Tag Archive: Moral


Die Substanz der Moral

Der Chrakter der religiösen Moral erklärt sich aus der Substanz, aus der sie entstanden ist. In Jahrzehnten der Unterdrückung sexuellen Fühlens ist nun alten Männern das Sperma in das Gehirn gestiegen und hat sich ihr Adrenalin in Missgunst verwandelt, und so ist ein Denken entstanden. Die behandelten moralischen Fragen haben eine leicht wahrnehmbare Fixierung auf die Genitalien, während andere Bereiche des menschlichen Miteinanders mit großer Lässigkeit betrachtet werden. Von der Unterdrückung der Sexualität bis zur Perversion ist es eine wohlgebahnte, breite Straße, und viele Pfaffen sind es, die auf ihr wandeln.

Die Gutes und die Böses tun

Zeitgenosse: „Findest du nicht, dass die Religion einen Wert hat, dass sie immerhin Menschen dazu bringt, Gutes zu tun, für wohltätige Zwecke zu spenden, die Welt erträglicher zu machen?“

Nachtwächter: „Nein. Ganz im Gegenteil. Wenn ich die Wahl habe zwischen einem Menschen, der aus eigener Einsicht das so genannte ‚Gute‘ tut und einem anderen Menschen, der es tut, um einem Gotte zu gefallen oder sich einen spirituellen Vorteil mit seinem Tun zu verschaffen, denn bevorzuge ich den Menschen mit der eigenen Einsicht. Und wenn ich die Wahl habe zwischen einem Menschen, der aus eigener Einsicht das so genannte ‚Böse‘ tut und einem anderen Menschen, der es tut und Frömmigkeit heuchelt und allerlei Luftschlösser baut, um es als religiöse Gerechtigkeit hinzustellen, denn bevorzuge ich auch beim so genannten ‚Bösen‘ den Menschen mit eigener Einsicht. Religion ist nicht einmal ansatzweise ein Ersatz für Bewusstsein, Selbstreflektion und Verantwortung. Religion ist die bückgeistige Abgabe der eigenen Möglichkeiten an eine Institution, auch um den Preis, dass man damit dümmer und manipulierbarer wird. Es gibt keine Alternative zum eigenen Bewusstsein.“

Was an der Schule gelehrt wird

Wir müssen auf der Schule Sozialkunde und politische Wissenschaft lehren. Aber müssen wir das? Nein, da ist kein Müssen, denn es ist eine harter Fakt, dass wir in der Schule gar nicht Politik und Sozialkunde lehren können! Der Lehrer, der es versuchte, er sähe sich bald ohne Schüler, ohne einen Cent in der Tasche auf der Straße, wenn nicht sogar auf der Anklagebank, wo er sich verteidigen müsste, während eine gestelzte Anklageschrift wegen seines Aufruhrs gegen die Ausbeuter gegen ihn stünde. Unsere Schulen lehren die Moral eines Adels, der durch das Geschäftssystem verdorben ist; und sie erheben diese militärischen Eroberer, diese Raubritter und diese Großverdiener zu Vorbildern des Ruhmes und des Erfolges.

George Bernhard Shaw, Back to Methuselah (1921)