-Ads (und keine überrumpelnde Gewaltreklame) im Blog eingebunden werden, werde ich noch weitermachen; sobald die erste Reklame im RSS-Feed auftaucht, wird dieses Blog gelöscht.
  5. Die Entscheidung Automattics für Google-Ads zur mechanischen Vergällung der Texte mit Reklame empfinde ich angesichts der intransparenten Sammelwut der Datenkrake Google einfach nur als schrecklich falsch. Ich habe nicht das geringste Interesse daran, dass hier Informationen über recht empfindliche, gesellschaftlich marginalisierte und politisch verfolgte menschliche Netzwerke in die Hände eines Unternehmens fallen, dass sich gegenüber mörderischen Regimes wie etwa dem chinesischen immer wieder als sehr kooperativ in der Auslieferung von Menschen erwiesen hat, wenn nur die Kasse stimmt. Von dieser Entscheidung Automattics sind etliche politische und gesellschaftskritische Blogs aus der Bananenrepublik Deutschland betroffen, die hier eigentlich Schutz vor Verfolgung und Unterdrückung gesucht haben, und die jetzt der unkalkulierbaren geschäftlichen Willkür eines wertneutral um Reibach bemühten Unternehmens ohne jeglichen ethischen Anspruch in seinen Kooperationen mit Unterdrückungsbehörden fragwürdiger und totalitärer Staatsführungen ausgeliefert sind. Dies wirft einen schwarzen Schatten auf die geschäftliche Ethik Automattics, der auch auf andere Angebote dieses Unternehmens fällt, und es ist leicht möglich, dass diese Entscheidung Automattics einige hier bei WordPress.com bloggende Menschen aus der VR China demnächst das Leben kosten wird. Es mag sein, dass Geld nicht stinkt, aber Automattic beginnt sehr unangenehm zu riechen.

Nein, das Jahr 2010 fängt nicht sehr hoffnungsvoll an.

Euer Elias, der Nachtwächter

Nachtrag 13. Januar 2010: Inzwischen hat auch Google Probleme mit der zensierenden Zusammenarbeit mit der VR China, das sei hier als Ergänzung angemerkt. Ob das lediglich wirtschaftlich motiviert ist und keine weiteren Konsequenzen haben wird, oder ob es eine wirkliche Wende ist, das wird die Zukunft zeigen.

*Natürlich lässt sich diese Aussage nicht so hart belegen, dass sich die Indizien zu klaren Beweisen formen würden, so klar auch das aus der Erfahrung entstehende Bild ist, deshalb hier der Konjunktiv.

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